Star Trek: Nemesis

Produktionsnotizen

In der stolzen Tradition der erfolgreichsten Franchise-Lizenzvergaben in der Geschichte der Unterhaltungsindustrie ist Star Trek: Nemesis das neueste intergalaktische Abenteuer in der Reihe triumphaler Vorgänger. Seit Beginn der Reihe im Jahre 1966 expandieren die "Star Trek"-Filme mit Warp-Geschwindigkeit: sie haben bisher weltweit über eine Milliarde US-Dollar an den Kinokassen eingespielt und außerdem über 3,5 Milliarden US-Dollar im Bereich lizensierter Verbraucherprodukte eingebracht.

Der große Erfolg von Star Trek: The Experience, einem über 20.000 Quadratmeter umfassenden Themenpark in Las Vegas, der seit der Eröffnung im Jahr 1998 bereits über 2 Millionen Besucher hatte, und die Tatsache, dass in jeder Minute irgendwo auf der Welt zehn "Star Trek"-Bücher über den Ladentisch gehen, sind der universelle Beweis: wenn es um "Star Trek" geht ... dann gibt es einfach keine Grenzen! Über die Geschichte " Star Trek: Nemesis ist eine Geschichte darüber, wie man Veränderungen akzeptiert", sagt Produzent Rick Berman. "Es geht um Übergangsriten, innerhalb einer Familie, die wir seit Jahren kennen, und die nun aufgelöst wird, weil jeder eigene Wege geht."

"Außerdem ist es eine Geschichte über Loyalität und Mut", fügt Patrick Stewart hinzu. "Sie zeigt uns, wie sich Menschen in Extremsituationen und unter scheinbar absolut hoffnungslosen Umständen verhalten."

Der Geburtsort von Star Trek: Nemesis war interessanterweise der Broadway. Brent Spiner stand dort in einer Hauptrolle der Wiederaufführung von "1776" auf der Bühne, und lernte dabei Drehbuchautor John Logan kennen. Schon bald stellte Spiner fest, dass dieser Autor wirklich, wie er auch selbst behauptet, "der weltgrößte Star-Trek-Fan" ist. Als Spiner dann erwähnte, dass Rick Berman über einen neuen "Star Trek"-Film nachdenke, schlug Logan vor, zusammen mit Spiner das Drehbuch zu schreiben. Gemeinsam besprachen sie diesen Vorschlag mit Berman, und zu dritt entwarfen sie das bisher wahrscheinlich ungewöhnlichste Drehbuch zu "Star Trek".

"In einem Film wie diesem liegt die Antriebskraft im Konflikt zwischen dem Helden und dem Bösewicht", erklärt Logan. "Rick, Brent und ich machten uns daran, einen Feind für Picard zu erschaffen, der ihn auf persönlicher Ebene berührt - und so kamen wir auf den naheliegenden Gedanken, einen Kampf von Picard vs. Picard zu inszenieren. Er trifft auf eine jüngere, kräftigere Version seiner selbst. Wir fanden diese Idee ungeheuer aufregend, denn sie bietet ungemein viele Möglichkeiten."

Patrick Stewart stimmte dem Autor von ganzem Herzen zu. "Der Plot verleiht dem Erzählstrang noch mehr Komplexität, denn der Bösewicht ist, in vielerlei Hinsicht, gleichzeitig der Held dieser Geschichte. Shinzon verfügt über viele der Tugenden von Picard - diese sind jedoch wegen seines Werdeganges völlig verzerrt."

"John weiß mehr über "Star Trek" als jeder andere Mensch, den ich kenne", meint Berman. "Ich war hingerissen von seinen Fähigkeiten als Autor und von seiner Liebe zu all diesen Figuren. Er gab uns ein Drehbuch, in dem die Geschichte fast vollständig im All spielt, das viel Action beinhaltet und einen fantastischen Bösewicht, im besten Sinne des Wortes. Legen wir einfach die Karten auf den Tisch: tolle Bösewichte ermöglichen tolle Filme!"

Logan bekam 2001 für das Drehbuch von "Gladiator" eine Oscar-Nominierung; doch er begnügte sich hier nicht mit einer einfachen Gut-gegen-Böse-Geschichte. Also entwickelte er neben dem Doppelgänger von Picard noch eine weitere Parallelität: den B-4-Android-Prototypen, dem Data begegnet. "Ich dachte, wenn Picard seinen Klon bekämpfen mußs, dann könnte sich Data in einer ähnlichen Situation befinden - das macht alles noch viel gefährlicher", erklärt Logan, und fügt hinzu: "Ein Drehbuch für "Star Trek" zu schreiben ist ein wahrgewordener Traum." Nachdem die Story feststand und das Drehbuch fast ausgearbeitet war, begab sich Produzent Berman auf die Suche nach einem Regisseur. Stuart Baird, dem bereits zwei Oscar-Nominierungen zuteil wurden (für den Schnitt von "Gorillas im Nebel" und "Superman"), und der bereits bei "Einsame Entscheidung" und "Auf der Jagd" die Regie übernahm, wurde von Berman engagiert.

"Obwohl Stuart weniger über "Star Trek" wusste als jeder andere Regisseur, mit dem wir jemals zusammengearbeitet haben, war ich sofort von ihm beeindruckt", erinnert sich Berman. "Er verstand, worum es bei "Star Trek" geht, legte los und verpasste diesem Film einen Look und ein Gefühl, die uns vorher unbekannt waren."

"Zu Beginn war ich mit dem Star-Trek-Universum überhaupt nicht vertraut - doch bei meinen Recherchen dazu habe ich ziemlich schnell Feuer gefangen", gibt Baird zu. "Die Figuren und Geschichten sind sehr fesselnd, und heute verstehe ich, warum diese Serie über so lange Zeit hinweg Erfolg hat. Ich wollte die Geschichte fortsetzen, und dabei nicht nur einen großartigen "Star-Trek"-Film, sondern vor allem einen großartigen Film machen. Genau das hat Rick Berman gesucht, als er mich auf die Regiearbeit ansprach. Nachdem ich John Logans Drehbuch gelesen hatte, ist mir die Entscheidung leicht gefallen. Denn auch wenn es "Star Trek" niemals gegeben hätte, wenn Picard, Data und die anderen Figuren nicht schon existiert hätten - trotzdem hätte ich bei einem so hervorragenden Drehbuch unbedingt die Regie übernehmen wollen."

Jonathan Frakes hat bei zwei der vorangegangenen Filme ("Star Trek - Der erste Kontakt" und "Star Trek - Der Aufstand") Regie geführt, und seinem Regiekollegen hier einen wertvollen Tipp gegeben: "Es ist nicht einfach, sich im Haus eines anderen zurechtzufinden - also habe ich versucht, Stuart auf die besondere Art der Vertrautheit im Umgang innerhalb dieser Gruppe vorzubereiten", sagt Frakes. "Ich habe ihm erklärt, dass bei uns ein rüpelhafter Ton herrscht, den man aber nicht mit mangelndem Respekt verwechseln darf. Wir sind grob, aufsässig und kindisch, ständig ziehen wir uns durch den Kakao und machen derbe Späße, aber alles ist freundschaftlich gemeint." Als Baird an die Arbeit ging, fand er schnell heraus, dass Frakes' Hinweis durchaus zutreffend war - zeitweise fühlte er sich am Set wie im "Camp Star Trek"-Ferienlager, wo er als strenger Oberaufseher fungierte.

"Unglaublich ist, wie sehr sich alle untereinander aufrichtig mögen", berichtet Baird. "Eigentlich wurde dadurch, dass sie sich wirklich so gut verstehen, mein Job erheblich leichter. Und weil jeder die einzelnen Figuren weitaus besser kannte als ich selbst, habe ich gelernt, ihren Instinkten zu vertrauen. So konnte ich mich intensiver auf andere Aspekte der Produktion konzentrieren. Die Arbeit mit einer so harmonisch ausgereiften Schauspielertruppe war echter Luxus."

Über die Produktion Die Dreharbeiten zu Star Trek: Nemesis begannen am 26. November 2001 in der Mojave-Wüste in Kalifornien, nicht weit entfernt von der Edwards Air Force Base; die letzte Klappe fiel am 7. März 2002 in Los Angeles. Mit den Wüsten-Szenen als Einstieg - Captain Picard fährt einen Argo, ein Geländewagen aus dem 24. Jahrhundert - legte Regisseur Stuart Baird gleich das flotte Tempo für die gesamte zukünftige Action fest.

Wochen bevor diese Szenen gedreht wurden, hatte Stewart mit dem Fahrzeug in einem Steinbruch geübt. "Der Wagen ist unglaublich kraftvoll, und ich habe die Fahrten richtig genossen", erzählt der Schauspieler, der dann vor den Kameras sein ganzes Können unter Beweis stellte: In über 90 Prozent der Szenen dieser spektakulären Verfolgungsjagd sitzt er höchstpersönlich am Steuer. Nach Abschluss der Sequenz kehrte die Produktion nach Los Angeles in die Paramount Studios zurück, wo die gesamte Schauspieltruppe das unheimliche Gefühl eines Deja-Vu-Erlebnisses überkam. Stewart beschreibt das Wiedersehen als "ziemlich ver-wirrend, so wie bei Rip Van Winkle."

LeVar Burton, der wieder die Rolle des Geordi La Forge übernimmt, ist der gleichen Meinung: "Es war schon gespenstisch, meine Rolle wieder zu spielen - das meine ich durchaus positiv. Immer wenn wir als Schauspieltruppe in dieser Form wieder zusammenkommen, machen wir sofort genau dort weiter, wo wir damals aufgehört haben - als wäre es gestern gewesen. Dabei lagen in diesem Fall drei Jahre dazwischen."

"Wir drehten gerade in den Fluren des Raumschiffs Enterprise", erinnert sich Jonathan Frakes, "als ich mich umsah und Patrick, Brent, Marina und LeVar beobachtete. Es war, als wäre die Zeit stehengeblieben - es herrschte immer noch die gleiche ausgelassene Stimmung, die wir über die Jahre so schätzen gelernt haben. Es war fantastisch, meine alten Freunde wiederzusehen, und es war schön, auch neue Freunde kennenzulernen." Zu den neuen Freunden gehört Schauspieler Tom Hardy, der darauf brannte, sich in die Reihe der gefürchteten Bösewichte in "Star Trek" einzugliedern: "Shinzon ist ein dynamisches, junges, verbittertes, hilfloses Individuum, das nun genau den Mann bekämpfen soll, der einmal aus ihm werden sollte ... Shinzon meint, er habe es verdient, dieser Mann zu sein", erläutert Hardy. "Er ist hin- und hergerissen zwischen all den Dingen, an die er glaubt, zwischen den Überzeugungen, die er aus seiner Vergangenheit vertritt, und dem Glauben an sein Potenzial in seiner Rolle als Picard. Als Schauspieler habe ich die menschliche Seele in dieser Figur aufgespürt - und die hat Shinzon zu einem sehr interessanten Bösewicht gemacht."

Die Besetzung der Rolle als Shinzon erwies sich als echte Herausforderung für die Filmemacher. Der Schauspieler sollte nicht nur versiert genug sein, um sich gegenüber Patrick Stewart behaupten zu können, sondern mußste ihm auch noch sehr ähnlich sehen, um für das Publikum als ärgster Rivale und Doppelgänger und gleichzeitig als jüngere Version von Picard überzeugend zu sein. "Es ist nicht leicht, einen Schauspieler zu finden, der den technischen Anforderungen solch einer Rolle gerecht werden kann, und der dann auch noch genau so aussehen mußs wie mein jüngeres Ich", meint Stewart, der für Hardys Darstellung voll des Lobes ist. "Tom hat sich glänzend bewährt." Hardy ähnelt zwar Stewart schon sehr, doch einige Anpassungen mußsten bei seiner äußeren Erscheinung dennoch vorgenommen werden; hier war nun Makeup-Designer Michael Westmore mit all seinen Zauberkünsten gefordert. "Da Tom kein Grübchen am Kinn hat, und seine Nase eine ganz andere Form, mußste ich für ihn Latex-Prothesen für Kinn und Nase anfertigen", erzählt Westmore. "Seinen Kopf habe ich natürlich kahl rasiert. Als wir dann von beiden Profilaufnahmen gemacht haben, oder auch wenn sie sich im Film gegenüber standen, konnte man die Verwandschaft zwischen ihnen direkt spüren - obwohl sie nicht identisch aussehen."

Für die Verwandlung von Hardy in den Stewart-Doppelgänger waren jeden Tag vor dem Dreh etliche Stunden nötig, aber während der Arbeit in der Maske war Hardy nicht allein. Die "Star-Trek"-Veteranen Brent Spiner und Michael Dorn, die ebenfalls täglich in ihre Rollen als Data und Worf schlüpfen mußsten, verbrachten auch etliche Stunden in der Maske - genau wie früher für die sieben Staffeln der TV-Serie und für die drei vorangegangenen Spielfilme. Neben Hardy, Spiner und Dorn befand sich auch Ron Perlman in der Maske, der sich mit Prothesen ebenfalls bestens auskennt, nachdem er als Hauptdarsteller in drei Staffeln der beliebten TV-Serie "Die Schöne und das Biest" zu sehen war.

Seine Verwandlung in den Vizekönig von Remus dauerte jeweils zweieinhalb Stunden. "Meine Figur ist die graue Eminenz, der Mächtige hinter der Macht, ähnlich dem Iago von Shakespeare", meint Perlman. "Der Vize-könig ist geheimnisumwittert, also lag die Herausforderung darin, ihn minimalistisch, sehr selektiv agieren zu lassen; er wird von dunklem Schweigen gekennzeichnet. Das ist für einen Schauspieler schon ein sehr schmackhafter Bissen." Da Perlmans Figur einer fremden Spezies angehört, von der das Publikum noch nie zuvor gehört hat, konnte der Schauspieler in seiner Darstellung einige Risiken eingehen, und Makeup-Designer Michael Westmore standen unbegrenzte Möglichkeiten offen, um die Erscheinung des Vizekönigs zu gestalten. "Das Volk von Remus lebt auf einem Planeten, der nur während Bruchteilen der Zeit vom Sonnenlicht bestrahlt wird", erklärt Westmore. "Die Filmemacher wollten also ein Art Nosferatu-Look für diese Wesen, ohne sie gleich zu Vampiren werden zu lassen."

Das Raumschiff von Remus, die Scimitar, die drei Mal größer als die Enterprise ist, wurde von Produktionsdesigner Herman Zimmerman erschaffen. Inspirieren ließ er sich dafür von einer Brustplatte, die Kostümdesigner Bob Ringwood für die Rüstung der Krieger von Remus entwarf. "Diese Brustplatte habe ich um ein Vielfaches vergrößert, und so entstand die Form des Raumschiffs", sagt Zimmerman. "Das gleiche Motiv diente beim gesamten Design als roter Faden, bis es schließlich erneut in die Kostümbildnerei einfloss, und zwar in der Form der Gürtelschnallen für die Uniformen von Remus."

Solch überbordender Ideenreichtum überrascht den Produzenten Rick Berman nicht. "Im Laufe von 15 Jahren haben wir eine wahrhaftige Familie gebildet, also kommunizieren wir in unseren eigenen Codes", meint Berman. "Als Ergebnis davon müssen wir unsere Arbeitsweise nicht mehr mühsam aufeinander einstellen, sondern sind einfach ein eingespieltes Team." Bei Abschluss der Produktion war Regisseur Stuart Baird mehr als zufrieden, denn das schwierige Unterfangen hat reiche Früchte getragen: "Jeder der Beteiligten hat auf großzügige Weise die eigenen Erfahrungen mit eingebracht", sagt er. "Die Summe daraus ist schließlich meiner Meinung nach ein Film, den die loyalen "Star-Trek"-Fans zu schätzen wissen werden - und gleichzeitig geben wir denjenigen, die niemals einen "Star-Trek"-Film erlebt haben, eine aufregende Einführung in ein wunderbares neues Universum."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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