Road To Perdition

Produktionsnotizen

Der Titel Road to Perdition hat eine Doppelbedeutung: Zunächst ist Perdition der Name der Stadt, die das Ziel von Michael Sullivan und seinem Sohn Michael Sullivan jr., ist. Doch Perdition, "ewige Verdammnis", ist auch ein anderes Wort für Hölle - und Michael Sullivan hofft inständig, dass er seinen Sohn von dem Weg, der dorthin führt, abhalten kann.

Tom Hanks, der die Hauptrolle des Michael Sullivan spielt, erklärt die Motive seiner Figur: "Das, was der Vater seinem Sohn zu sagen hat, ist: ?Du kannst die Straße, die du in deinem Leben beschreitest, frei wählen. Doch entscheide dich nicht für meinen Weg! Denn irgendwann in meiner Vergangenheit habe ich die Richtung eingeschlagen, die geradewegs ins Verderben führt.'"

Sam Mendes, der Regisseur und Produzent des Films, teilt Hanks' Sichtweise und sagt: "Michael Sullivan sieht sich selbst auf der Straße in die Hölle. Jetzt kämpft er um die Seele seines Sohnes. Doch kann ein Mann, der ein schlechtes Leben geführt hat, durch seinen Sohn erlöst werden? Das ist die zentrale Frage, die der Film stellt."

Den ersten Schritt zur Verfilmung von Road to Perdition machte der Produzent Dean Zanuck, als ihm das Comicalbum aus der Feder von Max Allan Collins als Filmstoff vorgeschlagen wurde. Zanuck hatte noch nie solch einen "gezeichneten Roman" (engl.: "graphic novel") gesehen, geschweige denn gelesen. Er begann zu blättern - und war gefesselt.

"Ich fand das schlicht hinreißend", erinnert er sich. "Diese Geschichte von Vater und Sohn hat mich emotional tiefbewegt, und die Zeichnungen von Richard Piers Rayner ließen die Zeit, in der die Handlung spielt, visuell lebendig werden. Dazu kam noch jede Menge Action, so dass sich das Buch zur Verfilmung geradezu anbot. Als ich es durchgelesen hatte, sagte ich zu meiner Frau: ?Ich glaube, daraus kann man etwas ganz Besonderes machen.'"

Zanuck sollte Recht behalten. Zunächst aber schickte er das Buch an seinen Vater, den Produzenten Richard D. Zanuck, der gerade bei Dreharbeiten in Marokko war. Zanuck senior erzählt die Produktionsgeschichte weiter: "Ich habe das Buch zur Hand genommen und es gefiel mir sofort. Die Handlung war großartig, die Figuren lebendig und auch sonst fanden sich alle Elemente, aus denen man einen höchst unterhaltsamen und provokanten Film machen konnte. Was mich aber am meisten gepackt hat, war die Beziehung zwischen Vater und Sohn, die sich im Verlauf der Geschichte entwickelt. Ich habe daraufhin Dean angerufen und ihn gebeten, ein Exemplar an Steven Spielberg bei DreamWorks zu schicken. Zu meiner großen Verblüffung klingelte prompt zwei Tage später das Telefon in meinem kleinen Zimmer in Marokko - und Steven war am anderen Ende der Leitung. Er sagte nur: ?Finde ich super. Machen wir's.' Und so lief die Produktion an."

Die Vater-Sohn-Beziehung der Geschichte, von der sich Vater und Sohn Zanuck so angesprochen fühlten, wurde schließlich im Drehbuch von David Self noch stärker betont. "Alle haben sehr gut auf das Drehbuch reagiert", erzählt Richard Zanuck. "Der Comic ist ja in Bildern erzählt, doch unser Skript entwickelte sich zu einer noch tiefer gehenden, komplexeren Geschichte. Es untersuchte mehr die persönliche Beziehung zwischen Vater und Sohn und es hat mehr Herz und mehr Gefühl."

Einer, der sofort auf dieses Drehbuch ansprang, war Sam Mendes, der Road to Perdition als seinen zweiten Film nach seinem Regiedebüt "American Beauty" (1999) wählte, für den er mit dem Oscar® ausgezeichnet wurde. Schon nach ihrem ersten Treffen mit ihm war für die Zanucks klar, dass Mendes der richtige Mann für den Stoff war. "So wie er darüber sprach und wie er die Geschichte anlegen wollte, haben wir den Film buchstäblich vor unseren Augen entstehen sehen", schwärmt Dean Zanuck. "Er hat das Material ganz außerordentlich gut bewältigt."

dass Mendes sich derart zu dem Projekt hingezogen fühlte, hatte seinen Worten nach gleich mehrere Gründe: "David Self hat den Comic um einige sehr clevere Elemente bereichert. Dennoch ist es im Grunde immer noch eine unglaublich einfache, starke Story. Das Herz der Geschichte ist natürlich die Vater-Sohn-Beziehung, doch zugleich ist es ein ernsthafter Gangsterfilm, der in den 30er Jahren spielt - für mich die letzte mythische Ära Amerikas. Es war die Zeit der Depression und es war noch möglich, sich in der Endlosigkeit Amerikas zu verlieren, wo mystische ?goldene Städte' wie Chicago ihre Blütezeit erlebten. Insofern stand mir dieser unglaublich große und fassettenreiche Hintergrund zur Verfügung, vor dem ich die Geschichte erzählen konnte. Von der Struktur her gab es eine ganz klare Linie: Die Story hat ?Drive', sie hält nie an und bewegt sich erbarmungslos voran, angetrieben von dieser faszinierenden Hauptfigur und ihrem moralischen Dilemma. Und ohne dass ich die Dinge jetzt vereinfachen will: Aber als Zuschauer wissen wir während des ganzen Films nie so genau, ob dieser Mann [Michael Sullivan] nun in Wirklichkeit gut oder böse ist."

Väter und Söhne Dieser Michael Sullivan, die Hauptfigur von Road to Perdition, wird gespielt von dem zweifachen Oscar-Gewinner Tom Hanks. Hanks hatte gleich zu Beginn, noch bevor es überhaupt ein Drehbuch gab, von dem Projekt erfahren, als Steven Spielberg ihm das Comicalbum gab - mit der Empfehlung, es sei ein großes Lesevergnügen. Hanks teilte Spielbergs Meinung und bat im Gegenzug darum, das Drehbuch lesen zu dürfen, sobald es fertig sei.

Das, was ihn von Anfang an an der Geschichte so fasziniert habe, sei ihre Unberechenbarkeit gewesen, sagt Hanks. "Ich dachte, das würde wieder so ein Genre-Movie werden, wie man sie kennt. Doch kaum hatte ich drei Seiten gelesen, wusste ich schon nicht mehr, wo ich war oder was als Nächstes passieren würde. Ich weiß noch, wie ich überlegte, dass das ein Film werden könnte, der sich entgegen allen Erwartungen überhaupt nicht vorhersagen ließe. Dazu kam der ungeheure Aufwand, den ein Film, der in dieser Zeit spielt, erfordert - und ich begann mich zu fragen, wer das wohl hinbekommen könnte. Die Antwort war schließlich: Sam Mendes! Schon im Gespräch mit ihm war mir klar, dass er der Richtige war, der die Geschichte so erzählen konnte, wie sie erzählt werden mußste."

Mendes wiederum war seinerseits voll Hochachtung für Tom Hanks. "Man mußs ihn einfach bewundern", sagt er. "Er ist ein fabelhafter Schauspieler. Aber was noch besser ist, als einen großartigen Hauptdarsteller zu haben, ist, einen großartigen Hauptdarsteller zu haben, der das, was die Rolle ihm abverlangt, noch nie zuvor gemacht hat. Dieser Michael Sullivan ist ein sehr düsterer, geheimnisvoller Mann und zumindest zu Beginn ist es für den Zuschauer alles andere als einfach, sich für ihn zu erwärmen. Er ist jemand, der viel Schuld und Reue wegen seines Lebens mit sich herumträgt. Gleichzeitig spricht er diese Gefühle niemals aus, man spürt sie eher, als dass man sie sieht. Was Tom in seinem Schweigen alles ausdrücken kann, ist außergewöhnlich - und genau dadurch definiert sich für mich ein großer Kinoschauspieler."

Auch wenn Michael Sullivan für den Zuschauer zunächst ein Rätsel bleiben mag, für Tom Hanks begann das Einfühlen in diese Figur, noch bevor er die Rolle übernommen hatte. "Während ich das Buch las", erzählt er, "fiel mir tatsächlich diese Stelle aus der Bibel ein, wo es heißt: ?Wer Wind sät, wird Sturm ernten.' So ergeht es Michael Sullivan: Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und ein großes Haus in der Stadt - und es ist erkauft mit Angst, Einschüchterung, Gewalt und Blut. Jetzt holt ihn all das wieder ein, und obwohl er damit hätte rechnen müssen, hat er die Realität all die Jahre ausgeblendet und geglaubt, sein Tun hätte keine Folgen. Doch natürlich treffen ihn schließlich die Konsequenzen. Wenn wir in die Geschichte einsteigen, erlebt Michael Sullivan buchstäblich den letzten Tag seiner ?heilen Welt'."

Dennoch, stellt Hanks klar, weiß Sullivan trotz aller Illusionen "genau, in was für Zeiten er lebt und was ihn zu dem gemacht hat, was er ist: Er arbeitet für Mr. Rooney, den Mann, der ihm einst das Leben gerettet hat - womöglich ohne dass Sullivan sich damals überhaupt bewusst war, dass er gerettet werden müsse. Die Sache mit den Vätern setzt sich in der Geschichte fort: Mr. Rooney ist eine Vaterfigur für Sullivan. Er will so sein wie er, doch gleichzeitig fürchtet er ihn. Der kleine Michael hat die gleichen Gefühle seinem Vater gegenüber. Dieser Film dreht sich um jenen Augenblick der Wahrheit, wo man plötzlich die Schwäche des Mannes sieht, den man immer für seinen Vater gehalten hat. Wie geht man damit um? Stürzt die eigene Welt ein - oder entwickelt man neues Verständnis dafür, dass wir Menschen alle unsere Schwächen haben? Bringt es einen dem Mann näher, wegen dem man auf der Welt ist oder ist man von ihm abgestoßen? Das sind faszinierende Fragen."

Dieser Aspekt der Geschichte führte auch dazu, dass Oscar-Gewinner Paul Newman, selbst eine Kinolegende, für die Rolle des John Rooney zusagte. John ist er der Patriarch der Film-Familie, dessen Liebe sowohl zu seinem Ziehsohn Michael Sullivan als auch zu seinem richtigen Sohn Connor Rooney auf die Probe gestellt wird. "Rooneys Sohn Connor ist ein schlimmer Bursche", erklärt Newman, "während sein ?Adoptivsohn' Michael so etwas wie ein ?good bad guy' ist. Rooney ist nun gezwungen, den einen auf Kosten des anderen zu beschützen, und gerät dadurch in einen spannenden Konflikt."

Zugleich war Newman fasziniert von der Entwicklung, die seine Filmfigur durchläuft: "Wir lernen ihn als harten, mächtigen Mann kennen, der schließlich von der Tragödie, die er entfesselt, gebrochen wird. Es ist eine fantastische Rolle."

So war es keine Überraschung, dass die Wahl der Filmemacher einstimmig auf Paul Newman fiel. "Wir waren", erinnert sich Richard Zanuck, "alle einig, dass es nur einen gab, der Rooney spielen konnte. Wir suchten erst gar nicht nach einem anderen Schauspieler." Zanuck, der mit Newman bereits Klassiker wie "Zwei Banditen" (1969), "Der Clou" (1974) und "The Verdict - Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit" (1982) drehte, sagt über den Schauspieler: "Gerade zum jetzigen Zeitpunkt seiner Karriere ist Paul sehr vorsichtig, was für Rollen er annimmt, deswegen hat es uns besonders gefreut, als er uns zugesagt hat. Er ist wirklich ein Profi durch und durch. Alles, was er macht, sieht unglaublich leicht aus, aber in Wirklichkeit arbeitet er sehr hart daran. Er bereitet sich intensiv vor und denkt lange über das nach, was er tut."

So hat auch Regisseur Mendes Newman erlebt: "Paul hat immer an seiner Darstellung gefeilt. Er kam oft aufs Set, nachdem er stundenlang in seinem Trailer über den winzigsten Details und Momenten gebrütet hatte. Ich meine, wenn man sich seine Karriere ansieht und dann erlebt, wie viel Engagement er in seine Rolle steckt und nichts dem Zufall überlässt - das war für uns alle inspirierend. Jeder hatte einen Riesenrespekt vor ihm und im Grunde waren wir alle schwer beeindruckt, dass wir wirklich Paul Newman auf dem Set hatten."

Während Paul Newman den Ziehvater von Michael Sullivan spielt, schlüpfte der Newcomer Tyler Hoechlin in die Rolle seines Sohnes, Michael Sullivan jr. Hoechlin konnte sich dabei gegen 2.000 Mitbewerber durchsetzen, die nach einem Casting-Aufruf in allen Städten der Vereinigten Staaten für die Rolle vorgesprochen hatten.

Dean Zanuck erinnert sich: "Wir sahen uns Tape für Tape an, aber niemand traf die Rolle richtig. Dann rief mich Sam eines Tages in sein Büro und sagte: ?Dean, ich mußs dir etwas zeigen. Ich glaube, wir haben unseren Jungen gefunden.'"

"Genau darauf hofft man: dass man sich das Tape eines Schauspielers ansieht und nach zwei Sekunden weiß: Der ist es!", erzählt Mendes. "Dann betet man, dass der Schauspieler, wenn man ihm gegenübersteht, auch in Wirklichkeit all das ist, was man sich erhofft hat. Bei Tyler war in dem Moment, wo er zur Tür hereinkam, klar, dass er etwas Besonderes hatte - und ich bin mir sicher, man merkt es auch auf der Leinwand, sobald er das erste Mal auftritt. Er ist ein sehr begabter junger Schauspieler, in dessen Augen eine Weisheit liegt, die weit über sein tatsächliches Alter hinausgeht."

Hoechlin, der erst dreizehn war, als er die Rolle des Michael Sullivan jr. landen konnte, zeigt ein beachtliches Verständnis für seine Figur und deren Beziehung zum Vater. "Michael liebt seinen Dad sehr und versucht verzweifelt ihm nahe sein", sagt er. "Er versucht wieder und wieder, an seinen Vater heranzukommen, aber er bekommt nichts zurück. Dann plötzlich haben die beiden nur noch sich selbst und seinem Dad wird klar, dass Michael alles ist, was er noch hat, und dass er ihn sehr vermisst hat. Ich glaube, es geht bei dieser Reise darum, dass Vater und Sohn sich kennen lernen - und darum, dass sie auch herausfinden, wer sie selbst sind."

Seine Rolle verstand er zwar auf Anhieb, doch konnte Hoechlin es erst gar nicht begreifen, als Mendes ihm sagte, dass er den Part bekommen hatte. "Mir war das lange nicht richtig klar", erinnert er sich. "Erst zwei Wochen bevor ich zu den Dreharbeiten gefahren bin, traf mich die Erkenntnis: Oh, mein Gott, ich werde mit Tom Hanks und Paul Newman und Jude Law arbeiten! Das überstieg beinahe meine Vorstellungskraft."

Dean Zanuck wiederum sagt, dass Hoechlin im Zusammenspiel mit den drei Schauspielern, die er so bewundert, ein wichtiges Element einer Besetzung war, die die verschiedenen Generationen in der Geschichte widerspiegelt: "Wir haben vier Generationen von Schauspielern - erst die Ikone Paul Newman, dann Tom Hanks, der zweifellos der größte Schauspieler von heute ist, dann Jude Law, dessen Stern rasch aufsteigt, und schließlich den Newcomer Tyler Hoechlin, der uns alle beeindruckt hat."

Jude Law spielt die Rolle des Polizeifotografen Maguire, der in seinem "Nebenjob" als Auftragskiller arbeitet. Maguires Figur fügt sich zwar als einzige in dem Film nicht direkt in das Vater-Sohn-Thema ein, trägt aber dennoch wesentlich dazu bei, den Film vom traditionellen Gangstergenre abzuheben - was wiederum der Grund war, warum sich der Schauspieler dafür entschieden hatte. "Dies ist kein typischer Gangsterfilm", sagt Law. "Hier geht es um einen Vater und seinen Sohn, die unter den allerschwierigsten Umständen zueinander finden. Es geht um Eltern und Kinder, um Verrat und Ehrlichkeit und um Menschen und Gefühle und Beziehungen, wie wir sie alle kennen und erlebt haben. Für mich sind das die Qualitäten des Lebens an sich und darum geht es meiner Meinung nach in allen großen Filmen."

Auch wenn Law ein wenig jünger ist als Maguire, wie er ursprünglich im Drehbuch beschrieben war, hatte Mendes keine Zweifel, dass er für die Rolle perfekt war. "Jude hat seine Sache prima gemacht, keine Frage. Er ist ein vollkommen furchtloser Schauspieler. Er hat keinerlei Probleme damit, jemanden zu spielen, der ganz anders ist als er selbst - und hier war nun ein liebenswürdiger, stiller Killer, der sich zwischen den Schatten bewegt. Und er war wirklich Angst erregend", sagt der Regisseur.

"Ich habe genau nach so einer Rolle gesucht", bekräftigt auch Law selbst. "Ich wollte einen Charakter darstellen, wie ich noch nie einen gespielt habe, und Maguire erfüllte genau diesen Wunsch. Er fotografiert am Tatort und seine Spezialität sind Bilder von Mordopfern. Nebenbei ist er ein hochbezahlter Auftragskiller."

Für Law spiegelt sich Maguires Doppelleben auch in der Art wider, wie er mit seiner Kamera umgeht: "Ich glaube, jedesmal, wenn er seine Kamera lädt und durch den Sucher blickt, dann hält er sie wie eine Pistole. Für ihn ist das Foto nach dem Mord das eigentlich Wichtige. Die Tat selbst erledigt er eher nebenbei. Ein lebendiger Körper würde in seinen Bildern nur stören."

Maguire hat eine Sammlung seiner Fotos in seinem düsteren Appartment an der Wand hängen, und Mendes verrät, dass die Ausstattung dabei zum Teil auf echte Polizeibilder aus den 30er Jahren zurückgegriffen hat. "Wir haben Fotos von Tatorten aus dieser Zeit aufgehängt", sagt er. "Die strahlen, trotz ihres blutigen Inhalts, eine seltsame Art von Schönheit aus und haben eine starke Wirkung. Für Jude waren die Fotos enorm wichtig, um sich klar zu machen, dass es solche Menschen wirklich gegeben hat."

Auch eine Figur in Road to Perdition gab es tatsächlich: den mächtigen Mafiaboss Frank Nitti, im Film gespielt von Stanley Tucci. "Nitti war Al Capones rechte Hand", erzählt Tucci. "Und wie es heißt, hat eigentlich er die Organisation geführt. Sowohl Rooney als auch Sullivan suchen ihn auf, um Rat und Hilfe zu finden, und Nitti ist zwischen den beiden hin und her gerissen, ohne zunächst genau zu wissen, wie er sich verhalten soll."

"Als ich das Drehbuch gelesen habe", erinnert sich Mendes, "mußste ich bei Nitti sofort an Stanley Tucci denken. Ich wollte schon immer mit ihm arbeiten und hatte gehofft, dass ich diesmal Glück haben würde und ihn für die Rolle interessieren könnte. Ich war begeistert, als er schließlich zusagte."

Beide Figuren, Maguire und Nitti, werden von Connor Rooney in die Geschichte hineingebracht, der von dem britischen Schauspieler Daniel Craig verkörpert wird. "Connor erschließt sich einem vor allem durch seinen Vater", erklärt Craig seine Rolle. "Er wurde zur Gewalttätigkeit erzogen. Er ist zwar der Sohn vom Boss, doch mußste er neben Michael Sullivan, dem Liebling seines Vaters - der ja noch nicht einmal dessen leiblicher Sohn ist -, immer die zweite Geige spielen. Das nagt schon lange an Connor und ist das Motiv seines Handelns. Das mag vielleicht nicht in Ordnung sein, aber er hat sich nun einmal zu diesem Verhalten entschlossen. Sobald er die Dinge einmal ins Rollen gebracht hat, stößt ein Stein den nächsten um und nichts und niemand kann das, was passiert, mehr aufhalten."

Für Sam Mendes ist Connor ebenfalls "die Figur, die die Geschichte in Bewegung bringt. Ich wollte", erzählt er, "dass er von einem relativ unbekannten Schauspieler gespielt wird, damit der Zuschauer nicht gleich weiß, was er von ihm zu halten hat. Ich hatte den Eindruck, dass diese Figur, wenn sie funktionieren sollte, den Zuschauer wirklich hinterrücks überraschen mußste. Danny hat nun dieses düstere, brütende und enorm charismatische Wesen, doch er strahlt auch eine große Verletzlichkeit aus. Ich wusste sofort, als ich ihn traf, dass er der Richtige für die Rolle war."

Connor Rooneys Hass auf Michael Sullivan wiederum bestimmt auch das Schicksal von Sullivans Frau Annie und das ihres jüngsten Sohns Peter. Jennifer Jason Leigh wusste, dass sie in der einzigen weiblichen Hauptrolle des Films "in ganz kurzer Zeit einen starken Eindruck hinterlassen mußste". Sie sagt: "Das schien mir eine echte Herausforderung zu sein, weil wir in wenigen Dialogsätzen etwas über ihre Ehe und ihr Familienleben erfahren sollen. Annie liebt ihren Mann sehr. Sie fragt nicht groß nach seiner Arbeit - das schickte sich nicht für die Frauen jener Zeit -, aber sie bekommt natürlich oft genug mit, dass er mit Blut auf seinem Hemd nach Hause kommt. Sie weiß, dass da etwas läuft, und sie sorgt sich um ihre Kinder. Zwar hat sie ein recht angenehmes, gesichertes Leben, doch ist das ein Leben in unterschwelliger Angst."

Mendes, der Leigh zuvor bereits in seiner Bühnenfassung des Musicals "Cabaret" inszeniert hatte, sagt: "Ich hatte gehofft, auch einmal einen Film mit ihr drehen zu können. Dann habe ich sie zufällig bei einem Screening getroffen und habe ihr gleich die Rolle angeboten. Ich dachte mir, ?vielleicht habe ich ja Glück!' - und ich hatte Glück, denn sie hat tatsächlich ja gesagt."

Der jüngste, aber keineswegs unerfahrenste Schauspieler des Teams war schließlich Liam Aiken, der den kleinen Peter Sullivan spielt. Richard Zanuck erzählt über ihn: "Liam ist in seinem Alter schon ein echter Profi. Er ist ein bemerkenswerter und sehr beeindruckender junger Mann."

Auch Mendes ist voll des Lobes über Aiken und sagt: "Liam ist sehr intelligent und hat einen tollen Sinn für Humor. Er hört genau zu und reagiert auf das, was die anderen Schauspieler ihm anbieten, was für mich typisch ist für einen geborenen Schauspieler. Bemerkenswert an Liam und Tyler Hoechlin war, dass sie zu den zweiwöchigen Proben mit Tom Hanks, Paul Newman, Jude Law und Jennifer Jason Leigh zusammengekommen sind - und dabei nicht mit der Wimper gezuckt haben. Da standen sie jeden Tag bei den ?Filmschwergewichten' und haben bei jeder Szene, die wir probten, geduldig gelauscht und aufmerksam zugesehen. Dadurch waren sie von Anfang an fester Bestandteil des Films."

Um 1931 Nicht nur vor, auch hinter der Kamera versammelte Mendes ein beeindruckendes Team von Preisträgern, darunter Kameramann Conrad Hall, der für Mendes bereits "American Beauty" fotografiert hatte und von diesem "mein wichtigster Arbeitspartner" genannt wird. "Ich kann es nicht wirklich in Worte kleiden, wie sehr ich mittlerweile an ihm hänge und wie unendlich dankbar ich ihm bin", sagt der Regisseur.

"Selbst inmitten des Chaos und des Belagerungszustandes, der auf jedem Filmset herrscht, entwickelt sich eine Art Magie, sobald Conrad durch den Sucher blickt. Wenn du ihn fragst, woher er immer so genau weiß, wie er die Kamera aufbauen soll, sagt er nur: 'Ich richte sie auf die Story.' Aber natürlich ist es mehr als das: Allein die Art, wie er mit dem Licht umgeht, gibt der Geschichte eine Dimension, die du dir nie erträumt hättest. So etwas wie eine unwichtige Einstellung gibt es nicht für ihn - weshalb er dich auch manchmal in den Wahnsinn treiben kann, wenn er fürs Ausleuchten einer Szene viel länger braucht als gedacht. Aber wenn du dann im Vorführraum sitzt und die Muster anschaust, dann dankst du Gott jeden Tag dafür, dass es Conrad Hall gibt."

Für den Produktionsdesigner Dennis Gassner, den Kostümbildner Albert Wolsky und die Cutterin Jill Bilcock wiederum war es das erste Mal, dass sie mit Mendes zusammenarbeiteten. "Das sind unglaublich tolle und enorm talentierte Leute", schwärmt der Regisseur. "Es war, als befände ich mich in einem ganzen Raum voller Ideen und kreativer Energie, die mir den Rücken stärkte."

Road to Perdition spielt im Jahr 1931, als Amerika unter der großen Depression litt, die Prohibitionsgesetze das Land beherrschten und Gangsterbosse wie Al Capone auf der Höhe ihrer Macht waren. Lange bevor die erste Klappe fiel, begann jeder Einzelne des Produktionsteams damit, in seinem Aufgabenbereich diese Ära zu recherchieren. "Natürlich stellt ein Kostümfilm dieser Art eine besondere Herausforderung dar", sagt Mendes.

"Man mußs erst jedes Detail durchsprechen, weil alles eigens hergestellt oder nachgebaut werden mußs. Mir war auch wichtig, dass der Film wirklich in dieser Zeit spielte und sie nicht nur platt darstellte. Ich wollte, dass der Zuschauer quasi durch ein Zeitfenster in diese Welt schaut, und ich wollte mit einigen der gängigsten Klischeevorstellungen über Gangster aufräumen. Man wird bei mir keine zweireihigen gestreiften Anzüge sehen, es gibt keine Gamaschen und nur eine einzige Maschinenpistole, die aber auch eine ganz bestimmte Bedeutung im Film hat."

Mindestens eines der Rechercheresultate wurde als Hauptelement in die Geschichte integriert. "Als wir die Totenwache am Anfang durchplanten, erfuhren wir, dass damals die Leichen gelegentlich auf Eis gelegt wurden, um den Verwesungsprozess zu verzögern", erzählt Mendes. "Das Eis schmolz natürlich und wurde in Eimern aufgefangen, die man unter den Sarg stellte. Diese Verbindung von Wasser und Tod wurde schließlich zu einem wiederkehrenden Thema des Films: Die Wandlungsfähigkeit von Wasser als ?Lebenselement' steckt darin ebenso wie die Unkontrollierbarkeit des Schicksals an sich. Darauf haben wir Menschen keinen Einfluss. Mit anderen Worten: Der Damm kann jeden Moment brechen und uns mitreißen. All dies entsprang einer kleinen Fußnote, auf die wir stießen."

Für die Ausstattung war die Recherche natürlich besonders wichtig. Kostümdesigner Albert Wolsky mußste recht bald erfahren, dass es umso schwieriger war, die Kleidung aus dieser Zeit anzufertigen, da es in den 30er Jahren keinen bestimmten Modestil gab. "Die Kleider waren nicht so verspielt wie in den ,Roaring Twenties' und sie waren noch nicht so schnittig wie Mitte oder Ende der 30er Jahre", erzählt Wolsky.

Also versuchte der Kostümbildner Originalkleider aus der Zeit aufzutreiben, was natürlich recht schwierig war. Sein Team und er suchten die Fundi der Vereinigten Staaten ab und fragten sogar in Europa an, doch es stellte sich heraus, dass kaum noch Originalanzüge erhalten waren. "Schließlich war es die Depressionszeit", erklärt Wolsky. "Da hat niemand seine Kleider aufgehoben. Warum auch sollte sich jemand die Mühe machen, seine wertlosen, abgetragenen Klamotten in den Schrank zu hängen?"

Die paar Stücke, die Wolsky auftreiben konnte, gaben dann die Richtung für die Garderobe der Hauptfiguren vor. Die Originale selbst waren natürlich nicht zu gebrauchen, weil die Stoffe schon zu brüchig waren und weil beim Film von jedem Stück mehrere identische Exemplare gebraucht werden. "Es war damals anders als heute", sagt der Kostümbildner. "Die Leute hatten einen Anzug und den haben sie aufgetragen. Und gerade bei unserem Film war es auch so: Sobald Michael Sullivan und sein Sohn einmal unterwegs sind, ändert sich ihre Kleidung nur noch minimal. Es bleibt der gleiche Anzug, der gleiche Hut, der gleiche Mantel, der im Laufe der Handlung immer schäbiger wird. Für uns bedeutete das, dass wir noch mehr Kopien als üblich anfertigen mußsten. Zudem drehten wir nicht in der erzählerischen Reihenfolge der Szenen und brauchten entsprechend jeden Tag andere Kostüme."

Weil so wenige Originalkleider zur Verfügung standen, aber gleichzeitig so viele Stücke gebraucht wurden, stellte sich noch ein anderes Problem: Moderne Stoffe sind heute viel leichter als früher, so dass ein Anzug aus modernen Materialien ganz anders am Körper hängt als vor siebzig Jahren. "Wenn man nicht den richtigen Stoff hat, verliert man den visuellen Bezug zur dargestellten Zeit", sagt Wolsky. "Wir haben die unterschiedlichsten Materialien ausprobiert, aber es gab keine Möglichkeit, die Originale nachzuahmen: Das Gewicht des Stoffes verändert die Art, wie die Kleider Falten werfen und mit dem Körper mitgehen, vollkommen."

Als einzige Lösung blieb schließlich, die Stoffe mit dem richtigen Gewicht neu weben zu lassen. Nach einigen unbefriedigenden Ergebnissen fand Wolsky schließlich eine Weberei in New York, Thristle Hill Weavers, deren Besitzer Rabbit Goody bei der Herstellung der beträchtlichen Stoffmeter "wunderbare Arbeit" leistete. Zu guter Letzt wurden die Muster noch künstlich gealtert und gefärbt. Die Farben Braun, Schwarz und Dunkelgrün bestimmten die Farbpalette der Kostüme. "Nach dem, wie Sam seine Vorstellungen formulierte, wusste ich, dass es ihm nicht so sehr auf Details ankam, sondern auf die Formen und Farben als Ganzes", erzählt Wolsky. "Zudem hielt ich es für unangemessen, die Depressionszeit in fröhlichen, hellen Farben zu zeigen, also nahm ich so viel Helligkeit heraus wie möglich."

Wolskys Designs passten schließlich perfekt zu dem visuellen Stil, den Conrad Hall anstrebte. "Der Film sollte nicht sehr farbenprächtig sein", sagt der Kameramann. "Also habe ich mich um einen eher monochromen Look bemüht. Es ist nicht wirklich ?Film noir', eher ein weiches ?noir', wenn man so will - also sanfte, fließende Schatten statt harter Kontraste. Dabei gefielen mir besonders die Kostüme mit Mantel und Hut. Da konnte ich von oben Licht runterbrennen und das Gesicht vollkommen im Schatten lassen."

Ungeachtet der Scheinwerfer von Hall war die erste Anweisung, die der Make-up-Künstler Daniel Striepeke den Schauspielern gab, der Sonne fern zu bleiben. Immerhin sollten die Figuren nicht mit einer kalifornischen Bräune durch die Geschichte wandern, sondern mit dem bleichen Aussehen des winterlichen Mittelwestens. "Bei Tom Hanks", erklärt Striepeke, "wollten wir etwas von der Verletzlichkeit aus seinen Zügen nehmen. Er sollte aussehen wie ein starker, harter Bursche, ohne dabei in ein Klischee zu verfallen."

Die größte Verwandlung allerdings mußste Jude Law über sich ergehen lassen, dessen gutes Aussehen von Maguires geisterhaftem Auftreten überdeckt werden mußste. "Wir haben Jude eine teigige Haut geschminkt und ihm, nachdem er die ganze Zeit in seiner Dunkelkammer gesteckt und in Wannen voll Entwicklerflüssigkeit gefischt hat, rauhe und aufgearbeitete Hände gegeben", erläutert Striepeke den Look des Schauspielers. "Zudem haben wir ihm eine Zahnprothese angepasst, mit nach unten gezogenem Zahnfleisch und angefaulten Zähnen, wie es der Frettchenhaftigkeit seiner Figur entspricht."

Auch seine Haare ließ Law von der Stylistin Kathryn Blondell ausdünnen. "Das ist eine ziemlich aufwändige und anstrengende Angelegenheit", erzählt sie. "Es hat mich allein zwei Tage gekostet, sein Haar Stück für Stück zu lichten. Ich bin dabei mit einer winzigen Schere vorgegangen und mußste mir eine Juwelierlupe ins Auge klemmen."

"Mit solchen Dingen kann man eine Figur schon ziemlich gut gestalten", sagt Law. "Für Maguire war das sehr wichtig, weil er ja nicht besonders viel sagt. Also mußs er schon rein äußerlich auffallen - wenn auch nicht so sehr, dass er nicht in einer Menschenmenge verschwinden könnte. Doch wenn man ihn aus der Nähe betrachtet, dann wirkt er ein wenig aus dem Rahmen fallend und sonderbar."

Die Charaktere und deren Persönlichkeiten spiegelten sich auch im Produktionsdesign wider. "Die Ausstattung der Räume orientiert sich stets an den Figuren", erläutert Produktionsdesigner Dennis Gassner sein Konzept. "Sam und ich haben versucht, die einzelnen Szenenbilder so zu gestalten, dass sie sowohl der Stimmung der Charaktere wie der Atmosphäre der Story entsprechen sollten."

Gassner beschreibt, wie das Zuhause der Sullivans etwa in kühlen Blautönen gehalten ist, um die winterliche Atmosphäre draußen - und drinnen - zu betonen. Im Vergleich dazu ist das Haus der Rooneys von deutlich wärmeren Tönen geprägt, weil, wie er erklärt, "Rooney zwar ein Gangster ist, aber auch eine gewisse Warmherzigkeit und Charme hat. Zudem repräsentiert er jahrelangen Wohlstand und damit einen Sinn für klassische Eleganz und Stil."

Gedreht wurde Road to Perdition zur Gänze in und um Chicago, Illinois. "Ich wollte unbedingt vor Ort drehen", sagt Mendes. "Und das Tolle an Chicago ist, dass man das, was man auf der Leinwand sieht, auch in der Stadt findet. Die Straßen und Häuser gibt es noch immer dort."

dass diese Gebäude und Straßenzüge allerdings auch schon bald ein Jahrhundert lang stehen, bedeutete wiederum, dass Gassner und sein Team die Uhren um 30 Jahre vordrehen mußsten. "Einen historischen Film zu drehen heißt im Grunde, dass man etwas wieder in seine ursprüngliche Form zurückbringt - ähnlich wie man ein Kunstwerk von den darübergemalten Schichten freilegt", erklärt der Szenenbildner.

Eine der Gegenden, in denen man nicht so viel zurückbauen mußste, war das Pullman-Viertel am Stadtrand von Chicago, das nach Henry Pullman benannt ist, der die Vorstadt für die Arbeiter in seinen Eisenbahnwerken erbaut hat. "Das Pullman-Viertel blieb vom Zahn der Zeit praktisch völlig verschont, deshalb wurde es eines der meistgenutzten Sets im Film", sagt Gassner. Zu den Locations, an denen dort gedreht wurde, gehört das alte Hotel Florence, das für Innen- wie Außenaufnahmen herhielt, sowie ein altes Warenlager und eine Seitengasse, wo zwei größere Konfrontationen zwischen den Filmfiguren stattfinden.

Die Illinois State Film Commission machte es der Produktion möglich, einen weiteren wichtigen Drehort nutzen zu können, als sie half, die alte Munitionsfabrik in Chicago in ein Studio umzubauen, wo die Innenaufnahmen des Sullivan- und des Rooney-Hauses gedreht wurden. Für die Außenansichten des Sullivan-Hauses fanden die Produktionsdesigner ein passendes Gebäude in Barrington, während die Gemeinde von West Dundee für das Städtchen Rock Island doubelte, wo die Sullivans und Rooneys leben und wo die Reise von Michael Sullivan und seinem Sohn beginnt.

Chicago sollte in scharfem Gegensatz zu diesen eher ländlichen Gegenden stehen und Mendes hatte geplant, die Stadt "als eine Art Zauberland Oz, das sich mitten im Film erhebt", darzustellen. So empfindet es jedenfalls der junge Michael Sullivan, der noch nie in seinem Leben die Grenzen seines Heimatstädtchens verlassen hat. Gedreht wurde unter anderem in der La Salle Street in Downtown Chicago, wo die Häuser aus den 30er Jahren neben einigen modernen Gebäuden stehen, die in der Postproduktion dann digital aus dem Film retuschiert wurden. Dutzende von Oldtimern wurden von der Produktion gemietet, um für Verkehr in den Straßen zu sorgen, und viele hundert Statisten mußsten in Kostüme eingekleidet werden, die Albert Wolsky deutlich vornehmer machte als die Kostüme der Kleinstadtbewohner zu Beginn des Films.

Eine der Schlüsselsequenzen des Films ist auch die Serie von Banküberfällen, die Michael Sullivan - scheinbar in verschiedenen Städten - begeht. Mendes hatte diese Sequenz so geplant, dass die Kamera in einer einzigen Fahrt und ohne einen Schnitt von links nach rechts gleiten sollte. Conrad Hall erklärt: "Anders als bei einer Montage, wo die einzelnen Einstellungen zusammengeblendet werden, wollte Sam, dass die Banküberfälle direkt ineinander übergehen sollten, ohne einen Schnitt dazwischen."

Das Problem war nur, dass das bei dem von den Produktion gefundenen Drehort nur von rechts nach links funktionierte, doch nicht, wie von Mendes geplant, umgekehrt. Statt die Szene nun neu zu entwerfen, drehten Gassner und sein Team einfach den Drehort um die eigene Achse und spiegelten alle Schlüsselelemente - Straßenschilder, Autokennzeichen und sogar die Lenkradseite der Wagen - in sich selbst. So konnten Mendes und Hall von rechts nach links drehen und später das Filmmaterial einfach spiegelverkehrt einkopieren, um die gewünschte Sequenz von links nach rechts laufen zu lassen.

Für diese Banküberfälle mußste der 13-jährige Tyler Hoechlin allerdings erst Auto fahren lernen - und nur zu gern nahm der Junge Fahrstunden bei Stunt-Coordinator (und Second-Unit-Regisseur) Doug Coleman. Obwohl Hoechlin, wie Coleman sagt, "seine Sache wunderbar machte", ließ er - nur um sicher zu gehen - eine Reihe von Kontrollinstrumenten für einen Stunt-Fahrer auf die Rückbank einbauen.

Da die Reise von Michael Sullivan und seinem Sohn im Winter stattfindet, mußsten sich die Dreharbeiten von Road to Perdition an die Jahreszeit anpassen. Die winterliche Kälte im Mittelwesten - mit Temperaturen bis Minus siebzehn Grad - stellten das Team auf eine harte Probe. "Der Winter im Mittelwesten ist eine ziemliche trostlose Zeit", sagt auch Tom Hanks. "Es war bitterkalt, aber ich denke, das formt auch die Menschen dort. Man mußs schon ein harter Bursche sein, um das zu überleben."

Doch auch wenn es eisig genug war, spielte das Wetter beim Dreh nicht immer mit, was die erforderlichen Schneemengen betraf. Wo Mutter Natur nicht mitspielen wollte, übernahmen Special-Effects-Coordinator Allen Hall und sein Team und bedeckten eine Fläche von mehreren Football-Feldern mit künstlichem Schnee. Auch für die heftigen Regengüsse im Film, an die sich Schauspieler und Team nur allzu lebhaft erinnern, war Hall zuständig.

"Wir hatten jedes nur mögliche künstliche Wetter: Schnee, Regen, Eis, Schneeregen, was auch immer. Und ich mußs schon sagen, das passt nicht immer gut zusammen, sondern ergibt manchmal einen furchtbaren Matsch", lacht Mendes. "Es gab Tage, da habe ich es verflucht, dass ich die ersten zwanzig Minuten des Films in einer Schneelandschaft spielen lasse. Aber natürlich macht das Sinn. Denn der Schnee und das Eis zu Beginn der Geschichte symbolisieren eine eingefrorene Welt - auch gefühlsmäßig. Die Sullivan-Familie ist wie gelähmt, bis die Tragödie den Vater und den ältesten Sohn zusammenbringt. Sie entwickeln eine Beziehung zueinander, die sie zuvor nicht hatten. Also wächst aus etwas Negativem auch etwas Gutes, und alles, was zu Anfang eingefroren ist, beginnt aufzutauen."

Dean Zanuck fasst das Grundthema des Films noch einmal mit den Worten zusammen: "Michael Sullivan und sein Sohn sind zu Beginn des Films weit voneinander entfernt, doch die schrecklichen Ereignisse bringen sie eng zusammen. Die Reise, die die beiden unternehmen, ist ebenso körperlich wie emotional."

"Im Kern der Geschichte geht es um die Beziehung eines Mannes zu seinem Sohn", erläutert auch Richard Zanuck. "Und es geht darum, wie eine Tragödie eine bessere und tiefer gehende Beziehung zwischen ihnen entstehen lässt."

Sam Mendes sagt abschließend: "Das Zentrum des Films ist die Beziehung zwischen einem Vater und einem Sohn, doch tatsächlich gibt es zwei Väter und zwei Söhne. Eine Ironie der Geschichte ist, dass sich die beiden Väter, obwohl sie sich sehr mögen, gegenseitig zerstören müssen, um ihre jeweiligen Söhne zu schützen. Darum also geht es: Zwei Männer beschützen ihre Kinder. Und was kann wichtiger sein als das?"

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Dirk Jasper FilmLexikon

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