Produktionsnotizen zu Windtalkers

Der Anfang

Windtalkers ist ein auf starken Charakteren beruhendes, emotionales Action-Drama, das während des Zweiten Weltkriegs im Pazifik spielt. In seinem fünften Hollywood-Film stellt der Regisseur detailliert und atemberaubend die Schlacht um die Pazifikinsel Saipan aus dem Jahr 1944 nach. Im Mittelpunkt der rasanten Action steht die besondere Freundschaft, die sich im Lauf der zahlreichen Gefechte zwischen den Marines entwickelt, sowie das komplexe Beziehungsgeflecht zwischen den legendären Navajo-Code-Sprechern und ihren weißen Leibwächtern.


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Das Thema der Freundschaft in einer mörderischen Zerreißprobe sowie die vielschichtigen Charaktere waren es dann auch, die John Woo und seinen langjährigen Produzenten Terence Chang für das Projekt eingenommen haben. "Ich habe mich auf Anhieb für die Story begeistert", sagt Woo. "Sie ist sehr emotional und zelebriert den Mut und jene Geisteshaltung, die einen Menschen zum Menschen macht. Ich habe etwas anderes gesucht als die übliche Genre-Action, etwas, das unsere Firma entwickeln konnte."

Genau das versprach Windtalkers, da war sich das erfolgreiche Gespann Woo und Chang sofort einig. Schließlich bot der Stoff Woo die Möglichkeit, ähnliche Ideen aufzugreifen, wie er sie schon in gefeierten Hongkong-Hits wie "The Killer" (1989) und "Hardboiled" (1991) behandelt hat. "John wird im Westen hauptsächlich als Action-Regisseur gefeiert", erläutert Chang, "doch in einigen seiner besten Hongkong-Filme geht es in Wirklichkeit um Männerfreundschaft. Das Action-Genre beherrscht er natürlich meisterhaft, doch auch in Bezug auf Schauspielerführung und Drameninszenierung zählt er zu den Könnern. Er schafft es, sein Publikum zu berühren."

Die Geschichte von Windtalkers begann mit den Produzentinnen Alison Rosenzweig und Tracie Graham. Von den indianischen Code-Sprechern erfuhr Rosenzweig zuerst durch ihren Bruder Seth, einem Kenner des Zweiten Weltkriegs. Der heroische Beitrag der Indianer im Pazifikkrieg hatte diesen schon lange fasziniert, und so ermunterte er seine Schwester bereits vor rund zehn Jahren dazu, einen Film über dieses fast unbekannte Kapitel der amerikanischen Geschichte zu machen. "Ich fing sofort Feuer", sagt sie, "aber zunächst dachte ich noch, der Stoff würde zwar einen großartigen Dokumentarfilm abgeben, sei aber nicht unbedingt das Material für einen Spielfilm."

Als sie acht Jahre später wieder einmal auf der Suche nach Filmprojekten war, erzählte Alison Rosenzweig ihrer Produktionspartnerin von den Code-Sprechern. "Das hat mich sofort gepackt", meint Tracie Graham, "aber gleichzeitig fragte ich mich, wie man die Geschichte wohl in eine dramatische Spielfilmhandlung verwandeln könnte." Fest entschlossen verkrochen sich die beiden Frauen in Bibliotheken und wälzten die einschlägige Fachliteratur. Irgendwann stolperten sie dabei über den dramatischen Dreh- und Angelpunkt für ihren Spielfilm.

"Ich las, dass das Marine-Corps für jeden Code-Sprecher eigens einen Aufpasser abkommandiert hatte", erklärt Rosenzweig. "Sie mußsten dafür Sorge tragen, dass der Code-Sprecher, und mit ihm der Code, nicht in die Hände der Japaner fiel." Rosenzweig beteuert, sie habe in der Literatur den Hinweis gefunden, "dass der Leibwächter um jeden Preis verhindern mußste, dass der Code-Sprecher in japanische Gefangenschaft geriet".

Das leuchtet ein: In einem solchen Fall hätte immer die Gefahr bestanden, dass der Gefangene unter Folter den Code verraten hätte. Andererseits hätte sich jeder Vorgesetzte strafbar gemacht, der einem Soldaten befohlen hätte, gegebenenfalls einen anderen Soldaten zu töten. Trotz eingehender Nachforschungen fanden Historiker bislang auch keinen Beweis dafür, dass ein solcher Befehl jemals existiert hat. Aber die grauenvolle Vorstellung, dass ein Soldat einen seiner eigenen Leute hätte töten sollen, einen, mit dem er Seite an Seite kämpft, einen, der ihm zum Freund geworden ist, ließ die Produzentinnen nicht mehr los. Gebannt von den emotionalen Widersprüchen, die ein solcher Befehl auslösen müsste, waren sich Rosenzweig und Graham einig, dass sie ihre Story gefunden hatten.

Was sie nicht minder faszinierte, war die Tatsache, dass das historische Phänomen der Code-Sprecher bis vor kurzem nahezu unbekannt war. "Die Informationsfreigabe über die Existenz der Code-Sprecher erfolgte erst in den späten 60er Jahren", erklärt Graham. "Obwohl die Code-Sprecher von unschätzbarem Wert für den Sieg im Pazifikkrieg waren, wollte das US-Militär ihre vielleicht kriegsentscheidenden Leistungen geheim halten – und zwar gerade weil sie so erfolgreich waren. Sie waren eine äußerst wirkungsvolle Geheimwaffe im Krieg gewesen, und das Militär dachte, sie könnten sie wohl eines Tages wieder dringend gebrauchen."

Die Geschichte nimmt Gestalt an

Für das Drehbuch wandten sich die beiden Produzentinnen an das Autorenteam John Rice und Joe Batteer. "Tracie und Alison waren auf ein schier unlösbares moralisches Dilemma gestoßen, und wir waren alle davon überzeugt, dass sich daraus eine dramatische Erzählung ergeben würde", sagt Rice. "Da werden einem Menschen Befehle erteilt, die seine ganze Ethik in Frage stellen, und er mußs eine schreckliche Entscheidung fällen, wie sie sich nur unter den verschärften Bedingungen des Krieges ergeben kann!" Graham, Rosenzweig, Rice und Batteer stürzten sich erneut in die Nachforschungen. "Wir haben alles gelesen, was irgendwie mit den Navajos und den Marines im Pazifikkrieg zu tun hatte", versichert Rice. Schließlich entschlossen sie sich dazu, ihre Geschichte vor dem Hintergrund der Schlacht um Saipan zu erzählen.

Ihre Szenen entwickelten sie direkt aus Anekdoten, die sie in der Fachliteratur gefunden hatten. "Es kam zum Beispiel vor, dass Navajo-Marines von ihren Kameraden für Japaner gehalten wurden", erläutert Batteer: "Ironischerweise hat man wohl auch deshalb Aufpasser für sie abgestellt: um sie auch vor den eigenen Männern zu schützen!"

Windtalkers sei der indianischen Kultur entlehnt. "Der Wind spielt eine bedeutende Rolle im religiösen und kulturellen Leben der Navajos, und das gibt dem Titel eine ätherische Note: Wir wollten, dass darin die Spiritualität der amerikanischen Ureinwohner zum Vorschein kommt."

Es gab zwar noch kein Drehbuch, aber schon aufgrund des sehr starken und sorgfältig ausgearbeiteten Handlungsverlaufs entschieden sich Woo und Chang zu einem Treffen mit dem Autoren-/Produzentinnen-Quartett. Tracie Graham erinnert sich: "Nach unserem Pitch stand John Woo auf, klatschte in die Hände und sagte: ‘Das ist mal ein Film, genau wie ich ihn mag!" Rosenzweig macht deutlich, dass John Woo ihr Wunschregisseur war: "Da war es natürlich toll, dass er gleich so enthusiastisch reagierte." Graham pflichtet ihrer Partnerin bei: "Das war ein großer Tag."

Von da an entwickelte sich das Drehbuch optimal. Graham, Rosenzweig, Rice und Batteer setzten sich zusammen und perfektionierten das Script. "Man kann Projekte über Jahre hin entwickeln", meint Terence Chang, "aber Windtalkers war schon so durchdacht, dass die erste Drehbuchfassung fast identisch mit dem war, was wir im Pitch gehört hatten." Mit einem soliden Drehbuch und John Woo an der Spitze war der Stoff auf dem besten Weg in Richtung Leinwand.

Joe Enders und Ben Yahzee

Sobald die Vorproduktion von Windtalkers anlief, war das Casting der nächste große Schritt. Für Woo stand von Anfang an fest, dass Nicolas Cage die Hauptrolle in seinen Kriegsfilm spielen sollte. Ein paar Jahre zuvor hatten die beiden bei "Im Körper des Feindes" intensiv zusammengearbeitet, und auch der Oscar-Preisträger war sofort begeistert, wieder mit Woo zu drehen: "John ist sehr kooperativ und vertraut seinen Schauspielern", sagt Cage. "Er ist der ultimative "Auteur". Seine Vision ist eine Welt, in der ich arbeiten will. Ich glaube, er mag das Extreme: Seine Vision ist extrem – und meine auch."

Bei so viel Gemeinsamkeiten war es nicht schwer, die Hauptfigur des Films zu entwickeln: Joe Enders, ein vom Krieg gezeichneter Marine, den die furchtbaren Erlebnisse entmenschlicht haben. "Enders leidet unter einer Kriegsneurose, einem posttraumatischen Stress-Syndrom", erklärt Cage. "Er hat im Krieg Schreckliches durchgemacht und seine Unschuld verloren. Er ist wahrscheinlich der unglücklichste Charakter, den ich je gespielt habe."

Produzentin Graham pflichtet dem Star bei: "Enders’ Rolle ist unglaublich kompliziert. Er ist ein guter Marine und willig, Befehle auszuführen, deswegen wurde er auch für die Code- Sprecher-Mission ausgewählt. Aber gerade weil er sich so strikt an seine Befehle hielt, hat er auf den Salomonen-Inseln alle seine Männer verloren. Er hat getan, was man ihm befohlen hat, und das hat zu einer Katastrophe geführt, die ihm psychisch und physisch immer noch zu schaffen macht."

Dazu kommt, dass Enders einen neuen Auftrag erhalten hat, dessen Sinn er immer weniger einsehen kann. Cage sagt dazu: "Ich werde beauftragt, den Code-Sprecher zu beschützen; gleichzeitig soll ich aber auch den Code schützen. Das ist eine zweischneidige Sache. Den ganzen Film hindurch stellt sich Enders die quälende Frage, was wohl passieren wird, wenn die zweite Möglichkeit eintritt, und er diesen Befehl tatsächlich ausführen mußs."

Ben Yahzee ist der Mann, für den Enders verantwortlich ist. Ein neuer Rekrut, der erst vor kurzem die friedliche Umgebung des Navajo-Reservats verlassen hat. Der Indianer lässt sich leiten von der Spiritualität seiner Kultur; er strahlt ein Gefühl von Ausgeglichenheit und Zufriedenheit aus. Im Gegensatz zu Enders ist sein Geist noch nicht von der Perversion des Krieges vergiftet. Aber Yahzee lernt schnell – und vor allem, wie brutal Krieg sein kann.

Die Charaktere

Am Ende einer intensiven Suche nach einem Schauspieler für diesen Part entschieden sich die Filmemacher für einen kanadischen Indianer vom Stamm der Ojibwa- Nation: Der Schauspieler Adam Beach verkörpert viele von Yahzees Charaktereigenschaften. Terence Chang hatte ihn in dem Independent-Film "Smoke Signals" gesehen und gespürt, dass er die Kraft und das Talent hat, neben Nicolas Cage zu bestehen. "Es war nicht gerade einfach, die Rolle des Yahzee zu besetzen", erklärt Chang. "Wir brauchten einen Schauspieler, der eine der beiden Hauptrollen stemmen konnte, und Adam Beach war dafür perfekt. Er ist ein 100-prozentiger Indianer, wenn auch kein Navajo. Aber die Navajo-Nation hat unsere Wahl für gut befunden und abgesegnet."

Über seinen Charakter sagt Beach: "Yahzee ist ein intelligenter Marinesoldat, aber in der Schlacht mußs er feststellen, dass er nicht gerade gut darin ist, Menschen zu töten." Yahzee sucht die Freundschaft mit Enders, aber der ist nicht interessiert – er will seine Mission nicht unnötig komplizieren. "Durch Enders", sagt Beach, "findet Yahzee die Kraft, sich auf seine Einheit und auf seine Aufgabe zu konzentrieren und sich keine Gedanken darüber zu machen, was vor ihm liegt. Er spürt auch die Kraft, die von der Gemeinschaft der Kameraden ausgeht."

Ungeschoren komme der Indianer mit dieser Erfahrung jedoch nicht davon, meint Cage: "Es bricht Enders das Herz, wenn er sieht, wie Yahzee seine Unschuld verliert, aber Enders mußs die schlummernde Bestie in Yahzee wecken: Wenn er überleben will, mußs er lernen zu töten!" Durch ihre besondere Beziehung gewinnt Enders einen Rest von Menschlichkeit wieder. Jeder der beiden gibt dem anderen die Stärke, die er braucht, um den Krieg zu überstehen.

"In der Beziehung zwischen Enders und Yahzee ist der Film verankert", bestätigt Tracie Graham. "Cage und Beach gelingt es ausgezeichnet, ihren Figuren die notwendige Schwere und Bedeutung zu verleihen, um die Story zu tragen."

Ox Henderson und Charlie Whitehorse

Yahzee und Enders sind Teil eines Spähtrupps in einem Marine-Bataillon, der Positionen des Feindes aufspürt, das Artilleriefeuer mit genauen Zielangaben unterstützt und die Truppenbewegungen lenkt. Yahzee nutzt den Code, um Koordinaten an Whitehorse zu funken, einen befreundeten Code-Sprecher, dem ebenfalls ein Bewacher zugeteilt ist, Sergeant Peter "Ox" Henderson. Christian Slater und Roger Willie verkörpern Ox und Whitehorse.

Christian Slater beschreibt seine Figur als "großherzig und liebenswert", und genau wie Cage hat auch ihn der moralische Konflikt, den seine geheime Order mit sich bringt, für den Film eingenommen: "Enders hat seine Menschlichkeit bis zu einem gewissen Grad aufgegeben und scheint dem Befehl eher blind gehorchen zu wollen; aber Ox stellt diese Order wirklich in Frage."

" Christian Slater ist ein wunderbarer Schauspieler", sagt Alison Rosenzweig, "er und die Figur, die er spielt, sprechen das Publikum gleichermaßen an. Wenn man sieht, wie dieser liebenswerte Charakter mit einem solch niederschmetternden Dilemma konfrontiert wird, ist man selbst emotional betroffen."

Wie Cage war auch Slater begierig, wieder mit John Woo zu drehen. Bereits in "Operation: Broken Arrow" verkörperte er einen Soldaten, doch er hatte noch nie in einem richtigen Kriegsfilm mitgespielt: "Es war eine gute Gelegenheit, den Marines und den Navajos meine Referenz zu erweisen."

Als versierter Schauspieler wurde Slater zum Vorbild für den Newcomer Roger Willie. In der Rolle des Whitehorse verließ sich der Navajo voll auf Slaters Erfahrung. "Ich habe mich einfach an Christian orientiert", gibt Willie zu. "Ich habe ihm voll und ganz vertraut und ließ mich von ihm führen."

Roger Willie hatte überhaupt keine Schauspielerfahrung, als er bei einem offenen Casting-Aufruf in Colorado unter rund 1000 Navajos entdeckt wurde. Eigentlich begleitete er nur seine beiden Neffen zum Vorsprechen, aber der Navajo war natürlich begeistert, als man ihn plötzlich fragte, ob er nicht die Rolle eines der legendären Code-Sprecher spielen wolle. "Roger hat viele Qualitäten", versichert Produzent Terence Chang. "Er hat eine sehr starke Präsenz, und er strahlt Weisheit und Intelligenz aus."

Adam Beach pflichtet dem Produzenten bei: "Roger ist ein Naturtalent. Er hatte überhaupt keine Angst, nahm die Filmfigur sofort an und machte auch gleich Verbesserungsvorschläge für seine Rolle. Für einen Neuling hatte er erstaunlich viel Mut."

Die Geschichte der Code-Sprecher ist Willie heilig, und so war es ihm eine besondere Ehre, einen der legendären Krieger seines Stammes darzustellen. "Es bedeutet mir sehr viel. Für mich waren die Code-Sprecher immer ganz besondere Menschen. Sie sind unsere Helden, in unserer Gemeinschaft behandelt man sie voller Respekt. Ich bin froh, dass der Film gemacht wurde. Für uns Navajos ist dies eine wunderbare Gelegenheit, der ganzen Welt von den Code-Sprechern zu erzählen."

Nicolas Cage fügt hinzu: "Ich denke, es ist für alle Amerikaner und auch für den Rest der Welt wichtig zu wissen, dass die Navajos eine derart aktive Rolle im Kampf um unser Land spielten."

Die Einheit

John Woo rundete seine Besetzung mit einer Riege außergewöhnlicher Schauspieler ab. Chick, ein bulliger texanischer Redneck, wird von Noah Emmerich gespielt. Mark Ruffalo verkörpert Pappas, einen griechischstämmigen Marine, den die Kämpfe derart schockieren, dass er mitten in der Schlacht hyperventiliert. Brian Van Holt stellt den Surfer aus Florida dar, der sein Brett gegen einen Flammenwerfer eingetauscht hat. Martin Henderson spielt Nellie, einen unerfahrenen, verängstigten Jungen von Rhode Island, dessen Gedanken ständig um seine Frau zu Hause kreisen. Und Peter Stormare tritt als Artillerie-Sergeant Hjelmstad auf, ein aus Skandinavien eingewanderter, langgedienter Marine, der das Bataillon befehligt.

All diese Charaktere haben völlig verschiedene Lebenshintergründe, und ihre Wege würden sich niemals kreuzen, aber das Schicksal hat sie zusammengewürfelt, um Krieg zu führen. Wie Leute trotz ihrer Verschiedenheit zusammenfinden, das ist das Thema von Windtalkers. Produzentin Alison Rosenzweig formuliert es so: "Ich denke, jede der Hauptfiguren repräsentiert einen anderen Teil der amerikanischen Gesellschaft. Ein derart breit gefächertes Angebot an hervorragenden Schauspielern trägt entschieden dazu bei, den Plot aufzufächern und ihm die entscheidende Perspektive zu geben. Die Zuschauer können sich in ganz unterschiedlichen Charakteren wiederfinden."

Terence Chang stimmt zu. "Es geht darum, wie Menschen unterschiedlicher Rassen, Kulturen und Religionen lernen, ihre Andersartigkeit zu respektieren und zusammenzuhalten. Für mich ist dies die wichtigste Botschaft des Films."

Wie die meisten Amerikaner wussten auch die Schauspieler so gut wie nichts über die Code-Sprecher oder die Schlacht um Saipan, als sie für den Film unterschrieben. Bei den meisten hat sich der Unterricht über die Geschichte des Zweiten Weltkriegs auf Hitler und den europäischen Kriegsschauplatz konzentriert, die Pazifikschlachten wurden eher am Rande gestreift. Peter Stormare, ein gebürtiger Schwede, meint: "In Europa brachten sie uns das kleinste Detail jeder Schlacht aus dem Zweiten Weltkrieg bei, aber vom Pazifikkrieg wussten wir außer Pearl Harbor und Hiroshima gar nichts."

Stormare zeigte sich schon lange von den US-Marines und der indianischen Kultur Nordamerikas fasziniert. "Als ich als Kind in Schweden aufwuchs, waren das genau die Dinge, die mich an Amerika beeindruckt haben: nicht die Cowboys, sondern die Indianer und die Marines!" Angetrieben von diesem speziellen Interesse und von den Erzählungen einiger Familienmitglieder, die im Zweiten Weltkrieg gekämpft hatten, war Stormare sichtlich begeistert von der Aussicht, in John Woos Film mitzuspielen.

Das Thema Brüderlichkeit und Freundschaft kommt auch in der Beziehung zwischen Pappas und Nellie zum Tragen. Nellie ist unerfahren und furchtsam und sucht Schutz bei den Kameraden. Martin Henderson erklärt: "Nellie will nicht auf dieser Insel sein. Er will daheim sein bei seiner Liebsten. Er wendet sich mitten in der Schlacht an Pappas und sucht moralische Unterstützung, obwohl Pappas selbst gerade durch die Hölle geht." Diesen Freund spielt Mark Ruffalo: "Hartgesottene Burschen wie Pappas wollen mit einem Neuen normalerweise nicht allzu sehr befreundet sein, weil solche unerfahrenen Typen oft schon nach ein, zwei Tagen tot sind. Meine Figur ist ein unwilliger Immigrant, ein Grieche der zweiten Generation; auch er meint, er gehöre nicht wirklich in diesen Krieg. Aber er sitzt hier fest. Das Einzige, was ihm bleibt, ist Kameradschaft. Er mag zwar nicht genau wissen, für was er eigentlich kämpft, aber seine Jungs will er garantiert nicht im Stich lassen. Er kämpft für seine Waffenbrüder. Er ist ein wenig zynisch und bissig, aber im Grunde warmherzig. Er ist schon eine Weile im Krieg gewesen, er kennt sich aus und kümmert sich ein bisschen um den jungen Nellie wie um einen jüngeren Bruder."

Harrigan, der Marine, der den todbringenden Flammenwerfer bedient, hat ebenfalls einiges hinter sich, der Krieg hat ihn hart gemacht. Schauspieler Brian Van Holt sagt über die Figur: "Er war ein lässiger Beach Boy aus Daytona, Florida, der sich freiwillig gemeldet hat. Zuallererst, versteht er sich als Marine und Gewehrschütze, aber dann kriegt er den Flammenwerfer, und der wird ein Teil seiner Identität."

Mit einer 72 Pfund schweren Weltkriegswaffe auf seinem Rücken, die 40 Meter weit Flammen spuckt, mußste Van Holt ganz andere Schwierigkeiten ertragen als seine Kumpels. Das hat seinen Respekt für die US-Marines verstärkt. So lernte der Schauspieler durch sein Rollenspiel viel über die einzigartige Kameradschaft, die dem Marine Corps zu Grunde liegt. "Ich denke, es wird zum Instinkt, dass du den Kerl neben dir retten willst. Und genau dieses Verständnis zeigt sich im ganzen Film."

Um seine bewegende Geschichte auf die große Leinwand zu bringen, versammelte John Woo ein außergewöhnliches Team hinter den Kulissen. Wie in seinem vorherigen Kino-Hit "Mission: Impossible II vertraute Woo wieder auf das kreative Genie von Kameramann Jeffrey Kimball (ASC) sowie auf die Cutter Steve Kemper, Jeff Gullo und Tom Rolf (A.C.E). Auch Ausstatter Holger Gross sowie Kostümbildner Nick Scarano trugen zu Woos hochstilisierter Vision von Windtalkers entscheidend bei.

Waffenspezialist Robert "Rock" Galotti ist ein "Veteran" aller amerikanischen John-Woo-Filme. Für Windtalkers lieferte er über 500 alte Schusswaffen aus den Beständen privater Sammler sowie 700 Kunststoff-Attrappen. Die Marines des Films wurden ausgestattet mit M1-Karabinern, automatischen Browning-Gewehren und Thompson-Maschinenpistolen, während die japanischen Soldaten mit Arisak-Gewehren sowie mit japanischen Maschinengewehren vom Typ 92 und Maschinenpistolen vom Typ 99 bewaffnet wurden. Galotti schätzt, dass für den Film rund eine halbe Million Ladungen verschossen wurden. Außerdem nutzte Woo alte Sherman-Panzer, die kleineren Stuarts und japanische Hago-Panzer.

Kostümbildner Nick Scarano ließ bereits Monate zuvor in ausgewählten Betrieben 2300 Uniformen nach historischen Vorbildern schneidern. Während seiner Recherche erfuhr er, dass die Weltkriegsuniformen der Marines selten passten. "Bei der Ausgabe der Uniformen kamen die Marines an letzter Stelle, sie erhielten meist einen Mischmasch aus schlecht sitzendem Tarnzeug und grünen Arbeitsklamotten." Um Woos Anspruch an Authentizität gerecht zu werden, trug Scarano nicht nur diesem Umstand Rechnung, sondern beschäftigte eine Reihe von Textilkünstlern, die den Uniformen der Marines und der Kaiserlichen Japanischen Armee ein Aussehen verliehen, als wären sie bereits in den schlimmsten Schlachten getragen worden.

Für die Schlacht um Saipan mußsten 750 Statisten dirigiert werden; sie alle wurden vor Ort auf Hawaii angeheuert. Viele hatten einen militärischen Background, waren ehemalige Army- oder Marine-Rekruten, Reservisten oder gar aktive Dienst Leistende auf Urlaub. Rechnet man die rund 350 Mitarbeiter der Produktion dazu, war Windtalkers ein eigenes Bataillon, mit einem Catering-Zelt, das an Spitzentagen über 1000 Menschen versorgen mußste. Die Logistik war gigantisch und zeitraubend.

Die 20-wöchigen Dreharbeiten gingen komplett an Schauplätzen auf Hawaii und im südlichen Kalifornien von statten. Die erste Klappe fiel am Montag, dem 28. August 2000, auf der Insel Oahu bei Honolulu. Die Kualoa-Ranch der Familie Morgan ist eine Rinder- und Ferien-Ranch mit über 4000 Morgen Land. In einem rund eine Meile breiten und 4,5 Meilen langen Tal zwischen zwei Berghängen gelegen, bot sie John Woo die perfekte Naturkulisse für die erschreckend realistische Nachbildung der historischen Schlacht. Da sich die Landschaft von der See her dramatisch bis zu einer spektakulären 360-Grad-Aussicht erhebt, ähnelt das Kualoa-Tal verblüffend der Pazifikinsel Saipan.

Ausbildungslager

Vor den Dreharbeiten bezogen die Hauptdarsteller mit einer Kerntruppe von 62 Statisten ein Ausbildungslager, in dem sie eine Woche lang als Marines für den Zweiten Weltkrieg gedrillt wurden. Dafür stellte das Verteidigungsministerium die Kaneohe-Marine-Basis zur Verfügung. Unter der Anleitung von Sergeant Major Jim Dever, einem pensionierten Veteranen des Marine Corps, und seinen noch aktiven Marine-Ausbildern lernten die Schauspieler, zu reden und handeln wie echte Marines. Dever, der auch als militärtechnischer Berater an Windtalkers mitarbeitete, sagt: "Wir haben ihnen etwas beigebracht über das Marine- Corps, seine Geschichte, seine Struktur; wir haben ihnen gezeigt, wie man Waffen korrekt lädt, handhabt und reinigt und wie sich Marines jener Zeit über ein Schlachtfeld bewegt haben."

Das Ausbildungslager gab den Schauspielern nicht nur einen ersten Ausblick auf das Militärleben, sondern machte sie auch mit taktischen Manövern und der Marine-Terminologie bekannt. Aber das wichtigste Ergebnis dieser Woche war wohl, dass die Besetzung dadurch zusammengeschweißt wurde. Da sie die Dreharbeiten als Freunde begannen, konnten sie die sprichwörtliche Brüderschaft der Marines realistisch und glaubwürdig vermitteln.

Noch etwas mitgenommen von der harten Ausbildung und vollgepumpt mit Adrenalin, traf die Mannschaft auf dem Schlachtfeld ein. Sie konnten kaum fassen, was sie da erwartete. Christian Slater meint: "Wir waren alle vollkommen hin und weg. Der Zweite Weltkrieg schien noch einmal stattzufinden. Es war überwältigend. Es erschien uns gefährlich und Furcht einflößend, daran teilzunehmen."

Die Dreharbeiten - Die Schlacht wird geschlagen

Es war schon eine denkwürdige Szene, als Hunderte von Männern in alten Marine-Uniformen von der See heraufkamen und sich dem feindlichen Schützengraben näherten, der am Berghang entlanglief. Vom Höhenzug aus hatte man eine gute Sicht auf das Feld, und was man da sah, raubte allen Beteiligten schlichtweg den Atem. "Allein in der ersten Einstellung gingen 280 Explosionen hoch, über 700 Statisten rannten dazwischen herum, Panzer fingen Feuer, das war schon sehr beeindruckend", gibt Produzent Terence Chang zu: "John wollte gewaltige Schlachtszenen! Und die bekam er auch! Ursprünglich war die Schlacht um Saipan nicht so gigantisch angelegt. Aber wenn man so ein Drehbuch einem Regisseur wie John Woo in die Hand gibt, mußs man ihm auch die Freiheit lassen, seine eigene Vision zu realisieren."

Autor Rice erinnert sich: "Für einen Autor ist es ein unvergleichliches Erlebnis, wenn er sieht, wie so viele talentierte Menschen seine Story zum Leben erwecken. Und was hier geschah, hat mich schon am ersten Tag der Dreharbeiten von den Socken gerissen! Es war einfach unfassbar!"

Während Nicolas Cage und Christian Slater Woos inszenatorische Meisterschaft schon kannten, waren die anderen Crew-Mitglieder erst einmal erstaunt. Mark Ruffalo sagt: "John Woo ist unglaublich! In einer Einstellung folgt uns nur eine Steadycam in einen Sumpf, in dem sich dann ein entsetzlicher Nahkampf ereignet. Und in dieser einen langen Einstellung hat er das ganze verdammte Ding von Mann zu Mann choreographiert. Das war wie ein Einakter am Theater."

Aber Woo ist vor allem auch der Meister des multiplen Kamera-Set-ups und alternierender Tempi: 14 Kameras, teilweise mit unterschiedlichen Laufzeiten für Zeitlupeneffekte, mußste Jeffrey Kimball einsetzen, um Woos gigantische Schlachtsequenzen auf Film zu bannen! Nach seiner Zusammenarbeit mit dem Action-Spezialisten an "Mission: Impossible II" war er die ausgefallenen Blickwinkel und ausgeklügelten Kamerafahrten des Chinesen schon gewohnt: "John will immer alles in Bewegung halten. Er mag die Choreographie, er will, dass seine Kameras tanzen", sagt Kimball. Aber was auf Hawaii auf ihn zukam, stellte alles in den Schatten, was er je erlebt hatte: "Wenn man so einen Inszenierungsstil auch bei Totalen mit Hunderten von Statisten beibehalten will, gibt es gewisse Probleme", untertreibt er scherzend. "Woo wollte den Film realistisch haben, man sollte fühlen, dass man sich selbst mitten im Krieg befand."

Also griff Kimball auch zu Steadycams und einer kleinen Handkamera, um manche Bilder – aufgeblasen von kleinen Formaten – wie aus einem Dokumentarfilm aussehen zu lassen. Der Chef-Kameramann hat sich ziemlich angestrengt, die ganze Brutalität der Schlacht einzufangen: "In den Totalen haben wir uns mitten unter die Marines gemischt, mitten ins heftigste Feuer, und wir hatten jede Menge Tarnmaterial für unser Equipment dabei. Da eine der 14 Kameras an einem Hubschrauber das Schlachtfeld überflog, mußste der Chef des Kamerateams immer wieder Wege finden, seine Leute auf dem Drehort zu verstecken: "Armeefahrzeuge, Panzer und Palmen verbargen die Kameras, die Crew wurde in Tarnanzüge der Armee gesteckt. Aber eine Kamera darf man im Film sehen, einen uralten Apparat aus dem Zweiten Weltkrieg, mit dem die Marines Aufnahmen gemacht haben."

Die Befehlsstruktur auf dem Set ähnelte dem Kommando im Feld. Woo vertraute seine Vision seiner rechten Hand, dem Ersten Regieassistenten Arthur Anderson, und seinem Stunt- Koordinator Brian Smrz an. Die Bewegung des Statistenheers wurde dann dem militärischen Berater Sergeant Major Jim Dever übertragen, der seine neun Platoon-Kommandanten unterwies, die wiederum ihre jeweils 40 bis 50 Mann starken Einheiten mit Squad-Leadern für die nächste Einstellung formierten.

Unter den Statisten waren 40 kostümierte Stuntmen verteilt, die sich mit den Männern bewegten und sie sicher durch die unzähligen Explosionen führen sollten, mit denen ihnen das Spezialeffekte-Team so richtig einheizte. Unter der Aufsicht von Smrz, der als Stunt-Coordinator an Woos letzten drei Filmen mitgewirkt hatte, rannte das gut ausgebildete Stunt-Team auch durch Feuerbälle und Staubwolken, um dann mit zahlreichen "Squibs", kleinen ferngezündeten Sprengkapseln und Blutbeutelchen, am Körper das Sterben im Kugelhagel zu simulieren und so die ganze Gewalt und Brutalität des Krieges auf die Leinwand zu bringen.

Für die Schauspieler, die teilweise ihre eigenen Stunts absolvierten, war der Realismus des Dargestellten manchmal fast zu viel. Christian Slater bestätigt: "Da gab es eine gefährliche, Angst einflößende Szene nach der anderen. Bei einigen der langen Einstellungen mußsten wir durch explodierende Minen und Bomben rennen – und man mußste verdammt aufpassen, wo man hin rannte." Adam Beach hat das ähnlich erlebt: "Nach meinen ersten beiden Drehtagen war ich ein wenig traumatisiert." Noah Emmerich sagt: "Durch diesen Film habe ich eine etwas genauere Vorstellung von einem Krieg bekommen. Ich war dem Krieg so nahe, wie ich es mir niemals mehr wünsche." Das werden auch die Zuschauer spüren, meint Tracie Graham: "Die bekommen keinen Krieg gezeigt, sondern sind mitten drin."

Um dem ganzen Ausmaß der Schlacht um Saipan gerecht zu werden, wurden zusätzlich noch Computeranimierte Flugzeuge und Schlachtschiffe in Auftrag gegeben. "Für eine derart intime Geschichte ist es wirklich ein großer Film geworden", sagt Chang, "mit Abstand der größte, den John und ich je gemacht haben."

Die üppige Vegetation auf Oahu ergab phantastische Bilder, doch die häufigen Tropen-Schauer stellte die Produktion zunehmend vor logistische Probleme. Der Regen konnte in Schüben kommen oder beinahe unendlich auf Equipment und Crew niederprasseln; der Effekt war der Gleiche: Er verwandelte die Zufahrtswege in unbefahrbare Matschbahnen und unberechenbare Schlammlöcher. Für die Fahrzeuge wurde es gefährlich, zahlreiche pyrotechnische Effekte mußsten abgeblasen, Kostüme, Kameras und anderes empfindliches Gerät vor der Nässe geschützt werden.

Als die Schlacht um die Kualoa-Ranch geschlagen war, zog die Produktion weiter zu den Kokosnuss-Hainen des Dillingham Estates an der Nordküste von Oahu, wo ein Großteil der Szenen aufgenommen wurde, die auf der Bergspitze Tipo Pale spielen. Diese staubige, heiße Gegend bot eine willkommene Abwechslung nach den Regenstürmen. Nach zwei Monaten wurden die Dreharbeiten auf Hawaii abgeschlossen. Schauspieler und Crew trafen sich wieder auf dem südkalifornischen Festland.

Das Camp auf der Südseeinsel Tarawa wurde auf dem Schiffs- und Luftwaffenstützpunkt Point Mugu nachempfunden. Das Hospital der Veteranenverwaltung in der Nähe von Los Angeles diente als Location für die Szene, in der Enders der Krankenschwester Rita begegnet. Nach ein paar bitterkalten Herbstnächten im Malibu Creek State Park, bezog die Windtalkers-Produktion für die restlichen Action-Szenen schließlich noch für zwei Wintermonate Stellung auf der Polsa Rosa Ranch im Soledad-Canyon, Los Angeles County.

Die Idee, aus der Navajo-Sprache einen undechiffrierbaren Code für die militärische Kommunikation zu gewinnen, geht auf Philip Johnston zurück. Schon im Ersten Weltkrieg hatten die Amerikaner Indianersprachen, vorwiegend Choctaw, als Code benutzt. Philip Johnston, der als Sohn eines Missionars im Navajo-Reservat aufgewachsen war, drängte darauf, diese Waffe im Zweiten Weltkrieg nun zu optimieren und verstärkt einzusetzen. Die letzten Codes, die von den Marines bis dahin benutzt wurden, waren derart kompliziert, dass die Entschlüsselung einer Drei-Zeilen-Nachricht oft bis zu zwei Stunden dauerte. Die einfache Codierung einer lebendigen Sprache, so Johnstons Überlegung, ging dagegen fast so schnell wie ein normales Gespräch. Als einer der ganz wenigen Weißen, die Navajo sprachen (man schätzt ihre Zahl Anfang des Kriegs auf 28), wusste er, dass die Sprache weder über Symbole dargestellt noch sonst wie schriftlich fixiert wird: Erlernen konnte sie nur, wer mit dem Stamm zusammenlebte. Denn sie ist so komplex und so subtil, dass schon eine kleine Modifikation der Aussprache und/oder der Beugung die Bedeutung eines Navajo-Wortes völlig verändert.

1942 gelang es Johnston, die Marines für seine Absicht zu gewinnen. 29 Navajos wurden eingezogen, erhielten die Grundausbildung und generierten dann einen Code aus ihrer Muttersprache. Dieser Code basiert auf Navajo-Wörtern, mit denen 211 militärische Begriffe und Sätze umschrieben werden. Beispielsweise steht das Navajo-Wort "Wal" für ein Schlachtschiff, "Eisenfisch" bedeutet U-Boot, "Hühnerhabicht" meint Sturzkampfbomber, eine "Große Ernte" ist der Monat August, ein "Silberner Streifen" bezeichnet einen Leutnant, "Eisenhut" Deutschland.

Natürlich hatten die Navajos auch eine Metapher für das Funkgerät: Nil-Chi-Hal-Nehi: "Der Wind, der spricht". Alle anderen Begriffe, die mit diesen Basis-Wörtern nicht abgedeckt waren, konnten mit einem Alphabet buchstabiert werden, für das die Anfangsbuchstaben englischer Wörter und ihre jeweiligen Navajo-Entsprechungen benutzt wurden. (Die schriftlose Navajo-Sprache kennt kein Alphabet). Beispiel: Nash-Doie-Tso bedeutet in Navajo "Löwe" und steht demnach für ein "L" (wie "Lion"). Die Navajos benutzten jedoch selten das gleiche englische Wort für einen bestimmten Buchstaben, so dass der Code quasi im Sprechen immer wieder neu entstand.

Alle Stammesmitglieder verstanden die einzelnen Worte derart verschlüsselter Nachrichten ohne Probleme; aber nur diejenigen Navajos, die das Geheimnis des Codes kannten, konnten darin auch einen Sinn erblicken. In streng geheimen Schulungen wurde der Code 421 eigens dafür rekrutierten Navajos beigebracht, den so genannten "Code-Sprechern", die in den Schlachten des Pazifikkriegs eingesetzt wurden. Im Feld bestand ihre Aufgabe darin, die Kommunikation zwischen den kämpfenden Einheiten und den Kommandozentren zu gewährleisten.

Über Feldtelefon oder Funk informierten sie die Einsatzleitung über Truppen-Bewegungen und gaben wichtige Koordinaten von Geschützen und Stellungen durch, die dann von Schiffen oder Flugzeugen aus gezielt bombardiert werden konnten. Allein in der blutigen Schlacht um Iwo Jima wurden in 48 Stunden 800 codierte Botschaften notiert – alle fehlerfrei! Die Code-Sprecher, von denen viele hinter den feindlichen Linien oder in Spähtrupps eingesetzt und in mörderische Gefechte verstrickt wurden, unterzogen sich nach der Rückkehr aus dem Krieg einer indianischen Zeremonie. Der "Weg des Feindes" reinigte sie rituell und exorzierte die Geister der von ihnen getöteten Feinde. Die Japaner konnten den Navajo-Code nie dechiffrieren.

Die Amerikaner verpflichteten die Indianer zum Stillschweigen, benutzten den Code in einem geringen Umfang noch einmal im Koreakrieg und hielten ihn bis 1968 unter Verschluss. Bis dahin blieb die Arbeit der Code-Sprecher ein Geheimnis der Militärs und der Indianer. Erst am 26. Juli 2001 wurden die Verdienste der Navajos öffentlich anerkannt: Präsident George W. Bush zeichnete die 29 Code-Sprecher, die den Code entwickelt hatten, im Kuppelsaal des Kapitols in Washington mit der Goldmedaille des Kongresses aus. John Woo, Nicolas Cage, Christian Slater und andere Hollywoodgrößen wohnten dem Festakt bei.

Der Code

Noch ein paar Beispiele aus dem Navajo-Code: Von den "Code-Sprechern" sind insgesamt noch etwa 150 am Leben; von den Navajos, die den Code entwickelten, nur noch fünf. Die Namen der ersten 29 Code-Sprecher lauten: Charlie Begay, Roy L. Begay, Samuel H. Begay, John Ashi Benally, Wilsie Bitsie, Cosey S. Brown, John Brown, Jr., John Chee, Benjamin Cleveland, Eugene R. Crawford, David Curley, Lowell S. Damon, George H. Dennison, James Dixon, Carl N. Gorman, Oscar B. Ilthma, Allen Dale June, Alfred Leonard, Johnny R. Manuelito, William McCabe, Chester Nez, Jack Nez, Lloyd Oliver, Joe Palmer, Frank Danny Pete, Nelson S. Thompson, Harry Tsosie, John Willie und William Dean Wilson.

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