Dämonisch

Produktionsnotizen

Dämonisch ist ein kraftvoller, provokativer und beängstigender Film über Glaube, verlorene Unschuld und das in der heutigen Welt manchmal nur schwer voneinander zu unterscheidende Wesen von Gut und Böse.

Bei diesem kunstvoll konstruierten psychologischen Thriller, der es versteht, meisterliches Geschichtenerzählen mit ebenso ambitionierten wie verstörenden Themen zu verbinden, handelt es sich um das beeindruckende Regiedebüt des Schauspielstars Bill Paxton, der auch die wichtige Rolle des Dad übernahm.

Dämonisch thematisiert die Zerstörung einer einst idyllischen Familie im amerikanischen Süden, bei der der Vater und seine beiden Söhne einer schweren und überraschenden Prüfung unterzogen werden.

Paxton kann sich auf eine hervorragende Besetzung, darunter Matthew McConaughey, Powers Boothe und die beeindruckenden Newcomer Matthew O'Leary und Jeremy Sumpter, sowie eine starke Crew, u. a. der preisgekürte Kameramann Bill Butler, verlassen, die ihn beim Erschaffen einer klassischen Hitchcock-Welt voller Atmosphäre, Suspense und Überraschungen unterstützen.

Das Drehbuch von Dämonisch zeichnet sich durch seine meisterliche Erzählung aus. Halb Thriller, halb Mystery, geht die Geschichte völlig originelle und unerwartete Wege, um zu ihrem verblüffenden Ende zu gelangen. "Brent Hanleys Drehbuch ist eine wahre Offenbarung", lobt Produzent David Kirschner. "Eine der herausragenden Qualitäten des Skripts ist es, dass man bei jeder neuen Lektüre immer noch mehr herausziehen kann."

Der Titel bezieht sich auf die Zerbrechlichkeit der menschlichen Wahrnehmung. Autor Brent Hanley orientierte sich an klassischen Filmen, Romanen und selbst Musik, um sich inspirieren zu lassen. "Ich habe mir viel Hitchcock angesehen, als ich Dämonisch verfasste", erinnert sich der Autor. "Ich studierte Charles Laughtons "Die Nacht des Jägers" (1955) und hörte mir Lieder von Leonard Cohen an. Oft gibt es Verweise auf die Bibel, insbesondere auf die Geschichte von Isaac und Elemente des Alten Testaments."

Hanleys Drehbuch hinterließ bei Bill Paxton enormen Eindruck. Der beschreibt Dämonisch als "einen Film in der großartigen Tradition von Alfred Hitchcock und Robert Aldrich. Es ist ein Film, der sehr, sehr düstere Dinge andeutet". Weil ihn die komplexen Themen und der kompromisslose Erzählansatz so sehr faszinierten, wollte Paxton mehr, als einfach nur die Rolle des Vaters zu spielen.

Paxton hatte seine Karriere als Setausstatter von Roger Corman begonnen und immer wieder Arbeiten hinter der Kamera übernommen. Je länger er über Dämonisch nachdachte, desto mehr war er davon überzeugt, mit diesem Stoff sein Regiedebüt geben zu wollen. "Die Geschichte ist verwickelt. Sie ist kompliziert. Das ist ein origineller Noir/Gothic-Thriller, der im Osten von Texas spielt", erklärt Paxton.

"Ich kenne diese Gegend, das Leben dort. Ich kenne diese Figuren. Ich kenne die Parameter dieser Geschichte aus meiner eigenen Arbeit an Filmen wie "Ein einfacher Plan" (1998), "One False Move" (1991) und "Traveller" (1997). Ich habe viel von der Arbeit mit Regisseuren wie Sam Raimi gelernt. Und ich dachte, das kann ich auch."

Zum Teil wurde Paxtons endgültige Entscheidung, die Regie zu übernehmen, auch von der Tatsache beeinflusst, dass er in der kontroversen Rolle des Vaters nicht von einem anderen Regisseur inszeniert werden wollte. "Ich war ein bisschen nervös, ob ich die Rolle denn annehmen sollte", gesteht Paxton. "Ich hatte die Befürchtung, dass ein durchgeknallter Regisseur an das Drehbuch gelangen und daraus einen sensationalistischen Quatsch machen könnte, um andere Leute zu schockieren. Und ich fand, dass man dem Drehbuch damit nicht gerecht werden würde."

Paxtons klassische Interpretation von Dämonisch ist das genaue Gegenteil: "Meine Vision der Geschichte basierte immer auf der Idee, dass das Skript, das auf sehr viele Knöpfe drückt, eine heikle Angelegenheit ist, vor allem weil auch Kinder eine wichtige Rolle spielen.

Für mich war genau das aber auch der Grund, einen ganz wahrhaftigen, alten Hollywood-Ansatz zu suchen, in dem all die Düsternis nur angedeutet und nicht explizit ausgespielt wird. Man hört das Niedersausen der Axt oder einen Schrei, aber man sieht niemals Blut."

Sein sorgfältige und einfallsreiche Methode, die intensiven und möglicherweise schockierenden Momente zu dramatisieren, gibt dem Material eine neue Dimension und macht den Film zu einer denkwürdigen Horrormär voller Spannung und Terror.

Die richtige Besetzung ist ein wichtiges Element für den Erfolg von Dämonisch. Paxton spielt den Vater mit solch einer Stärke, Überzeugung und Menschlichkeit, dass die Figur auch dann noch glaubwürdig und sympathisch wirkt, wenn sein Verhalten mehr und mehr extrem wird. In der Rolle steckt eine fundamentale Ambivalenz.

"Er ist eine großartige Vaterfigur", meint Paxton, "obwohl er eine diabolische Seite offenbart." Genau das ist einer der Gründe, warum der Schauspieler die Rolle so spannend fand.

Die anderen Darsteller von Dämonisch mußsten sich den gleichen Herausforderungen stellen wie Paxton, um die gleiche Stufe an Leistung zu erzielen. Matthew McConaughey gibt einen hervorragenden Erzähler aus dem Off ab, wenn er in ausführlichen Rückblenden von der Kindheit seiner Figur berichtet.

Seine Darstellung der merkwürdigen und schrecklichen Erlebnisse mit seinem Vater und seinem Bruder ist lebhaft und faszinierend. "McConaugheys Leistung in dieser wichtigen und ambivalenten Rolle ist es, diese komplizierte Geschichte auf eine Weise zu erzählen, die das Publikum direkt anspricht. Er zieht den Zuschauer in die Handlung rein, fordert ihn zum Mit- und Nachdenken auf. Gleichzeitig beschwört er allein durch seine Stimme eine Atmosphäre von Angst und Bedrohung", sagt Paxton.

McConaughey erklärt, dass ihn die Rolle des Fenton Meiks aus mehreren Gründen geradezu magisch anzog: "Mir gefiel die Geschichte sehr gut. Das ist ein klassischer Gothic-Horror, und mir sagte es zu, dass er nicht vor düsteren Momenten zurückschreckt.

Dämonisch präsentiert genau die Angst, die ich mir von Filmen wie diesen erwarte. Denn es ist eine sehr menschliche Geschichte über Jemanden, der etwas zu wortwörtlich nimmt und dann aus scheinbarer Rechtschaffenheit handelt. Das ist ein interessanter Aspekt des menschlichen Verstandes."

Als FBI-Agent Doyle wurde Powers Boothe besetzt, der viel Erfahrung und eine großartige Dynamik einbrachte. "Powers Boothe ist ein Schauspieler, den ich schon lange bewundere", berichtet Bill Paxton. Der Schauspielveteran, der auf eine ganze Anzahl bemerkenswerter Rollen verweisen kann, fühlte sich von dem hochoriginellen Drehbuch und der einmaligen Besetzung vor und hinter der Kamera angezogen.

Über die Geschichte sagt er: "Jede Figur in diesem Film würde Dämonisch anders beschreiben. Für mich ist es ein Thriller, aber das ist eine sehr einfache Sicht. Der Film ist selbstverständlich wesentlich komplexer als das. Und natürlich erlebt man es als Schauspieler nicht oft, dass man sich mit einem Text auseinandersetzen kann, der den Intellekt und die Emotionen gleichzeitig stimuliert."

Die Besetzung der Rollen des jungen Fenton und Adam erwies sich als enorme Herausforderung. Diese Figuren, die schon in jungen Jahren mit fürchterlichem Schrecken konfrontiert werden, mußsten Unschuld und Verletzlichkeit ausstrahlen und gleichzeitig absolut glaubwürdig sein. "Der junge Fenton trägt das Kreuz des Films und führt damit die anderen Darsteller an, deshalb nahmen wir die Besetzung sehr ernst und suchten lange.

Zum Glück fanden wir einen Dreizehnjährigen namens Matthew O'Leary, der perfekt war. Mit seinem Charme überzeugte er alle", erinnert sich Bill Paxton. Matthew war überglücklich, bei dem Film mitspielen zu können: "Mir gefiel das Drehbuch sehr gut, und die Arbeit an dem Film machte viel Spaß. Ich habe viel gelernt, vor allem von Bill Paxton."

Produzent David Kirschner lobt sowohl Matthew O'Leary als auch Jeremy Sumpter, der als junger Adam zu sehen ist: "Ich glaube, ich war noch nie auf zwei Kids so stolz wie auf die Kids in diesem Film. Sie mußsten in einigen Szenen wirklich durch die Hölle und wieder zurück gehen. Und sie meisterten alle Aufgaben einfach bravourös."

Kirschner äußert sich auch mit großer Bewunderung über die Art und Weise, wie Regisseur Bill Paxton mit den beiden Jungs arbeitete: "Es gab Zeiten, da hielt er sie an einer sehr kurzen Leine, dann wiederum blödelte er entspannt mit ihnen herum.

Er wusste genau, wie die richtige Balance zu finden war. Bill hatte viele Gespräche mit den Jungen, erklärte ihnen jede einzelne Szene ganz genau, aber drängte sich als Schauspieler niemals auf. Er ermutigte sie ständig, etwas ganz Eigenes in jede Szene einzubringen. Es war faszinierend zuzusehen."

Als Produktion mit einem relativ bescheidenen Budget hatte Dämonisch Dreharbeiten, die auf nur 37 Tage veranschlagt waren. Dennoch gelang es der Produktion den Look einer texanischen Kleinstadt nachzustellen, indem man geeignete Locations in West Covina, Sylmar, Sun Valley und sogar Teilen von Los Angeles fand.

"Ich wollte einen kargen, sauberen Look, wie in einem Gemälde von Edward Hopper. All das kann man in L.A. finden. Und weil wir in Hollywood arbeiteten, hatte ich Zugang zu einer unglaublichen Crew", sagt Paxton. Eine der faszinierendsten Locations war eine alte Philips-66-Tankstelle in West Covina.

"Wir waren unglaublich begeistert, eine alte Tankstelle zu finden, die von Frank Lloyd Wright entworfen worden war. Eine bessere Kulisse für einen Südstaaten-Gothic-Thriller kann man sich gar nicht vorstellen", freut sich David Kirschner.

Bill Paxton setzte auf den Künstler David Ivie, der ihm behilflich war, den Look zu erzielen, der dem Filmemacher vorschwebte. Paxton beschreibt Ivies Gemälde als "kleine Geschichten". Er ermutigte den Künstler, bei der Erstellung der Storyboards und dem ungewöhnlichen Look von Dämonisch mitzuwirken.

"David war mein eigentlicher Visualist. Ich machte ein paar grobe Skizzen, und David setzte diese Ideen in ausgearbeitete Zeichnungen um. Ich wollte, dass das Universum dieses Films sehr schön sein sollte, auch wenn sich der Schrecken darin mehr und mehr breit macht. David Ivies verleiht dieser Idee Ausdruck", erläutert Bill Paxton. Er nennt aber auch die Beiträge von Kameramann Bill Butler als ungemein wichtig für das beeindruckende Aussehen von Dämonisch.

"Ich war sehr aufgeregt, als Bill Butler, der Kameramann von Klassikern wie "Der weiße Hai" (1975) oder "Der Dialog" (1974), an Bord kam. Ich habe ihm unentwegt Fragen gestellt, weil ich wissen wollte, wie er auf all seine wunderbaren Einstellungen und Schwenks gekommen ist", erinnert sich Paxton.

Der Respekt war beiderseitig, wie Bill Butler in Zusammenhang mit seinen ursprünglichen Gesprächen mit Paxton über das Drehbuch erzählt: "Mir gefiel die Richtung, die er einschlug. Und er lud mich ein, seine Vision mit ihm zu teilen. Es war eine tolle Zusammenarbeit."

Dämonisch spielt vor der Kulisse ländlicher Bauernhäuser, heruntergekommener Motels und Kleinstadtpolizeireviere des amerikanischen Südens. Kameramann Bill Butler arbeitete eng mit Bill Paxton am Look des Films.

Gemeinsam erarbeiteten sie einen Hintergrund aus gedeckten und neutralen Farben, vor dem die Figuren regelrecht herausspringen. "Wenn man sich die Drehorte ansieht, dann hat die Geschichte ein ähnliches Feeling wie "Bonnie & Clyde" (1967)", meint Bill Paxton.

Paxton fasst die Absichten der beteiligten Filmemacher zusammen: "Es ist eine großartige Geschichte mit tollen Figuren und unglaublicher Spannung, weil man sich völlig mit den Erlebnissen und Gewissensnöten dieses heranwachsenden Jungen identifiziert und miterlebt, was er durchmacht, was er sieht, wovor er fliehen will."

Für David Kirschner stellt Dämonisch wichtige Fragen über die Überlebensfähigkeit des Glaubens in der modernen Welt: "Wenn heute jemand sagen würde, dass Gott zu ihm gesprochen hat, dann würden wir ihn für verrückt erklären. Und doch basiert das Alte Testament darauf, dass Gott genau das mit Moses getan hat.

Wir wollen glauben, dass es damals passiert ist, können aber nicht akzeptieren, dass das Gleiche heute vorfallen könnte. Das macht Dämonisch so unglaublich faszinierend. Der Film überlegt, dass das Unmögliche möglich ist."

"Ich wollte einen ruhelosen, beunruhigenden Spukfilm machen", erklärt Bill Paxton. " Dämonisch macht eine Gänsehaut und ist sehr spannend. Aber mehr noch als das hat Dämonisch eine ruhelose, gequälte Schönheit.

Ich war inspiriert von Filmen wie "Die Nacht des Jägers" (1955), "Psycho" (1960) oder "Wiegenlied für eine Leiche" (1964) - Thriller, die mit dem klassischen Hollywoodansatz gemacht wurden. Wir leben in einer auf Sensationalismus getrimmten Gesellschaft, die auf Gewalt abgestumpft reagiert. Aber was man sich vorstellen kann, ist so viel wirkungsvoller als das, was man tatsächlich sehen kann. Dämonisch wird Ihnen einen Höllenschrecken einjagen, das steht fest, aber doch ganz anders, als man es sich denkt."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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