Die göttlichen Geheimnisse der Ya Ya Schwestern

Produktionsnotizen

"Geschichten über den Mutter-Tochter-Konflikt wird es immer geben", sagt Callie Khouri, die das Drehbuch zu Die göttlichen Geheimnisse der Ya Ya Schwestern schrieb und erstmals auch die Regie übernahm. "Das Thema ist einfach zeitlos. Um die Relationen zu begreifen, mußs Sidda zunächst die Persönlichkeit ihrer Mutter verstehen lernen, die ja nicht nur Mutter ist, sondern auch eine Frau, ein eigenständiger Mensch."


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Was die Ya-Yas zu diesem Prozess beitragen können, spielt eine ganz entscheidende Rolle. Denn ohne ihre Hilfe würden weder Sidda noch ihre Mutter den notwendigen ersten Schritt tun, um die Kluft zwischen ihnen zu überwinden. Das kapiert jeder, nur die beiden selbst nicht. Wie die Mutter, so die Tochter. Sandra Bullock, die Sidda spielt, beschreibt das so: "Sidda bildet sich ein, der Apfel sei weit vom Stamm gefallen - aber das stimmt gar nicht."

Die Ya-Yas führen einen recht rabiaten Plan aus, um die beiden Kampfhähne wieder zusammenzubringen, denn sie wissen genau, was sie dazu anstellen müssen. In 60 gemeinsamen Jahren haben sie gelernt, mit Vivis Launen, dramatischen Exzessen und Entgleisungen umzugehen. Denn sie wissen auch, dass unter der komplizierten Schale eine sanfte Seele wohnt, die liebevoll und mitfühlend sein kann und äußerst empfindsam ist.

Offensichtlich wird es höchste Zeit, dass Sidda auch diese Seite ihrer Mutter kennenlernt. Aber wie soll man so etwas erklären, wenn Vivi ständig den Hörer auf die Gabel knallt und ihrer undankbaren Tochter mit Enterbung droht? Die Ya-Yas geloben jedenfalls, dass sie alles in ihrer Macht stehende versuchen werden.

"Es geht durchaus nicht nur um Mütter und Töchter", sagt Produzentin Bonnie Bruckheimer. "Vielmehr möchten wir eine Lanze für jene guten Freunde in unserem Leben brechen, die uns zu unserer Selbsterkenntnis verhelfen."

Von den Buchseiten des Bestsellers auf die Leinwand

1997, im Urlaub in Idaho, las Produzentin Bonnie Bruckheimer Rebecca Wells' Roman "Die göttlichen Geheimnisse der Ya-Ya-Schwestern" und war hingerissen. Laut Bruckheimer demonstriert die Geschichte humorvoll und einfühlsam, "dass alle Beteiligten aus der Rückschau reifer Erwachsener entscheidende Jugenderlebnisse verarbeiten möchten - man mußs nur begreifen, dass brüchige Beziehungen durchaus gekittet werden können: Das Leben geht nämlich weiter."

Bruckheimer pflegt mit zwei ihrer Schulkameradinnen nach wie vor eine enge Freundschaft - sie hat selbst erfahren, wie viel Kraft in einer solchen Verbindung stecken kann. "Wir fahren auch heute noch gemeinsam in Urlaub und rufen uns fast täglich an", sagt sie. "Ich weiß nicht, was ich ohne sie angefangen hätte. Sie sind meine Ya-Yas."

1988 produzierte Bruckheimer den Film "Beaches" (Freundinnen), an den sich die Fans erinnern, weil er für wahre Freundschaft eintritt. Immer wieder fühlt sich Bruckheimer durch die emotionale Reaktion der Zuschauer auf "Freundinnen" bestätigt. "Mir haben Frauen berichtet, dass sie sich den Film einmal im Jahr gemeinsam mit ihren besten Freundinnen anschauen", berichtet sie. "Es geht nichts über die Erfahrung, jemanden ganz persönlich zu beeinflussen. Und diese Saite wird auch unser jetziger Film zum Klingen bringen."

Bruckheimer mußste annehmen, dass die Filmrechte des Buchs längst vergeben waren. Nach ein paar Anrufen erfuhr sie, dass es zwar Angebote gab, aber glücklicherweise noch kein Vertrag geschlossen war. "Ich habe Rebecca erzählt, wie sehr mich ihr Buch aufgewühlt hat", erinnert sich die Produzentin. "Also gab sie mir den Zuschlag. Ich machte dann mit dem Projekt meine Runde in den Studios, und sie wusste ganz genau: Falls ich irgendwann heulend bei ihr antraben würde, weil alle Studios abwinkten, würde ich dennoch weiterhin alles daransetzen, die Produktion auf die Beine zu stellen."

Den Produktionsvertrag schloss sie dann mit Warner Bros. Pictures.

Produzent Hunt Lowrys erste Begegnung mit Die göttlichen Geheimnisse der Ya Ya Schwestern verlief anders: "Zunächst las meine Frau den Roman", erzählt er. "Und dann begann sie, mir Abschnitte daraus laut vorzulesen. Ständig sagte sie, was für ein toller Filmstoff das doch sei - und ich war ganz ihrer Meinung." Lowrys Firma Pandora hat unter dem Dach von Gaylord Films gerade die erfolgreiche Teenager-Lovestory "A Walk to Remember" in die US-Kinos gebracht, sie beruht auf dem Bestseller von Nicholas Sparks.

"Ich fragte nach und erfuhr, dass Warner Bros. Pictures die Filmrechte besitzt und Bonnie Bruckheimers Firma den Film vorbereitete", erinnert sich Lowry. "Unsere Firma Gaylord hatte gerade einen Vertrag mit dem Studio geschlossen, und als einen der ersten Titel brachte Produktionschef Lorenzo di Bonaventura Die göttlichen Geheimnisse der Ya Ya Schwestern ins Gespräch. Als er erwähnte, dass auch Callie Khouri beteiligt war, sagte ich nur: ,Du kannst auf uns zählen - das Projekt müssen wir unbedingt machen!'"

Khouri war mit ihrem Oscar-preisgekrönten Drehbuch "Thelma and Louise" berühmt geworden - zweimal bekam sie das Angebot, den Roman von Rebecca Wells für die Leinwand aufzubereiten, aber beide Male war sie gerade durch andere Projekte verhindert. Bruckheimer hatte die Filmrechte zusammen mit ihrer Produktionspartnerin Bette Midler gekauft und wollte unbedingt sofort mit der Arbeit beginnen. Deshalb engagierte sie den Co-Autor von "Besser geht's nicht", Mark Andrus, um eine Kinofassung vorzubereiten. Mittlerweile fand auch Khouri wieder Zeit und erklärte sich nicht nur bereit, das Drehbuch zu schreiben, sondern sie wollte mit "Die göttlichen Geheimnisse" auch ihr Regiedebüt geben.

Khouri bezeichnet ihren Film zwar als Liebesarbeit, aber dennoch erwies sich die Bearbeitung der Story als gar nicht so einfach. "Der Roman ist 350 Seiten stark", erklärt sie. "Man mußs also kürzen. Die Filmfassung stellte sich als sehr kompliziert heraus, und Mark Andrus hat dabei hervorragende Arbeit geleistet, auch wenn ich seiner Version schließlich eine etwas andere Richtung gegeben habe. Wir beide versuchen die Hauptfiguren etwas aktiver zu gestalten, doch ohne auf die Dialoge zu verzichten, über die sie sich definieren."

"Im Zentrum der Geschichte steht die Erkenntnis, dass bestimmte Menschen uns in schwierigen Lebensphasen helfen müssen, weil wir sie allein nicht bewältigen können", fährt Khouri fort. "Sie unterstützen uns mit ihrer Liebe, ihrem Humor, ihrer Treue. So definiert sich Freundschaft im Sinne der Ya-Yas." Und Lowry fügt hinzu: "Eine Ya-Ya-Schwester geht mit dir durch dick und dünn - man wächst mit ihr zusammen wie mit einem siamesischen Zwilling: Sie bilden eine Seelengemeinschaft."

Die göttlichen Geheimnisse der Ya Ya Schwestern beginnt Ende der 30er-Jahre und endet Mitte der 90er. Wir erleben die Hauptfiguren als Kinder, als junge Erwachsene und bis in ihre reiferen Jahre - die Geschichte ist nahtlos durch viele Rückblenden verwoben. Khouri entwickelte vor allem den Ehrgeiz, "diese große Zeitspanne glaubhaft zu präsentieren: Jede Epoche mußs in sich überzeugen, und die Hauptfiguren sollen in jedem Lebensalter realistisch erscheinen."

In Bezug auf die 60 Jahre der Spielhandlung und die komplexen Charaktere der Heldinnen sagt Lowry: "Obwohl Callie erstmals Regie führt, ließ sie sich von der großen Herausforderung nicht einschüchtern. Ich spürte schon bei unserer ersten Begegnung, dass sie den Gehalt und die Leidenschaft der Geschichte voll verinnerlicht hatte. Nach fünf Minuten in Callies Gegenwart merkt man deutlich, dass sie selbst eine Ya-Ya-Schwester ist."

Ya-Ya-Schwestern im Trio

Sehr viel Energie investierten die Filmemacher in die Besetzung der Ya-Ya-Schwestern. "Drei Gruppen von Schauspielerinnen spielen die Hauptrollen zu verschiedenen Zeiten", erklärt Bruckheimer. "Wir erleben Vivi als kleines Mädchen, als junge Frau und im reifen Alter. Vor allem müssen sich die drei ähneln, um bruchlose Übergange in der Entwicklung der Rolle zu gewährleisten."

Beim Vorsprechen der kleinen Mädchen entdeckten die Filmemacher viele, die ein hervorragendes schauspielerisches Talent mitbrachten, aber das allein reichte nicht, denn sie mußsten außerdem den erwachsenen Ya-Ya-Schwestern ähnlich sehen: Ellen Burstyn, Fionnula Flanagan, Shirley Knight und Maggie Smith.

Khouri legte großen Wert darauf, dass sich alle zwölf Ya-Ya-Schwestern vor Beginn der Dreharbeiten intensiv kennenlernten. "Neben der physischen Ähnlichkeit mußsten sie sich auch im persönlichen Ausdruck angleichen - dass schafft man ganz subtil durch gewisse Gesten, die immer wieder auftauchen - in der Kindheit, im Erwachsenenalter und in den reifen Jahren. Das mußste in der Gruppe geklärt werden, bevor die Aufnahmen begannen."

"Ich habe mir noch nie eine Rolle mit zwei anderen Schauspielerinnen geteilt", sagt Ellen Burstyn, die die heutige Vivi darstellt. "Wir drei trafen uns vor Drehbeginn in meinem Haus in Kalifornien. Wir diskutierten Körperhaltung und Rhythmus, alles, was wir angleichen können, um ähnlicher zu erscheinen. Ich habe unser Gespräch auf Video aufgezeichnet. Wenn ich heute Ashleys Darstellung sehe, gibt es keinen Zweifel daran, dass wir dieselbe Figur spielen."

Die kleine Caitlin Wachs spielt Vivi als Kind - sie mußste also ihre beiden erwachsenen Pendants genau studieren. Sie berichtet, wie sie versuchte, sich "in Ellen oder Ashley hineinzuversetzen: Wie würden sie wohl diesen Satz sagen? Wie würden sie sich dabei verhalten?" Ashley Judd überlegte, dass ihre Interpretation der jungen Vivi exakt dem entsprechen mußs, was die reifen Ya-Ya-Schwestern Sidda über die Jugend ihrer Mutter erzählen. Dabei fühlte sie sich stark von Ellen Burstyns Persönlichkeit in die Pflicht genommen.

"Ich habe mit Ellen über die Rolle gesprochen", berichtet Judd. "Wir merkten schnell, wie ähnlich wir sie interpretieren. Und wir fanden etliche Ansatzpunkte, mit denen wir unser Spiel durch visuelle Echowirkung angleichen konnten. Sie hat sich förmlich in die Rolle hineingelebt. Das hat auch mir sehr geholfen. Sie war wunderbar zugänglich und hilfsbereit."

"Ein äußerst interessanter Prozess", sagt Bruckheimer über diese Generationen übergreifende Besetzung. Bei der Suche nach den heutigen Ya-Ya-Schwestern beschränkten sich die Filmemacher durchaus nicht nur auf Schauspielerinnen, die tatsächlich im amerikanischen Süden aufgewachsen sind. Mit Bruckheimers Worten: "Die Besetzung war auch so schon schwierig genug - wir wollten uns nicht noch eine weitere Bedingung auferlegen. Zwar stammen sowohl Sandra als auch Ashley aus dem Süden, aber deswegen haben wir sie nicht ausgesucht. Denn das Thema der Geschichte sprengt alle regionalen Grenzen." Zur endgültigen Besetzung zählen Ellen Burstyn aus Michigan, Shirley Knight aus Kansas, Fionnula Flanagan aus Dublin und Maggie Smith aus dem britischen Essex - und alle füllen ihre Rollen aus, als ob sie in sie hineingeboren wären: Sie bestanden ihre Bewährungsprobe wie echte Ya-Ya-Schwestern.

Auf die Frage, was eine Ya-Ya-Schwester ausmache, sagt Fionnula Flanagan spontan: "Schaut mich an! Ich habe mir sagen lassen, dass man in Louisiana unter ,Ya-Ya' reden versteht. In meinen Augen handelt es sich also um einen lebenslangen Austausch mit Freundinnen." Shirley Knight formuliert es etwas aggressiver: "Damit sind im Grunde Frauen gemeint, die etwas zu viel reden; nach dem Motto: Plapper-plapper, papperlapapp, bla-bla, ya-ya, ya-ya, ya-ya!"

Über die Dynamik des Darstellerensembles sagt Sandra Bullock: "Die Ya-Ya-Schwestern haben zwar ausgeprägte eigene Charaktereigenschaften, aber sie ergänzen sich so wunderbar, dass man den Eindruck gewinnt, sie könnten getrennt gar nicht richtig funktionieren. Und das bringen diese Schauspielerinnen hervorragend zum Ausdruck. Ihre Szenen entwickeln einen ausgesprochen musikalischen Rhythmus. Als Sidda werfe ich ihnen einen Dialogsatz vor und schaue dann zu, wie der Domino-Effekt seine Wirkung entfaltet."

Vivi

"Wer hätte das gedacht? Schau mal an, welchen Dolch mir diese verräterischen Zicken in den Rücken stoßen. Wen haben wir denn da? Meine alten Ex-Freundinnen und die verfaulte Frucht meines Leibes." Ellen Burstyn wollte die Vivi unbedingt spielen, weil sie "alle Schwierigkeiten, all die schmerzlichen und tragischen Erfahrungen überwunden hat - dadurch versteht sie das Leben heute ein bisschen besser."

Mit Befriedigung stellte Burstyn fest, dass die Frauen im Roman und auch im Drehbuch als "komplex, intelligent und komisch dargestellt werden. Diese Frauen wirken lebensecht, sind keine Stereotypen. Oft genug erscheinen Frauen in der Literatur oder auf der Leinwand nicht als Individuen mit all ihren Facetten. Doch diese Geschichte zeigt Frauen, wie ich sie kenne und täglich erlebe. Callie hat aus dem Buch ein Drehbuch gemacht, ohne es zu verwässern." Burstyn beschreibt Vivi als "energisch, neurotisch, egoistisch, komisch, tiefschürfend und liebevoll. Die Träume ihrer Jugend hat sie nie ausleben können, und die Beziehung zu ihrer Tochter ist reichlich kompliziert."

Khouri bestätigt Burstyns Interpretation: "Ellen setzt ihren eigenen Schwerpunkt bei ihrer Darstellung, aber sie hört sich meine Vorschläge durchaus an - ich habe nie gezögert, solche Dinge mit ihr zu besprechen. Wenn man ihr bei der Arbeit zusieht, spürt man, dass ihre Darstellungskraft ganz einfach keine Grenzen kennt." Besonders freute sich Burstyn, wieder einmal mit James Garner spielen zu dürfen - er stellt Vivis Mann Shep dar. "Wieder neben Jim aufzutreten ist ein wunderbares Gefühl", sagt sie. "Wir haben schon vor 49 Jahren in ,John Loves Mary' gemeinsam auf der Bühne gestanden. Wir lernten uns als Anfänger kennen, und jetzt treffen wir uns als Schauspieler mit Geschichte wieder. Wenn ich ihn anschaue, lese ich all die Jahre seines Lebens in seinem Gesicht. Ihm geht das sicher genauso."

Die junge Vivi

"In diesem Tonfall siehst du mich nicht an!" Ashley Judd las "Die göttlichen Geheimnisse der Ya-Ya-Schwestern" gleich bei Erscheinen des Buches und träumte sofort davon, die Vivi zu spielen. "Ich habe mich derart mit Vivi identifiziert, dass ich mich leicht in die Filmrolle hineinleben konnte."

Also zögerte Judd keine Sekunde, als man ihr den Part anbot. "Ich sehe ihn persönlich als große Chance", sagt sie. "Denn die Figur entwickelt sich sehr realistisch. Vivi hat das Zeug zum Überleben, ist ein Wirbelwind aus Lebenskraft, unbändiger Energie, gewaltigem Potenzial. Diese Leidenschaft geht ihr teilweise verloren, weil sie als junges Mädchen mehrere Tragödien erlebt. Doch sie steht das durch - mit Hilfe ihrer Freundinnen, der Ya-Ya-Schwestern." Um den vielen Facetten in Vivis Charakter auf den Grund zu gehen, führte Judd während der Dreharbeiten ein Tagebuch. Immer wieder griff sie darauf zurück, um Vivis Aussagen oder Kommentare über Vivi richtig einzuordnen.

Laut Khouri hat Judd die Figur mit ihrer Darstellung ganz präzise getroffen. "Vivi ist eine leidenschaftliche Frau", sagt Khouri. "Das kann sich negativ wie positiv auswirken. Wenn Vivi ihre Lebenslust auslebt, dann strahlt Ashley, und wir spüren, wie viel Spaß ihr das macht: Freude pur. Und in den traurigen Momenten lässt Ashley keinen Zweifel an Vivis tiefer Verzweiflung. Eine wunderbar nuancierte Leistung."

Sidda Lee

"Ich höre doch das Eis in deinem Glas ... der Klang meiner glücklichen Kindheit. Gott, ich brauche eine Valium."

"Durch meine Rolle werden wir in die Story eingeführt", sagt Sandra Bullock über Sidda Lee Walker. "Sidda löst die Ereignisse aus, durch die Vergangenheit und Gegenwart konfrontiert werden. Sie ist die Tochter der verrücktesten Ya-Ya-Schwester: Vivi."

Weil sie gewisse schreckliche Familienerlebnisse, die sie ihrer Mutter anlastet, falsch interpretiert, begeht Sidda fast einen gravierenden Fehler, indem sie den Heiratsantrag ihres langjährigen Lebensgefährten Connor McGill ablehnt. "Sie hat einfach Angst davor, sich als Ehefrau und Mutter genauso zu verhalten, wie sie ihre Mutter in Erinnerung hat", erklärt Bullock. "Und in diesem Moment erscheinen die Ya-Ya-Schwestern auf der Szene. Sie packen den Stier bei den Hörnern. Konkret heißt das: Sie setzen Sidda unter Drogen, kidnappen sie gegen ihren Willen und zwingen sie, die ganze Geschichte anzuhören. Sie zeigen ihr das geheime Erinnerungsbuch ihrer Mutter: ,Die göttlichen Geheimnisse der Ya-Ya-Schwestern'. Mit diesem Buch lässt sich Vivis exaltiertes Verhalten erklären."

Khouri wollte unbedingt Sandra Bullock als Sidda und wagte sogar, sie im Urlaub in Deutschland anzurufen, um das Projekt mit ihr zu besprechen. Bullock erinnert sich: "Sie erklärte mir genau, warum sie mich als Sidda haben wollte." Weil Bullock das Buch sehr schätzt, ließ sie sich schließlich überzeugen und sagte ihre Mitwirkung zu, denn Khouris Ansatz gefiel ihr. "Außerdem machen derart hervorragende Kolleginnen mit, dass ich mir die Chance nicht entgehen lassen wollte, in einem solchen olympischen Ensemble mitzuwirken." Die Zusammenarbeit mit Bullock nennt Khouri "ein uneingeschränktes Vergnügen. Sie bringt ihre eigenen Ideen ein, geht mit großem Enthusiasmus an die Arbeit, bleibt aber immer locker und zugänglich. Wenn ich ehrlich bin, sollte ich gar nicht so offen über ihre Vorzüge reden, denn ich wünsche mir nichts mehr, als dass sie ab jetzt nur noch mit mir dreht!"

Teensy

"Ich mache dir einen Kaffee - den echten, guten, alten Zichorienkaffee aus Louisiana, nicht das neumodische Gesöff aus New York."

Fionnula Flanagan las das Drehbuch zu "Die göttlichen Geheimnisse der Ya-Ya-Schwestern" und dann erst den Roman - in beiden Fällen gefiel ihr vor allem der Humor der Geschichte. "Ich habe mich köstlich amüsiert", erinnert sie sich. "Eine wunderbare Geschichte, in der kleine Mädchen Freundschaft schließen, die ein ganzes Leben hält. Die Ya-Ya-Schwestern gehen immer aufrichtig miteinander um. Sie zicken und zanken, zerstreiten und versöhnen sich, aber ihre Freundschaft hält."

Khouri sagt: "Fionnula verpasst ihrer Rolle nicht nur eine erfreuliche Prise Humor, sondern auch die nötige Härte, wenn es darauf ankommt." "Teensy begreift Vivis Verhalten besser als die anderen Ya-Ya-Schwestern", erklärt Flanagan. "Denn Vivi war mit Teensys Bruder Jack verlobt, der dann im Krieg fiel. Diese Trauer werden die beiden Frauen ewig teilen."

Teensy lässt sich auch leicht als die wohlhabendste Ya-Ya-Schwester ausmachen. "Ich darf einen grandiosen, knallgelben Rolls-Royce Corniche fahren", sagt Flanagan. "Das genieße ich in vollen Zügen - und ich erwartete, dass mir die Produktion den Wagen bei Drehschluss schenkt!" Während der Dreharbeiten hat sich Flanagan derart intensiv mit dem Ya-Ya-Phänomen auseinandergesetzt, dass sie es heute sehr viel umfassender definiert - es geht weit über das Buch, den Film oder eine bestimmte Kultur hinaus. "Neulich traf ich eine Frau auf der Fähre", erinnert sie sich. "Ich erzählte ihr, wie Maggie, Shirley und ich nach einem gemeinsamen Lunch feststellten, dass uns nur noch zehn Minuten zum Shoppen blieben. Da antwortete sie ganz ernsthaft: ,Ach, meine Liebe, wir lassen uns den Lunch schon zubereiten, während wir noch einkaufen.' Da dachte ich mir: ,Das ist eine waschechte Ya-Ya-Schwester.'"

Necie

"Wir kommen direkt in die Hölle."

Früher hat Shirley Knight meist dramatische Rollen gespielt. Deshalb findet sie es "wirklich amüsant, dass ich in letzter Zeit häufig in Komödien auftrete. Ich bin vom dramatischen Fach, aber natürlich machen mir komische Rollen trotzdem Spaß. Necie ist die nette und stille Schwester in der Clique. Sie zögert viel länger als ihre forschen Freundinnen, immer hat sie etwas einzuwenden: ,Ich glaube, das sollten wir lieber lassen.' Um dann doch anstandslos mitzumachen."

Knight erlebte in ihrer Schulzeit eine Freundschaft, die an die Ya-Ya-Schwestern erinnert. "Wir nannten uns die ,Erstklassigen' - mir ist dieser Cliquenaspekt des Films also bestens bekannt. Wir waren während der ganzen Schulzeit ein Herz und eine Seele und treffen uns auch heute noch." Knight definiert sich vor allem als Bühnenschauspielerin und bezeichnet die Filmarbeit augenzwinkernd als "recht erholsam. Man bekommt regelmäßig freie Tage und mußs nicht so hart arbeiten. Andererseits sind die Anforderungen sehr viel unmittelbarer, denn meist bleibt nicht viel Zeit für Proben. Man erwartet von mir, dass ich die Rolle aus dem Stand mit Leben fülle." Khouri beschreibt Knight als "einfach unglaublich. Wenn ich nicht aufpasse, spielt sie die anderen in jeder Szene an die Wand - ohne auch nur ein einziges Wort zu sagen."

Um zu beweisen, dass der Geist der Ya-Ya-Schwestern nichts mit einer bestimmten Kultur oder Nationalität zu tun hat, erzählt Knight, wie ihr zusammen mit Maggie Smith und Fionnula Flanagan während der Dreharbeiten in Wilmington einige Fans begegneten. "Das waren natürlich Damen aus dem Süden mit ihrem unverkennbaren Akzent, sie hatten das Buch gelesen, und sie bestätigten uns spontan, dass wir den Rollen hundertprozentig entsprächen."

Caro

"Ist doch bekannt, dass diese Yankees uns gern als eine Horde von Alligator-jagenden Hinterwäldlern abstempeln."

Maggie Smith schätzt das Buch "außerordentlich" und freute sich riesig auf die Rolle der Caro, doch der nötige Südstaatenakzent machte ihr doch einige Sorgen. "Diese Sprachfärbung ist sehr schwer zu imitieren", gibt sie zu. "Ich habe viele Schauspieler erlebt, denen das nicht gelungen ist - zu denen möchte ich wirklich nicht gehören. Zum Glück hatten wir in Lilene Mansell eine hervorragende Sprachlehrerin, die uns während der gesamten Dreharbeiten zur Verfügung stand - sie hat uns mit ihren Tipps und Vorschlägen ganz wunderbar unterstützt."

Nachdem sie die Mundart gemeistert hatte, entwickelte sie die Figur der Caro, die sie als "verrückteste der Ya-Ya-Schwestern" bezeichnet. "Caro zieht immer eine Sauerstoffflasche hinter sich her", erklärt Smith. "Denn offensichtlich war sie Kettenraucherin. Dafür zahlt sie jetzt durch ihre Abhängigkeit vom Sauerstoff, was sie womöglich noch ungeduldiger macht. Ehrlich, ich nahm die Rolle an, weil Caro mir so sympathisch ist. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund. Sie ist diejenige, die Vivi sagt, was Sache ist und wie sie mit der Situation umgehen soll."

Caro bringt auch eine Menge witziger Sprüche im Film - immer mit Pokerface und heiserem Husten. " Maggie Smith ist echt zum Totlachen", sagt ihre Kollegin Shirley Knight. Khouri stimmt ihr zu: "Sie hat Humor und verfügt über großes Können. Wer jemals mit ihr zusammengearbeitet hat, der weiß, wie schwer es ist, sie mit angemessenen Superlativen zu preisen. Sie ist ein Wunder."

Als Mutter zweier Söhne kennt Smith den Mutter-Tochter-Konflikt ausschließlich aus Sicht einer Tochter. "Mit meinen Söhnen läuft das etwas anders", sagt sie. "Doch ich weiß natürlich auch, dass Mütter und Töchter sich häufig nicht verstehen. In manchen Fällen lässt sich diese Beziehung nie wieder einrenken."

Die altgediente Bühnenschauspielerin empfand Khouris Regiestil als sehr hilfreich. "Vom Theater bin ich es gewohnt, das Stück von Anfang bis Ende durchzuspielen. Beim Film mußs man ständig vorwärts und zurückspringen - das bringt mich aus dem Takt. Ich fühle mich sehr viel sicherer, wenn mich jemand wie Callie an die Hand nimmt und die Richtung vorgibt - dadurch findet jedes Puzzle-Teil seinen Platz."

Shep, ein Mann mit der Geduld eines Heiligen

"Ich habe versucht, mit dir mitzuhalten. Dann habe ich versucht, dir aus dem Weg zu gehen. Aber schon als ich dich zum erstenmal gesehen habe, wusste ich sofort, dass es jemanden wie dich kein zweites Mal gibt. Als ich gelobt habe: ,In guten und in schlechten Zeiten', da wusste ich genau, dass die Chancen Fifty-Fifty standen."

James Garner spielt Shep Walker, Vivis still leidenden Mann und Siddas Vater. Im Vergleich zu dem Geschnatter um ihn herum spricht Shep recht wenig. Das macht ihn aber nicht zum Nebendarsteller - auch er macht seinen Einfluss auf die Tochter geltend. Vielleicht hat Sidda ihr Einfühlungsvermögen von ihm geerbt, oder auch ihre Sehnsucht nach einem stillen Plätzchen, wo sie in Ruhe nachdenken kann. Ohne Sheps liebevolle Geduld wäre Vivis und Siddas Leben sicher sehr viel turbulenter verlaufen, als sie sich vorstellen können.

Auf die Frage, warum es Shep mit Vivi aushält, sagt James Garner einfach: "Er liebt sie sehr." So einfach ist das. " James Garner verleiht Shep ein ganz wunderbares Profil", sagt Khouri. "Er ist so warmherzig und liebevoll." Damit meint sie sowohl die Filmfigur als auch den Schauspieler. "Sheps Kraft besteht darin, Dinge als gegeben hinzunehmen. Er liebt diese Frau derart, dass er auch Situationen durchsteht, in denen wohl jeder andere das Handtuch geworfen hätte. Er akzeptiert Vivi so, wie sie ist - ihre guten und ihre schlechten Seiten. Auch in den schlimmsten Stürmen hält er die Familie zusammen."

Shep weiß natürlich von Anfang an, dass er nicht Vivis erste Wahl ist. "Sie liebte einen Mann, der aus dem Krieg nicht zurückkam", erklärt Garner. "Also hat sie sich für die zweite Wahl entschieden - das war Shep." Laut Garner kann Shep die schweren Zeiten sicher besser ertragen, weil er sich keine Illusionen macht. "Ohne seine Ausdauer hätten sie es nie geschafft." Über Sheps diplomatische Haltung sagt Garner weise: "Manchmal kann Schweigen mehr bewirken als die beste Rhetorik. Shep hält sich raus. Er passt auf seine Frau auf, sorgt für sie und seine Tochter, aber er bleibt auf Distanz. Aber wenn Sidda ihn braucht, zum Beispiel wenn Vivi nicht da ist, dann ist auf Shep immer Verlass."

Und über die Ya-Ya-Schwestern sagt Garner: "Shep akzeptiert sie genauso wie er Vivi akzeptiert. "Denn sie sind untrennbar mit ihr verbunden."

Connor McGill, Siddas Verlobter - ein Mann, der zu ahnen beginnt, worauf er sich einlässt "Wie hat dein Alter das nur über 40 Jahre ausgehalten?" Der wandlungsfähige Schotte Angus MacFadyen wurde als Robert the Bruce in Mel Gibsons "Braveheart" bekannt. Er entdeckt in Connor und Shep "große Ähnlichkeiten": Beide sind geduldig und stehen unbeirrbar zur großen Liebe ihres Lebens, auch wenn sie sie nicht immer begreifen.

Auch Khouri sieht Connor "als Sheps Junior-Version". Die beiden unterscheiden sich jedoch darin, dass Shep im Lauf der Jahre den Weg des geringsten Widerstands eingeschlagen hat, während Connor sich mehr einmischen und seine Meinung sagen will. Entsprechend läuft er öfter Gefahr, dass ihm der Kopf abgerissen wird - von Sidda oder den Ya-Ya-Schwestern. Doch manchmal kann er das eine oder andere Wort einwerfen, und gelegentlich hören sie ihm sogar zu.

Mit Humor, Hartnäckigkeit und vor allem Aufrichtigkeit engagiert sich MacFadyens Connor im Streit zwischen Sidda und ihrer Mutter beziehungsweise zwischen Sidda und ihm selbst. Das geht so weit, dass er Sidda von New York aus nach Louisiana folgt, anstatt abzuwarten, ob die Beziehungskrise sich von allein löst. Gegen jeden Widerstand - sogar den der Ya-Ya-Schwestern - will er sagen, was er zu sagen hat.

Über Connors erste Begegnung mit der explosiven Vivi sagt MacFadyen: "Da fliegen die Fetzen, weil er sich ihren Unsinn nicht gefallen lassen will und das auch offen ausspricht. Dann ist er überrascht, als sie das akzeptiert. Sie begreift, dass er sie gern so nehmen will, wie sie nun mal ist, aber dennoch wird er den Mund aufmachen und reden, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Im Grunde entspricht das ziemlich genau ihrem Umgangston mit den Freundinnen. Am Ende können sie herzlich darüber lachen. Ich habe mit Callie darüber gesprochen - wir sind uns einig, dass Connor sehr viel Humor haben mußs."

Doch trotz seiner Bemühungen bleibt Connor laut MacFadyen "letztlich ein Außenseiter, der einen Einblick in diese ziemlich irrwitzige Welt aus Frust, Emotionen und dramatischen Neurosen bekommt. So etwas hat er noch nie erlebt."

Wie vergehen 60 Jahre in zwei Stunden?

"Weil der Film in drei Zeitepochen spielt - Ende der 30er/Anfang der 40er, in den 60er und in den 90er-Jahren - mußste das Filmteam drei-, viermal an denselben Schauplätzen drehen, die zwischendurch sorgfältig neu ausgestattet und patiniert wurden", sagt Executive Producer Mary McLaglen.

Die Lösung dieses logistischen Problems fiel in den Aufgabenbereich von Produktionsdesigner David J. Bomba, der sich dabei eng mit Kameramann John Bailey und Kostümbildner Gary Jones absprach.

Bomba kannte den Roman "Die göttlichen Geheimnisse der Ya-Ya-Schwestern" schon anderthalb Jahre, bevor er für die Filmversion engagiert wurde. "Schon auf den ersten Seiten begann ich mir die Sets bildhaft vorzustellen", sagt er. Als er sich dann konkret an die Arbeit machte, las er den Roman nicht noch einmal, vielmehr hielt er sich bei seinen Entwürfen für die Sets an seine Erinnerungen, an das Drehbuch und Khouris Vorschläge. Nur im Einzelfall griff er nochmals zum Roman - zum Beispiel, um Detailbeschreibungen von Vivis Heimat Pecan Grove oder zur Hütte am Spring Creek nachzulesen.

Das Projekt war anstrengend, aber Bomba arbeitete gern daran. Was die Atmosphäre angeht, hielt er sich an die Gemälde von Edgar Degas. "Ende des 19. Jahrhunderts hat Degas New Orleans kurz besucht", erklärt er. "Ich habe mich also an seiner Farbauswahl in dieser Zeit orientiert. Mich interessierte vor allem das grundsätzlich einfarbig gehaltene Thema mit starken farblichen Akzenten.

Auf seinem Gemälde ,Die Probe' herrschen Goldtöne vor - mit einem Kleckser Rot. Von diesem Bild ging ich aus, doch ohne das Louisiana jener Epoche oder seine Farben je aus den Augen zu verlieren. Ich hielt mich an Farbtöne, die Ende der 30er/Anfang der 40er bis in die 60er-Jahre sehr beliebt waren: Avocado, Gold, leuchtendes Orange. Jede Epoche habe ich mit Varianten der Degas-Palette gestaltet."

Auch Kostümbildner Gary Jones pflegt sofort in Bildern zu denken, wenn er ein Buch liest - natürlich besonders in Bezug auf die Kostüme. Es gelang ihm, seine Kostüme harmonisch in die Farbauswahl des Produktionsdesigners einzufügen. "Die Kleider passen entweder zur Farbpalette, oder sie fallen bewusst heraus", sagt Jones.

"Das hängt davon ab, welchen Effekt man erreichen will. In diesem Fall hielten wir uns eng an das Buch und bemühten uns um ein harmonisches Ensemble, wie es der Regisseurin und dem Produktionsdesigner vorschwebte. Ein Beispiel: Bekanntlich mag Vivi Sonnenblumen. In meinem Bereich kann ich nicht Sonnenblumen als solche einsetzen, aber ich kann Vivi mit viel Gold und Gelb einkleiden, und David verwendet diese Farbtöne auch in seinen Sets."

Ein Großteil des Films spielt in Vivis Heimat, der Pecan-Grove-Plantage. Laut Bomba war sie sehr schwer zu finden. "Als wir kein entsprechend repräsentatives Haus entdecken konnten, verlor ich fast den Mut", sagt er. "Wir suchten ein Haus mit Charakter, denn darin wird viel gelitten, und es altert im Laufe der Geschichte ebenso wie die Helden."

Nachdem in der Umgebung von Wilmington kein geeigneter Schauplatz aufzutreiben war, weitete Aufnahmeleiter Mike Hewitt seine Suche auf einen größeren Umkreis aus. Schließlich wurde er in Faison/North Carolina fündig: Das 150 Jahre alte Buckner Hill House entstand schon vor dem Bürgerkrieg und wurde ins Nationalregister geschichtlicher Bauten aufgenommen.

Es befindet sich zwar über eine Autostunde von Wilmington entfernt, aber alle Beteiligten waren sich einig: Dieses großartige Gebäude lohnte den mühsamen täglichen Pendelverkehr. Es entsprach nicht nur optisch den Vorgaben, sondern steht auch auf einem Hügel - dadurch ist der Hintergrund frei von modernen Bauten, die filmisch nicht hineingepasst hätten.

"Drinnen dominiert ein zentrales Treppenhaus. Oben und unten befinden sich jeweils vier Räume", sagt Bomba. "Jeder Raum hat zwei Eingänge, was die Filmaufnahmen sehr erleichtert. Die Kamera kann sich dadurch freier bewegen, und als Ausstatter standen mir alle Optionen offen. Kameramann John Bailey hat die baulichen Besonderheiten sehr vorteilhaft ins Bild gesetzt."

"Weil die Räume sehr hoch sind, konnten wir Stromleitungen unter den Decken verlegen", beschreibt Bailey das Buckner Hill House. "Die vielen Fenster und Türen ermöglichen die Platzierung der Scheinwerfer und viele unterschiedliche Kamerapositionen, ohne dass die Schauspieler und das Filmteam behindert werden. Insgesamt erweist sich das Haus als genauso praktisch wie ein Filmstudio - und dabei handelt es sich doch um einen Originalschauplatz."

Für die Hütte am Spring Creek, in der die Ya-Ya-Schwestern die gekidnappte Sidda unterbringen, wählte man zwei verschiedene Drehorte. Für die Außenaufnahmen diente eine vorhandene Hütte am Seeufer auf der Orton-Plantage. Das Innere der Hütte wurde dann in den Screen Gems Studios nachgebaut - allerdings konnte Bailey zumindest in einem Zimmer der echten Hütte drehen.

Bomba hatte genaue Vorstellungen davon, wie die Hütte auszusehen hat. "Sie soll keinesfalls das Klischee ,niedlich' bedienen", sagt er. "Der Innenraum mußs die Geborgenheit des Mutterleibs ausstrahlen, denn die Ya-Ya-Schwestern bringen Sidda hierher, damit ihre Wunden endlich heilen, damit sie neu geboren wird.

Zusammen mit Jim Farrell und John Jensen, mit unseren Malern und Zimmerleuten haben wir die richtigen Akzente gesetzt und alle Details bedacht, die ein homogenes Bild ergeben - so wie wir es von einer Umgebung erwarten, die von vielen Generationen von Frauen geprägt worden ist."

Um deutlich zu machen, dass an beiden Schauplätzen Jahrzehnte verstreichen, kratzte das Filmteam hier ein bisschen Farbe von einem Stuhlbein, dort wurden Möbel ganz ausgetauscht. Die Küche in Pecan Grove erscheint in den 60er-Jahren komplett renoviert, denn genau das hätte sich eine Familie damals geleistet.

Auch außerhalb der Hauses machte man deutlich, wie die Zeit vergeht: Kleine Bäume wurden durch ähnliche größere ersetzt, und auch die Büsche wucherten ausladender. Laut Bomba trug Callie Khouri viel zum Gelingen seiner Aufgabe bei. "Sie hat uns nicht jedes Detail diktiert, aber sie gab wichtige Einzelheiten vor, die sie mich ausschmücken ließ. Wenn ich eine Idee hatte, wirkte sie fast wie ein Vitamin - sie unterstützte mich und half mir bei der Umsetzung."

Was die Gestaltung der Sets in Bezug auf die sich wandelnden Zeiten angeht, beschreibt Khouri ein Beispiel jener Details, die dabei zum Tragen kommen: "Manchmal mußsten wir mal kurz innehalten und überlegen: ,Gab es Anfang der 90er-Jahre schon so kleine Handys?'"

Weil jede noch so winzige Einzelheit wichtig genommen wurde, konnte John Bailey die "dramatische Linie" des Films auch über etliche Epochen hinweg gestalten. "Zwar erleben wir im Film unterschiedliche Zeitebenen", erklärt er.

"Aber alles sehen wir ausschließlich so, wie Sidda es sich vorstellt. Natürlich springt sie bei ihren Zeitreisen im Kopf vor und zurück - assoziiert dabei frei und fließend: Sie betritt einen Raum und erinnert sich plötzlich - und schon befinden wir uns in den 60er-Jahren. Ich habe alle Kameraspielereien vermieden, die mit den natürlichen Assoziationen kollidieren würden - die verschiedenen Epochen werden also nicht durch Überblendungen oder durch unterschiedliche Beleuchtung voneinander abgesetzt.

Wir definieren die unterschiedlichen Zeitebenen also nur durch die Ausstattung, die Schauspieler, Kostüme, Frisuren und so weiter. Manchmal tut der Kameramann gut daran, möglichst unauffällig zu arbeiten und nicht mit unterschiedlichen Stilen zu hantieren."

Die erfolgreiche Entwicklung und Umsetzung dieser Strategie verdankt Bailey der engen Zusammenarbeit aller Beteiligten, außerdem war er selbst schon von Anfang an dabei. "Wenn der Kameramann bereits eingebunden ist, wenn die wichtigen Weichen gestellt werden, kann er die verschiedenen Arbeitsbereiche koordinieren", sagt er.

"Produktionsdesign, Kostüme, Make-up, Frisuren - all diese Dinge beeinflussen natürlich das Filmbild. Wenn ich früh genug anfange, sorge ich dafür, dass sich Ausleuchtung und kameratechnische Aufnahmemethoden diesen Konzeptvorgaben anpassen. Wenn ich später zum Team stoße, mußs ich oft genug manches kompensieren, um Effekte zu erreichen, die leider nicht vorgegeben sind."

Auch Jones profitierte stark von der engen Zusammenarbeit des Filmteams. Als "Riesenarbeit, aber auch einen sehr befriedigenden Prozess" beschreibt er seine Bemühungen, für die Darsteller jeden Lebensalters die richtigen Kostüme bereitzustellen.

Wochenlang blätterte er mit seinen Mitarbeitern in Büchern, Zeitschriften und Katalogen, sie besorgten Kleidung aus Textilgeschäften und anderen Quellen zwischen West- und Ostküste, bis genug Material zusammengetragen war, um nicht nur drei Zeitepochen darzustellen, sondern Khouri auch noch eine stilistische Auswahl für jede Darstellerin in der jeweiligen Zeit zu erlauben.

Über die wichtigen Vorentscheidungen berichtet Jones: "Callie besuchte uns - ich hatte in einem Raum ganze Stapel mit Kleidern und Accessoires der jeweiligen Zeit angehäuft, die wir dann durchgingen. Wir wollten echte Kleider verwenden, keine geschneiderten Kostüme. Man kann nicht einfach bestimmen: ,Dies Teil stammt aus der richtigen Zeit, deshalb ziehst du das an.' Es mußs zur entsprechenden Rolle passen - und auch zur Darstellerin."

In enger Abstimmung mit Khouri entwarf Jones die unverwechselbaren Hüte, die die kindlichen Freundinnen anfangs aufsetzen, um sich dadurch als Ya-Ya-Schwestern zu definieren. Diese Hüte sollen natürlich so aussehen, als ob die Mädchen sie selbst gestaltet hätten, und - noch wichtiger - der jugendliche Touch mußs erhalten bleiben, auch wenn dieselben "Mädchen" sie 60 Jahre später aufsetzen.

Das Leben imitiert die Kunst

Vielleicht standen das Filmprojekt und der Drehort unter einem guten Stern. Aber vielleicht lag es auch an der unverkennbaren Chemie, die jene lebenslustigen Frauen verbindet - jedenfalls spürten alle Beteiligten sehr bald, dass Ellen Burstyn, Fionnula Flanagan, Shirley Knight und Maggie Smith nicht nur spielten, sondern tatsächlich zu Ya-Ya-Schwestern wurden.

Executive Producer Lisa Stewart berichtet von den Dreharbeiten: "An einem Wochenende machten die vier einen Ausflug ans Meer. Fionnula saß am Steuer - genau wie sie das im Film als Teensy tut. Sie übernachteten alle zusammen in einem Hotelzimmer. Am Sonntagmorgen riefen sie mich an, um zu erzählen, wie viel Spaß sie zusammen hatten. Und sie fragten: ,Müssen wir tatsächlich morgen wieder arbeiten?'"

Auch Smith erinnert sich an das Wochenende: "Das war wirklich toll. Wir sind am Strand entlang gebraust - einfach wunderbar. Es war genau wie im Film, wir haben nur Blödsinn gemacht. Herrlich." Dazu Stewart: "Frauen wie sie gibt es wirklich nicht viele. Es ist die reine Freude, sie zu erleben."

Ashley Judd engagierte sich derart für den Film, dass sie gar nicht abreisen wollte, als sie ihre Szenen abgedreht hatte. "Ich blieb noch ein Paar Tage am Set, obwohl ich schon monatelang nicht mehr zu Hause gewesen war", erklärt sie. "Denn ich wollte erleben, wie die Kolleginnen die Ya-Ya-Schwestern verkörpern und sich die Bälle zuwerfen - so, wie ich es mit den jüngeren Ausgaben gemacht hatte."

Ging es am Set etwa zu lustig zu? Dazu Callie Khouri: "Ich empfand dieses Projekt so aufregend, weil uns die Dreharbeiten genauso viel Spaß gemacht haben wie der Roman den Lesern. Einfach umwerfend. Manchmal dachte ich: ,Hoffentlich merkt das keiner, sonst verbieten die uns das noch.'"

Wie man den richtigen Ton trifft

Ergänzt wird der Film durch einen stimmungsvollen Soundtrack, der alle Jahrzehnte innerhalb der 60 Jahre umfassenden Handlung widerspiegelt: wehmütige Blues-, Rock- und Gospel-Titel, romantische Klassiker und scharf gewürzte Cajun-Rhythmen. Jedes Lied repräsentiert die südliche Heimat der Ya-Ya-Schwestern und begleitet entscheidende Momente ihres Lebens.

Der mehrfach mit dem Grammy ausgezeichnete Produzent und Musiker T Bone Burnett hat den Soundtrack produziert. Er stellte die Sammlung der Songs mit Hilfe des Filmkomponisten David Mansfield und Regisseurin Callie Khouri zusammen. Weil Khouri in Texas und Kentucky aufgewachsen ist, konnte sie ihre eigenen musikalischen Erfahrungen einbringen, um genau die richtige musikalische Atmosphäre jeder Szene zu definieren.

Es geht dabei nicht so sehr um eine Hitparade der damals jeweils beliebtesten Lieder. Vielmehr wollte Khouri die Landschaft und die Hauptfiguren auch musikalisch authentisch darstellen. "Diese Titel hätten Vivi, Necie, Teensy und Caro höchstwahrscheinlich im Radio gehört - danach hätten sie getanzt", sagt Khouri. "Wenn ich diese Musik höre, kommt es mir vor, als befänden sie sich im gleichen Raum."

Über ein Jahr benötigten Khouri und Burnett für ihre gemeinsame Auswahl aus Hunderten von CDs. Khouri merkte schnell, dass erstaunlich viele ihrer Favoriten übereinstimmten: "Wir waren gefühlsmäßig und geschmacklich sofort auf einer Wellenlänge."

Bei der Arbeit am Drehbuch hörte Khouri diese Musik, und bei Beginn der Dreharbeiten hatte sie sich für einige Titel bereits definitiv entschieden, zum Beispiel für Taj Mahals Version von Fats Wallers Klassiker "Keeping out of Mischief Now" und den schönen Song "Dimming of the Day" von Richard und Linda Thompson. "Mir war noch nicht klar, wo genau sie hinpassten", sagt Khouri. "Aber ich wollte sie auf jeden Fall im Film haben."

Taj Mahals Titel ist auf der großen Geburtstagsfeier der jungen Vivi zu hören - der legendäre Jazz-Musiker tritt sogar persönlich in einer Gastrolle als Bandleader auf. "Dimming of the Day" bekam ein neues Arrangement: Gitarre und Banjo wurden mit Streichern unterlegt - als wunderbare Untermalung einer rührenden Szene, in der Ellen Burstyn als Vivi nachts allein im Garten einen Tanz improvisiert, der sie in ihre Kindheit zurückversetzt."

Ähnlich vermitteln Ann Savoys französisch gesungene Cajun-Titel auf der Party genau die richtige Mischung aus Leidenschaft, Lebenslust und drohender Krise, als Vivi (Ashley Judd) erfährt, dass ihr Verlobter in den Krieg zieht. Später untermalt die legendäre Gospelsängerin Mahalia Jackson mit "Walking to Jerusalem" den traumhaft schönen Rundflug der jungen Mutter Vivi mit der kleinen Sidda.

Zwei Songs entstanden speziell für "Die göttlichen Geheimnisse der Ya-Ya-Schwestern". "Waitin' for You" schrieb und sang Bob Dylan für den Film - er ist mit Burnett und Mansfield befreundet, seit sie mit Dylans Gruppe Rolling Thunder Review auf Tournee gingen. Dylan schrieb den Song, nachdem er eine Arbeitsfassung des Films gesehen hatte - er ist während des Abspanns zu hören.

Lauryn Hill machte 1999 mit ihrem Debütalbum "The Miseducation of Lauryn Hill" Furore, als sie dafür elf Grammy-Nominierungen erhielt und dann mit fünf Auszeichnungen den bisherigen Rekord brach. Hill steuert "Selah" bei, in dem sie einfühlsam über Erlösung singt.

Die von der Kritik gepriesene Macy Gray nahm Billie Holidays "My Mother's Son-in-Law" neu auf - erstmals lässt sie sich von einer Big Band mit zwölf Blechbläsern begleiten, die Burnett zusammenstellte. Bei der Aufnahme kamen altmodische Mikrofone zum Einsatz, um den historischen Sound zu imitieren. Der humorvolle Song verbreitet gute Laune und passt bestens zu der Szene, in der die jungen Ya-Ya-Schwestern in einer stickigen Sommernacht ausflippen und nur mit Pyjamas bekleidet im Cabrio losbrausen, um sich etwas Kühlung zu verschaffen.

Der legendäre Sänger Tony Bennett trägt seine emotionale Version des Nat-King-Cole-Titels "If Yesterday Could Only Be Tomorrow" zum Soundtrack bei, und zwar ganz zufällig. Vor einigen Jahren hat Bennett Nats Bruder Fred Cole auf einem Linienflug kennengelernt, und Cole schlug vor, Bennett sollte doch eine Cover-Version des Songs aufnehmen.

In den folgenden Jahren behielt Bennett diesen Vorschlag im Hinterkopf. Als man dann an ihn herantrat, um genau diesen Song für den Soundtrack zu "Die göttlichen Geheimnisse" aufzunehmen, wurde ihm klar, dass es offensichtlich seine Bestimmung war - umso mehr, als er merkte, wie wunderbar der sanft nostalgische Liedtext den Kern der Geschichte trifft.

Die Grammy-Preisträgerin Alison Krauss singt den mitreißenden neuen Song "Sitting at the Window of My Room", den T Bone Burnett und David Mansfield speziell für den Soundtrack des Films geschrieben und arrangiert haben - Krauss' klare und leidenschaftliche Stimme wird dabei von Musik unterschiedlicher Stilrichtungen eingerahmt.

Auf dem Soundtrack sind außerdem zu hören: Jimmy Reeds "Found Love", "Little Rain" und "Ain't That Loving You Baby"; der lebhafte Titel "The World Exploded Into Love" des Texas-Rockers Bob Schneider; Ray Charles' "Lonely Avenue"; Jade Vincents "Drug State"; Slim Harpos "Got Love If You Want It"; und Blind Uncle Gaspards "Assi dans le fenêtre de ma chambre".

Szenenfoto
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