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Die Idee zu Kick it Like Beckham kam der Autorin und
Regisseurin Gurinder Chadha 1998 während der Europa- und
Weltmeisterschaft, als ganz England schlichtweg aus dem
Häuschen war. ?Ich konnte es nicht fassen, wieviele
Leute sich die Spiele anschauten?, erinnert sich Chadha,
?und als ich einmal in einem Pub ein Spiel mit angesehen
habe, war ich völlig fassungslos über den Anblick, der
sich mir dort bot: Erwachsene Männer, die buchstäblich in
Tränen ausbrachen, als England aus der Meisterschaft
ausschied!
So wurden Jess und Jules geboren ? ein indischstämmiges Mädchen, das David Beckham verehrt, und ein resolutes englisches Girl, das so sein möchte wie der US-Frauenfußballstar Mia Hamm. David Beckham bot sich als Idol aus zweierlei Gründen an: Er ist einer der berühmtesten Fußballer der Welt. Und er ist ein Spieler, der die Ansichten darüber, wie ein Fußballer zu sein hat, radikal auf den Kopf gestellt hat. ?Eigentlich?, sagt Chadha, ?ist Beckham der ideale Schwiegersohn für eine indische Mutter. Er liebt seine Frau, hat einen Sohn, er ist ein guter Vater und widerspricht so ziemlich allen Fußball-Macho-Klischees?. Die Geschichte von Jess und Jules spielt in Southall und West London. Dort wo Gurinda Chadha tatsächlich aufwuchs. Und obwohl Fußball der rote Faden der Geschichte ist, geht es vor allem um das Seelen-, Liebes- und Familienleben Vater spiegelt ziemlich genau meine Erfahrungen mit meinem eigenen Daddy wider. Dieser Film ist nicht zuletzt eine liebevolle Verbeugung vor meinem Vater.? Der Produzent Deepak Nayar, dem Gurinder Chadha ihren ersten Drehbuchentwurf zu Kick it Like Beckham zu lesen gab, war auf Anhieb von dem Stoff begeistert. Gemeinsam mit der Regisseurin machte er sich 2000 während des Sundance-Festivals auf die Suche nach Ko-Produzenten und Finanziers. Die deutsche Produktionsfirma ?Road Movies?, mit der Nayar schon zuvor zusammengearbeitet hatte, kam an Bord ? ebenso wie ?British Screen? und ?The Film Council?. Die Dreharbeiten konnten also am 18. Juni 2001 beginnen. Die ersten Aufnahmen fanden an verschiedenen Orten in London sowie in den Shepperton Studios statt, gefolgt von drei Drehtagen in Hamburg. Gurinder Chadha war sehr wohl bewusst, dass von der Schauspielerin, die die Rolle der Jess spielen würde, das Gelingen des Films abhing. Schon während sie das Drehbuch schrieb, hatte sie für diesen Part eine junge Darstellerin namens Parminder Nagra im Kopf, die sie 1997 in einem Theaterstück namens ?Oh Sweet Sita? gesehen hatte. Als sie mit Parminder das erste mal über das Projekt sprach und sie fragte, ob sie schon mal Fußball gespielt hätte, log Parminder, die die Rolle unbedingt haben wollte, einfach. ?Doch auch wenn sie zugegeben hätte, dass sie noch nie einen Ball getreten hat, hätte ich sie im Film haben wollen?, erklärt Chadha. ?Sie hat eine enorme Präsenz und strahlt eine Unschuld aus, die sie für diese Rolle einfach unwiderstehlich machte. Und schnell stellte sich heraus, dass ihre Ahnungslosigkeit in Sachen Fußball völlig egal war: Parminder bereitete sich intensiver und härter auf ihre Szenen vor als ich es je zuvor bei einem Schauspieler erlebt habe?. Jules dagegen mußste von einer Schauspielerin verkörpert werden, die die Energie und das Selbstbewusstsein moderner junger Frauen verkörpert. Gurinder Chadha wusste im selben Moment, in dem sie Keira Knightley das erste Mal sah, dass sie perfekt für die Rolle war. Da Keira deutlich jünger war als sie wirkte, nämlich gerade erst 16 Jahre, mußsten die Proben und Dreharbeiten exakt mit ihren Schulstunden abgestimmt werden. Keira absolvierte die Arbeit an Kick it Like Beckham und ihre schulische Abschlussprüfung zeitgleich! Die Figur des Joe schließlich, sollte von einem Schauspieler getragen werden, der beim Publikum echte Sympathie weckt. Es sollte kein klassischer, klischeehafter Trainertyp sein, kein Mackertyp, der die ganze Zeit vom Spielfeldrand aus auf sein Team einbrüllt. Gurinder Chadha bewunderte schon seit längerem die Arbeit von Jonathan Rhys Meyers und sah hier seine große Chance einmal einen ganz normalen, liebenswürdigen Charakter darzustellen, anstatt der schillernden Figuren, die er sonst oft auf der Leinwand verkörpert. Doch nicht nur die Hauptrollen mußsten glaubwürdig besetzt werden, sondern auch ein regelrechtes Heer an Nebendarstellern und Statisten ? speziell bei der aufwändigen und üppigen Hochzeits-Sequenz. ?Ich trommelte meine halbe Sippe zusammen?, erinnert sich Regisseurin Chadha lachend, ?meine eigene Mutter spielt mit, viele Tanten, Cousinen und andere Verwandte. Sie hatten einen Mordsspaß. Aber das galt nicht für mich. Es war die Hölle! Meine Mutter unterbrach mich ständig beim Regieführen, wusste alles besser und nannte mich ständig bei meinem indischen Spitznamen. Es war entsetzlich peinlich. Ich seufzte immer nur ?Mama, bitte! Gib Ruhe!?, doch sie hörte einfach nicht auf, in Punjabi auf mich einzubrabbeln, dass Tantchen Soundso nicht richtig im Bild sei, dass Tante Dingsda zu weit hinten im Bild stünde und sie später niemand im Bild erkennen könnte ... Das halbe Team lachte sich halb tot.? Für die Fußballszenen dagegen, für die die beiden Hauptdarstellerinnen ein ausgiebiges Training absolvieren mußsten, suchte sich Chadha ihre Statistinnen in den führenden Fußballvereinen Londons. Nur professionelle Spielerinnen konnten in der komplizierten Arbeitsatmosphäre, trotz aufwändiger Steadycam-Arbeit und minutiöser Kicker-Choreografie, den glaubwürdigen Eindruck erwecken, dass es sich um ein echtes Fußballspiel handle. Es war ? wie der gesamte Film ? ein minutiös geplantes Unterfangen. Denn was auf der Leinwand am Ende wunderbar leicht und lebensecht wirkt, ist das Ergebnis einer penibel ausgearbeiteten Vision. |
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