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Von A. S. Byatt
besessen
"Nur aus großer Leidenschaft
entsteht große Kunst - davon bin ich überzeugt", sagt
Produzentin Paula Weinstein. "Es geht nicht darum, ob man sein
Leben ausleben darf, sondern vielmehr darum, ob man überhaupt
wagt, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen."
Wir wussten beide genau, dass eine Filmfassung nicht einfach zu bewerkstelligen war. Jahrelang habe ich den richtigen Regisseur und Drehbuchautor gesucht - in diesem Fall war es ein und dieselbe Person: Neil LaBute. In seinen bisherigen Filmen geht es zwar gar nicht romantisch zu - er nimmt sehr politisch Stellung zum Verhältnis zwischen Mann und Frau -, aber genau dies ist auch das zentrale Thema des Romans. Deshalb war er in der Lage, die Figuren mit der richtigen Gewichtung auf die Leinwand zu übertragen. Neil hat sich äußerst intensiv und leidenschaftlich in den Stoff eingearbeitet: Ob zu viktorianischen Zeiten oder heute - auf jeder Ebene des Romans geht es um die Auseinandersetzung der Geschlechter. Dialoge zwischen Mann und Frau über Vorherrschaft, Führungsrollen, über Sexualität und Liebe - da ist Neil LaBute in seinem Element." Regisseur und Drehbuchautor LaBute schätzte den Roman schon lange, bevor er zum Filmteam stieß: "Ein großartiges, sehr kluges Buch. Ich war neugierig, wer das wohl verfilmen würde. Dann bekam ich selbst die Chance dazu und begann ernsthaft über das Wie nachzudenken. Anderthalb Jahre arbeitete ich an dem Skript, zunächst mit der Drehbuchautorin Laura Jones, später allein. Es war sehr schwierig, die beiden Zeitebenen mit ihren Figurenensembles ausgewogen nebeneinander zu stellen. In ,Besessen' geht es um konkrete Dinge - Briefe, die Vergangenheit -, aber auch um Selbsterfahrung: Wie spiegelt sich die Vergangenheit in der Gegenwart? Zwei Paare in zwei verschiedenen Beziehungen entdecken Dinge in sich, die sie nicht für möglich gehalten hätten." LaBute bezeichnet sein Erzählkonzept als "eine Art Archäologie der Gefühle. Die beiden Literaturwissenschaftler unserer Geschichte hatten bisher keine Ahnung von der Affäre der beiden berühmten Dichter. Sie entdecken, dass Randolph Henry Ash und Christabel LaMotte nicht nur Bekannte waren, sondern sich tatsächlich ineinander verliebten und für kurze Zeit ihre Leidenschaft auslebten. Für die Zuschauer ist das eine tolle Erfahrung, denn wir schauen den Akademikern dabei zu, wie sie ihre Schlüsse ziehen, wie sie überlegen, was damals wohl vorgefallen ist und wie die Gedichte zu interpretieren sind, aber nur das Publikum weiß am Ende genau, wie es sich wirklich zugetragen hat." Weinstein freute sich riesig, als es LaBute gelang, derart viele der Hauptthemen des Romans im Skript unterzubringen: "Die viktorianische und die heutige Lovestory unterscheiden sich auffällig. Erstaunlicherweise entwickelt sich die Liebe im 19. Jahrhundert viel lockerer, leidenschaftlicher und wagemutiger als die heutige, die von einer ganzen Reihe post-freudianischer Analysen und Ängste geprägt ist." Die heutige Beziehung entwickelt sich, während die beiden Wissenschaftler dem Geheimnis nachspüren. "Zwei Briefe, die in einem Buch stecken, bringen die Geschichte ins Rollen", erklärt LaBute. "Das Aufschlagen eines Buchs ist im Grunde unglaublich banal, aber dann fällt da etwas heraus, was das persönliche und berufliche Leben mehrerer Personen nachhaltig ändern wird. Von Ash weiß man nur, dass er in einer sehr stabilen Ehe lebte. Und Christabel war eine sehr moderne Frau - Schriftstellerin, Ur-Feministin und lesbisch. Man hielt es bisher für unwahrscheinlich, dass sich die beiden Dichter jemals getroffen haben, aber Roland und Maud nehmen die Witterung auf und lassen nicht locker, bis sie herausfinden, was damals passiert ist. Und je mehr sie in diese vergangene Welt eintauchen, die immer emotionalere, immer weniger intellektuelle Züge annimmt, desto weniger können sie in ihren eigenen Schneckenhäusern verharren, weil sie sich zueinander hingezogen fühlen. Sie erleben eine für unsere Zeit ganz typische Beziehung: Sie finden zu schnell zueinander und suchen dann immer neue Gründe, um nicht zusammenzubleiben - erfinden alle möglichen Ausflüchte, weichen einander aus. Sie wagen einfach nicht, sich auf das Unbekannte einzulassen. Was lernen sie am Ende von ihren dichtenden Vorbildern? Die waren damals bereit, die sehr engen gesellschaftlichen Grenzen zu überschreiten, sie nahmen das Risiko auf sich. Denn die Liebe ist jedes Chaos wert, das aus ihr entstehen könnte." Trotz (oder gerade wegen) seiner Bewunderung für den Roman ahnte LaBute, dass es ihm wohl nicht gelingen würde, alle Buchleser zufrieden zu stellen. Vor allem die Reaktion einer bestimmten Person fürchtete er: "Als Antonia Byatt uns bei den Dreharbeiten besuchte, war mir ein wenig mulmig zu Mute, weil ich nicht wusste, wie sie reagieren würde. Ich hatte Angst, sie würde die buchstabengetreue Übertragung des Romans einfordern. Aber sie zeigte sich äußerst großzügig, denn sie weiß genau, dass es nicht ohne Kürzungen geht - ein Roman dieses Umfangs mußs einfach komprimiert werden, um in zwei Kinostunden zu passen. Es kommt vor allem darauf an, dass man die Essenz des Buches bewahrt. Bei manchen Passagen war ganz klar, dass sie sich nicht auf die Leinwand übertragen lassen: die umfangreichen Beispiele aus den Werken der beiden Dichter und die Diskurse über die viktorianische Gesellschaft und Politik. Ich mußste solche Abschnitte auf andere Art in unsere Rekonstruktion jener Zeit verweben. Doch es gibt im Buch immer wieder emotionale Momente, die ich auf jeden Fall im Film erhalten wollte. Zufälle wirken auf den Buchseiten überzeugender als auf der Leinwand, und so probiert man beim Drehbuchschreiben eben, die Elemente der Geschichte miteinander zu verknüpfen, ohne den Zufall zu sehr zu bemühen." Laut Weinstein "bewahrte Neil das Wesentliche aus Antonia Byatts Geschichte und verpasste ihr einen modernen Look. Antonia las das Skript und merkte gleich, wie genau er die Essenz ihres Romans getroffen hatte. Doch ich bin weiterhin überzeugt davon, dass seine Figuren Gespräche führen, wie sie nur in LaBute-Filmen vorkommen können." "Das Schlüsselwort ist Ausgewogenheit", sagt LaBute. "Schwierig wird es nämlich, wenn man zwei parallel verlaufende Geschichten erzählt - zumal Lovestorys: Ich mußs mir etwas einfallen lassen, ohne die Erwartungen des Publikums zu enttäuschen. Natürlich geht der Zuschauer davon aus, dass beide Paare ähnliche Liebeserfahrungen machen, aber im Grunde liegt der Schwerpunkt eher auf der Darstellung der Unterschiede. Allein der viktorianische Teil ist derart opulent und detailfreudig angelegt - einer großen Oper gar nicht so unähnlich: aufbrausende Gefühle, schwelgerische Kostüme, dramatische Situationen. Außerdem müssen unsere Helden des 19. Jahrhunderts kein Geheimnis entdecken, keinen Indizien nachspüren und dabei die Behörden austricksen. Tatsächlich haben Roland und Maud im Film sehr wenig Zeit füreinander, ganz zu schweigen von der Romanze mit anschließender Trennung. Also war das entscheidende Moment der Erzählstruktur die Ausgewogenheit der beiden Geschichten - dies und der künstlerische Vergleich, die Gegenüberstellung der Sitten beider Epochen." Besessen besetzen Die größte Abweichung vom Buch ergab sich durch die Entscheidung, aus Roland Michell einen Amerikaner zu machen. Im Roman ist er ein Brite aus der Arbeiterschicht. Im Film wird Roland als Amerikaner in den hermetischen Zirkel englischer Akademiker eingeführt - jeder versteht, dass er hier Außenseiter ist.Dazu Neil LaBute: "Ich habe aus Roland einen Amerikaner gemacht, weil ich mich im englischen Klassensystem nicht gut auskenne - aber ich weiß genau, wie man sich als Ausländer fühlt, der sich eine Zeitlang in einer fremden Gesellschaft aufhält. Ich habe als Stipendiat am Royal Court Theatre gearbeitet und etliche meiner Erfahrungen ins Drehbuch geschmuggelt - und zwar nur in Bezug auf die Reaktionen, die man mir als amerikanischem Bühnenautor entgegenbrachte: Ich erlebte mich damals lauter und aggressiver als je zuvor. Gewisse Anstandsgrenzen habe ich gedankenlos missachtet, und das wollte ich in die Figur des Roland einbringen. Er ist so impulsiv, dass er schnell außer Kontrolle gerät. Ich entdeckte in der Geschichte das sehr aussagekräftige Motiv, dass es zwischen zwei Kollegen aus sehr unterschiedlichen Umfeldern und Kulturen plötzlich funkt - nicht nur, weil sie Mann und Frau sind, sondern weil sie in unterschiedlichen Gesellschaftsformen aufwuchsen." "Roland engagiert sich sehr für seinen Beruf", stellt Paula Weinstein fest. "Mehr als einmal übertritt er die Regeln, trotzt den Konventionen. Er zieht Schlüsse, die vielleicht der Sache gar nicht angemessen sind, aber er lässt sich nicht beirren, weil er von einem unbändigen Forschungsdrang getrieben wird." Aaron Eckhart, der Roland darstellt, beschreibt seine Filmfigur als "einen Typen, der seiner Vergangenheit in Amerika den Rücken kehren will. Die Arbeit macht ihm zwar Spaß, aber eigentlich sieht er sich als Künstler - zumindest darf er jetzt über Dichter schreiben. ,Besessen' ist die Geschichte seiner Entwicklung: Durch Maud entdeckt er sein Herz, und er findet zu seiner wahren Berufung." Eckhart identifiziert sich sehr weitgehend mit seiner Rolle: "Wer kennt das nicht? Wir laufen vor etwas weg und wissen nicht, was wir mit dem Leben anfangen sollen. Ich bin Roland in mancher Hinsicht ähnlich: nicht nur physisch, sondern auch geistig und emotional. Irgendwie müssen wir das Leben meistern, uns den Problemen stellen. Wir müssen uns mit der Tatsache abfinden, dass es die vollkommene Liebe nicht gibt, dass sie wehtut. Dennoch können wir nicht auf sie verzichten." Eckhart und LaBute kennen sich schon über zehn Jahre, waren Kommilitonen an der Uni, haben zusammen Theater gemacht. Eckhart ist in allen LaBute-Filmen aufgetreten. "Wir drehen jetzt den vierten Film zusammen", sagt Eckhart. "Daran kann man sicher unsere Entwicklung ablesen - nicht nur in Bezug auf unsere Filmarbeit, in der wir zunehmend Erfahrungen sammeln, sondern auch in der Wahl unserer Stoffe. Diesmal erkunden wir völlig neue Gefilde - vor allem Neil, der sich intensiv mit den Viktorianern auseinandersetzen mußste, um das Drehbuch zu schreiben. Wir können es immer noch nicht fassen, dass wir mit derart berühmten Kollegen arbeiten und so großartige Erfahrungen machen dürfen. Ich finde, dass wir uns in der Arbeit bestens ergänzen: Wir stellen einander ständig in Frage, und ich bitte Neil dann, mir mit Regieanweisungen zu helfen. Dadurch hat sich eine feste Vertrauensbasis entwickelt." Und LaBute fügt hinzu: "Ich habe mit Aaron oft genug gearbeitet, um zu wissen, dass er praktisch mit jeder Idee etwas anfangen kann, die mir in den Kopf kommt. Er experimentiert sehr gern. Er probiert dann verschiedene Kostüme durch, um so neue Aspekte der Figur zu entwickeln und auszuprobieren. Die Arbeit mit ihm ist sehr angenehm - die beste Voraussetzung für ,Possession'." Im Mittelpunkt des Films steht das Verhältnis zwischen dem unangepassten Outsider Roland und der sehr viel pragmatischeren Maud. Sie hält sich ständig zurück - vor allem in ihrer Beziehung zu Roland, die das Herzstück des Films bildet. "In unserem Film gibt es keinen der üblichen Gegenspieler", erklärt LaBute. "Die Triebfeder besteht in dem Verhältnis zwischen Roland und Maud - aus der Reibung, die sich zwischen zwei Menschen ergibt, die schmerzliche Erfahrungen gemacht haben und deswegen auf Distanz bleiben - daraus ergeben sich in unserer Geschichte wahre Freude, Leiden, der eigentliche Konflikt." Weinstein wünschte sich von Anfang an Gwyneth Paltrow als Maud. Paltrow hatte von der Produzentin (und ihrem Mann, dem inzwischen verstorbenen Produzenten Mark Rosenberg) 1992 ihre erste große Chance bekommen, als sie in "Flesh and Bone" eine Nebenrolle übernahm und allen Kollegen die Show stahl. "Ich bewundere Gwyneth seit langem", bestätigt Weinstein. "Sie ist eine fantastische Darstellerin. Und sie entspricht auch äußerlich der Maud, wie Antonia Byatt sie beschrieben hat: groß, cool und mit entsprechendem Charisma." LaBute pflichtet ihr bei: "Gwyneth bringt Intelligenz und Stil mit - sie ist prädestiniert für die Rolle, gleichzeitig aber auch als Person wunderbar sensibel. Sie ist eine starke Frau, und wenn eine starke Persönlichkeit den Panzer ein wenig aufbricht und jemanden einlässt, berührt uns das umso mehr. Diesen Wandel stellt Gwyneth ganz traumhaft dar. Ich halte sie und Aaron für ein fantastisches Paar - schon rein äußerlich, aber auch von ihrem schauspielerischen Ansatz her. Man nimmt ihnen die Reibungspunkte, die gegenseitige Anziehung ab - und genau das ist nötig, um die Figuren vom Buch auf die Leinwand zu bringen." Paltrow findet, dass "Maud sich unglaublich abkapselt. Offensichtlich hat sie schon eine Menge erlebt - emotional macht sie einfach die Schotten dicht. Ihre Beziehung zu Fergus (gespielt von Toby Stephens) ist ungefährlich, weil sie ihn nicht ernst nimmt und kaum respektiert. Als Roland auftaucht und Maud um Hilfe bei der Lösung des Rätsels zwischen Ash und Christabel bittet, reagiert sie zunächst ablehnend. Aber im Lauf der Zeit merkt sie, wie sie Roland lieben lernt - so wie sie beide die Liebe des viktorianischen Paares entdecken." Die Arbeit in Großbritannien macht der Oscar-Preisträgerin besonders Spaß - wieder einmal stellt sie eine Engländerin dar: "Ich habe schon etliche Rollen mit britischem Akzent gespielt, und das Filmemachen hier ist eine sehr angenehme Erfahrung. In den USA funktioniert die Branche wie eine gut geölte Maschine - entscheidend ist das Produkt, das am Ende herauskommt, und der Umsatz. Doch in England spüre ich immer, dass die Menschen hier eher an den künstlerischen Aspekten interessiert sind. Deswegen läuft es vielleicht beim Dreh nicht immer so glatt, aber ich habe trotzdem das Gefühl, meine Zeit und Energie sinnvoll zu investieren - es hat sich gelohnt, diesen Film zu machen." Auch die neue Erfahrung einer Rolle im Universitätsmilieu genoss sie in vollen Zügen: "Akademiker führen ein sehr romantisches Leben! Häufig hat man den Eindruck, die Arbeit an der Uni sei trocken und langweilig, doch in Wirklichkeit geht es meistens um Entdeckungen, um die Entwicklung von Ideen, um die Analyse von Gedankengebäuden vergangener Epochen. Ein toller Beruf!" Im krassen Gegensatz zur Beziehung des heutigen Paares entwickelt sich das Verhältnis zwischen dem viktorianischen Poeten Randolph Henry Ash und der feministischen Schriftstellerin Christabel LaMotte. "Wir halten uns heute zwar für psychologisch sehr viel reifer, weil wir es wagen, unsere Probleme in Worte zu fassen und anzupacken, aber dennoch finden wir immer wieder neue Barrieren, die wir zwischen uns aufbauen können", führt LaBute aus. "Je mehr wir unsere Welt geistig durchdringen und neue Wege der Kommunikation entdecken, desto mehr gelingt es uns auch, uns von den anderen abzuschotten. Die Zeit damals hatte eine andere Qualität: Man mußste richtig Mühe investieren, um einen Brief zu schreiben oder Bekannte zu besuchen." Eckhart stellt fest, dass Roland und Ash schon zu Beginn des Films miteinander verbunden sind, obwohl sie doch in völlig verschiedenen Welten leben: "Roland hat Ashs Werke schon in der Highschool kennen gelernt. Ash ist ein Meister des dramatischen Monologs, aber zu einem bestimmten Zeitpunkt seines Schaffens schreibt er Liebesgedichte - und jedermann glaubt natürlich, dass sie an seine Frau Ellen gerichtet sind. Durch eine verblüffende Entdeckung findet Roland aber heraus, dass nicht Ellen die Adressatin der Gedichte ist, sondern Christabel LaMotte, in die Ash sich verliebt hat. Roland erlebt das als Offenbarung, denn er hielt ihn für einen treuen Ehemann und in mancher Hinsicht für einen Heiligen, für einen unerschütterlich ehrlichen und aufrichtigen Mann, den nie ein moralisch-ethisches Dilemma angefochten hat. Jetzt stellt sich heraus, dass Ash durchaus ein Mensch war, der mit ganz realen Problemen und Leidenschaften konfrontiert wurde." Ash und Christabel wurden mit Jeremy Northam und Jennifer Ehle besetzt. Weinstein charakterisiert sie als "ganz hervorragende Schauspieler. Sie begriffen sofort das Vorläufige, den Versuchscharakter ihrer Figuren, vor allem, was es für Ash bedeutet haben mußs, aus seiner lieblosen Existenz auszubrechen und sich auf die Affäre mit Christabel einzulassen, die weit weniger zu verlieren hatte." "Ash verliebt sich zum ersten Mal über beide Ohren - als ob er sagen würde: ,Ich kann nicht anders'", stellt LaBute fest. "Er hatte sich mit seinem Leben abgefunden und ist mit seiner Frau ganz zufrieden, aber als er sich in eine andere verliebt, stellt ihn das vor ein schreckliches Dilemma. Er ist ein ausgesprochener Mensch seiner Zeit - deswegen erfahren wir erst in unserer Gegenwart, welch großes Risiko er eingegangen ist, als er eine Frau kennen lernte, deren Leidenschaft seiner ebenbürtig war." "Jeremy hat schon viele historische Rollen gespielt", fährt LaBute fort. "Doch ich fand, dass er Ashs Liebenswürdigkeit absolut überzeugend darstellen könnte. Diese Art Empfindsamkeit hat er meines Erachtens noch nie ausspielen dürfen, außerdem ist er im richtigen Alter, bringt die nötige Intelligenz und die Qualitäten eines Hauptdarstellers mit. Aber vor allem kann er wunderbar spielen - jede seiner Rollen prägt er mit großer Würde und Aufrichtigkeit." Executive Producer David Barron fügt hinzu: "Ash braucht sehr viel Charisma - er ist ein Gelehrter, aber auch ein Romantiker. Mit seiner Persönlichkeit mußs er es zum Hofdichter von Queen Victoria bringen - gleichzeitig aber auch Christabel den Kopf verdrehen. Er mußs attraktiv in dem Sinne sein, dass er auch heutige Zuschauer als Liebhaber überzeugt. All diese Qualitäten bringt Jeremy mit." "Wir erleben Ash in der Geschichte auf verschiedenen Ebenen", sagt Northam. "Ich sehe ihn als ehrbaren Mann, dem sein Herz ganz unerwartet einen Streich spielt, ihn aus dem Alltagstrott aufschreckt. Es geht nicht nur um die Tatsache einer außerehelichen Beziehung, sondern er mußs sich selbst, seinen Lebensplan in Frage stellen. Er liebt sowohl seine Frau als auch Christabel, aber auf ganz unterschiedliche Weise. Weil er irgendwie damit umgehen, einen neuen Weg einschlagen mußs, wird er von ganz ungewohnt intensiven Gefühlen überwältigt. Christabel und Ash liefern sich auf intellektueller Ebene einen verbalen Schlagabtausch - das ist eine geistige Beziehung, die aber von sehr körperlicher Leidenschaft begleitet wird." "Das heutige Paar verliebt sich, weil es Christabels Vorbild vor Augen hat", sagt Ehle. "Ihr Leben verläuft tragisch, aber sie hat einmal die große Liebe erlebt. Und darum geht es wohl vor allem: Die Liebe ist jedes Risiko wert. Christabel denkt sehr unkonventionell, lebt nach ihren eigenen Regeln - so wie es ihr gefällt." LaBute fügt hinzu: "Christabel lebt ihr Leben derart dynamisch und zielgerichtet, dass mir Jennifer sofort als Idealbesetzung vorschwebte. Jennifer ist ganz unverkennbar eine ausgeprägte, starke Persönlichkeit - und sie kann sich in die Darstellung der Christabel wunderbar einbringen. Ganz ehrlich: Ich halte sie für eine unserer besten Bühnen- und Filmschauspielerinnen." Über das Zusammenspiel des Paares sagt Northam: "Wir haben uns unsere eigene kleine Welt errichtet, in der das Publikum durch einen Blick, eine Geste mehr über die beiden erfährt als durch eine ganze Seite Erklärungen. An diesen kleinen Dingen erkennt man, was die Beziehung ausmacht - so etwas kann man im Drehbuch nicht mit Worten ausdrücken. Mich hat Stil immer interessiert - häufig wird er falsch verstanden als die Art, wie man geht und redet. Nein, in ,Besessen' gibt es eine ganze Reihe von Stilebenen, die mich faszinieren." LaBute kommentiert: "Im Film bilden die Schauspieler die kürzesten emotionalen Leitungen - sie stellen die Verbindung zwischen Publikum und Geschichte her, sie zeigen uns, auf wessen Seite wir uns stellen müssen. Ich habe den Eindruck, dass wir in ,Besessen' die richtigen Leitungen gelegt haben." Besessen von viktorianischen Schlössern Weil die Erzählstruktur des Films zwei verschiedene Epochen einschließt, stellten die Filmemacher ein Team zusammen, das beiden bestens gerecht wird.Neil LaBute hatte aktuell bei "Nurse Betty" mit dem französischen Kameramann Jean Yves Escoffier gearbeitet, weil "ich es angemessen fand, einen Film über das amerikanische Selbstverständnis durch die Sichtweise eines Außenstehenden zu filtern. Genauso ging es mir auch bei ,Besessen': Mir gefiel die Tatsache, dass Jean Yves genau wie ich noch keinen Kostümfilm gedreht hat. Ich hatte zwar einige traditionelle Szenen geschrieben - aber wir setzten sie mit Jean Yves' Hilfe weniger konventionell in Bilder um. Außerdem können wir uns inzwischen bei der Arbeit mit sehr wenigen Worten verständigen, und ich war sicher, dass er dem Film mit seinem Erfahrungsschatz seinen eigenen Stempel aufdrückt." Um Ideen für ihren eher unkonventionellen Ansatz zu entwickeln, schauten sich LaBute und Escoffier etliche Filme an, die in etwa die gleichen Epochen thematisieren. Traditionelle Kostümfilme und Fernsehproduktionen (darunter Ken Russells TV-Film "Dante's Inferno" von 1967) führten sie in das Ambiente der Präraffaeliten ein. Außerdem durchstöberten sie amerikanische und britische Fotobände, um Bilder mit der entsprechenden Atmosphäre zu finden. "Ich glaube, was Menschen in der Vergangenheit entdecken, verfolgt sie bis in die Gegenwart. Und darum geht es in ,Besessen': Große Massenszenen sind hier sicher nicht angebracht. Meine Filme handeln meist von kleinen Gruppen in großen, leeren Räumen. Auch ,Besessen' ist eher ein intimes Epos - sowohl in den viktorianischen als auch in den heutigen Szenen." Die Kostümbildnerin Jenny Beavan und Produktionsdesignerin Luciana Arrighi sind beide Spitzenkräfte ihrer Zunft - beide haben bereits den Oscar gewonnen. Und beide bringen schon umfangreiche Erfahrung mit der Bebilderung vergangener Epochen mit. Gemeinsam bemühten sie sich, für die abwechselnden Zeitebenen angemessene farbliche und stoffliche Übergänge und Entsprechungen zu kreieren. Weil die handelnden Figuren die separaten Geschichten offensichtlich eng verknüpfen, werden die viktorianische Zeit und unsere Gegenwart eher verbunden als voneinander abgesetzt. "Am spannendsten fand ich bei den Dreharbeiten den Wechsel von der Gegenwart in die Vergangenheit in ein und demselben Raum", sagt Arrighi. "Entsprechend verwenden wir auch in der Dekoration der Jetztzeit gewisse Antiquitäten - die Gegenwart der Vergangenheit." Beavans Kostüme spiegeln das Verhältnis Damals-heute durch Kleider, die die Psyche ihrer Träger reflektieren: "Roland sieht unauffällig ungepflegt aus, Maud trägt einfache und saubere Sachen. Was sie anziehen, entspricht ihrer Einstellung. Ash ist zwar ein traditioneller Dichter, aber er lässt sich von Christabel bezaubern - also haben wir uns bei ihren Kleidern von den Präraffaeliten inspirieren lassen. Stilistisch orientierten wir uns an einem ethnisch-mittelalterlichen Gewand, wie es bei den Präraffaeliten vorkommt: Das variierten wir bei den verschiedenen Anlässen mit unterschiedlichen Stoffen." Bei der Endfertigung stieß eine weitere Oscar-Preisträgerin zum Team: Die Cutterin Claire Simpson arbeitete beim Schnitt mit LaBute zusammen, um die Feinheiten der erzählerischen Übergänge zwischen Gegenwart und Vergangenheit herauszuarbeiten. Dabei orientierten sich die beiden häufig an Arrighis und Beavans Ausstattung und Kostümen, aber auch am Spiel der Darsteller. "Ein sehr befriedigender Aspekt dieser gesamten Produktion besteht darin, dass sich alle Mitwirkenden, Schauspieler wie Filmteam, intensiv darum bemühen, die Bilder lieber mit unserem Talent, mit unserer Hände Arbeit zu schaffen, als dass wir uns auf die Nachbearbeitung im Computer verlassen", sagt LaBute. "Bei diesem Film wollten wir keine falsche Atmosphäre schaffen, Einstellungen nicht mit künstlichen Mitteln verfremden. Sogar als es technisch richtig kompliziert wurde, als sich die beiden Zeitebenen in ein und derselben Einstellung trafen, entschieden wir uns für ein strikt altmodisches Vorgehen. Versetzbare Wände, klug vorbereitete Ausstattungsdetails und die auf Zehntelsekunden genau getimete Choreografie überzeugen den Zuschauer mehr als jede Tricktechnik - ich bin mit dem Resultat mehr als zufrieden." "Ähnlich gingen wir bei der Aufnahmetechnik vor - wir setzten nur ganz selten die Videokamera ein, um die Aufnahmen zu kontrollieren", fährt LaBute fort. "Ich bewundere die Regisseure der alten Schule, die ihren Mitarbeitern ins Auge blickten und fragten: ,Hat's diesmal geklappt?' Denn ich persönlich halte nichts davon, mich in den Schneideraum zurückzuziehen und das Videoplayback zu kontrollieren, bis ich hundertprozentig weiß, dass meine Einstellung keinen Fehler enthält. Ich setze auf mein Urvertrauen. Vertrauen ist für mich beim Filmemachen unverzichtbar." Während der elfwöchigen Dreharbeiten reiste das Filmteam durch ganz England - nach Lincoln, Lancaster und zu etlichen Schauplätzen in Yorkshire: Whitby, zur Abtei in Newburgh, Pickering, Broughton Hall, Bolton Abbey und Thomason Foss. Anschließend entstanden einige der Innenaufnahmen in den berühmten Londoner Shepperton Studios. Als erstes Filmteam durfte die "Besessen"-Crew während der regulären Öffnungszeit im British Museum drehen, außerdem in Bereichen des Museums, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind und die noch nie in einem Film zu sehen waren. Die Aufnahmeleiterin Sue Quinn berichtet: "Glücklicherweise standen uns derart große Bereiche des British Museum zur Verfügung, denn sie passen traumhaft zu unserer Geschichte - man kann die akademische Atmosphäre förmlich riechen." Und Aaron Eckhart fügt hinzu: "Der Dreh im British Museum hat mich sehr angeregt, vor allem die Szenen zwischen all den Kunstwerken. Alle Schauplätze sind wirklich traumhaft. Die Schlösser, in denen wir drehten, verbreiten eine ganz eigene Atmosphäre, die mich in genau die richtige Stimmung bringt - man kann sich in diesem Ambiente völlig verlieren." Jeremy Northam erinnert sich an Straßenaufnahmen in Whitby: "Einerseits spürt man die ungeheure Weite, die frische Seeluft, andererseits herrscht dort eine düstere, unheimliche Stimmung, die von der Abtei oben auf der Steilküste geprägt wird - absolut traumhaft." Beim Schauplatz Thomason Foss handelt es sich um genau den Wasserfall, der in Byatts Roman beschrieben wird. "Normalerweise sucht man sich lieber Drehorte aus, die etwas leichter zu erreichen sind", sagt Quinn. "Aber wir wollten unbedingt am Originalschauplatz drehen. Von all den Drehorten, mit denen ich bisher zu tun hatte, war dies wohl der unzugänglichste - aber wir haben unser Team trotzdem dorthin gelotst, und die Mühe hat sich gelohnt." Die viktorianische Ära Bei der Vorbereitung zu Besessen hatte Neil LaBute bereits einige konkrete Vorstellungen entwickelt, wie er die viktorianischen Sequenzen bebildern wollte - er orientierte sich an Filmen und Büchern über die damalige Zeit. Aber gerade deswegen, so erklärt er, mußste er "aufpassen, dass ich diese Epoche nicht einfach nachahmte, sondern sie vielmehr neu interpretierte, denn die Rückblenden entstehen ja aus den Erfahrungen, die Menschen im Hier und Jetzt machen.Wenn wir in Besessen in die Vergangenheit zurückblenden, ist das nicht einfach ein Schnitt zu einer neuen Story, sondern wir illustrieren eine Entdeckung, die Roland und Maud in der Gegenwart machen, und sie stellen sich aus heutiger Sicht vor, wie es damals wohl war." Jennifer Ehle hat den Eindruck, dass Queen Victorias Epoche meist "übertrieben romantisch dargestellt wird, was wohl nicht den Tatsachen entspricht". Tatsächlich hat man den Viktorianismus im Lauf der Zeit sehr romantisiert, doch in Wirklichkeit war das 19. Jahrhundert von sozialem Wandel und von Krisen geprägt. 1859 veröffentlichte Charles Darwin "The Origin of Species" (Über die Entstehung der Arten) - seine Theorie der natürlichen Auslese war ein Schlag ins Gesicht der gläubigen Viktorianer und schuf ein Klima der Verunsicherung, in dem man Wissenschaft gegen Religion ausspielte. Isobel Armstrong, Englisch-Professorin an der University of London (ihr hat A.S. Byatt den Roman "Besessen" gewidmet) erklärt: "Damals waren die Evolution und deterministische Sozialphilosophien noch sehr umstritten. Doch die Ursprünge des revolutionären Wandels, aus dem dann die Welt des 20. Jahrhunderts hervorging, sind zu dieser Zeit durchaus schon spürbar. Was Byatt in ihrem Zeitbild so gut gelingt: Intuitiv spürt sie die Veränderungen, die sich unter der Oberfläche vollziehen und wenig später zum Ausbruch kommen werden." Andererseits ist Armstrong überzeugt, dass die Menschen des 19. Jahrhunderts in einer Freiheit lebten, die uns heute nicht mehr zugänglich ist: "Was Ash und LaMotte fühlen und ausdrücken, was sie erforschen und durchdenken, was sie begehren, ist dem Paar in der Gegenwart nicht mehr möglich. Wenn man wie in der heutigen Gesellschaft derart abgeklärt mit der Sexualität umgeht, dann kann man sie auch nicht mehr mit geheimnisvollen Gefühlen und schwelgerischen Emotionen verbrämen. Am Anfang von Besessen haben Roland und Maud ihren Glauben an die Leidenschaft aufgegeben. Sie müssen erst weit in die Vergangenheit zurückgehen, um sie neu zu entdecken. Ihre historischen Vorgänger sind viel eher in der Lage, Risiken einzugehen. Die Faszination der Erforschung des 19. Jahrhunderts liegt darin, dass der Abstand sehr groß ist, weil wir heute über Themen offen sprechen können, die damals tabu waren. Die Menschen jener Zeit konnten sich weder über Sexualität noch über Körperlichkeit oder ähnliche Themen austauschen, die Byatts modernem Paar selbstverständlich sind. Die beiden finden Sexualität, Freizügigkeit und Offenherzigkeit sogar langweilig. Sie tauchen hinab in eine Vergangenheit, in der alles zugeschnürt, unterdrückt und verborgen wurde - und finden sie faszinierend." Ähnlich verhält es sich mit der Lyrik der Viktorianer, die heute auf Interesse stößt, weil sie in einem sozial restriktiven Umfeld entstand. Gwyneth Paltrow weist darauf hin, dass "die Gedichte einem tiefen inneren Gefühl entspringen und sich völlig innerhalb der Grenzen bewegen, die damals soziologisch akzeptiert wurden. Wahrscheinlich war die dichterische Emphase, die lyrische Schönheit ein Ventil, durch das man sich frei fühlen konnte." LaBute fügt hinzu: "Gedichte sind auch heute noch ein überzeugendes Medium, um sich auszudrücken. Doch wir legen nicht mehr denselben Wert darauf wie früher - die Menschen damals lasen Lyrik zum Vergnügen, weil sie sich rühren lassen und künstlerische Freiheit spüren wollten. Ich bin überzeugt, dass die Kraft auch heute noch vorhanden ist - alles hängt nur davon ab, ob wir uns darauf einlassen." In den fiktiven Dichtern Randolph Henry Ash und Christabel LaMotte finden sich etliche Charakterzüge tatsächlicher Poeten jener Zeit. Oft wird Robert Browning als Vorbild für die Gedichte von Byatts Ash bezeichnet. Jeremy Northam kommentiert: "In Ash werden verschiedene Aspekte zu einer neuen Figur verwoben - bestimmte Ausrichtungen der Romantik, auch Eigenheiten anderer Schriftsteller, die man wiedererkennen kann. Ash stellt sozusagen das geballte romantische Ideal dar." LaMotte erscheint wie eine Mischung aus Christina Rossetti, Emily Dickinson und Elizabeth Barrett Browning. Vor allem letztere übte großen Einfluss auf die literarische Figur aus, weil sie berühmte Liebesbriefe mit ihrem Mann Robert Browning austauschte. Für Armstrong geht es in Besessen um "Begehren - dieses Wort taucht im Text immer wieder auf, auch in den Gedichten der beiden viktorianischen Poeten: Die Natur des Verlangens, die Sehnsucht, die überwältigende Intensität der Begierde, die sich auch das moderne Paar wünscht, obwohl es davor zurückschreckt. Die Figuren der Vergangenheit sind in ein mythisches Umfeld gebettet. Ja, sie schaffen sich ihre eigenen Mythen, einfach weil sie ihr Begehren sprachlich irgendwie formulieren müssen, was direkt natürlich nicht möglich ist. Anscheinend erfrischt und stärkt sich das so nüchtern lebende moderne Paar an dieser geheimen Erfahrungsquelle, an deren Existenz es fest glaubt. Die Schönheit viktorianischer Poesie besteht in der rückhaltlosen Emotion, der wir uns in unserer abgeklärten und selbstanalytischen Modernität einfach nicht hingeben wollen. Dieses außergewöhnlich intensive Gefühl war damals Ausdruck einer sprachgeschichtlich sehr komplexen und reichhaltigen Epoche: Die englische Sprache hatte ein äußerst kraftvolles Stadium erreicht, weil es aus etlichen konvergenten Vokabularien schöpfen konnte - der Sprache der Wissenschaft und Technik sowie der mythischen Alltagssprache, die sich bei beiden Dichtern nachweisen lässt -, und gleichzeitig war die Sprache in der Lage, Lyrik von erstaunlicher Tiefe und Wucht hervorzubringen." Abschließend berichtet Armstrong, dass "die Viktorianer sich für die Gotik begeisterten, weil sie den Erfindergeist, die freie Form symbolisierte. Ash gelingt es auf ganz erstaunliche Weise, die Welt üppiger Ornamente und überbordender Ideen einzufangen, während Christabel gotische Einflüsse bei ihrer Gestaltung mythischer Märchenlandschaften spüren lässt. Fast bekommt man den Eindruck, dass Byatt zwei gegensätzliche Pole der viktorianischen Dichtung ansteuerte: einen, der sich äußerst detailverliebt gibt, und den anderen, der zurückhaltender wirkt und sich auf praktische, einfache, wunderschöne Symbole beschränkt. Byatts Gedichte erweisen sich als verblüffend fantasievolle Einblicke in die Welt der viktorianischen Poesie." |
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