Schwere Jungs

Produktionsnotizen

Einen cleveren Film über weniger clevere Typen zu drehen - das kann schon eine große Herausforderung sein. Doch Regisseur Bruce McCulloch, dem das Komödiengenre als Mitglied der innovativen Comedy-Gruppe "The Kids in the Hall" alles andere als fremd ist, fand mit Schwere Jungs eine passende Gelegenheit, eine Geschichte über "die, die gar nichts, und die, die alles haben" zu erzählen.

"Ich interessiere mich nicht so sehr für Menschen, die in ihrem Leben alles bekommen, was sie wollen", erklärt er. "Ich fühle mich eher zu den Menschen hingezogen, die ein bisschen 'drüber' sind in ihrem Kopf, die in Schwierigkeiten geraten oder die nie richtig verstanden werden."

Drehbuchautor Peter Tolan beschreibt Schwere Jungs wie folgt: "Nicht wirklich clevere Jungs manövrieren sich in eine katastrophale Situation. Damit machen sie alles nur noch schlimmer, obwohl eigentlich alles einem guten Zweck dienen sollte."

Produzentin Susan Cavan, die auch Bruce McCullochs vorherige Filme produzierte, vermutete, dass sich ihr Regisseur mit dem Drehbuch sehr gut identifizieren würde: "Bruce McCulloch stammt aus einer ganz ähnlichen Familie wie unser Held John, und auch er versucht ständig, sich um andere Menschen zu kümmern."

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Freundschaft zwischen zwei jungen Männern, deren Hirnleistung vielleicht wenig erleuchtend sein mag, die aber alle Schwierigkeiten und Katastrophen überdauert. "John ist ein 'Jedermann', nur nicht so gescheit, wie ich hoffe, dass 'Jedermann' ist", erklärt Drehbuchautor Peter Tolan. "Er ist nicht gerade einer, der gerne Verantwortung übernimmt, und der von äußeren Faktoren herumgestoßen wird. Daraus ergibt sich ein Schneeballeffekt, den er nicht beeinflussen kann, weil er nicht wirklich zu sich selbst steht."

"Auf der anderen Seite steht Duff - der Freund von der Highschool, der nie erwachsen wird. Solche Freunde haben wir doch alle: Sie tun dir Leid, und du schämst dich ein wenig für sie. Aber es gibt da eine gemeinsame Vergangenheit, über die du nicht hinwegsehen kannst, selbst wenn dir dein Instinkt davon abrät."

Und dann ist da noch die Familie: "Patty scheint als Schwester geradewegs aus der Hölle zu kommen", ergänzt Peter Tolan. "Sie ist einfach nur schrecklich unkorrekt und beinahe asozial, unerträglich direkt, aber auch sehr spaßig."

All diese Charaktere und einige ebenso bunte Nebenfiguren treffen in Schwere Jungs in einer explosiven Mischung aufeinander - was zunächst für das Casting eine besondere Herausforderung darstellte. Bruce McCulloch entschied sich, die Hauptrolle mit Jason Lee zu besetzen, der in den letzten Jahren einen beachtlichen Erfolg als Darsteller verbuchen konnte und der kein Problem damit hat, zwischen Haupt- und Nebenrollen zu wechseln.

"Ich habe Jason Lee in Kevin Smith' Filmen gesehen und auch in Mumford", erinnert sich Bruce McCulloch, "und er gefiel mir als atypischer Protagonist. Er ist besonders gut in der Rolle eines Mannes, der in etwas oder von etwas gefangen ist, was ja auch Johns Dilemma in unserem Film ist."

Jason Lee war äußerst angetan von dem Projekt: "Wenn man dir ein Drehbuch von Peter Tolan und die Zusammenarbeit mit Joe Roth anbietet - da bist du sofort zur Stelle! Schwere Jungs hat den Vorteil, dass das Komödiantische vor allem im Dialog liegt. Mir gefiel der subtile, intelligente Humor sofort. Und angesichts der Vorstellung, mit einem so erfahrenen Komödienregisseur wie Bruce McCulloch zusammenzuarbeiten, stellen sich sowieso keine weiteren Fragen mehr", begründet Jason Lee seine Begeisterung.

Schwere Jungs vereinte nach der gemeinsamen Arbeit am Film Superstar erneut Regisseur Bruce McCulloch und Schauspieler Tom Green. "Ich fand Tom Greens kreative Ideen und seine Hingabe an die Arbeit wirklich beeindruckend", so Bruce McCulloch. "Ich wusste, dass er dieses komplizierte Comedian-Hirn hat und dass wir alle davon profitieren und Duffs Charakter mit Tom Greens Hilfe ausschmücken konnten."

Bruce McCulloch bemerkt, dass er und Tom Green auf eine beiden vertraute Art und Weise zusammen arbeiteten. "Da ist einmal diese 'Was wäre wenn'-Schule aus 'Saturday Night Live', die auf der anderen Seite auf den typischen 'Kids in the Hall'-Humor trifft", erklärt er. Tom Green beschreibt Duff als "Trickbetrüger, ein Hochstapler. Sein alter Freund John bittet ihn um Hilfe, weil er genau weiß, dass Duff entweder smart oder blöd genug ist, ihm dabei zu helfen, an Geld zu kommen, sehr wahrscheinlich auf halbillegalem Weg. Das endet damit, dass beide gemeinsam in verrückte Abenteuer verwickelt werden - und so beginnt der echte Spaß."

Dann gibt es noch die unkonventionelle Schwester, die der Handlung den entscheidenden Anstoß gibt. Megan Mullally beschreibt ihren Charakter, Patty, als "eine 'es gut meinende Katastrophe'. Sie hält sich selbst für unabhängig, aber tatsächlich erweist sie sich als vollkommen unfähig bei allem, was sie tut. Das Gute an ihr ist, dass sie sagt, was sie denkt. Sie versucht sicherlich nicht, irgend jemanden anzugreifen ... sie ist einfach nur geradeheraus."

Megan Mullally mußste sich über ihre Rolle nicht weiter den Kopf zerbrechen. "Es gibt da jemanden, mit dem ich aufgewachsen bin - ich sage jetzt nicht, wen ich meine -, der mich an Patty erinnert. Und ich konnte nicht anders, als an sie zu denken, wenn ich vor der Kamera stand."

Megan McCulloch fand ein weiteres perfektes Puzzleteil für die Zusammensetzung des Casts, als er Leslie Mann als Elaine besetzte. "Ich finde Leslie superquirlig, supersexy, und sie verkörpert genau das, was ich in Elaine gesehen habe - und das ist mehr als nur 'die Freundin von'. Im Verlauf des Films sollte sie mit Essen werfen, beim Sex weinen und es schließlich zusammen mit Jason Lee und Tom Green so richtig krachen lassen. Sie hat außerdem eine etwas kranke Beziehung zu ihrem Vater. Ich wusste, dass es Leslie Mann gelingen würde, die 'vernünftige Freundin' mit der Verrücktheit der restlichen Geschichte in Einklang zu bringen."

Um den Cast mit der Besetzung der Nichte Noreen abzurunden, lud Bruce McCulloch Tammy Blanchard ein, die begeisterte Kritiken und eine Emmy-Nominierung für ihre Leistung als junge Judy Garland in dem mehrteiligen ABC-Fernsehfilm "Me and My Shadow: Life With Judy Garland" erhielt. "Ich liebte Noreens Energie", so Tammy Blanchard, "und ihre Augen, aus denen eine so erwachsene Seele spricht. Du schmilzt dahin, wenn dich jemand so anblickt."

Tammy Blanchard fand das Drehbuch "lustig und süß", und wie Megan McCulloch entdeckte sie Parallelen in ihrer eigenen Familie. "Noreen ist wie eine meiner Lieblingscousinen, genauso offen wie gutmütig. John ähnelt mehreren meiner Onkel, die alle fantastisch sind und sich um mich kümmern. Außerdem geht es in der Geschichte um Familienwerte, und diese sind für mich das Wichtigste auf der Welt."

Am Anfang der Dreharbeiten begann Tom Green, sich in der Rolle von Duff subtil zu verändern. "Ich setzte einen künstlichen Vorderzahn auf, weil ich meine Stimme und meine Sprache ein wenig verändern wollte", erklärt der Schauspieler. "Außerdem schlug ich vor, enger anliegende Kleidung zu tragen, um mich anders zu fühlen, meine Haltung zu verändern."

Alle Schauspieler brachten während des Drehs im Studio und an Locations in und um Los Angeles Regisseur Bruce McCulloch die gleiche uneingeschränkte Begeisterung entgegen. "Ich habe nicht einmal die Regieanweisungen in Frage gestellt, weil mit klar war, dass Bruce McCulloch weiß, was er tut", bemerkt Jason Lee. "Er war großartig."

Für Tom Green war Bruce McCulloch sowieso der Auslöser für seine Zusage. "Obwohl ich das Drehbuch geliebt habe, war die Tatsache, dass Bruce McCulloch Regie führen würde, der Grund, warum das Projekt für mich perfekt erschien. Und was den Film so aussehen lassen würde, wie ich ihn mir vorstellte. Bruce McCulloch ist wirklich ein alberner Typ. Er bringt mich ständig zum Lachen, und wenn du zwischen den Takes lachst und die Laune am Set gut ist, dann ist es auch leichter für dich, jeden Tag zur Arbeit zu gehen."

"Bruce McCulloch hat einen großartigen Sinn für Humor", stimmt Megan Mullally zu. "Und er war sehr hilfsbereit, was meine Rolle angeht, probte mit mir und brachte viele Vorschläge für die Szenen, die mir nicht unbedingt von alleine eingefallen wären."

Produzentin Susan Cavan ergänzt: "Bruce McCulloch hat einige Stärken als Regisseur. Zunächst ist er ein begabter und lustiger Schreiber, sodass er intensiv die letzten Stadien der Drehbuchentwicklung überwacht und ohne Frage zu einer Endfassung beiträgt, die die besonderen Talente des Casts optimal einbringt. Er ist außerdem ein absoluter Schauspieler-Regisseur, der in der Lage ist, seinen Cast zu inspirieren und zu motivieren. Er hat eine einzigartige Vorstellung vom Look seines Films - und der ist immer sehr kinematographisch und dabei sehr frisch und frech."

Bruce McCulloch spricht abschließend seinen Schauspielern größtes Lob aus: "Alle haben einen erstaunlichen Job gemacht. Sie haben ihre Rollen noch lustiger und komplexer ausgefüllt, als sie jemals auf dem Papier beschrieben waren."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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