Väter

Ausführlicher Inhalt

"Das glaubt mir keine Sau," stöhnt Marco, als er viel zu spät aus bleiernem Schlaf hochschreckt, "dass ich meine erste Projekt-Präsentation verpenne!" Marco ist Architekt. Dieser Tag ist einer der wichtigsten in seiner bisherigen Laufbahn. Das ganz alltägliche Chaos setzt ein im Haus der Kriegers: Melanie, Marcos Frau, ist Lehrerin, und ganz auf die Schnelle versorgt sie den sechsjährigen Benny, ihren gemeinsamen Sohn.

Zwischen Tür und Angel bittet sie Marco noch schnell, tagsüber ein Rezept in der Apotheke fürs Kind einzulösen und fügt hinzu: "Heute ist ein besonderer Tag." Marco aber ist gedanklich schon weit weg von zu Haus? ... und steckt dann erst mal im täglichen Stau.

Abends: Erschöpft, erleichtert und etwas betrunken kommt Marco nach Hause. Grünes Licht für sein erstes großes Bauvorhaben. Melanie sitzt über Korrekturen und Vorbereitungen für ihren Unterricht. Sie hat für Marco im Moment nur die genervte Frage von der Seite: "Hast du die Antibiotika?" Verdammt, im Höhenrausch dieses Tages hatte er die Medikamente tatsächlich vergessen!

Aber er kann ja schnell noch zur nächsten Nachtapotheke laufen, und außerdem wird ihm ein kleiner Dämmerungsspaziergang mit dem Sohn eh gut tun. Auf dem Rückweg machen Vater und Sohn an einem Kiosk Rast, und Benny darf am Bier nippen. Es wird später als geplant und Melanie wartet schon mit einer Standpauke auf die beiden.

Spät nachts: Endlich kann Marco dann von seinem großen Tag erzählen. Aber was wird daraus folgen? Noch mehr Arbeit, noch weniger Zeit, noch weniger Mann ... und den heutigen Hochzeitstag, diesen besonderen, für den er am Morgen keinen einzigen Gedanken übrig hatte, den würden sie natürlich noch in einer Feier im großen Stil begehen und zwar mit einer ausgelassenen Sommer-Party.

Eigentlich eine schöne Feier, eigentlich eine glückliche Familie. Doch in der Küche kommen Melanie die Tränen ? "Es ist unser Fest, und wir sind einfach nie zusammen". Kurz darauf schläft Marco in der Hängematte ein. Abgearbeitet und übernächtigt ...

Ein weiterer Morgen in Hetze: Wieder einmal stellt sich das Problem, wer Benny vom Kindergarten abholen kann. "Ich weiß nicht, wie andere Mütter das machen, ich komme nicht dazu, mein eigenes Leben zu leben." Ein bohrendes Gefühl von Ausweglosigkeit, ständig zur Entscheidung gezwungen zu sein zwischen Kind und Beruf.

Durch Terminverschiebungen will Marco es übernehmen, Benny abzuholen, doch ausgerechnet an diesem Tag mußs auch ein Behördenvertreter, der sich seinem Bauvorhaben mit Beschränkungen in den Weg stellt, noch ?bearbeitet? werden. Marcos Assistentin soll wenigstens im Kindergarten anrufen, dort aber ist niemand mehr zu erreichen. Gedrückt und schuldbewusst tritt er Melanie am Abend unter die Augen. Streit ist unvermeidlich ...

Das Wochenende danach: Bei der Hochzeitsfeier eines Kollegen von Marco sollen die Gäste demonstrieren, wie gut sie ihre jeweiligen Partner kennen und an was sie sich aus der gemeinsamen Geschichte erinnern. Zettel mit Fragen werden eingesammelt. Vor allen Anwesenden soll Melanie wiederholen, was sie gesagt hat, als Marco Benny nicht vom Kindergarten abholen konnte.

Es geht um den genauen Wortlaut ... Melanie weiß ihn nicht mehr, doch Marco hat ihn auf den Zettel geschrieben. Melanie hat das Spiel verloren. Sie leert ihr Glas mit einem Zug, so sind die Spielregeln, wirft es hinter sich, verlässt die Party und packt zuhause ihre Koffer.

"Wofür bestrafst du mich jetzt schon wieder?" fährt Marco sie an, als er später nach Hause kommt. Was sie antreibt in diesem Moment, verschließt sich ihm. Erstmals ohrfeigt er sie. Kurz darauf stehen zwei Polizisten in der Wohnung. Melanie nimmt den verstörten Benny mit sich ...

Die folgenden Tage: Für Marco scheint der plötzliche Bruch aus heiterem Himmel gekommen zu sein. Melanie versucht immer wieder, Kontakt aufzunehmen, doch Marco straft sie mit Kaltschnäuzigkeit und Desinteresse. Schließlich kommt ein Expressbote ins Büro mit einem Schreiben von Melanies Anwältin: der Antrag auf Scheidung.

Im Schriftsatz ist die Rede von einer Neigung des Vaters zu Alkoholismus und Gewalttätigkeit, weswegen ihm der Umgang mit seinem Sohn untersagt werden soll. Jetzt nimmt sich auch Marco einen Anwalt. Dieser trifft die üblichen Vorkehrungen für den professionellen Schlagabtausch ...

Die folgenden Wochen: Die Anwälte der gegnerischen Parteien einigen sich auf ein monatlich zweistündiges Umgangsrecht Marcos mit Benny ...

Die folgenden Monate: Der Druck nimmt zu. Im Büro herrscht mittlerweile Sorge, ob Marco der Verantwortung für sein Projekt überhaupt noch gerecht werden kann ... In Bennys Kindergarten wird Marco verdeutlicht, "dass seine Vollmacht aufgehoben wurde". Beim Versuch, seinen Sohn trotzdem kurz zu sehen, wird er handgreiflich gegenüber dem Personal.

Am gleichen Abend steht Melanie vor der ehemals gemeinsamen Tür. Ausgerechnet an diesem Abend hat Marco seine Kollegin Ilona zum gemeinsamen Kochen eingeladen. Melanie signalisiert unerwartet Versöhnungsbereitschaft, doch diesmal zeigt sich Marco gemein und stur. Danach lässt sie Marco jeglichen Kontakt mit Benny untersagen.

Erneut vor dem Kindergarten: Marco passt seinen Sohn ab, zerrt ihn ins Auto und rast davon. "Wo fahren wir denn hin, Papa?" will Benny wissen. "Keine Ahnung. Ich dachte nur, es wäre ganz schön, wenn wir mal ein bisschen länger zusammen sein könnten." "So was wie Ferien?" "Ja, so was wie Ferien."

Marco gondelt ungeachtet seiner zunehmenden Probleme im Job mit Benny über die Landstraßen. Die beiden sind unbeschwert und ausgelassen, obwohl Benny seine Mutter zunehmend vermisst: Als sie am Lagerfeuer zusammensitzen, versucht Marco seinem Sohn anhand von unterschiedlich großen Kieselstein-Häufchen zu erklären, was er eigentlich will.

"Das hier sind die Tage, die vergangen sind, seitdem Mama und du von zu Hause ausgezogen seid. Das sind die Tage, an denen ich dich seitdem gesehen habe, und das sind die Tage mit Mama ... Fällt dir was auf?" "Mama hat mehr Steine." "Mhm. Und das ist ungerecht, meinst du nicht?" Benny nickt. "Und deshalb dachte ich, wir machen jetzt so lange Ferien, bis ich genau so viele Steine habe wie Mama, einverstanden?

"Sind?s noch viele Steine, bis ich wieder zu Mama kann?" "Wenn du willst, fahren wir jetzt gleich wieder nach Hause." "Nein, ein paar Steine möchte ich schon noch bei dir bleiben." Der Urlaub endet abrupt, als Benny sich verläuft und von der Polizei aufgesammelt wird. Melanie und Marco sehen sich vor dem Familiengericht wieder.

Die Entführung war ein Eigentor, die Richterin bescheinigt Marco grobe Verantwortungslosigkeit: "Ich bin zu der Ansicht gelangt, dass es dem Wohle des Kindes Benny entspricht, dem Antrag der Mutter stattzugeben und Herrn Krieger das Umgangsrecht vorläufig zu entziehen."

Auch Benny leidet unter der strikten Trennung von Marco. Bei einer Theateraufführung im Kindergarten, wo Benny einen großen Auftritt als Ritter haben soll, hat er sich kurzerhand versteckt. Als ihn Melanie findet, erklärt er ihr traurig, dass es einfach ungerecht sei, dass sie viel mehr Steine habe als Marco ...

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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