Joe Jedermann

Produktionsnotizen

Vor seiner Zeit als renommierter Hollywood-Drehbuchautor arbeitete JOE JEDERMANN-Autor John Scott Shepherd in der Werbebranche als Video- und Filmproduzent. Die dortigen Erfahrungen inspirierten ihn, über Menschen zu schreiben, die anonym und von den Medien vollkommen ignoriert in den amerikanischen Konzernen arbeiten. "Dabei fiel mir auf, dass jedermann erwartet, etwas Besonderes zu sein, wenn nicht sogar berühmt zu werden."

Auf dieser Basis entwickelte Shepherd die Geschichte eines Durchschnitts-Angestellten, dessen Leben gelaufen zu sein scheint. Das warmherzige, humorvolle und einfühlsame Drehbuch über die großen Themen des Lebens erregte die Aufmerksamkeit von Matthew Gross, Manager bei Kopelson Entertainment. Er entdeckte das Script, als er mit Shepherd an einem Fernseh-Pilotfilm arbeitete. "Ich habe das Drehbuch im Hotel auf dem Laptop gelesen", erinnert sich Gross, "und wollte das Projekt unbedingt realisieren. Die Themen des Films haben mich berührt, denn es geht um Akzeptanz, Heldenmut, zweite Chancen, Stolz und - letztlich - um Liebe."

Gross' Leidenschaft für das Buch erwies sich als ansteckend und so begeisterten sich auch Anne und Arnold Kopelson dafür. Das für die Realisierung intelligenter Thriller und Actionfilme wie PLATOON, AUF DER FLUCHT, SIEBEN und SAG' KEIN WORT! bekannt gewordene Produzentenpaar machte sich mit vereinten Kräften daran, Gross' Projekt JOE JEDERMANN auf die Beine zu stellen.

"Anne, Arnold und ich fanden den Gedanken sehr ansprechend, dass jeder eigentlich etwas Besonderes sein möchte und dass dieses Bedürfnis den Menschen von der Kindheit über die Partnerschaft bis zum Arbeitsplatz begleitet", erklärt Gross. "John Scott Shepherd hat außerdem wirklich vielseitige, tiefgründige Charaktere geschaffen, die sich alle bis zum Ende des Films hin in völlig überraschende Richtungen entwickeln."

Als besonders unerwartet stellt sich Joes Metamorphose dar, die Shepherd, geschickt zwischen Tragik und Komik balancierend, auf hinreißend menschliche Weise erzählt. Sein Drehbuch stellt Joe vor einige schwere emotionale Entscheidungen. "Die Komik entsteht oft daraus, wie Menschen mit der Zeit und auftretenden Tragödien umgehen", verdeutlicht Shepherd. "Ich finde es wesentlich natürlicher, die witzigen Augenblicke eines Veränderungsprozesses herauszustellen, als künstlich komische Situationen zu erfinden. Humor entsteht durch Charakter. Hoffentlich wird das Publikum sich damit identifizieren und sagen ?so ist es mir auch ergangen!', während es gleichzeitig lacht."

JOE JEDERMANN und dessen Ambivalenz zwischen Komödie und Drama erregten die Aufmerksamkeit von Tim Allen. Das Publikum liebt den vielseitigen Schauspieler und Stand-up-Comedian sowohl für die Hauptrolle im langjährigen Serienerfolg "Home Improvement" ("Hör' mal, wer da hämmert") als auch für Komödienhits wie THE SANTA CLAUSE ("Santa Clause - Eine schöne Bescherung", 1994, Regie: John Pasquin) oder GALAXY QUEST ("Galaxy Quest - Planlos durchs Weltall", 1999, Regie: Dean Parisot). Er war auf der Suche nach einem Filmstoff jenseits seichter Komödien und erkannte in JOE JEDERMANN die Gelegenheit, seine schauspielerischen Fähigkeiten in größerem Rahmen zu beweisen.

"Die Story hat viel Herz und eine allgemeine Wärme, die ich wirklich liebe", schwärmt Allen. "Der Film wirkt wie eine warme Mahlzeit und beinhaltet sich wunderbar entwickelnde Figuren sowie eine universelle Botschaft. Es geht um wesentlich mehr als nur zweite Chancen", erklärt er. "Er handelt auch von dritten, vierten und fünften Chancen. Davon, immer hellwach zu sein, Situationen neu zu beurteilen und immer aktiv zu bleiben und sich nicht träge dem Schicksal zu ergeben."

Für Produzent Brian Reilly stellt Tim Allen die Idealbesetzung für JOE JEDERMANN dar. "Sobald Tim irgendwo dabei ist, bringt er immer die komischen Seiten der Geschichte hervor", erklärt Reilly. "Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Ich sah bei JOE JEDERMANN insbesondere den Mix von Komödie und Drama. Sozusagen als Bonus improvisierte Tim dann am Set die überraschendsten Gags."

Auch John Scott Shepherd zeigt sich von Tim Allen als JOE JEDERMANN begeistert. "Für die Amerikaner ist Tim Allen der sprichwörtliche Otto Normalverbraucher", verdeutlicht Shepherd. "Man kann sich in ihn und seine kleinen Makel leicht hineinversetzen. Ich habe ihn in GALAXY QUEST spielen sehen und bewundert, wie er die wenigen vorhandenen Gelegenheiten ausnutzte, um seine Seele zum Vorschein zu bringen. Wir geben Tim hier die Gelegenheit, diese Fähigkeit mehr auszuleben."

"Das Publikum wird über diesen Tim Allen erstaunt sein", fügt Produzent Matthew Gross hinzu. "Nicht nur, weil er eine romantische Hauptrolle spielt, sondern weil er seiner Figur so unglaublich viel Gefühl einhaucht. Tim ist ein begabter Komiker, dessen Persönlichkeit jenen Durchschnittsmenschen widerspiegelt, in den jeder sich hineinversetzen kann. Ein Stückchen JOE JEDERMANN hat jeder in sich."

Nachdem Allen bei JOE JEDERMANN eingestiegen war, begann er zusammen mit den Produzenten und Studiomanagern nach einem Regisseur zu suchen. Ihre Wahl fiel auf John Pasquin, mit dem Allen und Brian Reilly schon bei mehreren Folgen von "Home Improvement" sowie THE SANTA CLAUSE und JUNGLE 2 JUNGLE ("Aus dem Dschungel in den Dschungel", 1997) zusammengearbeitet hatten. Sie wussten, der bekannte Filmemacher würde sowohl die Komik als auch die ernsten, gefühlvollen Seiten von JOE JEDERMANN hervorragend umsetzen können. Reilly war derart entschlossen, Pasquin für das Projekt zu verpflichten, dass er mit dem Drehbuch unter dem Arm direkt zu Pasquin nach Hause marschierte. "Ich hatte bereits zuvor zwei Filme mit Tim und John realisiert", erklärt Reilly, "und ich wollte nichts mehr, als diese positiven Erfahrungen wiederholen. Ich wusste, JOE JEDERMANN hat das Potenzial zu einem bemerkenswerten Produkt, deshalb wollte ich das Drehbuch von dem besten Regisseur verfilmen lassen, der zu haben war. Deshalb ging ich zu Pasquin."

Nachdem er das Script gelesen und lange mit Allen, Reilly und den Studiobossen über die Story diskutiert hatte, willigte Pasquin ein, Regie zu führen. "Ich wusste, das Werk würde eine Herausforderung für Tim und mich werden. Wir mußsten schließlich eine Gratwanderung zwischen Komödie und Drama absolvieren", erklärt Pasquin. Ebenso wie Allen begeisterten ihn die komplexen Charaktere und deren Veränderungen. "JOE JEDERMANN handelt eigentlich vom Erwachsenwerden", verdeutlicht Pasquin. "Im Laufe der Handlung erlangen die Figuren Tiefe und werden immer reifer. Jede Person mußs eine Entwicklung durchmachen."

Die Entwicklung von Joe Scheffer - seine Metamorphose - betrifft auch die Menschen seiner Umgebung. Viele Leute seines Umfelds befinden sich in einer Veränderungsphase und müssen den Weg gehen, den sie eingeschlagen haben. Deshalb achteten die Filmemacher bei der Besetzung besonders auf die Individualität ihrer Schauspieler.

Julie Bowen spielt die Personalchefin oder, wie sie es ausdrückt, "Wellness-Koordinatorin" Meg Harper. Die Filmemacher suchten intensiv nach einer unverbrauchten, jungen und gefühlvollen Schauspielerin, die Tim Allens Energie und Einfallsreichtum Paroli bieten konnte. All das verkörpert Julie Bowen, deren komödiantisches Talent und schauspielerischen Fähigkeiten man wöchentlich in der beliebten TV-Serie "Ed" bewundern kann.

Bowen genoss sowohl die Arbeit an Allens Seite als auch die Herausforderung, Megs unterschwellige Charakterzüge herauszubilden. "Meg ist nicht der Mensch, der sie zu sein scheint", verdeutlicht Bowen. "Sie versucht, sich einem Schema anzupassen, obwohl sie da eigentlich gar nicht hingehört, und findet in Joe einen Bruder im Geiste. Keiner der beiden findet sich im Räderwerk der riesigen, nach außen hin perfekten Firma zurecht."

Kelly Lynch verkörpert eine weitere Person in Joes Leben: seine Exfrau Callie, für die Joe immer noch Gefühle hegt. Die in Minnesota geborene Schauspielerin fand sich in ihrer Rolle sofort zurecht. "Ich spiele eine Frau, die im Inneren eigentlich ein Mädchen geblieben ist", erklärt sie. "Callie hat das Gefühl, dass sie nicht existiert, nicht im Raum ist, wenn sich nicht alle Aufmerksamkeit auf sie richtet. Sie wirkt wie ein Teenager, unfähig, ihrer Tochter eine gute Mutter zu sein. Doch am Ende wird auch meine Figur erwachsen, ohne den Humor zu verlieren."

John Scott Shepherds eigene zwölfjährige Tochter inspirierte ihn zu Joes Nachwuchs Natalie. "Natalie könnte genau wie meine eigene Tochter ein Familienoberhaupt sein", erzählt Shepherd. "Sie kann sich gut ausdrücken, ist klug und beinahe ihren Eltern ebenbürtig, die mit ihrem Leben nicht so zurechtkommen, wie sie es sich wünscht. Natalie erinnert ihren Vater oft daran, was wirklich zählt."

Für diesen Part mußste eine smarte Schauspielerin gefunden werden, die sowohl hart im Nehmen sein als auch verletzlich wirken sollte. "Obwohl meine Tochter körperlich das genaue Gegenteil von Hayden ist, erinnert sie mich doch sehr an sie, denn sie hat das gleiche Alter, gerade mal dreizehn. Manchmal vergisst man einfach, dass man es immer noch mit einem Kind zu tun hat", lacht Shepherd.

Hayden Panettiere, die schon in REMEMBER THE TITANS ("Gegen jede Regel", 2000, Regie: Boaz Yakin) zu sehen war, reiste mit ihrer Mutter aus Minneapolis nach New York zum Casting. "Hayden war für uns ein Volltreffer", schwärmt Pasquin. "Wir brauchten eine junge Darstellerin, die eine gewisse Weisheit ausstrahlt, um die Botschaft des Filmes zu transportieren. Nach Haydens Vorsprechen wussten wir, dass wir Natalie gefunden hatten."

Als die Dreharbeiten in vollem Gange waren, zeigten sich die Filmemacher hocherfreut über das perfekte Zusammenspiel der Darsteller - besonders in Bezug auf James Belushi und Tim Allen. Belushi spielt Chuck Scarett, einen zweitklassigen Schauspieler, der sich als Kampfsport-Lehrer über Wasser hält. Ausgestattet mit einem trockenen Humor und einer durchschlagenden Technik wird Belushi alias Scarett noch lange im Gedächtnis bleiben.

Belushi, der auf Filmerfahrung im Action- und Martial-Arts-Genre verweisen kann, wurde mit seiner Rolle schnell warm. "Ich habe meinen Scarett nach dem Vorbild der vielen Lehrer entwickelt, die mir auf meinem Karriereweg geholfen haben", erzählt Belushi. "Sowohl Karate als auch das Unterrichten an sich erfordern einen gewissen Stolz. Außerdem stellt es oftmals eine spirituelle Erfahrung dar, wenn man jemandem helfen kann. Chuck hat akzeptiert, wer er ist, wo er steht - und er mag es sogar. Ich denke, wir streben alle nach innerem Frieden und Ausgeglichenheit. Er verschafft dem Film diese spezielle Aura und teilt sein Wissen auf seine Weise mit Joe. Chuck lehrt Joe sowohl spirituell als auch schauspielerisch, wie er den Kampf aufnehmen mußs. Am Ende mußs Joe erkennen, dass das Einzige, wofür es sich zu kämpfen lohnt, die Beziehung zu anderen Menschen ist." Daraus resultiert eine ungewöhnliche und lustige Freundschaft, die Überraschendes hervorbringt.

Chucks Leinwandduelle mit Joe legten den Grundstein für eine Freundschaft zwischen den Darstellern im wahren Leben. "Tim ist ein brillanter Komiker mit einem fabelhaften Gespür für Timing. Stets sucht er nach dem gewissen Etwas, das eine Szene besser machen könnte", lobt Belushi. "Meine Lieblingsszenen waren die, in denen Tim und ich kämpfen. Das Kämpfen hat uns näher gebracht."

Über die Produktion Trotz der großen Gefühle, die sowohl die Story als auch die Charaktere von JOE JEDERMANN betreffen, findet die Handlung vor dem Hintergrund des industriellen Amerika statt. Für die 54 Tage dauernden Dreharbeiten wurden mehr als 31 Drehorte benötigt, wobei das Team und die Schauspieler die Zeit zu gleichen Teilen in den Zwillingsstädten Minneapolis und St. Paul verbrachten. Das Team machte sich die ökonomische Infrastruktur der Gegend um Minneapolis zunutze, wo zahlreiche höchst erfolgreiche Konzerne gegründet wurden und allein vierzehn der 500 US-Firmen angesiedelt sind, die den höchsten Gewinn erzielen. Dort sollte Joes Leben stattfinden.

"Minneapolis spielt in diesem Film eine große Rolle. Das erkennt man an der Besetzung, den Statisten und den Locations", verdeutlicht Produzent Matthew Gross. "Das Drehbuch wurde speziell für diese Stadt geschrieben." John Scott Shepherd arbeitete viele Jahre, einige davon in den Zwillingsstädten, als Autor, Produzent und Regisseur. Dabei spezialisierte er sich auf Werbeclips, Dokumentationen und Image-Filme. Er machte sich mit der Gegend vertraut und kennt das Milieu wie seine Westentasche.

Joes Arbeitsplatz wurde in die Waterfored Towers in einem Vorort von Plymoth, Minnesota, verlegt. Deshalb befestigte das Team zeitweise ein riesiges Schild mit der Aufschrift "Starke Worldwide Pharmaceutical" am Eingang des Industriegebiets. Produktionsdesigner Jackson De Govia gestaltete den gesamten vierten Stock eines riesigen New-Age-Bürogebäudes in eine Bürolandschaft mit niedrigen Decken um, das für seine Angestellten als Lebenswelt fungiert.

"Viele Leute verbringen den Großteil ihrer Zeit am Arbeitsplatz", erläutert De Govia. "Die großen Firmen stellen heutzutage eine Vielzahl an Annehmlichkeiten und Dienstleistungen am Arbeitsplatz bereit, die im Grunde genommen nur dazu da sind, die Arbeiter zufrieden und ruhig zu stellen, um sie dann dazu zu bringen für weniger Geld zu arbeiten. Insofern wurde ,Starke' zu einer zweiten Heimat für die Angestellten."

Die Drehorte von JOE JEDERMANN dienen dazu, die Geschichte zu unterlegen, und verleihen dem Projekt eine gewisse Glaubwürdigkeit und Authentizität. Die Filmemacher machten Gebrauch von dem vielschichtigen Erscheinungsbild der Gegend und drehten unter anderem im historischen Theaterdistrikt am Ufer des Mississippis und in der Nicollet Mall, einer auf zwölf Häuserblocks ausgedehnten Einkaufspassage im Einzelhandelszentrum von Minneapolis, das freundlicherweise einen ganzen Tag lang für die Filmarbeiten schloss.

Die Drehorte in Minneapolis helfen ebenso wie die sorgfältig ausgewählte Garderobe dabei, Joes Welt zu definieren. Kostümdesigner Lou Eyrich sah sich mit der schier unlösbaren Aufgabe konfrontiert, die innere Entwicklung einer jeden Figur mittels ihrer wechselnden Kleidungsstücke auszudrücken.

Tim Allen beteiligte sich mit Feuereifer daran, die Garderobe auszusuchen, mit der jeder Schritt seiner Transformation angemessen dargestellt wird. "Tim hat uns mit einigen klaren Richtlinien in Bezug auf Farbe und Stil seiner Kleidungsstücke versorgt", erzählt Eyrich. "Den Joe, den wir zu Beginn des Films kennen lernen, bezeichneten wir als ?den unsichtbaren Joe', der in Erdtönen, Khakis und cremefarbene Klamotten gekleidet war. Je mehr er jedoch von seinen Kollegen geschätzt wird, desto mehr Farbe schleicht sich in sein Outfit. Mit seinem beruflichen Aufstieg geht ein weiterer Wandel einher. Joe gelt seine Haare zurück und beginnt, schwarze Trenchcoats, dunkle Anzüge und schicke Silberkrawatten zu tragen."

Joes neue Kleider stehen in einem komischen Kontrast zu seiner Einsicht, dass wichtige Veränderungen im Leben immer von innen kommen müssen. Tim Allen greift auf die Boxer-Sprache zurück, um die Entwicklung seiner Figur zu beschreiben: "Joe saß eine ganze Weile in der Ecke und hing in den Seilen. Sobald er aber angreift und sich nach vorne bewegt, erkennt er, was in ihm steckt."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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