Safecrackers - Diebe haben's schwer

Produktionsnotizen

Alle Gelegenheitsgauner von Collinwood, einem Glasscherbenviertel außerhalb von Cleveland, träumen nur von einem: dem perfekten Verbrechen. Unter Eingeweihten spricht man von einem "Belllini", ein Bruch so makellos und simpel, dass er selbst einem ausgemachten Idioten gelingen würde, wenn er die nötigen Informationen besäße. Wenn es um einen Bellini geht, dann geben sich blinder Glaube und schiere Verzweiflung bereitwillig die Hand.


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Collinwood ist eine der nicht allzu feinen Wohngegenden, die Clevelands einstmals quicklebendiges Industriezentrum umgeben. Es gehört zu der Sorte Stadtteil, in der lediglich einzelne Straßen unterschiedliche ethnische Enklaven voneinander trennen. Yuppies oder urbanen Pionieren würde es nicht im Traum einfallen, einen Fuß in das Viertel zu setzen.

Hier verkauft kein Starbucks seinen Kaffee; und "Happy Meals" gibt es hier nur bei der Heilsarmee oder der Bahnhofsmission. In Collinwood besteht kein Unterschied zwischen 1960 oder 1990, das 20. ist dort das 21. Jahrhundert. Wenn es hier Veränderungen gibt, dann nur außerordentlich langsam. Nein, ein freundlicher Ort ist das nicht, dafür aber ein authentischer, ein amerikanischer Ort.

In Safecrackers - Diebe haben's schwer, dem Spielfilmdebüt der in Cleveland geborenen Brüder Joe und Anthony Russo, die gemeinsam Regie führten und das Drehbuch schrieben, ist Collinwood nicht einfach nur die Kulisse für einen ungewöhnlichen Mix aus Komödie und Tragödie, diese Nachbarschaft gehört für sie schlicht und einfach zur Besetzung.

"Wir haben die Story völlig bewusst in ein traditionelles Arbeiterviertel von Cleveland verlegt, weil wir die archaische Atmosphäre interessant fanden", sagt Anthony Russo, der sich mit seinem Bruder Joe dank ihres Studentenfilms "Pieces", der 1997 beim Slamdance Film Festival aufgeführt wurde, die Aufmerksamkeit und Unterstützung von Oscar-Gewinner Steven Soderbergh (Ocean's Eleven, Traffic, Erin Brockovich) sichern konnte. "Diese Geschichte sollte sich nicht in einer spezifischen oder erkennbaren Zeitabschnitt abspielen. Collinwood war einfach perfekt für unsere Absicht, Raum und Zeit eine untergeordnete Rolle spielen zu lassen."

Der Weg der Russos von ihren Wurzeln in Cleveland zu einer acht Millionen Dollar teuren Actionkomödie ist, nach den Worten des ausführenden Produzenten Casey LaScala, selbst "ein Märchen - mit zwei Feen: Steven Soderbergh und George Clooney".

Diese unglaubliche Aschenputtel-Geschichte nahm ihren Ausgang im Jahr 1997, als Steven Soderbergh zufällig einer Vorführung von "Pieces" beiwohnte, einer schwarzen Komödie über drei durchgeknallte italienische Brüder in Cleveland, die vergeblich versuchen, im Toupet-Geschäft Fuß zu fassen. Eine Woche später erhielten die Brüder einen Anruf von Soderbergh.

"Wir konnten es nicht glauben", berichtet Joe Russo. "Steven sagte, dass er unser nächstes Filmprojekt produzieren wollte. Und er sagte uns: ,Man kann in Hollywood zwei Wege gehen. Man kann sein eigenes Drehbuch schreiben und es dann verfilmen - oder man versucht, an einen guten Stoff eines anderen Autoren ranzukommen, und verfilmt dann den.'

Wir antworteten, dass wir es vorziehen würden, unser eigenes Material zu inszenieren. Also setzten wir uns auf unseren Hosenboden und schrieben die nächsten zwei Jahre wie verrückt." Anthony erzählt weiter: "Nachdem Steven und George ihre Produktionsfirma Section Eight gegründet hatten, nahmen sie sich unserer an und betonten, dass sie einen Film mit uns machen würden. Das Ergebnis ist Safecrackers - Diebe haben's schwer."

Joe Russo bestätigt, dass sie sich für ihr Drehbuch, der Geschichte einiger vom Pech verfolgter Gauner, die den großen Coup landen wollen, "stark von "Diebe haben's schwer" (1958), einem italienischen Film, dessen Handlung wir nach Cleveland verpflanzten, inspirieren ließen. Wir behielten die ethnischen Figuren, verlegten die Handlung aber von einer italienischen in eine amerikanische Arbeiterklassengegend".

"Unser fester Entschluss war es, die Idee, mit verschiedenen Handlungssträngen zu arbeiten, durchzuziehen", sagt Anthony. "Es war uns sehr wichtig, dass jede Figur ihren festen Platz in der Geschichte hatte - das ist der Schlüssel zu und oft auch das große Problem von Ensemblefilmen."

Clooney und Soderbergh unterstützten die Russos nicht nur mit Ratschlägen und bei der Finanzierung, sondern warfen ihre Reputation auch in die Waagschale, als es um die Besetzung ging. "Steven hält die Russos für sehr talentierte Regisseure, und das half uns, ausgesprochen namhafte Schauspieler für das Projekt zu finden, die sich ihre Rollen nach Gusto aussuchen können", merkt der ausführende Produzent Ben Cosgrove an. "Die Tatsache, dass George sich bereiterklärte, eine kleine Rolle in dem Film zu übernehmen, war von maßgeblicher Bedeutung für Warner Bros. und die Produktionsfirma Gaylord, sich zur Finanzierung bereit zu erklären."

Obwohl sie das Drehbuch bereits in der Hoffnung geschrieben hatten, damit ein namhaftes Ensemble zu begeistern, waren die Russos doch höchst erstaunt, wieviel tolle Schauspieler sie letztendlich für Safecrackers - Diebe haben's schwer gewinnen konnten. "In Grunde genommen ist es ein Schauspielerfilm", meint Anthony Russo.

"So haben wir das Projekt von Anfang an gesehen. Und mit diesem Vorsatz gingen wir auch an die Besetzung ran. Wir wollten actor's actors, also Vollblutschauspieler, gewinnen, weil wir fanden, dass unser Drehbuch förmlich nach ihnen schrie. Unser Ensemble besteht jetzt aus unseren absoluten Lieblingsdarstellern. Mit ihnen arbeiten zu können, war unglaublich aufregend."

"Wenn man mich fragt, warum ich mich für diesen Film entschieden habe, dann mußs ich sagen: wegen des Skripts", erklärt William H. Macy. "Das liest sich, als sei es ein zeitgemäßer Stoff, gleichzeitig ist es wie eine Komödie aus den 30er Jahren.

Alles fügt sich nahtlos ineinander, der Humor ist großartig, und den Figuren wird eine wunderbare Detailverliebtheit entgegengebracht. Und dann zieht sich eine herrliche Moral durch die Geschichte, die mich völlig entwaffnet hat. Ich habe mich von jeher für Verlierer interessiert, die endlich ihre Chance erhalten."

Wie die Darsteller arbeiteten auch die Filmemacher und ihre Crew für die gewerkschaftlich vorgeschriebenen Mindestlöhne. "Alle, und ich betone: wirklich alle, auch George Clooney, nahmen einen deutlichen Nachlass bei der Bezahlung in Kauf", berichtet Cosgrove.

"Tatsächlich war Clooney die am schlechtesten bezahlte Person der gesamten Produktion. Er machte weniger Geld als die Produktionsassistenten." Und er verrät: "Um der Wahrheit zu sagen: George und Steven steckten ihren gesamten Produzentenlohn umgehend wieder in den Film, und dann ließen sie auch noch ihre Produzentenbezahlung für "Insomnia - Schlaflos" (2002) in Safecrackers - Diebe haben's schwer fließen. Sie sind nicht nur Produzenten, sondern auch Investoren." Bei einem knapp gesteckten Budget von acht Millionen Dollar mußs man als Filmemacher nicht nur schwierige Entscheidungen treffen, sie müssen obendrein noch gut sein. "Wir setzten so gut wie nie Kamerakräne ein. Wir verzichteten weitgehend auf Steadicams. Wir ließen die richtig guten Spielzeuge einfach im Schrank stehen.

Aber wir haben dennoch einen Film gemacht, der aussieht, als hätte er wesentlich mehr Geld gekostet, als uns eigentlich zur Verfügung stand", sagt Koproduzent Scott Shiffman. "Unser Ausstatter Tom Meyer ist ein richtiger Meister, wenn es darum geht, aus einem einzelnen Dollar wirklich den letzten Cent herauszuholen. Und für die Kulissen und die Garderobe gilt das gleiche."

Tatsächlich hatten die Schauspieler den Eindruck, dass ihnen das Independent-Feeling und das niedrige Budget von Safecrackers - Diebe haben's schwer beim Dreh entgegenkamen. Sam Rockwell beschreibt den eng gesteckten Drehplan als "gut für die Arbeit. Für einen Schauspieler ist es von Vorteil, wenn man sich schnell bewegt, weil man besser fokussiert und gleichbleibendere Leistungen bringt. Die Konzentration wird verbessert".

Für die ambitionierten Russo-Brüder ist Safecrackers - Diebe haben's schwer in Sachen Größe und Budget allerdings ein großer Schritt nach vorn. "Unser Background ist das Low-Budget-Filmemachen. Auf einmal einen Film für acht Millionen Dollar drehen zu können, war absoluter Wahnsinn.

Wir hatten eine Crew von 100 Leuten am Set, die teilweise Dinge machten, die uns im Vorfeld überhaupt nicht bewusst waren", lacht Anthony Russo. "Wir sind es bisher gewohnt gewesen, die Anlage selbst zu tragen und die Beleuchtung selbst aufzustellen." Und sein Bruder Joe fällt ein: "Wir haben den ganzen Krempel am Ende des Tages auch immer wieder selbst abgebaut."

Nicht nur beim Reden ergänzen sich die Brüder aus Cleveland bestens. Isaiah Washington spricht über ihre weiteren Talente: "Das ist bei ihnen, als hätte man ein Gehirn in der Mitte auseinander geschnitten und auf zwei unterschiedliche Paar Beine gestellt. Der eine ist sehr poetisch, der andere denkt sehr visuell. Das ist so, wie es wohl wäre, wenn sich die rechte Hand mit der linken Hand unterhalten könnte."

"Anfangs dachte ich mir: Wozu brauchen wir zwei Regisseure? Mittlerweile denke ich über sie, als wären sie einer allein", gesteht Patricia Clarkson. "Manchmal gibt einem Joe Anmerkungen, manchmal übernimmt das Anthony. Manchmal sitzt Anthony bei der Kamera, manchmal Joe. Wenn ich mit einem von ihnen rede, ist das für mich, als würde ich mit beiden sprechen."

William H. Macy fand die Idee, mit zwei Regisseuren zu arbeiten, überaus praktisch: "Das Resultat ist doch, dass zwei Leute über die Aufnahmen wachen. Ihre Einstellungen sind gut durchdacht. Wenn es zum Schnitt des Films kommt, ist jede Möglichkeit in Betracht gezogen. Ich halte das für sehr effizient. Und sie haben die Zügel sehr kurz gehalten."

Die Unterstützung von Soderbergh und Clooney gab den Russos die Möglichkeit, ihr Potenzial als Filmemacher weiterzuentwickeln. "Steven und George geben sich alle Mühe, ein Umfeld zu ermöglichen, in dem man sich das Beste aus der Studiowelt und das beste aus der Independentwelt herauspflücken und zu einer einzelnen Vision formen kann", sagt Anthony Russo. "Das ist genau, was wir uns immer erträumt haben. Sie haben eine Produktionsfirma auf die Beine gestellt, die Filmemacher wie uns unterstützen kann. Und das erwies sich als ausgesprochen nützliche Quelle."

"Wir sind mit dem europäischen Kino und Filmen des Goldenen Zeitalters aufgewachsen. Wir würden gerne Filme machen, die diese beiden filmischen Welten vereinen", fügt Joe hinzu. "Wir wollen die Geschichten und den narrativen Fluss, die das klassische Hollywood definierten, mit der Charaktertiefe und Experimentierlust, wie wir sie von der Nouvelle Vague und den italienischen Neorealisten kennen, verbinden. Unsere Lieblingsfilme sind die, denen dieses Gleichgewicht gelungen ist."

Szenenfoto
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