National Security

Produktionsnotizen

Als Regisseur, der sowohl im Comedy- als auch im Action-Genre zu Hause ist, zögerte Dennis Dugan nicht eine Sekunde, als man ihm das Projekt NATIONAL SECURITY anbot. Wann hat ein Filmemacher schon die Gelegenheit, gleich mit zwei Komödien-Hochkarätern wie Martin Lawrence und Steve Zahn zu arbeiten und obendrein, wie Dugan augenzwinkernd schwärmt, "jeden Morgen zur Arbeit zu gehen und genau zu wissen, dass man wieder haufenweise Kram in die Luft jagen darf"!

Dugans Laufbahn als Regisseur begann Mitte der 80er Jahre mit TV-Serien wie "Hunter", "Wise Guys" und "Moonlighting" ("Das Model und der Schnüffler") und führte dann zu Kinofilmen wie Big Daddy (1999) und Happy Gilmore (Happy Gilmore - Ein Champ zum Verlieben, 1996).

Sowohl die Action- als auch die komödiantischen Elemente in NATIONAL SECURITY erforderten ein Höchstmaß an Timing sowie ein ausgeprägtes Gespür für Details. Martin Lawrence und Steve Zahn, die beide vor allem im Comedy-Genre zu Hause sind, waren Dugan eine große Hilfe, wenn es darum ging, den Witz der Drehbuchvorlage adäquat auf die Leinwand zu übertragen. Lawrence ist vor allem bekannt für seinen rasanten, schnodderschnauzigen und nassforschen Stil, während Zahn sich eher durch eine exzentrische und unorthodoxe Art des Humors einen Namen machte.

Die Chemie zwischen diesen ganz und gar unterschiedlichen Charakteren bläst frischen Wind ins Genre des Buddy-Movies, wie Produzent Bobby Newmyer schwärmt. Ohne die ganz persönliche Note der beiden charismatischen Stars hätte die Gratwanderung zwischen Witz und Krawall in NATIONAL SECURITY vermutlich nicht so gut funktioniert. "Obwohl Martin als Schauspieler viel Herz hat, ist der Charakter, den er hier darstellt, völlig unberechenbar und teilweise schlicht völlig ausgeflippt", erklärt Newmyer. "Steve dagegen, der ein ausgebildeter und sehr präziser Schauspieler ist, ist stets in der Lage, selbst den absurdesten und verrücktesten Szenen noch einen emotionalen Unterton zu verleihen. Obwohl NATIONAL SECURITY eine völlig aufgekratzte Action-Komödie ist, wird das Publikum also niemals den Draht zu seinen Helden verlieren und sich stets auf die Geschichte einlassen können."

Was Newmyer am Drehbuch von Jay Scherick und David Ronn so reizte, war die Glaubwürdigkeit der Protagonisten: Der eine bringt den anderen nicht nur um seinen Job als Polizist, sondern auch für ein halbes Jahr unschuldig ins Gefängnis. Als sich die beiden danach wieder treffen und unfreiwillig zusammenarbeiten müssen, "haben sie sehr plausible Gründe, sich zu hassen", so Newmyer. "Da beide Hauptfiguren der festen Überzeugung sind, sie selbst seien im Recht und der andere wäre ein verachtenswertes Individuum, und da es buchstäblich den ganzen Film lang dauert, bis die beiden Streithähne ihre Differenzen endlich beilegen, entsteht die Komik fast wie von alleine."

"Es ist die gemeinsame Frustration der beiden Hauptfiguren, die den roten Faden des Films ausmacht", erklärt Regisseur Dennis Dugan. "Und das ist es auch, was die beiden so sympathisch macht. Ganz gleich, wie viel Mist sie bauen."

"Steve Zahn spielt den Polizisten Hank, der sich an alle Vorschriften hält", führt Dugan weiter aus. "Nachdem sein Partner getötet, er selbst vom Dienst suspendiert und dann sogar ins Gefängnis geworfen wurde, gerät sein Leben aus dem Ruder. Martin Lawrence dagegen verkörpert Earl, dessen Selbstbewusstsein nur oberflächlich ist. In Wirklichkeit aber hat er Angst, sich bewähren zu müssen, und beschuldigt deshalb jeden, der ihm auch nur ansatzweise quer kommt, rassistische Gedanken zu hegen. Tatsächlich versagt Earl zum Beispiel auf der Polizeischule, weil er sich partout an keine Regeln halten kann. Jeder der beiden Männer hat aber auch positive Eigenschaften, die dem anderen fehlen. Und irgendwann stellen die beiden fest, dass sie als Team nur funktionieren können, wenn sie sich nicht gegenseitig ausbremsen, sondern ergänzen."

Der Witz in NATIONAL SECURITY basiert laut Schauspieler Steve Zahn darauf, dass "beide Hauptfiguren mit Hingabe ihr Ziel verfolgen. Doch sie gehen die Sache aus völlig verschiedenen Richtungen an. Klar, dass die ganze Situation da irgendwann eskaliert. Je mehr Hank Earl hasst, desto mehr hasst Earl logischerweise Hank. Der Streit schaukelt sich immer weiter hoch. Und trotzdem müssen Hank und Earl zusammenhalten, denn sie haben ja niemanden sonst, der ihnen helfen könnte."

Martin Lawrence ergänzt: "Earl ist ein übereifriger Typ und obendrein ein etwas eitler Schwätzer. Er hält sich einfach für etwas Besseres. Doch Hank versucht, ihn immer wieder zu bremsen und an den Ernst der Lage zu erinnern. Letztlich ist NATIONAL SECURITY also die Geschichte zweier Männer, die Freunde werden, weil sie sich helfen müssen. Man mußs Menschen eben danach beurteilen, was sie leisten und tun, nicht danach, welche Hautfarbe sie haben."

Für Regisseur Dennis Dugan war es ebenso wichtig, dass es neben Action und Humor auch viele unerwartete Momente und Wendungen in der Geschichte gibt. Die vielleicht witzigste und verblüffendste Überraschung des Films steht Earl ins Haus, als Hank ihm seine Ex-Freundin Denise (Robinne Lee) vorstellt und diese sich als Afroamerikanerin entpuppt. Diese Tatsache trifft Earl völlig unerwartet und mit urkomischer Konsequenz. "Niemand rechnet mit dieser Szene", sagt Robinne Lee lächelnd, "und das Wunderbare ist, dass die ungewöhnliche Beziehung zwischen Hank und Denise nie erklärt wird. Sie ist einfach eine Tatsache."

Auch der Schurke, den Eric Roberts darstellt, ist kein typischer Leinwand-Bösewicht. Er ist kein primitiver Fiesling, sondern ein wahrer Ästhet. Ein Mann, der es genießt, böse zu sein. Und Roberts genoss die Darstellung: "Ich liebe es, Schurken zu spielen. Die haben einfach mehr Spaß als die Helden. Denn es gibt für sie keine Regeln, an die sie sich halten müssen."

Obwohl NATIONAL SECURITY in erster Linie eine Komödie ist, glänzt der Film auch mit einer stattlichen Zahl furioser und origineller Action-Sequenzen. So wie sich Regisseur Dugan auf seine Hauptdarsteller verlassen konnte, wenn es um die Feinheiten der Komik ging, halfen ihm Kameramann Oliver Wood und Stunt-Koordinator Mickey Gilbert bei der makellosen Umsetzung der aufwendigen Action.

"Oliver ist ein grandioser Action-Kameramann", schwärmt Dugan. "Er filmte unter anderem bereits U-571 (2000) und The Bourne Identity (Die Bourne Identität, 2002), und er weiß, wie man diese Art von Filmen ins rechte Licht rückt. Mit jemandem wie Oliver zusammenzuarbeiten, verhilft dem Regisseur natürlich zu einer größeren Gelassenheit. Und dasselbe gilt für Mickey, der seit 40 Jahren Stunts konzipiert und überwacht und der eine unbestrittene Koryphäe in seinem Fach ist."

Für Steve Zahn war NATIONAL SECURITY der erste echte Action-Film. Und er wurde schnell von Dugans und Lawrence' Euphorie angesteckt: "Es war eine ganz neue Erfahrung! Ich konnte die Drehtage kaum erwarten, an denen ich über Dinge springen und auf böse Gangster ballern durfte." Doch Zahn stellte auch schnell fest, dass Action nicht nur Spaß ist. "Es ist ein wenig wie ein sportlicher Wettkampf", erklärt er. "Fünf Kameras sind auf dich gerichtet, 300 Leute am Set beten, dass du alles richtig machst. Da darf man einfach nicht versagen. Jeder Drehtag ist eine neue große Herausforderung."

"Wenn man, wie bei NATIONAL SECURITY, Comedy und Action mischt, dann reicht es nicht, einfach nur geradlinig Stunts, Feuergefechte und Explosionen abzudrehen", erklärt Produzent Bobby Newmyer. "Die Stunts und die Action müssen auf die Exzentrik der Charaktere und den Witz der Situation abgestimmt sein. Jede Szene mußs ihre eigene Komik besitzen."

Um sich auf seine Rolle vorzubereiten, ließ sich Steve Zahn von seinem Berater Mike Grasso, einem Polizisten mit 20-jähriger Berufserfahrung, alle Details des Cop-Daseins minutiös erklären. "Ich wollte alles exakt nach den Vorschriften spielen", erklärt Zahn. "Von der korrekten Handhabung der Waffe bis zu den präzisen Abläufen aller Prozeduren. Denn je genauer man Komik vorbereitet, desto witziger wird das Ergebnis."

Zahn genoss die vollkommene Ausbildung. Nach dem Besuch diverser Schießplätze und einer ausgiebigen theoretischen Einweisung nahm Grasso den Star mit auf simulierte Polizeieinsätze. "Ich wollte sehen, wie Steve sich dabei aufführt", erinnert sich Grasso. "Wir spielten ganze Szenarien durch, ich erklärte ihm, wie eine professionelle Observation funktioniert. Wir fuhren mit ihm im Auto durch die Straßen und ich fragte ihn immer wieder Dinge wie 'Wie viele Leute saßen in dem Auto, das uns gerade entgegenkam?' und 'Ist in dem Haus gegenüber jemand zu Hause?'. Der arme Steve war mit seinen Augen überall, versuchte alles zu registrieren. Aber er hatte den Dreh sehr schnell heraus. Schon bald konnte er mir sogar die Nummernschilder vorbeifahrender Autos nennen."

Und auch optisch ging Steve Zahn schnell in seiner Rolle auf. "Nachdem er nur einen Tag mit uns echten Cops verbracht hatte", lacht Grasso, "tauchte Steve plötzlich mit einem Bürstenschnitt auf und führte sich in jeder Beziehung auf wie ein echter Polizist. Er hatte uns beobachtet und konnte uns auf Anhieb perfekt imitieren. All seine Bewegungen wirkten absolut echt!"

Mike Grasso war jedoch nicht nur der Coach für Steve Zahn, sondern auch für Martin Lawrence. Nur dass er dem eben nicht beibringen mußste, wie man als Cop alles richtig macht, sondern ihn vielmehr in einem komplett falschen Verhalten schulte. Schließlich wird der von Lawrence gespielte Earl gleich zu Beginn des Films wegen einer stolzen Anzahl von Regelverstößen von der Polizeischule geworfen. "Martin war völlig enthemmt! Er wälzte sich herum, hüpfte durch die Gegend, ballerte auf alles, was er sah", lacht Grasso. "Er spielte seine Ich-bin-der-Größte-Rolle ohne Kompromisse. Und das war perfekt. Denn auf der Polizeischule herrscht in Wirklichkeit eine gewisse Unterwürfigkeit. Man will am liebsten gar nicht auffallen. Man will, dass der Ausbilder einen gar nicht zur Kenntnis nimmt. Martin legte also das perfekte Anti-Verhalten an den Tag."

Regisseur Dennis Dugan, durch die Inszenierung von TV-Serien wie "NYPD Blue" und "Moonlighting" ("Das Model und der Schnüffler") Action-erfahren, legte sehr viel Wert auf die perfekte Balance zwischen Radau und Gelächter in seinem Film. Ein gutes Beispiel ist das Feuergefecht, das sich Earl und Hank relativ früh im Film mit Nash und seinen Komplizen liefern. Als Dugan den Schauplatz der Szene, ein großes Lagerhaus, begutachtete, war er nicht zufrieden. "Da war absolut nichts Ansprechendes oder Komisches an einer leeren, kargen Halle", erinnert er sich. Doch dann hatte er die rettende Idee: "Ich beschloss, das ganze Lager mit Paletten von Cola-Dosen voll zu stellen. Es würde sicher ein toller Anblick sein, wenn all diese Dosen unter den Maschinengewehrsalven explodieren würden."

Mit Hilfe der Special-Effect-Crew und der Stunt-Koordinatoren wurde diese Idee in eine der aufwendigsten und eindrucksvollsten Szenen des Films verwandelt. Schnell stellte sich heraus, dass Glas- und Plastikflaschen einen weitaus besseren Effekt auf der Leinwand haben würden als Dosen. "Da Flaschen lichtdurchlässig sind, schimmern und glitzern sie bei der Explosion", erklärt Regisseur Dugan die Requisiten-Entscheidung. 350.000 Flaschen wurden also in der Szenerie drapiert.

Das verlieh dieser das gewisse Etwas, auf das Dugan Wert legte. Für die beiden Stars bedeutete es allerdings auch, dass sie während der Aufnahmen wieder und wieder mit klebrigen Erfrischungsgetränken bespritzt und übergossen wurden.

Der Höhepunkt der Szene besteht darin, dass eine ganze Lawine von Bierflaschen nur wenige Zentimeter hinter den Helden niederkracht, während diese einen Gang entlanglaufen. Der Humor dieser Szene basiert im Wesentlichen auf der Reaktion der Protagonisten. Der schurkische Nash (Eric Roberts) genießt das gewalttätige Chaos. Hank, der von Steve Zahn verkörpert wird, ist konzentriert, verhält sich professionell und versucht, mit allen Mitteln am Leben zu bleiben, während Earl (Martin Lawrence) das erste Schussgefecht seines Lebens mit einer Mischung aus Angst und unbändiger Energie bewältigt.

Die Arbeit an einem dermaßen aufwendigen Projekt wie NATIONAL SECURITY, bei dem ein Regisseur sowohl die monumentalen Action-Sequenzen als auch die ausgefeilten Dialog- und Comedy-Szenen zu beaufsichtigen hat, erfordert enorme Zeit. "Ich habe mit dem ersten Team von Montags bis Freitags gearbeitet", erinnert sich Regisseur Dugan, "und dann mit dem zweiten Team die kompletten Wochenenden verbracht. Und das zwölf Wochen am Stück. Man mußs physisch schon sehr fit sein, wenn man solche Dreharbeiten unbeschadet über die Runden bringen will."

Selbst Stunt-Koordinator Mickey Gilbert, der diesen Beruf immerhin schon seit 40 Jahren ausübt, fand die Dreharbeiten mitunter regelrecht zermürbend. "Action-Komödien sind harte Arbeit", erklärt er. "Ich habe schon an riesigen, puren Action-Filmen mitgewirkt. Aber wenn die Action zudem auch noch komisch wirken soll, dann mußs sie wirklich gigantisch sein, voll wilder und ungewöhnlicher Stunts. Gleichzeitig mußs man aber aufpassen, dass man dann doch nicht übertreibt und die Stunts so sehr in den Vordergrund schiebt, dass sie die Komik verdrängen. Dennis und ich haben jede Szene wieder und wieder diskutiert, bis wir das Mischungsverhältnis richtig hinbekommen hatten."

Eine der Szenen, auf die Mickey Gilbert besonders stolz ist, ist die Verfolgungsjagd im Auto quer über einen Schrottplatz. Gilbert und sein Sohn Troy entwickelten dafür eine neuartige Rampe, die es den Fahrern der Autos ermöglichte, mit ihren Gefährten länger in der Luft zu bleiben. Diese Rampe benutzten Vater und Sohn Gilbert auch für eine spektakuläre Szene, in der ein Wagen in Zeitlupe durch eine überdimensionale Glasscheibe fliegt.

"Die Autojagd erforderte enorme Vorbereitungen", erklärt Gilbert. "Wir haben aus etlichen Autos regelrechte Tunnel konstruiert, durch die dann die Kameramänner mit Motorrädern fahren konnten. Ich liebe es, Kameras an Fahrzeugen zu montieren, das gibt großartige Bilder. Doch man mußs sehr vorsichtig sein. Wenn eine Kamera so etwa 60 Zentimeter weit von einem Motorrad absteht oder aus einem Auto herausragt und man dann mit diesen Fahrzeugen durch enge Gassen rast oder sie gar durch die Luft fliegen, sich überschlagen und zu Boden krachen lässt, dann ist das natürlich ein Risiko. Natürlich könnte man solche Szenen auch in einer langen, aus der Entfernung gefilmten Einstellung zeigen. Doch durch diese haut- beziehungsweise blechnahe Perspektive ist das Publikum einfach dichter am Geschehen. Den Kameramännern stehen natürlich regelmäßig die Haare zu Berge, wenn ich solche Sequenzen vorschlage. Doch natürlich benutzen wir für solche Aufnahmen nicht die teuren Kameras und das wertvolle Equipment."

Szenenfoto
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