Die Herrschaft des Feuers

Hintergrund

Mythos Drachen von Wolfgang Schwerdt Der Ursprung des Mythos

Seit wenigstens fünf Jahrtausenden wird über den Mythos Drachen gesprochen. Seine Ursprünge reichen zurück bis in die Jungsteinzeit. Damals war die Schlange das Symbol der weiblichen Schöpferkraft und des Lebenskreislaufs. Sie beherrschte als Verkörperung des universellen Prinzips der belebten und schöpferischen Natur über Jahrtausende die Vorstellungswelt der Menschen.

Erst mit den städtischen Zivilisationen in Mesopotamien ca. 4.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung übernahmen die männlichen Götter die Herrschaft über die Welt, die Natur und die menschlichen Gesellschaften. Hier fanden die ersten Drachenkämpfe statt, denn die weiblich-chaotische Schöpfergottheit wurde nun zum Gegenspieler der männlich-hierarchischen Ordnung.

Die Urmütter wurden zu Ungeheuern, die die männliche Ordnung störten und deshalb getötet werden mußsten. So hatte jede Zivilisation ihre Drachen und ihre heroischen Drachentöter, von denen Siegfried oder der heilige Georg zu den kulturgeschichtlich jüngsten gehören.

Die Zeit der Aufklärung

Seit dem 16./17. Jahrhundert erhielt der Glaube an die Existenz des Drachen neuen Aufschwung. Die Zeit der Aufklärung und die Entwicklung der Naturwissenschaften führte letztendlich zu der Vorstellung, dass Drachen, allein weil sie seit Jahrtausenden beschrieben werden, eine biologische Entsprechung haben müssen.

Und da es in dieser Zeit der "Globalisierung" des Weltbildes noch zahlreiche weiße Flecken auf der Weltkarte gab, mußsten die Drachen, die sich in der bekannten Welt inzwischen außerordentlich rar gemacht hatten, wohl in jenen noch unbekannten Gebieten hausen. So wimmelte es damals in den Weltkarten - insbesondere in den Weiten des Meeres - von zahllosen Ungeheuern.

Schließlich glaubte man auch, sie in Form der Komodowarane gefunden zu haben. Jener urzeitlichen Riesenechsen, die nach Auffassung der Wissenschaftler gemäß der darwinschen Evolutionstheorie als Nachfahren der alten Riesendrachen gelten durften. Und man hatte noch etwas entdeckt: die fossilen Knochen der Dinosaurier. Wieder bemühte man die Wissenschaften und führte die Drachen auf die Dinosaurier zurück, die allerdings schon lange vor der Existenz des ersten Menschen ausgestorben waren.

Drachen heute

Aber die wissenschaftlich-technische Entwicklung und der Glaube an die alleinige Gültigkeit der Naturwissenschaften gingen ungebrochen weiter und so entwickelte sich der nächste Erklärungsansatz für die reale, biologische Existenz von Drachen in Zusammenhang mit der Raumfahrt und Science-Fiction.

Die Götter - und damit natürlich auch die Drachen - kamen aus dem All, postuliert v. Däniken und glaubt damit die tatsächlichen oder vermeintlichen Widersprüche zwischen archäologischen Funden, mythologischen Darstellungen und den Interpretationen der etablierten Wissenschaft lösen zu können.

Und so treibt sich der Drache in unserer Medienkultur inzwischen meist als bösartiges biologisches Monster irgendwo zwischen Weltall und Erdmittelalter in Form von Außerirdischen oder überlebenden Sauriern herum.

Darstellung von Drachen

Jede Zeit und jede Kultur hat bzw. schafft sich ihre Drachen. Und diese Drachen repräsentieren in ihrem Wesen aber auch in ihrem Aussehen jeweils das, was den Menschen besonders wichtig ist. So war der frühzeitliche, naturreligiöse Drache immer ein aus bekannten Tieren zusammengesetztes Wesen.

Elemente von Schlange, Löwe, Krokodil, Adler, Stier und sogar Mensch spielten dabei eine wesentliche Rolle. Der babylonische Drache beispielsweise wurde als aus Schlangenkörper, Löwenbeinen, Adlerklauen, Krokodilskopf, Stierhörnern und Fledermausflügeln bestehend beschrieben. Welch ein Unterschied zur heutigen Vorstellung vom Drachen als einheitlich durchgestylte, flugsaurierartige Riesenechse.

Unsterblicher Mythos

Das Faszinierende am Drachen ist, dass es ihn immer noch gibt, dass er seit Auftreten der ersten Zivilisationen existiert und ganz offensichtlich unsterblich ist. Egal, ob die Weltsicht mythologisch-religiös oder naturwissenschaftlich geprägt ist, der Drache findet immer seinen Platz und seine Bedeutung in der Gesellschaft.

Für die Existenz des Drachen scheint es gar keine Rolle zu spielen, wie die Menschen ihre Welt interpretieren. So ist es kein Wunder, dass auch die Tiefenpsychologen sich dieses Themas angenommen haben. Hier gilt der Drache als tief in das Unterbewusstsein eingebranntes Symbol unserer vielschichtigen menschlichen Urängste.

Dies macht den Drachen nach Auffassung der Tiefenpsychologen als so genannten Archetypus unsterblich. Andererseits - auch ein Aspekt der Tiefenpsychologie - suchen heute im Rahmen des wachsenden Esoterik-Marktes viele Menschen zunehmend ihren persönlichen Drachen als Lebenskraft, als schöpferisches Potenzial.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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