Austin Powers in Goldständer

Produktionsnotizen

Einsatzbesprechung "Austin Powers" war nie als Trilogie geplant, doch der überwältigende Erfolg der ersten beiden Filme und die enthusiastischen Fans sorgten dafür, dass jetzt der dritte Teil in die Kinos kommt. "dass derartige Zuschauermassen die ersten beiden Filme sehen wollten, hat mich völlig umgehauen", sagt Autor, Produzent und Hauptdarsteller Mike Myers. "Es gab nur einen einzigen Grund, den dritten Film zu drehen - wir verbeugen uns vor dem Publikum, das uns bei den ersten Filmen die Treue gehalten hat. Diesmal rollen wir die Geschichte von hinten auf und erklären, wie die Welten von Austin und Dr. Evil entstanden sind. Komischerweise war es ganz einfach, diese Handlungsstränge zusammenzuführen. Das Drehbuch ist das Ergebnis freier Assoziationen - je abgedrehter die Ideen, desto besser."

Myers verspürte überhaupt keine Lust, irgendeine Standardfortsetzung zu drehen - er bestand darauf, einen originellen neuen Ansatz zu entwickeln, der sich mit den Vorgängern messen kann. Sobald er ein konkretes Konzept zu Papier gebracht hatte, machte er sich mit Co-Autor Michael McCullers im März 2001 an die erste Drehbuchfassung.

"Mike hatte von Anfang an betont, dass er jede Fortsetzung ablehnen wird, wenn ihm nichts Originelles mehr einfällt", berichtet Produzent John Lyons, der 1998 auch schon Teil 2 produziert hat. "Austin ist seine Erfindung, und er glaubt fest daran, dass er eine Art Vertrag mit dem Publikum geschlossen hat. Er weiß genau, wie riesengroß die Erwartungen der Zuschauer sind - es wäre einfach zynisch zu glauben, sie würden nur deshalb ins Kino gehen, weil sie Teil 1 und 2 mögen. Unser gesamtes Filmteam wünscht sich nicht mehr und nicht weniger, als dass dieser Film der größte, beste und witzigste Teil der Trilogie wird."

"Dadurch sind wir echt herausgefordert", fügt er hinzu. "Es bedeutet nämlich: Die Messlatte liegt diesmal noch höher, aber die locker-flockige Atmosphäre der ersten beiden Filme mußs unbedingt erhalten bleiben. Doch Mike hat das im Griff - mit untrüglicher Sicherheit erkennt er den Knackpunkt einer Situation, packt die Gelegenheit beim Schopf und blödelt drauf los; er weiß, wie man Sternstunden der Popkultur durch den Fleischwolf dreht und sie auf zündende Gags reduziert. Egal über welche Epoche er schreibt - immer steht seine Story auf solidem Fundament, ohne nostalgisch zu wirken. Denn seine Ideen entstammen dem Hier und Jetzt, sind auf der Höhe unserer Zeit."

"Der erste Film hatte ungeheuer viel Charme, und der zweite war eine reine Komödie", sagt Co-Produzent Gregg Taylor. "Und jetzt im dritten Film versuchen wir beides zu kombinieren: eine Komödie, die aus vollem Herzen kommt."

"Die Serie funktioniert, weil sie so außergewöhnlich angelegt ist", sagt Regisseur Jay Roach. "Weil sie derart bizarr und abgedreht ist, waren die Zuschauer anfangs völlig sprachlos. Und unserem Held Austin kann sich niemand entziehen. Wir erwarten vom Publikum, dass es uns glaubt, Austin sei immer schon so wunschlos glücklich und zufrieden gewesen - irgendwie wurstelt er sich durch jedes noch so krasse Dilemma: Egal, wie katastrophal die Geschichte auch ausgeht, immer wird er sich durch die Erfahrung bestätigt sehen. Austin Powers ist der Bugs Bunny des Spionagethrillers."

"Dieses Konzept beherrscht den ganzen Film", fährt Roach fort. "All die anderen Filmfiguren empfinden genau wie Austin, sie jubeln ihm zu. Wo er auch hinkommt - die Frauen liegen ihm zu Füßen, und die Männer beneiden ihn. Das ist unsere These: ,Hier habt ihr unseren Mythos. Steigt mit ein!' Selbst wenn das Ganze ein Kunstprodukt ist. Auch für den dritten Film setzen wir keine Vorkenntnisse voraus - jeder Film erzählt eine in sich geschlossene Geschichte."

"Aber wie genau die Filme das Massenpublikum überzeugt haben, ist mir heute noch nicht ganz klar", gibt der Regisseur zu. "Wir haben nie erwartet, dass Austins Sprüche Teil der Umgangssprache werden, dass man seine Mätzchen imitiert - aber genau das macht den Erfolg der Mund-zu-Mund-Propaganda aus. Mikes Dynamik, Mikes Sprüche wirken ansteckend - besser kann man es nicht erklären."

Einsatzbefehl: Vorwärts in die Vergangenheit "Austin definiert sich darüber, dass er ständig Dr. Evil verfolgt", erklärt Mike Myers. "Ich will das nicht zu melodramatisch formulieren, aber in diesem Film konzentrieren wir uns auf das rituelle Leben jener Menschen, die gar nicht existieren würden, wenn sie kein Feindbild hätten. Es geht um Hoffnungen und Ängste, Wunschträume und ihre Verwirklichung, Ideale und Zielsetzungen. Wir wollen natürlich niemanden belehren, aber Comedy ist nun mal die Sprache, in der ich mich am liebsten mitteile - also transportieren wir diese Philosophie über den Humor."

Als Autor der Story zu Austin Powers in Goldständer bleibt Myers seiner Überzeugung treu, dass Comedy die schmackhafteste Art ist, eine Geschichte an den Mann zu bringen. "Die Komödie ist als Medium für universelle und abstrakte Ideen genauso legitim und funktioniert genauso effektiv wie jede andere Kunstform. Ich nenne das mal die Flintstones-Vitamin-Methode: Wir sollen Dino und Barney schlucken, ohne zu merken, dass wir dabei etwas für die Gesundheit tun."

Jay Roach drückt es so aus: "Ein Augenzwinkern ist immer dabei." "Uns gefiel die Idee, dass Austin sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen mußs", sagt Myers. "In seiner Karriere hat er alles erreicht, er wird von der Queen geadelt, aber sein Vater nimmt ihn immer noch nicht ernst. Aus der Sicht der Geschichte spielen wir in Bezug auf die familiären Defizite mit falschen Karten, bis sein Dad das endlich aufklärt. Austin ist nur deswegen Spion geworden, weil Nigel der höchstdekorierte und berühmteste britische Agent war. Austin hat immer nur versucht, die Anerkennung seines Vaters zu verdienen. Auf der Extravaganz-Skala steht Nigel etwa bei acht, also mußs Austin eine Zehn sein. Ständig versucht er, seinen Vater zu beeindrucken, und als Nigel von Goldständer gekidnappt und in die 70er-Jahre verschleppt wird, mußs Austin ihn retten. Doch als er Nigel dann begegnet, merkt Austin, dass sein Vater noch mehr auf Frauen steht als er selbst; auf unausstehliche Art reißt er sofort jede Situation an sich. Nigel nimmt Austin überhaupt nicht für voll, und Austin mußs damit fertig werden, dass er urplötzlich wieder wie ein kleines Kind behandelt wird."

"In unserem Film geht es eigentlich darum, dass ein Mann sein Selbstwertgefühl aufbaut, ohne dabei auf die Anerkennung seines Vaters zu warten", sagt Taylor abschließend. "Es ist natürlich ziemlich gewagt, von den Zuschauern zu erwarten, dass sie unsere Behauptung schlucken, Austin habe schon immer Probleme mit seinem Vater gehabt", sagt Roach. "Aber das gehört zu unserem Konzept: Alle drei Filme weben mit am großen Wandteppich des Triptychons. Austin ist so geworden, wie wir ihn kennen, weil er nie den Erwartungen seines Vaters entsprochen hat und diese Tatsache nun überkompensiert."

Um die beiden ersten Filme noch zu übertreffen, wollte Mike Myers unbedingt in noch einer weiteren Rolle auftreten: Das bedeutet, er spielt diesmal vier höchst unterschiedliche Figuren - davor würden die meisten Schauspieler zurückschrecken. Wie zuvor sehen wir ihn als Austin Powers, Dr. Evil und Fat Bastard, und jetzt erscheint er auch noch als neuestes Mitglied im Schurkenensemble, als Goldständer. Myers zögerte keine Sekunde, derart viele Rollen in einem Film zu verkörpern. Aber er gibt zu, dass sich diese Verpflichtung als höchst kompliziert herausstellte. "Zwei Rollen sind doppelt so schwierig wie eine, drei zehnmal so schwierig und vier fünfzigmal so kompliziert. Weil ich ein Dummbatz bin, mußs ich diese Zahlen alle mit meinen Fingern abzählen", lacht er.

dass Myers seinen Austin über alles schätzt, lässt sich nicht übersehen. Deutlich wird das an dem unermüdlichen und ansteckenden Optimismus des Serienhelden. Aber mit derselben offensichtlichen Begeisterung verbeißt er sich in die Darstellung des Dr. Evil. Selbst Myers' Bösewicht besitzt mitreißendes Charisma - kein teuflischer Plan ist zu abgedreht, kein Misserfolg entmutigend genug, um Evil von ständig neuen Weltherrschaftsplänen abzuhalten.

Jay Roach schätzt Dr. Evil mehr als alle anderen Filmfiguren: "Ich stehe auf den verdrehten Surrealismus, mit dem ein typischer B-Film-Schurke hier überhöht wird: Er schmiedet die wildesten Pläne, aber nichts läuft wie geplant. Und seine Helfershelfer sind ihm auch längst nicht so ergeben, wie es sich eigentlich gehört. Ich glaube, die Zuschauer haben vor allem an der abstrusen Ironie in Dr. Evil ihren Spaß. Er hat das Zeug zu einem Homer Simpson. Seine Familiengeschichte birgt jedenfalls genug Potenzial für noch viele weitere Geschichten. Das Liebesdreieck zwischen ihm, Mini Me und Scott hat fast Shakespearesche oder Coppola-Dimensionen: Da steckt ein bisschen vom ,Paten' drin."

Beim Storyentwurf für den dritten Film überlegten Myers und McCullers anfangs, ob sie Fat Bastard überhaupt wieder auftreten lassen wollten. Aber als dann klar wurde, dass ein Teil des Films in Japan spielen sollte, mußste er logischerweise auch dabei sein.

"Jay war von Tokio tief beeindruckt, als er vor ein paar Jahren einen seiner Filme dort vorstellte", sagt Myers. "Die Stadt bietet den perfekten Hintergrund, eine farbenprächtige Kulisse. Wir fanden es also ganz natürlich, dass Fat Bastard im Lauf der Geschichte als Sumo-Ringer auftritt. Wer könnte diese Aufgabe besser ausfüllen? Und mir bringt die Rolle viel Spaß, weil er ein wirkliches Ekel ist - da kann man mal den Fäkalhumor der Halbwüchsigen frei und ungehindert ausspielen."

Laut Drehbuch ist Johann van der Smut (oder Goldständer, wie er in der Unterwelt genannt wird) ein holländischer Metallexperte und Lebemann, der von Gold besessen ist, seit er seine Genitalien bei einem tragischen Schmelzunfall einbüßte. Die Idee zu seinem jüngsten Bösewicht kam Myers, als er sich auf HBO die beliebte Sendung "Real Sex" anschaute: Das Highlight war ein Bericht über einen exklusiven Sexclub in der Nähe von Amsterdam.

"Ich bin von europäischen Swingern völlig besessen", erklärt Myers. "Diese Typen tragen Tangas für Männer, haben ihre Lotion dabei und ziehen auch sofort ihre Badehose aus, nur um uns prüde Nordamerikaner dazu zu provozieren, dasselbe zu tun. Der Typ in der ,Real Sex'-Sendung wirkte wie eine Puppe. Er sah gar nicht besonders gut aus, war aber sehr von sich überzeugt und hielt sich für eine Sexmaschine. Er redete ganz abgeklärt über seine Sexfarm, in deren Stall 400 Jahre lang Kühe gehalten wurden. Doch jetzt ist sie eine ,Sexfarm nur für Paare'. Ich fand's toll, es war zum Schreien. In diesem Moment wurde Goldständer geboren."

"Goldständer stammt aus der Epoche nach der sexuellen Revolution und vor Aids - die Menschen lebten damals sexuell so freizügig und überdreht, dass sich daraus ein regelrechter Mythos entwickelt hat", sagt Roach. Die Filmemacher dachten sich eine ganze Reihe bizarrer Fetische für Goldständer aus: Zum Beispiel verspeist er gern seine nach dem Sonnenbrand abpellende Haut, er ist unglaublich wendig und geschickt, ganz zu Schweigen von seiner Begeisterung fürs Rollschuhlaufen.

Aber vor allem steht Goldständer auf Gold. Er hat vor, die Flugbahn eines Meteoriten zu manipulieren, der ganz aus Gold besteht: Der Meteorit soll auf der Erde einschlagen und durch die daraus resultierenden Flutwellen und Erdbeben praktisch die ganze Welt vernichten. Austin, Foxxy und Nigel versuchen gemeinsam Goldständers schurkischen Plan zu vereiteln und die Menschheit zu retten. Doch trotz der drohenden Apokalypse müssen sich Austin und Nigel endlich auch mit sich selbst auseinandersetzen.

Die Besetzung des Nigel Powers stand von Anfang an außer Frage: Wer könnte ihn besser spielen als Sir Michael Caine, der legendäre Star der beliebten 60er-Jahre-Thrillerserie um "Harry Palmer". Auch diese Filme gehören zu den vielen Vorbildern, die Myers und Roach beim Konzept des ursprünglichen "Austin Powers" benutzten. "Unsere Trilogie verdankt Michael Caine eine ganze Menge", sagt Roach. "Er ist die ideale Besetzung für Austins Vater, fügte sich so nahtlos ins Bild, dass wir nur staunten. Einfach perfekt. Er und Mike wirkten am Set wie Zwillinge, und ich dachte bloß: ,Warum sind wir nicht schon früher darauf gekommen?'"

"Nigel Powers ist noch mehr Austin als Austin selbst", beschreibt ihn der Regisseur. "Er wirkt wie eine Kreuzung aus Dean Martin und Engelbert Humperdinck mit einer Prise Tom Jones und Sean Connery - er sieht aus wie ein britischer Hugh Hefner; und Austin ist ganz das Ebenbild seines Vaters. Nigel hat dieselben Zähne, dieselbe Brille, und er zieht zwar nicht sein Hemd aus, aber wir wissen trotzdem, wie das Brusthaar darunter sprießt. Wenn man Nigel und Austin zusammen erlebt, wird einem ganz anders", lacht er.

Schon vor dem Rollenangebot schätzte Caine die ersten beiden "Austin Powers"-Filme sehr. "Ich habe mich prächtig amüsiert", sagt er. "Was die damalige Zeit angeht, trifft Mike den Nagel auf den Kopf - eine tolle Parodie. Als ich Austin mit der Brille zum erstenmal sah und kapierte, dass er ein Spion ist, mußste ich an mich selbst denken - sehr, sehr komisch. Er trifft die Atmosphäre genau, die Mode, das Design, die gesamten 60er-Jahre."

Bevor er an Bord kam, hatte Caine gerade eine Reihe dramatischer Filme gedreht - er nahm sich vor, mal wieder etwas Lustiges zu machen. "Aber eine derart abgedrehte Komödie war mir völlig neu", sagt er. "Ich mußste mich voll einsetzen, und tatsächlich war das Ganze eine irre Achterbahnfahrt, aber ich ließ mich durchaus nicht aus der Bahn werfen. In jedem Schauspieler steckt ein Stümper, und diesmal habe ich ihn herausgelassen", flachst Caine.

"Bei seinem ersten Auftritt im Film sehen wir Nigel mit vier Frauen auf einem Bett", fährt er fort. "Es besteht also kein Zweifel daran: Er ist ein Frauenheld. Nigel versucht aus seinem Sohn einen zweiten Nigel zu machen, aber als Vater versagt er kläglich. In Austins Kinderjahren ist Nigel lange Zeit fortgewesen. Weil er so geheimnisumwittert ist, wagt niemand ihn zu fragen, wo er denn gesteckt hat. Ich halte Nigel für einen Gauner - er hat alle getäuscht. Als ich damals die Harry-Palmer-Filme drehte, lernte ich etliche echte Spione kennen, und allesamt waren sie ziemlich halbseiden. Genau wie Nigel. Ich habe Austins Eigenarten und Macken so intensiv wie möglich imitiert, denn ich gehe davon aus, dass Austin sicher versucht hat, Nigel zu kopieren. Das war sehr lustig. Eine ungewohnte Erfahrung war das Sprechen mit dem falschen Gebiss. In einer Szene sollte Nigel wütend werden, und als ich das zum erstenmal probierte, flogen mir die Zähne aus dem Mund. Ohne mein Kostüm wollte ich auch die Zähne nicht tragen - ich hatte Angst, man würde sie für meine echten Zähne halten!"

" Michael Caine erinnert mich an meinen Vater", sagt Myers. "Er kann wunderbar erzählen und er hat ein ziemlich loses Mundwerk. Die Brille und die Zähne fand er toll, aber er hat sich auch gern über die Zähne beschwert - sehr komisch war es, wenn er damit fluchen wollte. Einmal saßen wir zusammen und ich fragte ihn, wie viele Filme er schon gedreht habe. Seine Antwort: ,Dies ist Nummer 141.' Er wusste die genaue Anzahl! Da dachte ich: ,Na ja, ich selbst habe acht oder zehn gedreht.' Selbst wenn ich übertreiben würde: ,25 oder 30', wäre er mir immer noch über 100 Filme voraus! Das ist eine ganze Menge!"

Als Austin seinen Vater aus den Krallen von Goldständer und Dr. Evil befreien will, hilft ihm seine frühere Partnerin, die schöne Foxxy Cleopatra. Vor Jahren sind Foxxy und Austin ein Team gewesen - als Profis und privat. Sie war seine letzte Freundin, bevor er 1967 auf der Jagd nach Dr. Evil eingefroren wurde.

"Als Austin im Jahr 1975 auftaucht, ist es acht Jahre her, dass er sie versetzt hat - Foxxy ist entsprechend sauer", erklärt Myers. "Kein einziger Telefonanruf in acht Jahren! Niemand lässt Foxxy Cleopatra im Regen stehen."

Die Filmemacher fanden die perfekte Cleopatra in der Leadsängerin der mehrfach mit Platin preisgekrönten Musikgruppe Destiny's Child: Als sie Beyoncé Knowles kennen lernten, gab es keinen Zweifel mehr - ihre Filmheldin stand in Fleisch und Blut vor ihnen. "Beyoncé gehört zu den aufregendsten Highlights unseres Films", erklärt Lyons.

"Bei ihr geht die Post ab", stimmt Roach zu. "Diese junge Frau ist ein Filmstar, auch wenn das im Augenblick noch nicht jeder weiß. Aber das wird sich sehr schnell ändern. Ich finde es sehr spannend, mit jemandem zu arbeiten, der gerade eine Weltkarriere startet. Beyoncé hat alles, was dazu gehört, ist einfach umwerfend komisch, kann singen und tanzen, behauptet sich auch in dramatischen Szenen, zeigt die ganze Bandbreite der Emotionen - sogar in einer Komödie wie unserer. Sie absolviert aufwändige und komplizierte Szenen und Slapstick-Situationen. Andererseits kann sie in ihren Reaktionen auch wunderbar subtil sein. Auf der Leinwand springt der Funke über - wie einst bei Lucille Ball, oder bei Cameron Diaz in ,Die Maske'."

"In meinen kühnsten Träumen hätte ich nie daran gedacht, in einem ,Austin Powers'-Film aufzutreten", sagt Knowles ehrlich und bescheiden. "Und schon gar nicht als Filmdebütantin. Unglaublich, dass ich mit all diesen wunderbaren und begabten Menschen zusammenarbeiten darf. Zunächst war ich echt nervös, aber alle Darstellerkollegen und auch das Filmteam sorgten dafür, dass ich mich wohlfühlte, und jetzt gehöre ich schon zur Familie."

" Mike Myers hat einfach ein sagenhaftes Gespür für Popkultur", stellt Lyons fest. "Das grenzt schon an mediale Fähigkeiten, an Wahrsagerei. Er ist dem Trend immer einen Schritt voraus; schon vor Jahren erkannte er die Bedeutung und den Einfluss des HipHop auf die Musik, das Kino, Kleidung und so weiter. Als wir uns in diesem Film nicht mehr den 60ern, sondern den 70ern zuwandten, wollte er mit Haut und Haaren in die abgedrehte Welt der Blaxploitation-Filme, des Action-Genres mit schwarzen Helden, eintauchen. Das Drehbuch war noch gar nicht geschrieben, da verlangte er schon eine Hauptdarstellerin à la Pam Grier. Tja, auf das Timing kommt es an. Gerade hatte ich mit Mike über dieses Thema gesprochen, da lief auf MTV die HipHop-Oper ,Carmen'. Zufällig war ich an dem Abend zu Hause und sah Beyoncé auf dem Bildschirm. Sie hat mich völlig umgehauen; ich konnte gar nicht fassen, wie überzeugend sie spielte. Ich hatte keine Ahnung, ob sie bereits schauspielerische Erfahrung vorweisen konnte. Bei ihrem Alter nahm ich aber an, dass sie noch nie gespielt hatte. Sie war erst 19, und später erfuhr ich, dass sie auch noch nie gerappt hatte, aber sie trat vor der Kamera derart selbstbewusst und locker auf, dass ihre Leistung völlig mühelos wirkte. Sofort war völlig klar, dass Mike und Jay sich das anschauen mußsten."

Bevor sie ihre Testaufnahmen drehte, besorgte sich Knowles alle verfügbaren Blaxploitationfilme und schaute sich auch noch einmal die beiden ersten "Austin Powers"-Filme an. Sie verzichtete beim Vorsprechen bewusst auf jede Imitation der damaligen Kostüme - vielmehr wollte sie das Produktionsteam mit ihrer Version von Foxxys aggressivem Auftreten überzeugen.

"Sie hat sich der damaligen Mode überhaupt nicht angepasst", erinnert sich Lyons. "Aber sie hatte die Filme voll drauf, die sie sich zu diesem Zweck angesehen hatte, und sie kombinierte Foxxys dynamische Unverfrorenheit und schnippische Aufmüpfigkeit mit genau dem richtigen Maß an Humor und Warmherzigkeit. Sie war sexy und lustig, hatte die Lacher auf ihrer Seite. Als sie den Raum verließ, waren sich alle einig: ,Die ist es.' Wir haben sie noch am selben Tag engagiert." Co-Autor Michael McCullers (der das Drehbuch zum kürzlich in den USA angelaufenen "Undercover Brother" mit Eddie Griffin geschrieben hat) schätzt die Blaxploitation-Filme der 70er-Jahre genau so sehr wie Myers - also bauten sie viele der typischen Genre-Versatzstücke in Austin Powers in Goldständer ein.

"Typisch für das Genre: Der Partner befindet sich auf einem Rachefeldzug", erklärt Myers. "Ob der Held nun als Cop arbeitet oder früher Cop war, ob er auf der anderen Seite des Gesetzes steht oder gar Spezialagent des FBI mit immer nur vage definiertem Auftrag ist - jedenfalls jagen sie immer den Schurken, der im Schwarzenviertel Drogen oder Waffen oder sonst was verkauft. Ich glaube, Cleopatra Jones arbeitet für das Büro des US-Präsidenten - was auch immer das sein mag -, auf jeden Fall hatte sie eine Dienstmarke, auf der stand: Büro des Präsidenten der Vereinigten Staaten", lacht er. "Foxxy setzt sich aus all diesen Heldinnen zusammen - starke und coole Frauen."

Myers hält sich mit Komplimenten für die Nachwuchsdarstellerin ebenfalls nicht zurück. "Mich hat echt beeindruckt, wie stark sich Beyoncé für unser Projekt engagiert hat", sagt er. "Dafür, dass sie noch so jung ist, arbeitet sie sehr konzentriert und zielgerichtet. Mensch, sogar meine Hockeyausrüstung ist älter als sie! Sie begreift sehr schnell, und was man ihr einmal sagt, hat sie drauf. Die Arbeit mit ihr kommt mir vor wie ein Hockey-Spiel, bei dem ein Typ unbedingt mitspielen möchte, den man nicht sofort erkennt; und dann erfährt man, dass er Wayne Gretzky heißt. Klar, Wayne, du darfst in meinem Team mitspielen. Beyoncé ist eine tolle Kollegin - mehr ist dazu nicht zu sagen."

Umgekehrt ist auch Knowles in Bezug auf Myers des Lobes voll: "Ein irre komischer Typ", bestätigt sie. "Ich mußste mir immer auf die Lippen beißen und im Kopf wiederholen: ,Ist gar nicht komisch, ist gar nicht komisch, ist gar nicht komisch.' Sonst hätte ich losgeprustet und die Einstellung ruiniert. Nur wenn selbst das Team nicht mehr an sich halten konnte und zu kichern anfing, habe ich mich auch nicht mehr zurückgehalten. Aus heiterem Himmel bringt Mike einen völlig abgedrehten Spruch, der überhaupt nichts mit dem Drehbuch zu tun hat, und ich mußs ihm dann irgendwie frech und patzig antworten. Wirklich nicht einfach, aber zum Brüllen komisch. Man weiß nie, woran man ist. Mike ist ein wunderbarer Schauspieler, sehr erfahren; er hat mir eine Menge beigebracht. Ich habe mich hingesetzt und ihm bei der Arbeit zugeschaut. Er hat bis heute keine Ahnung, was ich alles von ihm gelernt habe. Ich hätte mir für meinen ersten Film keinen besseren Partner wünschen können."

Eine neue Figur in Austin Powers in Goldständer ist auch der aus dem Fernsehen bekannte Fred Savage als "Nummer 3", ein Doppelagent, der in Dr. Evils Künstleragentur eingeschleust wird. "Nummer 3 arbeitet als Assistent von Nummer 2 in der Agentur Evil Hollywood", sagt Savage. "Er möchte es allen rechtmachen und legt sich ordentlich ins Zeug. Glücklicherweise war mein Gesicht am ersten Drehtag mit einer grinsenden Maske zugeklebt. Dahinter konnte ich mich verstecken - sonst hätte ich nicht an mich halten können. Ich hatte eben Glück. Das Tollste bei diesem Film: Ich kann den anderen beim Proben zuschauen - allein schon die Dreharbeiten zu erleben ist echt spannend. Ich habe allen Freunden von der Filmrolle erzählt, auch meine Eltern sind begeistert, und alle erwarten eine ausgelassene Schenkelklatschatmosphäre. Doch dann habe ich schnell gemerkt, wie ernsthaft und konzentriert am kleinsten Detail, an jedem Auftritt gearbeitet wird, hier geht niemand oberflächlich an den Film heran. Witzig wird das Ganze durch das große Engagement aller Beteiligten. Für mich war das eine ganz wunderbare Erfahrung."

"Als Fred für die Rolle vorsprach, überzeugte er uns derart, dass wir völlig vergaßen, dass er ja bereits ein etablierter Star ist", sagt Lyons. "Man konzentriert sich voll auf die Rolle und übersieht dabei, dass er schon an die 14 Jahre in der Branche arbeitet. Aber das wird ohnehin alles unwichtig, wenn man ihn derart subtil spielen sieht. Inzwischen ist er über 20, er erweitert sein Spektrum und spielt auch Figuren, die nichts mehr mit seinen bekannten Rollen zu tun haben. Fred erinnert mich an die Hollywood-Stars der alten Schule - er ist zurückhaltend und sehr höflich. Starallüren kennt er nicht. Seine ganz bodenständige Einstellung und seinen Fleiß empfinde ich als höchst angenehm."

Myers und Savage lernten sich schon vor einigen Jahren kennen. Damals spielte Savage gerade in der Hitserie "The Wonder Years" (Wunderbare Jahre) und trat neben Myers als Gastmoderator in einer Folge der legendäre Comedy-Show "Saturday Night Live" auf. "Fred war einer der besten Moderatoren der Show", sagt Myers. "Irre komisch, wirklich beeindruckend und trotzdem nett. Ich war sehr froh, als er sich bereit erklärte, Nummer 3 zu spielen, denn er ist ein hervorragender Komiker. Mit seinem Humor hat er unseren Film geadelt."

Weil Myers von Savages Auftritt als "Nummer 3" so begeistert war, beschloss er, ihm eine zusätzliche Szene zu schreiben und damit seine Rolle zu erweitern. Natürlich war Savage begeistert bei der Sache, und er behauptet steif und fest, dass sein Leberfleck mit jedem Drehtag größer wurde.

Die vierte neue Rolle ist der ehrgeizige Geschäftsmann Mr. Roboto. Auch dieses unbekannte Gesicht passt nahtlos ins Märchen von Austin und Dr. Evil. "Die Roboto-Figur entstand, weil ich mich immer schon dafür interessiert habe, was es eigentlich bedeutet, eine Unterwelt-Organisation logistisch im Griff zu behalten", berichtet Myers. "Man braucht Stechkarten, Schurkenuniformen, eine Schurken-Cafeteria, ballspielende Schurken, Schurken, soweit das Auge reicht. Und obwohl Tausende in dem Unternehmen mitarbeiten, mußs dessen Existenz völlig geheim bleiben. Im Kino erlebt man nie, dass in einem solchen Unterweltunternehmen auch mal die Grippe ausbricht oder Leute Ferien machen und für eine Urlaubsvertretung sorgen müssen. Irgendjemand mußs ja auch die Ausrüstung fabrizieren, die in den teuflischen Plänen des bösen Unternehmens zum Einsatz kommt. Wie wäre es also, wenn ein ebenso schurkischer Zulieferer namens Roboto in Japan lebt und den Leitstrahl Preparation H entwickelt."

"Mr. Roboto ist ein neuartiger Bösewicht zweiter Ordnung", beschreibt ihn Roach. "Er ist sehr ehrgeizig und entwickelt die Mechanik der teuflischen Pläne. Im Grunde ist er ein ganz gewiefter Unternehmer."

Nobu Matsuhisa ist kein Schauspielprofi, sondern ein international berühmter Koch und Besitzer einer weltweiten Kette von Nobelrestaurants, die seinen Namen tragen. "Nobu bekam die Rolle, weil er Japaner ist, und weil wir in seinem Restaurant, das immer überfüllt ist, auch Samstagabend um acht stets einen Tisch bekommen", lacht Myers. "Wir sind doch nicht blöd. Besseres Essen gibt es auf der ganzen Welt nicht."

Tatsächlich mußste Matsuhisa aber wie alle anderen Schauspieler vorsprechen. Bevor er in Austin Powers in Goldständer mitwirkte, spielte er schon eine kleine Rolle in Martin Scorseses "Casino", nachdem Robert De Niro ihn überredet hatte, seinen Job auch mal zu schwänzen und sich als Darsteller zu versuchen.

"Eines Abends flachste ich mit Mike Myers und Steven Spielberg herum, die mit ihren Familien bei mir aßen", sagt Matsuhisa. "Und ich meinte: ,Warum gebt ihr mir nicht mal eine Rolle?' Ich hatte meinen Scherz schon längst wieder vergessen, als ich Monate später von Mikes Leuten angerufen wurde. Also bin ich ein paar Mal zum Vorsprechen gegangen. Natürlich kenne ich die westlichen Karikaturen japanischer Geschäftsleute - und das habe ich ihnen geliefert. Nicht ganz einfach, aber ich habe mein Bestes gegeben. Und ich bin Mike für diese Chance dankbar. Das Schauspielen ist für mich eine ganz ungewohnte Herausforderung. Vielleicht sollte ich beim nächsten Film lieber die Kantine übernehmen", lacht er.

Die Fans kennen bereits die bewährten Akteure Verne Troyer (Mini Me), Seth Green (Scott Evil), Robert Wagner (Nummer 2) und Mindy Sterling (Frau Farbissina), die den Geschäftsbereich in Dr. Evils Reich abdecken, außerdem Michael York als Austins Chef Basil Exposition. Regisseur Jay Roach sieht diese etablierten Figuren als wichtige Basis, auf der Myers und er selbst mit abgedrehten Handlungsentwürfen experimentieren können.

"Wir hoffen sehr, dass Scott, Frau, Mini Me, Nummer 2, Basil und Fat Bastard auch diesmal als Familienmitglieder oder gute Freunde aufgenommen und akzeptiert werden", sagt Roach. "Die Zuschauer sollen spüren, dass sie sich auf bestimmte Grundwerte in Austin Powers' Welt fest verlassen können. Doch wie in jedem guten Varieté passiert natürlich auch etwas Unvorhergesehenes - neue Gesichter müssen auftauchen und für Überraschungen sorgen. Das kann man mit einer Rockband auf ihrer aktuellen Tournee vergleichen: Sicher mußs die Gruppe ihre größten Hits spielen, denn das erwartet das Publikum. Und mit etwas Glück klingen die Klassiker besser als je zuvor. Aber ein paar völlig neue Songs mußs es auch geben, damit sich dieses Konzert von allen anderen unterscheidet."

Die Filmemacher nahmen sich vor, das Genre des Spionagethrillers ordentlich aufzumischen, indem sie sich tiefer in die Vorgeschichte ihrer Helden vorwagten. Ein Sprichwort sagt, dass auch die beste Komödie immer von der Realität ausgeht. Und so wird es auch den Zuschauern gehen, wenn sie auf der Leinwand typische Familienkonstellationen erleben, die sich allerdings unter äußerst bizarren Umständen entfalten.

"Alle Figuren haben sich seit dem letzten Film ein wenig weiter entwickelt", sagt Myers. "Beispielsweise hassen sich Scott und Mini Me nach wie vor, aber der ewige Kampf, die Foltermethoden erreichen diesmal eine neue Dimension."

"Es ist schwer zu beschreiben, was mit Mini Me passiert, weil er eine ziemlich einschneidende Verwandlung durchmacht", sagt Darsteller Verne Troyer. "Er verändert sich innerlich und äußerlich - und er ist durchaus nicht der Einzige, dem das auf die eine oder andere Art widerfährt. Mini Me spricht nicht und äußert sich nur mit Gesten - dadurch wirkt er viel eindringlicher, als wenn er sagen könnte, dass er sich abgelehnt fühlt, traurig oder schockiert ist. Der Zuschauer weiß immer ganz genau, woran er mit Mini Me ist, denn sein Gesicht spricht Bände."

"Verne hat viele Fans", stellt Roach fest. "Jede kleine Szene, jede seiner Reaktionen verwandelt er in ein extravagantes Mienenspiel, das die gesamte Interaktion der Familie widerspiegelt. Das wirkt auf der Leinwand so dynamisch und lebendig, dass er scheinbar viel umfangreichere Szenen spielt, als das tatsächlich der Fall ist. Wir haben ungeheuer viel Zeit damit verbracht, gute Schauspieler, gute Komiker, gute ,Typen' auszusuchen. Doch wer in unserem Comedy-Tennismatch mithalten will, mußs alles drei sein - denn das Improvisieren am Set eines ,Austin Powers'-Films ist ein hektischer Ballwechsel. Seth Green hat sich als umwerfender Spieler qualifiziert. Er weiß, wie man sich behauptet, und er überwindet das Klischee jener stereotypen Generation, der er angeblich angehört."

"Was Seth aus Scott macht, hat mir von Anfang an gefallen", sagt Myers. "Aber was er diesmal liefert, ist echt genial. 30 Prozent der Szenen zwischen Seth und mir sind improvisiert. All das ,Nicht doch, Scotty!' und ,Halt die Klappe!' haben wir spontan erfunden. Das verdanken wir Jay: Er schafft am Set eine spielerische Atmosphäre, die uns Platz lässt, herumzublödeln und Spaß zu haben. Ohne das richtige Ambiente würde das nicht funktionieren."

"Seit jeher schätze ich Comedy-Shows wie ,Saturday Night Live', in denen Konventionen oder die heiligen Kühe unserer Alltagskultur durch den Kakao gezogen werden", sagt Seth Green. "Anfangs waren wir gar nicht so sicher, ob die Zuschauer die Gags überhaupt mitbekommen würden. Doch wir hatten Glück: Die Filmemacher suchten die richtigen Schauspieler aus, wir hatten den richtigen Regisseur; Sets, Licht und Musik - alles stimmte. Echt beeindruckend. Es war allein schon sehr befriedigend, bei den Dreharbeiten einfach nur zuzuschauen - wir wussten einfach, dass der Film gut wird. Ich versuche das Projekt zu unterstützen, indem ich immer mein Bestes gebe. Jede Fortsetzung nimmt die etablierten witzigen Ideen wieder auf und entwickelt sie weiter - durch unsere Teamarbeit erreichen die Gags ganz neue Dimensionen - niemals bringen wir nur einen Aufguss der alten Geschichten. Einen großen Anteil am Erfolg der ,Austin Powers'-Filme hat auch der Umstand, dass die Figuren immer als Menschen gezeigt werden. Sogar in dieser verrückten und fiktiven Welt erleben wir echte Gefühle und eine natürliche Weiterentwicklung im Leben der Helden."

Robert Wagner gilt als einer der freundlichsten Menschen von Hollywood. Sein Publikum ist ihm über Jahrzehnte treu geblieben. Mit der "Austin Powers"-Serie begeistert er nun eine neue Generation von Fans, die viele seiner früheren Filme und Serien gar nicht kennen. dass er auch bei der "Generation X" und den noch Jüngeren so beliebt ist, überrascht seine größten Fans überhaupt nicht: seine Töchter Katie, Natasha und Courtney.

"Wenn ich in einem Restaurant sitze, gibt es immer ein paar Kids, die mich anstarren", sagt Wagner mit einem Augenzwinkern. "Und dann kommen sie schließlich an meinen Tisch und fragen mich, ob ich ,Nummer 2' bin. Dann halte ich mir ein Auge zu, halte zwei Finger nach oben und sage: ,Ja, ich bin Nummer 2', oder sie zitieren den Satz: ,Benehmt euch, Babys, benehmt euch!' Das ist toll; für mich gibt es nichts Schöneres."

"Ich verdanke Mike so viel", fährt Wagner fort. "Es ist traumhaft, an einem Phänomen teilzuhaben, das eine derartige Dynamik entwickelt und weltweit ankommt. Der Inhalt spielt dabei gar keine Rolle. Weil das Ganze so überkandidelt ist, können wir Schauspieler hemmungslos vom Leder ziehen. Denn gerade weil die Filme derart abgedreht sind, rufen sie dieses Echo hervor. Das haut mich einfach um."

Nummer 2 hat sich in den letzten drei Jahren eifrig um Dr. Evils Geschäftsinteressen gekümmert. "Während sich Dr. Evil im Gefängnis ausruht, baut Nummer 2 einen neuen Geschäftszweig auf: die Evil-Künstleragentur", sagt Wagner. "Sie konkurriert heftig mit den großen Agenturen ICM, CAA, Endeavor, UTA und William Morris. Laut Nummer 2 kann man auf die Art massenweise legal Geld verdienen und trotzdem den hohen Standard eines Unterwelt-Unternehmens aufrecht erhalten. Natürlich betreut sie äußerst interessante Künstler", lacht er.

"Robert Wagner und Michael York sind Hollywoods Crème de la Crème", sagt Lyons. Sie stehen für Stil, Klasse und das Profi-Verhalten alter Schule. Etwas Besseres hat die Filmbranche nicht zu bieten - sie bringen die Aura der Filmgeschichte mit ans Set. Jeder arbeitet gern mit ihnen zusammen, und sie bilden in jeder Szene einen guten Gegenpol zu Mike und seinen verrückten Mätzchen. Sie lassen sich genauso wenig aus der Ruhe bringen wie die Figuren, die sie darstellen."

Michael York kann auf eine lange und außergewöhnliche Karriere zurückblicken - meist ist er in dramatischen Filmen aufgetreten. Er hat sich nie vorstellen können, dass er je zum inneren Kreis der "Austin Powers"-Trilogie gehören würde. "Niemand konnte ahnen, welchen Riesenerfolg der erste Film haben würde, dass er eine Serie nach sich ziehen würde", sagt York. "Und ich habe auch nicht den Eindruck, dass es schon vorbei ist. Ein ausgeflippter, sehr interessanter Trip. Hut ab vor Mike Myers und Jay Roach. Mike ist ein Genie. Das ursprüngliche Drehbuch hat nicht viel mit dem fertigen Film zu tun, weil Mike und Jay ihre Kollegen dazu einladen, sich selbst mit einzubringen. Mike ermutigt uns immer wieder, selbst Vorschläge zu machen, und Jay überwacht jedes noch so kleine Detail; die Atmosphäre am Set ist konzentriert, aber äußerst angenehm. Ein reger Ideenaustausch."

Über seine Rolle sagt York: "Wie der Name Basil Exposition schon andeutet, kann er jede Situation umfassend analysieren. Immer wenn die Story irgendwie verfahren ist, erscheint Basil und erläutert dem Publikum, was an Informationen nötig ist oder was jetzt passieren mußs. Erst dann kann die Handlung weitergehen - Basil ist also völlig unverzichtbar."

Mindy Sterling spielt auch diesmal die zugeknöpfte Frau Farbissina. Als Dr. Evils glühende Verehrerin nimmt sie in seinem Gefängnis die Besuche wahr, die einer Ehefrau zustehen. Wie jede gute Mutter hofft sie, dass Dr. Evil und Scotty sich irgendwann versöhnen werden und eine teuflisch gesunde und fruchtbare Vater-Sohn-Beziehung entwickeln. "Frau Farbissina ist eine typische Genre-Figur", sagt Roach. "Sie ist das Muttertier unserer Addams-Family."

"Frau Farbissina spielt in Dr. Evils Leben eine wichtige Rolle", erklärt Mindy Sterling. "Als einzige Frau in dieser Außenseiterbande bringt sie die weiblichen Gefühle ins Spiel, sie beurteilt die Dinge weniger harsch. Sie hält die Bösewichte in Schach. Wer über die Stränge schlägt, wird von ihr zur Ordnung gerufen. Sie entscheidet, wenn es reicht. Und sie richtet das schurkische Hauptquartier ein."

Die Fans werden befriedigt zur Kenntnis nehmen, dass Frau Farbissina ihr typisches Kreischen beibehält. "Ich habe keine Ahnung, wie dieser Schrei entstanden ist", sagt Sterling. "Jedenfalls habe ich ihn nie bewusst geplant. Mir fiel nur plötzlich ein: ,Was gibt es Grässlicheres als ein schrilles Kreischen?' Das war nur einer unserer Versuche, der sich dann bewährt hat. Ich schreie auch heute noch so, wenn ich mal richtig in Rage gerate", lacht sie.

Austin Powers in Goldständer stellt etliche neue Gesichter vor, die den Zuschauern wahrscheinlich bekannt vorkommen. Die Besetzungschefs Juel Bestrop und Jeanne McCarthy mußsten auch diesmal Wunder vollbringen - was ihnen bei "Spion in geheimer Missionarsstellung" bereits so überzeugend gelungen war. Zusammen mit ihrer Partnerin Blythe Cappello putzten Bestrop und McCarthy Klinken bei allen Agenturen und testeten auf der Suche nach jugendlichen Versionen von Austin Powers und Dr. Evil buchstäblich Hunderte von Bewerbern. Schließlich fiel die Entscheidung zugunsten der Newcomer Aaron Himelstein und Josh Zuckerman. "Sicher wünschen sich Tausende von Kids, Austin und Dr. Evil darzustellen", sagt Roach. "Aber die wenigsten könnten Mike darstellerisch das Wasser reichen - das ist nämlich gar nicht so einfach, wie es aussieht. Denn es geht natürlich nicht nur darum, wie Mike Sprüche zu klopfen. Die Jugendlichen sollen ihm ja auch im Erscheinungsbild und in der Gestik ähneln. Bis wir Aaron und Josh fanden, überlegten wir ernsthaft, ob Mike nicht einfach eine digital bearbeitete Version seiner selbst spielen sollte."

"Ähnlich überzeugen uns Evan Farmer als junger Nummer 2 und Eddie Adams als junger Basil", sagt Lyons. "Evans Stimme ist Roberts Timbre zum Verwechseln ähnlich - einfach unglaublich. Sowohl Robert als auch Michael York waren neugierig und besuchten das Set, wo wir diese Szenen ganz am Anfang der Dreharbeiten aufnahmen - ich glaube, sie trauten ihren Augen genauso wenig wie wir." "Die Kids haben echt den Vogel abgeschossen", lobt Myers. "Das war schon richtig unheimlich." Roach wundert sich gar nicht darüber, dass sich die Nebendarsteller derartiger Beliebtheit erfreuen: "Wenn ich die alten Hitchcock-Filme anschaue, fällt mir auf, wie sorgfältig er jede einzelne Rolle besetzt hat, manchmal sogar die Statisten. Juel und Jeanne kümmern sich ebenso intensiv um ihre Aufgabe, und ein Großteil unseres Erfolges verdanken wir ihnen."

Kein Geheimnis wird in Hollywood lange gewahrt, obwohl die Produktion sich bemühte, die vielen Gaststarauftritte in "Austin Powers in Goldständer" unter Verschluss zu halten. Auch als die Liste mit den Superstarnamen in der Presse veröffentlicht wurde, versuchten die Filmemacher ungerührt, so viel wie möglich vom Überraschungseffekt zu retten, um dem Publikum etwas zu bieten. Darsteller und Kollegen hielten dicht, und so blieben Einzelheiten über die Cameos geheim.

"Es macht doch gerade den Reiz dieser Art Filme aus, dass man immer wieder verblüfft wird", sagt Lyons. "Natürlich ist es enttäuschend, wenn dem Publikum der Spaß verdorben wird. Bei einem Film dieser Größenordnung war es erstaunlich genug, dass nicht mehr durchsickerte. Das haben wir zum größten Teil unserem außergewöhnlichen Darsteller- und Produktionsteam zu verdanken."

Die Katze ist sozusagen aus dem Sack. Hier also ohne weitere Umschweife die Liste der Gaststars Es treten auf: Der grösste männliche Kassenmagnet seiner Generation; Hollywoods liebenswertester Giftzwerg und Ex-"Pinguin"; der einzige berühmte "Q", der nicht im Auftrag ihrer Majestät tätig ist; der erfolgreichste männliche Musical-Star des Broadways; die Sippe eines Ex-Heavy-Metal-Rockers, die bei MTV ihre eigene Sitcom hat; eine blonde Oscar-Preisträgerin, die Shakespeare liebt; Hollywoods Charakterdarsteller Nummer Eins (oder Nummer "Seven"?); eine Teen-Queen, die - oops - es immer wieder tut; der berühmteste Regisseur seit Hitchcock; und der Mann, der alle paar Jahre das Cool-Sein neu erfindet (sei es als Disco-Tänzer oder Berufskiller).

"Der einzige Grund, den dritten Film zu drehen: Wir wollten den Erfolg des zweiten übertreffen", sagt Myers. "Also haben wir alle Komik-Register gezogen. Nach dem Motto: Wenn du sie ins Drehbuch schreibst, dann kommen sie auch! Also haben wir alle Weltstars in die Eröffnungssequenz des Skripts eingefügt. Alle, die wir ansprachen, waren einverstanden - niemand hat abgelehnt. Ich konnte es nicht fassen, aber alle sind sie Austin-Fans - damit mußs mein kleiner kanadischer Verstand erstmal fertig werden", flachst Myers.

Die Produzenten John Lyons und Eric McLeod versuchten das Unmögliche, den knappen Drehplan mit dem vollen Terminkalender jedes einzelnen Stars abzustimmen. Die aufwändige Szene verlangte, dass der grösste männliche Kassenmagnet seiner Generation, Hollywoods liebenswertester Giftzwerg und Ex-"Pinguin", die blonde Oscar-Preisträgerin, die Shakespeare liebt; Hollywoods Charakterdarsteller Nummer Eins (oder Nummer "Seven"?), der berühmteste Regisseur seit Hitchcock und Myers mit einem großen Tanzensemble und vielen Statisten gleichzeitig auftraten. Lyons versprach jedem Beteiligten, dass die gesamte Szene nur ein paar Stunden eines einzigen Drehtags beanspruchen würde - ein praktisch unmögliches Unterfangen, wie jeder Brancheninsider bestätigen wird.

Gedreht wurde am 29. November 2001 in der "New Yorker Straße" auf dem Außengelände der Paramount Studios. Jay Roach schüttelt heute nur den Kopf und sagt ganz nüchtern: "Es war der stressigste und schweißtreibendste Drehtag meiner Karriere."

"Wenn ich heute daran zurückdenke, glaube ich immer noch nicht, dass alles geklappt hat", sagt Lyons. "Es war so unwirklich. Die Vorbereitungen hatten derart lange gedauert, und die Szene war wirklich der Schlüssel zur gesamten Handlung. Dann - nach sechs Stunden - war alles vorbei." Quincy Jones' ironischer "Soul Bossa Nova" war zwar in den ersten beiden Filmen verwendet worden, aber diesmal wollten die Filmemacher ihm für seinen Beitrag mit einem besonderen, eigenen Auftritt vor der Kamera danken.

"Das ist als Verbeugung vor Quincy gedacht", sagt Myers. "In den ersten Filmen hat er nicht mitgespielt - das war keine Absicht, sondern Zufall. Aber das wollten wir nachholen: Also besuchen wir ihn in der Eröffnung und sagen hi."

Im Laufe der Dreharbeiten zeichnete sich ab, dass die bekannte "Today"-Show-Moderatorin Katie Couric (NBC) ans Set kommen würde. John Lyons nahm erstaunt zur Kenntnis, dass sie bisher nur ganz wenige Set-Besuche gemacht hat. Er setzte das Räderwerk in Bewegung, und schon war ein weiterer Gastauftritt perfekt. Couric bekam die Starbehandlung - einen Tag lang wurden ihr ständig nur Streiche gespielt - aber sie schlug sich tapfer und überzeugte auch als umwerfende Gefängniswärterin. In "Austin Powers in Goldständer" gibt Couric ihr Filmdebüt.

Lyons ist es auch zu verdanken, dass sich sein alter Freund Nathan Lane bereit erklärte, als "geheimnisvoller Disco-Mann" im Studio 69, Goldständers Rollschuh-Disco, aufzutreten. Lane nahm sich einen Kurzurlaub von seiner erfolgreichen Broadways-Show "The Producers", um für einen Abend ans Set zu kommen - die höchst komplizierte Szene zeigt Foxxy und Austin bei ihrem ersten Wiedersehen.

"Die Arbeit mit John Lyons ist immer ein Vergnügen", sagt Myers. "Er ist mit Haut und Haaren Produzent: Ein echter Profi, liebenswürdig und hochbegabt. Ich vertraue seinem Instinkt ohne Einschränkungen."

Bei allen drei Filmen hat Regisseur Jay Roach schon in derAnfangsphase an der Entwicklung des Drehbuchs mitgewirkt. Als Myers 1996 Gespräche mit Dutzenden von möglichen Regisseuren führte, die für den ersten Film "Austin Powers - Das Schärfste, was Ihre Majestät zu bieten hat" in Frage kamen, beeindruckte ihn sofort, wie engagiert sich Roach in den Stoff einarbeitete und wie sorgfältig er sich um jedes Detail kümmerte - in dieser Hinsicht sind sich die beiden Freunde sehr ähnlich.

"Als wir uns trafen, brachte Jay seine Notizen mit - zehn Schreibmaschinenseiten", sagt Myers voller Hochachtung. "Ich habe sehr, sehr viele Regisseure gesprochen, aber so hat sich keiner vorbereitet. Seine Notizen bezogen sich konkret auf das Drehbuch; er hat ein großartiges Gespür für Geschichten, Humor und ein ebenso untrügliches Gespür für Kinobilder. Wir können beide über die Spionage-Parodien lachen, begeistern uns für die "James Bond"-Serie und die "Derek Flint"-Filme. Wir stehen auf den Stil des 60er-Jahre-Kinos. Wir ziehen einfach am selben Strang. Die Atmosphäre des Films, die Bewegungsabläufe und Ausstattung - das ist weitgehend Jays Vision da oben auf der Leinwand. Ich habe in meiner ganzen Karriere mit niemandem derart gut zusammengearbeitet. Jay ist ein kluger Kopf, ein cooler Typ. Er hat mir eine Menge beigebracht."

"Wir haben ständig neue Ideen für den nächsten Film durchprobiert", gibt Roach zu. "Wir überlegten tatsächlich, wie Dr. Evil sich wohl in einem Seniorenheim verhalten würde. Was wäre, wenn er im Zeugenschutzprogramm eine neue Identität bekäme oder vielleicht die Leitung eines Supermarkts übernehmen müsste?" lacht er. "Was wäre, wenn Scott Evil plötzlich Sonny Corleone wird und seinen eigenen teuflischen Plan entwickelt, um Austin Powers aufzuhalten? Letztlich geht es immer um die Zuschauer. Wenn sie lange und laut genug klatschen, dann verdienen sie wohl auch eine weitere Zugabe. Es liegt an ihnen."

Strategische Manöver, Taktik & Modus operandi Die Dreharbeiten begannen am 26. November 2001 in Los Angeles. Der gesamte Film entstand in der Stadt und in der weiteren Umgebung. Zu den Schauplätzen zählen das Greystone Mansion in Beverly Hills; Edisons Elektrizitätswerk Eagle Rock; das frisch renovierte legendäre Kino Grauman's Chinese Theater und der Arena Nightclub in Hollywood; eine stillgelegte Nasa-Boeing-Fabrik in Downey; das alte Herald-Examiner-Gebäude, das Biltmore Hotel, das Grand Olympic Auditorium und das Orpheum Theater im Zentrum von Los Angeles sowie der Barker-Hangar in Santa Monica. Auch Sets auf dem Außengelände der Paramount Pictures und Warner Bros. Studios kamen zum Einsatz. In der zweiten Phase der Dreharbeiten filmte das Team in den neuen Studios "The Lot" in West Hollywood. Nachdem die eigentlichen Dreharbeiten Ende April abgeschlossen waren, drehte das 2. Drehteam fünf Tage lang die Stuntsequenz für die Anfangsszene in Moab/Utah.

"Unser Film hängt entscheidend von den Einfällen ab, die wir vor Ort beim Drehen entwickeln", sagt Roach. "Deswegen brauchen wir eine äußerst reaktionsschnelle Crew, viele Kameras gleichzeitig und eine Menge Rohfilm, damit wir wie bei einer Safari auf jede Situation vorbereitet sind - genau wie bei einer Stegreif-Comedy. Auch Stil kann sehr witzig sein. Meine Vorbilder sind Woody Allens ,Schläfer' oder ,Manhattan', die irre komisch sind, aber auch stilistisch eine klare Handschrift aufweisen. ,Manhattan' ist jedenfalls einer der schönsten Filme überhaupt. Ich habe einst als Kameramann angefangen, mich interessiert also, dem Film von Anfang an einen bestimmten Look zu verpassen, und ich weiß natürlich auch, dass dabei das Budget immer eine wesentliche Rolle spielt.

Es dauert eben seine Zeit, bestimmte Farbnuancen und -kombinationen auszuprobieren; manchmal mußs man die Entwürfe ändern, wenn sie nicht das gewünschte Ergebnis bringen - das kann viel Geld kosten. Zu meiner Aufgabe gehört unter anderem auch, das Studio davon zu überzeugen, dass die ganze Mühe sich am Schluss lohnen wird. Wenn man die Komik auch im Stil suchen will, braucht man Mitarbeiter, die sich für die Ästhetik der Übertreibung begeistern können, die auch Spaß an absurden Stilbrüchen haben. In dieser Hinsicht funktioniert unser Team absolut auf einer Wellenlänge."

"Erstaunlich, wie viele Hände nötig sind, um Austin Powers auf die Leinwand zu befördern", sagt Myers. Ohne unsere zahllosen fähigen Mitarbeiter wäre Jays und mein Traum immer ein Traum geblieben. Das sind Pioniere, Erfinder, Handwerker, und ich bin immer wieder überrascht darüber, wie sie auch unsere verrücktesten Ideen in konkrete Bilder umsetzen. Ich stehe tief in ihrer Schuld."

Kameramann Peter Deming lieferte schon die Bilder des ursprünglichen "Austin Powers - Das Schärfste, was Ihre Majestät zu bieten hat". Deming las das Drehbuch und wollte sofort dabeisein. "Das Konzept einer James-Bond-Parodie gefiel mir", sagt er. "Ich würde liebend gern einen Bond-Film drehen, und da dachte ich mir: Eine bessere Chance werde ich wohl kaum bekommen."

Laut Jay Roach ist "Peter zu allem fähig. Er hat ein tolles Gespür für das Absurde - in dramatischen und auch komischen Situationen. Ich kann mich auf ihn verlassen, denn er hat das Konzept des Films vollkommen verinnerlicht. Er kann das Licht setzen, um dem Film einen David-Lynch-Touch oder Phil-Kaufmann-Stil zu verpassen. Auch im letzten Moment ist er für meine Ideen immer empfänglich. Wenn eine Szene für eine Kamera ausgeleuchtet ist und wir uns plötzlich eine völlig andere Perspektive ausdenken, dann braucht er nur eine Viertelstunde, und die Beleuchtung ist auch dafür absolut perfekt eingerichtet."

"Jay, Mike und ich haben uns alle Filme mit James Bond, Matt Helm und Derek Flint angeschaut", sagt Deming. "Sie alle beweisen einen ausgeprägten Stilwillen, auch wenn wir die Beleuchtung nicht nachmachen wollten, denn damals setzte man sehr starke Scheinwerfer ein, die tiefe Schatten warfen."

Deming und Produktionsdesigner Rusty Smith haben zwar schon "Austin Powers"-Erfahrung, jedoch noch nicht zusammen gearbeitet. Beide sind aber mit dem Stil bestens vertraut, der zum Synonym der "Austin Powers"-Serie geworden ist. "In jedem Fall bemühen wir uns, Ken Adam unsere Reverenz zu erweisen - er war der Produktionsdesigner der Bond-Filme", erklärt Smith. "In diesen Filmen liegt der Schwerpunkt auf ,exotisch': je größer, prächtiger, überwältigender, desto besser." Roach bevorzugt riesige Räume - an Originalschauplätzen, in Lagerhallen oder auch im Studio. Sein Mantra: Man kann einen Saal jederzeit kleiner machen, aber ein kleiner Raum sieht nie größer aus, als er ist.

"Ich wollte unbedingt im Breitwandformat drehen", sagt Deming. "Wir vermeiden außerdem unnatürliche Blickwinkel von unten oder oben; nichts soll vom komischen Geschehen im Bild ablenken. Aber die Ausleuchtung, die Bildkomposition, die Breitwand - solche einfachen Techniken tragen zur Atmosphäre der Bond-Filme bei."

"Schon gleich zu Anfang zeigte Jay mir Ausschnitte aus Beyoncés erster Filmszene, in der sie singt", berichtet Smith begeistert, und er lobt Demings Arbeit: "Ausleuchtung und Kamera sind einfach atemberaubend. Die Einstellung wirkte wie ein Plakat für ,Hair' - in warmen Goldtönen, sehr ansprechend."

"Komödien dauern selten länger als 90 Minuten - wir haben also nicht sehr viel Zeit, selbstverliebte Kameraeinstellungen zu drehen - sie würden schnell aus dem Film fliegen", lacht Deming. "Beim Final Cut kämpft man immer um diese paar Sekunden. Zwei Worte spielten beim Dreh die entscheidende Rolle: ,Größer' und ,besser'. Der Anspruch erhöht sich also im Vergleich zum vorigen Film ganz ungeheuer. Mich hat das besonders irritiert, weil ich nur den ersten Teil gemacht habe, und jeder Film hat sich im Vergleich zum Vorgänger exponentiell verbessert. Das braucht Zeit und Geduld. Das Team war toll, und wir haben uns prächtig amüsiert, aber wir haben auch die Angst und die Langeweile erlebt, wie sie beim Filmemachen in Hollywood nun mal üblich sind. Doch wenn es lustig wurde, war es wirklich lustig!" berichtet Deming. "Komödien sind ein hartes Geschäft."

"Weil wir ständig in der Zeit hin- und herreisen, verlangte Mike, dass in jeder Szene eindeutig klar wird, in welcher Epoche wir uns gerade befinden", erklärt Smith. "Ich sorge also dafür, dass sich der Zuschauer jeden Schauplatz ganz leicht einprägen kann, damit er automatisch weiß, woran er ist."

"Wir haben uns genau abgesprochen", sagt Deming. "Dr. Evils Welt wird von einer spezifischen Atmosphäre geprägt, die sich von Austins Welt abhebt - das kommt in der Ausstattung und in den Kostümen zum Ausdruck. Dr. Evils Welt erscheint einfarbig, blaue Töne herrschen vor, alles ist aus Stahl. In Austins Welt, vor allem in seinem Apartment, lassen wir unserer Fantasie freien Lauf. Nachdem wir wochenlang im U-Boot-Set gedreht hatten und dann in Austins Wohnung kamen, erlebte sogar die Crew das wie einen Schock - alle machten große Augen und sagten ,WOW'!"

In "Spion in geheimer Missionarsstellung" war Austins Wohnung der Gegenwart ganz in Weiß gehalten, doch diesmal verwandelte Smith das Apartment "in eine Mischung aus dem 60er-Jahre-Stil und der Moderne - lustige, knallige Farben". Außerdem schlug Roach vor, dass Smith den Grundriss des Apartments in Form der menschlichen Gestalt anlegte. "Rusty hat bunte Sets mit wunderbaren Spielecken für Austin gebaut", sagt Myers. "Der ganze Film ist in jeder Hinsicht mindestens eine Nummer größer als der vorige, also ufern auch die Bauten und die Ausstattung seiner Sets noch mehr aus, wirken noch extravaganter."

"In Austins Welt geht es um bunte Farben und hemmungslosen Spieltrieb", sagt Lyons. "Bei Dr. Evil lautet die Prämisse: Alles ist sehr kompliziert und überorganisiert - wegen all der technischen Finessen verliert Dr. Evil schnell die Übersicht. Bei unglaublich vielen Ideen und Details orientiert Rusty sich an Mikes und Jays filmischen Vorbildern, aber er variiert jede Einzelheit, um dem Ganzen eine ausgesprochen eigene Atmosphäre zu verleihen. Seine Sets sind sehr originell, total modern."

"Wir brauchten ein neues Hauptquartier für Dr. Evil, und es sollte tierisch komisch sein", sagt Roach. "Einen Vulkan und eine Mondbasis hatten wir schon verwendet, also mußste sich Rusty etwas ganz Einzigartiges ausdenken. Sein Sohn steht auf U-Boote, und das brachte uns auf die Idee - eine Superkulisse für die Kommandozentrale. Weil Evil ein größenwahnsinniger Narziss ist, haben wir das U-Boot seinem Körper nachgebildet - mit seinem Riesengesicht als Bug. Rusty baute ein absolut traumhaftes, gigantisches Set - groß wie eine Sporthalle oder ein Zeppelin-Hangar. Irgendwie gibt es reichlich Platz - ganz im Gegensatz zum ,Boot'", lacht er.

"Auf das U-Boot-Set bin ich besonders stolz", sagt Smith. "Wir mußsten die Körperform etwas stilisieren, wir wollten nicht, dass das Boot wie ein Abguss aussah. Wir mußsten die Schultern und das Rückgrat bedenken, und in einer bestimmten Phase waren sogar die Hinterbacken ausgearbeitet", lacht der Designer. "Es ist sehr schwierig, organische Körperformen in dieser Größenordnung zu gestalten."

Die Maskenbildnerin Michele Burke und die für Frisuren zuständige Candy Walken entwarfen den Look der neuen Figuren, aber sie überarbeiteten auch das Aussehen der schon bekannten Mitwirkenden. "Bei jedem Make-up übertreiben wir ein wenig", sagt Burke. "So ähnlich würde man auch bei einer Bühnenshow oder Pantomime vorgehen. Überall glänzt und blinkt es, auch die Wimpern sind bunt gefärbt - eine Kreuzung zwischen Mary Quant und Twiggy. Sogar Frau Farbissina sieht diesmal echt cool aus. Sie verändert ihr Aussehen ständig - anfangs ist sie sehr zugeknöpft, in der nächsten Szene wirkt sie schon sehr schick, fast ein bisschen zu schillernd, und dann wechselt sie zu einem strengeren, militärischen Look. Auch Scott Evil wird das Publikum überraschen: Er verwandelt sich im Laufe der Handlung völlig - was Seth besonders Spaß macht. Natürlich ist jede Figur schon vor langer Zeit definiert worden, aber mit viel Sorgfalt haben wir versucht, auch Austin und Dr. Evil aufzupeppen und noch raffinierter zu gestalten."

Beim Konzept von Goldständers Äußerem ging es weniger darum, besonders kreative Ideen umzusetzen - "Reduzieren" war die Parole. "Weil ich schon drei andere Rollen spiele, wollten wir diesmal eine neue Richtung einschlagen", sagt Myers. "Dr. Evil hat eine Glatze, Austin dichtes Haar und Fat Bastard einen Rotschopf, also entschieden wir uns für blondes, schütteres Haar. Alle Figuren haben normale Haut, deswegen fand ich, dass er Hautprobleme haben sollte, und Gregg Taylor dachte sich aus, er sollte die abpellende Haut essen. Goldständer bekommt ein größeres Kinn und grüne Augen, weil die anderen blau- oder braunäugig sind. Notwendigerweise mußs Goldständer sich deutlich unterscheiden: Daraus ergab sich ein Prozess des Weglassens."

Howard Berger und Chris Nelson von der Trickschmiede KNB Effects verwendeten für Fat Bastard das ursprüngliche Stan-Winston-Make-up und dieselbe Maske, doch sie überarbeiteten sein Overall-Outfit, um es bequemer für Myers zu machen, der es teilweise viele Stunden tragen mußste. KNB lieferte auch ein zweites, völlig neues Outfit für die beliebte Figur, bei dem den Zuschauern die Augen übergehen werden. Die Szenen mit Fat Bastard wurden schon gleich zu Anfang der Dreharbeiten gedreht, damit sich Myers' zahlreiche ermüdende Rollenwechsel etwas besser verteilten.

Kostümbildnerin Deena Appel ist eine wahre Künstlerin - sie macht ihrer Zunft alle Ehre: Sie liefert das komplette Design ihrer Figuren, wählt spezielle Stoffe aus, testet Farbmuster und Kombinationen, fertigt passende Accessoires an, sogar Schmuck, um jeder Figur gerecht zu werden. "Ich bin als Fan genauso begeistert von Austin und seiner Welt wie alle anderen auch", sagt sie. "Aber aus meiner Warte liest sich das Drehbuch gar nicht so leicht. Schon auf Seite 3 wird mir mulmig: Die Story entwickelt sich und springt hin und her - alles kommt vor: die 50er-Jahre, die 60er, die 70er, plötzlich sind wir im Tokio des Jahres 2002. Da steht man schnell vor einer turmhohen Aufgabe, die Ideen überschlagen sich. Die verschiedenen Epochen bereiten mir echt Kopfzerbrechen, weil wir ja jeder Zeit gerecht werden wollen, und jede Ära soll hinreißend aussehen."

"Richtig schwierig wird es, wenn wir eine bunte Welt entwerfen sollen, die sich von anderen absetzt", fährt Appel fort. "Bei Farben wird es kompliziert, ob man nun bestimmte Farben einsetzt oder sie bewusst weglässt - sie sind ein Hilfsmittel, um Geschichten zu erzählen. Wir entschieden uns also für eine begrenzte Farbpalette: Goldschattierungen, Avocado, dunkles Orange. Diese Farben haben wir mit so viel Gold gemischt, wie wir unterbringen konnten. Die Kleider sollen originell und sexy sein und dürfen auf keinen Fall altmodisch wirken."

In Dr. Evils Umgebung hielt Appel sich an die bereits in zwei Filmen bewährte Methode, alle Outfits weitgehend einfarbig zu gestalten. "Glücklicherweise bleibt uns immer Dr. Evils Welt, durch die wir die bunten Farben all der anderen Schauplätze unterbrechen", erklärt Appel. "Da fehlen die Farben völlig. Wir verwenden Silber, Schwarz und Grau und spielen mit den Stoffen, die neuartig und futuristisch anmuten. Mit den Stoffen fängt alles an."

"Deenas besonderes Talent besteht darin, Kostümentwürfe, vor allem bei historischen Kostümen, fast wie in einem Cartoon zu übertreiben", sagt Lyons. "Ihre Kostüme sind lustig, haben Witz, aber sie lassen sich sehr gut tragen, und im Fall unserer Hauptdarstellerinnen sind sie sehr sexy. Viele ihrer Entwürfe sind inzwischen Klassiker - sobald Austins Silhouette am Horizont auftaucht, weiß man sofort: Das ist Austin. Es kommt nicht oft vor, dass ein Kleidungsstück so untrennbar mit seinem Darsteller verbunden ist."

"Deena erreicht mit ihren leicht übertriebenen Kostümen für Beyoncé wirklich außergewöhnliche Effekte", sagt Roach. "Bei ihrem ersten Auftritt in der Roller-Disco könnte Beyoncé glatt als Cleopatra durchgehen. Deena macht keine halben Sachen, und wir haben diesen Look ausstatterisch unterstützt und eingerahmt, so dass die Szene wie aus einem Guss aussieht, das Auge erfreut und die Zuschauer das Zusammenspiel, die Farbpalette und den Rhythmus der Kostüme voll genießen können. Auf der anderen Seite schrecken wir nicht davor zurück, Goldständer einen Hosenlatz zu verpassen, der, nun ja, ziemlich zotig ist, und das Publikum zum Lachen bringt."

"So heiße Outfits, wie Foxxy sie trägt, habe ich lange nicht mehr gesehen", sagt Knowles über ihre Kostüme. "Ich fand immer die Kleider toll, die meine Mutter in den 70ern getragen hat: verrückte Sachen mit Leder und Fransen, Farben und wilden Mustern, Plateauschuhen und gewaltigen Ohrringen. Foxxy treibt sogar diesen Stil noch auf die Spitze. Ich träume echt davon, eine so scharfzüngige Braut wie Foxxy zu sein. Sie hat Grips und Muckis, sie lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen, ist dabei aber sexy und feminin: Coole Klamotten formen den Charakter. Ich finde Deenas Enwürfe echt spitze."

Myers pflichtet ihr bei: "Deena liefert mit ihren Kostümen ganze Arbeit - wie schon bei den ersten beiden Filmen, aber diesmal hat sie sich wirklich selbst übertroffen." Wie Appel hat auch die Choreografin Marguerite Derricks bei allen drei "Austin Powers"-Filmen in vorderster Front mitgemischt. "Was Marguerite für die Trilogie leistet, kann man gar nicht hoch genug einschätzen", stellt Myers fest. "Sie lebt für den Tanz, und ihr Enthusiasmus überträgt sich direkt auf alle Musiknummern."

"In diesem Film spielt der Tanz eine ganz entscheidende Rolle - wie in einem Mini-Musical", sagt Derricks. "Eine schönere Arbeit als mit Mike und Jay kann sich ein Choreograf gar nicht vorstellen. Mein größtes Problem lag allein darin, mich nicht zu wiederholen. Die Eröffnungsnummer gefällt mir am besten, weil ich da wirklich zeigen darf, was ich leisten kann - die Sequenz wechselt ständig den Schauplatz, und jeder erfordert einen völlig anderen Tanzstil." "Erst seit ich mit Marguerite arbeite, verstehe ich wirklich, wie sehr eine Choreografie die Story bereichern kann", sagt Roach. "Die Tanznummern liefern nicht nur spektakuläre Bilder, sie bringen uns auch zum Lachen. Wenn Mike seine eigenen exzentrischen Ideen in die Choreografie einbaut und sich selbst einbringt, erinnert das an Dick Van Dyke oder Charlie Chaplin. In jedem Film sollen diese Sequenzen größeren Raum bekommen."

Deswegen setzt Roach seinen Star Myers bei jeder neuen Fortsetzung mehr unter Druck: mehr Musikeinlagen! Myers kann sehr gut Rollschuh laufen - deswegen fand Roach es naheliegend, eine aufwändige Roller-Disco-Sequenz mit komplizierten Rollschuh-Stunts einzubauen. "Ich mag die entsprechende Szene in Charlie Chaplins Film ,Moderne Zeiten' besonders - es gibt kaum etwas Schöneres", schwärmt Roach. "Mike ist ein Meister auf Rollschuhen und überhaupt sehr sportlich. Als er vor ein paar Jahren bei der Verleihung der MTV Movie Awards die Michael-Flatley-Nummer hinlegte, hat mich das umgehauen. Also habe ich ihn immer wieder gedrängt, doch mal ein Roller-Disco-Ding im Stil von Busby Berkeley zu machen."

Derricks engagierte 17 Rollschuhprofis und zusätzlich zwei Rollschuh-Stuntdoubles für Myers. Die hatten aber wenig zu tun, weil Myers die meisten seiner Gags höchstpersönlich ausführt. Derricks kann zwar selbst nicht Rollschuh laufen, aber sie inszenierte trotzdem alle Läufer in einer atemberaubenden Sequenz, die Goldständer einen großen Auftritt beschert.

"Ich habe genau erklärt, wie ich mir die Szene vorstelle, und die Profis haben das umgesetzt", erklärt sie. "Wie die herumwirbeln, ist einfach erstaunlich. Sie führten mir Tricks vor, und ich wählte einige davon aus, die sie Jay und Mike demonstrierten - bei den beiden lag dann die endgültige Entscheidung. Die richtige Mischung besteht aus Choreografie und Stunts. Als Goldständer gibt Mike den perfekten Rollschuhtänzer - und als Austin mußs er sich dann völlig unbedarft anstellen, was sehr viel schwerer ist, denn gerade wenn er ,außer Kontrolle' gerät, mußs er sich besonders unter Kontrolle haben."

"Ursprünglich wollten wir eher einen Action-Film drehen", erklärt Roach. "Aber in ,Austin Powers' hat die Musik immer schon eine große Rolle gespielt, und deswegen wollten wir diesen Aspekt mehr herausarbeiten. Ich betonte immer wieder, wie hervorragend Mike tanzt, er kann Stepptanz, den Swing, ist bereit, alles auszuprobieren - dadurch unterscheidet er sich völlig von dem, was andere Komiker heutzutage anstellen. Nichts würde ich lieber inszenieren als ,Austin Powers - Das Musical' am Broadway!"

Lizenz zum Tröten: Der Soundtrack Musik spielt in Austin Powers in Goldständer also eine Hauptrolle. John Houlihan war in allen drei Filmen für die Überwachung der Musik zuständig - er hatte diesmal besonders viel zu tun und hat auch mehr Anerkennung erhalten als sonst.

"Um die Musik kümmert man sich beim Film grundsätzlich zuletzt", erklärt Houlihan. "Dabei spielt sie eine absolut entscheidende Rolle, denn sie kann eine Szene atmosphärisch dramatisch verändern. Die Arbeit mit Jay, Mike und John ist für mich persönlich sehr befriedigend, weil die drei wirklich viel Ahnung von Musik haben. Mike ist noch dazu ein hervorragender Musiker." Beim ersten Film fühlte Houlihan sich wie in einer künstlerischen Seifenblase isoliert. Er hatte schon Schwierigkeiten, die Verantwortlichen bei den Plattenfirmen dazu zu bringen, ihn zurückzurufen. Das alles ist längst Vergangenheit.

"Bei den ersten beiden Filmen mußste ich mich wie sauer Bier anpreisen", erinnert sich Houlihan. "Doch bei diesem Film war es wunderbar zu erleben, wie viele Künstler von selbst ihre Mitarbeit anboten. Sie wissen genau, wie sehr Mike Musiker schätzt, und die HipHop-Gemeinde steht besonders auf Dr. Evil. Bei Teil 3 läuft also plötzlich alles wie am Schnürchen; sehr angenehm, diese Dynamik, dieses Engagement zu spüren."

Die Verantwortung für die Auswahl der unterschiedlichsten Titel teilt Houlihan sich mit dem Executive Producer des Soundtracks, Danny Bramson. "Uns ist ein stimmiger, cooler, sehr zeitgemäßer ,Austin Powers'-Soundtrack gelungen, der eine ganz neue musikalische Richtung einschlägt", fährt Houlihan fort. "Vorne weg natürlich Beyoncé. Wir spielen Disco und Funk und bringen als Zugaben ein paar melodische Schlaglichter."

Beyoncé Knowles singt "Hey, Goldmember", ein Mix aus drei Songs von K.C. and the Sunshine Band, zu denen Mike Myers und Paul Myers neue parodistische Texte geschrieben haben: K.C. war mit der neuen Fassung seiner Hits hundertprozentig einverstanden. Knowles stellt außerdem ihren extra für den Film geschriebenen Titel "Work It Out" vor. Damit gibt sie ihr Debüt als Solosängerin, und der Song ist auch auf ihrer ersten Solo-CD enthalten, die im Herbst erscheint.

Mike Myers, Matthew Sweet, Susanna Hoffs (The Bangels), Stuart Johnson und Chris Ward bilden die Musikgruppe Ming Tea. Myers und Sweet schrieben gemeinsam "Daddy Wasn't There", Austins Ode an seinen abwesenden Vater. Laut Roach sollte dieser Titel "eine ganz besondere Dynamik bekommen, um die Handlung voranzutreiben".

"Austins Band spielt diesen Song auf der Party, nachdem er zum Ritter geschlagen worden ist", sagt Myers. "Damit wird deutlich, welche Minderwertigkeitskomplexe Austin hat, weil Nigel sich bei diesem einmaligen Erlebnis seines Sohnes nicht blicken lässt. Nigel ist eben kein idealer Vater."

Britney Spears gehört auch zu den berühmten Gesichtern, die in Austin Powers in Goldständer auftauchen. Sie tritt in einer Musical-Tanznummer mit Austin als sie selbst auf und singt ihren Hit "Boys".

Neben dem besonderen Remix von "Boys" (an dem auch Pharrell Williams von N.E.R.D. beteiligt ist), sind in "Austin Powers in Goldständer" exklusive neue Titel der Rolling Stones (ein Remix des Dr.-Dre-Klassikers "Miss You"), Smash Mouth, Soul Hooligan mit Diana King, Angie Stone, Earth, Wind and Fire, Paul Oakenfold und Susanna Hoffs zu hören. Dr. Evil singt seine Ghetto-Hymne "Hard Knock Life". Die CD enthält zusätzlich das Ming-Tea-Musik-Video zu "Daddy Wasn't There". Harte Männer tanzen doch natürlich kommt kein Spionagethriller ohne etliche mitreißende Verfolgungsjagden und atemberaubende Action-Sequenzen aus.

Die Verantwortung für die zahlreichen Stuntszenen des Films übernimmt Stunt-Coordinator Jack Gill, der außerdem als Regisseur des 2. Drehteams fungiert. Gill entwarf die spektakuläre Eröffnungssequenz, in der die Weltklasse-Fallschirmspringer Eli Thompson und Fritz Pfnur aus einem Helikopter abspringen und in einem fahrenden Jaguar XK8 Cabrio landen, der von einem versteckten Stuntfahrer gelenkt wird.

Gill lieferte Stunts jeden Typs und jeder Größenordnung: Chinesische Luftkapriolen an Drahtseilen, Sumo-Kämpfe, eine Verfolgungsjagd zwischen Autos, Motorrädern und Helikoptern, eine Schießerei, Rollschuhakrobatik plus etliche klassische Roller-Derby-Kollisionen, Standard-Kampfszenen mit gymnastischen Einlagen und Stürzen, außerdem arbeitete er bei etlichen der Tanznummern eng mit Choreografin Marguerite Derricks zusammen.

Auch der eigenwillige Einsatz von Autos ist aus keinem "Austin Powers"-Film wegzudenken. Roach und Myers forderten den für die Wagen zuständigen Josh Hancock auf, die in den ersten beiden Filmen aufgestellten Maßstäbe mit prunkvollen Straßenkreuzern möglichst noch zu übertreffen. Austins berüchtigter Shaguar ist wieder im Einsatz: ein klassischer XKE in den Farben des Union Jack; aber auch ein neueres Modell, der XK8. Austins Zeitmaschine hat sich erheblich weiterentwickelt: Aus dem kompakten VW-Käfer wurde der Vater der 70er-Jahre-Cadillacs - ausgerüstet mit allen Finessen einer Protzkarosse. Nigel Powers fährt den Mini Cooper von BMW, denn, wie er sagt: "Nicht auf die Größe kommt es an, sondern was man draus macht." Doch genau wie der Wagen seines Sohnes prunkt sein Mini in den britischen Farben. Goldständer besitzt einen auf ihn persönlich zugeschnittenen elektrischen Corbin Sparrow. Sein Zulieferer Mr. Roboto befehligt in der Schurkenfabrik eine ganze Flotte dieser Gefährte - allerdings bescheidener in Ausstattung und Farbe. Außerdem brettern die neuesten BMW- und Dukati-Motorräder sowie die heißesten Vespas über die Leinwand.

Über 300 Einstellungen mit visuellen Effekten finden in Austin Powers in Goldständer Verwendung. "Mir fällt keine einzige Szene ein, die nicht auch einen Effekt enthält", sagt der für die Tricks verantwortliche Dave Johnson. "Viele Einstellungen haben wir gedreht, um in die jeweilige Szene einzuführen, die haben also zunächst gar nichts mit dem Humor des Films zu tun. Doch auch bei ganz normalen Einstellungen haben wir uns bemüht, die Sache aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten - wir haben uns immer gefragt: ,Wie könnte man das witzig gestalten?'"

Bestimmte Standardeinstellungen entstanden, um die im Studio vor dem neutralen Green-Screen gedrehten Szenen mit einem entsprechenden Hintergrund zu versehen - wie etwa im Rap-Video von Dr. Evil. Durch andere Bildmanipulationen entfernte man die im Bild sichtbaren Drähte in den Stuntszenen. Oder umgekehrt: Beim Kampf Fat Bastard gegen Austin wurden die Drähte als Gag per Trick extra eingefügt! Mit sehr komplizierten Trickeinstellungen baute man Dr. Evils U-Boot-Festung in die Unterwasserjagd ein. Jede Unterwasserszene wurde künstlich gestaltet, zunächst das U-Boot und der Mini Cooper selbst, dann die Luftblasen, die aus den "Luken" des U-Boots aufsteigen, bis hin zu kleinen im Wasser schwebenden Partikeln. Johnson und seine Crew brachten es sogar fertig, Bilder zu erzeugen, die so aussehen, als ob eine Unterwasser-Kamera sie aufgenommen hätte - die entsprechenden Bewegungen des Kameramanns sind ebenso zu sehen wie die sich verändernde Brennweite, die die Meeresströmung markiert.

"Jay und Mike überwachen diese mit Effekten gestalteten ,Außenansichten' mit der gleichen Intensität und Detailbesessenheit wie bei ihrer Arbeit mit Rusty und Peter im Studio, wenn es um die Ausstattung und Atmosphäre der als reales Set aufgebauten Evil-Zentrale geht", sagt Johnson. Cutter Jon Poll und Toncutter Greg Hayden, die bereits an "Spion in geheimer Missionarsstellung" mitwirkten, sind wieder dabei und fügten die vielen Einzelteile dieses noch gigantischeren Projekts zu einem Ganzen zusammen.

"Manchmal kamen wir uns vor, als ob wir uns mühsam durch einen Produktionssumpf kämpfen mußsten", sagt Roach. "Das Make-up, die Doubles, die Tricks, der Schnitt, die Kombination all der Figuren, die Mike einzeln spielen mußs - all das kostet viel Zeit. Aber es hat sich wirklich gelohnt." "Interessant wird es, wenn man sich ein Ziel setzt und dann alles versucht, um es auch zu erreichen", sagt Myers abschließend. "Das hat Jay mir beigebracht: Wir legen unsere Zielvorstellungen im Detail fest - und mit sehr viel Mühe übertreffen wir dann unsere Erwartungen sogar. Wenn das Publikum beim Anschauen von Austin Powers in Goldständer genauso viel Spaß hat wie wir beim Drehen, dann haben wir unser Ziel erreicht."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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