Ali G IndaHouse

Produktionsnotizen

Einführung Ali G IndaHouse ist die erste Spielfilm-Produktion von Dan Mazer, Eric Fellner und Tim Beavan. Die aus-führende Produktion besorgte Natascha Wharton, Chefin von WT², gemeinsam mit Sacha Baron Cohen. Der Spielfilm wurde zwischen Mai und Juli 2001 vor Ort in und um London und Staines sowie in Los Angeles gedreht.

Sacha Baron Cohen tritt in die Fussstapfen seiner berühmtesten Comedy-Figur, Ali G. An seiner Seite sehen wir die Newcomerin Kellie Bright in der Rolle seiner Freundin Julie, Martin Freeman als Gang-Mitglied Ricky C und Ray Panthaki als Erzrivale Hassan B. Die Schauspielveteranen Michael Gambon und Charles Dance verkör-pern jeweils den Premierminister und den Schatzkanzler, während Rhona Mitra in der Rolle von Kate zu sehen ist, der Assistentin des Schatzkanzlers. Die Vorbereitungen "Vor ungefähr drei Jahren", erzählt Produzentin Natascha Wharton auf die Frage, wann WT² sich mit diesem Projekt zu beschäftigen begann, "kam meine damalige Assistentin Rachel Prior eines Tages herein und sagte, da sei dieser brillante Komödiant in der "The 11 O'Clock Show", Ali G, und ich solle ihn wirklich kennenlernen." Also wurde ein Treffen mit dem Erfinder dieser Figur, Sacha Baron Cohen, arrangiert, um verschiedene Projekte zu besprechen. "Dann brachten wir ihn mit Eric (Fellner, einer der Vorsitzenden von Working Title Films) zusammen, und der war begeistert von der Idee, einen Ali G-Film zu realisieren", fügt Wharton hinzu.

Darauf folgten verschiedene Treffen, bis man sich einig war, dass WT² den Film machen würde. "Zu diesem Zeitpunkt gab es noch kein Drehbuch", sagt Wharton. "Sobald wir übereingekommen waren, den Film zu drehen, engagierte Sacha schon Dan, und wir begannen über mögliche Ideen zu sprechen."

Als nächstes mußste dann ein Regisseur mit an Bord. "Natürlich war es ausschlaggebend, einen Regisseur zu verpflichten, der etwas von Comedy versteht", meint Wharton. Zusammen mit Mazer und Baron Cohen traf sie Mark Mylod, mit dem Eric Fellner verschiedene Projekte in Arbeit hatte. "Eric fragte mich, was ich von Ali G hielte, und ich sagte, ich finde ihn sehr, sehr witzig; er meinte dann, sie planten gerade einen Film und würden mir ein Drehbuch schicken, um meine Meinung zu erfahren", berichtet Mylod. "Eine Ewigkeit habe ich dann nichts mehr gehört, und so geriet dieses Projekt bei mir fast in Vergessenheit - dann aber traf das Drehbuch ein, und ich habe mich praktisch totgelacht. Als ich es gelesen hatte, wollte ich es wirklich drehen, also rief ich Eric an um ihm zu sagen, wie zwerchfellerschütternd ich das Drehbuch fand und dass ich gerne mitarbeiten würde."

Vom Drehbuch auf die Leinwand Beim Gespräch über den Ausgangspunkt für die erste Fassung des Drehbuchs sagt Mazer: "Tatsache ist, dass wir viel Glück hatten, denn wir hatten eine Figur, für die wir eine ganze Identität aufgebaut hatten, eine ganze Geschichte, und diese Figur ist von sich aus schon witzig. Man kann Ali G in alle möglichen Situationen verwickeln, und man weiß, lustige Dinge werden passieren, denn es geht um dieses bemerkenswerte Individuum, das witzige Dinge tut und eine witzige Persönlichkeit hat." Mazer wendet jedoch ein: "Alles, was wir zuvor gemacht hatten, war völlig realistisch, spielte sich in realen Situationen ab - das wollten wir erreichen, und so funktionierte es am besten. Nun hatten wir diese Schablone für eine Figur, mit den ganz eigenen Idiosynkrasien und der ganz eigenen Identität, diesen Kerl aus Staines eben - und das mußsten wir auf die große Leinwand übertragen. Wir wollten einen Film erschaffen, der eigenständig funktioniert und witzig ist."

So lautete die Zielsetzung von Baron Cohen und Mazer, die das Drehbuch so gestalten wollten, dass der Protagonist in eine Umgebung platziert wird, die den komischen Effekt noch steigern sollte. "Es ist das klassische Konzept vom ?Fisch auf dem Trockenen'", sagt Mazer über die Wahl der Erzählweise und des politischen Hintergrunds für diesen Spielfilm. "Wir wussten, dass Ali am besten rüberkommt, wenn er neben aufgeblasenen, steifen und selbstgerechten Typen steht, und diese lächerliche Figur funktionert ideal innerhalb eines seriösen Rahmens. Also fragten wir uns, was ist wohl die seriöseste, blasierteste und strengste Umgebung, in die wir Ali G hineinverpflanzen könnten? Das ist nun mal die Welt der Politik, also war es eine ganz natürlich Entscheidung. Weil seine Interviews hauptsächlich auf ernsten Themen basierten, und in gewisser Weise satirisch sind, wollten wir diesen Aspekt seiner Persönlichkeit im Film ebenfalls berücksichtigen."

Wharton berichtet weiter: "Mich hat diese Erzählweise sehr angesprochen, denn ich mochte den Gedanken, dass Ali G zu einem Nationalhelden und Mitglied des Parlaments wird, dass er Politikstrategien entwirft, die England zu einem besseren Ort machen - ich fand es sogar ziemlich realistisch, da diese Figur ja immer beliebter wird."

Ali G hatte sich zunächst im Fernsehen einen Namen gemacht, und sowohl Mylod als auch Mazer hatten ihr Handwerk ebenfalls bei Fernsehsendungen erlernt - deshalb wurde nun ganz bewusst darauf geachtet, diesen Spielfilm kinotauglich zu gestalten.

Für Mylod lag der Schlüssel in der Umsetzung der Struktur der Comedy. Er meint dazu: "Die Art, wie man Gags inszeniert, ist universell. Ein Gag ist ein Gag, im Fernsehen genau wie im Kino, also gibt es in diesem Punkt meiner Meinung nach wenig oder keine Unterschiede beim Umgang mit Comedy. Der Unterschied liegt vielmehr in der Struktur. In Filmkomödien bringt man den Witz ins Rollen und lässt es dann laufen. Wenn man den Ton trifft, der Gag sitzt und man den Witz nicht zu Tode reitet, dann bringt man so das Publikum in Fahrt und kann weiter darauf aufbauen. So funktioniert eine Filmkomödie unglaublich gut." Im Fernsehen sieht das aber schon anders aus: "Im Fernsehen kann man das Publikum häufiger ganz direkt reizen und mußs nicht so sehr auf das Tempo achten. Über eine Länge von 90 Minuten mußs man sich schon darum bemühen, das Publikum auf diese Achterbahnfahrt mitzureißen, indem man den Leuten einen Lacher gibt, dann eine Pause gönnt, um sie dann wieder mit einem neuen Hammer zu überraschen. Deshalb ist es wichtig, dass die Struktur stimmt, denn niemand kann 90 Minuten lang ständig durchlachen. Man kann 30 Minuten lang lachen - die Leute erzählen, sie hätten während der "The Fast Show" die ganze Zeit gelacht -, in einem Spielfilm mußs man ihnen aber Pausen gönnen."

Das Arbeitsklima Sowohl Mazer als auch Mylod fanden ihre Zusammenarbeit mit Baron Cohen sehr konstruktiv und kreativ. Mazer erläutert, wie sie jeweils ihre unterschiedlichen Begabungen und verschiedene Fähigkeiten mit eingebracht haben: "Sacha und ich haben Ali G von Anfang an gemacht. Wir wissen, wie Ali in der jeweiligen Situation reagieren würde, denn wir sind gemeinsam mit ihm durch die meisten Situationen gegangen - wir kennen ihn also in- und auswendig. Mark hat einen unglaublichen Erfahrungsschatz, er hat einige der besten Comedys der letzten zehn Jahre gemacht, und es ist ein gutes gegenseitiges Arbeitsverhältnis, denn wir hatten zuvor keinen echten Comedy-Spielfilm gemacht, er aber verfügt über diese große Erfahrung. Er weiß instinktiv, was witzig ist, und dann mischen wir uns ein mit unserer "Ali-mäßigen" Sicht der Dinge". Mylod fügt hinzu: "Wir fungierten als Sicherheitsnetz füreinander. Wenn jemand eine ganz dezidierte Meinung hatte, die anderen beiden aber genau das Gegenteil dachten, dann diskutierten wir die Stärken und Schwächen in der jeweiligen Position durch, und in 99% der Fälle konnten wir die richtige Entscheidung dazu treffen. Die Tatsache, dass es drei verschiedene Vorstellungen zu realisieren galt, hat uns wirklich weitergebracht. Wenn wir alle auf genau der gleichen Wellenlänge gewesen wären, bin ich mir nicht sicher, ob es eine genauso kreative Erfahrung gewesen wäre." Casting "Da Ali G in einer realistischen Umgebung angesiedelt war, wollten wir alles um ihn herum so echt und lebensnah wie möglich gestalten - er sollte sich in einer für das Publikum glaubwürdigen Umgebung bewegen", meint Mazer. "Als es also an die Besetzung ging, war unsere Anweisung an die Casting-Agenten die, dass jede einzelne Rolle so realistisch wie nur möglich besetzt werden sollte."

Eine der begehrtesten Filmrollen war die der Freundin von Ali G, Me Julie. Nachdem mehrere Wochen lang in den Medien darüber spekuliert worden war, gehörte die Rolle von Alis besserer Hälfte schließlich der Schauspielerin Kellie Bright.

"Julie war die härteste Nuss, denn schon in der TV-Serie war so viel von ihr die Rede gewesen, dass jeder eine Vorstellung davon hatte, wie sie sein sollte", erklärt Wharton. Mylod fährt fort: "Sie sollte schon auch tough sein, aber gleichzeitig mußsten wir uns in sie verlieben können; sie ist das Mädchen von nebenan, mit Ecken und Kanten zwar, aber gleichzeitig auch mit einer gewissen Unschuld ausgestattet." Man suchte lange und sah sich hunderte von Mädchen an, bevor man sich für Kellie Bright entschied. "Sie hatte einfach etwas so völlig Liebenswertes und Charmantes", sagt Wharton. Mylod stimmt dem zu: "Wir trafen Kellie, und sie war umwerfend. Es war ganz klar, sie war perfekt, fast lächerlich perfekt." Und wie fühlt es sich an Me Julie zu spielen? "Es war großartig, es macht viel Spaß, diese Figur zu spielen", erzählt Bright. "Ich bin ganz natürlich in der Rolle aufgegangen, und in dieser Figur steckt auch viel von mir selbst - das finde ich sehr schön."

Als Kontrast zu Julie steht die Besetzung der erotischen, raffinierten Kate, der persönlichen Assistentin des Schatzkanzlers, die von Rhona Mitra gespielt wird. "Kates erotische Ausstrahlung sticht sofort ins Auge, und Rhona war hierfür die perfekte Besetzung", meint Wharton, "denn sie sollte Alis Traumfrau darstellen. Während er mit Julie ausgeht, träumt Ali eigentlich von jemandem wie Kate." Mylod fügt hinzu: "Wir wollten eine Frau, die sehr gebildet erscheint - ob schwarz oder weiß, das war uns egal; Hauptsache, sie wirkt leicht exotisch und sieht aus wie ein feuchter Traum." Produzent Mazer erwähnte Mitra, die damals gerade in Los Angeles drehte; die Schauspielerin sprach dann per Video vor. "Sie war perfekt", sagt Mylod. "Sie verstand die Komödie. Also flog ich nach Los Angeles, um sie zu treffen, verstand mich sehr gut mit ihr, und schon hatte sie die Rolle." Mitra selbst war sofort sehr an der Rolle interessiert: "Kate ist ein smartes, freches Girl. Während alle anderen witzig sind, ist sie sehr direkt, arbeitet zielstrebig an ihrer Karriere, und genau dieser Kontrast zu den übrigen Figuren gefiel mir sehr."

Bei der Besetzung von Alis Sidekick, Ricy C, war es wichtig, die Figur nicht isoliert zu betrachten, sondern sie vielmehr in Bezug zur gesamten Gruppe der West Staines Massive-Gang zu setzen. "Wir hatten etliche Vorsprechtermine, bei denen wir Sacha und die WSM-Gang in einen Raum steckten, um die Rollen zu lesen", erzählt Wharton. "Martin (Freeman) ist ein brillanter Komödien-Schauspieler und arbeitete einfach sehr, sehr gut mit Sacha zusammen. Wenn sie gemeinsam lasen, sprühten sofort die Funken, und das ist auch im Film spürbar." Mylod fügt hinzu: "Martin ist ein phänomenaler Schauspieler, hat eine starke Präsenz und wusste genau, welchen Ton er anschlagen mußste. Er war ein großer Gewinn für den Film." Freeman meint dazu: "In mir steckt zwar ein Körnchen Ricky C, zum Beispiel was seine Energie und Überdrehtheit angeht - ich hoffe aber, es ist nicht zuviel, denn ich würde es hassen, so nervig zu sein wie er!"

Bei der Besetzung für den Premier und für Carlton erstellte die Produktion eine Wunschliste mit den Schauspielern, die sie gerne für die Rollen hätten. "Die Frage lautete, wer würde uns den Gefallen tun?", scherzt Mylod. Zwei etablierte Schauspieler, gute persönliche Freunde, Michael Gambon und Charles Dance, waren beide Ali G-Fans, also taten sie ihnen den Gefallen. "Wir drehten gerade in Manchester, und plötzlich begann Michael hysterisch zu lachen und meinte, `Was mache ich bloß hier?`", lacht Wharton. "Ich mußste zu ihm sagen: `Wir haben zwar davon geträumt, dich in diesem Film zu haben, aber wir hätten niemals gedacht, dass du es wirklich tun würdest!` Fantastisch war, dass viele Leute dabei waren, die echte Fans dieser Figur sind. Schauspieler wie Gambon und Dance kamen genau deswegen mit an Bord."

Drehorte Ali G IndaHouse wurde fast vollständig vor Ort in und um London, Staines und Manchester gedreht; eine Woche lang wurden Innenaufnahmen in den Bray Studios in Berkshire gedreht.

Die allererste Drehwoche fand in Los Angeles statt, wo die Anfangssequenz des Films gefilmt wurde. Für Mazer und Mylod war die Arbeit in den Straßen von Los Angeles - und das gleich bei ihrem allerersten Spielfilm - eine überragende Erfahrung. "Man arbeitet da fröhlich am Drehbuch vor sich hin und denkt: `OK, vielleicht wird ja ein Film daraus, vielleicht auch nicht ... Denn in der Filmbranche ist es doch so, dass alle `Ja, ja, natürlich` sagen, aber 90% der Filme bleiben dann doch in den Schublade, sogar noch in allerletzter Minute", meint der optimistische Mazer angesichts der Möglichkeit, seinen ersten Film zu verwirklichen. "Aber da steht man dann, mitten in East LA, voll das Gangstaville also, mit einem Team von 110 Leuten, und dreht einen Film - das war absolut krass. Eine unglaubliche Erfahrung - und noch wichtiger war, dass wir in dieser Zeit alle schön braun geworden sind."

Mylod fügt hinzu: "Es war schon verrückt, am ersten Drehtag hinzugehen und diese harte Sequenz zu drehen - aber mir kam es so vor, als wäre ich gestorben und in den Himmel gekommen. Wir haben dort zwar hart gearbeitet, aber ich liebe die amerikanische Art zu arbeiten, es war einfach ein Riesenspaß. Alle meine Träume sind wahr geworden."

Zurück in Großbritannien betont Mazer, dass die Dreharbeiten vor Ort lebenswichtig waren, um die Realitätsnähe im Film zu gewährleisten. "Es läuft alles auf einen Punkt hinaus, die Glaubwürdigkeit. Es geht darum, dass die Menschen glauben, dass diese Person wirklich existieren könnte; als wir also die Drehorte auswählten, wollten wir eben diese reale Welt widerspiegeln. Man weiß, er ist ein Gangmitglied aus der Vorstadt, also mußsten wir in die Vorstadt gehen, und diese originalgetreue Umgebung von trüber Trostlosigkeit und Langeweile zu erschaffen, in der diese Menschen leben."

An einem schönen, heißen Tag im Mai wurde also die Staines High Street stillgelegt, als Ali G und seine Bande in seinem Heimatviertel auftraten. Die Pubs und Gebäude wurden mit den Grafitti-Zeichen der beiden Gangs geschmückt, und die zwei aufgemotzten Renault 5, die heißen Öfen von Ali G und seinem Erzrivalen Hassan B, lieferten sich ein heißes Rennen durch die Stadt.

Das Willesden Sports Centre im Norden von London diente als John Nike Freizeitcenter - die Anlage, die Ali G retten will, und in der Dutzende von Schulkindern auf ihrem wöchentlichen Schwimmausflug die Dreharbeiten aus der Nähe bestaunten. "Es gibt wirklich ein John Nike Freizeitcentre in Bracknell", erzählt Mazer, "und wir haben mit dem Eigentümer vereinbart, dass wir diesen Namen im Film verwenden konnten - im Gegenzug darf er sein Zentrum in allen Broschüren als "geistige Heimat von Ali G" bezeichnen."

Die Wohnhäuser der Vorstadt Staines dienten als Außen- und Innenaufnahmen für die Wohnungen von Julie, Ricky C und Alis Großmutter Nan, und das Rathaus von Staines fungierte als Staines Wahlbüro. Die schönen, leerstehenden Villen von Mentmore Towers und Luton Hoo wurden für die Innen- und Außenaufnahmen von Chequers üppig ausgeschmückt. Die Innenaufnahmen des House of Commons wurden zwei Tage lang in den Granada Studios in Manchester gedreht, und das dortige Rathaus bot die Kulisse für die Innenaufnahmen in Westminster.

Der Stil "Gemeinsam mit Sacha habe ich den Stil vor zwei oder drei Jahren festgelegt", berichtet der Stylist Jason Alper. Die Inspiration für den Look der Figur "war eigentlich eine Mischung aus Armand Van Helden mit gewagten britischen Kreationen. Ich war nur ein paar Mal in Staines, bin aber selber in einer Vorstadt aufgewachsen, und dort gab es immer viele Weiße, die dachten, sie wären schwarz; ich habe die Leute genau beobachtet und eben manches aufgeschnappt."

In Ali G IndaHouse sehen wir Ali in seinen typischen Trainingsanzügen, aber auch in einem nie zuvor dagewesenen Aufzug - und sein Outfit wird immer abenteuerlicher, je weiter er sich in die politischen Gefilde des Parlaments vorwagt. Alper erklärt: "Zu Beginn trägt er sehr billige Klamotten, wahrscheinlich Kopien von amerikanischen Sportmarken, die er in Staines gekauft hat. Während sich die Geschichte entwickelt, ändert sich auch sein Kleidergeschmack. Viele der Anzüge, die wir verwenden, haben wir von der Stange gekauft, aus den Tiefen von Dalston, wo all die "Yardies" ihre Anzüge kaufen."

Ali Gs Trainingsanzüge sind "hauptsächlich Fubu, Wu-tang, Playerz ... und die Turnschuhe unweigerlich von Nike", sagt Alper; für seine Ankunft bei Chequers will Ali aber richtig Eindruck schinden, also trägt er einen erbsengrünen Anzug, einen dazu passenden grünen Hut vom Hutmacher Herbert Johnson sowie einen langen weißen Pelzmantel. "Wir haben Kroko-Lederimitat-Applikationen auf Taschen und Kragen des Anzuges aufgenäht, um ihm einen Hauch von Zuhälter zu verleihen; Glanzlichter setzen die Diamanten-Manschettenknöpfe und die Nieten an den Hosen. Das Outfit basiert auf einer Art Kid Creole-Aufmachung, es sieht wirklich gut aus mit dem weißen Pelz, der von Martin Taylor angefertigt wurde - er designt viel für Lily Savage -, und Ali trägt dazu ein schwarzes Hemd sowie schwarzweiße Schuhe, sodass das Gesamtensemble richtig groß rauskommt."

Ali trägt auch Schmuck - eine Mischung aus Sonderanfertigungen, wie z.B. sein Westside-Ring und seine Staines-Halskette, außerdem Uhren, Ringe und Ketten, die Alper hauptsächlich in London und New York gekauft hat. Alper fügt hinzu: "Seine Hosen sind ausschließlich Fubu, keine Frage, ganz klar, nur Fubu."

Kostümdesignerin Annie Hardinge war verantwortlich für die Ausstattung der anderen Figuren, darunter auch Julie. "Sie soll so realistisch wir möglich wirken, das wollten wir bei allen Figuren so halten, um Alis außergewöhnliche Erscheinung auszugleichen. Bei den Dreharbeiten haben wir so viele Julies gesehen, überall wo ich hingehe gibt es Julies, also haben wir bei ihr voll ins Schwarze getroffen, sie sieht toll aus." Bright fügt hinzu: "Ich liebe mein Outfit, es macht einen so großen Teil von Julie aus, und ohne die Klamotten würde sie einfach nicht funktionieren." Hardinge erklärt hierzu, dass Julie hauptsächlich "Kleidung trägt, die in Märkten und Billigläden in Staines zu kaufen sind: Trainingshosen, kleine Kapuzensweatshirts über kurzärmeligen Tops, darüber eine Jeansjacke und der übliche Schmuck. Billige Turnschuhe, Dolcis-Nachahmungen von Nikes, denn echte Nikes kann sie sich nicht leisten. Wir haben in Shepherds Bush Market, Surprise Surprise, New Look und Mark One eingekauft. Sie trägt Pastellfarben, blau und rosa. Ihr ganzer Look sollte eher sanft wirken, um die dunklen Nuancen, die Kate charakterisieren, auszubalancieren."

Bei Kates Look wurden eher dichte Farbtöne gewählt. "Rhona hat rötlich-braunes Haar und ist tief sonnengebräunt; als ich sie zum ersten Mal traf stellte ich fest, dass sie eher in Erdfarben ausgestattet werden sollte, um das Honigfarbene und den Glamour zu betonen", erzählt Hardinge. "Sie trägt Braun, Beige und Schwarz, kleidet sich eher zurückhaltend-elegant, ohne viel Schmuck, trägt aber sehr gut geschnittene Kleidung, hauptsächlich von Joseph."

Hardinge hat auch alle Gang-Mitglieder von Alis Gang West Staines Massive eingekleidet, hauptsächlich in Wutang, obwohl sie darauf Wert legte, das Outfit der Jungs an das von Ali G anzugleichen und jedem Einzelnen einen individuellen Look zu verpassen, der die Persönlichkeit der jeweiligen Figur widerspiegeln sollte. Free-man, der Ricky C verkörpert, meint dazu: "Es ist der typische "Gangsta"-Look, weit ausgestellt und gelb, denn das ist die Farbe unserer Gang, dazu Dinge, die wir im Vibe-Magazin oder in einem Puff-Video gesehen haben." Hardinge fährt fort: "Es war wichtig, jedem einzelnen von ihnen einen eigenen Charakter zu verleihen, deshalb ist Ricky C der süße Kleine in der String-Weste, in Eminem-Arbeitshosen, mit der Bandana und den weitesten Jeans, die man jemals gesehen hat - all das trägt dazu bei, dass er noch kleiner aussieht.

Dave (Tony Way) hat immer die gleichen Klamotten an, weil er einfach ein unglaublich schlampiger Faulpelz ist. Wir haben seine Kleidung extra verschmutzt, besonders vorne. Und genau wie mit Ricky C haben wir ihn heruntergespielt, er trägt nicht viel Schmuck, hat aber ständig einen fürchterlichen Hut auf, der irgendwie traurig aussieht." Jezzy F. (Nabil Elouahabi), der ständig unter Strom steht, trägt klassische Hip-Hop-Klamotten, weite Jeans, weites Oberteil, "hat aber die Sonnenbrille hinten am Kopf; so hat jede einzelne Figur etwas ganz Eigenes, leicht Abgedrehtes, das sie eben ausmacht."

Hassan B (Ray Panthaki) ist der Anführer der East Staines Massive und Ali Gs Erzrivale. Deshalb mußste er das genaue Gegenteil von Ali G sein, und sogar über noch mehr Glaubwürdigkeit verfügen. "Eigentlich hat mir diese Figur am besten gefallen, denn er mußste noch cooler sein als Ali G, also entschieden wir uns für echte Lederhosen, die extra für ihn angefertigt wurden, und außerdem trägt er eine große Lederjacke in Knallblau, der Farbe seiner Gang."

Für Hardinge war eine der größten Herausforderungen des Films die Szene mit sechzig Gangmitgliedern, die alle in fluoreszierender Tarnkleidung auftreten. "Das ist einer der Höhepunkte des Films, und wenn die Kostüme nicht stimmten, dann wäre alles umsonst gewesen. Ich suchte hierzulande nach solchen Klamotten, aber das gibt es hier einfach nicht, also mußste ich für die Darsteller alles selbst entwerfen, die Farben ausarbeiten und alles bedrucken lassen. Das habe ich mit Tarnkleidung ergänzt, die ich in New York aufgetrieben und hierher importiert habe."

Von den Mitgliedern der Gang zu den Mitgliedern des Parlaments: Hardinge widmete sich auch der Ausstattung von Carlton und dem Premierminister. "Carlton ist sehr steif und konservativ. Die Figur basiert ansatzweise auf Alan Clarke in seinen marineblauen Nadelstreifenanzügen, klassischer Krawatte, rosafarbenen Hemden, weißem Kragen - sehr britisch, sehr traditionell." Im Kontrast dazu steht der Premier, der etwas unkonventioneller ist: "Er trägt Einreiher, die immer etwas zerknautscht wirken, aus viel leichterem Stoff gemacht, meistens in Grautönen, denn Carlton ist in Marineblau makellos. Der Premier ist etwas verschrumpelt, sieht leicht ermattet aus, und das relektiert die Art und Weise, in der Michael die Figur verkörpert."

Make-Up und Frisuren Für die Make-up- und Frisurdesignerin Ann Buchanan war das Styling von Julie zwar viel Arbeit, machte ihr aber auch den größten Spaß: "Julie war schwierig zu stylen, denn wir wollten sie nicht zu prollig und aufgetakelt aussehen lassen, aber gleichzeitig mußste sie verspielt und witzig sein, und trotzdem sollte ihr Styling immer leicht daneben aussehen", erzählt Buchanan.

Die Inspiration für Julies Look stammt von den Mädchen in den Vorstädten von Staines, die Buchanan vor den Dreharbeiten genau beobachtete. Julies blonde Locken werden zu einem Pferdeschwanz hoch auf dem Kopf zusammengebunden, und das ist "ihr Markenzeichen", meint Buchanan; außerdem ist Julie stark geschminkt. "Wir mußsten wirklich dick auftragen, damit das klar wird - beim ersten Schminken hatten wir nur die Lippen konturiert und Lippenstift benutzt, aber es sah einfach noch zu gut aus." Doch die Hauptsache an Julie sind ihre künstlichen Fingernägel. "Das Nageldesign sollte sehr graphisch sein, aber trotzdem sehr einfach, damit es auf der Leinwand wirkt. Sie sind deshalb gar nicht subtil, sondern stark übertrieben, und meiner Meinung nach sind die gepunkteten Krallen am besten."

Im Gegensatz zu Julie sollte Kates Make-Up sehr natürlich wirken, wie Buchanan erklärt: "Rhona hat wunderschönes Haar, und ich lasse sie so natürlich wie möglich, benutzte nur wenig Make-Up."

Nachdem für Ali G selbst nur wenig gemacht werden mußste, wandten Buchanan und ihr Team ihre Aufmerksamkeit den anderen Gangmitgliedern zu. "Ich wollte Hassan B einen Silberzahn verpassen, also ließ ich eine Krone anfertigen, die sich aufstecken lässt, und das hat toll funktioniert. Außerdem hatte er eingewebte Haarsträhnen, was nicht einfach war. Er ist Asiat, hat asiatisches Haar, und diese Haarsträhnen sind eigentlich für afrokaribisches Haar gedacht, sie lösten sich ständig - dennoch glaube ich, dass es ihm gefallen hat, und es sieht großartig aus."

Für einen der Jungs aus der East Staines Massive-Gang gab es dann noch Tattoos, für die Buchanan die Vorlagen gesondert anfertigen ließ. "Ich hätte Ricky C gerne tätowiert, aber das ging nicht, denn er sollte so jung und unschuldig wie möglich wirken." Jezzy F sollte besondere Muster in seine Frisur einrasiert bekommen, die aber dennoch "irgendwie daneben sein sollten", so Buchanan. "Also entschieden wir uns für diese drei "Bahngleise", was wahnsinnig witzig wurde. Sie sehen einfach schrecklich aus, und man mußs ihn nur ansehen, schon mußs man lachen."

Sie fügt hinzu: "Es geht um den Look von all diesen Kerlen zusammen. Manche sind etwas schmuddelig geworden, manche einfach nur total daneben, aber alle sehen einfach bekloppt aus."

Die Autos Als verlängerte Persönlichkeit von Ali G mußste sein fahrbarer Untersatz einfach genau der Richtige sein. Die Produktion engagierte die Hilfe von David Kirk von 99 Cars, um einen Standard Renault 5 in die getunte Maschine zu verwandeln, die im Film zu sehen ist.

Das Auto kostete anfangs 1.000 Pfund. "Es war von Rost zerfressen, hatte alle möglichen Beulen, und das alles wurde ausgebessert, dann neu lackiert", erklärt Kirk. "Man hat uns die Innen- und Außenfarbe vorgegeben (gelb und blau als Markenzeichen der Gang), und damit haben wir dann gearbeitet." Der Gesamtstil orientiert sich an Ali Gs Outfit, das Auto hat ein Respect-Kennzeichen sowie einen "Ali & Me Bitch"-Sonnenschutzaufkleber auf der Windschutzscheibe.

Kirk nahm etliche Veränderungen an der Karosserie vor, um das Auto zu einem unverwechselbaren Einzelstück zu machen. "Wir haben riesige goldene 17-Zoll-Reifen aufgezogen, hinten zwei Spoiler angesetzt, außerdem eine Sonderanfertigung als Auspuff, der genau in der Mitte der Stoßstange herausragt." Auch der Innenraum wurde umgebaut: "Das Armaturenbrett und die Anzeigen sind in blau gehalten, die Sitze sind blau, das Lenkrad, die Gangschaltung, die Handbremse ist blau, ansonsten ist sogar unter der Motorhaube alles in Chrom, Blau und Gelb, damit auch alles zusammenpasst."

Die Rücksitze wurden ausgebaut, und im Auto befinden sich 16 Stereo-Lautsprecherboxen, ebenfalls in blau und gelb, zu denen drei Verstärker vor der Ablage gehören. Das Auto ist tiefergelegt und ausgebaut, um das Gewicht der Soundanlage - und der Filmcrew, die hineinkrabbeln mußs - aufzufangen. Mit den Lautsprecherboxen von JBL und einem CD-Player von Alpine ist es dort "sehr, sehr laut", meint Kirk.

Das fertige Auto ist heute um die 15.000 Pfund wert, und "wer weiß, was es erst wert sein wird, wenn der Film läuft", sagt Kirk. "Hoffentlich noch mehr!"

Hassan Bs silberner Renault 5 wurde vor einem knappen Jahr von Jamie Shaw als Vorführwagen für seine Firma Carisma gebaut. Ursprünglich war es ein schlichter 1,4 Renault 5, und Shaws Umbau nahm ganze fünf Monate in Anspruch. Der Wagen wurde vollständig umlackiert, innen, außen sowie im Motorraum; der türkis- und chromfarbene Turbo-Renault hat nun einen stärkeren Motor, 18-Zoll-Reifen, riesige Bremsen sowie ein extra entworfenes body kit. Eingebaut wurden eine Stereoanlage von Pioneer im Wert von 4.500 Pfund, vier Fernseher und eine Dreamcast Videospiel-Konsole auf der Rückseite der Vordersitze. Das Auto ist derzeit 47.000 Pfund wert. "Es ist exquisit", sagt Panthaki, der das Auto durch Staines fahren darf. "Der Wagen hat einfach alles, es ist umwerfend. Es sieht aus wie ein Raumschiff."

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