Produktionsnotizen My Big Fat Greek Wedding

"Anständige griechische Mädchen haben in ihrem Leben drei Dinge zu tun: griechische Jungs zu heiraten, griechische Babies zu machen und bis zu ihrem Ende jedermann mit Essen vollzustopfen." (Toula Portokalos)

"Schon als Kind wurde mir klar, dass ich anders war als andere. Die anderen Mädchen waren blond und zerbrechlich und ich war eine olivbraune Sechsjährige mit Kotletten! (Toula Portokalos)

Endlich einmal wollte Nia Vardalos ihre ganz spezielle Story erzählen: Die opulente, lustvolle, autobiografische Geschichte jener griechischen Familie in deren Mitte sie in Winnipeg, Kanada aufgewachsen war. Sie entwickelte die Geschichte für das Theater und trat damit auch gleich als One-Woman-Show in Los Angeles auf, "eigentlich nur, um endlich an einen besseren Agenten heranzukommen."

Freunde, vor denen Nia früher ihre urkomischen Familienanekdoten zum Besten gab, ermutigten sie, daraus ein Stück zu entwickeln. "Dafür nahm ich kurzerhand jede griechische Hochzeit, auf der ich in meinem Leben gewesen bin - einschließlich meiner eigenen - ordnete sie auf einer Skala von eins bis zehn - und erfand dann eine der Stärke elf." Das Stück wurde zum Publikumsrenner, das nicht nur etliche Hollywood-Bosse anzog, sondern auch Hunderte von Griechen in Los Angeles und eine griechische Schauspielerin ganz besonders: Rita Wilson. Sie brachte ihre Mutter mit ins Theater und besuchte Nia Vardalos anschließend hinter der Bühne.

"Rita war begeistert und erzählte mir, dass aus meiner Show unbedingt ein Film werden mußs", erinnert sich Vardalos, die insgeheim schon eine Drehbuchfassung in der Schublade hatte. Eine Woche später schickte Rita Wilson ihren Mann Tom Hanks in die Vorstellung. Aber im Gegensatz zu seiner Frau, zog es Hanks nach der Vorstellung nicht hinter die Bühne, um sich in Lob zu ergehen. "Stattdessen schrieb er mir einen wunderschönen Brief, in dem er schilderte, wie die Heirat einer griechischen Frau samt ihrem Anhang sein komplettes Leben verändert hatte.", erinnert sich Vardalos schmunzelnd. "Ich habe danach wöchentlich meine Mutter angerufen, ihr den Brief vorgelesen und sie hat jedesmal geweint."

Zwei Monate später rief Tom Hanks bei Nia zu Hause an und erklärte ihr, dass seine Firma Playtone den Film produzieren wollte. Und damit begann "mein ganz persönliches Märchen vom Aschenputtel". Mehrere Produktionsfirmen hatten schon vorher angeboten, aus dem Stoff ein Drehbuch zu entwickeln. Eine wollte die Hellenen gar in Hispano-Amerikaner verwandeln. Aber Hanks, dessen Partner Goetzman und Rita Wilson setzten ganz auf Vardalos - und wollten den Film mit ihr selbst in der Hauptrolle drehen.

"Nia verhandelte ziemlich clever", erinnert sich Tom Hanks. "Sie erklärte, weil es ihre Geschichte sei, wolle sie sie auch spielen." Für Hanks war das die Garantie "für die Integrität der Geschichte, denn es ist Nias Kinoversion ihres eigenen Lebens und ihrer eigenen Erfahrungen. Und ich glaube, dass man das dem Film anmerkt." Regisseur Joel Zwick sieht das ähnlich: "Die Kamera liebt Nia, sie ist eine verdammt gute Schauspielerin. Ihr Esprit durchdringt alles was sie tut. Für mich war sie eine Überraschung und macht diesen Film zu etwas Besonderem." "Rückblickend habe ich eine Menge Glück gehabt", freut sich Vardalos. "Jeder hat ja eine Familie, von der er denkt, sie sei abgedreht genug, um in einem Film aufzutreten. Ich hatte tatsächlich die Gelegenheit dazu und das war das größte Geschenk, dass mir Tom Hanks, Rita Wilson und Gary Goetzman machen konnten. Dafür werde ich Ihnen mein Leben lang dankbar sein. Wenn Gary mitten in der Nacht vorbeikäme und von mir verlangen würde, eine Leiche für ihn zu verstecken, würde ich ganz schnell mit dem Graben anfangen."

Nia Vardalos lernte ihren eigenen Ehemann Ian Gomez (der Schauspieler ist ebenfalls im Film zu sehen) kennen, als sie mit der Comedy-Truppe "Second City" Anfang der Neunziger Jahre in Chicago auftrat. "Meine Familie wollte von Ian erst mal nichts wissen, weil er kein Grieche war", erinnert sie sich. "Nicht, weil sie ihn nicht mochten. Aber meine Familie glaubt fest daran, dass es zwei Arten von Menschen gibt: Griechen und Andere." Schließlich konnte Gomez die Vardalos-Sippe doch noch von seinen Qualitäten überzeugen und wurde - wie Ian Miller im Film - ordnungsgemäß in der griechisch-orthodoxen Kirche getauft.

Für Nia Vardalos "geht es in My Big Fat Greek Wedding um jede Familie einer ethnischen Gruppe, die einen mit ihrer Liebe einengt und erdrückt - ganz egal ob griechisch, italienisch, portugiesisch, japanisch, oder chinesisch. Es ist immer dasselbe!" Das sieht Joey Fatone, Sänger der Boygroup *NSYNC und im Film Toulas Cousin Angelo, genauso: "Ich war noch nie auf einer richtig großen griechischen Hochzeit, aber dafür auf etlichen richtig großen italienischen Hochzeiten. Und die sind ziemlich ähnlich."

Die australische Schauspielerin Gia Carides spielt Toulas Cousine Nikki. Carides' Vater ist auch Grieche: "Ich bin in einem typisch griechischen Viertel in Australien aufgewachsen und der Film spielt eben im griechischen Viertel von Chicago, so dass Nia und ich uns sofort wie Schwestern fühlten. Wenn man aus einem so ähnlichen kulturellen Netzwerk wie einer griechischen Sippe stammt, ist man sich eben schnell vertraut."

Ebenso wie Vardalos wagte es auch Gia Carides, einen Nicht-Griechen zu heiraten: Schauspieler Anthony LaPaglia, dessen familiäre Wurzeln in Italien und Holland liegen. Bei der Besetzung der Familie Portokalos hatte die gesamte "Weltgemeinschaft der Griechen" geholfen. Bei der Besetzung von John Corbett, der sich als Highschool-Lehrer Ian Miller in Toula verliebt, half das Glück. Corbett drehte in Toronto die romantische Komödie "Weil es Dich gibt" und bat seinen Agenten um ein Treffen. Er hatte nämlich ein Drehbuch gelesen, das ihm sehr gut gefiel und My Big Fat Greek Wedding hieß. Als sich Johns Drehplan kurzfristig änderte, platzte die verabredete Besprechung und John erzählte abends im Hotelrestaurant einem Freund von diesem lustigen Drehbuch. Nia Vardalos und Produzent Gary Goetzman lauschten hocherfreut seinen Ausführungen, saßen sie doch zufällig am Tisch nebenan. Die beiden stellten sich vor und zehn Minuten später fragte Gary Goetzman harmlos, ob dieser Ian Miller denn eine Figur sei, die John gerne verkörpern würde. Corbett fragte verblüfft zurück: "Bieten Sie mir die Rolle an". Goetzman antwortete: "Ja". "Und eine Woche später drehten wir."

Auch My Big Fat Greek Wedding wurde in Toronto gedreht und profitierte von der großen griechischen Gemeinde, die in der kanadischen Großstadt lebt. Zahlreiche Angehörige der Gemeinde spielten als Statisten in den opulent-verrückten Hochzeitsszenen voller Reifröcke und meterweise babyblauen Chiffon. Die Griechen aus Toronto unterstützten dabei Nia Vardalos' Verwandten, die aus Winnipeg angereist waren, um an diesem Filmereignis teilzuhaben.

"Mein Filmvater Gus (gespielt von Michael Constantine) ähnelt sehr meinem eigenen Vater", gibt Vardalos zu. Während der Feierszenen lief mein Vater überall herum und stellte sich jedem mit den Worten vor: 'Hallo allerseits, ich bin Gus.' Er glaubt wahrscheinlich felsenfest, dass der Film den Titel 'Mein Vater Gus' trägt.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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