Reine Nervensache 2

Produktionsnotizen

"Du ... du hast echt was los. Bist 'ne echte Begabung, mein Freund." Bei Kritik und Publikum kam die Komödie Reine Nervensache 1999 blendend an - die Story des krankhaft ängstlichen Mafia-Paten und seines schreckhaften bürgerlichen Psychiaters entpuppte sich als internationaler Kassenknüller. "Ehrlich gesagt: Wir waren sehr überrascht, einfach überwältigt", sagt Produzentin Paula Weinstein.

"Es war einfach unfassbar, mit welcher Begeisterung die Zuschauer den Film aufnahmen: Jedermann war tief gerührt. Harold, Billy, Bob und ich spürten, dass hier etwas Magisches passierte - bei den Dreharbeiten und später im Kino."

"Außerdem verbuchten unsere beiden Firmen, Paulas und meine, erstmals einen echten Mega-Hit - schon das brachte uns ganz aus dem Häuschen", stellt Produzentin Jane Rosenthal fest - sie meint damit die von Paula Weinstein mitbegründete Firma Baltimore Spring Creek Pictures und die Produktionsfirma Tribeca, die Jane Rosenthal zusammen mit Partner Robert De Niro leitet.

Trotzdem wollte zunächst keiner der Produzenten unbedingt eine Fortsetzung drehen. "Wir hatten keine Lust auf eine Sequel, bloß weil es nahe lag, einen zweiten Film zu machen", erklärt Weinstein. "Und auf keinen Fall wollten wir eine Fortsetzung nach Schema F, in der das Original praktisch noch einmal aufgegossen wird."

Doch weil der erste Film rund um die Welt so wunderbar ankam, fanden Weinstein und Rosenthal, dass in der seltsam zwanghaften Hassliebe zwischen Paul Vitti und Ben Sobel noch ein weiteres Kapitel steckte. Offenbar ist jedermann von diesen beiden Typen begeistert - inklusive der beiden Schauspieler, die sie darstellen.

"Die Leute sprachen mich auf der Straße an und sagten die Sprüche aus dem Film auf", berichtet Billy Crystal und imitiert dann einen Dialogsatz aus "Reine Nervensache": ",Du ... du hast echt was los. Bist'ne echte Begabung', machten sie Bob nach. Ich war ganz hin und weg."

"Ich glaube, dass die Zuschauer vor allem darauf abfahren, wie Robert De Niro sein Leinwand-Gangster-Image durch den Kakao zieht", überlegt Rosenthal. "Und natürlich sind sie begeistert darüber, wie die anderen Darsteller, besonders Billy, darauf reagieren." Oder, in Crystals Worten: "Die Leute finden es toll, wenn De Niro mich fertig macht."

Man konnte förmlich spüren, wie das Publikum auf einen Nachschlag wartet. Also nahmen die Produzenten untereinander und mit dem Studio Kontakt auf, um dann die Option mit den Stars von "Reine Nervensache" und Regisseur Harold Ramis zu diskutieren.

Alle waren von dem Plan begeistert - vor allem weil dadurch dasselbe Team wieder zusammenfand. "Wir wollten weitermachen, weil wir eine gute Geschichte zu erzählen haben", sagt Crystal. "Denn die Beziehung zwischen Ben Sobel und Paul Vitti bleibt im ersten Film noch offen."

"Uns allen, besonders Harold, Billy und Bob ging es darum, die Figuren in der Fortsetzung deutlich weiterzuentwickeln", fügt Rosenthal hinzu. "Sie müssen sich verändern, den neuen Umständen anpassen, wobei sie natürlich gleichzeitig den Erwartungen der Zuschauer gerecht werden sollen."

Aus den Erfahrungen bei Reine Nervensache wusste De Niro, dass in dieser Phase kreatives Brainstorming eine große Rolle spielt - gerade das macht den Reiz des Projekts aus.

"Als wir alle uns auf die Sequel geeinigt hatten, wollte ich mit Volldampf loslegen", erinnert sich De Niro. "Fangen wir einfach an! Die Einzelheiten ergeben sich dann bei der Arbeit an der Story - und die verändert sich ständig, sogar noch während der Dreharbeiten."

Wir haben in Reine Nervensache zwar einiges von Vittis Phobien erfahren, aber damit sind seine Probleme noch längst nicht ausgeräumt. Denn jetzt erlebt er echten Stress, und die Abgründe seiner Psyche werden allmählich besser ausgeleuchtet.

Harold Ramis ging es vor allem darum, diese Geschichte angemessen umzusetzen. "Nichts ist schlimmer, als mit einer Fortsetzung den Erfolg des Originals einfach nur auszuschlachten", sagt er. "Also habe ich abgewartet, bis wir ein Konzept und eine Handlung entwickelt hatten, die es mit dem ersten Film aufnehmen konnten."

Bei Ramis funkte es, als er in der New York Times einen Artikel las, in dem es um die Bedeutung der Psychotherapie in der erfolgreichen HBO-Serie "The Sopranos" (Die Sopranos) geht: Die interviewten Psychiater überlegten, was die Therapeutin der Serie in den Sitzungen mit ihrem Patienten, dem Mafia-Paten Tony Soprano, eigentlich erreichen will.

Versucht sie ihn in einen anderen Menschen zu verwandeln? Und wenn er sich ändern könnte, wenn er nicht mehr Tony Soprano wäre, wer wäre er dann? Kann ein Mensch sein Verhalten ändern, ohne dass seine Persönlichkeit und Entwicklungsgeschichte Schaden nimmt?

"Letztlich geht es um Fragen der menschlichen Natur, der Moral", referiert Ramis den provokanten Artikel. "Das betrifft nicht nur die Sopranos oder unseren Film, sondern die Gesellschaft ganz allgemein. Kann ein anti-sozialer Mensch geläutert werden?

Kann ein Krimineller tatsächlich einen neuen Anfang machen? Oder, noch grundsätzlicher, können Menschen sich überhaupt ändern? Diese fundamentale Frage mußs sich jeder Therapeut stellen."

"Also überlegte ich: Gut, unser Held Paul Vitti wird aus dem Gefängnis entlassen und verpflichtet sich, ein Leben im Rahmen des Gesetzes zu führen", fährt Ramis fort. "Was bedeutet das für ihn persönlich, wie sieht sein Leben von nun an aus? Diese Idee hat mich begeistert." Jetzt mußste er nur noch eine Ausgangssituation für Vittis mögliche Verwandlung schaffen und dann ruhig abwarten, was passiert.

"Harold bestand darauf (wobei wir ihm voll und ganz zustimmten), dass Vittis Entwicklung im zweiten Film psychologisch nachvollziehbar und glaubwürdig sein mußs - und gleichzeitig mußs irgendetwas passieren, das Ben Sobel in eine ähnliche Krise stürzt", sagt Weinstein.

"So bekommen die beiden Gelegenheit, sich gegenseitig aus jenem Schlamassel herauszuhelfen, wie es im ersten Film vorgeführt wurde." Außerdem wollten die Filmemacher die komödiantische Messlatte für De Niros Rolle noch eine Stufe höher legen.

"Mir lag gar nichts daran, Vittis Angstattacken wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Also gingen wir einen Schritt weiter: Er dreht durch, durchlebt eine ausgewachsene Psychose", erklärt Ramis. "Ich überlegte: Was wäre die logische Folgerung?

Paul könnte tatsächlich verrückt werden - das wäre ein Grund, ihn aus dem Gefängnis zu entlassen, damit Ben ihn als Gast in seinem Haus betreuen kann - was Bens Probleme wahrlich nicht erleichtert. Gleichzeitig keift Bens Frau: ,Was? Ein neues Gesetz? Jetzt mußst du schon Gangster zu Hause aufnehmen?'"

Zur selben Zeit steht Sobel an einem entscheidenden Wendepunkt seines Lebens. "Am Anfang des Films erleben wir ihn auf der Trauerfeier für seinen Vater: Die damit verbundene Identitätskrise wirft ihn aus der Bahn - ähnlich wie Vitti", sagt Ramis. Die Szenen beim Sobel-Begräbnis werden direkt Vittis immer hektischeren Bemühungen gegenüber gestellt, im Gefängnis durchzuhalten.

"Ein wesentlicher Antrieb unseres Lebens ist der Wunsch, den Erwartungen der Eltern zu entsprechen. Jetzt fragt Ben sich, ob er überhaupt weiter als Psychiater arbeiten kann, denn er hat den Beruf nur ergriffen, weil sein Vater es wollte - doch dessen übermächtiger Einfluss fehlt nun plötzlich."

"Beide Männer sind völlig von der Rolle", bringt es Crystal auf den Punkt. Das hört sich aber sehr ernst an? Für Ramis ist dies die beste Voraussetzung für Humor. "Häufig gehen Komödien baden", glaubt er, "weil die Filmemacher oder Autoren ihre eigene Idee nicht ernst nehmen. Meiner Meinung nach darf der Humor so albern und abgefahren sein, wie nur irgend möglich, sollte aber gleichzeitig auf einer sinnvollen Story basieren."

In Reine Nervensache 2 behandelt Ramis "ein universelles Thema: Jeder Filmheld, egal ob in einer ernsten oder komischen Geschichte, mußs mit einem Problem fertig werden. Egal, ob er die Sache psychologisch, philosophisch oder mit purer Action angeht - immer mußs er ein fundamentales Lebensproblem lösen."

Als dieses Gerüst stand, brauchte Ramis nur noch den perfekten Gag, um das Ganze ins Rollen zu bringen. In Bezug auf den ersten Film sagt er: "Ein einziger Witz hat mich davon überzeugt, bei der Sache mitzumachen: In einer Szene fragt Ben Paul: ,Wollen Sie ein Kissen verprügeln? Wenn ich wütend bin, verhaue ich ein Kissen.' Also zieht Vitti sofort seine Kanone und ballert ein ganzes Magazin in das Kissen.

Ben fragt: ,Geht's Ihnen jetzt besser?' Und Vitti antwortet: ,Yeah.'" Ähnlich lief es bei Reine Nervensache 2: Ein neuer Gag bestätigte Ramis, dass er sich auf dem richtigen Weg befand: "Ganz am Anfang schrieb ich einen Gag, der in allen folgenden Fassungen des Drehbuchs erhalten blieb: Vitti versucht sich als Autoverkäufer. ,Sehen Sie sich diesen riesigen Kofferraum an', sagt er.

,Darin können Sie mindestens drei Leichen unterbringen?' Manchmal reicht ein einziger Spruch, eine absurde Situation, damit es bei mir zündet - und dieser war's."

De Niro zählt den Autoverkauf zu seinen Lieblingsszenen. Und Crystal fasst die Motivation für die Fortsetzung so zusammen: "Wir versuchen die Situation so präzise wie möglich darzustellen. Eigentlich sollte man Geisteskrankheiten nicht lächerlich machen? außer natürlich, wenn sie richtig komisch sind."

"Sie wissen doch, dass die Steuern von Ihrem Lohn abgezogen werden?" "Was zum Teufel sind Steuern?" "Im ersten Film war der Therapeut Ben Sobel ein Fisch auf dem Trockenen, was die Welt des organisierten Verbrechens angeht", erklärt Ramis.

"Entsprechend interessierte es mich, im zweiten Film Paul als Hai auf dem Trockenen zu zeigen: Er versucht eine legale Arbeit zu finden, sich in die normale Gesellschaft zu integrieren. Daraus ergeben sich unzählige Möglichkeiten. Dieser Mann mußs mit seinem kriminellen Hintergrund natürlich in jeder neuen Situation, bei jeder Begegnung anecken."

Mit diesem Thema als Vorgabe entwickelte Ramis nun die Story zusammen mit seinen Autorenkollegen Peter Steinfeld und Peter Tolan. "Nehmen wir mal an, ich hätte mein ganzes Leben für die Mafia gearbeitet", sagt Crystal mit Pokerface.

"Was fange ich also an, wenn das nicht mehr läuft?" "Von Anfang an wollten wir Vitti auf Bens bürgerliches Milieu in New Jersey loslassen", sagt Rosenthal. "Dieser Typ ist es gewohnt, andere zu kommandieren, Zurückhaltung kennt er einfach nicht - doch jetzt kollidiert er mit dem ganz normalen Alltag und den Regeln im Sobel-Haushalt: Das kann nur in Chaos ausarten."

Dazu Lisa Kudrow, die Bens entnervte Frau Laura darstellt: "Vitti weiß sich bei den Sobels einfach nicht zu benehmen. Ein Gast wie ein Albtraum." Schon Stunden nach seiner Ankunft müssen Ben und Laura ihn wie einen launenhaften Teenager zurecht weisen: keine Freunde auf dem Zimmer, Zigarren sind tabu, ebenso halbnackt herumzulaufen.

Ach, und natürlich die Sperrstunde. Als ob das nicht schon reichen würde, um Vittis natürliche Lebensenergie in Fesseln zu legen - jetzt steht er vor der schier unüberwindlichen Aufgabe, wie Otto Normalverbraucher seine eigenen Brötchen zu verdienen? er, ein Mann, der noch nie im Leben ein Brötchen geschmiert (geschweige denn verdient) hat, der nur mit dem Finger schnippen mußste, weil er immer von dienstbaren Geistern umgeben war. Was soll er denn jetzt machen? Kellnern? Genau.

Weinstein beschreibt das so: "Der berüchtigte Paul Vitti versucht ein ganz normales Leben zu führen, für die Lohntüte zu arbeiten. Statt selbst den Boss zu spielen, soll er Vorgesetzte akzeptieren, Steuern zahlen und so weiter. Um sein Problem zu verdeutlichen, gerät er in Situationen, die wahrscheinlich jeder Neuanfänger durchmachen mußs: Er lernt, Kunden höflich zu behandeln und mit kostbaren Waren umzugehen, die er sicher lieber klaut als verkauft.

Er erlebt den Arbeitsmarkt als endlose Serie von Erniedrigungen und Versuchungen." Immer wieder beschafft Sobel dem Patienten mit der ungewöhnlichen Qualifikation neue Jobs, indem er Freunde und Verwandte, die natürlich sehr skeptisch reagieren, um Gefallen bittet. Doch Vitti vermasselt jede Chance.

Als er im Restaurant die Gäste zu ihren Tischen führen soll, wedelt er mit den Brotkörben herum und posiert für Touristen, die sich mit einem echten Gangster ablichten lassen wollen - das klappt nicht so recht. Noch vor dem Nachtisch hat Vitti die Schnauze voll. Auch Autoverkäufer Vitti ist überfordert, als er mit geizigen Ehepaaren über den Preis für Fußmatten feilschen und verlässliche Airbags anpreisen soll. Ein sicheres Auto bedeutet für Vitti Panzerglas - mehr braucht man doch wirklich nicht, oder?

Doch erst als Vitti widerstrebend als Verkäufer im Juweliergeschäft von Sobels Cousin jobbt, wirft er das Handtuch: Wie konnte er nur so verrückt sein, sich in einem ehrbaren Job zu versuchen? Mit Diamanten kennt er sich zwar bestens aus, klar, aber leider regt er sich zu sehr über das mangelhafte Alarmsystem des Ladens auf.

Der Wachposten sieht zum Beispiel eindeutig zu mickrig aus: Den kann man viel zu leicht ausschalten. Die Überwachungskameras ließen sich mit ein bisschen Sprühfarbe sofort unbrauchbar machen. Und den lächerlichen Safe könnte er mit links knacken? schon mittags hält Vitti es nicht mehr aus und schmeißt alles hin.

Glücklicherweise bekommt Sobel endlich einen Supertipp und verschafft Vitti eine Stelle, für die er nicht besser qualifiziert sein könnte: Er wird technischer Berater der erfolgreichen Fernsehserie "Little Caesar", in der es um eine fiktive Mafia-Familie geht. Mit allen Hollywood-Gangster-Klischees und dick aufgetragenen Dialogen bildet die Handlung von "Little Caesar" eine farcenhafte Parallele zu dem, was Vitti selbst durchmacht.

Doch die Arbeit beim Fernsehen erweist sich als sehr angenehm: Vitti braucht endlich nicht mehr zu Hause herumzusitzen, erfüllt seine Bewährungsauflagen, und vor allem kann er dort seine, nun ja, anderen Interessen wieder in geordnete Bahnen lenken. Seine alten Gefährten tauchen einer nach dem anderen am Drehort auf, um Geschäfte zu besprechen - vordergründig dienen sie bei der Serie als "Lokalkolorit".

Schon bald stehen mehr echte Mafiosi in der Schlange vor dem Kantinenwagen als die zunehmend nervösen, als schwere Jungs kostümierten Statisten. Und Vitti hält vor seinem Star-Wohnwagen Hof.

Da ist eindeutig etwas im Busch, aber niemand weiß genau, was - Sobel sicherlich nicht, und auch nicht das Überwachungsteam des FBI, das Vitti seit seiner Entlassung aus Sing Sing auf den Fersen bleibt. Immer wenn die Gesetzeshüter glauben, sie seien ihm auf die Schliche gekommen, schlägt die Story einen linken Haken. Oder einen rechten.

Als sich Fakten und Fiktion auf den Straßen von New York vermischen, als sich Cop-Statisten mit unechten Gangstern Feuergefechte liefern, Seite an Seite mit echten Cops und echten Gangstern, blickt nur noch einer durch: Paul Vitti. Und der schweigt wie ein Grab.

Wo Gangster um die Ecke knallen Als das Drehbuch Formen annahm, holten Ramis und die Produzenten die Hauptdarsteller zusammen, allen voran Robert De Niro und Billy Crystal, die sich auf die erneute Zusammenarbeit freuten und das Potenzial ihrer Rollen weiter ausloten wollten.

"Ich arbeite sehr gern mit Bob zusammen", sagt Crystal. "Wir sind beide unermüdliche Arbeiter. Wir erkunden gern all die Dinge in uns, die im Verborgenen schlummern - ebenso wie die der Figuren, die wir spielen. So etwas zelebrieren wir ganz genüsslich. Wenn er Spaß hat, dann schaue ich ihm gern dabei zu."

Ebenso begeisterte sich De Niro für den Film, der ihn wieder mit Crystal zusammenbringen sollte - er führt das auf die Kameradschaft vor und hinter der Kamera zurück, die die beiden New Yorker verbindet. "Ich komme gut mit Billy aus, wir stimmen uns wie Musiker auf einander ein. Der New Yorker Rhythmus ist uns gleichermaßen angeboren, das macht es leichter. Außerdem ist er urkomisch, und zwar nicht nur vor der Kamera. Das war besonders hilfreich, wenn wir nachts drehten und müde waren."

Sobel wird als Sachverständiger hinzugezogen, um Vittis psychischen Zusammenbruch zu beurteilen - Vitti mußs sich also im Beisein der Anstaltsmediziner und Psychiater von Sing Sing von Sobel psychologisch untersuchen lassen. Diese Untersuchung erweist sich als klassischer Slapstick-Akt für beide Schauspieler, die bestens aufgelegt und krampfhaft bemüht sind, sich nicht gegenseitig zum Lachen zu bringen.

"Wenn ich Billy erlebe, kann ich kaum an mich halten", berichtet De Niro. "Ich bin ernst geblieben, aber es gibt Momente, wenn er mich anbellt und alles tut, um von mir eine Reaktion zu erhalten, und? also, ich kann nur sagen, dass es von dieser Szene einige toll verpatzte Einstellungen gibt."

Ramis erlebte die Dynamik der beiden Stars als Traumstunde. "Billy hat seinen Text immer bestens vorbereitet und mag es, wenn alles genau festgelegt ist, obwohl er auch wunderbar improvisieren kann - egal, welches Thema man ihm zuwirft", erklärt Ramis. "Er kennt den Wert eines gut geschriebenen Gags sehr genau, und er tut alles, um den Witz optimal rüberzubringen. Bob steht lieber mit beiden Beinen fest auf der Erde - er mußs völlig von einer Sache überzeugt sein, bevor er im Rahmen der Szene komisch wirkt.

Natürlich hat man mich gefragt, wie ich diese beiden unterschiedlichen Arbeitsweisen unter einen Hut bringen würde. Der Trick besteht darin, dass ich sie überhaupt nicht in Einklang bringe. Die Spannung ergibt sich aus ihren Unterschieden, nicht aus ihrer plötzlichen Konfrontation. De Niro wird sich nicht in einen Stand-up-Comedian verwandeln, der Witze reißt. Wenn er im Film komische Sprüche klopft, dann sind sie sehr sorgfältig vorbereitet, damit sie nicht getextet, nicht forciert wirken."

De Niro übernahm persönlich die Verantwortung, Paul Vitti glaubwürdig darzustellen, zumindest was die Dialoge angeht, und Ramis hörte dankbar auf seine Ratschläge. "Es gab manchmal Situationen, in denen ich als Paul bestimmte Dinge machen sollte, doch da habe ich Einspruch eingelegt: Das würde er niemals tun, nie im Leben", erklärt der Schauspieler. "Auch in einer Komödie ist es unabdingbar, dass der Zuschauer den Figuren auf der Leinwand ihre Sätze abnimmt - der Held mußs wissen, was er tut, mußs immer in gewisser Weise der Realität verhaftet bleiben."

Ramis bewundert ganz offen Crystals Fähigkeiten als Komiker, und er betont, wie außerordentlich selbstlos der Darsteller Crystal häufig agiert, wenn er sich in vielen Szenen zurückhält, obwohl es verlockend sein mußs, hier eine Pointe zu setzen.

"Es ist die große Ausnahme, wenn ein weltbekannter Komiker sein Talent in bestimmten Situationen derart zurücknimmt", sagt der Regisseur. "Aber Billy bemüht sich wirklich. Sehr oft hat er sich tatsächlich wie ein echter Psychiater verhalten - er fungiert als ruhender Pol für alle, die um ihn herumwirbeln. Wie ein Psychiater stand er jedermann zur Verfügung, hielt Händchen, wobei er oft genug seine eigenen Bedürfnisse unterdrückte - genau wie der Ben Sobel, den er spielt: Auch Ben hält sich ständig zurück, um seiner Frau, seinem Sohn oder Vitti den Vortritt zu lassen.

Andererseits bemühen wir uns natürlich nach Kräften, damit Billy auch voll aufdrehen und ausflippen kann. Die Chance bot sich im Sushi-Restaurant. In der Szene hat Ben bereits unglücklicherweise Beruhigungspillen mit dem einen oder anderen Digestif kombiniert. Als endlich serviert wird, ist er viel zu blau, um zu essen. Er sabbert, lallt, die Bissen fallen ihm aus dem Mund - aber wir alle hielten uns die Bäuche vor Lachen, auch seine Darstellerkollegen."

Über Ben Sobel sagt Crystal: "Am Anfang steht er schwer unter Druck, und so soll es auch weiterhin blieben: Immer ist er etwas von der Rolle, ständig fragt er sich, was wohl als nächstes über ihn hereinbricht. Als Psychiater hilft er anderen, ihre Probleme in den Griff zu bekommen, aber er selbst ist dazu nicht in der Lage.

Als er Vitti behandelt, verhält er sich nicht mehr so, wie ein Arzt es sollte. Er kann diese Beziehung eben nicht im Büro zu den Akten legen, wenn er nach Hause geht. Er wird mit Haut und Haar in Vittis Leben einbezogen. Dadurch bekomme ich in diesem Film die Gelegenheit, etwas Neues auszuprobieren. Ich darf alberner auftreten als in Teil 1, darf voll vom Leder ziehen - das bringt Spaß."

Ramis beschreibt die aufeinander prallenden Persönlichkeiten Vitti und Sobel als "Intellekt gegen rein emotionale Wut. In gewisser Weise kann ich beides in mir selbst wiederfinden. Der unterdrückte Teil meines Ego würde gern so impulsiv und übertrieben reagieren wie Paul Vitti. Solch ein Befreiungsschlag ist wunderbar. Doch dieses Verhalten fordert auch seinen Preis."

Lisa Kudrow, die im Kino unter anderem in "Hanging Up" (Aufgelegt!) zu sehen war und für die Serie "Friends" (Friends) den Emmy gewonnen hat, spielt wieder Laura Sobel: Sie ist inzwischen zwei Jahre mit Ben verheiratet und leidet selbst unter Ängsten, die erst kürzlich zu Tage traten. Trocken bemerkt Ramis: "Ben hat eine Frau geheiratet, deren Wartung sehr viel mehr Aufwand erfordert, als er dachte."

"Ben hat gerade seinen Vater verloren, macht also eine schwierige Phase durch. Deswegen kriselt es auch in der Ehe", gibt Kudrow zu. "Doch Laura mußs immer alles unter Kontrolle behalten - was den Druck noch verstärkt. Sie kann Unordnung nicht ertragen. Und dann ein Mafioso im Haus! Also, wenn das keine Unordnung bringt ...

Dennoch kann man die Ehe eigentlich als glücklich bezeichnen. Was sie betrifft, handelt es sich ja um vorübergehende Irritationen, und sie möchte, dass sie so schnell wie möglich vorübergehen. Vor Vitti hat Laura keinerlei Angst. Sie mag ihn nicht, und sie will ihre Familie nicht seinetwegen in Gefahr bringen. Sie empfindet ihn als bedrohliches Element in ihrem Leben - und genau das ist er ja auch."

Dazu Ramis: "Lisa kommt in diesem Film sehr stark rüber, sie ist eine ganz erstaunliche Schauspielerin. Sie hat Laura voll und ganz verinnerlicht, wirkt exzentrisch, ohne zu übertreiben. So wie Lisa sie spielt, wird deutlich, dass Laura Sobel eine intelligente Frau ist - sie neigt allerdings zu Neurosen und steht schwer unter Stress."

Der unvergleichliche Joe Viterelli, der unter anderem in der aktuellen Komödie "Shallow Hal" (Schwer verliebt) zu sehen war, spielt wieder den Jelly, Vittis ständigen und unerschütterlich treuen Bodyguard. Für seinen Boss würde Jelly durchs Feuer gehen.

Jelly kam in Reine Nervensache derart gut beim Publikum an, dass er auf jeden Fall in der Fortsetzung dabei sein mußste. "dass Joe wieder mitmachen sollte, war selbstverständlich", sagt De Niro. "Ohne ihn wäre es ein anderer Film geworden."

Am Anfang von Reine Nervensache erfahren wir, dass sich Jelly nur durch eine drohende Haftstrafe davon abhalten lassen würde, seine Pflicht zu erfüllen. Doch sein Verfahren wird eingestellt, weil sich ein wichtiger Zeuge "zufällig" (wie Jelly selbst sagen würde) und endgültig als unauffindbar erweist.

In Bezug auf sein Repertoire unvergesslicher schwerer Jungs, die er in ernsten und auch komischen Filmen gespielt hat, sagt Viterelli: "Ich weiß nicht, was Sie mit schweren Jungs meinen, aber wenn es in einem meiner Filme weniger als zehn Tote gibt, bezeichne ich ihn als Liebeskomödie."

Zur Stammbesetzung von Reine Nervensache 2 stößt eine faszinierende Newcomerin: Patty LoPresti, dargestellt von Cathy Moriarty-Gentile: Seit ihr eigener Mann bei einem tragischen Unfall umkam, hat die ehrgeizige Mafia-Witwe Vittis Platz eingenommen - sie ist jetzt Patin der Familie.

Ramis hatte bei der Rolle von vornherein an Moriarty-Gentile gedacht und fühlte sich bei ihrem mitreißenden Vorsprechen voll bestätigt. Das ist nicht weiter erstaunlich, denn sie stürzte sich mit echter Begeisterung auf die Rolle. "Patty ist eine tolle Frau", sagt Cathy Moriarty-Gentile. "Sie wächst über sich hinaus.

Die Arme hat ihren Mann verloren und mußs also die Leitung des Familiengeschäfts übernehmen. Ihr Mann ist tot, sie haben ihn aus dem Fluss gefischt. Wir erfahren nicht, ob sie dabei ihre Hand mit im Spiel hatte, aber das ist auch gar nicht so wichtig. Eigentlich ist sie echt süß, und sie übernimmt die Führung der Familie - das ist eine wunderbare Rolle."

"Ursprünglich sollte ein Mann die Leitung des Vitti-Clans übernehmen", gibt Ramis zu. "Aber als wir eines Tages zusammensaßen, schlug jemand vor: ,Es könnte doch auch eine Frau sein, oder?' Da dämmerte uns, dass wir gelesen hatten, einige Mafia-Familien würden von Matriarchen geführt. Viele der Unterwelt-Bosse in Amerika sitzen inzwischen im Gefängnis, da scheint das wirklich sinnvoll, besonders wenn es sich um eine starke und charismatische Frau wie Patty LoPresti handelt."

Moriarty-Gentile war gerade mal 18 Jahre alt, als sie 1980 neben Robert De Niro in Martin Scorseses Klassiker "Raging Bull" (Wie ein wilder Stier) ihr Filmdebüt gab - sie hat sich über diese neuerliche Zusammenarbeit "außerordentlich gefreut. Bei ,Wie ein wilder Stier' habe ich ungeheuer viel gelernt. Bob arbeitet äußerst diszipliniert und sehr intensiv - egal, ob es sich um Kömödien oder dramatische Stoffe handelt.

Zusammen mit Billy und Harold bildet er ein tolles Team. Ihnen haben wir es zu verdanken, dass Reine Nervensache 2 riesig Spaß gemacht hat." Auch mit Billy Crystal hat die Schauspielerin schon gearbeitet: Die beiden traten zusammen in "Forget Paris" (Forget Paris) auf, den Crystal außerdem selbst inszeniert hat. Über ihn sagt sie: "Billy bringt mich ständig zum Lachen."

Bei der Arbeit wurden alle Stars und die Produzenten um Input gebeten - so entstand "Reine Nervensache 2" als Gemeinschaftsprozess des ganzen Teams. Crystal hat Erfahrungen als Regisseur, Autor und Produzent - er weiß entsprechend genau, worauf es beim Filmemachen ankommt. Das kreative Brainstorming unter Ramis' Leitung beschreibt er so: "Wir trafen uns regelmäßig mit den Autoren, die uns Ideen vorgaben, aber wir haben auch eigene zu Papier gebracht.

Es ist nämlich sehr schwer, Komödien zu schreiben. Harold hört sich alles aufmerksam an, er vermittelt allen das Gefühl, beteiligt zu sein, und dann fällt er sein salomonisches Urteil, das alle zufrieden stellt: ,Toll. Das verwende ich in dieser Szene, und jenes woanders.' Oder er sagt einfach: ,Das funktioniert nicht.'"

Ramis' temporeiche Inszenierung illustriert Lisa Kudrow, indem sie schnell mit den Fingern schnippt und sagt: "Ich weiß, die Leute werden im Kino brüllen vor Lachen, so sehr, dass sie sagen: ,Augenblick mal, den Spruch habe ich gar nicht mitbekommen, wie war der?'"

Also, wenn es für Vincent "das Kinn" gut gelaufen ist, soll's auch mir recht sein ... Dr. Stephen A. Sands ist Psychiater, er lehrt an der medizinischen Fakultät der Columbia University in New York und fungiert beim Film als technischer und psychologischer Berater. "Dr. Steve", wie Crystal ihn nennt, "stellte im richtigen Moment die entscheidenden Fragen, denn wir haben häufig improvisiert."

Nach Abschluss seiner Dissertation begutachtete Dr. Sands am Memorial Sloan Kettering Cancer Center eine Reihe gerichtsmedizinischer Fälle, darunter auch den von Vincent "das Kinn" Gigante, dem mutmaßlichen Kopf der Mafia-Familie Genovese. Gigante konnte man häufig in Greenwich Village erleben, er lief im Pyjama durch die Straßen und führte Selbstgespräche. Seine angeblichen Bewusstseinstrübungen hielten viele für gespielt, aber sie führten dazu, dass der Prozess, in dem er sich wegen Mordes und erpresserischen Betrugs verantworten sollte, sieben Jahre lang aufgeschoben wurde - so lange brauchte das Gericht, um sich Klarheit über seinen Geisteszustand zu verschaffen.

Bei Reine Nervensache 2 begleitete Dr. Sands die Dreharbeiten all der Szenen, in denen psychiatrische Themen eine Rolle spielten, also Vittis therapeutische Sitzungen in Ben Sobels Praxis oder in seinem Haus in Montclair, die Eröffnungsszene auf Riker's Island (wo die Sing-Sing-Szenen entstanden), in der Vitti seinen Zusammenbruch inszeniert, und die Raubüberfallsequenz, in der Vitti und Sobel beide unter Angstattacken leiden.

"Ich habe mit Billy Crystal geübt und ihm gezeigt, wie man sich als Therapeut bei einer Psychotherapie-Sitzung verhält", berichtet Dr. Sands. "Ich konnte ihn bei verschiedenen Aspekten unterstützen: Was er wann wie zu interpretieren hatte, aber auch, wie man einem Patienten gegenüber auftritt. Und auf Riker's Island gab ich Robert De Niro Feedback, als er eine psychische Erkrankung simulierte - mehrere Schübe von Panikattacken - aber auch bei den neuropsychologischen und projektiven Tests."

Währnd der Filmvorbereitung ermöglichte Dr. Sands De Niro Besuche in der psychiatrischen Abteilung des Bellevue Hospital: Der Schauspieler sprach mit Patienten und Psychiatern und diskutierte die Symptome, von denen Vitti heimgesucht wird.

Häufig nahm er sogar zusammen mit den Patienten und Ärzten an der Gruppentherapie teil. Später, bei den Dreharbeiten auf Riker's Island, staunte Dr. Sands über die Präzision, mit der De Niro die Symptome darstellte: "Er könnte jeden Arzt oder Psychiater hinters Licht führen - die hätten ihm seinen großen Zusammenbruch voll abgenommen."

De Niro singt! Die wichtige Eingangssequenz im Gefängnis Sing Sing stellte De Niro vor eine ganz neue Herausforderung: Er mußste singen und tanzen. Der Gesangslehrer Michael Dansicker hat mit De Niro bereits bei "Meet the Parents" (Meine Braut, ihr Vater und ich) gearbeitet, er half ihm nun auch bei der Vorbereitung der Szenen, in denen der Star Lieder aus "West Side Story" schmettert.

Dansicker kennt das Musical wie seine Westentasche, er hat noch persönlich mit Jerome Robbins zusammen gearbeitet, der die Uraufführung des Musicals inszeniert und choreografiert hat: Dansicker war an Robbins' Neueinstudierung der Tänze für seine Show "Jerome Robbins' Broadway" beteiligt.

"Bob De Niro besitzt einen sonoren Bariton, sehr gutes Zeit- und Raumgefühl", stellt Dansicker fest. "In solch einem Fall kämpft ein Schauspieler an zwei Fronten, denn er mußs nicht nur den richtigen Ton, sondern auch den Rhythmus treffen, wobei er sich stimmlich an der Figur orientieren mußs, die er ja eigentlich darstellt. De Niro bewies dabei eine sehr schnelle Auffassungsgabe. Wir mußsten nur aufpassen, dass er nicht zu gut klang, denn es sollte ja Paul Vitti sein, der dort singt."

dass Vitti in seinem Gefängnis-Bademantel singen sollte, fand De Niro sofort sehr komisch. "Das gefiel mir", sagt er, "und allen anderen auch. Also hat jeder von uns Songs aus ,West Side Story' angestimmt, um die Idee zu entwickeln. Ich schlug eine Menge Songs vor, zum Schluss hatten wir viel zuviel Material. Wir mußsten das so reduzieren, dass die Szene in sich rund wirkt."

Dazu Crystal: "Ich glaube, diese Szene wird Filmgeschichte machen, genau wie der Klassiker ,Anna Christie', der als ,Garbo spricht!' angekündigt wurde, oder ,Ninotchka' (Ninotschka), wo es hieß: ,Garbo lacht!' Diesmal heißt es: ,De Niro singt!'"

Es gib nur ein New York Über die Entscheidung, Reine Nervensache 2 an Originalschauplätzen in New York zu drehen, sagt Paula Weinstein: "In einer bestimmten Phase überlegte das Studio wie jedes andere Studio auch, ob man wegen der Kosten nicht lieber anderswo drehen sollte. Wir haben das aber abgelehnt, denn das kam überhaupt nicht in Frage: Wir wollten vor Ort arbeiten.

In New York kann man wunderbar Filme drehen. So eine Stadt gibt es nur einmal auf der Welt." "Ein anderer Drehort wäre einfach unpatriotisch gewesen", fügt Jane Rosenthal hinzu. "Ich stamme selbst aus New York - mir lag sehr viel daran, nach dem 11. September wieder in eine normale Arbeitsroutine zu kommen."

De Niro pflichtet seiner Partnerin bei - auch er bezeichnet einen anderen Drehort als "unpatriotisch", denn "es geht um eine New Yorker Geschichte, um einen New-York-Film. Von Anfang an wollten wir ihn dort machen, und zum Glück haben wir das auch geschafft."

Die Dreharbeiten zu Reine Nervensache 2 begannen im April 2002 im Audi-Verkaufsraum an der Park Avenue in Manhattan: In dieser Szene bemüht sich Vitti, einem Ehepaar einen neuen Wagen zu verkaufen.

Andere Szenen mit Vittis Ausflügen in die normale Arbeitswelt spielen in einem Juweliergeschäft im Diamanten-Viertel an der 47. Straße West und in Gallagher's Steak House an der 52. Straße West. Im Steak House treten auch Joe Torre, der legendäre Manager des Baseball-Teams New York Yankees, und sein Sohn Michael auf.

Die kurze Szene, in der Vitti aus dem Gefängnis Sing Sing in Ossining/New York entlassen wird, wurde am Originalschauplatz gedreht. Doch alle anderen Szenen mit dem inhaftierten Vitti entstanden im Gefängniskomplex Riker's Island im New Yorker Stadtbezirk Queens. Die Trauerfeier für Bens Vater fand in der Riverside Memorial Chapel an der Upper West Side von Manhattan statt.

Dann drehte das Team in einem sehr grünen, baumreichen Viertel von Montclair/New Jersey: Dort entstanden etliche Szenen im Haus der Sobels, darunter eine Traumsequenz, die in Bens Arbeitszimmer spielt - der gute Doktor tritt darin als koksender Sigmund Freud auf.

Als diese Sequenzen abgedreht waren, kehrte das Produktionsteam nach Manhattan zurück: Die Sobels begleiten Vitti zu einem Essen im angesagten japanischen Restaurant Nogo, wo er seinen zukünftigen Arbeitgeber, den Regisseur der TV-Serie "Little Caesar" kennen lernt. Dieses Essen wurde in den Räumen eines Restaurants an der 13. Straße West gefilmt - es stand zu diesem Zeitpunkt leer: Der Ausstatter hauchte ihm vorübergehend neues Leben ein.

Die Szenen in Patty LoPrestis Haus auf Staten Island entstanden in der Kleinstadt Ho-Ho-Kus in New Jersey. Die demonstrativ unechten Kulissen der TV-Serie "Little Caesar" wurden im Washington Square Park in Manhattan gefilmt, und die Szenen, in denen Patty LoPresti und Schraubstock-Lou das Fernsehserien-Hauptquartier heimsuchen, entstanden in Kearney/New Jersey auf dem Gelände einer ehemaligen Fabrik. Die Verfolgungsjagd in dieser Sequenz wurde in Kearney auf den Zufahrtsstraßen rund um die Autobahn gedreht.

Der Raubüberfall, den Vitti organisiert, um sich Goldbarren des amerikanischen Schatzamts im Wert von 18 Millionen Dollar unter den Nagel zu reißen (dafür hat er seine eigenen Gründe), wurde an der 57. Straße West auf einem unbebauten Gelände zwischen der 11. und 12. Avenue inszeniert, Teile davon auch unter der Brücke des West Side Highway - beide Schauplätze zeugen von urbaner Verwahrlosung - hier regiert nachts die Mafia.

Kamerafrau Ellen Kuras hat bereits eine Emmy-Nominierung verbucht und für das Kino unter anderem "Blow" (Blow) und "Personal Velocity" gedreht - sie beschreibt, wie die Filmemacher den Kontrast zwischen Vittis Milieu und Ben Sobels bürgerlicher Umgebung herausarbeiten: "Unser Film spielt in zwei Welten: einerseits dort, wo Vitti zu Hause ist, andererseits in den Vororten und im bürgerlichen Manhattan.

Diesen Kontrast machen wir durch die Farben deutlich: Vittis Milieu wird von kühlem Blau und Blaugrün geprägt, Bens Welt wirkt heller und wärmer: Gelb und Orange sorgen für eine neutrale Atmosphäre."

Kuras stimmte sich mit Produktionsdesigner Wynn Thomas ab, der auch für "Summer of Sam" (Summer of Sam) und "A Beautiful Mind" (A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn) verantwortlich zeichnete. "Harold Ramis und ich wollen der Komödie stilistisch eine konkrete optische Richtung vorgeben, ohne aber von der Geschichte abzulenken", erklärt Kuras. "Im Juwelierladen, wo Vitti als Verkäufer arbeiten soll, verwenden wir zum Beispiel Weitwinkelobjektive - das setzt Akzente, die seine ganz persönliche Sicht der Situation wiederspiegeln, und genau darum geht es uns."

Sehr wichtig ist in jeder Einstellung der Standpunkt der Kamera im Verhältnis zur Blickrichtung der Schauspieler, damit die Gags den größtmöglichen Effekt erreichen. "Die Konventionen einer Komödie unterscheiden sich von dramatischen Stoffen", sagt Kuras. "In der Komödie mußs die Kamera unbedingt eine bestimmte Position einnehmen, damit der Gag auch zündet.

Oft übernimmt die Kamera selbst eine aktive Funktion in der Handlung, zum Beispiel im Club, als Patty LoPrestis Gorillas Ben in die Mangel nehmen, in LoPrestis Haus oder am Set der "Little Caesar"-Serie. Dabei habe ich mich weitgehend auf Harolds Vorgaben verlassen. Er meinte dann: ,In diesem Fall sollte die Kamera lieber hier drüben stehen.'"

Die Szenen, in denen Vitti und seine Leute im Hinterzimmer des "Little Darlings Club" den Raubüberfall planen, entstanden an zwei Drehorten: in einem heruntergekommenen Gebäude im Schlachthofviertel an der 14. Straße West (dort spielt auch die Szene im Klempnerladen Rigazzi Plumbing) und in einem Club namens Exit an der 56. Straße West.

Als das Team einen wichtigen Teil des Raubüberfalls in Harlem an der Ecke 145. Straße und 5th Avenue im Arsenal des 369. New York State Regiments drehte, kam einer der prominentesten Bewohner des Viertels zu Besuch: Ex-Präsident Bill Clinton.

Clinton hat sein Büro an der 125. Straße, er kennt die Stars des Films, aber auch Ramis, Rosenthal und Weinstein persönlich. Am Set unterhielt er sich mit den Darstellern und dem Team, stand für Fotos zur Verfügung und wünschte allen gutes Gelingen. Besonders freute er sich darüber, dass der Film in New York gedreht wurde.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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