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Über die Entstehung von
Die Liebe der Charlotte Gray
Douglas Rae, dessen Produktionsfirma
Ecosse Films bereits für den vielfach ausgezeichneten
Erfolgsfilm "Mrs. Brown" (1997) verantwortlich zeichnete, war
geradezu versessen darauf, sich die Filmrechte an Sebastian Faulks
Roman Die Liebe der Charlotte Gray zu sichern: ?Die Liebe der
Charlotte Gray ist eine große, romantische Geschichte
über eine junge Frau, die den Krieg erlebt und deren Leben
sich durch diese Ereignisse vollkommen verändert ? ein
absoluter Kinostoff!?
Und Jeremy hat bereits mit "Mrs. Brown" bewiesen, wie feinfühlig und ausdrucksstark er als Autor ist, und dass er sich wunderbar in einen weiblichen Charakter hineinversetzen kann." Mit Sarah Curtis als Produzentin war das Trio, das bereits so erfolgreich "Mrs. Brown" auf die Leinwand brachte, wieder vereint: Auch Curtis zeigte sich von der ?Idee eines Films, der dem Blick auf den geschichtlichen Hintergrund und auf die Landschaft, in der er spielt, viel Raum bietet und gleichzeitig eine sehr persönliche und menschliche Geschichte erzählt? sofort begeistert ? und die Arbeit am Drehbuch konnte beginnen. Jeremy Brock berichtet: ?Als Drehbuchautor, der eine literarische Vorlage adaptiert, bin ich nicht nur daran interessiert, eine gute Story zu schreiben, sondern auch daran, die filmische Entsprechung der Erzählweise des Romans zu finden.? ?Wir haben Sebastian immer wieder während der Arbeit am Drehbuch hinzugezogen?, so Rae, ?haben ihm die verschiedenen Fassungen gezeigt und ihn um seinen Kommentar gebeten. Ich denke, er wird bestätigen, dass ? obwohl wir die Freiheit hatten, bestimmte Änderungen, die aus filmtechnischen Gründen notwendig sind, vorzunehmen ? das Publikum den Ton und Geist seiner Geschichte auf der Leinwand und dennoch ein unabhängiges Drehbuch erkennen wird." Und Sebastian Faulks stimmt zu: ?Ich habe Die Liebe der Charlotte Gray Menschen anvertraut, die sich dem Buch mit ganzem Herzen, ernsthaft und mit sehr viel Talent angenommen haben. Schriftsteller sind immer neugierig darauf, was aus ihren Vorstellungen und ihrer Phantasie auf der Leinwand wird, doch die Umsetzung funktioniert nicht immer. Ich sehe daher eine filmische Adaption eher als eine mögliche Variante des Werks als den Versuch, ein und dasselbe Thema von einem Medium ins andere zu übersetzen. Nichtsdestoweniger habe ich Jeremys erste Drehbuchfassung mit etwas Vorbehalt gelesen ? aber am Ende war ich erleichtert, dass es sich um eine absolut respektable Arbeit handelte, die für sich selbst stand. Ich hatte das Gefühl, dass die erste Hürde genommen war." Über die Hauptdarstellerin Cate Blanchett Sebastian Faulks beeinflusste die Produktion mit einem entscheidenden Vorschlag: ?Ich erwähnte, dass in meinen Augen Cate Blanchett die perfekte Besetzung für die Rolle der Charlotte Gray ist.?Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Romans probte Cate Blanchett gerade für die Wiederaufführung von David Hares ´Plenty´, in dem sie die Rolle einer Frau spielt, deren Erfahrungen als Geheimagentin der britischen Regierung in Frankreich ihr Leben nach dem Krieg völlig verändert haben. Sebastian Faulks legte Cate ein Exemplar von Die Liebe der Charlotte Gray vor den Bühneneingang und Cate fand ? wie sich später herausstellte ? in Faulks Roman viele Hinweise, die sie in ihre Bühnenrolle einarbeiten konnte. Als nun Sebastian Faulks gemeinam mit den Produzenten Cate Blanchett ? an deren Geburtstag ? zum Lunch einlud, war Cate bereits ein Fan von Die Liebe der Charlotte Gray. ?Das Buch hat mir das Herz gebrochen?, beschreibt Cate Blanchett ihre Gefühle beim Lesen des Romans. ?All die Erfahrungen, die Sarah vollkommen desillusioniert haben, haben Charlotte dagegen zum Handeln gezwungen. In Die Liebe der Charlotte Gray geht es um Hoffnung und Wiedergutmachung, während sich ´Plenty´ um den Verlust dieser Hoffnung dreht. Sebastian ist sehr genau und er ist sehr neugierig. Das erlaubt ihm, Details zu beschreiben, die beinahe unerträglich intim sein können. Er hat über Dinge geschrieben, die er eigentlich über Frauen gar nicht wissen kann. Charlotte ist ein sehr leidenschaftlicher Charakter. Irgend etwas zieht sie stark nach Frankreich und bindet sie an dieses Land, das sich in einem Zustand moralischer Zerstörung befindet. Sie scheint zu glauben: Wenn Frankreich wiederhergestellt werden kann und das Land seinen Seelenfrieden wiederfindet, dann kann es ihr auch gelingen.? Cate Blanchett zeigt sich auch von Jeremy Brocks Drehbuch beeindruckt: ?Jeremy Brock hat einen sehr geschickten Weg gefunden, das Buch in die einzelnen Szenen umzusetzen, ohne den emotionalen Gehalt der geschriebenen Zeilen zu verlieren. Einen der großen Unterschiede zwischen Drehbuch und Roman findet man in Charlottes inneren Dialogen, die im Roman eine große Rolle spielen und die Jeremy in Handlungen übersetzt hat. Der Film mußs sich zwangsläufig in dieser Form vom Roman unterscheiden, anders ist eine Verfilmung gar nicht realisierbar.? Cate Blanchett beschreibt Charlotte Gray als ?eine Frau, die ein vollkommen behütetes Leben geführt hat und plötzlich feststellt, dass es noch etwas anderes gibt. Was zwischen Charlotte und Peter geschieht, ist für sie wie ein körperliches Erwachen. Er ist der Auslöser für eine neue Sicht auf die Dinge und das Leben ? und unversehens findet sich Charlotte mit einer neuen Identität und einem neuen Leben wieder, sie wird erwachsen. Trotz der harten Ausbildung ist das Leben im Untergrund weitaus schwieriger, als ihr je jemand hätte beibringen können. Letztlich ist sie völlig auf sich allein gestellt, sobald sie in Frankreich sprichwörtlich fallen gelassen wird. Charlotte fühlt sich, als würde sie immer weiter und weiter fallen. Sie lebt in völliger Angst, ständiger Gefahr und der Panik, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Es gibt diese Kontaktpersonen ? doch denen kann sie kaum vertrauen. Fehler können geschehen ? doch diese Fehler können Leben kosten. Du kannst unmöglich noch dieselbe Person sein, wenn du all das durchgestanden hast?. Charlottes Beziehung zu Julien ist in Blanchetts Augen zunächst ein ?Konkurrenzverhältnis?: ?Sie ringen miteinander mit einem enormen Kräfteaufwand. Die Erfahrungen, die sie teilen und die sie niemandem sonst mitteilen können, schaffen aber schließlich eine Verbindung, die weit über Freundschaft hinausreicht. Sie müssen sich aufeinander verlassen, wie sie sich niemals zuvor auf irgend jemanden verlassen haben.? ?Cate Blanchett ist die beste Schauspielerin ihrer Generation?, schwärmt Produzent Rae. ?Sie ist hoch intelligent und sie ist wandlungsfähig wie ein Chamäleon. Jeder Rolle verleiht sie einen komplett neuen Charakter.? Sarah Curtis ergänzt: ?Wir waren uns alle einig bei der Besetzung von Charlotte. Cate besitzt so viel Charisma, eine unglaubliche Leinwandpräsenz und das seltene Talent, sich vor der Kamera wirklich zu öffnen. Das macht sie zu einer großartigen Kinoschauspielerin ? ihre vielschichtige emotionale Genauigkeit ist es, warum man sie ansehen will und mußs.? Über die Regisseurin Gillian Armstrong ?Gillian Armstrong ist eine bemerkenswert talentierte Regisseurin?, so Produzentin Sarah Curtis. ?Sie wusste intuitiv, wie wir uns die Umsetzung des Drehbuchs vorstellten, und brachte sehr viel Leidenschaft, Wärme und ihren einzigartigen, unverwechselbaren Stil mit.? Gillian Armstrong selbst gibt zu: ?Als ich das erste Mal von Die Liebe der Charlotte Gray hörte, bevor ich überhaupt das Drehbuch gelesen hatte, interessierte mich in erster Linie die Tatsache, dass Cate Blanchett dabei sein wollte.Nach "Oscar und Lucinda" haben wir uns beide gewünscht, wieder gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten.? Gillian Armstrong wusste instinktiv, dass Cate erneut die perfekte Besetzung für die Hauptrolle war. ?Charlotte Gray ist wahrscheinlich die beste weibliche Rolle die ich ihn den letzten 15 Jahren gelesen haben. Das Ganze wurde wirklich zu einem Traumprojekt für mich. Eine Adaption eines Romans von Sebastian Faulks, geschrieben von Jeremy Brock mit Cate in der Hauptrolle!? Sarah Curtis ergänzt: ?Da Cate in beinahe jedem Bild des Films präsent ist, ist es wirklich nicht zu unterschätzen, dass die Regisseurin eine besondere Beziehung zur Hauptdarstellerin hat. Gillian versteht ihre Schauspieler vollkommen und ist für sie vor der Kamera eine enorme Unterstützung.? Über den Hauptdarsteller Billy Crudup Das Casting für die Rolle des französischen Résistancekämpfers Julien Levade erwies sich zunächst schwieriger als Gillian Armstrong erwartet hatte: ?Das Erste, was wir taten, war in Frankreich nach französischen Schauspielern zu suchen. Doch die meisten fühlten sich unsicher dabei, nicht in ihrer Muttersprache zu spielen, und wir merkten schließlich, dass dies der falsche Weg war.Wir entschieden uns, nach einem Schauspieler zu suchen, der eher einen europäischen Typ verkörperte und mir fiel Billy Crudup ein. Ich hatte bereits einige von seinen Filmen gesehen, und sie hatten alle eine ganz besondere Qualität. Billy ist ein brillanter Schauspieler, sehr intelligent, besitzt Integrität und hat dank seiner Theaterausbildung kein Problem mit Akzenten. Wir waren ganz aufgeregt, als uns unsere französische Crew begeistert bestätigte, dass Billy wirklich der glaubwürdigste Amerikaner in der Rolle eines Franzosen sei, den sie je gesehen hätten.? Für Billy Crudup war die Rolle des Julien Levade eine willkommene Herausforderung: ?Julien unterscheidet sich sehr von den Rollen, die ich zuvor gespielt habe. Er erlebt als Intellektueller eine schwierige Zeit, und was er körperlich wie geistig leisten mußs, stellt große Anforderungen. Was mich an der Rolle fasziniert hat, ist, dass es für mich keinen direkten Weg gibt, mir die Zeit der Vichy-Regierung vorzustellen ? in einem Land zu leben, das von einer feindlichen Armee besetzt ist; zu erleben, wie Freunde und Familie sich gegen einander wenden; in einer Situation zu sein, in der der Tod das Ergebnis jeglichen Fehlers ist. Geschichten über den Horror des Krieges sind für meine Generation, die diesen glücklicherweise nicht erleben mußste, unermesslich wertvoll. Aber auf der anderen Seite ist dies vor allem eine Geschichte über Menschen, die nur durch ihren Zusammenhalt den Horror durchstehen können.? ?Familiäre Beziehungen interessieren und verwirren mich gleichermaßen?, fährt Crudup fort. ?Juliens Beziehung zu seinem Vater ist sehr komplex. Es verbindet ihn eine unausgesprochene Liebe zu seinem Vater und er möchte von ihm respektiert werden. Doch Levade ist überhaupt nicht an den Ideologien interessiert, nach denen Julien lebt. Juliens Vater ist ein Pragmatiker, und wie viele Menschen in dieser Zeit kümmert es ihn in erster Linie, dass er noch ein Stück Brot auf seinem Teller hat. Es gefällt mir, dass die Vater-Sohn-Beziehung bis zum Ende ungelöst bleibt, obwohl sich beide offensichtlich wünschen, sich näher zu sein.? Ein weiterer Aspekt, der Billy Crudup an dem Projekt begeisterte, war die Zusammenarbeit mit Cate Blanchett, deren ?enorme Stärke und Flexibilität? er bewundert. Julien sieht in Charlotte eine fähige aber auch verwundbare Idealistin. ?Sie hat sich entschieden, ihr Leben für jemanden, den sie liebt, aufs Spiel zu setzen. Dieser Grad an Leidenschaft und Gefühl erscheint Julien zunächst merkwürdig, denn alle Entscheidungen, die er trifft, sind Entscheidungen seines Intellekts. Gleichzeitig fühlt er sich zu Charlotte hingezogen ? und dass eine schöne Frau sprichwörtlich vom Himmel fällt, um ihm in seinem geistigen wie körperlichen Kampf zu helfen, steht natürlich kaum in einem seiner Bücher geschrieben!? Billy Crudup freute sich ebenso sehr auf die Arbeit mit Michael Gambon, der im Film seinen Vater spielt. ?Michael Gambon hat eine bemerkenswerte Vorstellungskraft und liebt es, laute Charaktere zu spielen. Wie von selbst schafft er es immer, authentisch zu sein. Von dieser seltenen Gabe und dem völligen Fehlen von Selbstüberzeugung und Egozentrik kann man selbst viel lernen.? Die angenehme Zusammenarbeit mit Regisseurin Gillian Armstrong beschreibt Billy Crudup als das Ergebnis von Vertrauen und Kommunikation. ?An einem Regisseur interessiert mich weder Nationalität noch Geschlecht. Es geht eher darum, die gleiche ´Filmsprache´ zu sprechen. Ich schätze es sehr, dass Gillian mich aufgefordert hat, bestimmte Dinge anders zu machen, stärker meinen Instinkten zu folgen ? und damit noch besser zu sein. Erst zusammen haben wir einen Charakter entwickelt, den keiner von uns alleine hätte zum Leben erwecken können.? Sarah Curtis lobt Billy Crudup: ?Billy ist vor der Kamera auf angenehme Art und Weise zurückhaltend. Er setzt sein Talent mit Leichtigkeit und Bescheidenheit ein.? Über die Schauplätze des Films Die Liebe der Charlotte Gray wurde in den Pinewood Studios und an Schauplätzen in der Nähe von London und im Südwesten von Frankreich gedreht. ?Wir verbrachten eine sehr angenehme und ausgedehnte Zeit mit der Locationsuche in Frankreich, um uns sämtliche Dörfer ansehen zu können, die für unser fiktives Dorf Lezignac in Frage kommen könnten?, so Gillian Armstrong.?Wir suchten keinen konservativ hübschen Ort, sondern einen, bei dem man ein leicht schauriges Gefühl hat. St. Antonin Noble Val mit seinen abblätternden Mauern aus dem 14. Jahrhundert und den dunklen, schmalen Gassen war perfekt.? Sowohl die Produzenten als auch Regisseurgin Gillian Armstrong waren sich der Verantwortung bewusst, die das Drehen ?on location? mit sich bringen kann. Gillian Armstrong erklärt: ?Das Drehen in einem realen Dorf, das tatsächlich die Zeit der Vichy-Regierung erlebt hat, war uns ein wenig unheimlich. Die Franzosen nennen diese Zeit noch immer ´die dunklen Jahre´, und wir hatten großen Respekt vor den Menschen, die die Ereignisse, die wir wieder zum Leben erwecken wollten, miterlebt hatten. Der erste Eindruck von Lastwagen, vollbeladen mit deutschen Soldaten, die die schmalen Straßen ins Dorf hineinrollten, hat einigen älteren Dorfbewohnern ziemliche Sorgen bereitet und uns bewusst gemacht, wie wohl überlegt unsere Schritte in Anbetracht der tatsächlichen Erfahrungen der Bewohner sein sollten.? So organisierten die Produzenten zunächst im Rathaus mehrere Treffen mit den Dorfbewohnern, um diesen ihr Vorhaben und das Filmteam vorzustellen. Gillian Armstrong war begeistert über die Unterstützung und das Interesse, das ihnen daraufhin entgegengebracht wurde: ?Wir erklärten mit Hilfe unserer französischen Crew, dass wir, um so gut wie möglich arbeiten zu können, möglicherweise den Alltag im Dorf ein wenig durcheinander bringen könnten. Viele Fragen wurden gestellt und am Ende waren wir willkommen. Nicht nur, dass die Bewohner uns unterstützten: Sie wurden zum Teil auch in die Aufnahmen eingebunden. Als Gegenleistung dafür, dass wir ihr Leben ein wenig stören durften mit dem, was die Invasion eines Filmteams so mit sich bringt ? Straßenabsperrungen, Veränderungen an den Fassaden der Gebäude usw. ?, konnten die Bewohner an den Dreharbeiten teilnehmen. Viele erhielten besondere Aufgaben und arbeiteten mit uns hinter der Kamera.? |
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