Groupies Forever

Produktionsnotizen

Die Idee zu Groupies Forever reifte jahrelang im Kopf von Autor und Regisseur Bob Dolman heran, bevor er deren einzelne Elemente zu einer Geschichte zusammenfügte. Von einem Film über zwei Rockgroupies hatte er zwar schon immer geträumt, aber nie gewusst, wie er diese Figuren in eine Geschichte einbetten sollte. Ein obskurer Song von Jim Morrison mit dem Titel "Stoned Immaculate" war die Quelle von Bob Dolmans Inspiration. Darin gibt es die Textzeile: "One summer night, going to the pier, I ran into two young girls. The blonde was called Freedom, the dark one Enterprise."

"Freiheit, Unternehmungsgeist und Verantwortung waren von Anfang an Teil der Grundidee. Unser Leben fährt doch mehrgleisig: Wir sehnen uns nach Freiheit, zugleich aber nach der Verantwortung, die aus dem Voranschreiten im Lebenszyklus erwächst." Bob Dolman entwickelte die jungen Mädchen aus Morrisons Song zu reifen Frauen. Und vertiefte damit den Widerspruch zwischen beiden. Während die eine in der Welt des Rock 'n' Roll stecken bleibt, heiratet die andere, wird sesshaft und gründet eine Familie. Als schließlich Goldie Hawn und Susan Sarandon in die Hüllen dieser abstrakten Figuren schlüpften, waren die Banger Sisters geboren.

Die Wiedervereinigung der durchgeknallten Pseudo-Geschwister, die ihren Namen im Film niemand Geringerem als Frank Zappa verdanken, beschwört laut Goldie Hawn eine "explosive Situation" herauf. "Die Stimmung ist eher feindselig und gespannt, weil beide völlig unterschiedliche Lebenswege eingeschlagen haben." Für Susan Sarandon unterstreicht die auf Krawall gebürstete Atmosphäre die zentrale Frage des Films: "Wie kann man innerhalb einer Struktur frei sein, eine Familie haben und sich um seine Kinder kümmern? Oder bedeutet Freiheit, für nichts und niemanden Rechenschaft abzulegen? Fühlt man sich nur frei, wenn man keinerlei Bindungen hat?"

Persönlich hält Susan Sarandon "überhaupt nichts davon, wenn man als Mutter seine gesamte Vergangenheit verneint, bzw. jene Zeit daraus, in der man kompromisslos Spaß hatte. Vinnie und Suzette waren ganz wunderbar wahnsinnig und wild in einer Zeit, als man das ungestraft sein durfte. Jetzt bröckelt der Putz in Suzettes Retro-Rockerbabe-Leben und Lavinia wähnt sich schon in der Zukunft, dabei ist keine von beiden jemals wirklich in der Gegenwart angekommen."

Trotz ihrer langjährigen Zugehörigkeit zum Hollywood-Business waren sich Susan Sarandon und Goldie Hawn vor Groupies Forever noch nie begegnet. Deshalb war für Susan Sarandon die Gelegenheit, mit Goldie Hawn zusammen zu arbeiten, auch einer der Gründe, die Rolle der Lavinia anzunehmen: "Mir war klar, dass wir gut miteinander auskommen würden, weil wir privat dieselben Werte teilen." Auch Goldie Hawn outet sich als Fan ihrer Partnerin: "Meiner Meinung nach erkannte ich mich in Susan wieder und sie sah sich selbst in mir. Wir sind beide sehr direkt und offen heraus und mögen das auch an der anderen", ergänzt Goldie Hawn.

Bob Dolman war sofort klar, welchen Besetzungs-Coup er da gelandet hatte. "An ihrem ersten gemeinsamen Drehtag riss es mich vor Begeisterung fast aus den Schuhen." Auch Produzent Mark Johnson kann sich nicht erinnern, "jemals an einem Film beteiligt gewesen zu sein, wo wirklich jeder Schauspieler auf der Besetzungsliste erste Wahl war. Zu verdanken hatten wir das dem hervorragenden Drehbuch. Groupies Forever ist ja Bob Dolmans Spielfilmdebüt und keiner der Schauspieler machte mit, weil ihm frühere Filme von Bob Dolman gefallen, sondern weil er sich dachte: 'Ich mußs unbedingt genau diese Figur in diesem Drehbuch spielen.'"

Auch für Produzentin Elizabeth Cantillon "war das Drehbuch schon bei der ersten Lektüre unglaublich komisch. Außerdem enthielt es zwei anspruchsvolle Frauenrollen und das gibt's heutzutage nicht sehr oft. Obwohl solche Projekte schwer zu realisieren sind, glaubte ich an die Wirkung einer Geschichte über zwei Frauen, die ihr Leben wirklich gelebt und dabei unumkehrbare Entscheidungen getroffen haben. Und vor allem war ich mir sicher, dass sie auch zwei gestandene Darstellerinnen anspräche - und ich hatte Recht."

Mark Johnson ergänzt: "Viele Drehbücher kochen andere Filme oder Geschichten wieder auf. Aber so etwas wie Groupies Forever hatte ich noch nie vorher gelesen. Vinnie und Lavinia waren ebenso lustig wie liebenswert und lebensnah, und man hätte über jede der drei Hauptfiguren einen eigenen Film drehen können."

Nachdem die Besetzung stand und das Drehbuch die Runde machte, entspann sich laut Mark Johnson "eine Debatte darüber, wer von den beiden wohl welche Rolle übernehmen würde. Jede Fraktion hatte plausible Argumente für ihre Meinung, denn Susan Sarandon und Goldie Hawn sind zwei der wichtigsten Darstellerinnen der Gegenwart." Goldie Hawn fühlte sich angezogen von Suzette, "weil sie nicht gerade die typische Rolle ist, die mir angeboten wird, und mir deshalb die Gelegenheit bot, die Figur völlig neu zu entdecken." Für Susan Sarandon war die Botschaft des Films entscheidend: "Die Essenz der Geschichte liegt ja letztlich in der Freundschaft zwischen Frauen."

Als Autor war es Bob Dolman nie in den Sinn gekommen, auch Regie zu führen. Aber nachdem das Drehbuch fertig war, erkannten er selbst und die Produzenten schnell, dass der geistige Urheber auch die Idealbesetzung auf dem Regiestuhl wäre. Die unterschiedlichen Herausforderungen der beiden Funktionen lernte Bob Dolman schnell: "Die größte Herausforderung lag für mich darin, darauf zu vertrauen, dass sich beim Dreh einer Szene in nur zwei oder drei Minuten jeweils etwas Besonderes entwickeln wird. Denn beim Schreiben kann man unendlich viele Varianten beliebig lange durchexerzieren", sinniert der Jungregisseur. "Am Set dagegen kann die Stimmung hektisch sein, weil man spät dran ist. Wenn es aber in der anstehenden Szene gerade um Liebe geht, mußs ich als Regisseur verhindern, dass diese Hektik sich negativ auf die Stimmung der Szene auswirkt."

"Suzette bringt Dinge zum Explodieren wie ein Molotow-Cocktail", erklärt Goldie Hawn ihre Rolle der Bartenderin, die auf dem sterilen Sunset Strip von heute völlig aus dem Rahmen fällt. Sie jobbte schon hinter den Theken der legendären Vergnügungsmeile, als die meisten ihrer Kunden noch gar nicht auf dieser Welt weilten. "Sie lebt in der Vergangenheit und hält sich für längst nicht so alt, wie sie tatsächlich ist. Suzette lebt in dem Wahn, sie könne noch immer Rockstars in ihr Bett locken", schmunzelt Goldie Hawn über ihre Filmfigur und ihre anspruchsvolle darstellerische Gratwanderung: "Die Zuschauer sollten zwar mit dem Gedanken liebäugeln, sich manchmal wie Suzette zu benehmen, gleichzeitig aber sicher sein, niemals wirklich so zu werden.

Die Banger Sisters haben wohl so ziemlich jeden Rockstar vernascht, den man kennt", lacht Goldie Hawn. Suzette weigert sich nun zu erkennen, dass die Welt um sie herum eine andere geworden ist: "Ihre Kunden werden immer jünger, die Musiker klampfen verklemmt auf der Bühne vor sich hin und der junge Typ, für den sie arbeitet, hat die Nase voll von ihrer Arbeitseinstellung und kann es nicht mehr hören, wie die Dinge, laut Suzette, wirklich sind - oder eher waren. In Bezug auf Beziehungen und materiellen Reichtum hat sich Suzettes Leben keinen Deut weiterentwickelt seit ihren Tagen als Rock-Groupie. Am Anfang des Films ist sie ganz unten angekommen, arbeitslos, zutiefst verletzt und ohne einen Dollar in der Tasche", beschreibt Autor Bob Dolman sein Drehbuchgeschöpf.

Für Susan Sarandon wurde "Lavinia irgendwann des Sex, der Drogen und des Rock 'n' Roll überdrüssig und sie ließ diese Phase ihres Lebens hinter sich. Leider war sie dazu nur durch die völlige Verleugnung ihrer Vergangenheit fähig. Vinnie ersetzt sie kurzerhand durch eine neue Identität. Ihre Familie ahnt nichts von der wilden Vergangenheit der Mutter. Sie ist verheiratet mit einem Anwalt und nicht zuletzt deshalb so streng zu ihren beiden Töchtern, damit diese um Gottes Willen nichts von alldem tun, was in ihrer eigenen Jugend zum guten Ton gehörte."

Dann tritt Suzette wieder in ihr Leben und, so Susan Sarandon, "ich gerate in Panik vor lauter Angst, die ganze schöne Fassade und Identität könnten zusammenbrechen. Ich bin mir ja gar nicht sicher, ob meine Familie mich überhaupt akzeptierte, wüsste sie um meine Vergangenheit - geschweige denn, ob ich das selbst könnte. Ich verleugne mich selbst, indem ich mir dieses Spießerleben geschaffen habe: Sicher - aber tödlich langweilig."

Unterwegs zu Lavinia bleibt Suzette ohne Benzin auf einer Wüstentankstelle liegen. In dem Bemühen, an Sprit zu kommen, trifft sie auf Harry, gespielt von Geoffrey Rush. "Harry ist ziemlich zwanghaft und führt ein komplett durchstrukturiertes Leben", erklärt Geoffrey Rush. "Er unterdrückt seit langem jeden natürlichen Impuls. Kein Wunder, dass ihn die Gegenwart eines Ex-Groupies, das sein Leben bis zum Anschlag gelebt hat und sich in der eigenen Haut äußerst wohl fühlt, wie der berühmte Blitz aus heiterem Himmel trifft."

Für Bob Dolman liefert Geoffrey Rush mit leichter Hand das Porträt eines Mannes, "der seine Körperlichkeit komplett zurückweist. Harry ist als Schriftsteller in seinem Intellekt gefangen, aber darunter brodelt ein Vulkan, der endlich explodieren will." Harry landete eher zufällig in der Geschichte, als sich Bob Dolman beim Schreiben überlegte, ob Suzette nicht irgendwo zum Tanken anhalten solle. Dann stieg Harry sozusagen aus dem Bus aufs Papier "und ich wusste nur, dass er einen Revolver unter seiner Reiseschreibmaschine versteckt hatte. Alles Weitere entwickelte sich dann von selbst."

Goldie Hawn erinnerte die Zusammenarbeit mit Geoffrey Rush an ihre gemeinsame Zeit mit einem anderen Komödianten, nämlich Peter Sellers: "Peter Sellers hinterließ bei mir einen unauslöschlichen Eindruck. Seine komödiantische Begabung schien mir unübertrefflich, bis ich mit Geoffrey Rush arbeitete. Ich mußste mit ihm genauso viel lachen wie damals mit Peter Sellers." Für Regisseur Bob Dolman, der in seiner Zeit als Sitcom-Autor mit zahlreichen Comedians zusammengearbeitet hat, ist Geoffrey Rush gar "der begabteste Komödiant, den ich jemals gesehen habe".

Abgerundet wird das Ensemble durch Robin Thomas, der Lavinias geradlinigen, ehrlichen Ehemann Raymond spielt, sowie die Jungschauspielerinnen Erika Christensen und Eva Amurri. Erika Christensen hält ihre Filmfigur "für einen intelligenten Teenager, der leider in einer Familie aufwächst, in der sämtliche Emotionen unterdrückt werden und niemand je offen auf Konfrontationskurs gehen würde. Das bedeutet aber auch, dass man nicht wirklich ehrlich zueinander ist. Nach außen ist alles perfekt, aber innerlich kocht jeder. Hannah würde gerne ausbrechen, um ehrlicher zu sich selbst, zu ihrer Familie und anderen Menschen zu sein."

Susan Sarandon sieht ihre Filmtochter aus einer anderen Perspektive: "Sie nimmt ihre Mutter überhaupt nicht wahr, versucht nicht einmal, sie als Persönlichkeit zu sehen - wie die meisten Kinder. Deshalb ist sie auch am meisten gefährdet, denselben Fehler wie Vinnie zu begehen, indem sie einen Teil ihres Selbst aufgibt, um ihre Zukunft zu sichern."

Regisseur Bob Dolman hält Erika Christensen für eine "sehr begabte Schauspielerin, die der Figur wesentlich mehr Tiefe verliehen hat, als überhaupt im Drehbuch stand. Sie spielt Hannah als jemanden, der etwas traurig ist, verletzt und frustriert darüber, dass niemand ihm zuzuhören scheint. Trotzdem ist Hannah geradeheraus, hat eine positive Einstellung und Ehrlichkeit und sie lässt diesen Teil von ihr letztlich die Oberhand gewinnen."

Die bewegendste Szene war für Bob Dolman Hannahs Abschlussrede vor der Schule: "Es hat mich fast umgehauen, weil es die Wiederholung der Abschlussrede meines eigenen Sohnes war. Goldie Hawn und Susan Sarandons hatten an diesem Tag drehfrei, aber als wir die Szene später am Monitor zeigten, kamen beiden vor Rührung die Tränen."

Susan Sarandons leibliche Tochter Eva Amurri hält ihre Filmfigur Ginger für ein "unausstehliches Miststück, das die mütterlichen Dienstleistungen für selbstverständlich hält und sich mit hysterischen Anfällen und unmöglichem Benehmen dafür bedankt." Natürlich ist Susan Sarandon stolz auf die Begabung ihrer Tochter: "Kurz vor dem Dreh war Eva Amurri sechzehn geworden, eigentlich kein Alter, in dem man reif genug dafür ist, sich lächerlich zu machen. Aber sie ist schon jetzt eine wahre Charakterdarstellerin. Eva Amurri ist eigentlich so hübsch und hat einen tollen Körper und bewegt sich elegant. Trotzdem zögerte sie keine Sekunde, sich für den Film in dieses weinerliche, hysterische und linkische Wesen zu verwandeln. Sie brachte sich in jede Szene voller Energie ein."

Am Set lernte Regisseur Bob Dolman viel über seine eigenen Figuren: Durch die Art und Weise, wie die Darsteller sie interpretierten. Umgekehrt half Bob Dolmans tiefe Beziehung zu seinen Figuren, seine Vorstellung des fertigen Films besser zu verstehen. Goldie Hawn lobt den Regienovizen: "Er geht sehr auf die Schauspieler ein, ist offen und kennt vor allem sein Skript und dessen Figuren im Schlaf. Wenn man mit Bob Dolman über eine Szene redet, dann argumentiert er immer aus Sicht der betreffenden Figur. Es ist ein seltenes Geschenk, so jemanden am Set zu haben." Susan Sarandon fügt hinzu: "Er hat ein großes Herz, liebt Frauen und vor allem liebt er seine Figuren. Und diese Einstellung brachte er auch in die Dreharbeiten ein."

Die Produktion Nach acht Wochen Vorbereitung im Januar und Februar 2001 und nur vier Tage vor Drehbeginn mußste der Kameramann Groupies Forever wegen eines persönlichen Notfalls verlassen. Doch Produzent Mark Johnson beschaffte mit Karl Walter Lindenlaub (Independence Day, Plötzlich Prinzessin) äußerst renommierten Ersatz. Um die extrem kurze Vorbereitungszeit für Karl Walter Lindenlaub optimal zu nutzen, ging Bob Dolman mit seinem Kameramann und Ausstatterin Maia Javan in einem Hotel in Santa Monica in Klausur.

Einen Tag und eine ganze Nacht lang studierten die drei Sixties- und Seventies-Filme, um Karl Walter Lindenlaub das optische Konzept des Films zu vermitteln. Zwei Tage danach fiel die erste Klappe. Eine der größten Änderungen, die der Wechsel hinter der Kamera bewirkte, war der anamorphe Dreh, anstatt wie geplant in Super 35. Karl Walter Lindenlaub erklärt: "Früher wurden Historienepen so gefilmt, in den letzten zehn Jahren wird das Format zunehmend für Dramen und romantische Komödien eingesetzt. Es verleiht dem Film eine klassische Note, ohne zu dicht an die Schauspieler herangehen zu müssen. Für mich hängt eine Komödie nämlich nicht von Großaufnahmen ab, sondern von der Körpersprache."

Bei einer geplanten Drehzeit von nur 24 Tagen war höchste Konzentration bei Stab und Schauspielern gefragt. Für Karl Walter Lindenlaub ideal: "Der Film wird so persönlicher, auch wenn große Stars an deutlich mehr Zeit und Budget gewöhnt sind. Wir konnten uns eben keine zwei Kameras und Aufnahmen aus zig verschiedenen Perspektiven leisten, um Pannen monatelang im Schneideraum reparieren zu können. Es gab eine Kamera und das hieß intensive Proben, damit alles auf Anhieb saß. Vor zwanzig Jahren hatte man auch nicht die Zeit für 100-tägige Drehs, die Leute haben schnell und gut gespielt. Auch unsere Schauspieler haben das große Gespür für Timing und brauchten weder Netz noch doppelten Boden. Viele Szenen samt Reaktionen konnten wir in einer einzigen Einstellung aufnehmen, ohne zu schneiden."

Ausstatterin Maia Javan kreierte zwei völlig unterschiedliche Welten, in denen die Banger Sisters leben: Suzettes schrilles Hollywood-Reich und Lavinias steifen Haushalt in Phoenix. Um daraus ein optisches Thema des Films zu entwickeln, orientierte sich Javan an jenem Ereignis, das Bob Dolman zu der Story inspiriert hatte: Die Schulabschlussfeier seines ältesten Sohnes. Peinlich genau hatte er die Szenerie mit Hunderten blau gewandeter Schüler beschrieben.

Maia Javan und Kostümdesignerin Jacqueline West machten dieses Blau - bzw. sein Fehlen - zum optischen Thema des Films: "Das Blau symbolisierte für uns den Phönix, der sich aus der Asche erhebt, das wieder erweckte Gefühl für sich selbst bei Lavinia", erklärt Maia Javan. Kostümbildnerin Jacqueline West beschreibt Lavinias Stil als Versuch, "sich in jene Gesellschaftsnische einzufügen, die sie einst für den sicheren Hafen in ihrem Leben hielt. Ich gestaltete Lavinias Garderobe sehr konservativ, fast wie eine Rüstung ... Lavinias gesamte Welt besteht aus Beige, in dieser langweiligen Tarnfarbe wird sie von den Gattinnen der anderen Anwälte akzeptiert, trotz ihrer bunten, heimlichen Vergangenheit. In ihrer Welt dreht sich also alles um den Mangel an Farbenfreude."

"Ich mußs einfach Farben um mich haben, sonst drehe ich durch. Ich hasse Beige." (Suzette) Für Suzette ließ sich Jacqueline West von etlichen älteren Groupies in den Clubs von Los Angeles inspirieren. "Ich hätte gewettet, dass sie fast nur Miniröcke tragen würden, tatsächlich sind es aber Hosen. Denn in den meisten Bars sind die Sitze nicht gerade sauber", lacht die Kostümdesignerin. Der Look, den sie daraus für Goldie Hawn kreierte, sollte "zu jemandem passen, der in den Sixties aufgewachsen ist und noch immer versucht auszusehen wie ein Rock-'n'-Roller mit entsprechendem Lebens-stil: Wild, flamboyant und mit viel Haut."

Suzettes Appartement, übrigens eine echte Wohnung in Hollywood, sollte "bunt und prall sein", erläutert Maia Javan. Für die ersten Szenen kleidete Jacqueline West Goldie Hawn in Schwarz, je weiter weg sie von Hollywood kommt, desto heller wird ihre Kleidung. Auch das Auto, das Suzette liebevoll als "Schrottschüssel" bezeichnet, sollte sie auf der Farbreise begleiten - in Blau.

Um Lavinias Anwesen das typisch steife, sehr beherrschte Aussehen seiner Hausherrin zu verleihen, wurden Kakteen im Garten platziert und die Möbel in langweiligem Beige aufgestellt. Maia Javan wollte "alles möglichst beige, eintönig und monoton. Das Haus sollte aussehen, als ob es auf einen Foto-Shoot für 'Architectural Digest' wartet. Nur die Kinderzimmer sollten sich davon abheben. Hannahs Zimmer ist in Grün gehalten mit vielen schönen Stoffen", erklärt Maia Javan. "Vermutlich hat Lavinia Angst, wenn sie das Zimmer sieht, weil sie in dessen Gestaltung etwas von Suzette und sich selbst als Jugendliche wiedererkennt."

Auch für Geoffrey Rushs Figur Harry ist seine Kleidung eine Rüstung: "Alles ist zugeknöpft bis oben hin, von den Ärmeln über die Weste bis zum Kragen. Erst als er Suzette trifft, kann er den Panzer aufbrechen, in dem er lebt. Harry legt die Weste ab und krempelt die Ärmel hoch", erklärt Kostümdesignerin Jaqueline West ihr optisches Konzept.

"Ich trage dieselbe Farbe wie die KFZ-Zulassungsstelle!"(Lavinia) Der Gegensatz zwischen Suzette und Lavinia wird nie wieder so deutlich wie bei ihrer ersten Begegnung in Lavinias perfektem, aber sterilen Haus. "Suzette sprengt fast den Garten mit ihrem Pink und Türkis und sie infiziert auf der Stelle die ganze Familie mit ihrer Offenheit bis hin zu dem Punkt, an dem selbst Lavinia mit ihrer alten Freundin mal wieder so richtig um die Häuser ziehen will. Es ist eine Befreiung für Lavinia, sich die Haare zu schneiden, die Klamotten zu wechseln und ihre beige Welt hinter sich zu lassen. Aber nicht zu weit!" Schmunzelnd weist Jacqueline West darauf hin, "dass Vinnie sich für den Abend mit Suzette immerhin deren bravste Stücke ausleiht - soweit Suzette so etwas überhaupt besitzt."

Das befreiende Blau bricht erstmals in Lavinias Haus ein, als die beiden Frauen nachts von ihrer Clubtour zurückkommen und sich im Keller verschanzen, um dort Lavinias berüchtigte Kollektion von Promi-Andenken zu durchstöbern. Die Kellerkulisse entstand im Studio und Susan Sarandon legte Wert darauf, dass Vinnies Vergangenheitssammelsurium ordentlich mit Etiketten versehen war, so, als ob sich Vinnie damit vergewissern wollte, dass diese Dinge wirklich Teil ihres Lebens sind.

Als die berüchtigte "Rock-Cock-Kollektion" dann offen auf dem Boden liegt, löst sich Lavinias Welt tatsächlich in ihre Einzelteile auf. Je weiter der Film seinem Höhepunkt zustrebt, desto mehr können die beiden Frauen den Einfluss ihrer Entscheidungen auf ihr Leben auch akzeptieren. Mit einem ganz neuen Selbstwertgefühl stellen sie rückblickend die Hitliste ihrer Erotik-Eroberungen zusammen - und natürlich ist der Keller dabei in schönem Blau gehalten.

Die Szene von Hannahs Abschlussrede an der Schule gibt schließlich Bob Dolmans Ausgangsvorstellung wieder: Quietschblauer Himmel und azurblaue Roben. Und selbstverständlich entschwinden Suzette und Harry im letzten Bild in Richtung Sonnenuntergang - natürlich in der blauen "Schrottschüssel".

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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