Boat Trip

Ausführlicher Inhalt

Für Jerry (Cuba Gooding jr.) besteht die Welt aus kleinen rosa Wölkchen, und er fühlt sich dem Himmel ganz nah: In einem Heißluftballon hat er den großen Moment inszeniert, seiner Verlobten Felicia (Vivica Fox) einen Heiratsantrag zu machen! Dummerweise verträgt er weder die Höhe noch die Schaukelei, und so landet nicht sein Ring an Felicias Finger, sondern nur sein Frühstück auf ihrem Designerkleid - was Felicia zum Anlass nimmt, ihm auch gleich die Neuigkeit zu überbringen, dass sie sich ohnehin bereits für ihren Automechaniker entschieden hat. Mit einem Krachen bricht Jerrys Rosawölkchenwelt zusammen.

Sechs Monate später trauert Jerry Felicia noch immer hinterher. Das kann so nicht weitergehen, beschließt sein bester Freund Nick (Horatio Sanz), der gerade den todsicheren Tipp unter Männern bekommen hat: Auf Kreuzfahrten wimmelt es nur so von erlebnishungrigen Frauen - genau das Richtige für die beiden. Jerry lässt sich von Nicks hormongesteuerter Begeisterung schließlich mitreißen, und gemeinsam buchen sie ihren Boat Trip auf einem Luxusliner - nur für Singles. Vielleicht allerdings hätten sie nicht auf dem Parkplatz mit dem Herrn vom Reisebüro Streit anfangen sollen, und vielleicht hätten sie sich auch das Werbebanner auf der Gangway ("Socrates Club - Global Travel for the Gay Community") genauer ansehen sollen. Doch so freuen sie sich über die vielen lächelnden Gesichter, die sie auf dem Luxusliner empfangen, und über die Gewissheit, dass ihnen die Frauen auf hoher See praktisch nicht entkommen können. Der Dampfer legt ab.

Auch als ihnen ein Herrenpärchen im strammen S/M-Lederoutfit entgegenkommt (Die gehören sicher zur Bordunterhaltung), werden Jerry und Nick noch nicht misstrauisch, und dass man laut Bordprogramm beim Fußballteam "wie eine Königin" behandelt wird, sorgt nur für ein kurzes Stirnrunzeln - denn gleich platzt eine aufgedonnerte Animateurin (mit perfekt überpudertem Bartschatten) in ihre Kabine, die zum Dating Game" einlädt. An der Bar gesellt sich schließlich ein englischer Gentleman names Lloyd (ROGER MOORE) zu ihnen, doch dessen Vorschlag, zur "Ein-Loch-Range" hinunterzugehen, um ordentlich "die Schläger zu schwingen", kommt den beiden nun schon ein wenig seltsam vor. Als dann auch noch beim "Dating Game" alle Kandidaten Männer sind, und einer auf die Frage des Moderatoren, welches der absonderlichste Ort sei, an dem er jemals Sex gehabt habe, antwortet: "In einer Frau!" Da fällt es Jerry und Nick wie Schuppen von den Augen: Sie sind auf einer Schwulen-Kreuzfahrt gelandet - und erst in vier Tagen wird der nächste Hafen angesteuert! Jerry beschließt, erst einmal in Ohnmacht zu fallen.

Nachdem Nick ihn - immer schön mit dem Rücken zur Wand - in die gemeinsame Kabine verfrachtet hat, will er die bittere Pille der Erkenntnis wenigstens mit einem ordentlichen Schluck hinunterspülen. An der Bar wird er von einer Herrenkapelle mit einem populären A-capella-Song begrüßt: "Oh-ho, here he comes, he's a man-eater!" Wenigstens der Whiskey schmeckt heterosexuell.

Unterdessen hat sich Jerry mit der Minibar getröstet. Während er sturztrunken in der Einsamkeit des nächtlichen Sonnendecks sein Schicksal beklagt, rutscht er am Beckenrand aus, schlägt sich den Kopf an und sinkt besinnungslos auf den Grund des Swimmingpools. In seinem Traum taucht ein wunderschönes Mädchen zu ihm herab, zieht ihn nach oben und erweckt ihn wieder zum Leben. Doch was ist das? Die Traumfrau ist echt! Sie heißt Gabriella (ROSELYN SANCHEZ), ist Tanzlehrerin an Bord - und fühlt sich unter all den schwulen Männern unbelästigt und pudelwohl. Wie soll Jerry sich nun glaubhaft als Hetero outen? Zumal in der Kabine auch noch Nick, der bei einem verzweifelten Versuch, um Hilfe zu rufen, einen vorbeifliegenden Hubschrauber mit der Leuchtpistole abgeschossen hat, aus dem Wandschrank springt und ihn unzweideutig in die Arme schließt.

Am nächsten Morgen, Jerry ist bereits losgezogen, um Gabriella wiederzufinden, meint es das Schicksal besonders gut mit Nick: Ein Rettungsfloß mit der kompletten schwedischen Damennationalmannschaft im Sonnenbaden wird aufgebracht. Die Mädchen klettern an Bord, und Nick ist voll Mitgefühl, als er von ihrem Unglück hört, dass eine verirrte Leuchtrakete ihren Hubschrauber zum Absturz gebracht hat. Heilfroh sind die Mädchen, vor allem die beeindruckende Inga (VICTORIA SILVSTEDT), dass es sie wenigstens auf einen Schwulen-Dampfer verschlagen hat, denn so sind sie beim Sonnenbaden keinen gierigen Blicken ausgesetzt. Plötzlich kann Nick gar nicht oft genug beteuern, wie unglaublich schwul er doch ist, während er Inga beim Eincremen hilft. Unglücklicherweise gibt es da noch die maskuline Trainerin des Teams (LIN SHAYE), die strengstens über ihre Mädchen wacht - und einen Hetero zehn Meilen gegen den Wind riechen kann. Gabriella allerdings beginnt bei den Plaudereien mit Jerry allmählich misstrauisch zu werden: Woher weiß ein homosexueller Mann so viel über die Frauen? Um ihre Zweifel zu zerstreuen, überredet Jerry eilig Nick, bei Gabriellas "Dirty Dancing"-Tanzkurs als sein Partner zu posieren. Das wiederum sieht Lloyd sehr gern, der sich - Damenwahl, meine Herren! - sogleich Nick schnappt und beiläufig erwähnt, dass er nicht nur reichlich Erfahrung mit solchen Kreuzfahrten hat, sondern auch stinkreich ist.

Nachdem die beiden nun, um ihren jeweiligen Traumfrauen nah sein zu können, möglichst überzeugend einen auf schwul machen müssen, bleibt es nicht aus, dass auch ihre Vorurteile allmählich dahinschmelzen. Nick stellt fest, dass Homosexuelle nicht nur verweichlichte Tunten sind, sondern auch trinkfeste Pokerspieler. Und der feminine Hector (MAURICE GODIN) öffnet Jerry endgültig die Augen, worauf es bei der Liebe wirklich ankommt. Beim nächsten Treffen mit Gabriella kann Jerry einiges von dem Gelernten gleich gewinnbringend anlegen. Dankbar stellt er fest, dass er Felicia endlich vergessen hat.

Die hingegen hat ihn mitnichten vergessen. Nachdem sie bemerken mußste, dass ihr Automechaniker zwar einiges in der Hose, aber außer seiner Poliermaschine nicht viel im Kopf hat, besinnt sie sich auf den treuen Jerry, reist ihm nach - und geht, unbemerkt von Jerry, beim nächsten Landgang an Bord.

Gabriella ist unterdessen durch ihre Gefühle zu Jerry verunsichert. Sie wolle ihn nicht "umdrehen", erklärt sie betrübt, deshalb sei es besser, wenn man sich nicht mehr so nahe komme. Schon wieder steckt Jerry in der Zwickmühle: Wie soll er sich jetzt als Hetero "outen", ohne Gabriella als heimtückischer Lügner gegenüberzustehen?

Dessen nicht genug, fällt abends auch noch der Haupttänzer in Gabriellas großer Revue aus, und Jerry mußs kurzfristig - im Glitzerbikini und mit Federbusch am Hintern - einspringen. Im voll besetzten Saal reißt seine überzeugende Sing-und-Tanz-Nummer "I'm Coming Out" das Publikum zu Beifallsstürmen hin. Nur Felicia, die ihren Augen nicht traut, bleibt sprachlos, bis es schließlich aus ihr herausbricht: "Schwanzlutscher!" Der gesamte Saal fühlt sich angesprochen und dreht sich geschmeichelt zu ihr um, doch Jerry erbleicht: Jetzt weiß auch Gabriella Bescheid, die sich sehr unweiblich von ihm verabschiedet. Zurück bleibt ein todtrauriger Jerry im Glitzerbikini und eine pragmatische Felicia, die seinen Heiratsantrag nun doch akzeptiert ...

Nach einigen Wochen ist der große Tag schließlich da. Nick, der sich zwischenzeitlich seiner eigenen geschlechtlichen Vorlieben auch nicht mehr so sicher war, hat seine neuen Poker-Kumpel zur Hochzeit eingeladen, und Felicia ist ebenso wie ihre finster dreinblickende Verwandtschaft entschlossen, Jerry nicht noch einmal davonkommen zu lassen. Schließlich stellt der Pfarrer vor dem Jawort die letzte Frage, ob es noch jemanden gebe, der etwas gegen diese Ehe einzuwenden habe: "Der trete nun vor oder schweige für immer ..."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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