Gangs Of New York

Ausführlicher Inhalt

New York City, 1863. Bevor aus der Stadt die reiche, kraftvoll-elegante und niemals ruhende Metropole wurde, die wir heute kennen, hatte New York ein gänzlich anderes Gesicht: Es war eine ruppige, wilde und junge Stadt, in der sich die Sehnsucht nach einer besseren Zukunft auch in gewalttätigen Straßenkämpfen Ausdruck verschaffte. Während auf den Schlachtfeldern des Bürgerkrieges zum einen um den puren Fortbestand, aber auch um den Charakter der Nation gefochten wurde, entwickelte sich in den Straßen dieser Stadt eine gefährliche und brutale Unterwelt.

Diese Gangs von New York, die durch Erpressungen, Schnapshandel, Betrügereien, Glücksspiel und Mord so berühmt wie berüchtigt geworden waren, legten die Saat für eine allumfassende Korruption und bedrohten die Zukunft der arbeitenden Menschen der USA.

Für die neue, noch unfertige Stadt war es eine stürmische, rücksichtslose und angstvolle Zeit. Zugleich war es aber auch eine Zeit ungewöhnlicher Tapferkeit, da diejenigen, die um ihre Existenz rangen, zugleich für die Freiheit aller künftigen Generationen eintraten.

Martin Scorsese erzählt in einem breit gefächerten Drama diese bewegende Geschichte der frühen USA, in dessen Konflikten es auch darum ging, ob jemand die Macht haben dürfte, zu entscheiden, wer und was ein US-Bürger ist. Vor dem Hintergrund dieser fantastischen neuen Welt entwickelt der Regisseur die Lebensgeschichte eines vaterlos aufgewachsenen Jungen, den es zur Rache drängt, der aber auf seinem Weg dorthin Werte entdeckt, auf die er sein künftiges Leben gründen will: Mut, Verantwortung und Ehrgefühl.

Martin Scorsese erinnert sich: "Seit meiner Kindheit in Lower Manhattan faszinierten mich die Geschichten über das frühere New York. Wenn ich durch die Straßen meines Bezirks strich, entdeckte ich nach und nach Spuren eines immer noch ziemlich unbekannten Abschnitts der Geschichte unserer Stadt und unseres Landes. Diese Dekade um 1860 ist eine regelrechte Fundgrube unglaublicher und bewegender Geschichten über die arbeitenden Menschen, die Wellen der Immigranten, die die Straßen und Gassen bevölkerten, über korrupte Politiker und legendäre Gangster, die einander bekämpften, um all das zu kontrollieren. Diese Geschichten erzählen von einer Prüfung und den Idealen der USA. Es sind die Mythen unserer Ursprünge."

Gangs Of New York führt seine Zuschauer in den Five-Points-Distrikt, einem düsteren, brodelnden Teil der Stadt, einem Zentrum des Lasters und des Chaos für die damaligen New Yorker. Hierhin verschlägt es den jungen irisch-amerikanischen Amsterdam Vallon (Leonardo DiCaprio). Vor 16 Jahren, als Amsterdam noch ein kleiner Junge war, wurde sein Vater Priest Vallon (Liam Neeson), Anführer einer Gang irischer Einwanderer namens Dead Rabbits, hier ermordet. Jetzt kehrt der erwachsene Sohn zurück, um den Vater zu rächen.

Nach 16 langen Jahren in einer Erziehungsanstalt sucht Amsterdam an den Five Points den Mörder seines Vaters. Der Mann, auf den er es abgesehen hat, ist William Cutting, genannt Bill the Butcher (Daniel Day-Lewis). Bill the Butcher ist inzwischen zum brutalen Machthaber in der Gegend um die Five Points aufgestiegen und er verachtet - obwohl selbst ein Nachkomme der ersten Siedler - alle neu eintreffenden Immigranten. Obendrein ist er fest entschlossen, sich diesen neuen "Eindringlingen" mit allen Mitteln entgegenzustellen.

Alljährlich am Todestag von Priest Vallon wird zu Ehren des Sieges über die Dead Rabbits eine Feier veranstaltet - zu der nur Bill the Butcher persönlich einlädt. Amsterdams Plan ist klar: sich auf die Lauer zu legen und den Mörder seines Vaters in genau jener Nacht niederzustrecken, in der er seinen damaligen großen Sieg mit einem Schluck aus einem Feuerglas feiert. Amsterdam sieht das so: "Wenn du einen König töten willst, lauerst du ihm nicht im Dunkeln auf. Du tötest ihn, wenn der ganze Hofstaat anwesend ist und zuschaut, wie er stirbt."

Bis zu dieser Nacht aber wird sich Amsterdam erst das Vertrauen Butchers erkämpfen müssen, um in dessen innersten Kreis aufgenommen zu werden. In dieser Welt verbindet sich ein rigoroses Ehrgefühl mit rücksichtsloser Grausamkeit, und Amsterdam kann nur hoffen, bald aus dieser Welt fliehen zu können. Allmählich aber, je vertrauter er mit Bill wird, schlüpft er in die Rolle seines Ersatzsohns.

Doch seine Loyalität zu Bill ist nur gespielt, und Amsterdam verschweigt das düstere Geheimnis ihrer gemeinsamen Vergangenheit. Als er aber erkennt, dass die irischen Immigranten sich nur zusammenschließen müssen, um Bills Einheimischen-Armee zu besiegen, ändert sich sein Verhalten und er wird der Anführer der irischen Einwanderer.

Nachdem Amsterdam die rätselhafte Taschendiebin Jenny Everdeane (Cameron Diaz) kennen gelernt hat, ist er sowohl von ihrer Fingerfertigkeit als auch von ihrem unbändigen Stolz angezogen. Details über ein früheres Verhältnis zwischen ihr und Bill the Butcher, die Amsterdam zugetragen werden, stacheln ihn an und erhöhen die Spannungen zwischen den dreien.

Amsterdams Kampf um die Ehre seiner Familie und seine eigene Freiheit sowie seine Anstrengungen, die Frau zu schützen, die er liebt, treffen schließlich mit einem der entscheidenden Momente der us-amerikanischen Geschichte zusammen: den Aufständen von 1863 gegen die Einberufungsgesetze zum Bürgerkrieg.

Die Auswirkungen dieses städtischen Aufruhrs, der hauptsächlich von Neuamerikanern wie Amsterdam getragen wurde, gingen weit über die Five Points hinaus und hatten Folgen, die bis ins Parlament und die Regierung reichten. Außerdem offenbarte sich in diesen Kämpfen genau jener eigensinnige Charakter der Stadt, der sich bis in unsere heutige Zeit erhalten hat.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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