Die unbarmherzigen Schwestern

Ausführlicher Inhalt

The Magdalene Sisters ist der neue Film des viel gelobten Regisseurs von "Orphans", Peter Mullan. Eine kraftvolle und gefühlvolle Reise, die einige Jahre begleitet im Leben vier junger "gefallener Frauen", die von der katholischen Kirche eingekerkert werden.

Während die Frauenbefreiung um die Welt geht, werden diese Frauen ihrer Freiheit und ihrer Würde beraubt und verurteilt zur unbefristeten Strafarbeit in den Wäschereien der Magdalenen-Schwestern, wo sie ihre Sünden bereuen sollen.

Dublin im Jahr 1964. Eine scheinbar harmonische irische Hochzeit ist im Gange. Ein Priester singt eine Ballade für die Braut und den Bräutigam, die Musiker erhalten enthusiastische aufmunternde Aufmerksamkeit von den Hochzeitsgästen. Inmitten der Feier folgt Margaret (Anne-Marie Duff) ihrem Cousin Kevin (Sean McDonough) in ein kleines Zimmer, wo er sie, nachdem sie sich ihm verweigert, vergewaltigt.

Zurück bei der Hochzeitsgesellschaft, schüttet Margaret einer Freundin ihr Herz aus, und die Neuigkeit verbreitet sich auf dem Fest. Während Kevin bestraft wird, erklärt Margarets Vater dem Priester, was passiert ist. Seiner Meinung nach hat das vergewaltigte Mädchen ihrer Familie Schande bereitet.

Deshalb holt der Priester es am nächsten Morgen im Haus ihrer Familie ab, um es ins Magdalenen-Heim zu bringen. Ihr kleiner Bruder Eamonn (Ciaran Owens) bekommt ihre überstürzte Abreise mit und ist verwirrt. Er schreit: "Wo bringt Vater Margaret denn hin?", während die Mutter nur zusieht, zu schwach, um einzuschreiten.

Szenenwechsel. Die heranwachsende Bernadette (Nora-Jane Noone) lebt im St. Attracta Waisenhaus und ist sich nicht bewusst, dass ihre erblühende Schönheit ihre Zukunft zerstören könnte. Nicht nur die jüngeren Mädchen im Waisenhaus bewundern sie. Bernadette erregt auch die Aufmerksamkeit der jungen Arbeiter einer benachbarten Fabrik.

Der Direktor fürchtet, dass Bernadette auf die leicht zu beeindruckenden jungen Mädchen einen schlechten Einfluss nehmen könnte und dass sie eine unwiderstehliche Versuchung für die jungen Männer ist - und entscheidet sich, sie aus dem Waisenhaus zu entfernen. Das seiner Meinung nach passendere neue Zuhause für eine junge Versuchung: die Magdalenen-Wäscherei.

Rose (Dorothy Duffy) hat gerade einen kleinen Jungen zur Welt gebracht. Ihre Mutter ist zwar anwesend, aber völlig teilnahmslos. Rose fleht ihre Mutter an, doch einen Blick auf das uneheliche Baby zu werfen, aber die Mutter bleibt hart.

Ihr Vater kommt mit einem Priester ins Hospital, und der überzeugt Rose, dass es besser für ihren Sohn sei, wenn er von einer "guten katholischen Familie" aufgezogen werde. Sie unterschreibt ein Formular, aber als der Priester das Baby sofort mitnehmen will, bereut sie augenblicklich ihre Entscheidung und versucht, um ihr Kind zu kämpfen. Ihr Vater aber hält sie zurück.

Margaret, Rose und Bernadette treffen gleichzeitig im Magdalenen-Heim ein. Ihre Kleider befinden sich in Holzkisten, und sie erhalten grobe braune Uniformen. Schwester Bridget (Geraldine McEwan) erklärt ihnen, wie sie ihre Sünden bereuen können und wie man sie hier vor ewiger Verdammnis retten wird durch ein streng reglementiertes Leben mit Arbeit und Gebeten.

Währenddessen sitzt sie am Tisch und zählt das mit der Wäscherei eingenommene Geld. Margaret stellt die Entscheidung ihres Vaters, sie ins Magdalenen-Heim zu geben, in Frage und wird dafür von Schwester Bridget brutal beschimpft. Rose bekommt von der Schwester den neuen Namen "Patricia", weil es im Heim schon ein Mädchen mit dem Namen Rose gibt.

Nach dem Nachtgebet, eingeschlossen in den Schlafraum, hat Patricia einen Kollaps. Weil sie gerade eine Geburt hinter sich hat, sind ihre Brüste angeschwollen und voller Milch. Bernadette bietet ihr ihre Hilfe an, aber die beiden stellen schnell fest, dass freundschaftliche Bande oder eine Unterhaltung hier nicht gern gesehen sind.

Am nächsten Morgen werden die Mädchen abrupt geweckt, als Schwester Jude (Frances Healy) Una sucht: Es sickert durch, dass das Mädchen offensichtlich in der Nacht ausgerissen ist. Schwester Bridget ist wütend, und ihr Ausbruch beim Frühstück erschreckt die Mädchen und sogar die anderen Nonnen. Bernadette bemerkt, dass sich die Schwestern ein ausgiebiges Frühstück gönnen, während es für die schwer arbeitenden Mädchen nichts als Porridge gibt.

Früh beginnt die harte Arbeit in der Wäscherei unter der Aufsicht von Katy (Britta Smith), die hier schon seit 40 Jahren arbeitet. Crispina (Eileen Walsh), ein Mädchen, das neben Bernadette arbeitet, weigert sich, die weißen Kragen eines Priesters zu waschen und tauscht sie heimlich gegen ein blutiges Handtuch aus Bernadettes Wäschestapel aus.

Bernadette wird sich ihrer Situation langsam bewusst und beschließt, bei der erstbesten Gelegenheit auszubrechen. Margaret hat wohl die gleiche Idee, aber ihr zaghafter Versuch, die Anstalt in der Nacht zu verlassen, wird vereitelt von Unas (Mary Murray) abrupter Rückkehr.

Ihr brutaler Vater (gespielt von Regisseur Peter Mullan) liefert sie persönlich wieder ein. Unter Schlägen brüllt er sie an, sie habe keine Familie und kein Zuhause mehr. Er schimpft die anderen Mädchen Huren und geht. Margaret streift sich neben Una wieder ihr Nachthemd über und teilt ihren stillen Moment der Erniedrigung.

Der Lieferwagen kommt an im Magadalenen-Heim, voll mit Schmutzwäsche aller Art. Für den Fahrer Brendan (Chris Simpson) sind alle Mädchen "Prostituierte und Huren" und sein Chef Seamus (Sean Colgan) hat ihm eingeschärft, nicht mit den Magdalenen-Mädchen zu reden oder sie auch nur anzusehen. Die Mädchen helfen dabei, den Lieferwagen zu be- und entladen und versuchen, den gierigen Blicken von Brendan auszuweichen.

Während Patricia im Garten Wäsche aufhängt, taucht Crispinas Schwester vor dem Tor des Magdalenen-Heims auf. Sie hat Crispinas kleinen Sohn mitgebracht. Sie kommunizieren mit ihren St. Christopher-Zwillings-Halsmedaillons. Währenddessen wird der Lieferwagen weiter entladen, und Bernadette ohrfeigt Brendan, weil er Sex von ihr verlangt. Sie wird rasend bei seiner Unterstellung, sie würde es ohnehin mit jedem tun.

Bei der Arbeit lernen sich Crispina und Patricia näher kennen, aber weil sie verbotenerweise miteinander sprechen, wird Crispina zu Schwester Bridget gebracht. Auch Bernadette ist bei der Oberin - sie hat allerdings verlangt, diese zu sehen.

Schwester Bridget ist gerade dabei, der Ausreißerin Una die Haare zu scheren. Bernadette will von Schwester Bridget wissen, mit welcher Berechtigung man sie hier festhalte - schließlich habe sie sich nicht eine einzige Sünde vorzuwerfen. Statt einer Erklärung erhält sie, wie auch Crispina, ein paar Schläge mit dem Rohrstock auf ihre Oberschenkel. Während Schwester Bridget ihre Autorität unter Beweis stellt, vertieft sich der Hass, den Bernadette für die Nonnen empfindet.

Entschlossen zur Flucht mit allen Mitteln versucht Bernadette, Brendans Hilfe zu gewinnen. Sie küsst und flirtet mit ihm hinter dem Haus, lässt ihn unter ihren Rock sehen und schlägt vor, dass sie gemeinsam durchbrennen. Zögernd verspricht Brendan, nachts zurückzukommen und heimlich die Tür der Wäscherei zu öffnen.

Die beiden werden beobachtet von der alten Katy, die Bernadette droht, der Oberschwester Bridget zu verrraten, was für ein "schlimmes Mädchen" Bernadette sei. Bernadette schafft es, Katy mit der Argumentation zu verunsichern, sie würde sich umbringen, wenn Katy sie verraten würde - und das würde Katy zu einer Mörderin und damit auch zu einer Sünderin machen.

Tatsächlich kehrt Brendan - wie mit Bernadette verabredet - in der Nacht zum Heim zurück. Im entscheidenden Moment allerdings wird er panisch und verschließt die bereits geöffnete Tür wieder. Zurück bleibt die verzweifelte Bernadette, die sofort von Schwester Bridget und ihren Helferinnen entdeckt, geschlagen und geschoren wird.

Die Zeit vergeht, Arbeit und Geschäft gehen voran. Neue elektrische Trockner werden in der Wäscherei angeliefert und von Pater Fitzroy (Daniel Costello) gesegnet. Eines Abends müssen sich die Mädchen nackt in einer Reihe aufstellen und sich von zwei Aufsicht führenden Nonnen verspotten lassen, die ihre dümmlichen Kommentare und Vergleiche über die entblößten Körper für witzig halten.

Die wehrlosen Mädchen sind sehr verletzt, vor allem Crispina ist sehr verängstigt und verstört und versucht daraufhin mehrmals, sich das Leben zu nehmen. Alles wird noch viel schlimmer, als sie dabei auch noch ihr St. Christopher-Halsmedaillon verliert. Bernadette findet das Schmuckstück, sagt aber nichts, obwohl alle sehen können, wie sehr Crispina der Verlust quält.

Patricia versucht, die Lebensmüde aufzumuntern, und erzählt ihr, wie traurig ihr Sohn war, als Crispina aufgrund ihres schlechten Zustandes nicht raus ans Tor der Anstalt kommen konnte. Margaret verspricht, das Medaillon für Crispina zu finden.

Auf dem Weg zur Kapelle wird Margaret zufällig Zeugin, wie Pater Fitzroy von Crispina mit oralem Sex bedient wird. Dann empfangen die Mädchen aus seinen Händen das Abendmahl. Nach der Messe filmt Pater Fitzroy die Mädchen und Nonnen mit seiner Super-8-Kamera beim Spielen.

Margaret sagt Crispina, Fitzroy sei kein Mann Gottes und verlässt die Gesellschaft, um ein paar giftige Pflanzen zu sammeln, mit denen sie Fitzroys Roben waschen will. Dabei entdeckt sie eine offene Tür in der Gartenmauer, die direkt nach draußen auf die Landstraße führt.

Sie hätte die augenblickliche Möglichkeit zur Flucht, kann aber mit der plötzlichen Aussicht auf Freiheit nichts anfangen und bleibt, wie gelähmt, lieber in der Gefangenschaft.

Crispina erinnert Margaret nochmals an ihr Versprechen, ihren St. Christopher wieder-zufinden. Während alle Mädchen beim Gebet sind, durchsucht Margaret den Schlafsaal und endeckt, dass Bernadette das Medaillon gestohlen hat. Die beiden Mädchen prügeln sich. Crispina aber ist nur glücklich darüber, ihr geliebtes Medaillon zurückzuhaben.

Die Mädchen haben sich mit Umhang und Schleier fein gemacht für die Fronleichnams-prozession. Eskortiert von Gardisten paradieren sie durch den nahe gelegenen Ort und werden von der an der Straße Spalier stehenden Dorfbevölkerung begutachtet. Auf einer Wiese findet dann eine festliche Messe statt, die allerdings rasch abgebrochen werden mußs.

Pater Fitzroy beginnt sich nämlich urplötzlich am ganzen Körper wie verrückt zu kratzen und reißt sich panisch nach und nach alle Kleider vom Leib. Margarets Freude über ihren gelungenen bösen Streich mit den giftigen Waschzusätzen verwandelt sich ganz schnell in blanken Horror, als plötzlich auch Crispina beginnt, sich zwischen den Beinen zu kratzen.

Dazu schreit sie hysterisch und im-mer wieder "Sie sind kein Mann Gottes, Vater Fitzroy!" Noch in derselben Nacht wird Crispina, die sich heftig wehrt, vom Magdalenen-Heim abgeholt und in das Mount Vemon Hospital, eine Irrenanstalt, eingeliefert.

Die Jahreszeiten ändern sich, und als der Winter kommt, findet auch im Magdalenen-Heim eine gesittete Weihnachtsfeier statt: ein Kinoabend. Die Mädchen freuen sich und sind sehr überrascht über Schwester Bridgets Begeisterung und ihre offenen Gefühlsausbrüche, als der vom Erzbischof ausgesuchte Film gezeigt wird: Die Glocken von St. Mary.

Der harmonische Abend erfährt eine überraschende Wendung durch die Ankunft von Margarets Bruder Eamonn (Eamonn Owens). Er ist gekommen, um seine Schwester mitzunehmen. Unfähig, dagegen etwas einzuwenden, mußs Schwester Bridget zusehen, wie die völlig überraschte Margaret den Raum verlässt. Im Schlafraum beobachten die anderen Mädchen verdutzt, wie sie ihre Sachen zusammenpackt.

Margaret hat noch eine letzte Konfrontation mit Schwester Bridget: Das Mädchen weigert sich, zur Seite zu treten, als ihr die Oberin im Flur begegnet. Margaret kniet nieder und betet und zwingt damit die verbitterte Nonne und ihre Entourage, um sie herumzugehen. Ein einsamer Triumph, bevor sie das Magdalenen-Heim für immer verlässt.

Während für die anderen Frauen im Heim wieder die tägliche Routine einkehrt, wird die alte Katy schwer krank. In einem anderen Flügel des Hauses bekommt Patricia mit, wie neu ankommenden Mädchen ihre Kinder weggenommen werden.

Die Erinnerung an ih-ren eigenen Sohn kehrt zurück, und so geht sie zu Schwester Bridget und bittet sie um die Erlaubnis, ihrem Kind wenigstens eine Geburtstagskarte schicken zu dürfen. Ihre Bitte wird zurückgewiesen. Aber Patricia rächt sich auf stille Weise: Die Oberin ist gerade verzweifelt auf der Suche nach ihrem Safe-Schlüssel und Patricia verschweigt ihr, dass er einfach nur unter einen Schrank gefallen ist.

Auf ihrem Totenbett legt die alte Katy gegenüber Bernadette ihre Lebensbeichte ab. Die ungerührte Bernadette wünscht ihr den Tod. Patricia wird dabei erwischt, wie sie Crispinas Schwester erzählt, dass man Crispina aus dem Magdalenen-Heim weggebracht hat. Bernadette möchte Schwester Bridget mitteilen, dass Katy gestorben ist und bekommt beim Betreten des Büros mit, wie die Oberin Patricia brutal dafür verprügelt, dass sie mit Crispinas Schwester geredet hat.

Dann werden die Mädchen wieder, als ob nichts gewesen wäre, zur Arbeit geschickt. In der Nacht entscheidet Bernadette, dass sie das Leben im Magdalenen-Heim auf keinen Fall noch länger aushalten kann. Sie überredet die zunächst zurückhaltende Patricia zur Flucht. Sie entkommen aus dem Schlafraum und brechen in das Büro von Schwester Bridget ein.

Plötzlich taucht die Oberin in ihrem Nachthemd auf, und es kommt zu einem wilden Handgemenge. Bernadette hält der Schwester eine Schere an die Kehle und droht, sie damit umzubringen - falls sie nicht den Generalschlüssel für das Heim herausgebe. Schließlich tauscht Schwester Bridget den Heimschlüssel gegen den verloren geglaubten Safe-Schlüssel, den Patricia unter dem Schrank hervorgeholt hat.

Die Mädchen rennen um ihr Leben. Sie lassen das Außentor hinter sich und entkommen über die Felder bis in die Außen-bezirke von Dublin, wo Bernadettes Cousine einen Friseursalon hat.

Bernadette bleibt bei ihrer Cousine, um Friseuse zu werden - und um damit endlich einen Platz in der Gesellschaft zu erhalten, der ihr bislang vorenthalten wurde. Patricia besteigt einen Bus nach Liverpool. Sie möchte in England ein neues Leben beginnen. Die Mädchen wünschen einander viel Glück, versprechen, sich zu schreiben und trennen sich.

Während eines heftigen Regens stellt sich Bernadette in einem Hauseingang unter. Dabei kreuzt sich ihr Blick mit denen zweier Nonnen. Noch immer tauchen vor ihrem inneren Auge die Bilder der Gewalt auf, die sie im Magdalenen-Heim erlebt hat. Als sie erkennt, dass ihr die Nonnen nichts mehr anhaben können, stellt sie sich provozierend mitten in den Regen, öffnet ihre Haare und streicht sie mit den Fingern zurück. Sie spürt und genießt das Gefühl der Freiheit, die nun endlich ihr gehört.

Bernadette: Bald nach ihrer Flucht ging sie nach Schottland, wo sie ihren eigenen Friseursalon eröffnete. Sie war dreimal verheiratet - und ist auch dreimal geschieden. Sie lebt jetzt allein.

Patricia/Rose: Heiratete und hat zwei Kinder, beide Mädchen. Sie sah ihren Sohn 1995 wieder, 32 Jahre, nachdem man ihn ihr weggenommen hatte. Sie blieb eine gläubige Katholikin bis zu ihrem Tod 1998.

Margaret: Ließ sich in Donegal nieder, wo sie Grundschullehrerin wurde. Heute ist sie stellvertretende Direktorin. Sie hat nie geheiratet.

Crispina: Ihr wirklicher Name war Harriet, starb im Jahr 1971 an Magersucht. Sie wurde nur 24 Jahre alt.

Man schätzt, dass etwa 30.000 Frauen in den Magdalenen-Heimen Irlands festgehalten wurden. Das letzte wurde erst im Jahr 1996 geschlossen.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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