Produktionsnotizen zu K-19: Showdown in der Tiefe
Das Klima der Angst Es war eine Zeit, die viele für die gefährlichste in der Geschichte des Menschen hielten. Eine Zeit, in der das einzige Instrument für Frieden das gesicherte Versprechen gegenseitiger Zerstörung war. Eine Zeit, in der man die politische Anspannung tagtäglich fühlen konnte. Die Geschichte von K-19: Showdown in der Tiefe hat ihre Wurzeln in dieser Ära, ist inspiriert von einem schrecklichen Vorfall, der sich 1961 ereignete. Während des Kalten Krieges, als die Sowjetunion mit ihren Nuklearwaffen die Welt zweimal, die Vereinigten Staaten sie sogar zehnmal zerstören hätte können. Während Schulkinder in Lehrfilmen lernten, sich zu ducken und unter ihren Tischen Schutz zu suchen und ihre Eltern in ihren Gärten Bunker bauten, rüsteten die Supermächte weiter auf. Warteten darauf, wer den Erstschlag riskieren würde.

K-19: Showdown in der Tiefe ist kein Film über den Krieg, sondern über den Mut, ihn zu verhindern. Es geht um militärisches Muskelspiel, Verstand, Herz, aber auch um eine Welt, in der Technologie wie ein Abgott verehrt wird und Opfer im Interesse der nationalen Sicherheit an der Tagesordnung sind. Ein Film, der das Pflichtgefühl verdeutlicht, das ein Soldat gegenüber Vaterland und Landsleuten empfindet, der die Verantwortungslast offen legt, die ein Kommandeur für seine Leute tragen mußs. Ein menschliches Drama, das nicht zuletzt zeigt, wie leicht es zu schweren Tragödien kommen kann. In Kriegs-, aber auch Friedenszeiten. Durch technisches Versagen oder menschliche Fehler. Ein Stoff, aus dem die Klassiker sind Produzentin und Regisseurin Kathryn Bigelow war von Beginn an überzeugt, dass der Kalte Krieg und die Ereignisse um die K-19 und ihre Crew die ideale Basis für einen Action-Thriller bildeten. Und weil dieser Krieg eher psychologisch als physisch ausgefochten wurde, wirkte die aus öffentlichen Quellen und historischen Aufzeichnungen entwickelte Story noch einzigartiger und faszinierender.

"Diese Geschichte hatte alle Zutaten für einen dramatischen Film", erinnert sich Bigelow, die vor Beginn der Dreharbeiten mit den Überlebenden der K-19 und ihren Familien sprach. "Schon durch den Ablauf der Ereignisse war Suspense garantiert. Durch eine Zeitbombe, eine sich anbahnende Kernschmelze in einem Atom-U-Boot, die weltweit katastrophale Auswirkungen haben könnte. Im Mittelpunkt der Story stand ein entschlossener, engagierter und charismatischer Kapitän, der unter größtem Druck mutige Entscheidungen traf und damit Schiff und Crew rettete. Von entscheidender Bedeutung in dieser Geschichte aber waren die jungen couragierten Seeleute, die sich ungeachtet der Folgen tödlichen Strahlen aussetzten, um den Schaden am Schiff zu beheben und ein Desaster zu verhindern."

Fünf Jahre lang war Bigelow involviert in die Entstehung von K-19: Showdown in der Tiefe. Sie empfand es als Privileg, umfangreiche Recherchen betreiben und mit den Menschen in Kontakt treten zu können, deren Leben von dieser Katastrophe betroffen war. "Unser Film", so Bigelow, "zeigt das Heldentum, den Mut und das Können sowjetischer U-Boot-Besatzungen, wie es noch nie zuvor auf der Leinwand zu sehen war. Wir erzählen eine faszinierende Geschichte über ganz normale Menschen, die zu Helden wurden, als sie sich einer tragischen Situation stellen mußsten. Dieses selbstlose Opfer in seiner ganzen Würde auf Film zu bannen, war für jeden an diesem Projekt Beteiligten der wichtigste Motivationsfaktor."

Annähernd 50 Darsteller wurden engagiert für die Rollen der Crew-Mitglieder und der sowjetischen Militärführer. Um schon in den Gesichtern die unterschiedlichen Nationen reflektieren zu können, die die Sowjetunion bildeten, suchte sich Bigelow ihre Besetzung in Kanada, Island, England, Russland und natürlich auch in Hollywood zusammen. So formierte sich eine einzigartige, wirklich internationale Darstellerriege.

Harrison Ford Figur Kapitän Vostrikov ist einem Kapitän an Bord der echten K-19 nachempfunden. Was den Superstar ursprünglich für das Projekt einnahm, ist der Kalte Krieg, einmal gezeigt aus der Perspektive der Russen. So etwas gab es seiner Ansicht nach in Hollywood bisher nicht zu sehen. "In unserer Geschichte gibt es keine Politik, keine Auseinandersetzungen zwischen Helden und Schurken", erzählt Ford. "Uns ging es um Anerkennung dessen, was die Crew der K-19 geleistet hatte. Das mußste der Zuschauer nachempfinden können. Wie in jeder Gruppe gab es auch an Bord die unterschiedlichsten Persönlichkeiten. Aber als sie mit einer schrecklichen Situation konfrontiert wurden, hielten sie zusammen, taten sie heroisch und selbstlos ihre Pflicht."

Für Liam Neeson, der mit Mikhail Polenin eine Figur spielt, die den Ersten Offizier der K-19 zum Vorbild hat, bot die Story die Möglichkeit, zeitloses Heldentum darzustellen. "Diese Geschichte weist große menschliche, psychologische Dynamik auf", fügt Neeson hinzu. "Unter unglaublichem Druck, den Tod vor Augen, zeigten diese Männer Pflichtgefühl und Engagement. Für die Person neben ihnen wie auch für die ganze Menschheit."

Der Kalte Krieg im Tauwetter Die Dreharbeiten zu K-19: Showdown in der Tiefe begannen im Februar 2001 in Moskau. Dank der durch die veränderte politische Situation verbesserten russisch-amerikanischen Beziehungen erhielt das Team problemlos Zugang zu Regierungsgebäuden und öffentlichen Plätzen. Hilfe und Unterstützung gewährten dabei sowohl die Politbehörden wie auch das Militär. Darüber hinaus schloss sich der Crew ein ehemaliger U-Boot-Kapitän der Sowjetmarine an, arbeitete eng mit einem technischen Berater zusammen, um das Leben und die Abläufe an Bord eines solchen U-Bootes so authentisch wie möglich abbilden zu können.

Als die Kameras schon rollten, arbeitete Kostümdesignerin Marit Allen noch immer unter Hochdruck, um mehr als 400 Uniformen für die Crewmitglieder des U-Boots fertigzustellen. Diese große Anzahl war nötig, weil jeder Schauspieler mehrere Kostümwechsel mitzumachen hatte - von der perfekten Uniform bis hin zu Arbeitsanzügen. Die von russischen Mitarbeitern hergestellten Uniformen waren exakte Nachbildungen der im Kalten Krieg getragenen Vorbilder.

Mit Abschluss der Dreharbeiten in Russland zog die Crew für zwei Tage an den Lake Winnipeg in Kanada um. Die gefrorene Oberfläche des Sees simulierte überzeugend das Packeis des arktischen Meeres. Danach ging es nach Toronto weiter, wo die U-Boot-Innenaufnahmen abgedreht wurden. In Halifax, Nova Scotia, schließlich filmte das Team in den schneebedeckten Docks, um dort die sowjetische Marinebasis in Murmansk zu filmischem Leben erwecken zu können. Außerdem diente der Hafen als Basis für die Dreharbeiten in der offenen See des Nordatlantik. Im Juni 2001 fiel die letzte Klappe und Kathryn Bigelow kehrte nach Los Angeles zurück, um sich der Postproduction zu widmen.

Lebendige Vergangenheit Obwohl K-19: Showdown in der Tiefe vor allem eine zutiefst menschliche Geschichte von Mut, Pflichtbewusstsein und unmöglichen Entscheidungen erzählt, stellten die historischen Wurzeln das Team vor außergewöhnliche Herausforderungen. Das Atom-U-Boot nachzubauen, war allein schon eine meisterliche Leistung. Zehn wichtige Sektionen des Schiffs wurden mit äußerster Präzision nachgebaut. Authentisch bis ins kleinste Detail, finden sich im Innenleben der K-19 zahllose Schilder in russischer Sprache und ein Labyrinth von Stahlrohren. Für noch größeren Realismus gingen die Produktionsdesigner Karl Juliusson und Michael Novotny sogar so weit, eine Firma in Toronto zu beauftragen, ein komplettes Geschirrservice herzustellen, als nicht einmal aus Marinebeständen ein solches aufzutreiben war.

Absolut authentisch mußste die K-19 auch von außen wirken. Weil das historische Vorbild laut Produzent Edward S. Feldman "mit Chemie verseucht in einem russischen Schiffsfriedhof verrottet, und nicht einmal von Hollywood wiederbelebt werden kann", mußste ein anderes U-Boot im Film an dessen Stelle treten. Deshalb nahm Produzent Joni Sighvatsson Verhandlungen auf, um ein altes russisches U-Boot, das in St. Petersburg, Florida öffentlich besichtigt werden konnte, auszuleihen. "Es war schon sehr verwirrend", erinnert sich Sighvatsson. "Wenn ich jemand am Telefon erzählte, ich sei in St. Petersburg, herrschte am anderen Ende der Leitung große Ratlosigkeit, ob ich nun in Florida um das U-Boot verhandelte oder in Russland auf Recherche unterwegs war. Schließlich wurde der Vertrag unterzeichnet und das Boot von Florida an die kanadische Küste geschleppt. Bevor die erste Klappe fiel, mußsten so viele Hindernisse erst einmal aus dem Weg geräumt werden."

"Das U-Boot aus Florida", so Koproduzentin Christine Whitaker und Executive Vice President der Spielfilmabteilung von National Geographic, "war etwas kleiner und ein anderer Bootstyp als die K-19, aber nachdem unsere Produktionsdesigner gezaubert hatten, waren Unterschiede nicht mehr auszumachen." Für die Dreharbeiten auf dem Meer wurde Kathryn Bigelow zu einer Art Behelfsadmiral, schließlich standen fast 20 Schiffe und ein Heer von Marineexperten unter ihrem Kommando. Neben der Nachbildung der K-19 gehörte unter anderem ein aus dem Seedienst genommenes kanadisches U-Boot zu Bigelows Flotte, das nach einigen Umbauten das sowjetische Boot spielen mußste, welches zur Rettung der K-19 entsandt wurde. Außerdem wurde das kanadische Schiff "Terra Nova" rekrutiert, um den US-Zerstörer "USS Decatur" glaubhaft vertreten zu können. Des weiteren gehörten zu Bigelows Drehflotte ein Lastkahn, auf dem der Kommandoturm der K-19 montiert war, ein riesiges Rettungsboot, fünf Schlepper, ein Kameraboot, zwei Versorgungsschiffe, ein schnelles Transportboot, sechs Hochgeschwindigkeits-Zodiacs, zwei große Schiffe für die Crew und eines für das Ausstattungsteam und die Spezialeffekt-Spezialisten.

Die Tragödie der K-19 1961 befand sich der Kalte Krieg auf seinem Höhepunkt. Beide Supermächte, die Vereinigten Staaten wie auch die Sowjetunion, sahen sich in einem Spiegelsaal gefangen, gebannt von den Bildern, die die atomare Stärke des Gegners und auch seine Entschlossenheit, sie auszuspielen, zeigten. Im November 1960 schickten die USA die USS George Washington, das erste mit Raketen bestückte U-Boot der Polaris-Klasse, auf Patrouille. Das hochmoderne Schiff konnte sich für Monate unentdeckt an den russischen Küsten verbergen und innerhalb kürzester Zeit 16 Raketen mit Nuklearsprengköpfen abfeuern.

Als Antwort darauf stellte die russische Regierung unter Hochdruck selbst ihr erstes mit Atomraketen bewaffnetes U-Boot in den Dienst, obwohl dieses - unfertig und nicht getestet - die Crew einem großen Risiko aussetzte. Im Zusammenhang mit U-Booten spricht man häufig vom "Silent Service", und immer waren große Gefahren damit verbunden. Mit über 4000 Tonnen Gewicht und einer Länge von 114 Metern machte die K-19 da keine Ausnahme. Während des Kalten Kriegs verlor die US-Marine zwei Atom-U-Boote, und Überlebende gab es weder 1963 bei der USS Thresher noch 1968 bei der USS Scorpion. Auch die Sowjetunion verlor in dieser Zeit drei Nuklear-U-Boote. Viele Jahre später, im Jahr 2000, wurde das demokratische Russland von der Tragödie der Kursk erschüttert, gerade als die Vorproduktion zu K-19: Showdown in der Tiefe begonnen hatte.

Das Risiko an Bord der K-19 war außergewöhnlich hoch. Die drei Nuklearraketen wurden mit hochgiftigem, ätzendem und explosivem Flüssigbrennstoff angetrieben, mit dem umzugehen extrem schwierig war. Noch schlimmer aber war, dass man auf zusätzliche Sicherheitsvorrichtungen verzichtet hatte, um den Nuklearreaktor noch kompakter und leistungsstärker machen zu können. Am 4. Juli 1961 befand sich die K-19 auf einer Übungsfahrt, als im Kühlsystem des Reaktors ein Leck entstand. Ohne Gegenmaßnahmen hätte dieses zu einer Kernschmelze im Reaktor führen können. Die Folge wäre zwar keine Explosion vom Ausmaß einer Atombombe gewesen, sehr wohl aber extrem gefährliche Verstrahlung und eine heftige radioaktive Explosion.

Angesichts der extrem angespannten politischen Situation hätte diese so nahe an einer NATO-Basis in eine katastrophale militärische Auseinandersetzung der Großmächte münden können. Mit dieser undenkbaren Konsequenz und der Unmöglichkeit, die USA um Hilfe bitten zu können, konfrontiert, mußste die Crew alles tun, um das Leck zu reparieren. Und genau das tat sie unter schrecklichen Opfern: in den Wochen und Monaten nach dem Unglück starben an die 20 Seeleute an den Folgen der ausgetretenen Strahlung.

Erstaunlicherweise wurde die K-19 nach diesem fürchterlichen Unglück repariert und wieder in den Dienst gestellt, doch weiterhin lastete ein Fluch auf dem Boot. 1969 wurde es schwer beschädigt, als es unter Wasser mit einem amerikanischen U-Boot kollidierte. Trotzdem erreichte die K-19 einen sicheren Hafen. 1972 brach auf Tauchfahrt ein schreckliches Feuer aus, das 28 Seeleuten das Leben kostete. Aufgrund dieser Katastrophenserie erhielt die K-19 schließlich den Spitznamen "Hiroshima".

Das Unglück von 1961, das die Basis für diesen Film bildet, wurde von der Sowjetregierung vertuscht. 30 Jahre lang blieben somit Heldenmut und Opferbereitschaft der Crew ungewürdigt. "Das Mysterium, das Geheimnis um die K-19, faszinierte uns von Beginn an", erklärt Produzentin Christine Whitaker. "Aber wir brachten das Projekt zu Kathryn Bigelow, weil sie eben nicht nur an Spannungskino, sondern auch am menschlichen Aspekt dieser Geschichte interessiert war. Durch ihren Ansatz würden die Zuschauer Sympathie für die Russen entwickeln können."

"Natürlich war der Vorfall für die kommunistische Regierung nicht gerade ein Ruhmesblatt", erläutert Kathryn Bigelow. "Weil die Katastrophe nicht in Kriegszeiten fiel, wurde der heldenhafte Creweinsatz ignoriert, ordnete man die Tragödie nüchtern als Unfall ein. Hoffentlich wird unser Film diesbezüglich eine Wende einleiten."

Die Musik Zum ersten Mal in seiner glanzvollen Geschichte ist das Kirov Orchester, eines der besten der Welt, für den Soundtrack eines Kinofilms engagiert worden. Zum Teil wurde Klaus Badelts Komposition in der Constitution Hall Washingtons unter Dirigent Valery Gergiev aufgenommen - ebenfalls eine Premiere für ein russisches Orchester. "Valery Gergiev ist eine Naturgewalt, gehört zur Elite der Dirigenten in der Welt", kommentiert Joel Sill, ausführender Musikproduzent bei K-19: Showdown in der Tiefe, diese Zusammenarbeit, die er selbst anregte.

Das Kirov Orchester gilt als "erstes Weltorchester", weil es seit Jahren mit der Kirov Oper und dem Kirov Ballett erfolgreich um den Globus tourt. Seine Wurzeln gehen bis zur Regentschaft von Peter dem Großen ins 18. Jahrhundert zurück. Zu Beginn als das Kaiserlich Russische Opern-Orchester bekannt, fand das Kirov 1860 eine Heimat im Marinsky Theater von St. Petersburg.

Während seiner ganzen Geschichte - von der Monarchie zum Kommunismus bis hin zur Gegenwart - verstand es das Orchester, Grenzen zu überschreiten, ob sie nun von Zeit oder Politik gesetzt wurden. Vielleicht, so Joel Sill, wurde das Orchester deshalb ein natürlicher Bestandteil in der Verfilmung einer Geschichte, in der Menschen auch über nationale Grenzen hinaus sehen mußsten. "Der unbezwingbare Geist der russischen Seele, der sich auch in diesem Orchester niedergeschlagen hat, durchdringt nun auch K-19: Showdown in der Tiefe", kommt Sill zu einem mit Stolz erfülltem Fazit.

K-19 und die wichtigsten Daten Länge: 114,1 Meter
Triebwerk: 2 Druckwasser-Atomreaktoren. Leistung jeweils 70 Megawatt.
Bewaffnung: 3 Gefechtsraketen vom Typ R-13 mit nuklearen Sprengköpfen (1,4 Megatonnen) sowie 8 Torpedorohre.
Mannschaft: Üblicherweise 125 Offiziere und Seeleute. Zum Zeitpunkt des Unglücks aber durch eine erhöhte Zahl an Beobachtern insgesamt 139.
Dirk Jasper FilmLexikon
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