Führer Ex

Ausführlicher Inhalt

Berlin in den 80er Jahren: Die beiden 18-jährigen Freunde Heiko (Christian Blümel) und Tommy (Aaron Hildebrand) haben Null Bock. Nicht auf ihre Arbeit, nicht auf ihr totalitär geprägtes Umfeld. Sie pissen auf das SED-Parteiorgan ?Neues Deutschland? und scheißen auf ihre Zukunft.

Denn der "sozialistische Alltag" hat wenig zu bieten. Meistens hängen die beiden Bier trinkend in ihrer Stammkneipe, tanzen Pogo zur Musik der ?Skeptiker? und versuchen erfolglos, Mädchen abzuschleppen. Eigentlich wollen sie nur eins: Abhauen! Raus aus der DDR ? am Besten nach Australien.

Eines Nachts im menschenleeren Fußballstadion zündet Tommy einfach so aus Übermut die Staatsflagge der DDR an. Die eifrige Volkspolizei ist sofort zur Stelle, Heiko kann gerade noch abhauen, aber Tommy wird gestellt ? mit einer Kugel im Arsch.

Er wandert in den Bau. Für Heiko geht das Leben weiter. Er lernt die ebenso selbstbewusste wie verführerische Beate (Jule Flierl) kennen, die ihn noch am selben Abend zum ?Mann? macht. Heikos ist total verknallt. Eines Tages steht sein Kumpel Tommy, gerade aus der Haft entlassen, wieder vor seiner Tür: mit Stacheldraht-Tattoo am Hals und SS-Symbol auf dem Unterarm.

Im Knast hat Tommy Bekanntschaft mit der rechten Szene geschlossen - mehr noch, er hat die braune Ideologie in sich aufgesogen. Sein Entschluss, den sozialistische Staat zu verlassen, steht für ihn jetzt fester denn je. Heiko aber hat inzwischen gar keine Lust mehr abzuhauen. Er will viel lieber bei Beate bleiben. Doch dann mußs er mit ansehen, wie sein bester Freund mit Beate schläft.

?Ich hatte eben Druck? und ?auf Frauen ist sowieso kein Verlass?, entschuldigt Tommy sein Verhalten. Heiko rastet aus, lässt sich dann aber doch von Tommy zu einem gemeinsamen Fluchtversuch überreden. Mit Leiter und Bolzenschneidern bewaffnet, ziehen die Freunde los in Richtung Freiheit.

Das riskante Unternehmen schlägt allerdings grandios fehl: Ein nicht beachteter Stolperdraht wird ihnen zum Verhängnis. Sirenen heulen, Suchscheinwerfer flammen auf, die Grenzpolizei schnappt die beiden Republikflüchtlinge. Zwar kommen sie mit dem Leben davon, aber sie landen im berüchtigtesten und gefürchtetsten Zuchthaus der DDR.

Bald nachdem sich das Gefängnistor hinter ihnen geschlossen hat, wird ihnen klar, dass sie für lange Zeit in eine fremde Welt verbannt sind, in der ganz eigene Gesetze herrschen. Heiko und Tommy werden getrennt. Heiko mußs seine Zelle mit dem Frauenmörder Eduard Kellermann (Dieter Laser) und dem Schwerverbrecher Bonzo (Henning Peker), der es auf den jungen wehrlosen Freddy (Christoph Ortmann) abgesehen hat, teilen. Die beiden Freunde sehen sich nur beim Hofgang.

Während Tommy sich sofort wieder mit den rechtsradikalen ?Kameraden? unter der Führung von Friedhelm Kaltenbach (Harry Baer) arrangiert, kommt Heiko, der sich lieber allein durchschlagen will, mit dem brutalen, von Korruption und sexuellen Missbrauch geprägten Umfeld gar nicht klar. Er begibt sich in die Obhut des Mitgefangenen Hagen (Jürgen Lingmann), der ihm als ?Erziehungsbereichsältester? seinen Schutz anbietet.

Schnell gewinnt Hagen Heikos Vertrauen, um es bald gnadenlos auszunutzen: Beim Duschen wird Heiko von Hagen ganz unerwartet überwältigt und brutal vergewaltigt. Nur mit letzter Kraft kann er nach Tommy schreien. Der eilt mit seinen ?Kameraden? sofort zu Hilfe und findet Heiko zusammengekauert und blutüberströmt auf dem Boden liegen.

Sie stürzen sich auf Hagen und schlagen ihn zusammen. Nach diesem traumatischen Ereignis reicht Heiko Kaltenbach resigniert die Hand. Ein erster Schritt in Richtung Verbrüderung. Eines Nachts in der Zelle, als der Mitgefangene Bonzo Heiko zum Sex zwingt, rammt Heiko ihm wütend einen Schraubenzieher in den Leib. Das verschafft ihm zwar Respekt und Anerkennung bei den faschistischen Mitgefangenen, bedeutet aber auch einen längeren Aufenthalt in Isolationshaft, der ihn langsam aber sicher in den Wahnsinn treibt.

Als Tommy erfährt, wie sehr Heiko leidet, verpfeift er seine Nazikameraden an die Stasi und erwirkt somit Heikos Entlassung aus der Einzelhaft. Während sich Heiko langsam erholt, entwickelt Tommy erneut einen Fluchtplan. Doch auch dieses Mal läuft nicht alles glatt: Tommy gelingt es zwar, versteckt in einer Holzkiste nicht nur die Mauern des Staatsgefängnisses, sondern auch die des Gefängnisstaates hinter sich zu lassen, Heiko mußs aber im letzten Moment zurückbleiben.

Ironie des Schicksals: Nur kurz nach Tommys Ankunft im Westen fällt die Mauer. Im Mai 1990 kehrt Tommy nach Berlin zurück. Auf der Suche nach seinem alten Kumpel, besucht er Heikos Mutter Elisabeth (Luci van Org), die ihm erklärt, dass Heiko in der berüchtigten Weitlingstraße 122 zu finden sei.

Dort angekommen, traut er seinen Augen kaum: Der streng gescheitelte Neonazi, der vor einer Horde junger Gesinnungsanhänger Parolen schwingt, ist kein geringerer als sein alter Freund Heiko. Die Freunde fallen sich in die Arme und feiern ihr Wiedersehen in einer türkischen Bar. Dort arbeitet Beate, mit der Heiko seit seiner Entlassung wieder zusammen ist. Gemeinsam wollen sie um die Häuser ziehen, doch Beate hat vom ?Nazi-Scheiß? die Schnauze voll und gibt Heiko einen Korb.

Wütend legt sich Heiko daraufhin mit einem türkischen Imbissbudenbesitzer an und steckt den Wurststand in Brand. Tommy ist ganz schön verblüfft über die Wandlung seines Freundes, zieht aber dennoch in der Weitlingstraße ein. Bald kommt es zu einer massiven und blutigen Schlacht zwischen den Nazis und den Autonomen.

Die Gruppe um Heiko und Tommy prügeln mit Baseballschlägern brutal auf die Linken ein. Als dabei ein junges Mädchen getötet wird, versteht Tommy seinen Freund Heiko endgültig nicht mehr. Er macht sich aus dem Staub.

Da konfrontiert Kaltenbach Heiko mit Tommys Stasiakte und gibt ihm zu verstehen, dass der Verräter erledigt werden mußs. Aber die Freundschaft ist stärker: Als sie sich gegenüberstehen, kann Heiko Tommy nicht erschießen. Für beide gibt es nun keinen Weg mehr zurück. Jetzt können sie ihren großen gemeinsamen Traum wahrmachen und nach Australien abhauen. Doch der Plan geht nicht auf ...

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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