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Ein ehrgeiziges
Vorhaben
Der Obrist und
die Tänzerin markiert das Regiedebüt des ebenso
hochkarätigen wie vielfältig interessierten Schauspielers
John Malkovich. Die
Realisierung dieses ambitionierten internationalen Projekts nahm
fünf Jahre in Anspruch: "Es gab eine ganze Reihe potentieller
Partner, aus Europa ebenso wie aus den Vereinigten Staaten, aber
bei niemandem war ein solches Vertrauen in die Inhalte des Projekts
und meine formalen Vorstellungen zu spüren wie bei Andrés
Vicente Gómez. Sein Engagement, das Vorhaben durchzusetzen und
dabei ein rigoroser Anwalt meiner Vision zu sein waren absolut
fantastisch," so Malkovich.
"Der Roman hat mich von der ersten Seite an gefesselt", gesteht Malkovich. "Ich erwarb die Filmrechte, bevor ich ihn überhaupt zu Ende gelesen hatte, und bot Nicholas Shakespeare auch sofort an, das Drehbuch selbst zu schreiben. Insbesondere der Protagonist Agustin Rejas ist eine äußerst interessante Figur. Er ist ein Mann, der in der Lage ist, alles zu opfern - seine Familie, seinen Job, seine Liebe - um seine Pflicht zu tun. Das Drehbuch unterscheidet sich darin vom Roman. Die Geschichte wird hier direkter und handlungsorientierter erzählt, wobei es uns aber glaube ich gelang, die poetischen Untertöne des Originals zu erhalten." Die Kraft der Geschichte Obgleich Der Obrist und die Tänzerin reale Personen und Ereignisse thematisiert, haben sich sowohl Autor als auch Regisseur der Geschichte aus einem völlig eigenen Blickwinkel genähert."Bevor ich Nicholas' Roman gelesen hatte, wusste ich sehr vage über den Leuchtenden Pfad Bescheid. Allerdings hatte ich bei einem Aufenthalt in Peru Mitte der achtziger Jahre einen der großen Stromausfälle miterlebt, die von den Angehörigen der Gruppe organisiert wurden. Danach verfolgte ich die Aktivitäten der Gruppe als politisch interessierter Laie, hätte aber nie gedacht, dass ich einmal einen Film über dieses Thema machen würde." "Wie viele andere Menschen meiner Generation interessiere ich mich sehr für das Konzept des Terrorismus'", führt Malkovich weiter aus. "Woher stammen Terroristen, welches sind ihre Motive, wie planen sie ihre Anschläge, woher beziehen sie das hohe strategische und taktische Know How, wie 'ticken' sie auf einer ethisch-humanistisch-philosophischen Ebene. Bei Der Obrist und die Tänzerin jedoch verlegten wir den Schwerpunkt auf andere Aspekte. Tatsächlich finden sich die Worte "Leuchtender Pfad" nicht ein einziges Mal im gesamten Drehbuch wieder. Und das Land, in dem die Ereignisse stattfinden, bleibt ungenannt. Für mich sind die persönlichen Geschichten und Hintergründe der Protagonisten weitaus interessanter als die historischen Details. Nicholas' Roman interessierte mich eben wegen dieser persönlichen Geschichten selbst und wegen des Tons, den er für deren Erzählung gefunden hat. Das sollte auch in meinem Film im Vordergrund stehen." Spannung und Terror Der Obrist und die Tänzerin berichtet in aller Ausführlichkeit von einigen der erschreckendsten Guerilla-Taktiken des "Leuchtenden Pfads" - zu denen rituelle Exekutionen, Stromausfälle, verschlüsselte Nachrichten und einschüchternde Plakate gehörten. Dennoch hatte dokumentarische Genauigkeit nicht die oberste Priorität für John Malkovich. "Ich habe kein einziges Mitglied des 'Leuchtenden Pfades' kennen gelernt Ich habe einige ihrer Verlautbarungen gelesen oder gehört, aber im Grunde genommen interessiere ich mich nicht besonders für ihre Ideologie. Ich habe wirklich Probleme damit, zu erfassen, was der Kern ihrer revolutionären Botschaft sein soll - der Abstand zwischen Mao, Karl Marx und Immanuel Kant erscheint mir doch zu gewaltig. Ich bin jedenfalls sicher, dass Mord und Totschlag keine geeigneten Mittel sind, das Problem der sozialen Ungleichheit zu lösen."Autor und Regisseur stimmten darin überein, dass für sie das Tun, Denken und Empfinden des Hauptprotagonisten ausschlaggebend sein sollten. Worum es ihnen ging, war einen kraftvollen Thriller zu schaffen, der auf historischen Ereignissen beruht, ohne sich zu deren Sklaven zu machen. "Nicholas und ich wollten erreichen, dass das Publikum niemals vorher erraten kann, was in der nächsten Szene passiert. Wir wollten, dass die Leute wirklich fiebern, was als nächstes passiert." Spanisch-sprachige Schauspieler Bei der Besetzung von Der Obrist und die Tänzerin bestand John Malkovich unnachgiebig darauf, nicht-englisch-sprachige Darsteller auszuwählen. Außer einem einzigen us-amerikanischen Darsteller kommen sämtliche Schauspieler aus Spanien, Argentinien, Portugal oder Italien.Javier Bardem und Juan Diego Botto führen die Besetzungsliste an. Neben ihnen spielen Laura Morante, Elvira Minguez, Oliver Cotton, Alexandra Lancastre und Luis Miguel Cintra. Zwar wurde der Film in Englisch gedreht, jedoch unter Beibehaltung des Original-Akzents aller Akteure. "Es ging mir um eine Metapher, dass nämlich die Charaktere in einer Sprache und mit einem Akzent sprechen, der ihnen nicht gehört, ebenso wie sie in einem Land leben, das ihnen nicht gehört", erläutert der Regisseur hierzu. "Das war ein bewusstes Risiko, das ich eingehen wollte." |
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