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In Clint Eastwood Karriere ist
Blood Work seine 18. Produktion, seine
23. Regiearbeit und sein 44. Film als Hauptdarsteller. "Es geht um
eine Detektivgeschichte und um menschliche Beziehungen", sagt der
Oscar-Gewinner, der sich die Filmrechte an Michael Connellys
Bestseller sicherte, um die Filmfassung mit seiner legendären
Produktionsfirma Malpaso herzustellen.
Tatsächlich mußs sich der Filmheld Terrence "Terry" McCaleb mit einem ganz unerwarteten Problem herumschlagen: Als Profiler des FBI konzentriert sich der einsilbige Einzelgänger ganz auf seine Arbeit, doch während der Jagd auf seinen aktuellen Gegner, den "Code-Killer", streckt ihn ein Herzinfarkt nieder: Urplötzlich ist McCalebs Karriere beendet. "Mich reizt besonders, dass McCaleb körperlich und psychisch so anfällig ist", sagt Eastwood. "Denn solche Probleme sind ihm völlig neu. Ihm geht die Arbeit über alles, und er beherrscht sie wie kein anderer. Doch von einem Moment zum anderen sieht er sich aufs Altenteil abgeschoben. Unter den Umständen versucht er das Beste daraus zu machen, er lebt friedlich auf einem Hausboot im San Pedro Harbor bei Los Angeles bis ihn eine Unbekannte um Hilfe bittet." Die schöne Fremde heißt Graciella Rivers, sie überredet McCaleb, sein Rentnerdasein aufzugeben und seine angegriffene Gesundheit auf Spiel zu setzen, um dem mysteriösen Mord an ihrer Schwester endlich auf den Grund zu gehen. Eastwood vertraute diese Rolle der bewährten Schauspielerin Wanda De Jesús an. "Im Roman wird Graciella als Lateinamerikanerin vorgestellt, und das wollte ich in den Film übernehmen", sagt Eastwood. "Das Drehbuch charakterisiert sie als Frau, die sich vom Schicksal nicht unterkriegen lässt, im Gegenteil: die schlimmen Erfahrungen machen sie stärker als je zuvor - Wanda versteht das wunderbar auszudrücken. Als fähige Schauspielerin bringt sie eine Menge Erfahrung mit - sie als Graciella zu besetzen erschien mir daher ganz logisch." "Ich glaube nicht, dass Graciella Rachegedanken hegt", stellt De Jesús fest. "Aber sie geht sehr konzentriert vor - sie weiß, was sie will. Sie stammt aus einem Umfeld, in dem Recht ein Fremdwort ist - Recht für ihren zehnjährigen Neffen, dessen Mutter einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen ist. Die Ermittlungen kommen nicht voran, sie hat die Nase voll von der Polizei-Bürokratie. Deswegen wendet sie sich an McCaleb, weil sie davon ausgeht, dass er ihr helfen wird. Denn es gibt außergewöhnliche Umstände, die ihn mit dem Opfer verbinden." Graciellas ungewöhnlicher Fall bringt McCaleb ganz gegen seinen Willen dazu, beruflich wieder aktiv zu werden - er kann ihre Geschichte nicht einfach ignorieren. Trotz seiner schwachen Konstitution untersucht er den merkwürdigen Mordfall, wobei er sich bald auch von Graciella angezogen fühlt. "Beide müssen sie mit sehr schweren Verlusten fertig werden", sagt De Jesús. "Ich glaube, was McCaleb vor allem an ihr mag: Sie ist durchaus keine hilflose Jungfrau in Nöten. Sie kommt ganz gut allein zurecht, verfolgt hartnäckig ihr Ziel, will vor allem um ihres Neffen willen Resultate sehen - und zu diesem Zweck kann sie McCaleb als Partner sehr gut gebrauchen." Mit dem Filmthema, mit Graciellas speziellem Dilemma, kann De Jesús sich sehr leicht identifizieren: "Für mich geht es in Blood Work darum, wie ein schwerer Verlust das Leben eines Menschen völlig verändert. Durch meine Recherchen fand ich heraus, wie der Prozess aussieht, den Menschen üblicherweise durchmachen, wenn sie einen Angehörigen durch Mord verlieren: In die Trauer mischen sich phasenweise Wut und die Frage nach dem Warum. Wie konnte das passieren? Ich sehe Graciella als Sprachrohr für all die Menschen, deren Angehörige vorzeitig gestorben sind." Die Rolle der mitfühlenden, aber sehr abgeklärten Kardiologin Dr. Bonnie Fox besetzte Eastwood mit der Oscar-Gewinnerin Anjelica Huston - sie ist die Tochter jenes legendären Regisseurs John Huston, den Eastwood 1989 in "Weißer Jäger, schwarzes Herz" darstellte - er hat den Film auch selbst inszeniert. "Ich schätze Anjelica als Kollegin und auch persönlich", verrät Eastwood. "Ihr selbstbewusstes Auftreten entspricht genau ihrer Rolle in unserem Film: Dr. Bonnie Fox versucht rigoros zu verhindern, dass McCaleb wieder in seinen Beruf zurückkehrt." "Wenn man sich schon die Mühe macht, jemandem ein neues Herz einzupflanzen, dann ist die Nachbehandlung offensichtlich von größter Bedeutung", stellt Huston fest. "Dr. Fox ist überzeugt, dass McCaleb seinen Zustand nicht ernst genug nimmt. Ihre Aufgabe ist also klar vorgezeichnet." Nach einer Pause fährt sie fort: "In einem meiner letzten Filme habe ich neulich Mick Jaggers Heiratsantrag abgelehnt - irgendwie ist es doch logisch, dass ich jetzt Clint Eastwood herumkommandiere." Ähnlich wie Huston macht es dem gefeierten Multitalent Jeff Daniels riesig Spaß, gemeinsam mit Eastwood die Beziehung zwischen McCaleb und seinem trägen Nachbarn Buddy Noone auszuloten, der McCaleb herumchauffieren mußs. "Buddy ist Ex-Surfer, ein echter kalifornischer Strandgammler", beschreibt ihn Daniels. "Falls er jemals ein Buch gelesen hat, dann höchstens eins über das Meer. Eigentlich ist er ein sehr entferner Verwandter von Harry, den ich in "Dumm und dümmer" gespielt habe. Buddy kann McCaleb nicht in Ruhe lassen; ständig reizt er ihn, er nervt total. Besonders lustig wird es, wenn wir diesen komischen Aspekt als Gegengewicht zu den Thriller-Elementen des Films einbringen", lacht Daniels. "Es bringt wirklich Spaß, Mr. Eastwood zu nerven." "Mich begeistern Jeff Daniels' Filme seit vielen Jahren; in meinen Augen ist er die Idealbesetzung für Buddy Noone", sagt Eastwood. "Er kann sich in seinen Figuren unglaublich verwandeln. Er beherrscht eine große Bandbreite von Rollen - seine konzentrierte Energie wertet jedes Genre auf, egal ob Kriegsepen wie ,Gettysburg' oder Komödien wie ,Dumm und dümmer' und , "2 Tage in L.A."." Ganz das Gegenteil zum locker-flockigen Kumpel Buddy bildet der berühmte Komiker Paul Rodriguez mit seiner Darstellung des Detective Arrango, dem McCalebs Einmischung in den Fall und sein legendärer Status ein Dorn im Auge sind. "Arrango kann keine Erfolge vorweisen, er ist zutiefst frustriert und geht sofort auf Konfrontationskurs", erklärt Rodriguez. "Eigentlich ist er kein schlechter Kerl, hat aber einen gewaltigen Minderwertigkeitskomplex. An allem, was schief geht, gibt er seiner lateinamerikanischen Herkunft die Schuld - er glaubt, die allgemeinen Vorurteile würden seine Beförderung verhindern. Denn im Grunde sollte McCaleb doch ein leuchtendes Vorbild für Arrango sein - er wird respektiert, hat Erfolg, tritt selbstsicher auf - aber Arrango ist derart eifersüchtig, dass er McCaleb einfach nicht fair behandeln kann." Zum Blood Work-Ensemble gehören schließlich Tina Lifford als Detective Jaye Winston, McCalebs frühere Kollegin, die ihn bei seiner inoffiziellen Fahndung nicht gerade begeistert unterstützt; Dylan Walsh als Arrangos besonnener Partner Detective John Waller und Mason Lucero als Raymond, der Sohn des Mordopfers Gloria Torres. Schiffbruch vor laufenden Kameras Der Film entstand im Frühjahr 2002 fast ausschließlich an Originalschauplätzen in und um Los Angeles - nur fünf Drehtage waren in den Warner Bros. Studios vorgesehen. Gefilmt wurde im San Fernando Valley, im Santa Clarita Valley, im Zentrum von Los Angeles und in den Küstenvororten Long Beach und San Pedro.Besonders intensive Vorbereitungen nahmen die Action-Szenen auf einem verrosteten Frachter in Anspruch: Dort inszenierte Eastwood Terry McCalebs Showdown mit dem flüchtigen Serienkiller. Gedreht wurde nachts auf einem echten Wrack: Der Fischdampfer war vor vielen Jahren an der südkalifornischen Küste auf Grund gelaufen. Der Regisseur bereitete diese Sequenz so sorgfältig vor, weil er wusste, dass man sie nicht wiederholen konnte. "Der Fischdampfer war natürlich kein bequemer Drehort, aber doch sehr geeignet, weil er nicht dümpelte - wir drehten bei sehr starkem Wind, aber dennoch lag das Wrack felsenfest im Wasser. Allerdings haben sich alle Mitarbeiter Beulen am Kopf geholt, denn überall stand rostiges Metall hervor, und jedesmal, wenn man durch eine Tür ging, knallte man gegen den Rahmen." Nach Abschluss der Dreharbeiten wurde der Dampfer in Absprache mit der US-Küstenwache, der Hafenbehörde von Los Angeles und der Umweltbehörde versenkt. Einige Szenen spielen auch im verrotteten Bauch des Wracks - und das baute der zweifache Oscar-Preisträger und langjährige Eastwood-Mitarbeiter, der Produktionsdesigner Henry Bumstead, in den Warner Bros. Studios nach. Das aufwändige Set war zwei Stockwerke hoch und wurde in einem Wasserbecken errichtet, weil auch im Innern des geborstenen Rumpfes Wasser steht. Damit Eastwood die atemberaubende Verfolgungsjagd durch die verfallenen Korridore angemessen in Szene setzen konnte, stattete Bumstead das Set mit beweglichen Wänden und speziellen Kameragerüsten aus. Wie alle seine Regiearbeiten ist auch Blood Work ein Musterbeispiel für Eastwoods Effizienz, Professionalität und Liebe zum Metier. "Wir haben 38 Tage gedreht - für heutige Verhältnisse ist das wenig", sagt Eastwood. "Andere würden das Tempo wohl als unangenehm empfinden, aber ich arbeite schon lange so und habe nie das Gefühl, dabei Kompromisse einzugehen. Hätte mir jemand 45 Tage zugestanden, würde ich sicher genauso vorgehen - wir hätten nur ein paar Tage mehr frei. Alle geben ihr Bestes, wir schaffen unser Pensum, und dann geht's zur nächsten Szene." "Er dreht selten mehr als zwei Wiederholungen aus einer bestimmten Kameraperspektive", staunt Paul Rodriguez, der gar nicht fassen konnte, dass Eastwood die Eröffnungseinstellung des Films nur ein einziges Mal drehte. "Einfach unglaublich. Wir drehten den ersten Take, und dann fragte Clint den Kameraassistenten: ,Steve, wie sah das aus?' Steves Antwort: ,Klasse!' Clint fragte, was ich davon hielt, und als ich mich auch zufrieden äußerte, sagte er: ,In Ordnung, weiter geht's.' Ich wollte es gar nicht glauben und fragte: ,Meinst du das ernst? Nur ein Take? Die Eröffnungsszene des Films?' Dazu Clint: ,Wenn Steve OK sagt, dann ist sie OK.' Und ging zur nächsten Szene über. Das habe ich bei meinen über 30 Filmen noch nie erlebt, und ich werde es wohl auch nie wieder erleben - es sei denn, er engagiert mich nochmal!" "Bessere Jobs als mit Clint gibt es in Hollywood nicht", sagt Cutter Joel Cox, der seit "The Outlaw Josey Wales" (Der Texaner, 1975) mit Eastwood zusammenarbeitet. "Unglaublich, wie selbstsicher er Entscheidungen fällt. Wenn er am Set auftaucht, hat er den Ablauf jeder Szene bereits im Kopf, und er dreht genau die Einstellungen, die nötig sind. Außerdem vertraut er seinen Mitarbeitern - jeder darf wirklich ungehindert seine Arbeit machen. Er gehört nicht zu den Regisseuren, die keine Verantwortung abgeben können und insistieren: ,Die Tischtücher müssen rot sein, ich will andere Bilder an den Wänden, und die Beleuchtung mußs einen bestimmten Farbton haben.' Er engagiert extrem professionelle Mitarbeiter und legt anfangs fest, wie der Film ausehen soll. Und genau das liefern sie ihm." "Ich engagiere gern Mitarbeiter wieder, mit denen ich bereits Filme gemacht habe - Leute, die sich auskennen und Spaß an der Arbeit haben", betont Eastwood. "Die ,Blood Work'-Crew hat Großartiges geleistet, vor allem wenn man bedenkt, dass ein Großteil des Film unter schwierigen Bedingungen nachts gedreht werden mußste. Jede Abteilung hat hervorragend funktioniert." Trotz seines rasanten Drehstils wirkt Regisseur Eastwood am Set immer sehr entspannt. "Bei ,Blood Work' liefen die Dreharbeiten lockerer, funktionaler und in besserer Stimmung ab, als ich es je erlebt habe", stellt Anjelica Huston fest. "Sicher liegt das daran, dass die meisten Mitarbeiter Clint seit vielen Jahren kennen. Sie müssen sich kaum noch mit Worten verständigen, man arbeitet gern zusammen und hat großes Interesse an der Filmarbeit. Außerdem ist Clint ein witziger Typ - er hält alle bei Laune." "Als er mich anrief und mir die Rolle anbot, sagte ich: ,Du machst wohl Witze?'", erinnert sich Jeff Daniels, der inzwischen in über 30 Filmen mitgewirkt und kürzlich zwei Independent-Filme selbst geschrieben und inszeniert hat. "Sofort habe ich mich näher über Clint, seine Filme, seinen spezifischen Regiestil und seine Auffassung vom Filmemachen informiert. Ich war echt begeistert, da mitmachen zu dürfen. Ich habe meine Szenen als Darsteller absolviert, und anschließend setzte ich mich in eine Ecke und beobachtete ihn. Dabei kam ich mir vor wie auf der Schulbank - ich habe eine Menge gelernt." Daniels' Berufsauffassung kam Eastwoods geradlinigem Regiestil sehr entgegen: "Ich mußs sagen, dass Jeff weniger Aufmerksamkeit von mir einfordert, als ich es von all seinen Kollegen gewohnt bin", bestätigt Eastwood. "Er bereitet sich gut vor, bietet kreative eigene Ideen an. Man mußs ihm selten Regieanweisungen geben. Ich erkläre ihm einfach, was ich erreichen will, und genau das liefert er, sehr konzentriert und auf den Punkt." Daniels war tatsächlich so damit beschäftigt, Eastwoods Vorstellungen umzusetzen, dass er bei den Dreharbeiten in der Wüste fast eine Katastrophe heraufbeschwor. "An meinem zweiten oder dritten Drehtag saß ich am Steuer des Wagens, Clint war Beifahrer, der Kameramann drehte vom Rücksitz aus", berichtet Daniels. "Die Sonne stand schon tief, und ich steuerte den Wagen durch die Kurven, während wir die Szene spielten und versuchten, die Einstellung in den Kasten zu bekommen, solange das Tageslicht ausreichte. Weil die Kamera im Außenspiegel zu sehen war, sollte ich ihn verstellen. Ich lange also nach draußen, und plötzlich greift Clint ins Steuerrad und zieht den Wagen nach rechts. Ich seh nach vorn und merke, dass er ganz ruhig einen Frontalzusammenstoß mit einem Kleinbus verhindert hat, der hinter einer Kurve hervorschoss. Ich erstarrte und dachte: ,Ich habe ihn fast umgebracht! Beinahe hätte ich Clint Eastwood umgebracht!'" Der unerschütterliche Eastwood füllt mit tyischem Understatement nicht nur die aufreibenden Funktionen des Regisseurs und Produzenten aus, sondern tritt auch in praktisch jeder Szene vor der Kamera auf - in vielen Fällen übernimmt er sogar seine eigenen Stunts. "Ich mache das ja schon seit vielen Jahren, aber diesmal war es besonders schwierig, weil ich in jeder Sequenz mitspiele", gibt Eastwood zu. "Doch mir macht die Arbeit Spaß, und ich lege Wert darauf, dass die Zuschauer für ihr Geld auch etwas zu sehen bekommen. Die Arbeit ist aufreibend - körperlich wie geistig. Aber ich will es ja nicht anders. Leicht soll es gar nicht sein, vielmehr mußs es Spaß machen. Jede Phase fordert meinen ganzen Einsatz, genaue Vorbereitungen. Es kommt nicht darauf an, ob es gerade um die Planung, das Design, die Umsetzung beim Dreh oder um den Schnitt geht - in jedem Fall bin ich da und trage meinen Anteil dazu bei." Ein weiteres berühmtes Markenzeichen von Eastwoods Filmen besteht darin, dass er bruchlos zwischen der Rolle vor der Kamera und den Aufgaben des Regisseurs hin- und herwechselt. "Clint wirkt in jeder Szene derart konzentriert, dass man immer nur den Schauspieler sieht, obwohl er doch auch Regie führt", sagt Wanda De Jesús. "Ob er die Szene schon beurteilt, während wir sie gerade spielen oder erst am Ende, wenn er ,Cut!' ruft - jedenfalls lässt er sich nie etwas anmerken: Dazu spielt er zu gut", stimmt Daniels zu. "Als Regisseur und als Schauspieler unterstützt mich Clint in jeder Phase, damit ich das erreichen kann, was ich mir vorgenommen habe." "Wenn man mit Clint auftritt, kommt man sich gar nicht wie ein Schauspieler vor", sagt Rodriguez. "Durch sein Auftreten vergisst man seinen legendären Status völlig. Man merkt überhaupt nicht, wie er sich in seine Rolle verwandelt, und folgt seinen Vorgaben völlig locker. Bei der Arbeit mit ihm kam ich mir wie ein 16-jähriges Mädchen bei einem NSYNC-Konzert vor. Er ist die Liebenswürdigkeit selbst. Ich weiß diese Chance zu schätzen, und die Freiheit, die er uns allen einräumt." Wie findet der Malpaso-Mann sein Gleichgewicht, wenn er bei seinen Produktionen derart viele Aufgaben auf einmal bewältigen mußs? "Wenn wir eine Szene spielen, dann spüre ich, ob sie funktioniert - und zwar in Bezug auf alle beteiligten Figuren", erklärt Eastwood. "Das ist nicht einfach. Ich mußs ständig darauf achten, dass ich mich sozusagen ,anknipse'. Aber wenn man es mit tollen Kollegen wie Jeff, Anjelica und Wanda zu tun hat, knipse ich mich leichter an, weil sie sich so intensiv in die Situation einleben, dass ich mich einfach mitreißen lasse." "Bei ihm sieht das so einfach aus", sagt Huston, die selbst die Spielfilme "Bastard Out of Carolina" (Schutzlos - Schatten über Carolina) und "Agnes Browne" (Frauen unter sich) inszeniert hat. "Mein Vater hatte eine Standardantwort, wenn ich ihn in schwierigen Fragen um Rat bat: ,Mach's einfach, Liebling'. Und Clint scheint es einfach wunderbar zu machen." "Ich habe meinen Vater jahrelang auf der Intensivstation begleitet, war dabei, als sein Herz-Aneurysma operiert wurde", fährt Huston fort. "In den letzten zwölf Jahren seines Lebens ging es ihm sehr schlecht. Meine Erlebnisse mit Vater im Krankenhaus und Clint, der ihn in ,Weißer Jäger, schwarzes Herz' dargestellt hat, fließen ganz merkwürdig ineinander. Clint als Mensch, sein Auftreten, seine Ruhe und Gelassenheit, erinnern mich stark an meinen Vater. Seine wunderbare Sprechweise, sehr langsam, seine entspannten Bewegungen schaffen sofort eine Atmosphäre, in der man sich heimisch fühlt. Dieser Stil, diese Haltung, verbreiten Ruhe am Set, was besonders für die Schauspieler entscheidend ist - vor allem, wenn man anfangs ein wenig Bammel vor der Arbeit mit Mr. Eastwood hat." Vielleicht drückt Jeff Daniels jene Ehrfurcht und Begeisterung am besten aus, die Darsteller und Team am Set von Blood Work empfanden, als sie mit einer der berühmtesten Persönlichkeiten der Filmgeschichte zusammenarbeiten durften: "Es passiert auch beim Film nicht alle Tage, dass man Clint Eastwood dabei zusehen darf, wie er mitten über einen kalifornischen Boulevard marschiert und mit seiner abgesägten Schrotflinte einen Ford in Fetzen schießt." |
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