Ausführlicher Inhalt Sein und Haben

Eine kleine Dorfschule im Wechsel der Jahreszeiten. Es ist Winter. Die Bauern treiben das Vieh durch den Schnee, in einem leeren Klassenraum sind zwei Schildkröten unterwegs. Auf vereisten Straßen werden einige kleine Kinder mit einem Mini-Bus in die Schule gebracht.

Der Lehrer Georges Lopez unterrichtet seit über 20 Jahren in dem kleinen Dorf in der Auvergne. Im Klassenraum befinden sich um einen runden Tisch versammelt die Kleinen im Vorschulalter. Auf den Schulbänken sitzen die älteren Kinder. Bis zur fünften Klasse werden alle Schüler von ?Maitre? Lopez in diesem Klassenraum unterrichtet.

Die Vorschüler lernen Lesen, während die älteren Kinder Mathematik haben. Zu Hause bei den Hausaufgaben herrschen zuweilen rüdere Sitten. Bei einem älteren Jungen hilft zwar die ganze Familie, aber die Mutter ist ungeduldig und droht auch schon mal mit Backpfeifen.

Lehrer Lopez wird nur selten ungehalten und mußs kaum einmal seine Stimme erheben. Er genießt er bei seinen Schülern Respekt und Autorität. Er kümmert sich um ihre Sorgen, schlichtet Streit, ist auch für sie da, wenn sie Kummer haben. So sorgt sich ein Junge um seinen kranken Vater und bricht in Tränen aus. Lopez vermittelt traditionelle Werte, wirkt in seiner unsentimentalen Art durchaus altmodisch und geht völlig in seinem Beruf auf. Er sorgt sich um seine Schüler. Einmal, als es im Frühling einen Wolkenbruch gibt, rennt er immer mit zwei Regenschirmen, einen in jeder Hand und unter ihm jeweils ein Kind aus seiner Klasse, vom Schulbus bis zur Schule. Solange, bis er alle seine ?Schäfchen? im Trockenen hat.

Lopez erzählt von seinem Vater, der aus Andalusien kam und Landarbeiter war. Seit 35 Jahren unterrichtet ?Monsieur? und seine Schüler wissen, dass es sein vorletztes Schuljahr ist. Der Sommer naht und die Fünftklässler werden auf eine andere Schule gehen. Herr Lopez unternimmt mit seiner ganzen Klasse einen Ausflug in dieses neue ?Collège?. Die Kleinen werden beschäftigt, während die Größeren erfahren, was im nächsten Schuljahr auf sie zukommt. Besuch gibt es auch in Lopez? eigener Klasse. Seine neuen Schüler für das nächste Jahr kommen zu Besuch. Der jüngste ihnen weint und schreit nach seiner Mama. Lopez nimmt ihn auf den Arm, versucht ihn zu beruhigen. Er wirkt dabei leicht überfordert.

In den letzten Tagen vor den großen Ferien heißt es Abschied nehmen. Bei zwei Jungs macht sich Lopez ein wenig Sorgen, wenn sie auf der neuen Schule sind. Beide sind keine sehr guten und keine sehr fleißigen Schüler. Ihre Versetzung stand auf der Kippe. Ein älteres Mädchen weint und Lopez verspricht ihr, auch im nächsten Schuljahr für sie an den Samstagen da zu sein.

Am letzten Schultag verabschieden sich die Kinder von ihrem Lehrer mit Küßchen. Bei den kleinen Schülern kniet Georges Lopez sich hin, bei den größeren mußs er aufstehen. Als sein Klassenraum leer ist, verweilt er für eine Weile ganz allein und steht im Türrahmen. Es fällt ihm nicht ganz leicht, seine Gefühle zu beherrschen.

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Dirk Jasper FilmLexikon

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