Produktionsnotizen zu About A Boy oder: Der Tag der toten Ente

1. Vom Buch zur Leinwand

1998 veröffentlichte Nick Hornby seinen dritten Roman "About A Boy oder: Der Tag der toten Ente". Zuvor schrieb er bereits die Bücher "Fever Pitch" und "High Fidelity", die ebenfalls verfilmt wurden. "About A Boy oder: Der Tag der toten Ente" ging allein in Großbritannien mehr als eine Million Mal über die Ladentische. Das Buch wurde in mehreren Sprachen übersetzt und wurde in über zwanzig Ländern zum Verkaufsschlager. In Großbritannien landete "About A Boy oder: Der Tag der toten Ente" sogar auf dem ersten Platz der Bestsellerliste. Außerdem platzierte sich das Buch auf Platz eins der Sydney Herold Book Charts and Booktrack sowie auf Platz zwei der Bestsellerliste der L. A. Times.


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In "About A Boy oder: Der Tag der toten Ente" können sich die Leser genauso wiederfinden wie schon in anderen zeitgenössischen Romanen wie etwa "Briget Jones - Schokolade zum Frühstück". Allerdings mit dem Unterschied, dass hier ein Mann die große Liebe sucht und sich in einer vertrackten Situation wiederfindet. Genauso wie Frauen sind auch Männer hin und her gerissen, haben Angst und sind sehr verletzbar. Eine Geschichte also, die Frauen und Männer gleichermaßen anspricht. Frauen treffen in der Geschichte nicht nur Männer wieder, wie sie sie vielleicht einmal selbst kennen gelernt haben, sondern auch sich selbst. Hornby hat seinen Protagonisten eine emotionale Tiefe gegeben, damit sich jeder mit ihnen identifizieren kann. Mit der magischen Mischung aus Humor und Drama behandelt er dabei Themen wie Isolation, Bindungsangst, Familie und Liebe.

Die in New York ansässige Produktionsgesellschaft Tribeca unter der Leitung von Robert De Niro und Jane Rosenthal erwarb noch vor der Veröffentlichung des Romans im Jahre 1998 die Filmrechte, und durch die Kooperation mit New Line konnte das Projekt sofort in Angriff genommen werden. Produzentin Jane Rosenthal erzählt, dass offensichtlich jeder von der Geschichte angezogen wurde: "Nick Hornby hat eine außergewöhnliche Sprache. Das Buch bot sich regelrecht an, verfilmt zu werden. Es gibt nicht viele Schriftsteller, die mit einer solchen Intention schreiben, die es ermöglicht, den Roman für die Leinwand zu adaptieren." Durch Veränderungen im Management von New Line vor einigen Jahren geriet das Projekt in eine Nische jenseits des Mainstream-Kinos. New Line sah sich nicht mehr in der Lage, mit dem Projekt fortzufahren, und so sprang Universal Pictures ein.

Nachdem man sich entschlossen hatte, den Film an dem gleichen Schauplatz wie im Buch spielen zu lassen, suchte Tribeca für die Aufnahmen in London nach einem britischen Produktionspartner. Was lag näher auf der Hand, als sich mit der in Großbritannien ansässigen Produktionsgesellschaft Working Title zusammenzutun, die bereits eine langfristige Vereinbarung mit Universal Pictures eingegangen ist. Gemeinsam hatten sie bereits Nick Hornbys Roman "High Fidelity" verfilmt. Darüber hinaus hat Working Title eine enge Beziehung zu Hugh Grant, der in ihren drei erfolgreichsten Filme "Vier Hochzeiten und ein Todesfall", Notting Hill und Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück die Hauptrolle spielte. Es stand von vornherein fest, dass Grant auch in About A Boy oder: Der Tag der toten Ente die Rolle von Will übernehmen sollte. Jane Rosenthal erinnert sich: "Die Zusammenarbeit mit Working Title war ausgezeichnet. Dadurch wurde uns die Arbeit an einem Drehort im Ausland enorm erleichtert. Es war eine wundervolle Zusammenarbeit, und ich hoffe, es werden sich noch mehr Gelegenheiten ergeben."

Als man mit Working Title ins Gespräch kam, stand bereits fest, dass die Brüder Paul und Chris Weitz die Regie übernehmen würden. Beide arbeiteten schon an der Drehbuchadaption des Romans, auch wenn ihr Engagement als Regisseure einer erfolgreichen Teenie-Komödie wie "American Pie" auf den ersten Blick nicht gerade plausibel erschien. Dazu Jane Rosenthal: "Sie waren von dem Stoff regelrecht fasziniert. Ihre Leidenschaft sprach Bände. Auch wenn sie für derartige Filme nicht gerade prädestiniert erschienen, merkten wir schon nach dem ersten Treffen, dass ihnen dieser Film mehr am Herzen liegen würde als alles Andere, was sie bisher gemacht haben."

Zwei Jahre bevor er als Regisseur verpflichtet wurde, hatte Chris Weitz das Buch bereits gelesen und sich in die Geschichte regelrecht verliebt: "Es ist ein überaus liebenswerter und faszinierender Stoff." Nachdem er seinen Bruder Paul davon überzeugen konnte, sich die Filmrechte zu sichern, mußsten sie leider feststellen, dass ihnen jemand zuvor gekommen war und auch schon ein Regisseur für die Verfilmung verpflichtet wurde. Tribeca signalisierte dennoch Interesse an einer Zusammenarbeit, falls sich an ihren Plänen etwas ändern sollte. Zu ihrer großen Überraschung änderten sich die Pläne tatsächlich. Dazu Chris Weitz: "Wir hatten das Projekt seit einigen Jahren wie die Geier umkreist, und schließlich haben wir den Zuschlag bekommen."

Nach dem Teeniefilm "American Pie" waren sie mehr daran interessiert, eine Geschichte umzusetzen, die eher ein erwachsenes Publikum anspricht. Eine Geschichte, die weniger von visuellen Reizen abhängig ist, sondern von einer geistreichen Komik lebt. Paul Weitz erzählt: "Der Witz dieses Romans ist viel geistreicher als in den meisten Komödien, die man heute im Kino vorgesetzt bekommt." Den beiden Brüdern gefielen außerdem die Dialoge in Hornbys Roman, die auf eine gute Beobachtung schließen lassen. "Die einzige Schwierigkeit bestand nur darin, welche der unglaublich reichhaltigen Dialoge man auswählen sollte, und auf welche man verzichten könnte, um daraus einen zweistündigen Film zu machen", erzählt Chris Weitz. Eine interessante Herausforderung war für sie auch, die Mischung aus Humor und Drama auszubalancieren. "Jede Komödie stellt einen heiklen Balanceakt dar", führt Chris Weitz fort, "über welche menschlichen Eigenheiten amüsiert man sich, und welches Benehmen eines Menschen wirkt auf uns eher verstörend? Es galt, den richtigen Ton zu finden. Das war unsere Aufgabe."

Produzent Eric Fellner meint: "Es war für uns alle sehr aufregend, eine britische Idee aus einer amerikanischen Sichtweise zu betrachten und zu beobachten, was daraus entsteht."

Noch bevor Chris und Paul Weitz an Bord kamen, stand bereits fest, About A Boy oder: Der Tag der toten Ente in London zu drehen. Das war eine Entscheidung, die den Beiden nur Recht war. Besonders Paul war davon ganz angetan. Schließlich ging er in St. Pauls zur Schule und studierte später in Cambridge. Über ihre gemeinsame Arbeit sagen sie nur, dass sie es schlichtweg genießen, sich in kreativer und technischer Hinsicht gegenseitig zu unterstützen.

2. Die Besetzung der Hauptrolle

Hugh Grant war schon vor den Weitz-Brüdern für das Projekt verpflichtet worden. Er ist ein großer Fan des Romans und liebäugelte einst sogar selbst, die Rechte für seine eigene Produktionsgesellschaft Simian zu kaufen. Bei Tribeca war man überglücklich, als Hugh Grant signalisierte, dass er die Rolle des Wills unbedingt übernehmen würde. Er wurde sofort verpflichtet.

Dennoch war Hugh Grant zunächst sehr überrascht, als man ihn vor die Tatsache stellte, dass ausgerechnet die Weitz-Brüder die Regie übernehmen würden. Seine erste Reaktion war: "In dieser Geschichte hat niemand Sex mit einem Apfelkuchen. Nachdem ich die Beiden aber getroffen hatte, mußste ich eingestehen, dass ich zuvor noch nie amerikanische Regisseure kennen gelernt habe, die so belesen waren." Die Aussicht, gleich mit zwei Regisseuren zu arbeiten, erschien Hugh anfangs jedoch als sicheres Rezept, um in eine Katastrophe zu schlittern: "Ich habe selbst einen Bruder, und die Vorstellung, mit ihm einen Film zu drehen, halte ich für undenkbar. Wir würden uns wahrscheinlich in weniger als einer Woche gegenseitig umbringen. Aber diese Beiden gehen unglaublich höflich miteinander um." Mit Chris und Paul Weitz arbeitete Grant schon bei der Drehbuchentwicklung eng zusammen, und die beiden Regisseure bestätigten mehrfach, dass die frühe Teilnahme ihres Stars für alle von großem Nutzen war.

Die Figur des Will erlaubte es Hugh Grant, mehrere Facetten des Charakters zu zeigen. Wie schon mit seiner Rolle in Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück konnte er sich auch diesmal stärker von seinem Image des netten und romantischen Helden distanzieren, mit dem er berühmt geworden ist. Will ist ein 38-jähriger Faulenzer, der sich davor scheut, verbindliche Beziehungen einzugehen. Er hat keine Ambitionen und ist nicht gerade Jemand, der sein eigenes Verhalten reflektiert. Er verpulvert die Tantiemen seines Vaters, die dieser für seine vor Jahren geschriebenen Weihnachtslieder bekommt. Will genießt das sorglose Leben und verbringt seine Zeit in angesagten Cafés und Restaurants. Er sieht sich im Fernsehen Gameshows an und verabredet sich gleich reihenweise mit schönen Frauen. Aber sein unbeschwertes Leben scheint nicht mehr das zu sein, was es einmal war, als er sich mit Ende 30 zu seiner eigenen Überraschung mit einem 12-jährigen Jungen anfreundet. Die Geschichte konzentriert sich auf diese Freundschaft und zeigt, wie sich die Beiden dadurch zu ihrem Vorteil verändern.

Hugh Grant interessierte sich aus mehreren Gründen für die Geschichte: "Es ist eine sehr starke und bewegende Story, die sehr komisch ist und mir die Gelegenheit gab, neue Wege zu beschreiten." Abgesehen von den lustigen Szenen und Dialogen des Films, sind die äußeren Umstände der zentralen Charaktere eher traurig. Dazu Grant: "Jede gute Komödie basiert letztlich auf Traurigkeit. In diesem Film gibt es sehr viel Traurigkeit, vor allem im Leben des Jungen. Und in einer Komödie versucht man, sich gegen diese Traurigkeit aufzulehnen."

Produzent Eric Fellner über Hugh Grant: "Jedesmal wenn wir mit Hugh Grant zusammenarbeiten, sehen wir etwas Neues in ihm. Seine Rolle ist diesmal etwas ernster, wenn man die im Film thematisierten Inhalte bedenkt. Aber diese Inhalte sind mit der Komödie fest verwoben, und wir kennen Hugh als großartigen Komödianten. Ich denke, die Zuschauer werden wirklich überrascht sein. Er zeigt, was für ein guter Schauspieler er ist." Fellner weiter: "Hugh nimmt seine Arbeit als Schauspieler sehr ernst und ist absolut bei der Sache. Er durchdenkt jede einzelne Szene, weil er sich sicher sein will, dass der Dialog hundertprozentig zur Figur und zur Geschichte passt. Außerdem ist er sehr geschickt darin, neue Ideen für eine Szene oder einen Dialog zu finden. Wie gesagt: Er beeindruckt uns immer wieder aufs Neue."

Chris Weitz fügt hinzu: "Hugh hat ein außergewöhnliches Arbeitsverständnis. Wenn man ihn beim Spiel beobachtet, erscheint alles immer so leicht, als ob er jedes Detail aus dem Ärmel schütteln würde. Tatsächlich ist es aber harte Arbeit, dass alles so leicht aussieht."

Hugh Grant bekam einen neuen Haarschnitt, aber es war vor allem Kostümbildnerin Joanna Johnston, die ihn in einen urbanen Trendsetter verwandelte. Für die Gestaltung seiner Garderobe arbeitete Joanna Johnston mit angesagten Designern wie Fake, Paul and Joe, Joseph, Diesel, Spiewak, Vexed Generation und Acupuncture zusammen.

3. Die Arbeit mit Kindern

Tribeca hat schon sehr früh damit begonnen, für die Rolle des Marcus einen passenden Darsteller zu finden, denn man war sich darüber im Klaren, dass die Suche einige Zeit in Anspruch nehmen würde. Dazu Jane Rosenthal: "Wir suchten ein Kind, zu dem die Zuschauer sofort einen Zugang finden würden; ein Kind, in das sie sich auf Anhieb verlieben würden. Es sollte ein bisschen quirlig sein, aber auch über eine gewisse magische Ausstrahlung verfügen."

Marcus ist ein eigentümlicher Junge von 12 Jahren, der zwischen den Anforderungen seines Zuhauses und der Schule hin und her gerissen ist. In der Schule ist er der Außenseiter. Er wird von seinen Mitschülern gehänselt, weil er anders ist als sie. Gleichzeitig fühlt er sich als Beschützer seiner eigenwilligen Mutter Fiona, die nicht nur Vegetarierin ist, sondern ihren Sohn auch dazu ermuntert, unangepasst zu sein. Auch wenn man sich keinen ungeeigneteren Vater als Will vorstellen kann, wird er für Marcus zur Vaterfigur. Am Ende stellt sich heraus, dass Will genau der richtige Freund für Marcus ist, den er braucht, um zu lernen, sich wie ein 12-jähriger Junge zu benehmen. Genauso wichtig ist Marcus für Will, der dessen Leben die fehlende Substanz gibt.

Nicholas Hoult, der aus Hunderten von Bewerbern ausgewählt wurde, war für alle die richtige Wahl. Paul Weitz erinnert sich: "Er ist unglaublich natürlich und ehrlich vor der Kamera." Beide Regisseure bestätigen, dass es ein gewisses Risiko war, die Rolle mit Nicholas zu besetzen. Denn seine bisherigen Filmerfahrungen reduzieren sich auf kleinere Fernsehrollen und nur eine Hauptrolle, die schon etwas länger zurückliegt. "Doch von Tag zu Tag kristallisierte sich immer mehr heraus, dass er genau der richtige Junge ist", erzählt Chris Weitz, "ich danke den Sternen, dass wir uns für ihn entschieden haben. Er ist so natürlich, und alles scheint wie selbstverständlich für ihn zu sein. Er lag mit seinem Spiel immer richtig." Sein Bruder Paul ergänzt: "Er verfügt über eine ungewöhnliche Konzentration und macht sich über seine Darstellung wirklich Gedanken."

Hugh Grant hatte in diesem Umfang bisher noch nie mit einem Kind vor der Kamera zu tun gehabt und war dementsprechend anfangs sehr skeptisch. Er besuchte mehrere Vorsprechen, und immer wieder fiel ihm dabei auf, dass die meisten Kinder schon nach der ersten oder zweiten Einstellung das Interesse verloren. Er sagt: "Sogar ich halte drei Einstellungen durch, bevor ich mich langweile. Aber Nicholas war anders. Er ist konzentriert und wirklich sehr erwachsen, wenn es um die Schauspielerei geht. Er kannte seinen Text und spürte instinktiv, was er zu tun hatte." Oft ergänzte Grant noch während des Spiels die Szene mit einer neuen Idee. "Nicholas nahm den Ball immer auf und kam dann wieder auf den Text zurück, und oft toppte er mich sogar", lacht Grant. Fellner über den Jungen: "Nicholas hat in der Tat eine erstaunliche Leistung erbracht."

Die Möglichkeit, eine Rolle wie die des Marcus zu übernehmen, war für Nicholas die Erfüllung eines Traums. Er wollte so viel wie möglich über die Rollen der anderen Schauspieler wissen und genoss es, am Drehset zu sein. Seine Mutter, die sich ständig in seiner Nähe aufhielt, mußste ihren Sohn am Ende eines Drehtages buchstäblich nach Hause ziehen. Die anderen Darsteller und die Crewmitglieder waren von der konzentrierten Arbeitsweise und der Pünktlichkeit ihres jungen Hautdarstellers trotz der extrem langen Arbeitszeiten sehr beeindruckt. Als die Regisseure Nicholas mitteilten, dass seine Szenen alle im Kasten wären, kamen ihm die Tränen. Für ihn ging eine Zeit wunderbarer Erfahrungen zu Ende. Auch die Playstation 2, die ihm die Regisseure für seine großartige Leistung zum Abschied schenkten, konnte Nicholas nicht trösten.

Nicholas war auch im Nachhinein davon überwältigt, dass er mit so einem großen Star wie Hugh Grant vor der Kamera stand: "Hugh hat mich wirklich sehr unterstützt. Mit seinen Vorschlägen hat er mir täglich etwas Neues beibringen können. Zuerst war ich ziemlich verkrampft, aber er half mir, mich so natürlich wie möglich zu verhalten." Nicholas abschließend: "Die Zusammenarbeit mit zwei Regisseuren ist eigentlich viel besser als mit einem, weil sie doppelt so viele Ideen haben."

4. Die weiblichen Hauptrollen

Nachdem die männlichen Hauptdarsteller gefunden waren, mußsten nur noch die weiblichen Rollen besetzt werden. Für die Rolle der Fiona entschieden sich die Filmemacher für Toni Collette. Es war ungeheuer wichtig, dass die Darstellerin, die Fiona spielt, diesen grundsätzlich traurigen Charakter mit Humor ausfüllen könnte. "Toni ist eine der großartigsten Schauspielerinnen, die es gibt", schwärmt Chris Weitz. "Sie ist durch und durch komisch", fährt Paul Weitz fort, " wir haben sie alle in ‚Muriels Hochzeit" gesehen, wo sie ein bedauernswertes Mädchen spielt und trotzdem urkomisch ist. Es ist sehr schwer, eine Künstlerin zu finden, die so ehrlich mit ihren Gefühlen umgeht und über die Gabe verfügt, Komik perfekt zu timen."

Fiona ist eine idealistische, aber auch selbstmordgefährdete Frau, die ihren Sohn mit aller Macht davon abhält, sich dem Leben unbeschwert hinzugeben. Denn totale Angepasstheit ist ihr zuwider. Sie lehrt ihn, seine Individualität zu bewahren und merkt gar nicht, in welche Schwierigkeiten sie ihren Sohn dadurch bringt. Toni Collette über ihre Figur: "Das ist eine sehr komplexe und interessante Rolle, die zu einer Geschichte gehört, die mich sehr bewegte. Erst die Weisheit und der Mut eines Kindes bringen zwei Menschen dazu, sich von ihren extremen Haltungen und Werten zu lösen, um Kompromisse einzugehen. Nur so können sie sich einander nähern."

Die Schauspielerin hat es sehr genossen, mit ihren Kollegen zusammenzuarbeiten, und über Hugh Grant weiß sie nur Gutes zu berichten: "Er ist so ernsthaft und vorsichtig bei allem, was er tut." Über Nicholas Hoult sagt sie: "Er ist so wunderbar, und es war sehr beeindruckend, ihn in dieser Rolle wachsen zu sehen. Kinder sind für gewöhnlich näher an der Wahrheit, weil sie weniger von den sogenannten Gesetzmäßigkeiten der Welt beeindruckt sind. Nicholas ist wirklich ein ganz besonderer Junge."

Ein wirklich wichtiger Aspekt in About A Boy oder: Der Tag der toten Ente ist, dass die Geschichte in keine sentimentale Richtung führt. Will hatte mehr als einmal die Möglichkeit, die Mutter von Marcus zu verführen. Doch Hornby widerstand dieser Versuchung, auch wenn es im wirklichen Leben wahrscheinlich nie so problemlos verlaufen würde. Stattdessen entschied er sich für ein Ende, das realistischer wirkt und die Möglichkeit für eine noch größere Familie offen lässt. Die Regisseure hoffen, dass die Zuschauer ihnen vergeben werden, dass die männliche und die weibliche Hauptperson am Ende des Films nicht zusammenfinden. Die romantische Liebe, wie sie sonst auf der Leinwand erblüht, wird hier durch eine der begehrtesten Jungschauspielerinnen Großbritanniens symbolisiert.

Die Schauspielerin, die im Film Rachel spielt, mußste selbst eine starke Persönlichkeit haben. Nicht nur, weil sie erst nach der ersten Hälfte des Films eingeführt wird, sondern auch, weil es für den Zuschauer glaubhaft erscheinen mußste, dass Will große Leidenschaft für sie empfindet. Denn zum ersten Mal in seinem Leben ist er hoffnungslos verliebt. Rachel Weisz füllt die Rolle mit Schönheit, Energie und einem Hauch von Verschrobenheit aus, den die Regisseure für notwendig erachteten, um zu verhindern, dass die Geschichte ins Kitschige driften würde. Dazu Paul Weitz: "Rachel ist auf der Leinwand wie ein Magnet. Wenn man sie sieht, weiß man, warum sich Will Hals über Kopf in sie verliebt. Ein Magnet ist sie aber auch, weil ihr Charakter sehr vielschichtig angelegt ist."

Rachel ist die allein erziehende Mutter eines 12-jährigen Jungen. Sie arbeitet als Cartoonzeichnerin und ist eine unkonventionelle Lebenskünstlerin und geistreiche Frau. An Will hat sie ein starkes Interesse, doch als sie erfährt, dass er sie über sein wahres Verhältnis zu Marcus belogen hat, wendet sie sich wieder ab. Erst als sie realisiert, wie stark Wills Zuneigung gegenüber Marcus ist, hofft der Zuschauer, dass er eine zweite Chance bekommt. Rachel genoss die Möglichkeit, einerseits eine komödiantische Rolle zu spielen, andererseits aber auch eine Frau verkörpern zu können, die keinem bestimmten Typus entspricht. "Ich empfinde sie als eine komische Frau, die eher etwas widerspenstig und sonderlich ist", meint Rachel Weisz, "sie ist nun mal nicht das nette Mädchen von nebenan, das allen Erwartungen entsprechend am Ende des Films mit dem Helden zusammenkommt."

5. Dreharbeiten in London

Die Dreharbeiten begannen in London am Dienstag, den 17. April 2001.

Die Darsteller und das Filmteam verbrachten sieben Wochen in der englischen Metropole, wo sie an verschiedenen Orten drehten. Erster Schauplatz war Clerkenwell im Norden Londons, der das Aussehen des gesamten Films bestimmte. In dieser Umgebung befindet sich Wills Lebensbereich. Clerkenwell ist weitaus weniger romantisch für ein London, wie es dem Publikum bisher auf der Leinwand präsentiert wurde. Nicky Kentish Barnes (Ko-Produktion) erzählt: "Clerkenwell hat zwar diese Mischung aus Alt und Neu, wie es für London typisch ist, doch bisher wurde der Ort nur selten als Filmschauplatz genutzt. Somit konnten wir in unserem Film London von einer völlig neuen Seite zeigen." Produktionsdesigner Jim Clay fügt hinzu: "Das ist ein ganz anderes London. Es ist das realistische London. Wer hier wohnt, hat es mit einer pulsierenden und aufregenden Stadt zu tun. Das ist die Welt, die wir im Film zeigen wollen, und nicht das traditionelle Bild von London, wie man es schon hundert Mal gesehen hat."

Weitere Drehorte in London waren Regent's Park, London Zoo, Kentish Town im Norden Londons und Notting Hill im Westen der Stadt. In den beiden letztgenannten Stadtteilen befanden sich die Häuser von Rachel und Fiona. Wie immer bei Dreharbeiten in London, stand das Team auch diesmal vor einer logistischen Herausforderung. Die Location-Scouts hatten alle Hände voll zu tun, die passenden Drehorte mit entsprechenden Einrichtungen für die Crew ausfindig zu machen. Darüber hinaus standen alle unter permanenter Beobachtung der Presse und vorbeigehender Fußgänger.

Dennoch herrschte am Set stets eine gute Atmosphäre. Die Crew und die Schauspieler arbeiteten von Anfang an sehr harmonisch zusammen. Für gewöhnlich hat der Regisseur am Set das Sagen, aber mit ihrer Großzügigkeit und Besonnenheit sorgten die Weitz-Brüder stets für eine herausragende Stimmung, damit alle Beteiligten ihr Bestes geben würden. "Es ist wirklich großartig, mit den Beiden zu arbeiten", sagt Nicky Kentish Barnes, "wenn sie Regie führen, sind sie eine Einheit. Beide sind sehr großzügig. Sie genießen ihre Arbeit und unterstützen Andere, wo sie nur können. Das war von Anfang an sehr wichtig für sie. Am Set sollten alle glücklich sein!" Toni Collette fügt hinzu: "Sie sind nicht nur großartige Filmemacher, sondern auch tolle Kerle. Die Stimmung am Set war nett und extrem positiv. Es hat mir viel Spaß gemacht, dabei zu sein." Chris und Paul sorgten auch an regnerischen Tagen für gute Stimmung. Immer wenn die Filmkassetten gewechselt wurden, spaßten sie herum und forderten sich gegenseitig heraus, wer von ihnen mehr Liegestützen schaffen würde.

Die Außenaufnahmen waren nach sieben Wochen abgeschlossen. Danach wurden in den Shepperton Studios die Szenen gedreht, die in der Wohnung von Will und dem Haus von Fiona spielen. Produktionsdesigner Jim Clay gestaltete mit seinem Team sehr unterschiedliche Lebensbereiche für Will und Fiona. Damit soll auf der Leinwand auch die Unterschiedlichkeit ihrer Charaktere bis ins kleinste Detail erkennbar sein.

Die Wohnung von Will entspricht exakt dem modernen Lebensstil eines Junggesellen. Ein zeitgemäßes und urbanes Milieu, das durch trendige Möbel und neueste technische Einrichtungen gekennzeichnet ist. Damit soll der Eindruck vermittelt werden, dass sich Will gern mit Dingen umgibt, die im Trend liegen, wahrscheinlich um von seiner emotionalen Leere abzulenken. Da ziemlich viele Szenen in Wills Apartment spielen, mußste Jim Clay dem Kameramann Remi Adefarasin möglichst viel Platz für Kamerafahrten zur Verfügung stellen. Nur so war es Adefarasin möglich, Szenen, die sehr viel Licht benötigten, ineinander übergehen zu lassen.

Das Haus von Fiona ist das genaue Gegenteil von Wills Wohnung. Es ist sehr klassisch und gemütlich eingerichtet. Auch wenn die Tapeten ausgeblichen sind, die Möbel abgenutzt erscheinen und ein trauriger Eindruck entsteht, ist das Haus im Grunde genommen sehr warm und einladend. In den Fenstern hängen Poster mit Aufdrucken wie "Anti-GM", "CND" und "Free Tibet" und überall im Haus sind vegetarische Kochbücher und ethnische Götterfiguren verteilt. Es besteht kein Zweifel: In diesem Haus wohnt eine ungewöhnliche Frau mit ihrem Kind.

6. Das Ende

Paul Weitz fasst zusammen: "Ich denke, dieser Film berührt seine Zuschauer durch eine Mischung aus Comedy und Emotionen. Er ist sehr komisch, gleichzeitig werden aber auch ernste Themen wie Isolation, Familie und Liebe behandelt."

Um die Weitz-Brüder mit einer typisch britischen Tradition zu verabschieden, organisierten die Produzenten ein Cricket-Spiel. Die männlichen Schauspieler und Crewmitglieder hatten schon während der Drehpausen geübt. Ein Team wurde von Hugh Grant angeführt. In seinem Cricket-Trikot sah er einfach umwerfend aus, und trotz seiner Rückenschmerzen lieferte er ein tolles Spiel. Chris und Paul traten in verschiedenen Mannschaften gegeneinander an. Ironischerweise schieden Beide durch Abfangen des Balls wieder schnell aus dem Spiel aus. An diesem Tag schien die Sonne, gutes Essen und Getränke wurden serviert, und die Darsteller und Crewmitglieder verbrachten zusammen einen letzten wunderbaren Tag, bevor sich ihre Wege durch neue Engagements wieder trennen würden.

© Fotos: UIP © 1994 - 2010 Dirk Jasper