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Ausführlicher Inhalt

Sugihara (Yôsuke Kubozuka) ist ein in Japan aufgewachsener Koreaner und besucht eine nordkoreanische Schule, die einer sozialistischen Kaderschmiede gleicht: Japanisch-Reden ist verboten, Aufmärsche und Selbstkritik-Stunden bestimmen den Tagesablauf.

Er ist mit seinem Leben nicht zufrieden und die Schule ödet ihn an, also vertreiben er und seine Freunde sich die Zeit mit lebensgefährlichen Mutproben wie dem "Super Chicken Run", bei dem sie so knapp wie möglich vor einer einfahrenden U-Bahn davonlaufen.

Sugiharas Eltern machen sich Sorgen um ihren Sohn: Als sie ihn auch noch von der Polizeiwache abholen müssen, verpasst ihm sein Vater (Tsutomu Yamazaki), der früher Profiboxer war, eine gewaltige Abreibung, beschließt aber auch, dass er seinem Sohn irgendwie helfen mußs, die Integration in die japanischen Gesellschaft zu ermöglichen.

Dies tut er, indem er seine nordkoreanische Staatsbürgerschaft für eine südkoreanische aufgibt, auch wenn dadurch jeder Kontakt mit Nordkorea und seiner dort noch lebenden Familie unmöglich wird. Angeblich tut er dies nur um sich einen lang gehegten Traum zu erfüllen, eine Reise nach Hawaii, aber im Grunde gibt er damit seine eigene Identität auf um die Fesseln, die sich um Sugihara gelegt haben, zu lockern.

Sugiharas Unzufriedenheit bewegt ihn zu einem ähnlichen Schritt wie sein Vater. Er beschließt von der nordkoreanischen Schule auf eine normale japanische zu wechseln. Sein koreanischer Lehrer hält das für "Landesverrat", und es kommt zu einer Konfrontation zwischen ihnen, bei der sich ausgerechnet Jong-il (Takato Hosoyamada), ein hochintelligenter aber eigentlich sehr schüchterner Junge, auf Sugiharas Seite stellt. Damit beginnt eine tiefe Freundschaft.

Auf der japanischen Schule läuft zunächst auch nicht alles glatt. Sugihara erträgt den alltäglichen Rassismus und die dummen Bemerkungen über seine koreanische Herkunft eine Zeit lang; doch eines Tages flippt er im Sportunterricht aus und geht auf die anderen Jungs los - ab hier wird alles anders.

Sein Vater hat ihn seit er klein war im Boxen unterrichtet, so kann er sich in den folgenden Kämpfen gegen diverse Herausforderer, die von seinem Ausbruch in der Turnhalle gehört haben, durchsetzen und gewinnt damit in der Schule Respekt.

Auf einer Party seines ersten japanischen Freundes lernt Sugihara das japanische Mädchen Sakurai (Kou Shibasaki) kennen. Diese hat ihn schon öfter an der Schule gesehen und beschlossen, dass er ihr Freund werden soll.

Langsam entwickelt sich zwischen Sakurai und ihm eine Beziehung, erst sehen sie sich an den Wochenenden, dann wird er von ihren Eltern zum Essen eingeladen und ist damit das erste Mal bei einer japanischen Familie zu Gast. Sakurai und Sugihara sind sehr verliebt und treffen sich nun häufiger bei ihren Eltern zu Hause, wo sie relativ ungestört sein können.

Sakurais Familie ist eine typische wohlhabende gutbürgerliche Familie, in der gerade der für Japan typische, versteckte Rassismus sehr präsent ist. Deswegen verschweigt Sugihara seine koreanische Herkunft, aus Angst Sakurai zu verlieren.

Die Harmonie in Sugiharas Leben bleibt nicht lange ungetrübt: Unvermittelt stirbt sein bester Freund Jong-il durch einen Messerstich, als er versucht, einem koreanischen Mädchen zu helfen, das von japanischen Schülern belästigt wird.

Sugihara ist zornig und traurig, verweigert sich aber dem Aufruf eines ehemaligen Kumpels von der koreanischen Schule, den toten Freund "zu rächen". Sakurai versucht ihn zu trösten und will die Nacht mit ihm verbringen, damit er nicht allein sein mußs. In dieser Nacht wollen die beiden das erste Mal miteinander schlafen, doch erst will Sugihara reinen Tisch machen:

Er gesteht Sakurai seine koreanische Herkunft darauf hoffend, dass die Nationalität für ihre Liebe keine Rolle spielt. Sie reagiert jedoch irritiert und abweisend. Fast schon angeekelt zitiert sie ihren Vater, der ihr beigebracht hat, dass Koreaner Menschen zweiter Klasse sind und ihr Blut unrein sei. Enttäuscht und verbittert rennt Sugihara davon.

In der folgenden Zeit geht es in Sugiharas Familie hoch her: die Mutter verlässt immer mal wieder den Vater und kommt dann doch wieder zurück, und das Geschäft des Vaters läuft schlecht. Dann stirbt Sugiharas Onkel, der ältere Bruder seines Vaters. Seit Sugiharas Vater seine nordkoreanische Staatsbürgerschaft aufgegeben hat, konnte er keinen Kontakt mehr mit ihm aufnehmen, alle Briefe kamen zurück.

Er verliert sich in seiner Trauer in Selbstmitleid. Sugihara erträgt diese Kraft- und Mutlosigkeit seines Vaters nicht mehr, und es kommt zu Streit. Er wirft seinem Vater vor, nur in der Vergangenheit zu leben. Seiner Meinung nach hat dieser kein Recht, ständig über sein Leben zu lamentieren. Der Streit kulminiert schließlich in einem blutigen Boxkampf.

Sugihara verliert den Showdown der Generationen, und auch einen Zahn. Als sie beide wieder zu sich kommen muß sich Sugiharas Vater aber doch eingestehen, dass sein Sohn recht hat, und die Zeit seiner Generation, die die Last des ideologischen Umbruchs auf ihren Schlultern trug, vorbei ist.

Es vergehen einige Monate. Sugihara scheint ein strebsamer Schüler geworden zu sein, und plant das College zu besuchen. Sogar die Harmonie zwischen seinen Eltern und damit auch in der Familie, scheint wieder hergestellt.

Am Weihnachtsabend klingelt plötzlich das Telefon - es ist Sakurai. Sie will Sugihara wiedersehen, und sich mit ihm treffen, auf dem Schulhof seiner alten nordkoreanischen Schule, wo sie auch ihr erstes Rendezvous hatten. Nach kurzem Zögern macht er sich auf den Weg.

Als er Sakurai dann auf dem Schulhof erblickt, bricht sein ganzer Frust und seine Wut auf sie, seine Eltern, die Gesellschaft die ihn nicht akzeptieren will und ihn als einen Fremden brandmarkt aus ihm heraus. Er brüllt ihr immer wieder "Wer bin ich?" entgegen.

Doch Sakurai ist nicht schockiert. Sie hat zwar keine Antwort auf seine Fragen, doch eins weiß sie: "I loved those eyes...". Sie gesteht ihm, dass sie damals seinen Ausbruch in der Turnhalle beobachtet hat, und von da an wusste, dass sie ihn liebt; ihn und seine Andersartigkeit.

Sugihara wirkt wie versteinert, und scheint gegen seine Gefühle zu kämpfen. Schließlich zieht er Sakurai doch zu sich in seinen Arm und sie küssen sich. Nach dieser Versöhnung fängt es auch noch an zu schneien, und die beiden tollen wie zwei glückliche Kinder über den Schulhof.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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