Die vier Federn

Produktionsnotizen

Das epische Abenteuer Die vier Federn von "Elizabeth"-Regisseur Shekhar Kapur spielt Ende des 18. Jahrhunderts zur Hochzeit des Imperialismus, als die europäischen Nationen den afrikanischen Kontinent unter sich aufteilen wollten.

1884 führte indes der muslimische Anführer Muhammad Ahmed - bekannt als der Mahdi - die sudanesischen Araber in einer Revolte gegen die britischen Herrscher. England schickte daraufhin den erfahrenen General Charles Gordon in den Sudan, der die Rebellion unterbinden sollte, doch die Gegner erwiesen sich als zu stark für Gordon und seine Männer, die 1885 in der Schlacht von Khartoum eingekesselt und letztlich besiegt wurden.

Inspiriert von A. E. W. Masons gleichnamigem Romanklassiker beginnt der Film Die vier Federn zehn Jahre vor der Eroberung Khartoums durch sudanesische Krieger und erzählt die außergewöhnliche Story eines britischen Nachschub-Regiments, dessen Stolz und Traditionen ebenso herausgearbeitet werden wie Verletzlichkeit und Großmacht-Arroganz.

Vielleicht ist Die vier Federn sogar zeitgemäßer denn je, wenn die Hauptfigur Harry Feversham (Heath Ledger) im Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichem Zwang zum Patriotismus und Skepsis gegenüber blindem Eroberungskrieg zerrieben wird.

Über die historischen Hintergründe des Stoffes sagt der 1998 für "The Wings of the Dove" Oscar-nominierte Co-Drehbuchautor Hossein Amini: "Das imperiale England konfrontierte eine Außenwelt, über die es sehr wenig wusste, und die jungen Männer wurden von fanatischen Herrenhäusern in die Mitte der Wüste geworfen, wo der Glaube an ihre Überlegenheit erst zu Fehlern und dann zu einem militärischen wie menschlichen Desaster führte."

"Es war unter den jungen Männern jener Zeit undenkbar", erläutert Regisseur Kapur, "die Pflicht zum Kampf für das Vaterland anzuzweifeln, was Harrys moralische Zweifel besonders interessant macht. Denn um sich mit seinen Ängsten zu konfrontieren, mußs er ihnen begegnen, bis letztlich die Frage bleibt, was seine Kündigung des militärischen Dienstes wirklich war. Ein Akt der Feigheit oder nicht doch etwa ein Zeichen immensen Mutes?"

Kapur fährt fort: "Der Film ist im Kern eine Geschichte über junge Burschen, die im Krieg zu Männern werden, und er zeigt den Wandel von jungenhafter Naivität zu einem Punkt, an dem Zweifel und realistische Selbstbespiegelung möglich sind.

Als Filmemacher zeige ich das England jener Jahre als einen Ort, an dem Fragen nicht erlaubt waren - der Sudan jedoch ist ein Platz, wo elementare Fragen gestellt werden müssen, wenn man überleben will.

Harry Feversham nimmt dabei die Figur mit den größten Selbstzweifeln ein, und ich suchte lange nach einem Schauspieler, der auch in der Niederlage würdevoll sein und dem Publikum wachsende Weisheit kommunizieren kann. Und als ich schließlich Heath Ledger testete, war ich überrascht, welch seelische Tiefe er zu zeigen in der Lage ist."

Der aus "Monster's Ball" oder "Der Patriot" bekannte Australier Heath Ledger gibt über seine Arbeit zu Protokoll: "Das Skript war sensationell, und die Teilnahme an diesem Film erwies sich als ungeahnte Reise für mich. Sowohl körperlich als auch seelisch, mental und spirituell das Härteste, was ich je gemacht habe - und ich bereue keine Sekunde."

Die zweite männliche Hauptrolle von Harrys bestem Freund Jack Durrance wird von "American Beauty"-Entdeckung Wes Bentley verkörpert, der über seine Figur eines prinzipientreuen Leutnants anmerkt: "Durrance sieht alles entweder schwarz oder weiß und empfindet endloses Pflichtgefühl nicht nur seinem Land, sondern seinen Freunden und der Frau seines Herzens gegenüber."

Regisseur Kapur ergänzt: "Durrance ist besessen von seiner Moral und klar definierten Weltsicht, bis er selbst in moralische Grauzonen gezwungen wird und erkennen mußs, wer er wirklich ist. Wes Bentley ist hervorragend in dem Part, denn ich brauchte jemanden, der Entschlossenheit und eine obsessive Persönlichkeit ausdrücken kann. Die stahlblauen Augen von Wes sind dabei schon fast ein Symbol seiner Klarheit, während seine spätere Erblindung eine Metapher für den Verlust von Klarsicht ist."

Der dritte Shooting Star im hinreißend harmonierenden Triumvirat Die vier Federn ist Kate Hudson aus "Almost Famous", deren Liebe als Harrys Verlobte Ethne mehrfach auf die Probe gestellt wird.

Hudson analysiert die Figur: "Einerseits erscheinen Ethnes Gefühle unerschütterlich, doch andererseits wird sie leicht von der Wahrnehmung ihrer Person durch andere beeinflusst. Diese komplexe Widersprüchlichkeit war schauspielerisch ungemein reizvoll, und zudem wollte ich nach "Elizabeth" unbedingt mit Kapur arbeiten, der zusammen mit Robert Richardsons Kameraarbeit einen spektakulären Film mit einer kraftvollen Story geschaffen hat, auf die wir alle stolz sein können."

Eine weitere Schlüsselrolle wird von "Gladiator"-Krieger Djimon Hounsou in der Rolle des afrikanischen Kriegers Abou Fatma eingenommen, der zu seiner Arbeit sagt: " Die vier Federn ist ein Film über die Freundschaft in Zeiten von vielen Feinden, und Abou fungiert als eine Art Schutzengel für Harry, weshalb er einem Schatten gleich auftaucht und wieder verschwindet. Zudem ist er Harrys Alter Ego und hilft ihm, Stärke in sich selbst zu finden."

Zu den Drehorten von Die vier Federn zählten auch Locations in England wie der Blenheim Palast (Winston Churchills Geburtsort), das Schloss Hyde Clair und verschiedene britische Landhäuser.

Doch hauptsächlich drehte die Crew unter widrigsten Umständen in Marokko, das freilich eine bestechend schöne Landschaft bot. Zu den Drehorten zählten die Berge von Fint und die 600 Jahre alte Stadt Ait Ben Hobdou, die für das Fort von Abou Clea gewählt wurde.

Hinzu kamen zahlreiche Locations rings um die Stadt Merzouga, die im Arabischen als Erj Eregue Chebi (übersetzt: Sandwüste) bekannt ist und dementsprechend endlose Dünen bis zu 150 Meter Höhe vorzuweisen hatte. "So wundervoll Marokko ist", erinnert Location Manager Marco Giacalone, "so schwierig gestaltete es sich, Sets und filmtaugliche Logistik zu sichern.

Das beginnt damit, dass Drehmöglichkeiten hier auf die Wintermonate beschränkt sind, da das Thermometer sonst die 50 Grad Celsius leicht überschreitet. Doch auch in den kühleren Monaten waren die Crewmitglieder von Trockenheit und Verbrennungen bedroht - ganz zu schweigen von Sandstürmen."

Als Schutz gegen die Elemente operierte die Crew von Camps aus, die an Schlüssel-Locations errichtet wurden. "Wenn das Publikum den Film sieht, wird es nicht ahnen, dass hinter der Kamera jeweils eine regelrechte Kleinstadt aus Zelten stand", lacht Giacalone und fährt fort: "Diese Camps glichen Mini-Studios und beherbergten neben der kompletten Crew und Ausrüstung bis hin zu 1300 Statisten und 200 Tieren bei der letzten Schlacht des Filmes.

Zugleich mußsten wir Rücksicht auf lokale Regeln des islamischen Staates nehmen - zum Beispiel untersagten uns die Verantwortlichen einer Stadt jeden Dreh in der Nähe, da sie Angst hatten, dass sich die Töchter für Crewmitglieder interessieren könnten."

Über seine Kameraarbeit unter extremen Außenbedingungen sagt Oscar-Preisträger Robert Richardson: "Meine Haupttechnik bestand darin, gegen die Sonne zu filmen, weil durch die resultierende Rückbelichtung der Szene ein scharfer Kontrast zwischen Figuren und Landschaft zu Stande kam."

Regisseur Kapur dazu: "Es ist sehr ungewöhnlich und mutig, dass Richard den kompletten Film über an der Technik festhielt. Er gibt den Bildern sowohl Realismus wie Spannung - fast schon eine nervöse, spürbare Energie, die so gut zum Narrativen passt."

Für den Realismus bei Schlachtsequenzen war derweil Militär-Koordinator Henry Camilleri verantwortlich, der den vielen gelernten Soldaten unter den Statisten ihre Modernität austreiben und die akkuraten Marschiertechniken des 18. Jahrhunderts beibringen mußste. Kostümdesignerin Ruth Meyers übernahm schließlich die Anfertigung von viktorianischen Uniformen, Kate Hudsons Roben oder Kostüme der muslimischen Rebellen.

Und da es sich bei vielen Armee-Offizieren der britischen Armee um Aristokraten handelte, war es ihnen trotz der rigiden Gesellschaftsordnung erlaubt, persönliche Details ihrer Uniformen selbst zu entscheiden - eine Information, die Kupar und Meyers wiederum dafür nutzten, jede Uniform mit kleinen individuellen Unterschieden zu versehen, damit in Schlachten die verschiedenen Persönlichkeiten auch visuell akzentuiert werden konnten.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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