Insomnia - Schlaflos

Produktionsnotizen

Will Dormer ist ein fähiger Cop. Als Detective des Los Angeles Police Department hat er eine Menge Erfahrungen gesammelt - nichts kann ihn mehr erschüttern: Mord, Brutalitäten, Korruption. Dennoch bleibt er seinem Auftrag treu: Er löst seine Fälle, um Verbrecher hinter Gitter zu bringen.

Als sein Partner während der Untersuchung eines Mordfalls in einer abgelegenen Stadt in Alaska erschossen wird, mußs sich der erschütterte Dormer in einer kompromittierenden Situation mit dem Hauptverdächtigen Walter Finch auseinandersetzen - die prekäre Situation beeinflusst sein Urteilsvermögen und zerrüttet seine Psyche, ja, sie könnte das Ende seiner Karriere bedeuten. "Wenn Dormer und Finch aufeinander treffen, liegt eine hochexplosive Spannung in der Luft", stellt Oscar-Preisträger Al Pacino fest - er spielt den Detective in der Zwickmühle.

"Finch hat die Fäden in der Hand - ihm macht die Schnitzeljagd großen Spaß. Im Film geht es allerdings um die Frage: Wie weit wird sich das Publikum mit Dormer in dieser angespannten Situation identifizieren? Hoffentlich fühlt der Zuschauer mit Dormer mit und stellt sich selbst die Frage: ,Was wäre, wenn ich mir unbewusst etwas wünschen würde und dieser Wunsch dann in Erfüllung ginge?'"

Dormer liefert sich aber nicht nur einen psychologischen Schlagabtausch mit Finch, er mußs sich auch in einer völlig ungewohnten Umgebung zurechtfinden. "Will Dormer kommt im Sommer ins nördliche Alaska - zu der Zeit geht die Sonne buchstäblich nie unter", erklärt Regisseur Christopher Nolan.

"Dormer geht es wie vielen Menschen, die in Landstriche nördlich des Polarkreises reisen: Die innere Uhr spielt verrückt, er kommt nachts einfach nicht zur Ruhe. Im Laufe der Geschichte wird er außerdem zunehmend psychischem Druck ausgesetzt - was ihn zusätzlich um den Schlaf bringt. Und diese Umstände führen langsam dazu, dass er nicht mehr klar denken kann. Die Schlaflosigkeit ist physischer Ausdruck seines psychischen Konflikts, der zum Ende hin eskaliert."

Diese Idee und das ungewöhnliche Dilemma des Helden übernahmen die Produzenten Paul Junger Witt und Ed McDonnell aus dem norwegischen Film "Insomnia" - zusammen mit der Drehbuchautorin Hillary Seitz entwickelten sie nun eine amerikanische Version der Geschichte. "Wir waren genauso wie Christopher Nolan von dem Originalfilm begeistert", sagt Witt. "Allerdings empfanden wir ihn derart der spezifischen Kultur des Landes verpflichtet, dass wir die Story nicht Wort für Wort übersetzen, also kein übliches Remake drehen wollten."

Ein Jahr lang recherchierte Seitz, wie das Leben in der fiktiven Stadt Nightmute/Alaska aussehen würde, sorgfältig fügte sie die Figuren in dieses Umfeld ein. Dann legte sie Andrew A. Kosove und Broderick Johnson, den Gründern und Leitern von Alcon Entertainment, ihre Drehbuchfassung vor. "Mich hat vor allem fasziniert, wie subtil und überzeugend Hillary Seitz die Hauptfigur des Will Dormer zeichnet - ein Mann mit Stärken und Schwächen, der in einer schrecklichen Zwickmühle steckt", sagt Kosove. "Mir gefiel auch die Doppeldeutigkeit des Titels und die besondere Rolle, die das Tageslicht in der Geschichte spielt."

Auch Christopher Nolan war von Seitz' Skript hingerissen und hatte großes Interesse, es zu verfilmen. Also führte er den Insomnia - Schlaflos-Produzenten und den Kreativen bei Warner Bros. Pictures seinen eigenen Film "Memento" vor, der den beeindruckenden Beweis liefert, wie präzise und selbstsicher der junge Autor/Regisseur eine Geschichte filmisch umzusetzen weiß. "Nachdem wir ,Memento' gesehen hatten, wollten wir nur noch einen Regisseur: Christopher Nolan", sagt Witt.

"Wir waren sehr angetan von Christophers Ideen zu dem Stoff", sagt Produzent Broderick Johnson. "Er weiß genau, wie er seine Vorstellungen optisch realisieren kann, er entwickelt ein sehr konkretes visuelles Konzept und ausgereifte Hauptfiguren - deswegen waren wir überzeugt, er würde Insomnia - Schlaflos genauso originell und engagiert umsetzen, wie ihm das bei ,Memento' gelungen ist."

Natürlich unterscheidet sich Nolans stilvoller Thriller "Memento", in dem es um Mord, Amnesie und Rache geht, strukturell deutlich von Insomnia - Schlaflos. ",Memento' rollt die Geschichte von hinten auf, während ,Insomnia' die Story des Helden geradlinig erzählt", erklärt Nolan.

"Wir erleben, wie Will Dormer immer tiefer in den Kampf mit den Dämonen in seiner Brust verstrickt wird, er kämpft gegen seine Schlaflosigkeit - und er lässt sich auf die immer stärker eskalierende Auseinandersetzung mit dem Mordverdächtigen ein. Ich will den Zuschauer ganz nah an Dormer dranhalten, er soll mit ihm auf die irre Abwärtsspirale gezogen werden: Denn wir wissen immer ganz genau, warum Dormer so handelt, wir fühlen mit ihm, selbst, als er sich auf sehr zweifelhaftes Terrain vorwagt."

Auch die Executive Producers Steven Soderbergh und George Clooney zeigten sich von Nolans "Memento" und seinem Konzept für "Insomnia" beeindruckt, sie engagierten sich mit ihrer Produktionsfirma Section Eight tatkräftig für das Projekt. "Dafür, dass ,Memento' erst sein zweiter Film ist, zeigt er eine ungewöhnlich Reife - ich war einfach hingerissen", begeistert sich Soderbergh.

"Und ,Insomnia' passt wunderbar als Nachfolgefilm, denn in beiden Fällen erleben wir die Story mit den Augen der Hauptfigur. Christopher führt uns vor, was in Will Dormers Kopf vorgeht - genauso, wie wir ,Memento' strikt aus der Sicht des Helden erleben."

Nordlichter: Insomnia - Schlaflos wird besetzt Als es um die Besetzung ging, konzentrierten sich Christopher Nolan und die Produzenten zunächst darauf, einen geeigneten Darsteller für den LAPD-Detective Will Dormer zu suchen. "Ich wusste genau, dass wir den Stoff gar nicht überzeugender umsetzen können als mit Al in der Hauptrolle", sagt Nolan. "Er hat im Lauf der Jahre so viele berühmte Cops verkörpert, von ,Serpico' über ?Sea of Love' bis zu ,Heat'. Genau dieses Image eines legendären Cops, genau diese Publikumserwartung brauchen wir, um sie in unserem Film dann aus den Angeln zu heben."

Und Produzent Kosove fügt hinzu: "Al dreht häufig Filme, in denen die Stadt eine Hauptrolle übernimmt - viele seiner Filme spielen in New York. Wir fanden die Idee also unwiderstehlich, ihn buchstäblich in die Wildnis zu schicken."

"Eine Rolle wie der Will Dormer ist völlig neu für mich", sagt Pacino. "Er ist romantisch veranlagt, unterscheidet sich sehr von den Cops, die ich bisher gespielt habe. Auch reale Cops unterscheiden sich sehr voneinander - genau wie Menschen in allen Lebensbereichen der Gesellschaft. Ich wünsche mir einfach nur, dass das Publikum beim Vergleich all der Cops, die ich gespielt habe - Frank Serpico in ,Serpico' oder Vincent Hanna in ,Heat' - spürt, dass sie alle Menschen mit ausgeprägt individuellen Charakterzügen sind."

Als Nolan und Pacino sich trafen, um die Rolle zu erörtern, "diskutierten wir sehr intensiv, wie wir die Figur anlegen wollten und wie sie sich im Lauf der Geschichte entwickelt", verrät Nolan. "Will Dormer hat einen unglaublich komplizierten Charakter, den nur ein Schauspieler darstellen kann, der über eine Art moralischer Intelligenz verfügt - sie ist für die Story unabdingbar. Durch Al öffnen sich in Dormer moralisch vielschichtige Abgründe, die niemand sonst hätte ausloten können."

Pacino zeigt sich von Nolans klar umrissener Vision beeindruckt. "Ich kam mit Chris von Anfang an bestens aus", sagt er. "Ganz offensichtlich hat er seine Aufgabe von vorn bis hinten eingehend durchdacht, aber er blieb stets offen für spontane Entwicklungen. Ich vertraue ihm voll und ganz - was natürlich meine Darstellung erheblich beeinflusst. Ich bin hundertprozentig auf seiner Seite."

Pacinos disziplinierte, intensive Arbeit lobt Nolan in den höchsten Tönen: "Al liefert in diesem Film eine unglaublich subtile Darstellung. Mit äußerst sparsamen Nuancen - einem Blick, einer kleinen Geste - macht er deutlich, in welche ungeheuer komplexen Widersprüche er sich verwickelt. Diese kontrollierte Zurückhaltung ist einfach phänomenal."

"Allmählich verliert Dormer seine Fähigkeit, schnell zu reagieren, überhaupt Entscheidungen zu treffen", erklärt Broderick Johnson. "Wir konnten den Film allerdings nicht in der Abfolge der Drehbuchszenen drehen. An eine Sequenz, in der er noch voll konzentriert ist, schloss sich also häufig sofort eine viel spätere an, in der er bereits seit fünf Tagen nicht mehr geschlafen hat. Aber in allen Fällen wusste Al ganz genau, welche emotionale Verfassung Dormer in der jeweiligen Situation bestimmt - so etwas gelingt nur den ganz großen Schauspielern und Regisseuren."

Den sanftmütigen Krimi-Autor Walter Finch, der sich als verschlagener, manipulativer Mordverdächtiger entpuppt, wollten die Filmemacher unbedingt gegen den Strich besetzen. "Robin gilt natürlich allgemein als Comedy-Star, aber uns hat er auch in seinen dramatischen Rollen voll überzeugt: ,Good Morning, Vietnam', ,Der Club der toten Dichter' und vor allem auch seine Oscar-preisgekrönte Leistung in ?Good Will Hunting'", sagt Kosove. "Wir hatten gar keine andere Wahl - er mußste diesen cleveren, zurückhaltenden Killer spielen."

"In unseren Augen mußste Als Gegenspieler nicht nur ein überragender Schauspieler sein, sondern auch als Star ein ähnliches Schwergewicht darstellen", sagt Nolan. "Im Laufe der Geschichte geraten diese beiden überlebensgroßen Typen aneinander - in einem komplizierten psychologischen Schlagabtausch spielen sie Katz und Maus. Bei unserem ersten Treffen merkte ich sofort, dass er Robin Finchs Motivation völlig durchschaut. Ich war begeistert: Die Finch-Rolle passt Robin wie angegossen."

"In diesem Film bekommt Robin keine Gelegenheit, als Komiker vom Leder zu ziehen", gibt Produzent Ed McDonnell zu. "Er stellt Walter Finch als einen sehr umsichtigen Typen dar, der nur ein Ziel verfolgt: Er will Dormer dazu zwingen, sein Partner zu werden."

Was Williams an dem Stoff gefiel, war die komplexe Beziehung zwischen Dormer und Finch, ihre psychologischen Scharmützel, mit denen sie sich bemühen, das ständig eskalierende Chaos im Zaum zu halten. "Im Normalfall jagt der gute Cop den bösen. In ,Insomnia' ist das anders: Das moralische Fundament gerät sehr schnell ins Wanken, die Geschichte schliddert auf fragwürdiges Terrain", stellt Williams fest.

"In dieser Grauzone kommt es zum Duell - in ihrem mörderischen Spiel geht es nur darum, wer wem überlegen ist. Was geht in einem Mann vor, wenn er derartigem Stress ausgesetzt ist - noch dazu in völlig fremder Umgebung, in der es auch nachts praktisch nicht dunkel wird? Das war für mich die interessante Fragestellung bei diesem Film."

Natürlich freute sich der Schauspieler darüber, einmal gegen sein Image anzuspielen und in eine Welt einzutauchen, die er immer schon bewundert hat - das Reich der Detectives, Gesetzeshüter und Fahnder. "Es reizt mich sehr, einen so abscheulichen Typen wie Walter Finch zu spielen", verrät Williams. "Ich darf völlig ungehemmt sehr dunkle Ecken ausloten - das Verführungspotenzial des Bösen - oder auch seine Banalität."

"Walter Finch hat eine Grenze überschritten - und arrangiert sich sehr gut mit der Situation", kommentiert Steven Soderbergh. " Robin Williams in der Rolle eines so introvertierten, eigenbrötlerischen Typen zu erleben wirkt ebenso merkwürdig wie mitreißend. Walter versucht sich selbst unter Kontrolle zu halten, normal zu bleiben, während es in ihm brodelt. Robin bringt diesen Zwiespalt wunderbar zum Ausdruck."

"Als Robin mit an Bord kam, stufte er damit das ganze Projekt um eine Klasse nach oben", sagt Pacino. "Er war richtig begierig darauf, sich in diese Rolle zu verbeißen - mich freut das immer besonders, wenn ein Kollege derartigen Ehrgeiz entwickelt."

Bei den Dreharbeiten beobachteten die Zuschauer, die Schauspielerkollegen und das Filmteam, wie der privat sehr in sich gekehrte Pacino und der unermüdliche Williams miteinander auskamen - Williams machte regelmäßig Abstecher in die Menge der Zaungäste, gab Autogramme und ließ sich mit Fans fotografieren.

"Ja, da hieß es: Mr. Method gegen Mr. Beliebig", frotzelt Williams. "Wir nähern uns der Materie von verschiedenen Blickwinkeln - als ob wir zwei verschiedene Jazz-Stile vertreten. Aber wir versuchen beide unkonventionell vorzugehen, die Erwartungshaltung zu konterkarieren, und normalerweise schafften wir das auch zur selben Zeit."

"Die Arbeit mit Robin ist ein einziges Vergnügen", berichtet Pacino begeistert. "Er ist ja nicht nur ein großer Spaßmacher, sondern auch hochintelligent. Die Zusammenarbeit fällt leicht, denn er ist sensibel genug, auf die Bedürfnisse der Kollegen einzugehen."

"Robin hält sich gern am Set auf, er bringt das ganze Team zum Lachen, er nimmt am gesamten Prozess intensiv teil", erzählt Nolan. "Al dagegen verinnerlicht seine Arbeit. Er geht beiseite und baut die richtige Stimmung für die Szene auf - wenn er zurückkommt, ist er in der Rolle drin. Was mich bei großen Darstellern aber immer wieder erstaunt: Wie wunderbar sie mit den anderen Schauspielern interagieren, wie sie ihre Aufgabe von völlig unterschiedlichen Standpunkten aus angehen können und trotzdem wunderbar konstruktiv auf die anderen reagieren."

Hilary Swank spielt die ehrgeizige, wenn auch noch unerfahrene Polizistin Ellie Burr - sie unterscheidet sich deutlich von dem getriebenen Cop (Pacino) und dem berechnenden Mordverdächtigen (Williams). "Ellie geht mit Begeisterung an ihre Arbeit, sie ist sehr engagiert und hochbegabt, doch ihre Kollegen nehmen sie nicht ganz für voll, obwohl sie schon mit so jungen Jahren zum Detective befördert worden ist", beschreibt Swank ihre Rolle.

"Es ist sehr schwierig, die Rolle der Ellie überzeugend darzustellen", führt Nolan aus. "Sie mußs jung und unschuldig wirken, unerfahren und mit großen Augen in die Welt blicken, aber gleichzeitig mußs sie intelligent wirken, kraftvoll und unbeirrbar ihre Pflicht erfüllen - sie lässt also ahnen, dass sie ihre jugendliche Naivität bald überwinden wird. Und was genauso wichtig ist: Wir müssen ihr abnehmen, dass sie als Cop in diesem Nest in Alaska Dienst tut.

Hilary beweist, dass sie sehr außergewöhnliche Fähigkeiten mitbringt, um die verschiedenen Aspekte in Ellies Charakter auf die Leinwand zu übertragen. Nicht nur mit ihrem Schauspieltalent wirkt sie absolut glaubwürdig, sondern auch durch ihr Aussehen, durch ihre physische Präsenz."

"Was mich bei dieser Rolle besonders herausfordert: Ich kann mich diesmal physisch nicht verwandeln", sagt Swank, die ihren Oscar mit dem bewegenden Geschlechter-Vexierspiel "Boys Don't Cry" gewann und inzwischen für Alcon Entertainment die Hauptrolle in dem prachtvoll ausgestatteten Kostümfilm "The Affair of the Necklace" gespielt hat. "Als Ellie Burr fühle ich mich irgendwie nackt, weil sie ständig so offenherzig und direkt vorgeht."

Ellie möchte natürlich Eindruck auf den berühmten Kollegen machen, was ihr auch gelingt. Doch dabei erfährt sie mehr über sich selbst und ihren Helden, als ihr lieb ist. "Im Laufe der Handlung mußs Ellie sich mit Dormer auseinandersetzen: Sie mußs ihren Respekt, ihre Bewunderung für ihn relativieren - er ist offensichtlich nicht so unangreifbar und makellos, wie er nach außen hin wirkt", erklärt Nolan. "Am Ende sieht sie sich gezwungen, zu diesem Widerspruch Stellung zu beziehen - auch was ihre eigene Karriere bei der Polizei betrifft."

"Ellie möchte von ihrem Idol lernen, wie man ähnlich berühmt wird", sagt Swank. "Stattdessen erfährt sie erheblich mehr über seine menschlichen Schwächen. Jeder hat Vorbilder, und es tut weh, wenn man erfahren mußs, dass auch sie nur Menschen sind und Fehler begehen."

Swank gesteht, dass ihre reale Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Pacino in mancher Hinsicht ähnlich verlief wie Ellies Erlebnisse im Film: "Ich habe ungeheuer viel von ihm gelernt, indem ich ihn bei der Arbeit, bei seinem Umgang mit der Rolle beobachtet habe. Was ich erlebe und was Ellie von Will lernt, entwickelt sich in parallelen Strängen - das klappt ganz wunderbar."

Martin Donovan spielt Dormers langjährigen Partner Hap Eckhart. Sie reisen gemeinsam nach Alaska, um den schrecklichen Mord an einem halbwüchsigen Mädchen zu untersuchen. "Will hat ausgeprägte Instinkte", sagt Martin Donovan. "Er besitzt eine hervorragende Spürnase, und Hap kann ihm wahrscheinlich nicht das Wasser reichen. Will dominiert diese Partnerschaft, doch schon früh im Film versteht Hap sich zu behaupten: Er dreht den Spieß ganz unerwartet um."

"Das Drehbuch stellt die Beziehung der Partner auf sehr clevere Weise vor, denn was wir über sie wissen müssen, erfahren wir ganz spielerisch nebenbei", fährt Donovan fort. "Das entwickelt sich auf sehr gekonnte Weise in einem überzeugenden Spannungsbogen. Es geht dabei um die komplexen Probleme der Polizeiarbeit, um die Grauzonen und Grenzen, die man überschreiten darf oder auch nicht."

Ganz unerwartet findet Will eine verständnisvolle Zuhörerin in der sympathischen Rachel, der Geschäftsführerin seines Hotels in Nightmute. Die Rolle der Rachel übernimmt Maura Tierney: "Rachel zeigt Mitgefühl, sie vermeidet, Menschen vorschnell zu beurteilen. Zwischen ihr und Will entwickelt sich eine sehr lockere Beziehung, die aber von gegenseitigem Vertrauen geprägt wird. Er kann nicht schlafen - sie ist häufig die ganze Nacht auf den Beinen, und er vertraut sich ihr an. Wahrscheinlich ist es manchmal einfacher - und sicherer -, mit einem Fremden zu reden als mit einem Bekannten."

Jonathan Jackson ist für seine Mitwirkung in der Soap-Serie "General Hospital" mit dem Daytime-Emmy ausgezeichnet worden; er übernimmt die Rolle des Randy Stetz, der mit dem ermordeten Mädchen befreundet war und von Finch als Schachfigur in seinem üblen Spiel benutzt wird: "Randy geht gern auf Konfrontation, er will sich von den Cops nicht herumschubsen lassen. Doch Dormer durchschaut ihn sofort und versteht es, ihn sehr schnell einzuschüchtern. Randy versucht die Situation zu retten: Er fühlt sich bedroht, lässt sich aber nichts anmerken."

Im Land der Mitternachtssonne "Insomnia" entstand zwar in der atemberaubend schönen Landschaft von British Columbia und Alaska, doch obwohl Regisseur Christopher Nolan und sein Kameramann Wally Pfister - die beiden hatten bereits "Memento" gemeinsam gedreht - großen Wert auf Bilder dieser überdimensionalen Panoramen legen, lassen sie ihre Hauptfiguren nie aus den Augen. "Indem wir immer hautnah an der Hauptfigur bleiben, entsteht Unmittelbarkeit - dieses Stilmittel übernehmen wir aus ,Memento'", erklärt Pfister.

"Ständig hat die Kamera Will Dormer im Blick: Entweder fährt sie vor ihm her, oder sie folgt ihm und zeigt seinen Blickwinkel. So lernt der Zuschauer die fremdartige Landschaft mit seinen Augen kennen und spürt, wie das Licht durch die Fenster eindringt und ihm den Schlaf raubt."

Das Licht, genauer das dem Alaska-Sommer eigentümliche, als "Mitternachtssonne" bezeichnete Naturphänomen, spielt in der Geschichte eine entscheidende Rolle. "Wally und ich wollen deutlich machen, dass es ständig taghell ist", sagt Nolan. "Das Licht dringt überall hin und erinnert immer wieder an die Gefahr, an die Schuld - jederzeit kann das schreckliche Geheimnis entdeckt werden."

Pfisters Können war vor allem bei der Ausleuchtung seiner Bilder gefordert - das natürlich vorhandene Licht mußste sich nahtlos in das Konzept der Filmemacher einfügen. "Das Tageslicht und seine Auswirkungen auf Will Dormer sind ein derart wichtiger Bestandteil der Story, dass wir es wie eine vierte Hauptfigur behandeln", sagt Pfister. "Dadurch fühle ich mich ungeheuer unter Druck gesetzt, aber gleichzeitig spornt die Aufgabe meinen kreativen Ehrgeiz enorm an - es ist, als ob das Licht Dormer ständig verspottet."

Auch das Design der Sets ordnete sich dem Thema Tageslicht unter. "Wir entschieden uns bei den Innenräumen für dunkle Töne: Dadurch ergibt sich ein Kontrast zum immerwährenden starken Tageslicht der Außenschauplätze. Außerdem wirken dunklere Farben auf Film überzeugender", erklärt Produktionsdesigner Nathan Crowley. "Aus dem Grund verwenden wir auf den Sets Lackfarbe, die das Licht auf die Wände und in dunkle Ecken reflektiert."

Die Dreharbeiten zu "Insomnia" in British Columbia dauerten 53 Drehtage - von Mitte April bis Ende Juni 2001. dass der vollgepackte Drehplan so schnell und funktionell abgearbeitet werden konnte, lag vor allem an der sehr professionellen Crew und dem eingespielten Teamwork zwischen Nolan und Pfister.

"Chris und ich haben uns bei ,Memento' einen sehr schnellen Arbeitsrhythmus angewöhnt", sagt Pfister, der nicht nur Licht und Kamerawinkel einrichtete, sondern beim Drehen auch selbst die Kamera bediente. "Wir verständigen uns praktisch in einer Steno-Sprache. Ich weiß haargenau, was Chris vorschwebt, und er vertraut darauf, dass ich seine Vorstellungen umsetze."

Vertrauen ist der Schlüssel zu ihrer Zusammenarbeit: Oft mußs Nolan sich ganz auf Pfister verlassen, denn er arbeitet lieber neben der Kamera mit den Schauspielern, selten beobachtet er den Szenenablauf auf dem Video-Monitor. "Es wird immer üblicher, dass der Regisseur sich von der eigentlichen Aktion entfernt und lieber auf dem Monitor kontrolliert, was die Kamera einfängt, und anschließend die Videowiederholung auf dem Bildschirm prüft", stellt Nolan fest.

"Aber ich halte nichts von den üblichen Monitoren, ich schaue mir nie Wiederholungen an. Ich bleibe lieber neben der Kamera und beobachte mit meinen eigenen Augen, was die Schauspieler tun. Denn wenn man ihre Darstellung später auf der großen Leinwand sieht, erlebt man das ganz anders als auf einem Monitor."

Nolan verwendet lieber einen kleinen Handmonitor, um Pfisters Einrichtung des Bildausschnitts zu kontrollieren. "Diese Technik erlaubt mir viel größere Freiheiten, denn ich kann ständig neben der Kamera bleiben, den Schauspielern direkt gegenüberstehen, ihren Auftritt mit ihnen durchsprechen und Anregungen für ihr Spiel geben", sagt Nolan, der Kopfhörer ablehnt und den Schauspielern beim Proben und bei den Aufnahmen lieber direkt zuhört.

" Al Pacino, Robin Williams und Hilary Swank gehören zu den Schauspielern, die auch mit äußerst subtilen Gesten und mit dem Mienenspiel derart viel ausdrücken können, dass man während des Drehens wirklich alles mitbekommen mußs, um ihr Spiel mit ihnen zu diskutieren, denn auf diesen Momenten baut man später im Schneideraum den gesamten Film auf."

Hilary Swank empfindet diese hautnahe Arbeitsweise des Regisseurs als sehr hilfreich. "Christopher Nolan arbeitet mit den Schauspielern und der Crew wunderbar zusammen", sagt sie. "Er ist äußerst aufmerksam, immer hochkonzentriert, und er weiß ganz genau, was er will. Gleichzeitig nimmt er sich immer Zeit für das, was die anderen an Ideen einbringen können - dieser Austausch mit den Kollegen vor und hinter der Kamera klappt vorzüglich."

"Christopher Nolan ist mit Haut und Haaren Filmemacher - er versteht es, ein Filmteam zu führen", fügt Produzent Broderick Johnson hinzu. "Die Methode, immer mitten im Geschehen zu bleiben, überträgt sein Engagement, seine Energie auf alle Mitarbeiter am Set. Dadurch entsteht Kameradschaft - die Schauspieler bauen ein Zutrauen zu ihm auf, wie das sonst nur im Laufe einer langen Karriere möglich ist. Doch Christopher hat sich diese Fähigkeit, diesen Vertrauensbonus bereits jetzt erworben."

Eiszeit: Dreharbeiten in Kanada und Alaska Nolans und Pfisters Bilder in "Insomnia" zeigen scharfe Kontraste: die schnörkellos realistisch gefilmten Szenen in der von der Holzindustrie geprägten Stadt in Alaska, aber auch die überwältigende Schönheit der sie umgebenden unberührten Bergwildnis.

Die Eingangssequenz entstand zum Teil über dem Columbia-Gletscher bei Valdez/Alaska: Wir sehen ein silbernes Wasserflugzeug beim Überfliegen der atemberaubenden Eismassen. An Bord hat sich Detective Will Dormer ins Aktenstudium vertieft, während sein Partner Hap Eckhart aus dem Fenster auf den Gletscher schaut, der einem grandiosen Küstenpanorama im Tal unter ihm Platz macht. Schließlich landet die Maschine und dockt am Kai einer Papierfabrik an, aus deren Schornstein grauer Rauch aufsteigt und wie ein Schleier die Berge drapiert.

"Wir wollen den Film mit angemessen majestätischen Landschaftsbildern beginnen, um deutlich zu machen, wie weit sich die Cops von ihrem eigentlichen Betätigungsfeld Los Angeles entfernt haben, wie fremd sie sich hier fühlen müssen", erklärt Nolan. "Andererseits wollen wir vermeiden, dass dieses Nest in Alaska hinterwäldlerisch und zurückgeblieben erscheint. Stattdessen zeigen wir den Kontrast zwischen der Naturschönheit, den unglaublichen Panoramen dieses Landstrichs und der modernen, sehr bodenständigen Rationalität der Menschen, die in dieser Gegend leben."

Nolan und die anderen Filmemacher schauten sich verschiedene mögliche Motive in Alaska und British Columbia an und entschieden sich dann für den kleinen Holzfällerort Squamish, etwa 40 Autominuten von Vancouver entfernt. Damit hatten sie ihr fiktives Städtchen Nightmute gefunden, auf das sich Will Dormers Untersuchung konzentriert. Das Filmteam nutzte dabei auch Originalschauplätze in Squamish, zum Beispiel das Polizeirevier, das Jagdhotel, in dem Will und Hap untergebracht sind, und die Highschool, in der Dormer anfangs den Mordverdächtigen Randy Stetz (Jonathan Jackson) verhört.

Zwei Tage dauerten die Aufnahmen zu dieser Verhörszene, und Jackson lernte Pacinos Arbeitsmethode aus nächster Nähe kennen: Der Meister legte es darauf an, den jungen Kollegen immer wieder herauszufordern. "Bis die Szene im Kasten war, haben wir sie an die 40mal wiederholt", erklärt Jackson. "Bei jedem Take variierte Al sein Spiel - er veränderte den Dialog, um mich aus dem Takt zu bringen, und am Abend fing er hinter der Kamera sogar an zu singen, was mir besonders gut gefiel."

Die Beerdigung des jungen Mordopfers wurde auf einer als "The Spit" bekannten Landzunge außerhalb des Ortes gedreht. The Spit ist als Treffpunkt der Windsurfer in ganz British Columbia beliebt - den Hintergrund jenseits der Bucht bildet ein Wasserfall, der die berühmte, die gesamte Landschaft dominierende senkrechte Felswand namens "The Chief" herunterstürzt. Das Ausstatterteam ließ den Sand auf The Spit unter Mutterboden verschwinden, fügte Steinmauern, Büsche und Grasflächen hinzu und schuf so einen alten, windzerzausten Friedhof.

Als ebenfalls fiktiver Nachbarort Unkumuit doubelte die Stadt Port Alberni auf Vancouver Island. Dort lebt der Krimi-Autor Walter Finch völlig zurückgezogen. Hier entstanden auch die Aufnahmen zu einer dramatischen Filmszene: Will Dormer verfolgt Finch über ein lebensgefährliches Floß aus lose im Wasser treibenden Baumstämmen, die gerade in der riesigen Papierfabrik verarbeitet werden sollen.

"Das Set für diese Verfolgungsjagd hat uns viele Nerven gekostet", erinnert sich Nathan Crowley. "Eine Firma vor Ort baute uns einen Schwimmbaum zum Auffangen des Floßholzes. Auch die Docks mußsten wir selbst errichten - mit sehr viel Unterstützung der Leute aus der Holzfabrik. Wir benötigten im Hintergrund buchstäblich Tausende von Baumstämmen, um die Bilder zu bekommen, die uns vorschwebten."

"Eine Verfolgungsjagd im üblichen Sinne ist dies wirklich nicht", gibt Robin Williams zu. "Hier geht es nicht nur darum, dass Flüchtiger und Verfolger hintereinander über Maschendrahtzäune klettern.

Diese Sequenz erfordert sehr gefährliche Einstellungen - sogar für die Stuntleute. Der scheinbar endlose Konvoi aus schweren Stämmen schießt so schnell vorbei, dass man zu Tode gequetscht wird, wenn man nicht schnell aus dem Wasser kommt - was übrigens eiskalt ist. Und unter Wasser herrscht Dunkelheit, weil die Stämme kaum Licht durchlassen."

Kanadische Felsen: Steine im Weg des Filmteams Auch andere, abgelegene und unzugängliche Drehorte erwiesen sich für das Produktionsteam als äußerst kompliziert. Der Felsstrand, an dem die Detectives dem Mordverdächtigen - letztlich aber sich selbst - eine Falle stellen, bildet keine Ausnahme. Die Felsen sind die Überreste einer gewaltigen Gerölllawine, die sich an einer naturbelassenen Bucht namens Indian Arm in der Nähe von Vancouver befinden.

Das äußerst steile Gelände ist von kantigen Felsen und losem Geröll übersät. "Optisch überwältigend - aber dort zu drehen war sehr schwierig", gibt Crowley zu. "Diese Szene hat uns bei der Motivsuche am meisten Kopfzerbrechen bereitet: Riesige Felsen sollten direkt am Strand aus dem Wasser ragen - sie schimmern als bedrohliche Schatten durch den Nebel. Chris und ich waren uns einig: Wer noch einigermaßen bei Verstand ist, macht um diese Gegend einen großen Bogen."

Den gesamten Tross des Drehteams, auch die Wohnwagen, verfrachtete man auf riesigen Flößen zu diesem Drehort- jeden Abend nach Drehschluss mußsten sie ans Ufer gezogen und dort vertäut werden. Doch trotz des schwer zugänglichen Schauplatzes lief der Dreh ohne Unfall ab - wenn man den Muskelkater und ein paar abgeschürfte Knie nicht mitzählt.

Die abenteuerlichste Aufgabe stellte sich dem Team, als es galt, einen Schauplatz für die Showdown-Sequenz auszusuchen - sie findet in Walter Finchs Bootshaus am See statt. Gedreht wurde an einem See im Bergtal des Bear-Gletschers, in der Nähe des kleinen Orts Stewart/British Columbia, an der nordwestlichen Grenze zu Alaska.

"Als wir das Motiv im April besichtigten, war alles noch zugefroren", berichtet Crowley. "Man konnte das Seeufer überhaupt nicht erkennen - wir sanken bis zum Bauch im Schnee ein. Wir besorgten uns Zimmerleute und buddelten Löcher in den Schnee, um festzustellen, wo sich der feste Uferboden befand. Dann schaufelten wir den Schnee weg und warteten, bis das Eis des Sees schmolz, um im Wasser das Bootshaus zu bauen."

"Das größte Problem bestand darin abzuwägen, wo sich das Ufer eigentlich befand - das verändert sich nämlich von Jahr zu Jahr. Letztlich haben wir das Haus auf Stelzen gesetzt, die seitlich verkleidet waren - für den Fall, dass es unter Wasser stehen würde. Ein weiteres Problem ergab sich durch den Gletscher selbst.

Jedesmal, wenn Eis vom Rand abbricht, entsteht eine 30 Zentimeter hohe Welle, die über den gesamten See rollt und das Ufer überspült - was natürlich neue Schwierigkeiten verursacht." Um für solche Fälle gewappnet zu sein, mußste das Filmteam Ausleger aus Baumstämmen ins Wasser bauen: Sie sollten das Set vor Eisbergen schützen, die vom Gletscher abbrachen und mit dem Set zu kollidieren drohten.

Ganz praktische logistische Probleme ergaben sich, als man das etwa 160 Personen umfassende Filmteam in dem Ort unterbringen mußste, der nur 500 Einwohner hat. Seit die Bergwerke in der Umgebung geschlossen sind, geht es mit dem Städtchen Stewart bergab. Aber die Bewohner waren äußerst hilfsbereit und bemühten sich außerordentlich, Darsteller und Drehteam aufzunehmen. Dennoch fanden sich nicht genug Quartiere für jedermann. Deswegen übernachteten die Hauptdarsteller, Maskenbildner und Kostümbildner auf drei Yachten im See.

Eine Woche sollten die Dreharbeiten in dieser entlegenen Gegend dauern, die als notorisches Lawinengebiet bekannt ist - ein Abenteuer, das niemand vorhersehen konnte: Am zweiten Drehtag, einem heißen Sonnentag, hörte man plötzlich ein ominöses Rumpeln in den Bergen oberhalb des Campingplatzes, auf dem alle Wohnwagen des Filmteams standen.

Alle starrten erschrocken nach oben, das Rumpeln verwandelte sich in lautes Krachen, eine Lawine donnerte zu Tal und kam kurz vor der Lichtung des Campingplatzes zum Stillstand, auf der nicht nur alle Produktionsfahrzeuge, sondern auch ein Helikopter geparkt waren. Wenige Tage später hätte eine zweite Lawine fast das gesamte Set begraben, doch die gewaltige Wolke aus Schnee und Geröll verfehlte das Seeufer zum Glück um Haaresbreite.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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