xXx - Triple X

Produktionsnotizen

Die Xander-Zone Die Idee zu XXX - Triple X hatte Drehbuchautor Rich Wilkes, als er sich auf seinen Flitterwochen auf Bora Bora befand. "Ich war immer schon ein großer Fan von Agentenfilmen", sagt er. "Ich fand, es wäre an der Zeit, einen Film dieses Genres zu machen, der das junge Publikum von heute direkt anspricht." Als Wilkes nach Los Angeles zurückkehrte, vereinbarte er ein Treffen mit Todd Garner von Revolution Studios, bei dem der Funke sofort übersprang. "Richs Stoff war total frisch und hatte ohne jeden Zweifel das Zeug dazu, dem eingefahrenen Action-Agenten-Genre so richtig Feuer unter den Füßen zu machen", erzählt Garner, der die Idee sofort Revolution-Chef Joe Roth unterbreitete. Der erklärte das Projekt sofort zur Priorität: "Todd und Rich wollten eine völlig originelle Filmfigur erschaffen - einen Typen, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat. Und das war die Grundlage für einen Film, den ich mit Revolution unbedingt machen wollte."

Nach dieser Entscheidung machten sich Roth und Garner daran, das kreative Team für den Film zusammenzustellen. Im Mai 2001 führte ihnen der Produzent Neal H. Moritz einen Rohschnitt von The Fast and the Furious (2001) vor, womit ihr nächster Schritt klar war: Moritz wurde als Produzent engagiert, und gemeinsam machte man sich daran, Regisseur Rob Cohen und den The Fast and the Furious-Star Vin Diesel von ihrer Mitwirkung zu überzeugen. Zunächst sprach man Rob Cohen an, der das Potential des Stoffes sofort erkannte. Mit ihm an Bord begann die Zusammenarbeit aller kreativer Parteien, die sich über die komplette Produktion hinweg erstreckte. "Mir gefielen all die neuen Ideen im Drehbuch und die Gelegenheit, einen Film für Revolution zu machen. Und der Gedanke, wieder mit Neal zu arbeiten, machte das Projekt absolut unwiderstehlich", berichtet Cohen. Aber sein endgültiges Ja war mit einer Bedingung verbunden. Cohen war überzeugt, dass Vin Diesel der einzige Mann wäre, der diesen neuartigen Agenten, Xander Cage, spielen könnte. "Er ist Triple-X", betont er. "Ohne ihn hätte ich den Film nicht gemacht. Für mich ist Xander Cage der all-amerikanische Antiheld. Er ist nicht der Gute, der die richtigen Dinge tut, weil er an all die richtigen Prinzipien glaubt. Er ist der Typ, der die richtigen Dinge tut, weil die Umstände und nicht sein Gewissen sie von ihm verlangen. Und dieser eine jemand, der diese Art von Einstellung, Trotz, Härte, Verwundbarkeit, Liebenswürdigkeit und Seele mitbringt, ist Vin Diesel."

Als man Diesel die Idee für XXX - Triple X unterbreitete, stimmte er zu, dass es nur einen Weg gäbe, das Projekt zu stemmen: Man mußste es gemeinsam machen.

"Wenn man eine Regisseur-Schauspieler-Beziehung gefunden hat, wie ich sie mit Rob Cohen bei The Fast and the Furious hatte, dann wäre man ein Idiot, wenn man nicht sofort wieder zusammenarbeiten würde", merkt Diesel an. "Der Hauptgrund für meine Begeisterung für XXX - Triple X war die Aussicht, wieder mit ihm zu arbeiten."

"Bei Xander Cage geht es einzig und allein um Coolness", sagt Neal H. Moritz. "Der ganze Film strahlt Coolness aus. Und das ist nichts, was man einfach so aus dem Ärmel schütteln kann. Entweder man hat sie oder man hat sie nicht. Und Vin strahlt Coolness regelrecht aus."

Natürlich war der Schauspieler höchst beeindruckt von der Figur, die sich Autor Rich Wilkes hatte einfallen lassen. "Die Idee, eine neue Generation von Geheimagenten zu begründen, war interessant - und eine gewaltige Herausforderung. Zunächst fühle ich mich bei neuen Stoffen vom Inhalt angezogen. An XXX - Triple X gefiel mir das Konzept eines Typen, der sein Leben einzig und allein dem Anliegen gewidmet hat, sich immer neue Kicks zu verschaffen. Politische Angelegenheiten sind ihm egal, außer sie betreffen ihn unmittelbar und ganz persönlich. Ich fand die Idee witzig, dass man jemanden wie Xander bitten könnte, in die Fußstapfen eines richtigen Geheimagenten zu treten. Einen Typen zu nehmen, bei dem die Rettung der Welt ganz unten auf der Prioritätenliste steht, und ihn genau das machen zu lassen - das faszinierte mich."

Und Diesel fügt hinzu: "Joe Roth hat einige Erfahrung, was die Entwicklung von High-Concept-Actionfilmen wie Con Air (1997), The Rock (The Rock - Fels der Entscheidung, 1996) oder Die Hard (Stirb langsam, 1988) anbetrifft. Da wusste ich ganz genau, dass das Projekt bei seiner Company perfekt aufgehoben war."

"Dieser Film lässt einem keine Sekunde, in der man Luft holen könnte", sagt Roth. "Rob hat Actionsequenzen auf die Beine gestellt, die sich von künftigen Filmen nur sehr schwer toppen lassen werden."

"Xander Cage ist ganz sicherlich kein alltäglicher Geheimagent", berichtet Neal H. Moritz. "Er ist die moderne Ausgabe eines Geheimagenten. Er macht einfach alles: Er springt aus einem Flugzeug und surft mit seinem Snowboard in der Luft und jagt dann vor einer gewaltigen Lawine den Berg hinab, er fährt schnelle Autos, hängt mit schönen Frauen rum ... all das, um die Bösewichte zu stoppen. XXX - Triple X ist eine Achterbahnfahrt, wie man sie noch nie gesehen hat. Es gibt großartige Action, Humor und tolle Typen. Und vor allem ist das ein riesiger Film, der von Anfang bis Ende Spaß macht - wie geschaffen für die Herbstsaison. Wir hoffen, dass das Publikum eine tolle Zeit hat und mehr davon sehen will."

"Xander ist ein Rebell ohne Ziel", sagt Rob Cohen. "Er befindet sich auf dem Weg ins Nirgendwo, aber das macht er mit Tempo und viel Geschick. Der Topagent Augustus Gibbons von der National Security Agency wird auf ihn aufmerksam. Und darin liegt der Clou des Plots."

Cohen wusste von Anfang an, dass er einen Spitzenschauspieler brauchte, um Gibbons entsprechend zum Leben zu erwecken. Sofort dachte er an Samuel L. Jackson. "Er ist der King of Cool", meint er. "Sam fühlt sich absolut wohl in seiner Haut. Er ist sicherlich der erleuchtetste Mann, den ich jemals kennen gelernt habe. Er weiß, wer und was er ist, weiß, wie er rüberkommt. Was sein Ego anbetrifft: Er ist sich seiner Wirkung voll bewusst, lässt sich davon aber nicht kirre machen. Sam ist genau der Typ, den er in XXX - Triple X spielt. Er ist selbstbewusst, übermäßig talentiert, der ultimative Gentleman. Er hat all das Charisma, das man sich wünschen kann - und noch mehr. Tatsächlich wäre er längst Billionär, wenn er seine Ausstrahlung häppchenweise verkaufen könnte."

Und Vin Diesel sagt: "Er war immer schon einer meiner Lieblingsschauspieler. Die Vorstellung, mit Sam an einem Film zu arbeiten, ist die Erfüllung eines Wunschtraums."

"Ich fand die Geschichte interessant und aufregend", erklärt Jackson. "Und die Figur sprach mich an. Rob ließ mir absolut freie Hand beim Etablieren einer Hintergrundgeschichte für Gibbons. Ich wollte, dass er bei einer vergangenen Mission heftige Narben zurückbehalten hat. Für Gibbons sind sie ein Denkzettel dafür, wer er ist, wo er war, was er für sein Land geopfert hat und dass er stolz darauf ist."

"Gibbons erkennt sofort das Potenzial, das in Xander steckt", fährt Jackson fort. "Er weiß auch genau, dass er jemanden finden mußs, der den Gegenspielern in gewisser Weise gleich sein mußs. So sieht er Xander: als Abtrünnigen. Aber er glaubt, auch eine noch niemals angezapfte Entschlossenheit, einen unterschwelligen Patriotismus in Xander zu entdecken, die man nur zu wecken braucht. Xander und Gibbons haben gemeinsam, dass sie eine höchst unkonventionelle Denkweise haben, weshalb sie auf ihrem jeweiligen Fachgebiet erfolgreich sind."

Vin Diesel und Samuel L. Jackson hatten bereits seit einiger Zeit nach dem richtigen Projekt für eine Zusammenarbeit gesucht. "Wir lernten uns vor ein paar Jahren in London kennen, als Vin Saving Private Ryan (Der Soldat James Ryan, 1998) und ich Star Wars: Episode 1 - The Phantom Menace (Star Wars: Episode 1 - Die dunkle Bedrohung, 1999) drehten", erinnert sich Jackson. "Wir stießen zufällig in einer Sushi-Bar aufeinander und verbrachten ein bisschen Zeit zusammen. Wir hatten einige vergleichbare Erfahrungen gemacht und verblieben mit dem Wunsch, in der nahen Zukunft miteinander zu arbeiten." Ihre Partnerschaft auf der Leinwand markiert nun zweifelsohne die Basis für eine neue Action-Franchise.

Auch bei der Besetzung der weiteren Rollen von XXX - Triple X legte es Rob Cohen darauf an, jeweils nur die Besten der Besten in der internationalen Schauspielergemeinde zu finden, egal ob man sie in den USA kannte oder nicht. Um die Darsteller aufzutreiben, die die Rollen von Yelena und Yorgi spielen sollten, zwei russische Figuren, zum einen die Liebhaberin von Xander, zum anderen Xanders Gegenspieler, durchkämmte Cohen die ganze Welt und wurde in zwei Ländern fündig: Neuseeland und Italien.

"Nach Vin und Sam sind die wichtigsten Figuren der Bösewicht und die weibliche Heldin", sagt Cohen. "Helden oder Antihelden definieren sich über den Gegenspieler. Wenn der Berg nicht steil genug ist, dann fühlt es sich leer an, wenn er vom Helden bestiegen wird. Wenn man den stärksten denkbaren Helden haben will, mußs man den stärksten denkbaren Gegenspieler finden."

Die Besetzungsdirektorin Ronna Kress war es, die für die Rolle des Yorgi den Neuseeländer Marton Csokas vorschlug. Rob Cohen erinnert sich: "Sie sagte, er sei knapp 1 Meter 90 groß, ausgesprochen gut aussehend und obendrein ein irrwitzig guter Schauspieler. Marton flog nach Los Angeles und setzte sich mit mir zusammen. Zunächst war ich etwas zurückhaltend. Denn Marton war tatsächlich groß gewachsen, dunkel und attraktiv, aber er war auch sehr schüchtern und wohl erzogen, so dass ich mich fragte, wie er jemals einen gefährlichen Bösewicht wie Yorgi spielen sollte. Marton fragte mich, wie ich mir die Figur vorstelle, und ich beschrieb Yorgi als ehemaligen Militär, der zum Kampf für Mütterchen Russland ausgebildet wurde und den Kollaps all dessen miterlebte, woran er zu glauben gelernt hatte. Das lässt ihn jegliche Illusion verlieren. Er will die Welt nicht beherrschen, er will sich nicht auf irgendein Podest heben. Yorgi will, dass die Welt, wie wir sie kennen, im Chaos versinkt. Er will Freiheit, aber auf eine sehr kranke, verdrehte und gefährliche Weise. Ich sagte Marton, dass wir ihn uns als eine Art verrücktes Genie vorstellten. Davon geht eine Gefährlichkeit aus, die viel bedrohlicher ist als ein Typ mit vielen Waffen."

Cohen berichtet weiter: "Also sagte Marton ganz leise: ,Oh, okay, verstehe. Das will ich gerne ausprobieren.' Und dann, als er eine Szene des Drehbuchs mit seiner Figur vorzulesen begann, war er auf einmal 2 Meter 10 groß. Die Verwandlung war unfassbar! Ich saß völlig bewegungslos in meinem Sessel. Als Marton gegangen war, wandte ich mich Ronna zu und sagte: ,Den müssen wir haben. Wir müssen nicht weiter suchen. Es ist mir egal, wer da noch kommen könnte, dieser Typ ist unglaublich.'"

Der im Theater ausgebildete Csokas sah Yorgi als Gelegenheit, eine dreidimensionale Figur zu schaffen, die eben zufällig auch der Bösewicht des Films ist. "Man kann sich Yorgi mit dem Wissen nähern, dass er daran arbeitet, das System von innen heraus zu zerstören", sagt Csokas. "Sicher, das macht er auf höchst extreme Weise, aber ich denke dennoch, dass wir etwas aus seinen Absichten, metaphorisch oder sonst wie, lernen können. In gewisser Weise wollten Xander und Yorgi am Anfang das Gleiche. Absolute Freiheit und das Ende der unterdrückenden Glaubenssysteme. Was sie unterscheidet, ist, dass Yorgi die Welt retten will, indem er sie zerstört, während Xander zu dem Bewusstsein gelangt, dass es unsere Welt durchaus wert ist, gerettet zu werden."

Cohens Vorgehensweise bei der Wahl der richtigen Darstellerin von Yelena, eine Vertraute von Yorgi und Gefährtin bei seiner Organisation Anarchy 99, deren taffes Auftreten lediglich von ihrer Schönheit übertroffen wird, war ebenfalls unorthodox: "Auch Yelena ist eine russische Figur, daher wollte ich für die Rolle keine Amerikanerin, die man kennt. Es war wichtig, jemanden zu finden, der an der Seite von Vins Figur richtig hart und rasiermesserscharf rüberkommen würde, so dass wir die Grundlage für eine Liebesgeschichte etablieren konnten, die ganz anders als die meisten Liebesgeschichten sein sollte. Diese zwei Menschen sind ungeheuer stark, aber auch sehr verletzlich. Ich wollte eine unkonventionelle Schönheit, kein Püppchen. Und Asia Argento hatte alles, wonach ich suchte."

In ihrer Heimat Italien und Frankreich ist Asia Argento längst ein Star. Die vielfach prämierte Schauspielerin, Tochter des legendären Regisseurs Dario Argento und der beliebten Darstellerin Daria Nicolodi, arbeitet seit ihrem zwölften Lebensjahr in ihrem Metier. Abgesehen von einer kleinen Gruppe treuer Fans ist Asia Argento in den USA bislang weitgehend unbekannt - bis jetzt zumindest. "Ich kannte ihre Arbeit bisher nicht", gesteht Rob Cohen. "Also lud ich sie zu einem Screentest mit zwei anderen Schauspielerinnen ein. Ich rief sie an einem Sonntagabend an, um sie in Amerika willkommen zu heißen. Sofort war ich verzaubert von ihrer rauen, tiefen Stimme. Als sie dann bei dem Test mit Vin vor der Kamera stand, hatte sie vielleicht gerade mal vier Zeilen gesprochen, als ich hinter dem Monitor auf die Knie fiel und immer wieder schrie: ,Ja! Ja! Ja! Ja!' Ronna Kress und ich hatten bereits 500 andere Frauen für die Rolle getestet, und auf einmal war Asia da und spielte alle an die Wand. Noch am gleichen Tag hatte sie den Part sicher."

In Europa kennt man Asia Argento hauptsächlich aus eher künstlerisch wertvollen Filmen. Für sie war es eine willkommene Abwechslung, sich einmal an etwas ganz Neuem zu versuchen. "Dies ist der erste richtige Actionfilm, der mir jemals angeboten wurde", verrät sie. "Und ich liebe große amerikanische Filme. Die machen viel mehr Spaß als dieser ganze langweilige europäische Kunstkäse. Die Mitwirkung in XXX - Triple X empfand ich als riesige Herausforderung. Ich hatte Robs Film The Fast and the Furious in Italien gesehen, noch bevor ich den Anruf erhielt, und fand ihn ganz ausgezeichnet. Ich habe um die Rolle der Yelena wie eine richtige Kriegerin gekämpft."

Sowohl das Genre als auch die Figur fand Argento reizvoll: "Fast bis zum Schluss ist Yelena eine sehr geheimnisvolle Figur. Wir wissen nicht genau, was sie ist, wo sie herkommt und was sie bei Yorgi und Anarchy 99 anstellt. Sie ist nicht richtig gut oder richtig böse. Sie ist beides. Außerdem ist sie sowohl sehr geistreich als auch sehr körperlich. Das gefiel mir."

Zu den weiteren US-Schauspielern, für die sich Cohen entschied, gehört Michael Roof, ein Stand-up-Komödiant, der vor kurzem im Ensemble von Ridley Scotts Black Hawk Down (2001) sein Leinwanddebüt gegeben hatte. Roof sieht man als Toby Lee Shavers, ein fürchterlich nerviges, aber auch irgendwie liebenswertes junges NSA-Genie, der für Xanders unerschöpfliches Arsenal von Gadgets zuständig ist.

"Ich bin lediglich ein High-School-Abgänger", lacht Roof. "Die Rolle des Toby Lee Shavers war also eine echte Herausforderung für mich. Aber mir gefällt die Figur: Er liebt seinen Job und ist im Grunde seines Herzens eine sehr ehrliche Haut. Er nervt, weil er unentwegt am Plappern ist. Ich meine, ich könnte mir Besseres vorstellen, als mir beim Biertrinken seine gesammelten Liebesgeschichten anzuhören. Aber er steht auf das, was er macht. Und er will den bestmöglichen Job für seine Behörde machen."

Weil Rich Wilkes' Drehbuch in Los Angeles, Kolumbien und vor allem Prag, der prächtigen, geheimnisvollen, mysteriösen, romantischen und historisch beeindruckenden Hauptstadt der Tschechischen Republik, angesiedelt ist, wollte Cohen Schauspieltalente aus dem Westen und Osten Europas zum Einsatz bringen. Schnell stellte er eine Gruppe von Schauspielern zusammen, die den Zuschauern der jeweiligen Länder wohl ein Begriff sind, in den USA aber völlig frisch rüberkommen. Dazu gehören die Deutschen Richy Müller und Werner Dähn und die Tschechen Petr Jakl, Jan Filipensky, Martin Hub, Radek Tomecka und Martina Smukova, ein bekanntes Model, die als sexy Polizistin ihr Filmdebüt gibt.

"Ich finde, die Schauspieler sind allesamt frisch, charismatisch, mit starker Leinwandausstrahlung", freut sich Rob Cohen. "Und dieses Neuartige war beim Dreh in Kombination mit ihrem Können und Talent sehr aufregend."

XXX Nachdem ihnen klar war, was vor ihnen lag, machten sich Vin Diesel, Asia Argento und Marton Csokas an die Arbeit, sich auf ihre Rollen vorzubereiten. Diese Vorbereitung sollte sie auf drei verschiedene Pfade führen, die schließlich auf einem großen Film-Highway zusammenlaufen würden. Vin Diesel war sich bewusst, dass es von großer Bedeutung war, das Publikum von Xander Cages unablässig wagemutigem Wesen zu überzeugen. Mit voller Energie stürzte er sich ins Training.

"Zum Teil reizte mich die Figur, weil ich drei Monate Zeit hatte, mich in die Rolle einzufinden", erklärt Diesel. "Also machte ich mich daran, mit den besten Bergsteigern, Motocross-Fahrern, Snowboardern, Waffenexperten, Base-Jumpern und für die Unterwassersequenzen mit Navy S.E.A.L.S. zu trainieren. All die verschiedenen Aspekte von Xanders Leistungsvermögen mußsten während der Vorproduktion ausgearbeitet werden. Ich selbst stehe auch auf Thrills und Kicks, deshalb gefiel mir diese Zeit ziemlich gut."

Diesel verschwendete keine Zeit. "Ich war noch nie davor auf einem Motocross-Bike gesessen, aber schon am ersten Tag wagte ich die ersten Sprünge", erzählt er. "Die Gelegenheit zu haben, all diese Dinge unter Aufsicht der besten Spezialisten machen zu können, war genial. Ironischerweise mußste ich nicht viel Hanteltraining machen. Wenn überhaupt, so versuchte ich Fett zu verlieren, um die Agilität von Xander zu verstärken, die er für die Bewältigung all seiner Stunts brauchen würde. Während des Trainings entdeckt man, dass der Körper beginnt, sich anders zu bewegen. Und dann, wenn der Dreh losgeht, stellt man fest, dass man auf einmal Dinge draufhat, die man davor definitiv noch nicht bringen konnte."

Auch Asia Argento unterzog sich einem brutalen Trainingsprogramm. Als gelernte Muay-Thai-Kickboxerin fiel ihr das nicht besonders schwer, obwohl sie sich mit einem kleinen Handicap herumschlagen mußste: "Als ich besetzt wurde, hatte ich gerade mein Baby zur Welt gebracht. Aber dank meiner fünfjährigen Kickbox-Erfahrung war ich ziemlich schnell wieder fit."

Marton Csokas sah sich mit einer ganz anderen Art von Training konfrontiert. Um sich auf seine Rolle als ehemaliger Offizier der Roten Armee vorzubereiten, versenkte er sich förmlich in die dazugehörige Kultur. "Marton ist ein unglaublicher Perfektionist", merkt Rob Cohen an. "Kaum hatte ich ihn besetzt, da reiste er schon nach Russland, wo er einen Monat lang lernte, was es bedeutet, ein Russe zu sein. Als er zurückkam, sprach er Russisch, Englisch mit russischem Akzent und hatte die gesamte russische Psychologie intus." (Tatsächlich ließ sich Csokas während des kompletten Drehs von einem Dialektcoach betreuen, damit der Akzent immer genau stimmte.)

Während sich seine Schauspieler an ihre jeweilige Rolle herantasteten, versammelte Rob Cohen einen beeindruckenden Stab von Könnern sowie einen riesigen Trupp von Stuntleuten, die von den Stuntkoordinatoren Lance Gilbert und James Arnett ausgesucht wurden. Bald schon kam die Zeit, wo alle gemeinsam das Gaspedal durchtreten mußsten.

Bleifuss Der erste Drehtag von XXX - Triple X fand in einem üppigen, pflanzengrünen Country-Club in Westlake, einer Vorstadt von Los Angeles, statt. Alles begann ganz ruhig - und wurde in Windeseile von 0 auf 100 beschleunigt, als sich der von Vin Diesel gespielte Xander Cage als Valet-Parker ausgibt und sich die Corvette eines reaktionären Staatssenators ausborgt, um zu testen, was in der Karre drinsteckt.

Zwei Tage später ließ sich die Company an einem abgelegenen Drehort nördlich von L. A. nieder, wo Cohen und sein Ausstatter Gavin Bocquet die perfekte Location gefunden hatten, die als ländliches Kolumbien herhalten konnte. Alles, was sie für die perfekte Illusion brauchten, waren ein paar Tausend Koka-Pflanzen und einige vierdimensionale Holzbauten, die eine Drogenfarm darstellen sollten. "Wir wussten, dass wir diese Sequenz nicht tatsächlich in Kolumbien drehen konnten", sagt Bocquet. "Aber etwa 70 Minuten nördlich von Los Angeles fanden wir ein höchst interessantes grünes Tal, durch das sich ein Fluss schlängelte. Wir waren sehr aufgeregt, weil es Südamerika tatsächlich sehr nahe kommt. Es war ein ziemlich großes Gebiet, das wir mit den Gebäuden und den Pflanzen bedecken mußsten."

Das war das erste von zahllosen Sets, die Bocquet und seine überaus talentierten künstlerischen Abteilungen in drei Ländern auf zwei Kontinenten bauten. Nicht von ungefähr erwartete die so mühsam errichtete Kokafarm ein würdiges Schicksal: Sie sollte komplett zerstört werden, bei einer gewaltigen Abfolge von Explosionen und Maschinengewehrsalven von fünf "Fuerza Aerea Colombiana"-Hubschraubern, die im Sturzflug über das Gelände schwirrten. Flugkoordinator Cliff Fleming, der unmittelbar vor XXX - Triple X mit dem ausführenden Produzenten Arne L. Schmidt und Kameramann Dean Semler We Were Soldiers (Wir waren Helden, 2002) gedreht hatte, arbeitete eng mit Rob Cohen und Stuntkoordinator Lance Gilbert zusammen, um nur eine von vielen Actionsequenzen, wie man sie noch nie zuvor gesehen bzw. gewagt hat, zu orchestrieren: eine wilde Katz-und-Maus-Jagd zwischen einem 250-cc-Motorrad und einem Huey-Helikopter mit allem, was dazugehört, inklusive weiter Sprünge und gewagter Balanceakte.

Bei dieser Szene wurde Vin Diesels Zähigkeit und Courage auf eine harte Probe gestellt, als er auf seinem Motorrad über eine Kiesstraße jagte, während neben, vor und hinter ihm unentwegt Sprengsätze hochgingen. Cohen merkt an: "Dean Semler ist ein fantastischer Kerl und ein brillanter Kameramann. Wie es ihm gelang, dieses riesige Gelände bei Nacht genau richtig auszuleuchten und ihm so viel Farbe zu verleihen, ist eine großartige Leistung." Selbst Oscar®-Gewinner Semler, der für Filme wie The Road Warrior (Mad Max 2, 1983), Dances With Wolves (Der mit dem Wolf tanzt, 1990) oder Waterworld (1995) schon so manche gewaltige Actionsequenz betreut hat, war ein bisschen eingeschüchtert, als er das riesige Gelände zum ersten Mal betrachtete: "So was hatte ich noch niemals vorher gemacht. Eine gewaltige Herausforderung. Wir drehten aus allen Winkeln gleichzeitig, bisweilen mit bis zu 13 Kameras."

Um auf den ersten Höhepunkt unablässig weitere folgen zu lassen, taten sich Cohen und seine Leute mit dem zweiten Drehteam unter Alexander Witt (Gladiator, 2000, Black Hawk Down, 2002) zusammen und zogen weiter nach Norden, wo man die unglaubliche Szene drehte, in der Xander die bereits erwähnte Corvette von der Foresthill Bridge in Auburn in der Nähe von Sacramento fährt - und die erstreckt sich immerhin in knapp 250 Meter Höhe über die nördliche Gabel des American River. Damit nicht genug: Er surft auf dem abstürzenden Auto und springt schließlich mit einem Fallschirm ab, um sicher unten anzukommen. Keine Drähte. Keine Netze. 20 Kameras liefen bei der Durchführung dieses unglaublichen Stunts, darunter elf 35-mm-Kameras, zwei 16-mm-Kameras und drei Mini-DV-Kameras am Boden, eine Kamera im Hubschrauber sowie drei speziell von Ed Gutentags Crashcam Industries entworfene Systeme in der Corvette, die mit dem Auto über die Wupper gingen.

"Ich habe mit Rich Wilkes hart daran gearbeitet, dass der Anfang des Films ungemein actionlastig wird", sagt Rob Cohen. "Ich mag es, wenn man sehr schnell was ziemlich Unglaubliches vom Stapel laufen lässt, wie die Entführung des Trucks auf dem Highway in The Fast and the Furious. Auf diese Weise weiß das Publikum, dass man sein Ticket nicht umsonst gelöst hat."

Weitere Locations in Los Angeles umfassten das klassische Pann's Diner in der Nähe des Flughafens, in dem der von Samuel L. Jackson gespielte Augustus Gibbons erstmals auf Xander Cage trifft, und ein leer stehendes Loft in der Downtown-Gegend, das in Xanders cooles Zuhause verwandelt wurde. In der Szene mit der Überraschungsparty für Xander läuft nahezu jeder Top-Action-Sportstar Amerikas, von denen viele Stunts für den Film beitrugen, durchs Bild: Darunter befinden sich der angebetete Sportgott Tony Hawk, Freestyle-BMX-Superstar Mat Hoffman, Brian Deegan (Freestyle-Motocross), Skateboarder Jason Ellis, Rick Thorne (Freestyle-BMX), Cary Hart (Motocross), Mike Escamilla (Freestyle-Bike), Skateboarder Colin McKay und Sportmoderator Rob Wells. Alle von ihnen sowie Weltklasse-Stuntleute und Athleten wie die Freestyle-Motocross-Experten Larry Linkogle und Jeremy Stenberg, Base-Jumper Tim Rigby und der mittlerweile verstorbene Fallschirm-Koordinator Harry L. O'Connor trugen zum Gelingen der unfassbarsten Szenen von XXX - Triple X bei.

"Sie heuerten all die richtigen Athleten an", sagt Tony Hawk über die Filmemacher. "Rob Cohen und alle anderen wollten, dass alles so authentisch wie möglich ist. Sie holten die richtigen Leute und respektierten unsere Meinungen." Hawk war überaus beeindruckt von Vin Diesels Entschlossenheit, "alles richtig zu machen. Vin ist athletisch, und das ist wichtig. Er mußs nicht herumposen, weil er meint, gut aussehen zu müssen. Ich finde es außerdem gut, dass Vin den Sport respektiert und unsere Szene nicht ausbeuten will. Er verbeugt sich vor all den Sportlern auf eine sehr ernsthafte Weise."

In der Loft-Partyszene gibt es überdies noch einen Cameo-Auftritt von der Superstar-Rapperin Eve, die als Xanders Freundin J. J. zu sehen ist - ein weiterer Beweis dafür, dass Rob Cohen bestens Bescheid weiß, wer wer ist in der Welt des Pop.

Vorspulen zum "Hollywood von Europa" Nach Abschluss der Dreharbeiten in Kalifornien reiste die Produktion weiter ins "Hollywood von Europa", die hinreißende, prächtige Hauptstadt von Tschechien, Prag ...

Mit ihren zahllosen Turmspitzen, roten Schindeldächern, Kathedralen und Schlössern ist die Goldene Stadt gegenwärtig eine der beliebtesten Locations außerhalb der USA und dient immer wieder auch als Double für andere europäische Städte. Diesmal sollte Prag ganz definitiv einfach nur Prag sein. Rob Cohen, Kameramann Dean Semler und seine Crew schöpften die Möglichkeiten der berühmten Kopfsteinpflasterstraßen, verschlungenen Gassen, gewaltigen Kathedralen und die hinreißende Architektur, die die Jahrhunderte miteinander verbindet, bis zum Letzten aus.

Cohen, Ausstatter Gavin Bocquet und Semler entdeckten eine Vielzahl von Drehorten im Herzen von Prag, auf dem Land und im Süden des Landes in der Provinz Moravia, die für Filme noch weitestgehend ungenutzt geblieben waren. Bocquet hatte zuvor bereits zwei Mal in Prag gearbeitet, als Ausstatter von Steven Soderberghs Kafka (1991) und einer Episode von George Lucas' "The Young Indiana Jones Chronicles". Obwohl er die Stadt also bereits bestens kannte, gab es noch viel Neues zu entdecken. Er erinnert sich: "Die Projekte, an denen ich bislang in Prag gearbeitet hatte, hatten immer historische Hintergründe. Ich wollte schon immer in die Stadt zurückkehren, um zum Gelingen eines etwas zeitgemäßeren Projekts beizutragen."

Dean Semler freute sich ebenfalls auf die Aussicht auf den Dreh in Prag, das er zeigen wollte, wie man es noch niemals zuvor gesehen hat: "Meistens sieht man die Stadt in historischen Stoffen, mit Gaslicht und Kerzenlicht, das immer sehr weich aussieht. Unsere Geschichte ist so zeitgenössisch wie nur möglich, also darf ich die Stadt auch in ein gänzlich anderes Licht tauchen. Viele der historischen Innenräume werden von uns mit grellem Neonlicht beleuchtet, was ihnen einen völlig neuen Look verleiht."

Der Dreh in Prag während eines brutal kalten Winters begann in einem heruntergekommenen Erdgeschoss-Apartment (ein Eindruck, den das Art-Department noch unterstützte) - Xanders unwirtliches Zuhause in Prag, das sich in einer engen Passage der Lillovastraße in der Altstadt befindet. Dann ging es weiter in der osttschechischen Berggegend von Celna, wo die Filmemacher, buchstäblich in der Mitte von Nirgendwo, eine verfallene, entweihte, 150 Jahre alte Kirche entdeckten, die von Gavin Bocquet zu einem der originellen Nachtclubs von Anarchy 99 umfunktioniert wurde. Hier ließ Cohen die deutschen Industrial-Metal-Superstars Rammstein eines ihrer in höchstem Maß visuell ausgeklügelten Konzerte mit allem Drum und Dran nachstellen, inklusive Flammenwerfer, exzentrischer Kostüme und abgefahrenen Make-ups. Das war die Kulisse für die Eröffnungssequenz des Films, in der die Grundlagen für die Geschichte gelegt werden. Die Hunderte von tschechischen Statisten, allesamt passend hergerichtet von Kostümdesignerin Sanja Milkovich Hays und den Haar- und Make-up-Abteilungen, waren tatsächliche Rammstein-Fans, die man bei einem der Konzerte der Band in Prag gecastet hatte. Man mußste sie also nicht großartig dazu antreiben, ihre Lieblingsband mit dem größtmöglichen Enthusiasmus anzufeuern.

Eine weitere Konzertszene war ein riesiger Rave mit dem populären britischen Technoduo Orbital, das von Rob Cohen ganz gemäß dem europäischen Feeling des Films ausgewählt wurde und einen extra für XXX - Triple X komponierten Song vortrug. Diese Szene wurde in einer bizarren Versuchsstation aus der Sowjet-Ära nördlich von Prag gedreht, die Bocquet als "eine Location wie aus einem alten russischen Science-Fiction-Film aus den Fünfzigern" beschreibt. Cohen entschloss sich, die Kulisse mit dem Geschehen während besagter Szene zu verbinden: "Alles dreht sich um Elektrizität, sowohl die Techno-Rave-Location als auch das, was sich zwischen Xander und Yelena abspielt."

Eine gewaltige Anzahl historischer Orte wurde von den Filmemachern für XXX - Triple X benutzt. Das außergewöhnliche Äußere und die barocke Rotunde des Staatsschlosses von Vranov nad Dyji kam als Hauptquartier von Anarchy 99 zum Einsatz. Ursprünglich im elften Jahrhundert gebaut, wurde das Schloss im Jahr 1687 von dem österreichischen Architekten Johann Bernhard Fischer, dem Maler Johann Michael Rottmayr und dem Skulpteur Lorenzo Mattieli neu hergerichtet. Keiner von ihnen hätte sich sicher jemals träumen lassen, dass man das Schloss mit Hilfe der Magie der künstlerischen Abteilung und der visuellen Effekte von Joel Hynek inmitten von hohen, verschneiten Berghöhen eine Stunde nördlich von Prag verlegen könnte.

Dieses stattliche Gebilde aus prächtigen, widersprüchlichen, Jahrhunderte umspannenden architektonischen Stilen findet sich auf der Spitze eines Vorgebirges, das wie ein Falke auf der Jagd auf ein kleines Dörflein hinabblickt. Die große Eingangshalle, eine gewaltige barocke Rotunde mit einer massiven Decke, die von Anfang bis Ende mit Rokoko-Fresken überzogen ist, wurde von Bocquet, dem Leiter des Art-Departments Jonathan Lee, dem Set-Dekorateur Hilton Rosemarin und Kulissenchef C. J. Maguire passend dekoriert: mit humorvoll kontrastierenden alten Stühlen und Sofas, Bergen von CDs und Magazinen, Flaschen von Whisky und einer improvisierten Kegelbahn, in der sich anstatt der Kegel zahlreiche Vasen, Flaschen und Kleinstatuen finden. Ein eingezäunter und mit Computern und weiteren High-Tech-Geräten angefüllter Bereich stellt das Operationszentrum von Anarchy 99 dar. Im Hof außerhalb entwarf Bocquet eine 17 Meter lange Wand mit einem neoklassischen "Tempel", der als Schauplatz für eine gewaltige Schlacht zwischen der tschechischen Polizei und den Kämpfern von Anarchy 99 beim Showdown genutzt wurde.

In dieser Location mußste Vin Diesel außerdem seine Bergsteigerkünste unter Beweis stellen. Aber darauf war er vorbereitet. "Zum Glück hatte ich beim Bergsteig-Training in Los Angeles teilgenommen", meint der Schauspieler. "Sonst hätte ich beim Dreh viele Tränen vergießen müssen."

Diese exotischen Drehorte übten eine magische Wirkung auf die Schauspieler aus. "Vranov war viel stiller und isolierter als Prag", sagt Marton Csokas. "Wir nutzten diese Location, um zu zeigen, was die Absichten von Anarchy 99 sind und um die Widersprüche zu ihrer Philosophie aufzudecken. Damit meine ich, dass Yorgi und seine Leute leben wie die Könige und den Kapitalismus nach Belieben ausnutzen, um das zu bekommen, was sie wollen. Gleichzeitig haben sie keinen Respekt vor Besitz."

In Prag selbst wurden große Sequenzen an folgenden Orten gedreht: auf dem Altstadtplatz und der nahe gelegenen Tyn-Kirche; innerhalb und außerhalb des herrlichen Francouzka Restaurace des Obecni Dum, eines der wunderbarsten Art-nouveau-Meisterwerke in der Welt der Architektur und des Innendesigns; die stillgelegte, um 1900 erbaute Patanka-Brauerei, deren gewölbe-artiger Keller von Bocquet zum Hauptquartier der tschechischen Polizei umfunktioniert wurde; eine verlassene Automobilfabrik, in der Crew-Mitglieder eine vergessene eingerahmte Auszeichnung der Kommunistischen Partei entdeckten - eine verstaubte Erinnerung an 50 Jahre Leben in einem totalitären System, das die Tschechen endlich hinter sich lassen wollen; eine lange Treppe in der Mala Strana, auf deren Geländer Xander mit einem Silbertablett hinabsurft; und schließlich ein großer Abschnitt der Vltava mit Blick auf die weltberühmte Karlsbrücke, die 1357 errichtet wurde und täglich von Tausenden von Touristen besucht wird.

In einem Film, dessen Locations dem Zuschauer die Augen übergehen lassen, stellt eine Szene in der hinreißenden Staatsoper, die 1888 von den österreichischen Architekten Fellner und Helmer gebaut wurde, den absoluten Höhepunkt dar. Bei dieser Dialogszene zwischen Vin Diesel und Samuel L. Jackson wurde eine Probe zur Mozart-Oper "Don Giovanni" als Kulisse gewählt. Dafür verließ sich Rob Cohen auf Richard Hein, den tatsächlichen Leiter des Opernorchesters, und dessen Musikanten. Auf der Bühne sieht man Martin Barta und Martina Beauerova beim Vortragen von Giovannis Arie "Fin ch'an dal vino" und Zerlinas "Batti, batti". "Ich vermute, nichts könnte weiter von Rammstein entfernt sein als Mozart", sagt Cohen schmunzelnd, "aber das unterstreicht nur die Bandbreite der musikalischen Möglichkeiten, die sich bei einem Film wie diesem eröffnen." Nicht von ungefähr spielte Musik schon immer eine große Rolle in Cohens Filmen, von seinen frühen Tagen bei Motown bis hin zu seinem mit Platin veredelten Soundtrack zu The Fast and the Furious (2001).

Bocquet und sein Designteam entwarfen auch einen ganzen Haufen von einfallsreichen Gadgets für Xander Cage (im Film stammen sie von dem NSA-Technikstreber Toby Lee Shaver, gespielt von Michael Roof). Dazu gehören ein ganz spezieller Revolver, der für jedes Bedürfnis verschiedenartige Darts (oder, wenn nötig, echte Kugeln) abfeuert, ein Röntgenfernglas, ein denkbar weit entwickelter "Tech-Deck"-Communicator und sogar ein paar harmlos aussehende Pflaster, die tatsächlich eine ausgesprochen explosive Wirkung haben. Xanders leuchtender, dunkelpurpurner 67er GTO-Sportwagen wird von Shaver mit einer Sonderausstattung aufgemotzt, zu der ein Flammenwerfer, Raketen und ein ablösbares Verdeck gehören.

Und dann ist da noch "Ahab", eine zehn Meter lange Mischung aus Tragflächen- und Unterseeboot, das bis auf 100 Stundenkilometer beschleunigt werden kann und im Mittelpunkt des durchtriebensten Plans von Anarchy 99 steht. Einige Abteilungen arbeiteten gemeinsam an der Entwicklung und Ausarbeitung von "Ahab". Dazu zählten Bocquet und seine Crew, die Spezialeffekte-Abteilung unter Aufsicht von John Frazier und Jim Schwalm sowie der Marine-Koordinator Ransom Walrod und seine Männer.

Die gewaltigen Ausmaße der Produktion von XXX - Triple X verlangten es, dass verschiedene Drehteams gleichzeitig arbeiten mußsten, und das stets in enger Absprache mit Rob Cohen. Der ausführende Produzent Arne L. Schmidt nennt ein Beispiel: "An einem Tag hatten wir nicht weniger als fünf unterschiedliche XXX-Abteilungen, die gleichzeitig Aufnahmen machten. Das erste Drehteam arbeitete in der Halle des Staatsschlosses von Vranov nad Dyji. Eine Splittergruppe davon filmte im Hof draußen. Das zweite Drehteam war mit Fahrszenen auf der verschlungenen Straße, die vom Schloss wegführt, beschäftigt. Eine Visuelle-Effekte-Abteilung drehte ebenfalls in Vranov. Und das Skysurf-Team wickelte Stunts weit über dem Lake Tahoe ab."

Das erste und zweite Drehteam verbrachte überdies Zeit auf den Alpengipfeln des österreichischen Kaunertals in Tirol, wo man dahindonnernde Schneemobile und einige spektakuläre Snowboard-Sequenzen drehte. Viele davon erledigt Vin Diesel selbst. Ganz im Sinne von Xander Cage pfiff Diesel auf die gängige Hollywood-Bürokratie und bestand darauf, einige seiner Stunts selbst durchzuführen. "Ich war noch niemals davor auf einem Snowboard gestanden, sieht man mal von einer Kinderbenefizveranstaltung in Jackson Hole, Wyoming, und einem kurzen Ausflug in Sundance ab, wo ich mir für meine Bemühungen sofort ein blaues Auge einfing", gesteht Diesel.

"Vin war zu wesentlich mehr Dingen bereit, als es mir lieb war", erinnert sich Rob Cohen. "Ich weiß noch, er kam immer zu mir ins Büro und sagte: ,Das kann ich', und ich antwortete: ,Davon gehe ich aus, aber du könntest dir dabei auch den Hals brechen. Den Leuten zuliebe, deren Arbeit von deiner Gesundheit abhängt, würde ich dir allerdings raten: Lass das einfach jemanden vom Stuntteam erledigen.' Vin erinnerte mich an einen jener Sportler, die immer zu ihrem Trainer sagen: ?Wechsel mich ein, Coach.' Er wollte alles machen, und er machte tatsächlich sehr viel. Vin hatte so hart trainiert: Bergsteigen, Motorradfahren, Sprünge, Snowboarding. Sein Einsatz war vorbildlich."

X-Style: Kostüme und Tattoos "Ich wusste, dass es Robs erklärte Absicht war, dass der ganze Film absolut auf der Höhe der Mode sein sollte", erklärt Kostümdesignerin Sanja Milkovic Hays. "Die Idee dahinter war, dass wir nicht zeigen wollten, was in der Gegenwart abgeht, sondern was in der ganz nahen Zukunft angesagt sein wird." Hays war die perfekte Wahl als Kostümdesignerin, nicht nur, weil sie mit Rob Cohen bereits an The Fast and the Furious (2001) gearbeitet hatte, sondern weil sie als Europäerin geradezu prädestiniert für die Aufgabe war. Kaum jemand versteht die feinen Unterschiede zwischen amerikanischem und kontinentalem Look besser.

"Sanja mußs nicht darüber nachdenken, was hip ist", erläutert Cohen. "Sie macht es einfach, und es ist hip. Die Hauptdarsteller sollten absolut realistisch aussehen. Die richtig verrückten Sachen drapierten wir um sie herum. Sanja hat ein gutes Auge dafür, die Figuren mit Hilfe ihrer Garderobe zu definieren. Ein Blick, und das Publikum weiß, was angesagt ist. Es machte Spaß, ihr die Freiheit zu geben, ein bisschen herumzuspielen und solch eine pfiffige Kollektion von Kostümen zu erstellen. Für die Abenteuer Xanders sind sie von großer Bedeutung."

Zunächst mußste Hays natürlich erst einmal den richtigen Look für Vin Diesel als Xander Cage finden. Xander hat einen ganz eigenen Stil, dazu gehört ein abgefahrener flauschiger Ledermantel für den Prager Winter. "Ich wollte, dass Xander ein bisschen wie ein wildes Tier rüberkommt", erklärt Cohen. "Vin hat mich vor meinem geistigen Auge schon immer an einen Bär erinnert. Er ist ein knuddliger Typ, gleichzeitig aber auch gefährlich und kräftig."

"Ich habe es geliebt, mit Asia Argento zu arbeiten", freut sich Hays. "Sie versteht Mode und weiß, wie man Kleider richtig trägt. Obwohl sie eine durch und durch abgefahrene Figur spielt, haben wir auf den nahe liegenden Straßenpunk-Look verzichtet. Wir hatten das große Glück, dass die Mode selbst auf unserer Seite war, weil viele der großen Designer gegenwärtig auf Mode setzen, die absolut ,street', aber auch sehr stylisch ist. Also setzten wir auf die großen Namen, um Yelena den rotzigen Look zu verpassen, der ihr so gut steht."

Hays fährt fort: "Bei Marton Csokas als Yorgi entschieden wir ebenfalls, die Finger von Punk zu lassen. Ich komme selbst aus Osteuropa. Anders als Amerikaner, die lieber einen unauffälligen Look wählen, geben wir modisch gern ein bisschen Gas. Wenn Osteuropäer Geld haben, zeigen sie das durch ihren Anziehstil. Also steckten wir Marton in ausgesprochen teure Kleidung und gaben ihm ein paar raue Kanten."

Bei der Ausstattung von Samuel L. Jackson hatte Hays keinerlei Probleme: "Es ist ein pures Vergnügen, ihn anzuziehen. Egal, in was man ihn steckt, die Reaktion ist stets: Wow! Es ist nicht der Anzug, es ist der Mann."

Bei den Klamotten für das Konzert am Anfang, den Rave und die Besucher des Nachtclubs konnten Hays und ihr Team ihrer Fantasie absolut freien Lauf lassen und wurden dabei von der Haar- und Make-up-Abteilung maßgeblich unterstützt. "Rob erzählte mir, ich sollte ihm dabei helfen, eine andere Welt zu erschaffen", berichtet Hays. "Wir recherchierten, was heutzutage in der europäischen Modewelt angesagt ist, und gingen einfach noch einen Schritt weiter. Am meisten mag ich die Zither-Bar mit ihren Gewölben, denn Rob wollte osteuropäischen Reichtum mit Fell, Federn, Leder, Spitze sehen, eine Art Neues-Millennium-Version der alten Opulenz des Kontinents."

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Stils im Film sind die extravaganten Tätowierungen, die Xander, Yorgi und sogar Yelena tragen. Für die Definition der Figur Xanders sind die Tattoos entscheidend. Das geht so weit, dass er seinen Codenamen - XXX - sogar auf seinem Nacken tätowiert trägt. Tattoos sind ein wichtiger Bestandteil der Actionsport-Kultur, und Diesel und Cohen waren entschlossen, den Traditionen treu zu bleiben. "Einfach gesagt, sollen dir deine Tätowierungen etwas bedeuten", merkt der BMX-Freestyle-Star Rick Thorne an. "Viele meiner Tattoos sind spiritueller Natur oder erinnern mich an Dinge in meinem Leben, die ich verbessern will."

Xanders Tattoos wurden von Adrian Gallegos in Absprache mit Cohen, Diesel und seinem Make-up-Künstler Christien Tinsley entworfen. "Die Tattoos sind ein integraler Bestandteil von Xanders Persönlichkeit", meint Diesel. "Sean Connery war als James Bond sexy in seinem Smoking, und wir hoffen jetzt, dass Xander mit seinen Tattoos sexy sein wird."

Diesel erklärt weiter: "Ich hatte das große Glück, dass Christien, der Beste im gesamten Business, meine Tattoos auftrug. Er entwickelte einen Ablauf, der das Auftragen der Tinte von ursprünglich drei Stunden auf eineinhalb Stunden verkürzte. Wenn das einmal erledigt war, fühlte man sich damit sicher genug. Während des Drehs mußste man nur ganz selten etwas nachmalen."

Was Asia Argentos Körperschmuck anbetrifft: Da mußste man nichts mühselig auftragen, weil alle ihre Tattoos absolut echt sind.

Dank seines Make-up-Künstlers Allan Apone und des Haarstylisten Robert L. Stevenson wurde Samuel L. Jackson als vernarbtem NSA-Veteran Augustus Gibbons ein brandneuer Look verpasst. "Allan dachte sich vier verschiedene Looks für mein Gesicht aus", erzählt Jackson. "Dann mischten wir Elemente aller vier Stile zusammen und einigten uns gemeinsam auf ein bestimmtes Aussehen."

Am Ende der beinharten viermonatigen Dreharbeiten in Los Angeles und Prag war allen Beteiligten völlig klar, wie großartig die Chemie zwischen den Filmemachern und den Schauspielern gewesen war. "Das war eine der besten und positivsten Gemeinschaftsarbeiten, die ich jemals auf einem Set hatte. Und das geht direkt auf Rob, Neal und Vin zurück", sagt der ausführende Produzent Todd Garner. "Rob und Vin haben eine irre Arbeitsbeziehung", merkt Produzent Neal H. Moritz an. "Das erinnert mich auf Grund des ständigen Gebens und Nehmens manchmal an eine Vater-Sohn-Beziehung. Vin ist nicht nur vor der Kamera eine dynamische Naturgewalt. Er war auch von großer Wichtigkeit bei der Ausarbeitung des Drehbuchs und der Entwicklung seiner Figur. Er kennt diesen Xander Cage besser als jeder andere Mensch und packte das auch direkt auf die Leinwand."

Nach Ende des Drehs begann eine relativ kurze Postproduktionsphase, bei der Cohen täglich mit den Schnittmeistern Chris Lebenzon und Paul Rubell und seinem langjährigen musikalischen Mitstreiter Randy Edelman zusammentraf. "Chris und Paul sind, ganz einfach gesagt, zwei der besten Cutter auf der ganzen Welt", sagt Cohen. "Und Randy hat eine besondere Art mit Melodien umzugehen. Ich wollte, dass sich der Score von XXX - Triple X immer weiter ausbreitet und die Größe des Films transportiert ... die Musik des 21. Jahrhunderts, die aus purer Energie besteht, aber auch eine ganz menschliche Seite hat, an der man sich festhalten kann."

"Das macht mir jeden Tag Spaß", erklärt Cohen abschließend. "Ich liebe es ganz einfach, Filme zu machen. Dafür lebe ich, ganz ehrlich. Es geht mir um den Vorgang, die Menschen und die Freiheit, sich etwas vorzustellen und seine Träume, Launen und verrückten Ideen zu nehmen und wahr werden zu lassen. Es geht um die Schauspieler und die Figuren und darum, der Welt ein paar Geschichten mit einer Moral zu schenken, die man gerne erzählen will. An einem Set bin ich niemals unglücklich. Das ist mein Theater unermesslicher Freude."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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