Der Super Guru

Produktionsnotizen

Universal Pictures und Working Title Films präsentieren Der Super Guru mit Heather Graham, Marisa Tomei, Jimi Mistry, Christine Baranski, Michael McKean, Malachy McCourt, Rob Morrow und Thomas McCarthy in den Hauptrollen. Die Regie führte Daisy von Scherler Mayer nach einem Originaldrehbuch von Tracey Jackson.

Tim Bevan, Eric Fellner und Michael London produzierten den Film; Shekhar Kapur, Liza Chasin und Debra Hayward waren für die ausführende Produktion zuständig. Kameramann war John de Borman, Mary Ann Kellogg übernahm die Choreographie, Robin Standefer war verantwortlich für das Produktionsdesign, Michael Clancy für das Kostümdesign und Bruce Green für den Schnitt.

Bollywood trifft Hollywood in dieser Paarung des komischen Leinwandvamps Heather Graham aus "Austin Powers - Spion in geheimer Missionarsstellung" mit Jimi Mistry, der sich mit der gefeierten Filmadaption des Theatererfolges "East is East" seinen Platz auf der Kinoleinwand eroberte.

Die romantische Komödie von den Produzenten solcher Kinohits wie "4 Hochzeiten und ein Todesfall", "Notting Hill", "Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück" und "About a Boy oder: Der Tag der toten Ente" stellt die Regeln des Genres auf den Kopf. Die Grundidee dieser Geschichte wurde von dem ausführenden Produzenten Shekhar Kapur ("Elizabeth") und Regisseurin Daisy von Scherler Mayer ("Crazy Party Girl") auf den Weg gebracht, doch es war die komische Vollendung von Drehbuchautorin Tracey Jackson, die daraus eine originelle, unkonventionelle und von Missgeschicken heimgesuchte Liebestollerei machte.

Die Idee? Liebe vor dem Hintergrund "dieser ganzen Angelegenheit mit der Suche nach geistiger Erleuchtung in eigener Sache", sagt Daisy von Scherler Mayer. "Es ist ein Stück über dieses, ?vielleicht kann ich dich noch irgendwo zwischen meinem Yogalehrer, meinem Therapeuten und meiner nächsten Sitzung mit meinem spirituellen Guru quetschen.'" Im Grunde also Liebe, serviert auf dem New Age Tablett.

Die Inspiration? Shekhar Kapur. "Die Prämisse basiert auf seinen Erfahrungen als junger Mann, der nach London zog, um hübsche blonde Mädchen kennen zu lernen", erläutert Daisy von Scherler Mayer. "Aber anstelle einfach nur Spaß haben zu dürfen, sah er sich auf einmal konfrontiert mit Erwartungen an eine gewisse mystische Qualität seiner Person, weil er aus Indien stammt. Der Film handelt davon, wie viel von unserer Kultur in die restliche Welt importiert wird und wie sehr die Realität dadurch verzerrt wird.

Das Tolle an diesem Film ist, dass er im Hintergrund eine sehr zeitgenössische Botschaft der Toleranz vermittelt. Natürlich geht es um Romantik und der Film ist eine wüste Sexkomödie, aber darunter verbirgt sich das Motiv der Grenzen überwindenden Liebe und des Respekts gegenüber allen Menschen, für das ?Wer' und ?Wie' sie sind.

Wenn man sich die großartigen Komödien der Vergangenheit anschaut, dann haben viele von ihnen eine Botschaft im Humor versteckt. In unserem Fall hat es sehr geholfen, dass dieser hinreißende Kerl aus einem fremden Land und Heather Graham diese Botschaft überbringen."

Für Heather Graham bedeutete diese Funktion kein Problem: "Ich glaube an diese Botschaft, dass alle Menschen die Freiheit haben sollten, sie selbst zu sein. Und wo sonst hätte ich die Möglichkeit gehabt, eine Hindi-Prinzessin, einen Pornostar, eine Braut und eine Lehrerin in einem einzigen Film zu spielen?"

Für Jimi Mistry bedeutete die Darstellung von Ramu die Entschlüsselung der Immigranten-Erfahrung. Obwohl er vorher weder in Indien noch in New York gewesen war, konnte er sich mit den Träumen und Schwächen seines Charakters identifizieren und ihm wurde klar, "dass es egal ist, woher er stammt."

"Die meiste Zeit des Filmes ist er wie ein Fisch auf dem Trockenen", sagt Mistry, "und der größte Teil der Komik entsteht daraus, dass er mit ungewohnten Situationen in New York konfrontiert wird. Er will nur Schauspieler sein und ein Star werden. Und versehentlich gelingt ihm das, indem er dieser Guru wird, was ihm all die Statussymbole von Ruhm und Reichtum beschert, von denen er geträumt hatte.

Doch das Gewissen siegt über die Versuchungen und Ramu wird unsicher, "ob es wirklich das Richtige ist, wenn er aus dem amerikanischen Appetit auf spirituelle Anleitung seinen Profit schlägt", fügt Mistry hinzu. Seine Jünger zu betrügen, ist eine Sache, Sharonna zu betrügen, eine ganz andere. Das Leben auf großem Fuße mag reizvoll sein, erläutert Mistry, doch es ist ein sinnloser Triumph und keineswegs wert, "das zu gefährden, was seinem Leben eine Bedeutung gibt: Liebe."

Aus der gegenüberliegenden Ecke tritt Marisa Tomeis Lexi in den Ring. Reichtum und eine gewisse High Society-Prominenz haben Lexi ihr Leben lang begleitet, doch geben sich bei ihr die Therapeuten und Gurus die Klinke in die Hand. Irgendwie hofft sie, dadurch die traurige Leere in ihrem Leben zu füllen. "Der Film handelt davon, was einen glücklich macht, und Lexi ist nicht glücklich", erklärt Marisa Tomei.

"Am Anfang ist sie eine verwöhnte Göre, doch der Guru scheint sie diesmal tatsächlich zu erleuchten, und am Ende ist sie diszipliniert, hingebungsvoll und findet ihren Frieden." Lexis Suche nach dem Seelenheil bringt sie auf einen ähnlichen Pfad wie die anderen Protagonisten des Filmes. "Eine wunderbare Entwicklung", fügt Marisa Tomei hinzu, "wenn auch etwas unerwartet."

"Ein Guru führt dich zur Wahrheit und verwandelt deine innere Seelenlandschaft", erklärt Tracey Jackson. "In Lexis Fall war es so, dass sie ihr Leben lang ihre Kraft an andere verteilt hat. Dann begegnet sie Ramu und sie händigt ihm ihre gesamte Kraft aus, doch am Ende hilft er ihr zu erkennen, was sie für ihn getan hat, aber auch, dass es Zeit für sie wird, die Wahrheit zu erkennen und dem Guru in ihr selbst zu vertrauen."

"Ramu wird unwillentlich zum Guru für andere und findet sich dabei schließlich selbst", so Tracey Jackson. "In gewisser Hinsicht ist er dieser Guru von Anfang an, nur hat er es nicht erkannt. Sein erster Satz im Film macht genau das deutlich: ?Tanzen ist wie Liebe. Bewegt eure Füße zu den Schlägen eurer Herzen!"

Diese Philosophie auf den Seiten von Tracey Jacksons Drehbuch sprang Regisseurin Daisy von Scherler Mayer buchstäblich an und ihre Begeisterung machte daraus ein Tanzspektakel, das John Travolta in "Grease" vor Neid erblassen ließe: ein amerikanisches Musical im Bollywood Stil. "Ich habe es sofort vor mir gesehen", erinnert sich Daisy von Scherler Mayer.

"Es ist einer dieser magischen Momente, die Regisseure nur selten erleben dürfen. Ich hatte "Crazy Party Girl" mit einem winzigen Budget realisiert und immer von einer größeren Produktion geträumt. Das war es: meine Chance."

Auftritt der Choreographin Mary Ann Kellogg. "Der erste Schritt", erklärt Kellogg, "ist die Vereinigung von Bollywood und Hollywood Musical. Mit Bollywood haben die indischen Choreographen die 30er Jahre Musicals mit Ginger und Fred neu erfunden und variiert. Und wir haben diese Neuerfindung hier wieder neu erfunden. Behalten haben wir ihre Art, die Geschichten durch Gesten und folkloristische Tanzschritte zu erzählen.

Ich habe tatsächlich einige ihrer erzählerischen Instrumente im Tanz angewandt." Nicht nur visuell hinreißend, sondern einzigartig ist diese Art der Choreographie. "Sie gestalten ihre Tänze wie auf Rängen, was sehr beeindruckend auf der Leinwand aussieht", erklärt Kellogg. "Es gibt eine Gruppe im Vordergrund, eine in der Mitte und eine Gruppe von Tänzern im Hintergrund. Der Hauptdarsteller und Protagonist des Tanzes schaut dabei immer direkt in die Kamera, was man bei Fred und Ginger oder auch Travolta und Olivia Newton-John nie gesehen hat."

Es gibt vier berauschende Tanzeinlagen und in einer von ihnen singt Jimi Mistry in Hindi. Für das große Finale schickte Kellogg 50 Tänzer ins Bild, alles Mitglieder südasiatischer Bangra Tanzgruppen von verschiedenen Universitäten. Für den Prinz und die Prinzessin des imaginären Bollywood-Filmes wählte sie zwei Tänzer aus New York aus.

"In einem traditionellen Hollywood Musical der 30er Jahre waren mindesten sechs Wochen für die Gestaltung, den Bühnenbau und die Proben der musikalischen Einlagen eingeplant. Dazu kam, dass die Musik extra dafür geschrieben wurde", so Mary Ann Kellogg. "Heutzutage verdient Vorbereitung den Namen eigentlich gar nicht mehr. Wir hatten zwei Tage, um es auf Video auszuprobieren, und dann wurde in Kostümen auf Film gedreht. Es war ein reines Glücksspiel."

Der Kostümdesigner Michael Clancy stand vor einer ähnlichen Herausforderung: "Wir mußsten alle Kostüme für 50 Tänzer gestalten und herstellen. Das ist nicht, als würde man ins nächste Kaufhaus gehen und 30 weiße T-Shirts kaufen. Wir hatten die gleichen Probleme wie Mary Ann Kellogg, es gibt einfach keine Vorbereitungszeit für diese Art von Musicaleinlagen."

"Wir haben im Kostümlaster noch Perlen auf die Kostüme genäht während draußen schon gedreht wurde. Bei einer Kostümprobe sollte sogar schon am nächsten Tag gedreht werden. An diesem Morgen hat mir nur noch Valium geholfen", erinnert sich Clancy.

"Albträume von abgeplatzten Kostümperlen, die auf dem Boden umherspringen, haben mich meine letzten Nerven gekostet. Es war ein wilder Ritt gegen die Zeit." Aber es war jeden angsterfüllten Moment wert. "Ich liebe diese verrückte Bollywood-Szenerie. Das Tolle daran sind die Farben und die Pracht - normalerweise ist Zurückhaltung angesagt, doch hier hieß es, umso mehr, umso besser."

Der Super Guru wurde in und um New York City und Neu-Delhi gedreht. Die Dreharbeiten begannen am 18. April 2001 und wurden am 20. Juni abgeschlossen. Zu den Drehorten in New York gehören der Times Square, Chinatown, Midtown, das Schlachthof-Viertel, Harlem, die Upper und Lower East Side, NoHo, Central Park, Hunts Point, Queens, Brooklyn, die George Washington Bridge und die New Yorker U-Bahn.

Lexis luxuriöses Penthouse wurde in NoHo gedreht, Ramus Appartementverschlag in Queens. Die Szenen für die Hindi Traumsequenz und für Ramus Broadwaydebüt wurden in der historischen United Palace Church in Harlem gefilmt, die auch als Reverand Ike's bekannt ist. Sharonnas Hochzeit wurde in der Bethlehem Lutheran Church Brooklyn gedreht.

Auf Atelieraufnahmen zu verzichten, war eine bewusste Entscheidung der Produktionsfirma. "Man kann die Atmosphäre von New York einfach nicht in einem Studio nachstellen", so der Working Title-Vorsitzende Tim Bevan. "Es war wichtig für den Film, auf den Straßen von New York zu drehen."

Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: UIP © 1994 - 2010 Dirk Jasper