Produktionsnotizen Ghost Ship

Die Geschichte der Seefahrt ist voll von Marie Celestes. "Das Meer und die Menschen, die es befahren, bieten immer wieder Anlass zu geheimnisvollen, faszinierenden Geschichten", stellt der renommierte Produzent Joel Silver fest, der mit Robert Zemeckis, seinem Partner in der Firma Dark Castle Entertainment, die klassische HBO-Gruselserie "Geschichten aus der Gruft" auf den Bildschirm brachte und die Kinohits "Haunted Hill" und "13 Geister" produziert hat. "Auch Gespenstergeschichten verlieren nie ihren Reiz, aber es hat noch nie eine Story gegeben, in der beide Elemente überzeugend kombiniert wurden. Ghost Ship spricht die abgründigen Seiten unserer Natur an: den Spaß am Grusel, den Nervenkitzel, den Adrenalinschub - hier wird unsere ewige Neugier auf unerklärliche Mysterien befriedigt."

Tatsächlich verbindet Ghost Ship atemberaubende Action auf hoher See mit einer unheimlichen Geschichte, die wahrlich nicht von dieser Welt ist. Schauplatz ist die Antonia Graza, ein herrenloser Luxusdampfer, der seit über 40 Jahren vermisst wird. "In ,13 Geister' variierten wir die typische Spukhausgeschichte, indem wir die Handlung in ein Gebäude verlegten, das praktisch völlig aus Glas besteht - das erhöhte die Spannung ganz erheblich", erklärt Silver. "In Ghost Ship ist der Schauplatz ein schrottreifes Kreuzfahrtschiff, das 1962 als vermisst gemeldet wurde und jetzt von einem ehrgeizigen Bergungsteam abgeschleppt wird. Der Zuschauer begibt sich mit unseren Helden auf einen grausigen Trip durch dieses Geisterschiff, und er spürt dabei dieselbe Platzangst wie die Hauptdarsteller, denn es gibt keinerlei Fluchtmöglichkeit. Das Ganze spielt ja mitten auf dem offenen Meer - niemand kann davonlaufen oder sich verstecken."

Wenn dann noch ein Frachtdeck voll unregistrierter Goldbarren und die unheimlichen Geister der ehemaligen Passagiere und Besatzung des Schiffes hinzukommen? dann steht wirklich eine Menge auf dem Spiel für die Hauptakteure, die schon lange keinen festen Boden mehr unter den Füßen hatten und deren Urteilsvermögen durch die Gier nach dem unermesslichen Schatz gefährlich eingeschränkt wird.

Ghost Ship beruft sich auf Legenden wie die der Marie Celeste - im Film wird sie als Zweimaster beschrieben, der von Charleston/South Carolina in Richtung London in See stach: 59 Tage später wurde das Schiff im Meer treibend vor der Küste von Tripoli entdeckt - kein Steuermann stand am Ruder, nichts ließ auf einen Notfall schließen, die Fracht war unberührt. "Ghost Ship" nimmt damit ein Thema auf, das auch in "Haunted Hill" und "13 Geister" eine Rolle spielt: Was passiert, wenn in normalen Menschen unter sehr außergewöhnlichen Umständen die Habgier erwacht?

"In Ghost Ship, ,Haunted Hill' und ,13 Geister' werden die Figuren von ihren eigenen Begierden ins Verderben gerissen", bemerkt Silver. "Einerseits sind sie Opfer des Bösen, das über sie hereinbricht, aber gleichzeitig wird das Böse auch durch ihre eigene Habgier heraufbeschworen, erst dadurch kann es sein Vernichtungswerk vollenden."

Als die Bergungsexperten an Bord der Arctic Warrior das Wrack der einstmals prächtigen Antonia Graza ins Schlepptau nehmen, sind sie überzeugt, den Jackpot gewonnen zu haben. Ein paar Reparaturen sind nötig, dann lässt sich der Ozeanriese an Land schleppen. Er dürfte ihnen einen Zahltag bescheren, von dem sie nur träumen konnten. Eigentlich wollte die Besatzung nach sechs Monaten auf See endlich Anchorage anlaufen. Doch solch eine Gelegenheit kann sich niemand entgehen lassen - vor allem, als klar wird, welch unschätzbares Geheimnis im Bauch des Schiffes verborgen ist.

"Diese paar Leute entdecken derart viel Gold, dass schon ein Hundertstel davon ausreichen würde, ihr Leben auf den Kopf zu stellen", überlegt Ron Eldard, der den zynischen Bergungstechniker Dodge darstellt. "Unter derartigem Druck lassen diese Menschen alle Masken fallen: Wer bin ich eigentlich? Und was ist mir wirklich wichtig?" Die Crew entdeckt, dass sie sich von der Aussicht auf das verfluchte Gold genauso blenden lässt wie damals offensichtlich auch die ursprüngliche Besatzung. Ist ihr das gleiche albtraumhafte Schicksal vorbestimmt?

Das beste Team der ganzen verdammten Branche. Schiffsbergungen sind äußerst kompliziert und extrem gefährlich: Gesunkene oder verlassene Schiffe werden von Schweißern unter Wasser zusammengeflickt und notdürftig wieder flott gemacht - oft genug bei rauer See und normalerweise bei bitterer Kälte. Die Besatzung des Schleppers Arctic Warrior arbeitet bereits seit Jahren zusammen, sie spürt auf den Weltmeeren verschollene oder auf hoher See verlassene Schiffe auf, um sie von den Toten auferstehen zu lassen - immer in der Hoffnung, dass man das Schiff dem Besitzer wieder übergeben oder auf die lukrativen Bergungsrechte pochen kann. Nur durch präzise Zusammenarbeit kann das Team Erfolg haben, jedes Besatzungmitglied übernimmt ein Spezialgebiet und trägt bei dem Unternehmen einen entscheidenden Teil der Verantwortung.

Bergungsteamleiterin Maureen Epps ist laut Ghost Ship-Regisseur Steve Beck "das Herz und Rückgrat der Crew". Beck hat für Dark Castle bereits den zu Halloween 2001 erfolgreich gestarteten "13 Geister" inszeniert. "Epps hat die Wucht eines Hurricanes. Sie kommt gut mit den Männern aus, denn sie hat sich durchgesetzt: Sie ist absolut gleichberechtigt, ja sogar die Chefin. Diese Tatsache wird von niemandem in Frage gestellt - die Männer gehen für sie durch dick und dünn."

Die Besetzung des Films steht und fällt mit dieser Rolle - die Filmemacher suchten also eine Darstellerin, die als ebenso zupackende wie leidenschaftliche Teamchefin überzeugt. Ihre Erwartungen werden durch Julianna Margulies mehr als bestätigt - bekannt wurde sie durch ihre Emmy-preisgekrönte Darstellung der Krankenschwester Carol Hathaway in der beliebten Fernsehserie "ER" (Emergency Room). "Julianna ist ungeheuer energisch und intelligent, aber sie kann sich auch in ihre Untergebenen hineinversetzen - ganz so, wie es die Rolle verlangt", sagt Silver. "Wenn es hart auf hart kommt, dann behält sie das Ruder fest in der Hand - an Deck des Schleppers, aber auch unter Wasser und nicht zuletzt im Angesicht der Bedrohung aus einer anderen Welt."

"Epps kann in der Crew jede Funktion übernehmen", beschreibt Margulies ihre Rolle. "Auf der Arctic Warrior ist sie nur dem Kapitän unterstellt, sie ist Teilhaberin in der Bergungsfirma, sie kann tauchen und navigieren. Instinktiv ergreift sie in gefährlichen Situationen die Initiative, sie wird leichtsinnig, wenn es darum geht, ein Ziel zu erreichen. Im Gegensatz zu den anderen hat sie keine familiären Bindungen - ihr Leben besteht aus diesem Schlepper. Sie verbringt Monate auf See, in schwerem Wetter, in all dem Gestank und Dreck - aber sie findet das toll."

Epps' Partner in der Bergungsfirma und Kommandant der Arctic Warrior ist Captain Sean Murphy, den der international renommierte Schauspieler Gabriel Byrne darstellt. "Das Publikum mußs Murphy sofort vertrauen können - er fährt schon sein ganzes Leben lang zur See, kennt alle Seefahrergeschichten und hat mehr erlebt als alle anderen zusammen", sagt Silver. " Gabriel Byrne suggeriert diese Art Aura von Autorität und Selbstsicherheit, die ein erfahrungsreiches Leben mit sich bringt."

"Von Anfang an habe ich mir Gabriel in der Rolle des Murphy vorgestellt", gibt Beck zu. "Er spielt mit genau der Intensität, die in der Rolle angelegt ist - man glaubt ihm das Leid, das in seinen Augen liegt, es verleiht seiner Figur die nötige Tiefe." Laut Byrne ist Murphy "in gewisser Weise zynisch und desillusioniert - er spürt den Überdruss des Lebens. Als typischer Seemann kreuzt er rastlos über die Meere. Es waren doch immer die Seefahrer, die die Grenzen der bekannten Welt erweitert haben. Sie lieben das Unbeständige - solche Menschen faszinieren mich. Und ich gebe es gerne zu - manche dieser Gefühle spüre ich auch in mir selbst."

Byrne interessierte sich für dieses Projekt, weil er das Genre, das Dark Castle sich auf die Fahnen geschrieben hat, besonders schätzt: "Ich finde Gruselfilme toll, weil sie unheimlich sind und uns verunsichern", verrät er. "Und über das Hauptthema des Films lohnt es sich wirklich nachzudenken: Ein Geisterschiff, das die schlimmsten Eigenschaften der Menschen zum Vorschein bringt."

Der entscheidende Motor der Handlung ist Jack Ferriman, jener Pilot, der die Antonia Graza im Beringmeer treibend entdeckt und mit der Besatzung der Arctic Warrior den Bergungsvertrag abschließt. Die Filmemacher besetzten Ferriman mit Desmond Harrington, der aktuell in "Wir waren Helden" und "Unterwegs mit Jungs" zu sehen war. "Ferriman ist ein recht verschlossener Typ", sagt Harrington. "Auf seinen Patrouillenflügen beobachtet er die Wetterentwicklung in entlegenen Gebieten. Im Kontakt mit anderen Menschen reagiert er eher schüchtern. Als er nun plötzlich an Bord mit der reichlich hartgesottenen Besatzung auskommen mußs, reagiert er ganz verschreckt. Dennoch ist seine Neugier geweckt, vor allem von Epps."

An Bord der Arctic Warrior hat Epps noch einen weiteren Verehrer: Dodge, dargestellt von Ron Eldard, ist "ein Scherzkeks", sagt Beck. "Aber was er für sie empfindet, ist ganz ernst gemeint. Er sorgt für Humor in der Geschichte, ist aber kein sehr umgänglicher Typ. Ron bringt all diese Aspekte in seiner Darstellung zum Ausdruck - und noch einiges mehr."

"Dodge ist eben einer der Jungs", kommentiert Eldard. "Er nimmt alles möglichst locker, und er versucht Epps den Rücken freizuhalten. "Etliche der Besatzungsmitglieder werden mit unheimlichen Erscheinungen konfrontiert, aber Dodge konzentriert sich voll darauf, den Dampfer wieder flott zu bekommen - er bekommt die übernatürlichen Vorgänge gar nicht mit."

Isaiah Washington wurde für die Rolle des Greer engagiert: Er ist der Erste Offizier an Bord und mit Abstand das vernünftigste Besatzungsmitglied. "Greer ist auf der Suche nach seinem Platz an der Sonne", sagt Washington. "Er möchte sich selbstständig machen, aber so lange er an Bord ist, mußs er sich an die Regeln halten. An Bord des Ozeanriesen begegnet er einer sehr seltsamen Gestalt, durch die er völlig andere Erfahrungen macht als die übrigen Crewmitglieder."

Der Neuseeländer Karl Urban und der Australier Alex Dimitriades übernehmen die Rollen der Besatzungsmitglieder Munder und Santos. "Santos ist der Maschinist des Schleppers", sagt Beck. "Wenn etwas kaputt geht an Bord: Er repariert es - ausgenommen sein sehr aggressives Verhältnis zu Captain Murphy. Und Munder zeichnet sich auf dem Schlepper durch seine technischen Fähigkeiten aus - in allen mechanischen Bereichen ist er ein Genie, allerdings wirkt er sehr ungepflegt und ungehobelt. Kurz: Er ist ein Chaot."

"Munder schert sich nicht um die anderen, aber in seinem Job ist er unschlagbar", kommentiert Urban. "Er ist Seeingenieur, ein Experte für Schiffbau - er weiß, wie man Wracks repariert und birgt. Mir gefiel besonders dieser Kontrast: Im Team drückt er sich, wo er nur kann, aber bei der Arbeit zeigt er, was in ihm steckt."

Zu den Hauptdarstellern zählt auch die australische Schauspielerin Emily Browning: Sie spielt Katie, das Gespenst eines kleinen Mädchens, dem bei der Lösung des Geheimnisses auf der Antonia Graza eine Schlüsselrolle zukommen könnte. "Katie ist eigentlich ganz lieb", sagt Browning, die für die Rolle den britischen Akzent lernen mußste. "Sie ist völlig unschuldig, aber dennoch will sie sich an den Leuten rächen, die ihr Böses angetan haben. Sie wünscht sich so sehr, dass jemand an Bord kommt und ihr Gesellschaft leistet. Also freut sie sich riesig, als Epps auftaucht, und die beiden freunden sich an."

"Erstaunlich, wie Emily aus Katie eine äußerst komplexe Figur gestaltet", sagt Beck begeistert. "Offensichtlich versucht sie der Crew bei der Flucht zu helfen, aber sie ist nicht einfach nur ein kleines Mädchen, das in eine Geistergeschichte gerät - auf einer tieferen Ebene will Katie ihre Rache."

Eine Dame lässt man nicht warten, Jungs! Wie in den Dark-Castle-Filmen bereits gute Tradition, knistert Ghost Ship von Anfang bis Ende vor Spannung. Im Grunde ist die Story eine aufs offene Meer verlegte Geisterbahnfahrt, denn der Schauplatz auf dem Ozeanriesen Antonia Graza soll natürlich angemessen gespenstisch wirken.

"Die Hauptfiguren geraten nicht nur in eine gefährliche Situation, die sie vermeiden wollten", betont Silver, "sondern sie befinden sich in einer buchstäblich ausweglosen Lage. Mit Hilfe von außen können sie nicht rechnen, und es gibt keinerlei Fluchtmöglichkeit. Um diese äußerst bedrohliche, unheilschwangere Atmosphäre zu erzeugen, kommt den Sets eine entscheidende Aufgabe zu: Die Helden sind nicht nur auf dem Schiff gefangen, sondern auch in der unendlichen Weite des Ozeans."

Schon früh beschlossen die Filmemacher, nicht auf einem echten Schiff zu drehen. "Natürlich liegt es nahe, an einem Originalschauplatz zu filmen", sagt Beck. "Und wir haben uns auch einige Schiffe angeschaut, aber jedesmal überlegten wir: ,Wie bekommen wir den Kamerakran durch diese enge Passage? Oder durch diesen Niedergang?' Bei Dreharbeiten mußs man oft genug ein Loch in eine Wand schneiden, um die gewünschte Kameraperspektive zu erhalten - aber auf einem Schiff ist das unmöglich. Da wurde uns klar, dass uns ein Originalschauplatz viel zu sehr einengen würde."

Stattdessen bauten sie sich ihr eigenes Schiff. Wichtig war dabei nur, einen Produktionsdesigner zu finden, der eine derart ungewöhnliche Aufgabe stemmen konnte. "Unser Produktionsdesigner Grace Walker hat uns wirklich fantastische Sets gebaut", sagt Silver. "Am Anfang erleben wir den majestätischen Ozeanriesen in seiner ganzen Pracht, dann sehen wir ihn, nachdem er 40 Jahre lang als Wrack übers Meer getrieben ist - und beide Versionen sind absolut überzeugend: eine ganz verblüffende Verwandlung."

Walker hat unter anderem "Die Königin der Verdammten" und "DNA - Die Insel des Dr. Moreau" ausgestattet - er bestätigt, dass die Konstruktion der unterschiedlichen Schiffsteile ein gewaltiges Unternehmen war. "Bisher hat mir noch niemand aufgetragen, ein Schiff zu bauen - eine sehr interessante Aufgabe! Wir bauten unter anderem den Bug und das Vordeck im Maßstab 1:1, außerdem den Maschinenraum und den sehr sorgfältig eingerichteten Ballsaal."

Die Brücke der Antonia Graza bezeichnet der Regisseur als sein Lieblingsset. "Sie hat viel Atmosphäre, wirkt äußerst bizarr und gruselig - sie sieht aus wie ein Friedhof", sagt Beck. "Das gesamte Konzept hat mich hellauf begeistert."

Mit großem Engagement richtete Walker den opulenten Ballsaal des Dampfers ein: "Alle Ozeanriesen der damaligen Zeit hatten prächtige Ballsäle, die überreich ausgestattet waren - man engagierte italienische Designer, die aus jenen Schiffen wahre Kunstwerke schufen. Unser Vorbild war die Andrea Doria, eines der großartigen italienischen Kreuzfahrtschiffe der 50er-Jahre. Es war mit grandioser Geste entworfen, und glücklicherweise gibt es eine ganze Reihe von Bildbänden, an denen wir uns orientieren konnten."

Manche Sets wurden tatsächlich für die Dreharbeiten auf dem freien Meer verwendet, mußsten also bestimmte Bedingungen erfüllen. "Wir zogen Schiffskonstrukture als Berater hinzu", sagt Walker. "Denn wir mußsten sicher gehen, dass der Schiffsrumpf die richtige Form bekam - er mußste seetüchtig sein."

Das ausladende Vordeck errichtete man unter freiem Himmel. "Weil wir es in Originalgröße gebaut haben, passte es in kein Filmstudio", erklärt Walker. "Außerdem brauchten wir den Himmel als Hintergrund. Diesen Effekt erreichten wir, indem wir es auf eine Hügelkuppe stellten." Ein weiteres kompliziertes Problem ergab sich durch die Konstruktion des Maschinenraums - Walker und sein Team mußsten nämlich dafür sorgen, dass er tagein, tagaus aufs Neue geflutet werden konnte. "Also bauten wir den Maschinenraum ins Wasserbasin des Filmstudios. Ich machte mir zunächst Sorgen, ob unser Set diese Wassermassen aushalten würde, aber es hat schließlich sehr brav durchgehalten."

Um deutlich zu machen, dass im Verlauf der Handlung 40 Jahre verstreichen, wurde die Antonia Graza zunächst so eingerichtet, wie sie in ihren besten Tagen aussah, um ihr dann anschließend ein Alters-Make-up zu verpassen, denn in der Gegenwart ist sie völlig verrottet. Dieser Verwandlungsprozess dauert meist sehr viel länger, als wenn man auf dem Set einfach nur ein nagelneues Schiff nachgebaut hätte - die Ausstattungsabteilung engagierte 250 Mitarbeiter, die rund um die Uhr damit beschäftigt waren, den Set auf die Schnelle "verrosten" zu lassen. Laut Gabriel Byrne ist Walkers Ozeandampfer "der überwältigendste Set, in dem ich je gearbeitet habe. Eine hervorragende Leistung, wenn man bedenkt, dass sie ein riesiges Schiff gebaut haben." "Ich bin tief beeindruckt von den Sets", bestätigt Julianna Margulies. "Wenn man täglich zwölf Stunden auf einem kalten, feuchten, dunklen und verräucherten Set verbringt, wirkt es wirklich unheimlich. Da brauche ich meine Fantasie überhaupt nicht anzustrengen."

Wenn's nicht unmöglich wäre, würde ich sagen: Ich habe etwas gesehen! Visuelle Effekte, also im Computer generierte Bilder und der Einsatz von Miniaturmodellen, spielten bei der Produktion von "Ghost Ship" eine große Rolle. "Wir mußsten einen gewaltigen Ozeanriesen erschaffen, und dazu einen großen Schlepper, der schon ganz ohne Besatzung eine Macho-Persönlichkeit mitbringt", sagt Produzent Gilbert Adler. "Um dem Schiff in den Special-Effects-Aufnahmen perspektivisch gerecht zu werden, wollten wir lieber auf Nummer sicher gehen und mit einem verkleinerten Modell arbeiten. Unser Mini-Ozeandampfer war allerdings immer noch fast elf Meter lang und wog etliche Tonnen."

"Ich persönlich finde abgefilmte Modelle sehr viel überzeugender als Computerbilder", sagt Beck. "Denn dabei kann man die Oberflächen und Einzelheiten sehr viel intensiver gestalten." Der Leiter der visuellen Effekte, Dale Duguid, zählt gleich eine ganze Liste auf, die ihn davon abhielt, den Ozeandampfer im Computer zu bebildern: "Die Antonia Graza ist ein sehr komplexes Schiff, das sich durch zahllose Details auszeichnet - ob nun in nagelneuem Zustand oder völlig verrottet. Man müsste ein geometrisch enorm aufwändiges 3-D-Modell im Computer konstruieren, um all diese Einzelheiten annähernd einzubeziehen. Hinzu kommt die große Schwierigkeit, einen glaubwürdigen Ozean im Rechner zu animieren. Um also einen überzeugenden Dampfer mit all den von Steve geforderten Details zu schaffen, einigten wir uns auf die deutlich bessere Alternative: ein Schiffsmodell auf einem echten Ozean."

Die Spezialeffekte entstanden dementsprechend in der Zusammenarbeit mehrerer Expertenteams: Etliche Computer-Arbeitsgruppen arbeiteten an 3-D-Effekten, hinzu kamen ein Motion-Control-Team, die Modellbauer und ein Team, das die verschiedenen Aufnahmen zu fertigen Einstellungen zusammensetzte. "Weil all diese Elemente nahtlos ineinander übergehen, sind die meisten Special Effects am Ende für den Zuschauer als solche gar nicht wahrnehmbar."

Die vielen Gespenster an Bord der Antonia Graza nehmen auf das Schicksal ihrer sterblichen Besucher großen Einfluss - entsprechend bemühten sich die Filmemacher, sie möglichst körperlich erscheinen zu lassen. "Geister sollten immer möglichst überzeugend und furchterregend aussehen", behauptet Beck. "Denn nur dann können sie uns in ihren Bann ziehen. Sobald man da noch einen übertriebenen Effekt draufsetzt, verliert das Ungeheuer praktisch seine Krallen."

"Alle unsere Gespenstereffekte bauen auf Requisiten und Schauspielern auf", fügt Duguid hinzu. "Ihre Eleganz und Anmut hängt völlig davon ab, wie wir die real aufgenommenen Filmaufnahmen mit Effekten bearbeiten. Die Geister sollen glitschig, unfassbar wirken. Die Gegenstände der wirklichen Welt sind in der Regel solide, warm und intensiv gefärbt, doch die Dinge der Geisterwelt kennen nur bleiche Farbtöne, sie sind unstet, huschig - mal hier, mal da, und beim nächsten Lidschlag sind sie verschwunden. Diese Art von Dynamik und Bewegung wollten wir sichtbar machen."

Jason Baird, Experte für Körpermasken, und Special-Effects-Maskenbildner Howard Berger kamen an Bord, um im Film schockierend-blutige Akzente zu setzen. Regisseur Beck weiß zu schätzen, dass die Make-up-Gurus "genau im richtigen Moment für plötzliche, haarsträubende Panikmomente sorgen. Beide kennen sich in dem, was ich ,das klebrig-rote Medium' nenne, bestens aus." "Wir bekommen tatsächlich eine Menge zu tun", sagt Berger. "Leichen gibt es reichlich, und all das Blut und Gedärm erfordert umfangreiche Make-up-Effekte."

"Von einigen Darstellern fertigten wir Puppendoubles an", sagt Baird. "Zum Beispiel einen lebensgroßen Abguss von Captain Murphy, den wir einsetzten, wenn Gabriel Byrne die Szene nicht selbst spielen konnte."

Weil die Spezialeffekte in Ghost Ship eine so große Rolle spielen, mußsten die Schauspieler häufig vor dem "Greenscreen" agieren. Bei diesem Verfahren nimmt die Kamera den Darsteller vor einem einfarbig grünen Hintergrund auf. Bei der Bearbeitung der Filmbilder wird der grüne Teil durch einen anderswo aufgenommenen Hintergrund ersetzt - dadurch entsteht der realistische Eindruck, der Schauspieler befinde sich tatsächlich "in" dieser Szenerie. Der Zuschauer nimmt diesen Unterschied nicht wahr, doch für den Schauspieler bedeutet dieses Verfahren harte Arbeit.

"Die Szenen vor dem Greenscreen waren für mich die spannendsten des ganzen Films", erinnert sich Isaiah Washington. "Denn in dem Moment kann ich wirklich beweisen, was es mit der Kunst des Schauspielens auf sich hat. Es gibt absolut nichts, auf das ich vor der Kamera reagieren kann - im Gegenteil, ich mußs mich auf tausend technische Anweisungen einstellen: Alles kommt auf den Millimeter an, erfordert also noch größere Konzentration. Ich war wirklich bis zum Anschlag gefordert, aber Steve gab seine Regieanweisungen klar und unmissverständlich - ich konnte mich völlig auf ihn verlassen."

Ein Ozeandampfer! Wo kommt der denn her? Die Warner Roadshow Studios an der Goldküste im australischen Queensland erwiesen sich als perfekter Drehort für Ghost Ship. "Bei den Dreharbeiten zu allen drei ,Matrix'-Filmen habe ich in Australien nur die besten Erfahrungen gemacht", erinnert sich Silver. "Man stellt sich dort sehr flexibel und zuvorkommend auf Filmproduktionen ein, und die australischen Filmcrews zählen zu den besten der Welt. Für einen Spielfilm sind das tolle Voraussetzungen."

"Ein Großteil der Produktion fand auf dem Wasser statt", fügt Adler hinzu. "Also war es nur logisch, in einem Studio zu drehen, das auf solche Aufnahmen eingestellt ist. Die Goldküste eignet sich ideal dafür - wir konnten relativ problemlos und unter sehr guten Bedingungen auf dem Wasser drehen."

Große Teile von Ghost Ship spielen auf dem offenen Meer und unter Wasser - die Schaupieler waren also auch gefordert, Stunts in und unter Wasser auszuführen. "Ich mußste mich wirklich in Kondition bringen und habe auch während der Dreharbeiten trainiert, obwohl unsere Arbeitstage 14 Stunden dauerten", sagt Julianna Margulies, die gerade die körperlichen Anstrengungen ihrer Rolle mit großem Elan auf sich nahm. "In vielen Unterwasseraufnahmen mußsten wir tauchen - zum Glück hatte ich meinen Tauchschein bereits gemacht. Außerdem wurde ich von einer fabelhaften Stuntfrau unterstützt - toll, was die alles angestellt hat. Einmal, als wir im Meer drehten, mußsten wir uns durch Hainetze schützen, denn offenbar waren etliche Haie in der Gegend gesichtet worden."

Im Gegensatz zu seiner Filmpartnerin kann sich Gabriel Byrne für die Stunts gar nicht begeistern: "Ehrlich gesagt liegen mir Stunts überhaupt nicht, denn ich bin ein gebranntes Kind: Ich mußste früher schon mal eine lebende Fackel darstellen und mich dann ins Wasser stürzen, solche abenteuerlichen Sachen. Dennoch waren dies sehr angenehme Dreharbeiten - das Team war einfach unglaublich. Ich habe mich ernsthaft in Australien verliebt - hier will ich unbedingt wieder arbeiten."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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