Ausführlicher Inhalt zu K-19: Showdown in der Tiefe

Szenenfoto 1961 ist der Kalte Krieg in seiner heißesten Phase. Die Zukunft der Erde liegt in der Hand zweier Supermächte, die in einem atomaren Rüstungswettlauf die Welt an den Abgrund treiben. Als die USA ihr erstes Atom-U-Boot in See stechen lassen, schickt die sowjetische Regierung ihre Antwort.

An Bord der K-19, dem neuen Stolz des Kreml, stehen alle Signale auf Rot. Im ersten, mit Nuklearraketen ausgerüsteten sowjetrussischen Atom-U-Boot hat die Crew Gefechtsposition bezogen. Schalter werden umgelegt, Code-Schlüssel eingeführt und der Countdown zum Feuern eingeleitet. Als sich auf dem Radarschirm plötzlich ein feindlicher Torpedo mit rasender Geschwindigkeit nähert, ist die Anspannung auf dem Höhepunkt. Dann ein zischendes Geräusch bei den Instrumenten und die vernichtende Meldung vom Einschlag.

Wütend mußs Kapitän Mikhail Polenin (Liam Neeson), der erfahrenste U-Boot-Kommandant der sowjetischen Marine, eine weitere Demütigung hinnehmen. Wieder einmal hat bei einer Trockenübung die Elektronik versagt. Und das vor den Augen der anwesenden Admiralität, die ihre Enttäuschung mit finsteren Blicken deutlich macht. Polenins Zorn über die gravierenden Material- und Konstruktionsfehler lässt diese Herren kalt. Sie haben die Lösung für alle Probleme längst gefunden.

Als sich die Militärspitze unter Marschall Zelentsov (Joss Ackland) in Moskau versammelt, ist die Entmachtung Polenins beschlossene Sache. Kapitän Alexei Vostrikov (Harrison Ford) erhält das Kommando. Er soll die K-19 mit harter Hand einsatzbereit für ihre Jungfernfahrt machen. "Verfrüht" nennt der couragierte Offizier den Einsatztermin, erntet aber nur eisiges Schweigen, während sein Plädoyer für Polenin schon im Ansatz unterbrochen wird. Zelentsov, der Präsident Kennedy das Potenzial sowjetrussischer Militärmacht zeigen will, macht Vostrikov unmissverständlich den Kardinalfehler seines Vorgängers klar, der nicht wiederholt werden darf: "Kapitän Polenin hat sein Boot und seine Mannschaft über die Partei gestellt."

Szenenfoto An Bord der K-19, an der immer noch unter Hochdruck gearbeitet wird, erwartet Vostrikov das Chaos. Überall fehlt es an Ausrüstung oder Reparaturmaterial, und der für den Reaktor zuständige Offizier, einer der wichtigsten Männer an Bord, empfängt seinen neuen Kapitän schnarchend. Vostrikov feuert ihn auf der Stelle - trotz der Warnung Polenins, dass der erfahrene Mann nicht ersetzt werden könne. Es kommt zur ersten Auseinandersetzung zwischen dem neuen und dem alten Kommandeur, der nun als Erster Offizier seinen Dienst versieht. Doch Vostrikov schlägt alle Warnungen in den Wind: "Entweder schaffen wir es oder wir gehen unter."

Szenenfoto Am 18. Juni 1961 sticht die K-19 schließlich in See. Auf die Minute genau, aber unter großen Opfern. Zehn Mann mußsten die Arbeit an dem Boot bereits mit dem Leben bezahlen. Zuletzt auch der Schiffsarzt. Als selbst die obligatorische Sekttaufe missglückt, spricht die Crew von einem Fluch und nennt das auslaufende Boot den "Witwenmacher". Das Meer empfängt die K-19 mit glitzerndem Wasser, doch das Bild perfekter Schönheit trügt. Ein Gefühl von Unheil und Verhängnis macht sich in den Quartieren breit, und die düsteren Vorzeichen nehmen kein Ende. Der neue Schiffsarzt ist seekrank, unerfahren auf dem Meer und ahnungslos, was die Anforderungen eines solchen Einsatzes betrifft. Wie auch der neue Reaktoroffizier Vadim (Peter Sarsgaard), der frisch von der Ausbildung begeistert und selbstbewusst seinen Dienst antritt.

Szenenfoto Von der ersten Tauchfahrt an setzt Vostrikov Boot und Mannschaft unter enormen Druck. Nur ein Ziel vor Augen, die K-19 bis an ihre Grenzen auszutesten und den Auftrag mit einem Testabschuss erfolgreich zu beenden, treibt der Kapitän seine Crew von einer Alarmübung zur nächsten. Lässt Feuer, technisches Versagen und Überflutung simulieren und überprüft mit der Stoppuhr die Reaktion der Mannschaft. Die Folgen sind absolutes Chaos, schwere Verletzungen und erste atmosphärische Anzeichen von Widerstand.

Mit seinem autoritären Führungsstil verschont Vostrikov niemanden, auch seine Offiziere nicht, denen er die Schuld am schlechten Zustand von Schiff und Mannschaft gibt. dass im Reaktorraum Crewmitglied Pavel (Christian Camargo) schon Unregelmäßigkeiten am Druckmesser wahrgenommen hat, ahnt Vostrikov nicht. Unbemerkt frisst sich eine schleichende Gefahr durch sensible Technik, während die K-19 ihrem extremsten Härtetest ausgesetzt wird. Mit provokativer Gelassenheit lässt Vostrikov das Boot bis auf 300 Meter Tiefe sinken, trinkt Tee, während Rohre ächzen, die Außenhülle eingedrückt wird und die Crew mit einer weiteren Übung gequält wird. Todesangst spiegelt sich in den Gesichtern, als Vostrikov trotz aller Warnungen Polenins schnelles Auftauchen befiehlt, obwohl die Wasseroberfläche vereist ist.

Szenenfoto Als die K-19, fast unkontrollierbar geworden, die mächtige Kruste durchbricht, verlässt Polenin wütend die Brücke. Er sitzt in der Kajüte, als sein Kapitän die Torpedorohre öffnen lässt, und eine Rakete sich unaufhaltsam in den Himmel bohrt. Während die Crew und die Admiralität in Moskau den Testtriumph feiern, stellt Vostrikov seinen Ersten Offizier zur Rede. Nach kurzem Wortgefecht, in dem der Kommandant seinen eisernen, auf Crew und Boot keine Rücksicht nehmenden Kurs verteidigt, beendet Polenin die Debatte mit unveränderter Autorität: "Dieses Mal haben Sie Glück gehabt, Kapitän. Ich bin hoffentlich auf einem anderen Schiff, wenn es sie verlässt."

Szenenfoto Ausgelassen feiert die Mannschaft den historischen Erfolg. Doch die erhoffte Rückkehr zur Basis macht Moskau mit neuer Order zunichte. So steuert die K-19 nach Westen, um zwischen Washington und New York, 400 Kilometer vor der US-Küste, auf Patrouille zu gehen. Doch die Belastungen der letzten Tage zeigen nun Wirkung. Unbemerkt arbeitet das Schiff. Der Druck in der hermetisch abgeschotteten Reaktorkammer steigt, bis sich die aufgebaute Spannung in einem Kühlschlauch ein Ventil sucht. Ein Leck entsteht und löst sofort Alarm aus. Sekundenschnell sinkt der Druck und die Temperatur steigt. Unaufhörlich. Überschreitet sie 1000 Grad, droht massive Verstrahlung und eine nukleare Explosion. In unmittelbarer Nähe einer NATO-Basis eine unvorstellbare Provokation. Mit Folgen nicht nur für Boot und Crew, sondern für die gesamte Welt.

Szenenfoto Drei Stunden Zeit bleiben, um die Katastrophe abzuwenden. Unmissverständlich macht Vostrikov Vadim klar, wen er für verantwortlich hält und dass er jetzt bedingungslosen Einsatz fordert. Ohne Rücksicht auf das eigene Leben. Doch die Mittel, um ein Desaster zu verhindern, sind armselig. Per Hand mußs das Leck verschweißt und die Kühltemperatur mit Wasser gesenkt werden, um die Kernschmelze aufzuhalten. Pavel ist der Erste, der sich freiwillig für eines der drei Zweierteams meldet, die für zehn Minuten im Inneren des Reaktors ihr Leben aufs Spiel setzen. dass sie ohne Schutzanzüge in den sicheren Tod gehen, spricht niemand aus.

Szenenfoto Unter Aufbietung der letzten Kräfte stemmen sich die Helden gegen den Schmerz und bringen die Temperatur endlich zum Sinken. Nur Vadim verweigert den Gang in die radioaktive Hölle - zitternd und die verbrannten, wimmernden Körper seiner Kameraden vor Augen. Obwohl die schlimmste Gefahr zunächst gebannt scheint, reißt die Katastrophenkette nicht ab. Die überall steigende Strahlung gefährdet das Leben der ganzen Crew. Polenin, der Andeutungen aus Offizierskreisen zur Übernahme des Schiffs bisher mit Schweigen quittierte, rät Vostrikov, einen patrouillierenden US-Kreuzer um Hilfe zu bitten. Doch ohne Funkkontakt zum Kreml folgt der Kommandant weiter stur seiner Linie. Erneut schrillt der Alarm, aber längst ist nicht nur im Reaktorkern die Temperatur auf der Spitze.

Das Gespenst der Meuterei schleicht durch Quartiere und Gänge. Als die ersten Waffen gezückt werden, steht ein Offizier vor seiner schwersten Entscheidung. Und ein anderer, der sich unbemerkt davongeschlichen hat, im Reaktorraum vor seinem schwersten Gang ...

Dirk Jasper FilmLexikon
© Fotos: Constantin Film © 1994 - 2010 Dirk Jasper