Frida

Produktionsnotizen

Frida und Diego - eine ungewöhnliche Liebesgeschichte Bis in die Mitte der 80er Jahre hinein war Frida Kahlo außerhalb Mexikos quasi eine Unbekannte. Heute ist sie eine der international begehrtesten Malerinnen, ihre Bilder erzielen auf Auktionen Spitzenpreise. Über 100 Bücher in Englisch und Spanisch wurden über Frida und Diego geschrieben.

In den USA erschien unlängst eine Frida-Kahlo-Sondermarke - damit wurde die Künstlerin als erste hispano-amerikanische Frau mit einer US-Briefmarke geehrt. Über Fridas große Popularität sind viele Theorien in Umlauf. Die meisten stimmen darin überein, dass sie das Persönliche, Künstlerische und Politische auf eine so organische, brutal-ehrliche Art verband, dass Leben und Werk untrennbar ineinander übergingen.

Frida gab mit ihrem Äußeren nicht nur ein politisches und kulturelles Statement ab - sie stilisierte sich selbst mit ihrer traditionellen Indio-Kleidung, ihrem Schmuck und ihrer Haartracht auch zu einem eigenständigen Kunstwerk. Mehr noch, sie offenbarte ihre Ängste, ihren Schmerz, ihr Leid, ihre Obsessionen und Lieben in enthüllenden, schockierenden und unvergesslichen Bildern.

Mit ihrem biologischen Wissen und einem von Schmerzen gepeinigten Körper fasste Frida ihr nacktes Selbst ins Auge und schuf teilweise erschütternde und verstörende Darstellungen von großer innerer Dynamik und Emotionalität. Einer ihrer Biografen sah darin nicht weniger als die Verkörperung von "Mexikos langer Geschichte von Eroberung und Leid, Stolz und Unterdrückung".

Fridas Leidenschaft für Diego zeigt sich in zahlreichen Bildern, die ihn als ihr "drittes Auge", ihr Kind oder ihre andere Hälfte darstellen. Trotz Untreue und anderer Hindernisse hielt ihre lebenslange Partnerschaft in der Arbeit und im revolutionären Wirken vom Kennenlernen 1928 bis zu Fridas Tod 1954.

"Es ist eine erstaunliche, lange und abenteuerliche Liebesgeschichte", sagt Alfred Molina, der Diego Rivera spielt. "Sie haben zweimal geheiratet, ihr gemeinsames Leben war ungewöhnlich. Sie teilten ihre politischen Überzeugungen, die Liebe zur Kunst, und ihnen war die Bedeutung ihrer Arbeit und ihres Lebens bewusst. Außerdem hatten sie andere Liebhaber und einen sehr unkonventionellen Lebensstil, der die Menschen ihrer Zeit provoziert und schockiert hat."

Noch heute fühlen sich nicht wenige Menschen davon provoziert und schockiert. Fridas offene Ehe mit Diego, ihre Bisexualität - von ihrer gegenseitigen Eifersucht abgesehen - machen den Bestand ihrer Verbindung und ihre Hingabe an den anderen bemerkenswert.

"Es war eine seltsame Liebesbeziehung. Sehr, sehr ungewöhnlich", findet Salma Hayek. "Diego brauchte unentwegt seine Freiheit, mußste aber gleichzeitig immer umhegt sein. Frida liebte Diego bedingungslos, und ihre Fähigkeit zu dieser Form von Liebe veränderte Diego, bis er, am Ende ihrer Tage, auch zu dieser bedingungslosen Liebe für sie fähig war."

"Ihre Liebe hatte Bestand, weil sie echt war", sagt Regisseurin Julie Taymor. "Sie begann damit, dass sie sich gegenseitig als Künstler und Seelenverwandte akzeptierten, und wuchs in eine tiefe intellektuelle, künstlerische und erotische Anziehung. Fridas starker Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit kam Diego zugute und machte ihn frei, während er für sie eine Quelle der Inspiration und Ermutigung war.

Trotz aller Krisen und Trennungen gab es eine tiefe, tiefe Ehrlichkeit und Liebe. Als Diego zu Frida zurückkehrte - sie ist ganz unten zu dieser Zeit -, sagte er: 'Ich vermisse uns.' Er brauchte sie. Sie brauchten einander. Die Summe von beiden war viel mehr als jeder für sich allein."

Für Hayek liegt der Schlüssel zum Überdauern von Diegos und Fridas Liebe und Werk in dem Willen des Paars, herauszufinden, "wer der andere wirklich ist - und wer man selbst ist. Frida steckte so voller Mut, zu sein, wer sie war, ihr Leben anzunehmen und jede Sekunde intensiv zu genießen - selbst das Leiden mit seiner inspirativen Kraft. Ihre Leidenschaft machte auch mich leidenschaftlich."

"Meine Geburt" - Der Entstehungsprozess des Films "Ich sicherte mir die Filmrechte an Hayden Herreras Buch ?Frida' gleich bei Erscheinen 1983 und ging damit zu allen Studios - doch keines hatte Interesse, kein einziges." Produzentin Nancy Hardin erinnert sich an den langen Entstehungsprozess des Films. Viele Bücher sind über Frida Kahlo geschrieben worden, aber Hayden Herreras erschöpfend recherchierte Biografie gilt bis heute als das definitive erzählerische Porträt der Künstlerin. Auch wenn Frida ein so reiches und faszinierendes Leben geführt hatte - Hardin konnte kein Studio zu dem Projekt über die damals fast unbekannte lateinamerikanische Künstlerin bewegen.

Aber nach Jahrzehnten relativen Vergessens erhielt Fridas Popularität in den frühen 90er Jahren einen regelrechten Schub, als ihr Werk endlich wiederentdeckt wurde. In echter Hollywoodmanier schoss damit auch das Interesse an der Verfilmung des Lebens der posthum verehrten Künstlerin in die Höhe. Plötzlich war "Frida" der heißeste Tipp bei den Studios.

"Es gab 1993 eine Phase, als ich mir noch einmal alle ?Neins' der Studios zu dem Projekt abgeholt hatte. Dann auf einmal, drei Monate später, hatte jeder ein Frida-Skript auf dem Tisch", blickt Hardin zurück. "Vorher hatte es keiner gewollt, jetzt wollten es alle. Es war unglaublich."

Salma Hayek, schon immer eine Bewunderin von Fridas Werk, hörte, dass Regisseur Luis Valdez ("La Bamba") einen dieser Filme drehen sollte. Damals noch eine Unbekannte in den USA, setzte Hayek alles daran, die Titelrolle zu spielen. Sie schickte ihr Band an den Regisseur und rief so lange in seinem Büro an, bis sie eine offizielle Antwort bekam. Die lautete, sie sei zu jung für den Part. Hayek antwortete: "Dann müsst ihr eben warten, bis ich alt genug bin."

Hayeks Worte erwiesen sich als prophetisch: Valdez' Film gelangte nie in die Produktion, ebenso wie viele andere Frida-Projekte. Als Hardin 1997 Herreras Buch bei Trimark Pictures unterbrachte, hatte sich Hayek inzwischen als Filmstar, der sein Geld einspielt, mit Hits wie "Desperado" und "From Dusk till Dawn", auch in Amerika etabliert. Trimark schloss mit Hayek einen Vertrag als Hauptdarstellerin und Produzentin. Hayek und die Produzenten Nancy Hardin, Lizz Speed und Jay Polstein teilten ihre Verehrung für die Künstlerin und den Wunsch, ihre Geschichte mit Würde und Ehrlichkeit zu erzählen.

Aber die kleine, unabhängige Filmgesellschaft entschied sich dann doch noch gegen den Film und gab Hayek die Gelegenheit, das Projekt an ein anderes Studio zu verkaufen.

Dadurch ließ sich Hayek nicht entmutigen, im Gegenteil. Sie nahm die Gegenwart der Malerin in ihrem Leben an und blieb geduldig und optimistisch. Es war ganz einfach: "Ich weiß nicht, wie ich die Zeit, als ich das Projekt entwickelte, von der Zeit unterscheiden soll, als sie einfach Teil meines Lebens wurde", ruft sich Hayek ins Gedächtnis. "Ich flog oft irgendwohin, nur um eine Ausstellung zu sehen. Ich traf Menschen, die sie gekannt und Zeit mit ihr verbracht hatten. Zu vielen von ihnen habe ich einen engen Kontakt behalten. Frida und dieser Film sind für mich nicht wie andere Rollen und Filme, die du machst, und dann gehst du weiter. Sie ist jetzt Teil meines Lebens."

Hayek sammelte viele Elemente, von denen sie wusste, dass sie für den Film wichtig sind. Als Diego Rivera starb, übertrug er die Rechte an seinem Werk und dem von Frida an das mexikanische Volk und bestimmte als Verwalter seine langjährige Geliebte Dolores Olmedo. 25 Bilder von Frida und 137 von Diego sind in ihrem Museum in Mexiko untergebracht. Hayek setzte sich mit Olmedo in Verbindung, sprach mit ihr über die Werke und holte sich die Erlaubnis für deren Rekonstruktion ein. Beeindruckt von Hayeks Enthusiasmus und ihrem Wissen über die Künstler gab Olmedo ihr die Erlaubnis, fünf Jahre lang die Arbeiten zu reproduzieren. Olmedo starb am 27. Juli 2002.

Mit dieser Sicherheit im Rücken begann Hayek, das ideale Schauspieler-Ensemble zusammenzustellen. Zuerst trug sie Alfred Molina, ihrer ersten und einzigen Wahl für Diego Rivera, die Rolle an.

"Sie hat unglaubliches Stehvermögen, Leidenschaft, Mumm, Entschlossenheit", so beschreibt Molina den ersten Eindruck seines Co-Stars und Produzenten. "Sie ist sehr intelligent und fleißig, ein Dynamo. Die Tatsache, dass dieser Film gedreht wurde, während alle anderen Projekte fallen gelassen wurden, bestätigt ihre Stärke und ihre Fähigkeiten als Produzentin."

"Wir waren beide im Flugzeug nach Las Vegas, zur ShoWest. Ich hatte sie nie vorher getroffen, und wir unterhielten uns irgendwann über ihr Projekt", erzählt der zweifache Oscar-Preisträger Geoffrey Rush, der Leo Trotzki spielt. "Ihre Begeisterung, ihr Eifer und ihre praktische Veranlagung waren sehr inspirierend. Mein erster Eindruck, als sie über den Film sprach, täuschte mich nicht."

Als sie ihre Traumbesetzung beisammen hatte, präsentierte Hayek ihre FRIDA Harvey Weinstein, dem Chef von Miramax. Der war beeindruckt, sowohl vom Drehbuch als auch von ihrer Hingabe, Umsichtigkeit und Hartnäckigkeit. Weinstein gab grünes Licht für Finanzierung und Produktion und schlug Tony-Preisträgerin Julie Taymor als Regisseurin vor. Jay Polstein erinnert sich, dass "das Erste, worüber Salma und ich sprachen, war, dass der Film so künstlerisch werden sollte, wie die Malerin selbst gewesen ist. Das ist leichter gesagt als getan. Julie Taymor war die ideale Regisseurin, um diesen Anspruch umzusetzen."

Nach vielen Jahren zugeschlagener Türen und abgewürgten Bemühungen begannen im Frühjahr 2001 die Dreharbeiten zu FRIDA. Sarah Green ("Girlfight", "State and Main") übernahm die führende Produzentenrolle.

Trotz aller Schwierigkeiten, denen sich Hayek ausgesetzt sah, würde sie keinen Moment der Reise missen wollen, die die Vorgeschichte von FRIDA darstellt. Sie glaubt, einen Film mit ermöglicht zu haben, der die Künstlerin ehrt - und das rechtfertigt jeden Kampf, den sie geführt hat. Aber Hayek sieht auch, wie hingebungsvoll ihre Freunde arbeiteten und wie ihr Vertrauen in sie ihrer Entschlossenheit Auftrieb verliehen.

"Ich wollte einen Film machen, der etwas Fantastisches über Mexiko zu sagen hat, und einen Film über eine ungewöhnliche Frau. Aber FRIDA hat mir mehr gegeben, womit ich nicht gerechnet habe", sagt Hayek. "Es war ein zusätzliches Geschenk. Die Arbeit hat mir gezeigt, wie sehr mich meine Freunde und die Menschen, die mir nahe stehen, lieben. Das war für mich auf einer sehr persönlichen Ebene überwältigender als alles andere, was mit der Entstehung des Films zu tun hat. Der Film hat mir gegeben, was nur wenige Menschen im Leben erfahren dürfen: den Beweis von Freundschaft. Das ist Fridas Geschenk für mich."

"Wurzeln" - Das Projekt nimmt Gestalt an Ihre Broadway-Produktion "The Lion King" wurde gefeiert, ihr Filmdebüt "Titus" von Publikum und Presse gleichermaßen gelobt: Julie Taymor ist eine namhafte Autorin/Regisseurin mutiger, oft surrealer Stoffe. Ihre Fähigkeit, ihre klare visuelle Imagination in atemberaubende, farbenfrohe Bild-Erzählungen umzusetzen, prädestinierten sie für die Arbeit an FRIDA.

"Als Frau und Künstlerin hat Julie Taymor die Erfahrung und Vorstellungskraft, sich in Fridas sehr spezifische Welt hineinzuversetzen", bescheinigt Hayek ihrer Regisseurin. "Frida, die Künstlerin, sah die Welt mit anderen Augen, sah ihre Realität auf anschauliche Weise. Julie fand einen Stil, der das im Film vermittelt. Sie weiß, wie sie Fridas Schmerzen fühlbar machen kann, wie sie die Gedanken und Gefühle hinter ihren Bildern zeigen kann."

"Wenn man Fridas Bilder betrachtet, findet man etwas Unterdrücktes, in Schach gehaltenes in ihnen, auch eine Art Hysterie. Es gibt ein Nebeneinander von Dingen, die normal und alltäglich scheinen, mit etwas sehr Skurrilem, das gleichzeitig geschieht", sagt Ashley Judd, die die italienische Fotografin Tina Modotti spielt. "Ich denke, Julie hat die Fähigkeit, diese Sensibilität in Fridas Werk in ihrem Film zu reflektieren. Sie kann choreografieren und setzt ein Spektakel in Gang, das der Realität einen surrealen Stempel verleiht - dasselbe hat Frida auch getan."

Für Taymor bestand der Reiz, die Geschichte zu verfilmen, primär in der komplexen Beziehung der Künstlerin zu ihrem Mann. "Die Liebesgeschichte zwischen Diego und Frida hat mich wirklich gepackt", erklärt sie. "Oft funktionieren Liebesgeschichten nach dem Schema: Junge trifft Mädchen, sie verlieben sich, sie kommen zusammen, und dann ist der Film aus. Vielleicht sind fünf Monate oder fünf Tage vergangen. Wir haben hier eine sehr tief gehende, wundervolle, quälende und lustige Liebesgeschichte."

Die angesprochene eheliche Qual hat ihre Ursache hauptsächlich in Diegos Affäre mit Fridas Schwester Cristina. Für Taymor bringt dieser unergründliche Vertrauensbruch das Thema des Films auf den Punkt: Treue versus Loyalität. "Die Kraft der Frida-Diego-Story beruht darin, dass die Tiefe ihrer Liebe die gebrochenen Versprechen auszugleichen vermag, die vielen Seitensprünge auf beiden Seiten, die Unwetter, die Trennungen und schließlich die Scheidung", sagt Taymor. "Als Frida in den letzten Jahren ihres Lebens wirklich sehr krank war, bettlägerig und auf Morphium angewiesen, selbst da kam Diego zu ihr zurück. Sie konnten wirklich nicht einer ohne den anderen leben."

Taymor verspürte auch den Wunsch, die Ereignisse und Impulse, die Fridas zutiefst autobiografischen Gemälde hervorriefen, kreativ darzustellen. "Sie hat gesagt, die Bilder seien ihre Realität, sie würden die Wirklichkeit erzählen, die sie erlebt hat", so schildert Taymor Fridas Beziehung zu ihrer Malerei.

"Ich wollte kein übliches Biopic drehen. Frida hat ganz klar Episoden aus ihrem Leben gemalt, aber aus sehr subjektiver Sicht. Die Vorstellung, einen Künstler zu porträtieren und zugleich zu zeigen, wie er seine Kunst erschafft, das war sehr attraktiv für mich. Als ich mir das Konzept des Films überlegte, stellte ich mir ein Nebeneinander von periodischem Realismus mit einer surrealen Annäherung vor, man könnte das '3-D-live-Malerei' nennen", schildert Taymor ihre einmalige, bahnbrechende Technik. "Elemente ihrer Bilder sollten sich vor unseren Augen entfalten, so wie Frida sie sowohl in einem wörtlichen als auch in einem unterbewussten Sinn erfahren hat."

Ein Beispiel für den Gebrauch dieser "Frida-Stil"-Technik findet sich in der New-York-Sequenz des Films. "Mit Hilfe der Special-Effects-Firma Amoeba Proteus entwarfen wir ein russisches konstruktivistisches, rollbares Kunstplakat, wie es typisch für diese Zeit war", erklärt Taymor. "Wir nutzten Dokumentarfotos und Filmmaterial der Reisen, die sie tatsächlich unternommen haben, um deren Bandbreite mit minimalem Aufwand darzustellen. Diese Collage-Technik wurde auch in Fridas Bildern angewandt: 'Da hängt mein Kleid', 'Frida und Diego (Das Hochzeitsporträt)', 'Selbstbildnis mit abgeschnittenem Haar', 'Die beiden Fridas', 'Die gebrochene Säule' und 'Der Traum' sind einige der Arbeiten, die ich einsetzte, während sich ihre Geschichte entfaltet. Für jedes Bild hatte ich eine andere Herangehensweise, jedes Bild steht für ein spezifisches emotionales Ereignis, das als Katalysator dient."

Ein starkes Drehbuch war erforderlich, um den Zuschauer durch Fridas gewaltige Lebensgeschichte zu führen. Julie Taymor erzählt: "Ich unterschrieb den Vertrag für diesen Film auf der Basis des wundervollen Skripts von Rodrigo Garcia. Viel Dank gebührt aber auch Edward Norton für seine Überarbeitung, die das Ganze erst möglich machte." Bevor Taymor mit der Produktion begann, hatte sie eine Bitte: Sie wollte, dass ihre Hauptdarsteller sich mit der Kunst der Malerei vertraut machten. Im Gegensatz zu Taymor hatten weder Hayek noch Molina je einen Pinsel auf die Leinwand gesetzt. Die Regisseurin glaubte, dass Malunterricht nicht nur den Schauspielern helfen würde, ihre Charaktere besser zu verstehen, sondern auch der Authentizität des Film zugute käme.

"Salma hat ein Talent entdeckt, von dem sie nie ahnte, dass es vorhanden war", schildert Molina die ersten Schritte in die Kunstwelt. "Sie hat ein paar richtig gute Bilder gemalt, sowohl eigenständig als auch in Fridas Stil. Es ist, als sei sie irgendwie mit Frida Kahlo verbunden. Sie hat ernste, ungewöhnlich gute Kunstwerke abgeliefert. Sie ist ein Naturtalent. Davon habe ich leider überhaupt nichts abbekommen", jammert Molina. "Wenn ich von der Malerei leben müsste, würde ich schnell verhungern. Ich kann nicht zeichnen. Ich sagte zu einem meiner Lehrer: 'Ich bin Schauspieler, meine Aufgabe ist es, Illusionen zu erschaffen. Ich mußs so tun als ob, und ihr müsst mir helfen, dass das echt und plausibel wirkt.'"

"Während der Proben zeigte sie mir einige ihrer Arbeiten. Ich dachte, sie nimmt mich auf den Arm. Die Bilder waren einfach großartig", erinnert sich Rush. "Ich sagte: 'Du mußst als Kind gemalt haben', und sie antwortete: 'Ich habe noch nie im Leben einen Pinsel in der Hand gehabt.' Darauf ich: ?Dann geht hier irgendetwas vor, denn alle Einzelheiten, das Gefühl sind erstaunlich.' Es war aufregend, zu sehen, wie ein Schauspieler ein ganz neues Talent an sich entdeckt."

Zum Glück für Molina mußsten die Fresken und Wandmalereien in FRIDA nicht von den Schauspielern beigesteuert werden. 40 Zimmerleute, 35 Setmaler und 15 "Diego und Frida"-Maler arbeiteten peinlich genau, um die berühmten Bilder und Fresken neu zu erschaffen.

Produktionsdesigner Felipe Fernandez erzählt: "Es gab zwei unterschiedliche Gruppen. Die, die an Diegos Werk arbeiteten, malten nicht Fridas Bilder - und umgekehrt. Ihre Stile und Techniken unterscheiden sich stark." Das Künstlerteam stellte fast 50 Kahlo-Gemälde her, darunter "Die beiden Fridas" (1939), "Porträt meiner Schwester Cristina" (1928), "Frida und Diego oder Das Hochzeitsporträt" (1931), "Da hängt mein Kleid" (1933), "Selbstporträt, Leo Trotzki gewidmet" (1937), "Der Freitod der Dorothy Hale" (1938/39), "Selbstbildnis mit abgeschnittenem Haar" (1940), "Die gebrochene Säule" (1944) und "Frucht des Lebens" (1953).

In den Szenen, in denen Diego an seinen Wandmalereien arbeitet, spannte die Crew eine Leinwand über ein Gerüst vor dem "Original"-Gemälde. Die Set-Künstler skizzierten Umrisse und bemalten Teile der provisorischen Wand. Weil die Kamera entfernte Objekte glättet, gingen die Ränder der Leinwand in das existierende Wandbild über und schufen so die Illusion einer "work in progress". Für Nahaufnahmen von Pinselstrichen und Szenen-Berichterstattung wurden einzelne Freskenteile, auch des berühmten Rockefeller-Center-Wandgemäldes, an den FRIDA-Sets in den Churubusco-Studios von Mexiko-Stadt nachgebaut.

Für den mexikanischen Kameramann Rodrigo Prieto, Produktionsdesigner Felipe Fernandez und Art-Direktor Bernardo Trujillo war die Zusammenarbeit mit Taymor und Hayek sowohl aus Liebe zur Sache als auch aus Stolz auf die Kultur ihres Heimatlandes wichtig.

"Wir erzählen die Geschichte dieser bedeutenden visuellen Künstler in Mexiko, in meinem Land. Seit meiner Kindheit wusste ich alles über sie", sagt Prieto, zu dessen Kameraarbeiten der preisgekrönte Erfolg "Amores Perros" ebenso zählt wie "Original Sin". "Du fühlst eine Verantwortung dafür, die Geschichte richtig zu erzählen, das Beste aus deinem Job zu machen. Wir wollten nicht nur Fridas Leben auf die Leinwand bringen, sondern auch in ihre Gedankenwelt eindringen. Als ich Julie Taymor zum ersten Mal traf, war ich begeistert von ihren Vorstellungen über Kameraeinsatz und Tempo, Farbe und Licht für die optische Umsetzung dessen, was sich in Fridas Innerem tut."

"Wir hatten noch nie zusammengearbeitet, aber wir fanden wirklich gleich einen Draht zueinander", schildert Taymor ihre Arbeit mit Pietro. "Ich sah den Künstler in ihm, und uns beschäftigte sehr der Aspekt, die Realität der Zeit damals einzufangen und die Subjektivität, also Fridas Point of View."

"Ich besitze Bücher über Julie Taymors Werk, ich war ganz versessen darauf, mit ihr zu arbeiten", sagt Fernandez. "Ich hatte schon mit Salma gefilmt, sie ist eine Freundin. Und natürlich war ich als Künstler lange schon mit dem Werk Kahlos und Riveras vertraut und liebe es. Als ich hörte, dass Salma und Julie an einem Projekt über Frida und Diego arbeiten, stellte ich eine ganze Präsentation zusammen. Ich wollte unbedingt dabei sein. Ich empfinde die Arbeit an dem Film als Ehre und Privileg. Deshalb arbeiten meine Mitarbeiter und ich jeden Tag sehr hart. Wir freuen uns riesig, an diesem ganz besonderen Film mitwirken zu dürfen."

Taymor und Prieto malten Fridas Welt in leuchtenden, kräftigen Farben, unter Einsatz des ungefilterten Sonnenlichts und der ganzen Farbpalette Mexikos. "Wir wollten die vollen, lebendigen Farben aus Fridas Bildern zum Einsatz bringen", erklärt Taymor. "Dazu mußsten wir Orte finden, die noch nicht so vom Umweltschmutz in Mitleidenschaft gezogen sind, denn die Farben waren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sehr viel klarer als heute."

Prieto ließ sich für seinen Kamerastil auch von Fridas Briefen und Tagebucheintragungen inspirieren. "Auch wenn sie in ihren Gemälden nicht so stark Licht und Schatten einsetzt, war sich Frida über deren Existenz in ihrem Leben doch sehr bewusst", sagt er. "Sie sprach viel darüber, wie sich die Farben nach ihrem Unfall veränderten. Das haben wir in unserem Film eingesetzt. Sie sprach darüber in späteren Interviews und schrieb in einem Brief an Alejandro Gomez Arias, ihren damaligen Freund, dass nach dem Unfall alles weiß wurde. Plötzlich verlor das Leben sein Geheimnis, wurde weiß wie Eis und sehr transparent. Sie sagte, sie könne alles sehen. Das Mysterium war verschwunden."

In den entsprechenden Filmpassagen intensivierte Prieto das Strahlen der weißen Farben im Hospital und in den folgenden Szenen. Taymor setzte Schatten ein, die, wie Prieto sagt, "das Geheimnis des Inneren reproduzieren, in dem es dunkle Ebenen gibt, von denen du nicht wirklich weißt, was dort ist, so dass man dort sieht, was man sehen will."

"Die beiden Fridas" - Intensive Vorbereitung "Salma und ich besuchten einige von Fridas Schülern, die noch am Leben sind, und sie zeigten uns Dinge, die Frida gehört hatten", erinnert sich Mia Maestro, die Darstellerin von Fridas Schwester Cristina. "Sie hatten Kleider von ihr und drängten Salma, eines anzuziehen. Wir wollten es nicht glauben: Es passte perfekt."

"Ich kam mir ein bisschen vor wie Aschenputtel und dachte: 'Das ist wirklich meins'", ergänzt Hayek. "Es saß und fühlte sich gut an."

Salma Hayek in Frida Kahlo zu verwandeln - eines der bekanntesten Gesichter der Welt - bedurfte geballter Anstrengungen. Die Schauspielerin und die Künstlerin haben die gleiche zierliche Gestalt, große dunkle Augen und langes schwarzes Haar, aber mit Hilfe von Kostümen und Make-up wurden ihre optischen Ähnlichkeiten noch hervorgehoben.

Um Fridas Zöpfe und ungewöhnlichen Haar-Kreationen zu rekonstruieren, kombinierte die Stylistin Beatrice DeAlba Hayeks eigenes Haar mit geflochtenen Zusatzteilen. Um ihre unverwechselbaren Augenbrauen hinzubekommen, fügte die Make-up-Künstlerin Judy Chin feine Härchen zu Hayeks natürlich dichtem Bogen dazu. Kostümbildnerin Julie Weiss durchsuchte Warenhäuser, mexikanische Märkte und Geschichtsbücher, um Kleider und Schmuck zu kreieren, wie sie die Künstlerin getragen hatte.

"Ihre Entwürfe waren wild und wunderbar, mit einer bemerkenswerten Hinwendung zu kleinsten Details", merkt Taymor an. "Sie hat Großartiges geleistet, suchte überall nach Antiquitäten und wirklich tollen Kleidern der Epoche."

Für Weiss war die Umgebung der Dreh- und Angelpunkt ihrer Arbeit: "Ich glaube, hier in Mexiko wollen die Menschen, dass die Geschichte von Frida und Diego in einer Art erzählt wird, die zeigt, wie stolz sie als Individuen und als Teil der mexikanischen Gesellschaft waren. Ich als Besucher hier bin sehr auf diesen Geist angewiesen, mußs mich von ihm führen lassen, und zum Glück ließen die Menschen mich teilhaben, öffneten ihre Herzen und halfen mir beim Wiedererschaffen dieser Kostümierung ohne Grenzen."

Weiss bediente sich vieler Geschichten und Beschreibungen von Leuten, die Frida gekannt hatten. "Ich arbeitete mit einem Schneider, der Frida als kleiner Junge in der Kirche getroffen hat", erzählt Weiss. "Dieser kleine Kerl kam zu mir und sagte: 'Ich habe sie gekannt, ich kann dir helfen.' Jemand anderes brachte mireinen antiken Schal, in Seidenpapier eingewickelt, mit den Worten: 'Es ist eine Ehre, hieran teilzuhaben.' Mit diesen Dingen spielt die Kamera, sie erwecken die Geschichte zum Leben."

"Früchte der Erde" - Eine wilde Zeit - Epoche und Weggefährten "Es ist eine gigantische, leidenschaftliche Liebesgeschichte - nicht nur Fridas Geschichte -, die ein großes Bild Mexikos zu einer aufregenden, nahezu unbekannten Zeit in der Geschichte des Landes entwirft", umreißt Taymor das Projekt. "Es war eine vitale, brisante Epoche mit großem intellektuellem und politischem Engagement, voller Witz und Marotten. Wir mußsten die Schlüsselereignisse und -aspekte jeden Charakters herausgreifen und überprüfen, ob sie im Kontext der Zeit Bestand hatten."

Die zahlreichen Persönlichkeiten in Fridas Leben waren so bunt und vibrierend wie ihre Gemälde. Diego Rivera, Leo Trotzki und Tina Modotti waren allesamt "Larger than life"-Charaktere, leidenschaftlich ihrer Sache hingegeben, der politischen und künstlerischen Revolution. Diese außergewöhnlichen Individuen mußsten von einer internationalen, multikulturellen Schauspieler-Crew verkörpert werden.

"Sie waren so mutig und unglaublich damals", meint Taymor. "Wenn die Menschen sich heute für offensiv halten, dann ist das nichts, verglichen mit diesem Kreis von Künstlern und politischen Figuren. Das waren echte Individualisten, die versuchten, ihre Überzeugungen zu leben."

"Es war eine Gruppe von äußerst kreativen, inspirierten Leuten, die sich auch sehr um die Menschenrechte sorgten", sagt Judd. "Ich war fasziniert von der Zeit und den Menschen in diesem Kreis von Aktivisten, Intellektuellen und Künstlern."

Rush fügt hinzu: "Für mich ist beeindruckend, zu sehen, dass in dieser mexikanischen Umgebung sowohl Breton, der Franzose, die Mexikaner Frida und Diego und auch Trotzki, der Russe, sich auf Grundlage der englischen Sprache verständigen konnten. Ich mag es, wie die Menschen um ihren Ausdruck kämpfen mußsten - auf allen Seiten, keiner konnte seine Muttersprache benutzen! Das ergibt einen faszinierenden Querschnitt von Gedanken und Künstlern, die mit dem Bedürfnis zusammenkamen, sich auszutauschen und zu teilen."

Die Schauspieler waren dankbar für den Respekt und das Verständnis, die Taymor ihren Rollen entgegenbrachte. "Es ist großartig, eine Regisseurin zu haben mit einer so genauen Vorstellung, was sie drehen will, und die darauf bestens vorbereitet ist", lobt Molina. "Taymor schuf eine Atmosphäre der Sicherheit, des Wohlbehagens, weil du genau weißt, wohin sie will."

Sattron Burrows, die eine Love-Affair von Frida und Diego spielt, stimmt zu: "Sie ist unglaublich präzise, weiß, was sie will, und hat einen ausgeprägt guten Geschmack. Sie hatte immer den Überblick, von der Art Direction übers Make-up bis zu den Requisiten, und führte alles zu einem stimmigen Ganzen zusammen."

"Der Schauspieler, der eine real existierende Person verkörpert, trägt eine besondere Verantwortung der Wahrheit dieser Figur gegenüber, ob man diese Wahrheit mag oder nicht", erklärt Molina. Er nahm über zehn Kilo zu und wurde obendrein noch ausgepolstert, um Diegos riesigen Umfang auszufüllen. Die größte Herausforderung für Molina war vielleicht, einen Ausgleich zu finden zwischen den positiven und negativen Seiten von Diegos Persönlichkeit. "Diego war ein sehr schwieriger Mensch. Er war untreu, kapriziös und äußerst egoistisch, mit einem enormen Ego. Aber er war auch ein großer Künstler und Geschichtenerzähler, ein Mann, der seinen politischen Idealen verpflichtet war und seine Frau zutiefst liebte. Du hast die guten und die schlechten Seiten zu zeigen und nicht zu urteilen."

Für Hayek füllte Molina die Rolle optimal aus, denn "er ist ein hervorragender Schauspieler und ein großer Mann, in vieler Hinsicht", sagt sie. "Ich meine nicht nur seine physische Größe, sondern auch seine spirituelle. Er ist großzügig und freundlich, und es ist einfach wunderbar, ihn um sich zu haben."

Eine zusätzliche Herausforderung bestand für Molina darin, den Pinselstrich des Meisters zu imitieren. "Ich sagte zu einem der Künstler, die an den Wandgemälden arbeiteten: 'Ich kann nicht zeichnen, nicht malen, also finde ich besser einen Weg, das möglichst realistisch vorzutäuschen.' Er antwortete: 'Ja, das stimmt. Darum geht es doch beim Filmemachen, um die Perfektionierung der Lüge', erzählt Molina. "Ich fand das brillant. Das sind wir: die Meister der Lüge."

Valeria Golino, die Lupe Marin spielt, beschreibt ihren Charakter als "exzentrisch, stark, laut, extrem und eifersüchtig auf Diego. Sie hatte zwei Kinder mit ihm und blieb ihm und Frida ein Leben lang eng verbunden. In Mexiko meinten einige, sie sei verrückt gewesen. Aber sie ist eine großartige Figur. Ich habe jede Menge Geschichten über sie gehört, die keine Verwendung in dem Film fanden, mir aber halfen, zu verstehen, was für ein Mensch sie war." "Mich interessierte vor allem, welchen Einfluss Trotzki auf den emotionalen Faden der Geschichte hatte", sagt Rush über seine Rolle. "Es scheint, dass ich zu einem ganz schwierigen Zeitpunkt in Fridas Leben und Ehe auftauche und ihr einen Schuss Inspiration verleihe. Auch wenn Trotzki eine wichtige politische Figur war, sehe ich ihn mehr als Künstler, der für seine eigenen Zwecke fast zu idealistisch war."

"Geoffrey ist ein fantastischer Schauspieler, der alles spielen und sich in jeden hineinversetzen kann", konstatiert Hayek. "Trotzki mußste jemand sein, der die Ernsthaftigkeit und Intelligenz einer politischen Ikone mit der Menschlichkeit eines gebrochenen Mannes in der schlimmsten Zeit seines Lebens verbindet."

Golino war fasziniert von Rushs Fähigkeit, "seine Persönlichkeit etwas zu verändern durch den Klang seiner Stimme, die Art sich zu bewegen und zu schauen. Er war ein völlig anderer - und zugleich völlig er selbst, wie es die wirklich großen Schauspieler vermögen. Er imitiert nicht, sondern er ist es wirklich."

"Seine Gegenwart war ein riesiger Auftrieb für uns", beschreibt Molina Rushs Ankunft etwa zur Mitte der Dreharbeiten. "Er nahm seine Arbeit ernst, aber sich selbst überhaupt nicht. Das war entwaffnend und hat jeden zu höchster Qualität angetrieben. Es machte ungeheuren Spaß mit ihm."

"Was ich am meisten an Tina Modotti schätze, ist, dass sie aus einigen Ländern verbannt war wegen aufständlerischer Umtriebe und dass sie in Mexiko willkommen war, weil sie nie ein Blatt vor den Mund nahm", schildert Judd ihre Figur. "Sie war so etwas wie eine Weltbürgerin ohne Heimat, den Rechten der Menschen und der Arbeiter verpflichtet, und wurde Fotografin, um zu dokumentieren, was sie sah."

Judd sah in ihrer Mitarbeit an FRIDA nicht nur die Gelegenheit, einen imponierenden Charakter zu spielen, sondern auch, Hayek bei der Realisierung ihres Traums zu helfen.

"Sie denkt, ich hätte ihr einen großen Gefallen getan, weil ich mit meinen Terminplänen jonglieren mußste", sagt Judd. "Aber die Wahrheit ist, dass es ein Privileg ist, dabei zu sein, wenn eine Freundin, die du bewunderst, ein solches Projekt stemmt. Ich werde wohl keinen eigenen Film in Angriff nehmen, wenn ich nicht so davon überzeugt bin wie Salma. Sie bringt so viel Vitalität und Liebe ein. Wir sollten alle mit dieser Leidenschaft und diesem Eifer arbeiten."

Neben Judd spielten in weiteren Rollen Edward Norton als Nelson Rockefeller und Antonio Banderas als der berühmte Maler David Siqueiros. Beide sind alte Freunde von Hayek und Verehrer von Frida und Diego.

In der Rolle von Fridas erstem Freund Alejandrao Gomez Arias ist Diego Luna zu sehen. Luna, der sich mit "Y Tu Mama Tambien" in die Herzen eines Millionenpublikums spielte, ergriff die Chance, mit Hayek zu arbeiten. "Frida und Salma sind beide in Mexiko Berühmtheiten", sagt Luna, der ebenfalls in seiner Heimat ein Star ist. "Es ist eine Ehre, mitzuarbeiten, und ich denke, die Geschichte ist wichtig, und es ist an der Zeit, sie zu erzählen."

Roger Rees, der Fridas geliebten Vater Guillermo spielt, sieht die Immigrantenwurzeln seiner Figur als Ursache für deren lebenslange Isolation. "Guillermo war ein deutscher Jude, der mit 19 nach Mexiko kam", erzählt Rees. "Er kannte niemanden und wurde Fotograf, der für die Regierung die architektonischen Stätten dokumentierte. Das war ein großer Erfolg. Darüber hinaus galt er als ruhiger, einsamer Mann mit einer strengen Frau. Er verehrte Frida, und die beiden waren sich sehr nahe. Aber es war oft sie, die auf ihn zuging, nicht umgekehrt."

Für Patricia Reyes Spindola, die Darstellerin von Fridas Mutter Matilda Kahlo, ist dies bereits die zweite Rolle als Hayeks Mutter. Zuvor hatte sie neben Hayek in einer mexikanischen Soap-Opera gespielt. "Matilda war eine sehr harte Frau", sagt sie. "Frida sagte über ihre Mutter, sie sei grausam und kalt, was sie vielleicht war. Sie zeigte nicht viel Gefühl, aber ich glaube, sie fühlte sich Frida verbunden. Sie zeigte das auf andere Art, wie durch ihre Fürsorge während Fridas Krankheit, als sie praktisch alles verkauften, um die endlosen Operationen und Arztrechnungen bezahlen zu können."

Für Hayek ist die Verfilmung des Stoffes "ein unglaublicher Schritt in meinem Leben, weil ich so lange und so hart dafür gearbeitet habe. Es war schwierig, alles in Gang zu setzen", räumt sie ein. "Es ist ein sehr befriedigendes Gefühl neben der Ehre und der Freude, einen so fantastischen Charakter spielen zu dürfen. Das ist der Traum jeder Schauspielerin."

Taymor beschreibt ihren Star als "intelligent und leidenschaftlich. Sie arbeitete mehr als acht Jahre daran, dieses Projekt anzuschieben. Schon im Alter von zwölf Jahren wusste sie von Frida Kahlo - Hayek ist prädestiniert für diese Rolle. Ihr Part umspannt den Zeitraum vom 16?jährigen Mädchen zur sehr kranken 47-Jährigen. Und bei all dem IST sie Frida - ich denke, das ist eine ungewöhnliche Leistung."

Und sie fügt hinzu: "Ich hatte eine sehr gute Zeit mit dem ganzen Team, alle waren mit echter Begeisterung bei der Arbeit. Alle wollten Teil des Films sein, Teil von Salmas Traum. Und Salma, die in jeder außer zwei Szenen dabei war, arbeitete unglaublich hart und hingebungsvoll. Sie bediente sich aus dieser weiten Bandbreite von Emotionen und Schmerzen, unermüdlich und furchtlos.

Die Tatsache, dass Fridas Geschichte auf die Leinwand kommt, ist ein Zeugnis von Salmas Vision, Zähigkeit und ihrem Glauben, dass sie es schaffen würde. Ich bin stolz, dass ich bei ihrer Reise dabei sein durfte."

"Die Liebesumarmung des Universums, die Erde (Mexiko), Diego, ich und Señor Xolotl" - Über die Produktion FRIDA wurde ausschließlich in Mexiko gedreht, von April bis Juni 2001. Taymor setzte viele der historischen Stätten ein, die in der Geschichte eine Rolle spielen. Die reiche, vielseitige Architektur des Landes ermöglichte auch, Drehorte für die Szenen in Paris und New York in den 30er und 40er Jahren zu finden.

Für Taymor war das Drehen an Originalschauplätzen das zentrale Argument für die Authentizität des Films. "Das fühlst du im Detail", merkt sie an. "Du kannst die Gebäude, die Landschaft, diese Dinge, die man nicht duplizieren kann, in den Gesichtern ablesen. Der Dreh in Mexiko war eine ungewöhnliche Erfahrung. Die Regierung hat uns sehr unterstützt. Die mexikanische Crew um Rodrigo, Felipe, Bernardo und Julie Weiss war mit solchem Enthusiasmus bei der Sache, dass sie ihre Aufgaben oft übererfüllten. Sie gaben sich nie mit den einfachsten Lösungen zufrieden, nie war ein ?Das geht nicht' zu hören. Dieser überwältigende Einsatz ist auf der Leinwand zu sehen."

Taymor, die fünf Jahre in Indonesien gelebt und dort ihre eigene Firma gegründet hat und in Frankreich Pantomime studierte, ist eine begeisterte Reisende, die den neuen kulturellen Input begierig aufnahm. "Locationsuche, Casting und Arbeit am Drehbuch vor Ort in Mexiko, dabei hat sich alles zusammengefügt", erzählt sie. "Der Zugang zu den wirklichen Orten, das Umgebensein mit den Geräuschen, der Musik, dem Essen, dem ganzen kulturellen Feeling Mexikos hat das Ganze zum Leben erweckt."

Die Produktionsbüros und Studios für FRIDA befanden sich in den Estudios Churubusco Azteca in Mexiko-Stadt, der größten Metropole der Welt mit 25 Millionen Einwohnern. In den 1945 errichteten Studios wurden zahlreiche Filme gedreht, darunter einige englischsprachige Western. In Mexiko-Stadt selbst fanden sich einige historische Drehplätze, darunter die National Preparatory School, das Majestic-Hotel und das Erziehungsministerium mit ca. 60 Fresken von Diego Rivera.

Um Coyoacan in den 20er Jahren wieder auferstehen zu lassen, reiste das Filmteam nach Puebla, ca. 50 Kilometer östlich von Mexiko-Stadt. Dort wurde die erste Woche gedreht. Eingebettet in die Ausläufer der Sierra Madre birgt diese 400 Jahre alte Stadt in ihrem Zentrum atemberaubende Architektur der Kolonialzeit sowie aus Renaissance und Neoklassizismus. Da das Original-Frida-Kahlo-Haus heute ein gut besuchtes Museum ist, wurde ein Nachbau davon im Studio 4 in Churubusco errichtet.

Zu den anderen Locations in Pueblo zählen die Protcol- und Prosno-Gebäude für die New Yorker und Pariser Innenaufnahmen, der städtische Friedhof für die "Día de los Muertos"-Szene sowie das Restaurant La Guadalupana für die "Pulqueria"-Sequenz.

Hayek erwirkte eine spezielle Drehgenehmigung für die Ruinen und die alte verlassene Stadt von Teotihuacan, ca. 17 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt, die von den Azteken erbaut wurde. Teotihuacan, was so viel bedeutet wie "Platz, wo die Götter geboren werden", beherbergt zahlreiche Pyramiden in einer Reihe, bekannt als die Avenue of the Dead. Zunächst wollte die Regierung dort keine Dreherlaubnis erteilen, aber Hayek drang bis zu Mexikos Präsident Vicente Fox vor und überzeugte ihn von der Notwendigkeit, in Teotihuacan "on location" zu filmen - Fox ließ sich von der leidenschaftlichen Hayek überzeugen und verschaffte dem Team Zugang zu den Pyramiden.

Auch für die Innen- und Außenaufnahmen von Diegos Studio in San Angel, einem Vorort von Mexiko-Stadt nahe Coyoacan, erwirkten Taymor und Hayek Sondergenehmigungen. Das 1933 erbaute Haus gilt als architektonischer Schatz.

"Seit 17 Jahren besuche ich das Diego-Rivera-Museum, und es gibt dort Bereiche, die für die Öffentlichkeit gesperrt sind", erzählt Hayek. "Durch FRIDA konnte ich endlich auch in diese Bereiche vordringen. Ich bekam Gänsehaut, als ich zum ersten Mal dort hineinging, als Frida verkleidet, und da waren Diego und ihr Hund, eine haarlose Züchtung, genannt Xolotzcuincle. Der Hund in unserem Film stammt von einem von Fridas Tieren ab. Es war einfach umwerfend, die Dinge dort zu rekreieren, wo sie sich tatsächlich zugetragen hatten."

Um die Authentizität des Projekts noch zu fördern, bot der mexikanische Regisseur und Journalist Diego Lopez Rivera, ein Enkel von Lupe Marin und Diego Rivera, seine Mitarbeit als historischer Berater an. Er brachte Familiengeschichten und -fotos ein und stellte seine Mutter, seinen Bruder und seine Kinder, Nichten und Neffen den Schauspielern vor. Die Riveras waren überrascht von der Ähnlichkeit der Darsteller mit den Menschen, die sie darstellen.

"Diesen Film entstehen zu sehen, mit Salma und einer so hochkarätigen Besetzung, ist sehr aufregend", sagt Lopez Rivera. "Ich weiß, wie persönlich und wichtig dieses Projekt speziell für Salma ist. Über das Mexiko dieser Zeit weiß man fast nichts."

Auch der Enkel von Leo Trotzki, Esteban Volkov, besuchte den Set und fand, dass Rush und Sanz ihren Real-Life-Entsprechungen sehr ähneln. Volkov konnte sich an Frida erinnern und beschrieb sie als "starke Persönlichkeit. Sie war eine sehr interessante und komplexe Person, die ein schweres Leben hatte. Aber sie war auch extrem lustig. Mit ihr war es immer schön."

Archivfotos von Diegos und Fridas zweitem Honeymoon sind überliefert. Sie zeigen die beiden in Xochimilco, Mexikos fließenden Gärten, die aus aztekischer Zeit stammen. Taymor ließ die farbenprächtigen Trajineras - mexikanische Gondeln - für die romantische Szene, wenn Hayek und Molina durch den exotischen Garten gleiten, nachbauen. Sie hatten gerade die Dreharbeiten für diesen Tag abgeschlossen und Taymor hatte "Cut" gerufen, als ein Gewitter mit golfballgroßen Hagelkörnern und Sturmböen niederging. Zum Glück kamen alle sicher an Land, aber das unerwartete Unwetter hielt das Team in Lieferwagen, Trailern und Zelten fest.

"Das war unsere unmittelbarste Erfahrung mit dem Wetter", sagt Taymor. "Sonst ging bei den vielen Außenaufnahmen, die wir hatten, alles gut. Die Wettergötter waren uns wohlgesinnt."

Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: Buena Vista © 1994 - 2010 Dirk Jasper