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Lushins Verteidigung, basierend auf Vladimir Nabokovs gleichnamigem Roman, erzählt die Geschichte von dem genialen russischen Schachspieler Lushin und den Folgen von Liebe und Leidenschaft. Regisseurin Marleen Gorris, bekannt für ihren Oscar®-prämierten Film "Antonias Welt" (1995), war von der Thematik wie von der klassischen Vorlage angetan: "Es hat mich sehr interessiert, wie ein Mann nicht in der Lage ist, mit zwei Leidenschaften gleichzeitig zu leben. In meinen ersten vier Filmen habe ich das Drehbuch geschrieben und immer Regie geführt. Damit hatte ich auch schon alles gesagt, was ich zu sagen hatte – zumindest für den Augenblick. Danach wollte ich die Herausforderung eingehen, mit einer fremden Vorlage zu arbeiten, so wie in "Mrs. Dalloway" (1997). In erster Linie hat es mich bei Lushins Verteidigung gereizt, aufzuzeigen, wie zwei Leidenschaften einen Mann regelrecht zerreißen können."
Vladimir Nabokov – russischer Schriftsteller von WeltruhmVladimir Nabokov wurde 1899 in St. Petersburg geboren und verließ Russland nach der Oktoberrevolution. Er verbrachte viel Zeit in Europa, insbesondere in Berlin, wo er bald als einer der bedeutendsten russischen Exil-Schriftsteller angesehen wurde. Der Roman "Lolita" brachte ihm weltweiten Ruhm und Anerkennung ein und etablierte ihn als einen der wichtigsten und originellsten Prosaschriftsteller des 20. Jahrhunderts. 1940 ging Nabokov mit seiner Familie nach Amerika, wo er in verschiedenen akademischen Positionen tätig war. Nabokov starb im Jahre 1977.Gorris: "In dem Film laufen verschiedene Geschichtsstränge parallel, die jedoch nicht linear zusammenfließen. Das Filmpublikum von heute setzt sich mit inhaltlichen Aspekten differenzierter auseinander, und viele sind in der Lage, die Entwicklung einer Intrige vorauszusagen, da sie gelernt haben, worauf eine Story hinausläuft. Sich von diesen gewohnten Mustern zu verabschieden, macht den Film unvorhersehbar und damit hoffentlich auch spannender. In Lushins Verteidigung wird Lushins Persönlichkeit durch seine Liebe zu Natalia in höchste Aufruhr versetzt. Nichts in seiner Vergangenheit – weder seine lieblose Kindheit noch seine Leidenschaft für Schach – hat ihn jemals für diese Begegnung vorbereitet. Von Anbeginn des Films war es eine faszinierende Herausforderung für mich, die Vergangenheit und die Gegenwart, das Bekannte und das Unbekannte in Verbindung zu setzen. Und dann gab es da noch das "Thriller"-Element, verkörpert durch Valentinov: die personifizierte bedrohliche Verbindung zwischen Lushin als Wunderkind und Lushin als erwachsenen Großmeister. Das hat meine Fantasie beim Lesen des Drehbuchs von Anfang an beflügelt. Alle diese Handlungsstränge in ein kohärentes Ganzes zu übertragen, war eine belebende Herausforderung, mit der ich von Anfang bis Ende konfrontiert war." Auf Grund der Qualität des fertig gestellten Drehbuchs waren sich die Produzenten sicher, eine hochkarätige Besetzung für den Film zu gewinnen. Caroline Wood, Direktorin für Entwicklung bei Renaissance Films und Produzentin des Films, berichtet: "Es war eine erfreuliche Erfahrung, denn jeder, dem wir das Drehbuch gezeigt haben, liebte es regelrecht. Mit dieser fantastischen Besetzung konnten wir die Finanzierung als britischfranzösisch-italienische Co-Produktion unter Dach und Fach bringen, wobei Renaissance den Großteil der Gelder beisteuerte und sich dafür die Erlöse aus dem Auslandsgeschäft in den übrigen Ländern sicherte." Lushins Verteidigung wurde im Herbst 1999 in acht Wochen an Drehorten in Italien und Ungarn gedreht.
Die Hauptdarsteller – ein Glücksfall für Marleen GorrisGorris war mit der Wahl der beiden Hauptdarsteller mehr als zufrieden: "Ich war sehr glücklich mit Emily und John. Diese beiden zusammenzubringen war eine wunderbare Kombination. Zwischen ihnen stimmte einfach die Chemie, sie sind befreundet und arbeiten gerne zusammen. Auf Grund dieser Vertrautheit konnte sich ihre Liebesgeschichte besonders gut entwickeln."Die Charakterrolle von Lushin hat John Turturro von Anfang an fasziniert: "Als ich das Drehbuch gelesen habe, fand ich es wirklich sehr gut. Lushin ist ein schwieriger Charakter, obwohl ja alle Rückblenden dabei helfen, die Ursprünge seiner Entwicklung transparent zu machen. Als teilnahmsloses und apathisches Kind ist er nicht in der Lage, mit seinen Eltern zu kommunizieren. Als er sein Schachspiel bekommt, ist es wie Liebe auf den ersten Blick, die ihm einen Ausweg eröffnet." Gorris fügt hinzu: "Es ist das Schachspiel, durch das Lushin zu seinem wirklichen Ich findet und so seine Stärke entfalten kann. Sein größtes Problem ist jedoch, dass er Schach mit keiner anderen Welt kombinieren kann, obwohl er die meiste Zeit des Films versucht, genau diesen schwierigen Weg zu gehen." Turturros Interpretation und seine Vorbereitung auf die Rolle hat Gorris stark beeindruckt: "John hat die Charakterrolle von Lushin dermaßen geprägt, dass ich mir keine andere Interpretation mehr vorstellen kann. Er ist ein äußerst konzentrierter Darsteller, und es ist ihm gelungen, während der Dreharbeiten die spirituelle Welt von Lushin in den Film zu übertragen." Turturro gesteht, dass ihm der Originalroman dabei geholfen hat, die komplizierte Rolle zu erforschen und zu entwickeln. "Ich erkannte Nabokovs Geist in den Texten von Peter Berry und las das Buch mehrmals. In dem Buch geht es eher um Lushins Innenwelten, es dreht sich mehr um ein Schachspiel und ist weniger dramatisch. Ich habe aber einige nützliche Ideen für mich rausgezogen, da der Charakter sehr gut dargestellt ist, was Peter mit großem Erfolg auf der Leinwand umgesetzt hat." Darüber hinaus hat Turturro auch noch einige Schachbücher studiert: "Ich bin jetzt auf dem Niveau eines guten Anfängers. Es ist wirklich ein schönes Spiel, aber es ist so komplex. Ich glaube, es hat mir geholfen, dass ich noch andere Erfahrungen außer der Schauspielerei gesammelt habe. Zum Beispiel Regieführung, die beinhaltet, dass man sich gleichzeitig mit mehreren Aufgaben und Prozessen auseinander setzen mußs, um letztendlich aus all den einzelnen Teilen ein atmendes, kohärentes Ganzes zu machen. Schach-Großmeister können unglaublich viele Spiele auswendig und sie besitzen die Fähigkeit, so viele Schritte vorauszusagen, dass du als Anfänger schnell deine Grenzen erkennst, du bist unfähig, derart frei und konzeptionell zu denken." Emily Watson hat die Rolle der Natalia zum Teil wegen Turturros großer Begeisterung für dieses Projekt übernommen. Turturro: "Ich habe zusammen mit Emily bereits in "Cradle Will Rock" (1999) gedreht und es ist uns gleich aufgefallen, dass wir gerne miteinander in einer vergleichbaren Weise arbeiten. So zu arbeiten macht Spaß, und ich genieße das Arbeiten mit Menschen, die ich gerne um mich habe."
John Turturro – ein Mann wie ein WirbelsturmWatson ergänzt: "John ist einer der interessantesten amerikanischen Schauspieler überhaupt. Es ist sehr spannend, ihn bei der Arbeit zu beobachten. Es ist, als ob du in Gesellschaft eines Wirbelsturms bist. Manchmal ist er schon etwas furchterregend, weil er mit so viel Energie und Ideen beladen ist."Gorris führt fort: "Emily war meine erste Wahl für die Rolle der Natalia. Ihre intuitive Intelligenz schuf eine unheimlich starke Präsenz im Film. Emilys Leistung verleiht der Handlung eine emotionale Tiefe, die wir mit einer weniger talentierten Schauspielerin nie erreicht hätten." Watson war regelrecht versessen auf die Rolle der Natalia: "Es ist eine neue Dimension für mich, Zeugin zu werden, wie jemand einen Nervenzusammenbruch erleidet. Natalia führt und unterstützt Lushin, als er die Kontrolle über sich verliert. Natalia besitzt im Grunde eine vernünftige, ausgewogene, heitere und heilsame Natur, die für mich erst mal ungewöhnlich zu verkörpern war." Sie fügt hinzu: "Natalia gehört ausgesprochen in ihre Zeit, sie entstammt einer enteigneten Generation. Sie ist nicht materialistisch, sondern unabhängig und modern und besitzt einen klaren Blick für ihre Zukunft. Sie fängt an, mit der Idee zu spielen, Zeit mit einem Genie zu verbringen, ist dabei jedoch so verführerisch und lebendig, dass ich glaube, dass sie sich tatsächlich in ihn verliebt hat." Auch Watson mag den außergewöhnlichen Geist des Filmes: "Man kann sich darin so fühlen, als würde man tatsächlich in der Welt eines kostümierten Dramas leben. Es ist zwar ein zeitgeschichtliches Stück, aber in Wirklichkeit lebt man in der Fantasie Nabokovs, und das ist wahrlich ein seltsamer Ort. Es ist uns gelungen, diese sehr spezielle, dunkle, kuriose und gleichsam lustige Welt gemeinsam zu erschaffen. Jeder kann alles an sich reißen, jede Idee ist willkommen, nichts ist gefestigt. Ich liebe das." Gorris war auch mit der Besetzung der Nebenrollen sehr zufrieden: "Das ganze Team hat gut funktioniert, die sehr intensive Zusammenarbeit und hervorragende schauspielerische Leistung aller, kombiniert mit einem tollen Sinn für Humor, machte die Arbeit zum reinsten Vergnügen." Geraldine James spielt Vera, Natalias Mutter, und sie war glücklich, diese interessante Rolle zu übernehmen: "Eine der größten Stärken des Drehbuchs ist, dass auch alle Charaktere im Umfeld der Hauptrollen wahre Menschen sind und sich dementsprechend darstellen lassen. Ich bin nicht nur die furchtbare Schwiegermutter, ich habe auch eine menschliche Seite, die eine gewisse Verletzlichkeit an die Oberfläche kommen lässt, die den Charakter einzigartig macht." Christopher Thompson, der den Jean de Stassard spielt, ergänzt: "Ich glaube, dass mein Charakter eine Alternative für Natalia darstellt. Wir sind Teil der gleichen Welt und würden gut zueinander passen. Es ist wichtig, dass Stassard nicht nur die naheliegendste Wahl für Natalia, sondern auch ein guter Mensch ist. Ihre endgültige Entscheidung für Lushin ist umso bedeutungsvoller, da Stassard nun wirklich kein Dummkopf ist."
Das DrehbuchVladimir Nabokov, der älteste Sohn einer aristokratischen, kultivierten, politisch liberalen Familie, wurde 1899 in St. Petersburg geboren. Als die Bolschewiken an die Macht kamen, verließ die Familie Russland und ging zuerst nach London und dann nach Berlin. Nach Abschluss seiner Studien auf dem Trinity College in Cambridge im Jahre 1922 folgte Nabokov seiner Familie nach und zog ebenfalls nach Berlin.Zwischen 1923 und 1940 veröffentlichte er Romane, Kurzgeschichten, Theaterstücke, Gedichte und Übersetzungen in russischer Sprache und galt als einer der besten Autoren der Exil-Literatur. 1940 ging Nabokov mit seiner Frau und seinem Sohn nach Amerika, wo er zwischen 1941 und 1948 Dozent am Wellesley College war. Als Professor für russische Literatur lehrte er an der Cornell University, bis er 1959 in den Ruhestand ging. Sein erster Roman in englischer Sprache, "The Real Life of Sebastian Knight", wurde 1941 veröffentlicht. Sein bekanntester Roman, "Lolita", brachte ihm weltweiten Ruhm. 1973 wurde er mit der American National Medal for Literature ausgezeichnet. Er starb 1977 in Montreux, Schweiz. Sein Werk umfasst u. a. in russischer Sprache Lushins Verteidigung und "Die Gabe", in englischer Sprache "Lolita", "Pnin", "Pale Fire" und "Ada", ferner die autobiografischen Werke "Speak" und "Memory" , Übersetzungen von "Alice im Wunderland" ins Russische und "Eugen Onegin" ins Englische, ferner verschiedene Lesungen über Literatur. Nabokov ist einer der bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Martin Amis schrieb: "Die Vielfalt, Stärke und Tiefe von Nabokovs Empfindungen sind konkurrenzlos in der modernen fiktionalen Literatur. Ihn im vollen Umfang aufzunehmen ist ein stimulierendes Erlebnis, das in erster Linie intellektueller, fantasierender und ästhetischer Natur ist. Noch mehr puren sinnlichen Genuss kann Prosa nicht bieten.
Der Look von Lushins VerteidigungLushins Verteidigung spielt in den späten zwanziger Jahren an den norditalienischen Seen, eingespielt sind Rückblenden in Lushins Kindheit in St. Petersburg. Der Film wurde in acht Wochen in Italien gedreht, weitere Dreharbeiten für die Innenaufnahmen und die ückblenden wurden in Budapest durchgeführt. Der Hotelstandort in Italien ist die Villa Erba in Cenobbio am Ufer des Comer Sees. Es handelt sich um eine reich verzierte Villa aus dem 19. Jahrhundert, in der Mitte eines außergewöhnlich gut erhaltenen Parks mit Blick auf den See.Ein Traum von Villa, in der Luchino Visconti seine Jugend verbrachte. Der Standort am See mußste einfach kompromisslos schön und prachtvoll sein, um den gehobenen Ansprüchen bestimmter Gäste wie Natalias Mutter Vera gerecht zu werden. Und Geraldine James war vom Standort verzaubert: "Er ist überwältigend und lässt sich wunderbar filmen. Das ist schon interessant, denn es gibt Orte, die sich nicht vollends filmisch einfangen lassen. Ich habe ein paar anstrengende Drehphasen mitgemacht und da wirkt diese Umgebung, dieses wunderschöne schimmernde Wasser fast ablenkend." Die Szenen draußen vor dem Rathaus und die italienischen Straßenszenen wurden in Bergamo gedreht, wo die Filmproduktion drei Tage lang die ganze Altstadt besetzt hat und viele örtliche Statisten anheuerte. Budapest lieferte ebenfalls einzigartige Standorte für die Dreharbeiten. Das Innere des Rathauses wurde in einem Museum gedreht, und einige halb verwaiste Altbauten eigneten sich vorzüglich, um das St. Petersburg der Jahrhundertwende und das Italien der zwanziger Jahre darzustellen. Caroline Woods kommentiert: "Wir haben an beiden Standorten unheimlich viel Glück mit dem Wetter gehabt. Wir hatten zwei Wochen allerschönsten Herbstsonnenschein, als wir die Außenszenen in Italien drehten, und ungewöhnlich frühen Schneefall, als wir in Budapest drehten. Einer der größten Außendrehs in Budapest war die Friedhofsszene. Wir wollten Schnee sprühen, doch der Standort war so groß, dass wir das auf keinen Fall geschafft hätten. Das hohe Produktionsniveau, das wir mit Hilfe der Sonnen- und Schneeverhältnisse erzielen konnten, ist wirklich erstaunlich in Anbetracht der Drehzeit von acht Wochen." Gorris ist voll des Lobes für ihren Produktionsdesigner Tony Burrough, "der mehr aus dem Film herausholte, als ursprünglich vorgezeichnet war. Der Film profitierte enorm von den außergewöhnlich schönen Schauplätzen, die ihn erheblich aufgewertet haben." Gorris behielt ihre kooperative Einstellung zum Filmteam bei und stellte fest, dass ihre Art, Filme zu drehen, für die gesamte Produktion nur von Vorteil war. In Bezug auf die Arbeit des Aufnahmeleiters Bernard Lutic sagte sie: "Es war das erste Mal, dass ich mit Bernard arbeitete, und ich wäre mehr als dankbar, wenn wir das wiederholen könnten. Seine Arbeit ist phänomenal. Er ist der darstellerfreundlichste Kameramann, den ich kenne. Er gibt den Schauspielern Raum zum Atmen und folgt ihren Vorgaben, was wiederum den Leistungen der Schauspieler sehr zugute kommt." Gorris arbeitete bereits bei einigen ihrer Filme mit der Kostümdesignerin Jany Temine und dem Cutter Michaël Reichwein zusammen. Gorris: "Jany ist ein warmherziger, multikultureller Profi und ihre Kostüme spiegeln ihre Erfahrungen und ihren Tiefgang wider. Sie mußste die Kleider der vorletzten Jahrhundertwende in Russland sowie die Mode der zwanziger Jahre kreativ nachbilden. Sie unterstrich den fortschrittlichen Charakter Natalias, indem sie sie sehr außergewöhnlich einkleidete. Während ihre Mutter mehr den traditionellen Stil bevorzugt, betont Natalia ihre Unabhängigkeit, indem sie Hosen und weniger konventionelle Kleider trägt." In Bezug auf Reichwein kommentiert sie weiter: "Es ist schon der dritte Film, den wir gemeinsam machen. Wir verstehen uns blendend und arbeiten wunderbar zusammen. Ich vertraue ihm bedingungslos, was eigentlich bedeutet, dass wir gemeinsam mehr Risiken eingehen, was sich hoffentlich am Ende auszahlt." Mit John Turturro und Emily Watson in der Hauptrolle führt Marleen Gorris die Regie des Films Lushins Verteidigung, das Drehbuch von Peter Berry ist an den gleichnamigen Roman von Vladimir Nabokov angelehnt. Caroline Wood und Stephen Evans von Renaissance Films sind die Produzenten des Films, zusammen mit Louis Becker und Philippe Guez und den Co-Produzenten Leo Pescarolo und Eric Robison. |
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