Ernst sein ist alles

Ausführlicher Inhalt

London um 1895. Obgleich von privilegierter Abstammung und mit so viel Scharfsinn wie Schlagfertigkeit beseelt, mußs der perfekte Gentleman Algernon "Algy" Moncrieff (Rupert Everett) eines Morgens die Beine in die Hand nehmen, um seinen Gläubigern zu entwischen. Doch wer hat schon die Zeit, sich um vulgäre Finanznot zu kümmern, wenn sich auch mit Charme und Charisma ein exquisites Leben führen lässt.

Demnach mag sich Algernon generell nur ungern mit den Zwängen des Alltags auseinander setzen und hat zu diesem Zwecke beispielsweise eine Scheinexistenz erfunden. Wann immer er nämlich unangenehmen Verpflichtungen entgehen will, schiebt er flugs einen ominösen schwer kranken Freund vor, der dem Vernehmen nach auf dem Lande lebt und immer dann Algys Hilfe braucht, wenn sich dieser in der Stadt nicht blicken lassen möchte.

Ein Kunstgriff, dessen sich auch Algys bester Freund und Rivale in Wortduellen bedient: John "Jack" Worthing (Colin Firth) wurde einst als Findelkind im Bahnhof Victoria Station aufgelesen und widmet nun sein Erwachsenendasein der Aufsicht über die Großtochter des Mannes, der ihn einst adoptierte.

Doch obwohl besagte Cecily Cardew (Reese Witherspoon) ein ganz reizendes Mädchen ist, mußs auch Jack mitunter vor seinen Pflichten flüchten und hat dafür einen Bruder namens Ernst erfunden, der bequemerweise im pulsierenden London lebt. Kurzum: Jack pflegt sich regelmäßig vom Landleben in die Metropole zu verabschieden, wo er sich nicht nur als Ernst ausgibt, sondern auch noch der Cousine seines Kumpans Algy seine Aufwartung macht.

Bei Jacks Herzdame handelt es sich um die ebenso smarte wie rebellische Gwendolen Fairfax (Frances O'Connor). Doch obwohl sie Jacks Gefühle durchaus erwidert, wird den Liebenden das Leben schwer gemacht durch Gwendolens mächtige Mutter Lady Bracknell (Dame Judi Dench), die mit dem Heben einer Augenbraue Londons feine Gesellschaft zum Zittern bringen kann und es kaum zulassen wird, dass ihre Tochter mit einem Mann ein Verhältnis eingeht, der als Baby in einem Paket gefunden wurde.

Und als ob dieses Hindernis nicht gewaltig genug wäre, droht Jack zunehmend auch Opfer seiner eigenen Notlügen zu werden - denn Gwendolen hat es sich nun mal in den hübschen Kopf gesetzt, einen Mann zu lieben, der auf den respektablen Namen Ernst hört, was ihr Etikettenschwindler Jack alias Ernst schwerlich ausreden mag.

Im Folgenden findet das Dilemma um vertauschte Identitäten, soziale Schranken und geschliffene Worte bei der Wahl der Waffen seine Fortsetzung, als Jack zurück auf den Landsitz reist und dort Algernon vorfindet, der sich seinerseits als ominöser Bruder Ernst ausgibt und damit die romantischen Fantasien der jungen Cecily vollends zum Erblühen gebracht hat.

So scheinen sich unter lauter falschen Namen immerhin die richtigen Paare zu finden, was wohl niemandem auf dem Lande weiter aufgefallen wäre, da selbst der drollige Reverend Canon Chasuble (Tom Wilkinson) und Cecilys Lehrerin Miss Prism (Anna Massey) ganz närrisch zu werden scheinen ob lauter Liebe in der Luft.

Doch als die patente Gwendolen kurzerhand aus London ihrem vermeintlichen Ernst nachreist (der umgehend als Jack enttarnt wird), was wiederum zum ersten Mal den Dampfplauderer Algy verstummen lässt (der selbstredend auch nicht länger als Ernst durchgeht) ... nun, da ist aus Sicht der empörten und umgehend verbündeten Damen die Zeit reif, den Herrschaften ihre Lügengespinste um die Ohren zu hauen und ihnen eine letzte Chance zur Besserung zu geben.

Und als ob die Lage für die enttarnten Möchtegern-Ernsts nicht schon ernst genug wäre, reist auch noch die resolute Lady Bracknell an und richtet Hochstapler wie höhere Töchter ungerührt mit dem Fallbeil ihres Wortwitzes hin ...

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: Concorde © 2003 Dirk Jasper