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Hank Grotowski (Billy Bob Thornton) arbeitet als Wärter im Todestrakt des Staatsgefängnisses von Georgia - eine Familientradition. Sein Vater Buck (Peter Boyle) hatte den selben Job und brütet inzwischen im Ruhestand, während sein Sohn Sonny (Heath Ledger) Seite an Seite mit Hank Todgeweihte und Hinrichtungen überwacht.Nicht nur der Beruf scheint vererbt über drei Generationen in dieser Familie, in der zu leben es keine Frau lange vorzog. Gemein ist Hank und Sonny etwa die Angewohnheit, sich mechanisch an der selben Prostituierten abzureiben. Oder den ganz gewöhnlichen Rassismus zu kultivieren. Noch so eine hehre Familientradition. Beim alten, verbitterten Buck Grotowski geht der Widerwillen gegenüber Farbigen so weit, dass er Hank anweist, die spielenden schwarzen Nachbarskinder zu verscheuchen. Zur Not mit der Waffe. Sonny dagegen mag die Kids des Nachbarn Ryrus Cooper (Mos Def).
Als die Männer Musgrove am nächsten Tag zum elektrischen Stuhl geleiten, mußs sich Sonny vor Widerwillen übergeben. Daraufhin rastet Hank völlig aus, gibt rassistische Tiraden von sich und demütigt seinen Sohn vor allen Kollegen aufs Übelste. Nur Momente später wird Musgrove hingerichtet. Bittere Ironie, dass Sonny der einzige ist, dem dies hier an die Nieren zu gehen scheint. Denn Musgroves Frau Leticia (Halle Berry), eine Kellnerin, hat entschieden, nicht zur Hinrichtung zu erscheinen. Sie will sich dieses Trauma ersparen. Statt dessen hatte sie Lawrence am Vortag mit ihrem 12-jährigen Sohn Tyrell (Coronji Calhoun) besucht, um den Jungen Abschied von seinem Vater nehmen zu lassen. Doch nun ist sie allein.
Hoffnungslos überfordert, mit geübtem Griff zur Flasche. Aber auch das wirksamste Betäubungsmittel kann nicht verhindern, dass Leticias Zukunftsangst, Wut und Schmerz über ihr zusammenschlagen und sie sich vergisst. Für einen Moment nur. Doch es ist ein grausamer Moment, in dem sie ihr schutzloses Kind anschreit und wegen Fettleibigkeit beschimpft.
Vielleicht sogar zur gleichen Zeit spielt sich anderswo in der Umgebung eine ähnliche Szene ab, als Hank Grotowski mit seinem Sohn in Streit gerät. Es wäre an der Zeit, dass unbequeme Wahrheiten ausgesprochen werden und eine Basis gefunden wird, die auf gegenseitigem Respekt statt auf der Gewohnheit der Gemeinheit basiert. Doch es kommt zu keinem Gespräch. Nur zu Geschrei und Beleidigungen. Hank ist noch nicht einmal überrascht, als Sonny plötzlich eine Waffe in der Hand hält. Doch er schießt nicht. Nicht auf Hank. Statt dessen zieht es der widerwillige Exektionsgehilfe vor, sein eigenes Todesurteil auszusprechen und nimmt sich vor den Augen seines Vaters das Leben.
In den Wochen danach ist es schwer zu sagen, was dieser Verlust in Hank Grotowski ausgelöst hat. Er ist kein Mann, der seine Trauer zeigen könnte. Er brütet. Deutlichstes Zeichen einer längst überfälligen Kurskorrektur ist die Kündigung seines Jobs im Staatsgefängnis. Sein Vater Buck ist angewidert von diesem Anzeichen der Schwäche. Wenn es in diesem Klima für Hank überhaupt Möglichkeiten zu kleinen Fluchten gibt, dann finden diese in anderen Ritualen statt. Da gibt es etwa das Diner, das er regelmäßig besucht, um ein Schokoladeneis zu essen. Seit Jahren ist ihm hier noch nie die Kellnerin Leticia aufgefallen. Er ahnt nicht, dass er ihren Mann auf dem elektrischen Stuhl als letzter lebend gesehen hat. Auch sie ahnt es nicht.
Als Leticia und ihr Sohn in einer Regennacht den Heimweg zu Fuß antreten müssen, weil ihr Auto wieder mal kaputt ist, wird Tyrell angefahren und vom Unfallfahrer unbeachtet am Straßenrand zurückgelassen. Ausgerechnet Hank, der zufällig an der Unfallstelle vorbei fährt, bringt das blutüberströmte Kind schließlich zusammen mit der hysterischen Mutter ins nächste Krankenhaus. Doch für Tyrell kommt jede Hilfe zu spät. Weil sich niemand um das weitere Schicksal der Schwarzen, die soeben ihr einziges Kind verloren hat, zu kümmern scheint, erklärt sich Hank auch noch dazu bereit, Leticia in ihr verlassenes Heim zurück zu fahren.
In den folgenden Tagen ist Hank immer wieder im Diner anzutreffen. Er erkundigt sich nach Leticias Befinden, fährt sie sogar nach der Arbeit nach Hause. Er versucht nicht, Trost zu spenden, weil er weiß, dass es keinen Trost gibt. Er kann nur da sein, Hilfe anbieten. Sorge tragen, dass sich Leticia nichts antut. Während die trostlosen Tage ins Land gehen, werden die beiden immer vertrauter und in einer denkwürdigen Nacht fallen die beiden hemmungslos übereinander her. Es ist keine Lust und auch noch keine Liebe, die sie motiviert. Es ist der Versuch, endlich einmal wieder etwas zu spüren.
Danach erscheint es, als sei für das merkwürdige Paar doch noch ein Leben nach dem Tode möglich. Bis Leticia einen unerwarteten Besuch bei Hank absolviert und auf dessen Vater trifft, der sich einen hinterlistigen Spaß daraus macht, sie mit rassistischem Hass ins Mark zu treffen. Ohne später ein Wort zu verlieren, bringt Hank seinen Vater daraufhin in einem Altersheim unter. Der Schlussstrich unter ein hässliches Kapitel.
Aber ist es auch das Ende der nagenden Vorwürfe und der latenten Aggressionen, die sich in Hank aufgestaut haben? Und wird nicht Leticia früher oder später erfahren müssen, dass sie sich ausgerechnet in die Obhut des Mannes begeben hat, der der Henker ihres Mannes war?
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| © Fotos: Tobis StudioCanal © 1994 - 2010 Dirk Jasper |