Die vier Federn

Ausführlicher Inhalt

Der junge Soldat Harry Feversham (Heath Ledger) scheint im England des Jahres 1884 alle Grundvoraussetzungen für ein erfülltes Leben zu haben.

Ganz im Sinne seines militärisch hochrangigen Vaters wird er in der Armee Ihrer Majestät ausgebildet und zählt mit seinem besten Freund Jack Durrance (Wes Bentley) zu den beliebtesten Rekruten des Regiments. Auch privat steht ihm die Zukunft offen - so steht die Eheschließung mit der schönen Adligen Ethne Eustace (Kate Hudson) kurz bevor.

Doch unter der ausgelassenen lebenshungrigen Fassade zeichnen sich erste Brüche ab, als die Nachricht vom baldigen Kriegseinsatz des Regiments die Runde macht. Um sudanesische Rebellen zurückzuschlagen, die in Khartoum ein Fort der britischen Kolonialmacht angegriffen haben, sollen die blutjungen Männer schon bald nach Afrika versetzt werden. Für die meisten von ihnen eine Frage der Ehre, denn die Verteidigung des Vaterlandes steht über allem in dieser rigiden Gesellschaft.

Doch Harry wagt es, seinen Zweifeln zu lauschen - und schließlich zu folgen. Sowohl aus Unsicherheit, was er als Brite im Sudan verloren habe, wie auch aus nackter eingestandener Furcht um sein Leben besteht er auf seinem Austritt aus der Armee. Fassungslosigkeit ist noch die freundlichste Resonanz.

Sein Vater verstößt ihn. Seine Freunde senden ihm als Zeichen ihrer Missachtung und als Symbol für seine vermeintliche Feigheit vier weiße Federn. Doch nichts trifft ihn so hart wie die Ablehnung Ethnes, die ihn ebenfalls der Feigheit bezichtigt. Und dies, obwohl Harry weiter zur mutigsten Entscheidung seines Lebens steht.

Aber was für ein Leben? Gesellschaftlich geächtet, vegetiert Harry geradezu dahin. Von Schuldgefühlen und Einsamkeit geplagt, während bedrohliche Nachrichten aus dem fernen Kolonialkrieg nach England dringen.

Die Liste der Toten wird länger, von Erfolgen der Krone kann gar keine Rede sein, und als Harry erfährt, dass gerade sein altes Regiment in einer besonders heiklen Region stationiert sei, hält er es nicht mehr aus.

Wissend, dass sein Leben in England vorbei ist, reist er bei Nacht und Nebel nach Afrika. Er will tun, was in seinen Kräften steht, um doch noch zu helfen. Nur wie? dass er in Afrika jeden überlebten Tag als einen guten Tag betrachten mußs, lernt Harry schon kurz nach seiner Anreise.

Zwar findet er einen schmierigen Sklavenhändler, der ihn durch die tödliche Wüste geleiten will. Doch zum einen wirkt Harry als Europäer auf Feindesgebiet wie ein Spion und kann sich erst allmählich als Araber tarnen. Und zum anderen erfährt Harry eindringlich, dass selbst versierte Experten des Kontinents für Fehler mit dem Leben bezahlen - des Nachts wird sein Wüstenführer erschlagen, und Harry bleibt nur am Leben, weil er sich zuvor vor die Sklaven gestellt hatte.

Vielleicht ist es diese Menschlichkeit inmitten der heißen Hölle, die ihm kurz darauf zu einer Art Schutzengel verhilft. Jedenfalls trifft Harry den afrikanischen Krieger Abou Fatma (Djimon Hounsou), der den Christen unter Moslems sofort durchschaut und fortan zur Seite steht - sei es mit Ratschlägen oder mit Gewalt gegen Feinde.

Von denen gibt es viele bei Khartoum, und obwohl Harry niemandem von seiner Vergangenheit und seinen wahren Intentionen erzählt, wird Abou bald klar, dass Harry heimlich die Engländer zu unterstützen versucht.

Eine Hilfe, die diese auch gut gebrauchen können, denn bei aller Disziplin und Ehre sind die Briten hoffnungslos von ihrem Auftrag überfordert und scheinen geradewegs in ihr Verderben zu laufen, woran auch die Besonnenheit des mit seiner Aufgabe gewachsenen Strategen Jack Durrance nichts ändern kann.

Seinem besten Freund kann sich Harry noch nicht zu erkennen geben - was wohl auch gut so ist, denn im Rahmen eines Heimatbesuches als Vertreter der Armee hatte Jack auch Harrys Verlobte Ethne wieder getroffen und trägt sich nun durchaus ermutigt mit dem Gedanken, um ihre Hand anzuhalten. Zu abwegig der Gedanke, dass Harry noch am Leben sei.

Doch das Schicksal wird die beiden schon bald wieder zusammenführen. Noch immer als Araber verkleidet und jederzeit von Enttarnung und Tod bedroht, gelingt es Harry, eine Falle der sudanesischen Rebellen ausfindig zu machen. Er schickt Abou, um die britischen Offiziere zu warnen.

Doch diese halten ihn in ihrer aristokratischen Arroganz für einen Lügner oder Spion und schlagen alle Warnungen in den Wüstenwind. Und so sind sie kalt erwischt und kaum zu retten, als einige überaus geschickte Angriffe der Rebellen die größte Schlacht dieses Krieges einleiten ...

Doch auch als sich der Staub gelegt hat und die Geschichte der Kolonialisierung wohl schon neu geschrieben werden kann, ist die Odyssee von Harry Feversham noch nicht beendet. Die Absicht, sich endlich seinem Freund Jack zu offenbaren und das Stigma der Feigheit loszuwerden, wird durch eine Laune des Schicksals erstickt, als er zutrauliche Briefe von Ethne findet.

Er kann nicht wissen, dass diese den Tag verflucht hat, an dem sie Harry in seiner schwersten Stunde den Rücken kehrte. Und es ist unwahrscheinlich, dass das Drama je ein glückliches Ende findet, als Harry in Afrika gefangen genommen wird und ihn nicht einmal Abou retten kann. Er kann Harry lediglich befreien, indem er ihm zu einem friedvollen, schmerzfreien Tod verhilft ...

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Dirk Jasper FilmLexikon

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