Produktionsnotizen Catch Me If You Can

Schillernde Charaktere Die Story von Catch Me If You Can scheint sogar nach Hollywood-Maßstäben ziemlich weit hergeholt. Dennoch basiert sie auf einer wahren Begebenheit. "Geschichten, die das Leben schrieb, sind bisweilen weitaus faszinierender als es die menschliche Phantasie hervorbringen könnte", meint Leonardo DiCaprio, der im Film die Hauptrolle des Frank W. Abagnale, Jr. spielt.

Catch Me If You Can basiert auf der gleichnamigen Autobiographie von Frank W. Abangnale. Er beschreibt darin, wie er es als jugendlicher Ausreißer fertig brachte, ohne Schulabschluss als Pilot einer Fluggesellschaft, Arzt, Rechtsanwalt und Hochschullehrer zu arbeiten und mit gefälschten Schecks mehrere Millionen Dollar einstrich.

Dazu Abagnale: "Am Anfang stand die Scheidung meiner Eltern, die dramatische Auswirkungen auf mich hatte. Ich lief von zu Hause weg und war als Teenager plötzlich auf mich allein gestellt. Ich mußste daher sehr schnell erwachsen werden und einiges an Kreativität aufbringen, um überleben zu können. Dieser Überlebenskampf wurde allmählich zu einem Spiel für mich. Jedes Mal, wenn sich eine Gelegenheit bot, fragte ich mich nur, ob ich mit meiner Masche unbehelligt durchkommen würde. Danach spürte ich eine tiefe Befriedigung, nicht erwischt worden zu sein. Je öfter ich davonkam, desto mehr wurde die ganze Sache zu einem Spiel. Mir war aber klar, dass ich dieses Spiel letztlich verlieren würde, aber so lange ich es spielte, hatte ich meinen Spaß."

Abagnales Autobiographie wurde zu einem Bestseller und faszinierte Millionen Leser, unter anderem auch den Regisseur und Produzenten Steven Spielberg: "Wie viele andere, verspürte auch ich während des Lesens den verführerischen Einfluss des echten Frank William Abagnale, Jr. Wenn man diesem Mann schließlich gegenübersteht, glaubt man sofort, dass es ihm gelungen ist, anderen vorzugaukeln, er sei ein Arzt oder Rechtsanwalt. Ich war einfach fasziniert von der Art, wie er den Übergang in die Welt der Erwachsenen gemeistert hat. Wahrscheinlich hat ihm die Scheidung seiner Eltern tatsächlich richtig zugesetzt. Jedes Kind reagiert anders auf eine Scheidung, und Franks Reaktion war so originell, dass es sich lohnte, den Stoff zu verfilmen. Ich persönlich mochte schon immer Filme über großartige Gauner wie zum Beispiel die Klassiker ?Butch Cassidy & Sundance Kid" und ?Der Clou', in denen jeweils Paul Newman und Robert Redford die Hauptrollen spielten. Sie waren zwar Gesetzesbrecher, aber man mußste ihren Mut einfach bewundern."

Drehbuchautor Jeff Nathanson kam erstmals mit Abagnales Geschichte in Berührung, als ihm die Produzenten Devorah Moos-Hankin und Barry Kemp eine Aufnahme schickten, auf der Abagnale aus seinem Leben erzählte. Ebenso wie Spielberg fühlte sich auch Nathanson von dieser Geschichte an Filme seines Lieblingsgenres erinnert: "Ich hatte ein ähnliches Gefühl, das ich schon beim Betrachten von Filmen wie ?Butch Cassidy & the Sundance Kid' oder ?Einer flog über das Kuckucksnest" verspürte. Das sind Filme mit zentralen Charakteren, die auf der falschen Seite des Gesetzes stehen oder gegen die Gesellschaft kämpfen. Dabei strahlen sie einen derartigen Charme aus, dass man zwangsläufig zu ihnen hält. Das Gleiche konnte ich aus dem nur 20-minütigen Mitschnitt ziehen. Ich konnte mir gut vorstellen, dass man daraus einen wunderbaren Film machen könnte."

Produzent Walter F. Parkes war von Abagnales Verrücktheiten ebenso begeistert. Er merkt an: "Jeder Aspekt von Franks Geschichte ist für sich allein schon so außergewöhnlich, dass sich daraus Stoff für mehrere Filme ergeben würde. Wenn man dann bedenkt, dass all das wirklich geschehen ist, wird die Versuchung sogar unwiderstehlich."

Diese Ansicht hatten viele, seit das Buch Catch Me If You Can 1980 erstmals veröffentlicht wurde. "In der Vergangenheit gab es mehrere Optionen für eine filmische Umsetzung", erinnert sich Abagnale, "aber ich hätte mir nie träumen lassen, dass es eines Tages wirklich passiert". Allerdings: Wie lassen sich fünf ereignisreiche Jahre in einem zweistündigen Film zusammenfassen? Parkes gibt zu, dass es nicht leicht war, eine Antwort auf diese Frage zu finden: "Das Aufregende und zugleich Schwierige an Catch Me If You Can war es, dass sich der Film zwischen verschiedenen Genres hin und her bewegt. Es gibt äußerst dramatische Passagen, obwohl es sich eigentlich eher um eine Komödie handelt. Die Herausforderung für uns bestand darin, die einzelnen Versatzstücke sowohl beim Schreiben als auch beim Drehen unter einen Hut zu kriegen."

Dazu Drehbuchautor Jeff Nathanson: "Für einen Autor wird die Sache dadurch natürlich viel interessanter. Es ist einerseits ein Katz- und Maus-Thriller, andererseits eine Geschichte über das Erwachsenwerden, und schließlich kann man darin auch ein Familiendrama erkennen. Ich mag Stoffe, die verschiedene Aspekte des Lebens beleuchten. Wir können einerseits lachen, andererseits verspüren wir auch den Schmerz. In Catch Me If You Can konnte ich all das unterbringen. Der Film ist zu einem bemerkenswerten Abschnitt aus dem Leben des Frank Abagnale geworden."

Abagnale hat seine raffinierten Betrügereien in den Sechziger Jahren durchgezogen. Sowohl Parkes als auch Spielberg sehen zumindest einen Teil seines Erfolg in der Arglosigkeit begründet, die zu dieser Zeit herrschte. "Ich glaube, es war die Naivität dieser Zeit, die es Frank erlaubte, seinen Machenschaften derart lange nachzugehen", glaubt Parkes, "es war die Zeit vor dem Aufkommen der Gegenkultur. Eine Zeit, in der alle glaubten, dass Kleider Leute machen. Eine Uniform flößte noch Respekt ein. Frank machte sich das zu Nutzen, und so war es ihm möglich, ein außergewöhnlicher Betrüger zu werden."

Spielberg fügt hinzu: "Es war eine Zeit voller Vertrauensseligkeit. Niemand verriegelte seine Tür, aber man fühlte sich dennoch sicher." Interessanterweise spielte der Science-Fiction-Thriller "Minority Report", der zuletzt gezeigte Film des Regisseurs, in einer Welt voller Misstrauen. Diese innerliche Kehrtwendung war für Spielberg einer der zentralen Punkte bei seiner Regiearbeit zu Catch Me If You Can. "Ich hatte die Dreharbeiten zu ?Minority Report' gerade abgeschlossen und war gewissermaßen noch immer in einer Welt der Dunkelheit vergraben. So dachte ich, dass Catch Me If You Can etwas frischen Wind in mein Leben bringen könnte. Mir gefällt dieses extreme Gefühl, von einem Film wie ?Jurassic Park' zu einem völlig anderen Thema wie bei ?Schindlers Liste' überzugehen. Genauso war es, als ich mir nach ?Minority Report' mit Catch Me If You Can einen ganz anderen Stoff für meine nächste Regiearbeit aussuchte. Außerdem bot sich mir die Gelegenheit, mit einem jungen Schauspieler zusammenzuarbeiten, den ich schon immer bewunderte."

Bei diesem jungen Schauspieler handelt es sich um Leonardo DiCaprio, der für die Hauptrolle des Frank Abagnale bereits besetzt war. "Ich war schon immer ein großer Fan von Leo. Das reicht zurück bis zu seinen Filmen ?This Boy's Life' und ?Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa', in dem er eine phänomenale Vorstellung gab", schwärmt Spielberg, "Leo ist ein sehr einfallsreicher Darsteller, der viele Ideen einbringt. Außerdem ist er selbst sein größter Kritiker. Es kam vor, dass ich eine Aufnahme akzeptierte, aber Leo dann sagte: ?Nein! Da ist noch etwas, das ich noch nicht völlig im Griff habe. Lass es mich bitte noch einmal versuchen.' Danach lieferte er jedes Mal ein Spiel, das einfach brillant war."

Leonardo DiCaprio gefiel es, dass Spielberg sein aktives Mitwirken nicht einfach nur hinnahm, sondern sogar förderte: "Es ist einfach wunderbar, mit Steven Spielberg zu arbeiten. Er hat diese aufgeschlossene Haltung. Nicht nur mir gegenüber, sondern gegenüber allen Leuten aus praktisch jedem Bereich. Ich glaube, damit lässt sich auch begründen, warum er ein so guter Regisseur ist. Er holt das Beste aus einem heraus und schafft es, sein Team wie eine gut geölte Maschine arbeiten zu lassen, um eine gemeinsame Herausforderung zu bewältigen."

Schon lange bevor er für die Rolle des Frank Abagnale besetzt wurde, war Leonardo DiCaprio, wie er selbst sagt, ein großer Fan des Buches Catch Me If You Can. Als ihm Jahre später Nathansons Drehbuch zugeschickt wurde, sprang er vor Freude in die Luft, denn ihm bot sich die Gelegenheit, in die Rolle des perfekten Hochstaplers zu schlüpfen: "Für einen Schauspieler ist die Kunst der Irreführung immer sehr interessant. Etwa wenn Frank jemanden zum Essen einlädt, um ihn von dem gefälschten Scheck abzulenken, den er demjenigen gerade überreicht. Solche Szenen zu spielen, ist für einen Schauspieler das Größte", erklärt DiCaprio, der sogar die Gelegenheit hatte, den echten Frank Abagnale zu treffen. Bei ihrer Begegnung verspürte er noch einen Rest von Abagnales Fähigkeit als Hochstapler und Charmeur. "Wenn man ihn sieht, würde man nicht glauben, dass er auch nur eine Briefmarke stehlen könnte", so DiCaprio, "dabei besitzt er eine fast unbewusste Art, jemanden mit seinen Augen, seiner Energie und seiner Intelligenz in seinen Bann zu ziehen."

Leonardo DiCaprio erklärt, dass er diese subtilen Züge in seine Darstellung einfließen lassen wollte, ohne dabei den echten Abagnale zu imitieren. "An einem bestimmten Punkt hat man genug Informationen zu einer Person gesammelt. Dann mußs man sich von dieser Person lösen und eine eigene Figur kreieren. Ich wollte jedoch nichts von der Spontanität verlieren, mit der der junge Frank in die Welt auszog. Mir lag vielmehr daran, das Publikum auf seine Reise der Selbstfindung mitzunehmen. Der Zuschauer soll den Glanz in Franks Augen sehen, wenn er einen Piloten sieht, der wie ein Filmstar wirkt und wie ein König behandelt wird. Allerdings wollte ich auch seine anfänglichen Fehler als Pilot oder Rechtsanwalt aufzeigen. Ich wollte ihn nicht allzu perfekt darstellen, denn ich glaube, dass Franks Erfolgsrezept eher in seiner Persönlichkeit, seinem Charme und seiner Fähigkeit, andere in die Irre zu führen, zu finden ist, als in der perfekten Imitation anderer Personen. Meiner Ansicht nach hat das eine Menge mit dem Ego dieses aufgeblasenen Jünglings zu tun, der glaubt, er könne allen trotzen, sogar dem FBI, was ihm in der Tat gelingt."

Das FBI setzt Agent Carl Hanratty darauf an, diesen schwer fassbaren Kriminellen endlich dingfest zu machen. Tom Hanks spielt die Rolle von Abagnales verbissenem Verfolger, den er folgendermaßen beschreibt: "Carl Hanratty ist ein FBI-Agent, der mit großem Eifer gegen Delikte wie Bankbetrug, Fälschungen und Scheckbetrug vorgeht."

" Tom Hanks spielt seine Rolle sehr authentisch. Er besitzt die Fähigkeit, einen Bürokraten so glaubhaft darzustellen, wie ich es mir nicht hätte vorstellen können", grinst Spielberg.

Die beiden ihm zugewiesenen Agenten teilen Carls Hang zur Bürokratie nicht und können nur mit Mühe verbergen, wie gelangweilt sie sind und Carl verachten. "Aber zu Franks Unglück liebt Carl Hanratty Bürokratie, sie ist praktisch sein Lebensinhalt", mein Tom Hanks, "als er dann auf diesen Finanzbetrüger stößt, der mit seiner bemerkenswerten Intelligenz weit mehr als ein durchschnittlicher Scheckfälscher ist, macht es sich Carl zur Lebensaufgabe, Frank dingfest zu machen."

"Das ist leichter gesagt als getan", so Spielberg, "denn in jeder guten Katz- und Maus-Geschichte behält die Maus für lange Zeit die Oberhand, und die arme Katze ist reichlich frustriert. Es ist ein wahrer Teufelskreis, als Katze eine Maus zu jagen, die viel cleverer ist als die Katze. Was hingegen unseren FBI-Agenten auszeichnet, ist seine unglaubliche Geduld und Entschlossenheit. Er verliert nie seine Hartnäckigkeit."

Die Rolle des Carl Hanratty beschränkt sich innerhalb der Katz- und Maus-Geschichte jedoch nicht allein auf die Katze. Das ist eine Tatsache, auf die die Macher des Films bereits bei der Entwicklung des Drehbuchs eingegangen sind. Walter Parkes erklärt: "Bei all diesen großartigen, aber voneinander getrennten Erlebnissen dieses Jungen, der einen Arzt in der Notaufnahme vorgetäuscht hat und als Pilot um die ganze Welt fliegt, hätte am Ende ein ziemlich episodenhaftes Drehbuch herauskommen können. Der Schlüssel, mit dem sich die einzelnen Episoden zu einer Geschichte zusammenfassen ließen, war die Figur des FBI-Agenten. Also sagten wir uns: ?Es soll die Geschichte eines Jungen sein, der seinen ursprünglichen Vater verlässt, und einen anderen findet.' Stellen Sie sich diesen Jungen vor, der intuitiv seine Rollen wechseln kann, dem alle Frauen der Welt zu Füßen liegen, und der Millionen von Dollars einstreicht. Auf der anderen Seite steht dieser FBI-Agent. Eine Person ohne Charme, die nicht nur die Aufgabe hat, den Kerl zu schnappen, sondern auch erkennen mußs, mit was für einem Genie er es zu tun hat. Die Dynamik zwischen Carl und Frank hat Tom inspiriert."

Das kann Tom Hanks nur bestätigen: "Carl ist von dem Stil seines Gegenspielers dermaßen beeindruckt, dass er nur noch staunen kann, als er dessen Alter erfährt. Carl stellt mit einem Mal fest, dass es sich um einen hoch intelligenten Jungen handelt. Aber letztendlich ist Frank für ihn auch ein Kind, das sich in ein Abenteuer verstrickt hat, das es kaum überschauen kann. Carl entwickelt ein Gefühl der schützenden Verantwortung für Frank. Er behandelt ihn zwar wie einen Kriminellen, den er hinter Gitter bringen will, doch er sieht in ihm auch ein zerbrechliches Wesen, für dessen Besserung es sich einzutreten lohnt."

DiCaprio merkt an: "Carl Hanratty wird schließlich zu der einzigen Person, dem Frank Abagnale vertraut. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn man bedenkt, dass Carl eigentlich hartnäckig versucht, ihn ins Gefängnis zu bringen. Ein bestimmter Teil von Carl wird für Frank zur Vaterfigur, den einzigen Halt, den er noch hat."

Aber nach Franks Ansicht kann niemand anderes diesen Platz einnehmen als sein wahrer Vater. Frank Abagnale, Sr. hatte den größten Einfluss auf das Leben seines Sohnes. Die Hochachtung, die Frank für seinen Vater empfindet, blieb unerschüttert und ist teilweise der Grund seiner Taten. "Die Schlüsselperson in Franks Leben war sein Vater", behauptet Parkes, "in unserem Film ist er eine Art moderner Willi Loman. Er ist ein sehr charismatischer Mann, dem es trotz stetigen Bemühens nicht vergönnt ist, am amerikanischen Traum teilzuhaben. Darin liegt ein tiefer Schmerz. Die Rolle des Frank Abagnale, Sr. wurde mit Christopher Walken besetzt. "Es war eine wunderbare Gelegenheit für mich, endlich mit Steven Spielberg und Leonardo DiCaprio zu arbeiten", erzählt Walken, "ich spiele in dem Film den Vater von Frank. Man kann sicherlich behaupten, dass ich ihn zu seinen Taten gewissermaßen erst ermutigt habe, denn auch in mir steckt ein kleiner Ganove."

Es war Walter Parkes, der Christopher Walken für diese Rolle ins Gespräch brachte. Spielberg erinnert sich: "Ich bewunderte Christopher Walken schon lange und verspürte schon immer den Wunsch, mit ihm zu arbeiten. Als mich Walter fragte, ob ich schon mal an Chris Walken gedacht hätte, war für mich sofort klar, wer den Vater von Leonardo DiCaprio spielen würde."

DiCaprio begegnete Christopher Walken mit einer gewissen Ehrfurcht, die sofort genutzt werden konnte, um in seiner Rolle den Respekt für seinen Vater Ausdruck zu verleihen. "Frank besitzt ein standhaftes Vertrauen in seinen Vater. Alles, was sein Vater tut, ist für ihn absolut genial", sagt DiCaprio, "ich glaube, meine eigene Bewunderung für Christopher Walken hat mir dabei sehr geholfen, das Verhältnis meiner Filmfigur zu seinem Vater klar zu stellen. Für mich war es beruflich als auch persönlich eine großartige Erfahrung, mit Chris spielen zu dürfen."

Während der Dreharbeiten gab es eine Szene mit Walken, die nicht nur DiCaprio, sondern alle Beteiligten beeindruckte. Parkes erinnert sich: "Wir drehten die Szene mit Leo und Chris in einem Restaurant. Chris erzählte, wie er von seiner Frau verlassen wurde. Wir waren bei den Großaufnahmen und mit den Dialogen fast fertig, als sich seine Augen weit öffneten, seine Stimme brüchig wurde und er zu wimmern begann. Steven und ich warfen uns einen fragenden Blick zu, weil uns anfangs nicht klar war, warum er das jetzt macht. Es war so echt und unmittelbar, und Chris gab seiner Figur mit dieser Szene eine emotionale Tiefe, die herzerweichend ist. Diese Form von ursprünglicher Schauspielerei fernab von einstudierten Mechanismen ist das Höchste der Gefühle. Genau das bekommt man von Christopher Walken."

Jedes Mal, wenn Frank im Film auf seinen Vater trifft, wird er von der trügerischen Hoffnung getrieben, mit seinem illegal erworbenen Geld seine Mutter und seinen Vater wieder vereinen zu können. Franks Vater erzählte ihm als Kind oft Geschichten, wie er sich als junger GI Hals über Kopf in diese schöne Französin verliebte und sie als seine Frau mit nach Amerika brachte.

Um der Rolle Paula Abagnale, Franks Mutter, eine Glaubwürdigkeit zu verleihen, war Spielberg fest entschlossen, sie mit einer französischen Schauspielerin zu besetzen. Dabei nahm er die Hilfe eines Freundes in Anspruch, der zu dieser Zeit gerade in Paris lebte, nämlich Regisseur Brian De Palma. "Ich schickte Brian das Drehbuch zu und bat ihn um seine Mithilfe", erinnert sich Spielberg, "er traf sich mit einigen Schauspielerinnen zu Testaufnahmen, darunter war auch Nathalie Baye, die ich aus dem François Truffaut-Film ?Die amerikanische Nacht' kannte. Genau sie wollte ich für diese Rolle." Dazu Parkes: "Steven war auf der Suche nach ganz besonderen Eigenschaften. Franks Mutter steckt voller Widersprüche. Einerseits vergöttert sie ihren Sohn, andererseits ist sie auch ziemlich mit sich selbst beschäftigt. Eine sehr komplexe Figur, für deren Charakterisierung uns nur wenige Szenen zur Verfügung standen."

"Ich halte sie weder für eine gute Ehefrau noch für eine gute Mutter", meint Nathalie Baye, "sie hat ihren Mann kennen gelernt, als sie 18 Jahre alt war. Deshalb kommt es ihr so vor, als habe sie in ihrem Leben einiges verpasst. Sie raucht viel, trinkt von Zeit zu Zeit und hat eine Affäre mit einem anderen Mann. Sie ist nicht eben das, was gemeinhin als politisch korrekt angesehen wird."

Nach seinem Abschied von zu Hause treten andere Frauen in Franks Leben. Er ist in die Rolle eines Erwachsenen geschlüpft, deshalb fällt es ihm leicht, Beziehungen zu älteren Frauen einzugehen. Eine davon ist das Ex-Model Cheryl Ann, mit der er eine Nacht verbringt. Gespielt wird diese schöne Frau, die glaubt, Frank gegen Bezahlung ihre Gunst erwiesen zu haben, von Jennifer Garner.

Spielberg hatte Garner in der Erfolgsserie "Alias" gesehen, in der sie wöchentlich in die verschiedensten Rollen schlüpft. "Als ich Jennifer zum ersten Mal sah, sagte ich sofort, sie wird der kommende Superstar werden. Ich wusste, dass sie in der Serie eingespannt war, fragte sie aber trotzdem, ob sie die kleine Rolle übernehmen würde. Sie kam vorbei, arbeitete nur einen einzigen Tag und war dabei einfach umwerfend."

Jennifer Garner erinnert sich, wie sie die Rolle erhalten hat und mußs plötzlich laut lachen: "Es war wie in einem Traum, der einem fast schon lächerlich vorkommt. Mein Agent rief an und sagte: ?Man hat dir eine kleine Rolle in einem Film angeboten, und der Regisseur heißt übrigens Steven Spielberg.' Ich dachte nur, dass das nicht wahr sein konnte. Aber es war tatsächlich so und erwies sich als eine großartige Erfahrung."

Nicht alle Begegnungen zwischen Frank und den Frauen verlaufen derart beiläufig. Die Einsamkeit in seinem Leben wird ihm schlagartig bewusst, als er ein unschuldiges Mädchen namens Brenda kennen lernt. "Frank hat zwar ein fantastisches und schillerndes Leben, aber letztendlich ist er auf sich allein gestellt", erklärt DiCaprio, "aber dann findet er endlich ein Mädchen, mit dem er sich vorstellen könnte, ein neues Leben zu beginnen. Er mußs allerdings schon bald einsehen, dass es für ihn kein Bilderbuch-Familienleben geben kann."

Amy Adams hat sich bei der Besetzung der Brenda gegen zahlreiche andere Bewerberinnen durchgesetzt. Laut Spielberg zog sich das Casting für diese Rolle über mehrere Monate hin: "Debra Zane ist eine der fähigsten Casting-Agentinnen, die ich im Laufe meiner Karriere kennen gelernt habe. Sie stellte mir etliche Schauspielerinnen vor, die für die Rolle der Brenda in Betracht gekommen wären. Als sie mir aber die Testaufnahmen von Amy Adams zeigte, merkte ich, dass sie ihr ganz besonders gefiel. Debra war richtig aufgeregt. Sie hielt das Band in ihrer Hand, als wäre es so etwas wie der Stein der Weisen." Spielberg weiter: "Ich war von Amys Probeaufnahmen begeistert. Als Leo nachmittags vorbeikam, sagte ich zu ihm: ?Leo, ich werde dir acht oder neun Schauspielerinnen vorführen.' Als wir bei Amy angelangt waren, sagte er: ?Geh noch mal zurück.' Er fragte, mich, wer das ist."

"Amy konnte bezüglich ihrer ehrlichen und frischen Ausstrahlung von keiner anderen Kandidatin übertrumpft werden. Und Ehrlichkeit ist für diese Rolle enorm wichtig," erzählt Parkes, "die Beziehung zwischen Brenda und Frank hat eine gewisse Ironie. Da ist Frank, dessen Leben eine einzige große Lüge ist, und inmitten dieses Lügengestrüpps trifft er auf das einzige ehrliche und wahrhaftige Wesen, dem er jemals begegnet ist. Klar, dass er sich in diese Frau verliebt. Die ganze Beziehung basiert allerdings auf einem großen Schwindel. Es war für uns sehr wichtig, dass es der Darstellerin gelingen würde, diese schlichte Reinheit zu vermitteln, die im krassen Gegensatz zu dem steht, was Franks Leben ausmacht."

Auch Amy Adams findet, dass Brenda sich durch eine gewisse Naivität auszeichnet. Aber sie sieht in ihrer Rolle noch mehr: "Ich verstehe, warum Frank von Brenda verzaubert ist. Sie ist ihm gegenüber sehr offen und ehrlich. Auf jemanden, der über einen derart langen Zeitraum nur mit Lügen gelebt hat, mußs das sehr attraktiv wirken. Natürlich ist auch sie von ihm überwältigt. Wer wäre das nicht? Er ist einfach ein Schatz. Brenda ist zwar naiv und unschuldig, verfügt aber gleichzeitig über diese ungezügelte Kraft und Leidenschaft. Es war ein Vergnügen, diese Unschuld zu spielen, die in jedem Moment den kompletten Kontrollverlust bedeuten konnte."

Frank trifft Brenda in einem Krankenhaus, wo sie als Hilfskrankenschwester arbeitet. In diesem Moment ändert er seine Identität. Aus Frank Taylor, dem Kopiloten von Pan Am, wird ein Arzt namens Dr. Frank Conners. Nachdem er ihr einen Antrag gemacht hat, begleitet er sie zu ihren Eltern nach New Orleans, um bei ihrem Vater um ihre Hand anzuhalten.

Brendas Vater heißt Roger Strong und ist der Bezirksstaatsanwalt von New Orleans. Ebenso schnell wie er zu Dr. Conners wurde, fügt Frank seinem Lebenslauf noch eine Qualifikation hinzu: Er macht sich selbst zum Rechtsanwalt.

Spielberg wollte die Rolle des Roger Strong unbedingt mit Martin Sheen besetzen. Der Schauspieler ist der Star der Erfolgsserie "The West Wing", und glücklicherweise erlaubte es sein Zeitplan, das Angebot anzunehmen. "Martin füllte die Rolle mit Kraft und Seriosität aus. Vielleicht lag das auch daran, dass wir ihn als Präsidenten der Vereinigten Staaten kennen", scherzt Walter Parkes, "aber mal im Ernst: Martin besitzt diese Art respekteinflößender Präsenz, die insofern von großer Bedeutung ist, als dass sie in Frank eine gewisse Besorgnis auslöst."

Die herzliche Aufnahme im Haus der Strongs ist für Frank seit Jahren die engste Berührung mit so etwas wie Familienleben. Deshalb verhält er sich ehrlicher als in seinen sonstigen Beziehungen. Davon ausgenommen mag vielleicht seine Verbindung zu Carl Hanratty sein. Leider ist es bereits zu spät für Frank, um mit seiner neuen Familie von vorn beginnen zu können, auch wenn er sich das so sehr wünscht.

Martin Sheen sagt: "Frank hat sich aufrichtig in meine Tochter verliebt, und wir sind alle von seinem Charme, seiner Intelligenz und seiner Ausstrahlung sehr angetan. Zwar nimmt es kein gutes Ende, aber er hat sein Herz am rechten Fleck. Es gibt keinen Zweifel, dass er es wirklich ernst meint. Ich glaube, er hätte niemals diese Betrügereien durchziehen können, wenn er nicht in seinem Inneren ein ehrlicher Kerl wäre. Frank ist ein braver und anständiger junger Mann, und aus diesem Grund wird er das Publikum von der ersten Sekunde an für sich gewinnen."

Eine schillernde Zeit Der Titel Catch Me If You Can hätte auch für den Drehplan nicht treffender sein können. In nur 56 Tagen mußsten die Dreharbeiten abschlossen sein, und über 140 Drehorte in Los Angeles, New York, Montreal, Quebec City und Umgebung waren nötig. Dazu Spielberg: "Wir sind ständig umgezogen. Manchmal waren wir an einem Tag an drei verschiedenen Drehorten. Ich habe zuvor noch nie so schnell gearbeitet. Ich glaube jedoch, dass das schnelle Tempo die Eigendynamik der Darsteller und der gesamten Filmcrew gefördert hat."

Das findet auch Leonardo DiCaprio: "Ein solches Tempo habe ich noch bei keinem Film miterlebt. Wir waren ständig in Bewegung, aber genau das war das Gute daran. Wir waren wie eine Theatertruppe, die ständig etwas Neues machte und von einem Ort zum nächsten zog. Das wahnsinnige Tempo verlieh der Produktion Lebendigkeit und Energie."

Die Geschwindigkeit dieser Produktion soll auch die Sechziger Jahre widerspiegeln, denn zu dieser Zeit spielt der Film. "Das war das Jet-Set-Zeitalter", meint Tom Hanks, "man konnte sich in ein Flugzeug setzen und war ein paar Stunden später auf der anderen Seite der Welt. Für meine Generation war das der Höhepunkt des Glamours. Die Farben waren intensiver, man wagte mehr und alles war sehr durchgestylt."

Spielberg stellte ein Kreativteam zusammen, um den mutigen und bunten Stil jener Zeit wieder zum Leben zu erwecken. Darunter gehörten auch der Kameramann Janusz Kaminski, der Schnittmeister Michael Kahn und der Filmkomponist John Williams, mit denen Spielberg schon seit vielen Jahren zusammenarbeitet. Für Produktionsdesignerin Jeannine Oppewall und Kostümbildnerin Mary Zophres war es die erste Zusammenarbeit mit dem Regisseur.

Angesichts des Drehtempos entwickelten Spielberg und Kaminski eine Art von Kurzsprache, die von besonderer Bedeutung war. "Janusz zeichnet sich durch eine rasche Auffassungsgabe und eine große Intuition aus", erzählt Parkes, "er und Steven bedienten sich einer nonverbalen Kommunikationstechnik, wie ich sie sonst noch nie beobachten konnte."

"Janusz und ich haben ein optimales Arbeitsverhältnis", stimmt Spielberg zu, "ich bestimme die Kameraeinstellungen und den Ablauf der Szene, und Janusz malt mit seiner Kamera die Bilder. Denn er ist ein Meister des Lichts. Catch Me If You Can ist ein sehr peppiger Film. Deshalb wollten wir kein gedämpftes Zwielicht verwenden, sondern alles hell und farbenfroh erscheinen lassen. Für unsere Zusammenarbeit könnte das ein stilistischer Neuanfang bedeuten."

Dazu Kaminski: "Die visuelle Umsetzung war wirklich einfach. Wir sollten Spaß haben und mit der Beleuchtung eine idealisierte Welt erzeugen, die nicht zu ernsthaft wirkt. Das ist wie mit einem Glas Champagner." Trotz dieses klar definierten Ansatzes war es bei dem schnellen Produktionstempo keinesfalls einfach, die große Anzahl von Drehorten auszuleuchten. Kaminski erinnert sich: "Wir haben nicht im Studio gedreht. Unsere Drehorte waren echte Gebäude auf echten Straßen, und daraus ergaben sich gewisse Einschränkungen. Wir mußsten auf den Luxus verzichten, Wände und Fenster nach Belieben entfernen zu können, um Licht und Kamera genau dort zu platzieren, wo ich es gerne gehabt hätte. Wir mußsten also Kompromisse eingehen. Aber das kann man auch positiv betrachten: Kompromisse zwingen dich, innovativ zu werden. Man kann das Ganze entweder als Nachteil oder als große Herausforderung betrachten. Mir gefiel die Sichtweise, es als Herausforderung zu sehen, irgendwie besser."

Für Produktionsdesignerin Jeannine Oppewall und ihr Team war die Herausforderung, alle Sets dem Stil der Sechziger Jahre anzupassen, sogar noch größer. Ich dachte immer, ?L.A Confidential' sei schon schwierig gewesen", erklärt Jeannine Oppewall, "damals zählte ich 93 Sets an 40 oder 50 verschiedenen Drehorten. Als ich dann aufgrund des Drehbuches zu Catch Me If You Can eine Kalkulation aufstellte, kam ich anfangs auf weit mehr als 100 Sets. Irgendwann stellte ich dann das Zählen ein, um nicht in Panik zu geraten."

Die größte Herausforderung war für die Produzenten jedoch, eine Drehgenehmigung für das alte TWA-Terminal im New Yorker JFK-Flughafen zu bekommen. Das 1962 eröffnete Gebäude wurde damals auch "Bird Building" genannt. Heute steht das von Eero Saarinen geplante Terminal, das immer noch heraussticht, leer. Für Oppewall hatte das eine besondere Bedeutung: "Ich habe früher für Charles Eames gearbeitet. Er und Eero Saarinen waren eng befreundet." Interessanterweise war es Charles Eames, über den sie mit Steven Spielberg in Kontakt kam. "Jeannine ist eine wunderbare Designerin, die schon Erstaunliches geleistet hatte", erzählt Spielberg, "aber dann hörte ich, dass sie mit Charles Eames zusammengearbeitet hat. Als Jugendlicher besaß ich mal einen Eames-Stuhl. In diesem Stuhl saß ich, um meine Hausaufgaben zu machen. Ich halte ihn für einen der größten Designer."

Auf der anderen Seite des amerikanischen Kontinents diente der alte Ontario-Flughafen an der kalifornischen Küste als Kulisse für den Flughafen von Miami. Dort entwischt Frank dem FBI, weil er sich rechtzeitig mit einem Schwarm hübscher Stewardessen umgeben kann. Ein stillgelegtes Gefängnis im kanadischen Montreal wurde zu dem französischen Gefängnis, aus dem Carl Hanratty Frank im Rahmen der Auslieferung zurück in die USA schafft. Quebec City diente als Ersatz für den französischen Ort Montrichard, wo Frank in die Enge getrieben wird. In dieser Szene hat übrigens der echte Frank Abagnale einen Kurzauftritt. Weitere Drehorte waren unter anderem auch ein viktorianisches Haus in Altadena, Kalifornien, das als Haus der Familie Strong in New Orleans diente, ein altes Boeing-Werk in Downey, Kalifornien, wo die FBI-Büros untergebracht wurden sowie das Hotel Ambassador und die Union Station in Los Angeles.

Besondere Schwierigkeiten bereitete dem Team die Dreharbeiten vor dem berühmten Waldorf-Astoria Hotel auf der Park Avenue im Zentrum von New York City. Der gesamte Verkehr mußste lahm gelegt werden. Auf der Straße wurden alte Autos und Taxis positioniert. Alles und jeder mußste so aussehen, als wäre die Zeit um 40 Jahre zurückgedreht worden. "Eine echte Guerilla-Aktion", lacht Spielberg, "Jeannine hatte eine Einsatzgruppe aufgestellt, die allem, was ihnen in die Hände fiel, das Aussehen der Sechziger Jahre verpassten."

"Die Sechziger Jahre hatten ein bestimmtes Flair", erklärt Oppewall, "es war eine Zeit, in der die Menschen der Frivolität etwas mehr Raum einräumten. Sie waren eher bereit, sich dem Rausch der bunten Farben hinzugeben."

Die Produktionsdesignerin merkt an, dass sie und Kostümdesignerin Mary Zophres diese Farbigkeit nicht nur als Markenzeichen dieser Zeit verstanden haben, sondern auch als Symbol für die emotionale Entwicklung der Geschichte. Als Frank den Zuschauern das erste Mal vorgestellt wird, wirkt er noch wie ein Durchschnittsmensch mit einem ziemlich langweiligen Leben. Deshalb sieht auch seine Umgebung fade und leicht monochrom aus.

"Erst als er sein Spiel besser und besser beherrscht, wird die Farbpalette zunehmend verwegener", erläutert Jeannine Oppewall, "auf dem Höhepunkt dieser Entwicklung konnten wir dann mit pulsierenden Farben wie Orange, Gelb, Rot und Pink spielen. Als er sich gegen Ende dann vollkommen an sein bürokratisches Umfeld angepasst hat, ist alles wieder ziemlich monochrom. Es ist eine faszinierende Art, die Entwicklung einer Filmfigur so zu beobachten".

"Auch mir hat es Spaß bereitet, die verschiedenen Outfits für Leo zu entwerfen", pflichtet Kostümbildnerin Mary Zophres bei, "anfangs dachte ich noch, dass er die meiste Zeit in der Uniform des Pan Am-Piloten stecken würde, aber dann las ich das Drehbuch noch einmal und stellte fest, dass wir für ihn etwa 100 Kostüme kreieren müssten."

Parkes ergänzt: "Wenn man Frank betrachtet, sieht man, dass er ein Mann ist, der andere Menschen imitiert und dem es mit Hilfe seiner Kleidung gelingt, in die unterschiedlichsten Welten einzutauchen. Es war eine dieser Gegebenheiten, bei denen Kostüm und Handlung unmittelbar miteinander verknüpft sind." Mary Zophres meisterte nicht nur die vielen logistischen Herausforderungen, die sich jeden Tag neu ergaben, sondern wurde auch der Aufgabe gerecht, mit ihren Kostümen zur Wirkung der Figur beitragen zu müssen.

Im Gegensatz zu der ständig wechselnden Garderobe von DiCaprio trägt Tom Hanks praktisch jeden Tag den gleichen Anzug. Zophres merkt an: "Tom hätte in dem Film 20 verschiedene Anzüge tragen können, aber das Publikum hätte nicht sagen können, ob es tatsächlich 20 oder nur ein einziger Anzug gewesen ist, den er trägt. Sie alle formten eine ähnliche Silhouette, und wir betrieben tatsächlich einen ziemlich großen Aufwand, um Anzüge zu nähen, die alle über die exakt gleichen Details verfügten. Es war immer der gleiche Schnitt mit den gleichen Schultern und Knöpfen."

Nur die Stoffe der Anzüge unterschieden sich geringfügig. Einer ist marineblau, ein anderer war in einem etwas helleren marineblau. Dann gab es noch einen braunen Anzug, aber im Grunde sahen alle gleich aus. Er trägt auch immer die gleiche Sorte Hemd, dazu eine enge Krawatte mit Diagonalstreifen. Prinzipiell war das die Uniform der FBI-Agenten jener Tage. In den Siebzigern wurde dieser Stil etwas gelockert, aber in den Sechzigern war er stark reglementiert."

Ihre Kreativität konnte die Kostümbildnerin stärker bei der Garderobe einiger Nebenfiguren und der Statisten ausspielen. Besonders erwähnenswert sind die Uniformen der Stewardessen aus den Sechzigern, die von formell und gediegen bis hin zu leuchtend und kitschig reichen. So fremdartig einige von ihnen heute auch wirken mögen, sie alle basieren auf Originaluniformen, auf die Zophres während ihrer aufwändigen Recherche gestoßen war. Wenn es um Mode geht, kennt jeder das alte Klischee: Alles kommt irgendwann wieder.

Eine Sache, durch die eine Epoche mehr als durch alles andere geprägt wird, ist die Musik. Für einen Steven Spielberg-Film ist es recht ungewöhnlich, dass in Catch Me If You Can bekannte Songs eingespielt werden, die Erinnerungen an jene Zeit wachrufen. Darunter der klassische Song "Come Fly With Me" von Frank Sinatra, der zu Spielbergs persönlichen Favoriten gehört.

Zwischen diesen Songs ist jedoch die Filmmusik von John Williams zu hören. Catch Me If You Can ist der 20. Kinofilm, den Williams für Spielberg vertont hat. Dieses Mal verfolgten beide allerdings einen neuen Ansatz. "John hat etwas gemacht, was er niemals zuvor getan hatte", erzählt Spielberg, "er schrieb Musik im Stil des progressiven Jazz, der in den Fünfzigern und Sechzigern sehr beliebt war."

"In meinen vorangegangenen Projekten mit Steven hatten wir große Orchester und ausgedehnte Themen eingesetzt", berichtet John Williams, "aber für diesen Film suchten wir etwas Anderes, was viel komplizierter war. Die Geschichte ist leicht und amüsant umgesetzt, aber es wird dabei ein ernsthaftes Thema behandelt. Daher mußste die Musik über verschiedene Schattierungen verfügen. Zuerst ist es eine Komödie, doch dann steigert sich die Spannung, als sich das FBI Frank auf bedrohliche Weise nähert."

Beim Komponieren der Filmmusik für Catch Me If You Can hat John Williams aus seinen frühesten Inspirationsquellen geschöpft: "Die Person, die in den Sechziger Jahren die amerikanische Filmmusikszene wie kein anderer beherrschte, war Henry Mancini. Er versinnbildlicht am Besten diese stilvolle, jazzige Herangehensweise an Filme, die wir mit dieser Zeit verbinden. Wir beide waren damals noch am Anfang unserer Karrieren. Ich war übrigens der Pianist des Henry Mancini-Orchesters und war schon bei den Aufnahmen zu "Peter Gunn" und "Frühstück bei Tiffany" dabei. Ich stand Henry sowohl musikalisch als auch persönlich sehr nah. ?Catch Me If You Can' bot mir eine hervorragende Gelegenheit, diesen Teil von mir wieder zu entdecken. Es war eine Art Rückwärtsbewegung, und zwar eine, die mir große Freude bereitete."

Wieder am Ausgangspunkt anzukommen war für alle, die an Catch Me If You Can mitgewirkt haben, eine wichtige Erfahrung. So auch für den echten Frank W. Abagnale: "Meine Geschichte handelt von mehr als nur von einem jungen Mann, der mit krummen Sachen durchkommt. Ich wurde gefasst und saß meine Zeit im Gefängnis ab. Aber ich habe meine Schuld abbezahlt und meiner Regierung über 25 Jahre gedient. Außerdem betreibe ich mit Erfolg mein eigenes Beratungsunternehmen. Die Leute fragen mich ständig, was für mich die unglaublichste Sache war, die ich abgezogen habe. Für mich besteht meine größte Leistung jedoch darin, meine Erfahrungen in das Geschäft gesteckt zu haben, das ich heute betreibe."

"In gewisser Weise war Franks Lebenswandel für ihn wie eine Ausbildung", meint Walter Parkes, "die große Ironie ist nur die, dass nach all den Versuchen, sich selbst neu zu erfinden, er zu dem Ende gekommen ist, einfach er selbst zu sein. Das Ende des Films hat etwas Erlösendes, nämlich die Erkenntnis, dass ein Neuanfang jederzeit möglich ist."

Spielberg fügt hinzu: "Ein Teil der von Catch Me If You Can ausgehenden Inspiration liegt für mich in der Botschaft, dass es möglich ist, sein Leben fundamental zu ändern und etwas Besseres aus sich zu machen. Dennoch ist es auch eine Geschichte mit einem reinen, unverfälschten Spaß. Sie vermittelt eine ungeheure Lebensfreude und zeigt dabei meine spezifische Sichtweise auf den echten Frank Abagnale."Der Regisseur weiter: "Ich kann mich irgendwie in seine Lage versetzen. Als ich zum ersten Mal versuchte, ein Regisseur zu werden, verwandelte ich mich in einen 16-jährigen Manager. Ich zog Anzug und Krawatte an, trug einen Aktenkoffer und konnte so an jedem Tag der Sommerferien an Scotty und am Haupteingang der Universal Studios vorbeimarschieren. Drei Monate lang ging ich fünf Tage pro Woche auf diesem Gelände ein und aus, und für diesen einen Moment war ich Frank Abagnale."

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Dirk Jasper FilmLexikon

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