Adaption

Produktionsnotizen

Die Adaption beginnt "Adaption ist ein profunder Vorgang. Er bedeutet herauszufinden, wie man in dieser Welt überlebt." John Laroche, "The Orchid Thief"

Als Charlie Kaufmans Drehbuch zu Being John Malkovich 1999 gerade von Regisseur Spike Jonze verfilmt wurde, erhielt der Drehbuchautor vom Oscar®-prämierten Regisseur und Produzenten Jonathan Demme und dessen Produktionspartner Edward Saxon den Auftrag, den Bestseller "The Orchid Thief" der New Yorker Autorin Susan Orlean zu adaptieren. Das weithin gelobte Buch erzählt die Geschichte einer Journalistin, die die Wurzeln ihrer eigenen Leidenschaft entdeckt, während sie die Abenteuer von John Laroche verfolgt, einem Mann, der von seiner Liebe für seltene Orchideen besessen ist. Ausschweifend und introspektiv sind zwei Adjektive, die das Buch bestens beschreiben und die Probleme Kaufmans bei seiner Adaption erklären. Die Verweigerung einer konventionellen narrativen Struktur frustrierte Kaufman zunächst zutiefst. Gleichzeitig war er fasziniert von der außergewöhnlichen Natur des Materials. Er sagt: "Ich erinnere mich, dass ich tatsächlich so verwegen war zu glauben, dass ich all das mühelos zu einem Film verarbeiten könnte."

Schnell schon stellte er allerdings fest, dass es schier unmöglich war, "The Orchid Thief" in ein narratives Drehbuch zu verwandeln. Seine ursprüngliche Selbstsicherheit wandelte sich bald in eine Depression. "Wenn ich versucht hätte, das Buch auf eigene Faust zu adaptieren, hätte ich mich an einem gewissen Punkt sicherlich von dem Stoff abgewandt", erinnert er sich. "In diesem Fall war ich allerdings von anderen beauftragt worden. Sie hatten Erwartungen in mich gesteckt. Also mußste ich den Vorgang adaptieren, wie man sich an einer Adaption versucht."

Im Verlauf dieses quälenden Prozesses blieb Kaufman standhaft in seinem Vorhaben, einen Weg zu finden, sich mit dem Thema Leidenschaft auseinander zu setzen. "Ich wollte über Leidenschaft schreiben, denn das ist es auch, worüber Susan Orlean in ihrem Buch schreibt", erklärt er. "Ich hatte es mir in den Kopf gesetzt, jene Leere einzufangen, die Menschen erleben, wenn sie keine Leidenschaft empfinden können - und das daraus resultierende richtungslose Verlangen."

Da Leidenschaft - wie sich Kaufman dachte - per definitionem voraussetzt, "dass man eine unsichtbare Grenze überschreitet, dass man sich von dem entfernt, was einem Sicherheit verleiht, und Risiken eingeht", entstand die Idee, die beim Verfassen eines Drehbuchs aufkommenden Emotionen in die Geschichte mit einzuarbeiten. "Daraus entwickelte sich eine Art Metapher für eine Reihe von Ideen, die sich gegenseitig befruchten und sich am Ende auf wundersame Weise zusammenführen lassen", sagt Kaufman.

Kaufmans radikaler Ansatz bei der Adaption von "The Orchid Thief" wurde von Spike Jonze begeistert aufgenommen. "Je interessanter ich seine Ideen fand", meint Jonze, "desto unsicherer wurde Charlie, ob er denn wirklich das machen würde, wofür er von den Produzenten bezahlt wurde. Ich versuchte ihn zu unterstützen. Anders als Charlie hatte ich aber auch nichts zu verlieren. Ich fand einfach nur die Idee witzig."

Gleichzeitig wartete Produzent Ed Saxon geduldig auf die erste Fassung von Kaufmans Drehbuch. Es sollte sechs Monate dauern, bis er das Ergebnis endlich in den Händen halten konnte. Bis dahin hatte das Drehbuch den Titel gewechselt. Das Ergebnis hieß jetzt ADAPTION. "Ich war sofort misstrauisch", gesteht Saxon. "Das war nicht der Titel des Buches, das wir optioniert hatten. Und dann stand da: ,Geschrieben von Charlie und Donald Kaufman.' Ich dachte mir: Wer ist Donald Kaufman? Ich hatte keine Ahnung, dass Charlie mit einem Partner schreiben würde. Dann begann ich mit der Lektüre. Der Groschen fiel sofort. Ich war verblüfft und begeistert, wie kompliziert das Buch gestrickt war."

Das Drehbuch funktionierte als bloße Unterhaltung, aber es hatte auch auf anderen Ebenen einiges zu bieten, wie Saxon erklärt: "ADAPTION dreht sich um Kunst, die den Rezipienten herausfordert und beschäftigt, und Filme, die ihr Publikum herausfordern und beschäftigen. Es geht darum, wie sich die Menschen in der gegenwärtigen Kultur voneinander entfremden, wie schwer es ist, Liebe in seinem Leben zu entdecken und eine Verbindung zu anderen Menschen herzustellen, ehrlich und offen zu sein. Es ist ein Film, der sich damit beschäftigt, sich die grundsätzlichen menschlichen Fehlbarkeiten zuzugestehen und zu ihnen zu stehen, sich gleichzeitig aber auch all den Unwägbarkeiten zu stellen, die das Leben für einen bereithält."

"Mit ADAPTION habe ich versucht, mich durch einige Ideen zu arbeiten. Was dabei herauskam, ist allerdings eher eine Diskussion als ein abgeschlossener Diskurs." Drehbuchautor Charlie Kaufman

Als Susan Orlean von ihrem Agenten erfuhr, dass Hollywood Interesse an einer Verfilmung von "The Orchid Thief" zeigte, war sie gleichzeitig überrascht und ungeheuer neugierig. Obwohl ihr Buch von der Kritik gefeiert und von den Lesern geliebt wurde, ist es, wie sie gesteht, "vielschichtig wie eine Zwiebel". Eine Verfilmung erschien ihr voll und ganz unmöglich. "Ich würde das Buch als seelenvolle Meditation über Leidenschaft, Verlangen nach Liebe, Subkulturen und Zugehörigkeit beschreiben. Das sind nicht gerade alltägliche Themen in Hollywood-Filmen", meint sie.

Der Drehbuchautor, der damit beauftragt worden war, ihr Buch für die Leinwand zu adaptieren, war Charlie Kaufman, dessen Durchbruch, Being John Malkovich (1999), gerade produziert wurde. Als Orlean den Titel und die Handlung von Malkovich erfuhr (es geht um einen Puppenspieler, der einen geheimen Eingang zu dem Kopf des Schauspielers John Malkovich findet), war ihre unmittelbare Reaktion deutlich: "Was für ein Irrer ist dieser Typ?" Nachdem sie den fertig gestellten Film gesehen hatte, war sie noch ratloser. Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, welchen Ansatz Kaufman für einen relativ geradlinigen Stoff wie "The Orchid Thief" wählen würde.

Als sie das Drehbuch schließlich las, war sie sprachlos. Kaufman hatte sich ihre kreative Reise vorgenommen und mit der seinen verbunden. Die Grenze zwischen Fakt und Fiktion wurde dabei fast komplett aufgehoben. "Ich fand das Drehbuch völlig merkwürdig und doch wunderbar. Als ich die Passagen über die Figur der Susan Orlean las, war ich völlig überzeugt, dass Kaufman tatsächlich nach New York gekommen und mir gefolgt war, um mich zu studieren", sagt die Schriftstellerin. "Im Großen und Ganzen ist die Filmfigur ganz anders als ich. Aber die grundsätzliche Zeichnung von mir als Autorin enthielt gewisse Details, die erschreckend zutreffend waren. Ich habe nie herausgefunden, wie ihm das gelungen ist. Am wichtigsten ist jedoch, dass meinem Buch nichts Besseres hätte widerfahren können. Es spielt allerdings eher eine Figur in dem Film, als dass es die Basis ist."

"ADAPTION war eine Gelegenheit für mich, etwas wirklich Neues zu machen, mich richtiggehend zu verwandeln. Ich spiele den Autor des Films, in dem ich mitspiele, und seinen Zwillingsbruder. Das ist kubistisch und sehr aufregend." Hauptdarsteller Nicolas Cage

Das Konzept, dass ein Drehbuchautor sich selbst - oder zumindest die schlimmsten Ängste eines Autoren vor sich selbst - in den Mittelpunkt eines Drehbuchs stellt, entpuppte sich als einmalige kreative Gelegenheit für Oscar®-Gewinner Nicolas Cage. dass von ihm verlangt wurde, nicht nur Charlie Kaufman, sondern auch seinen eineiigen Zwillingsbruder Donald zu spielen, verdoppelte sein Vergnügen. "Obwohl sie Zwillinge sind, repräsentieren Donald und Charlie totale Gegensätze", erklärt Cage. "Charlie hasst sich selbst. Er ist missmutig, überkritisch und freudlos. Donald kommt dagegen ziemlich gut mit sich klar. Er ist amüsant, umgänglich und optimistisch. Das Interessante ist, dass Charlie der eigentliche Künstler ist, während Donald zwar nichts dagegen hätte, ein Künstler zu sein, aber auch stets kommerzielle Bestrebungen hat."

Cage experimentierte mit verschiedenen Techniken, bevor er sich darauf festlegte, wie er die beiden Rollen anlegen würde. "Ich habe mich den beiden Figuren mittels der britischen Schule des Schauspielens genähert. Ich erschuf die Figuren zunächst äußerlich und arbeitete mich dann ins Innere vor, während man beim Method-Acting beispielsweise den umgekehrten Weg, von innen nach außen, geht", erläutert er.

Das Resultat ist die nahtlose Interaktion zwischen den beiden Figuren. "Nic bewegte sich mühelos hin und wieder zurück zwischen den lähmenden Ängsten und Neurosen von Charlie und der entspannten Verspieltheit Donalds", sagt Regisseur Spike Jonze. "Das war wie eine schizophrene Form von Alchemie."

Während der Vorbereitung auf die Rolle seines fiktiven Leinwand-Doppelgängers verbrachte Nicolas Cage einige Zeit mit dem echten Charlie Kaufman. "Das war eine etwas surreale Erfahrung. Ich beobachtete ihn und gleichzeitig beobachtete er mich, weil er herausfinden wollte, wie ich ihn spielen würde", erinnert sich Cage. "Manchmal ertappte ich ihn dabei, wie er mir etwas vorspielen wollte. So gingen wir mittagessen, und er blätterte auffällig in der Speisekarte herum, um zu sehen, ob ich diesen Manierismus aufgreifen und im Film kopieren würde. Als er später am Filmset vorbeikam, war das verrückt. Er saß hinter der Kamera, um mir dabei zuzusehen, wie ich eine Szene spiele, die er selbst über sich geschrieben hat - nur dass es sich nicht um den echten Charlie Kaufman, sondern eine Projektion von ihm handelt. Wie schon gesagt: Ziemlich kubistisch, das Ganze."

Als er sich eindringlicher mit der Psyche Kaufmans zu beschäftigen begann, erkannte Cage, dass sich hinter dem düsteren Selbstbild ein fast kindliches Bedürfnis nach absoluter Reinheit verbarg: "Ich entdeckte, dass Charlie jemand ist, der sich der Ehrlichkeit und vollkommenen Nacktheit in seiner Kunst verschrieben hat. Er will sich selbst und damit auch allen anderen die Masken herunterreißen."

"Ich vermute, dass ich über eine tief verborgene Leidenschaft verfüge. Ich wollte wissen, wie es ist, sich leidenschaftlich mit etwas zu beschäftigen." Susan Orlean, Autorin von "The Orchid Thief"

Für die Rolle der Susan Orlean schwebte Spike Jonze von Anfang an Meryl Streep vor. Seine Überlegung war, dass eine Schauspielerin von ihrem Talent und Kaliber vonnöten war, um all die kleinen Subtilitäten des Skripts einzufangen. Darin geht es ja nicht nur um den kreativen Prozess, "The Orchid Thief" zu recherchieren und zu schreiben, sondern auch darum, wie Orleans Erforschung von John Laroches Leidenschaft für Orchideen ihre eigenen versteckten Leidenschaften zum Vorschein bringt. Je mehr sich Jonze auf Streep festlegte, desto sicherer wurde er, dass es sich "nur um einen bloßen Wunschtraum" handeln würde, wie er zugibt.

Aber Meryl Streep reagierte enthusiastisch auf das Drehbuch. "Es war schlicht und einfach eines der besten Drehbücher, das ich jemals gelesen habe", begeistert sich die Schauspielerin. "Es gibt kein Drehbuch, das man damit vergleichen kann. Also mußste ich Ja sagen."

Weil sie Kaufmans und Jonze' vorangegangene Filmarbeit gesehen hatte, war sie vorbereitet auf den unorthodoxen Ansatz, den die beiden zum Filmemachen mitbrachten. "Die Sensibilität von Being John Malkovich (1999) findet sich auch in ADAPTION wieder", meint sie. "Es ist offensichtlich, dass beide Stoffe ein und demselben Verstand entsprangen." Über Jonze sagt sie: "Er war einfallsreich, sicher, zuverlässig sensibel und sehr gut vorbereitet. Ich habe es wirklich genossen, diesen Film zu drehen - wenn man von den Szenen absieht, die ich bis zur Hüfte im Sumpf zubringen mußste."

Bei der Vorbereitung der Rolle beschränkte sich Meryl Streep auf die von Kaufman erfundene Figur, eine Kombination aus der wahren New Yorker Autorin und seiner eigenen Fantasie. "Susan Orlean traf ich zum ersten Mal erst bei der Vorführung des fertig gestellten Films", berichtet sie. "Ich bat sie um Vergebung und Verständnis für all die Freiheiten, die wir uns mit ihrem Namen und ihrem Ruf genommen hatten. Und sie antwortete: ,Oh, das ist okay. Ich wünschte, ich wäre diese Susan Orlean.' Ich bewundere ihr Werk und bin überzeugt davon, dass sich große Teile davon in dem Film wiederfinden, aber ich bin mir nicht sicher, ob man das Gleiche über die Figur, die ihren Namen trägt, sagen kann."

Für Orlean war der Umstand, dass Meryl Streep sie auf der Leinwand darstellen würde "absolut unvorstellbar". Und doch war es einer der Momente im Leben, den man als vorbestimmt bezeichnen könnte. Ohne dass sie einander jemals vorgestellt worden wären, traten Streep und Orlean vor fast 25 Jahren nämlich im gleichen Film auf. "Ich war nur ein Mal in meinem Leben Filmstatistin, und das war in The Deer Hunter (Die durch die Hölle gehen, 1978)", erzählt Orlean. "Also kann man es als Karma bezeichnen, dass ausgerechnet sie mich gespielt hat. dass eine derart großartige Schauspielerin eine Figur spielen will, die auf mir basiert, ist aufregend. Das gab mir großes Vertrauen, dass etwas Gutes dabei herauskommt. Zuzusehen, wohin sie die Figur der Susan führt, ist der beste Virtual-Reality-Ritt, den man sich vorstellen kann."

"Die Geschichte handelt von menschlichen Obsessionen und vielleicht der Tatsache, dass nicht jeder von uns voll und ganz erkennt, was er vom Leben will, weil wir uns selbst Restriktionen auferlegen." Chris Cooper (John Laroche)

Im Mittelpunkt von Susan Orleans Buch "The Orchid Thief" steht John Laroche, ein tatsächlicher Orchideenjäger, und dessen intensive, fast schon pathologische Obsession mit seltenen Spezies der Blume. Orlean beschreibt diesen außergewöhnlichen, beinahe mythischen Mann als "einen großen Typen, dürr wie ein Stock, mit blassen Augen und hängenden Schultern, ausgesprochen attraktiv - und das trotz des Umstandes, dass er keine Vorderzähne besitzt".

Der Schauspieler Chris Cooper war sofort fasziniert. "Normalerweise spiele ich in sich gekehrte Figuren. Dies war eine wertvolle Gelegenheit, denn mit John Laroche konnte ich richtig nach außen explodieren", sagt Cooper. "Er ist eine herausragende Figur und glaubt von sich selbst, einer der smartesten und unglaublichsten Leute zu sein, die man treffen kann. Das war sehr interessant, eine Herausforderung, denn diese Art von Selbstsicherheit finde ich in mir selbst nicht allzu leicht."

Cooper begab sich auf eine investigative Reise in die Sümpfe von Südflorida und tauchte kopfüber ein in Laroches erklärte Obsession. Er ließ es sich nicht nehmen, die "Blumenschule" zu besuchen, will heißen, dass er seine Wochenenden auf Blumenshows verbrachte, um ein bisschen von der Begeisterung für Blumen aufzuschnappen. Wie Nicolas Cage veränderte auch Cooper sein Aussehen. Mit einem Trainer arbeitete er hart daran, den unglaublich sehnigen Körperbau Laroches zu emulieren. "So leicht war ich seit meiner Highschoolzeit nicht mehr", lacht er.

Bei seinen Recherchen entdeckte er die Ursachen für Laroches Faszination für Orchideen - und stellte fest, dass sie durchaus mit den Motiven des Films vereinbar sind. "Ich war fasziniert von der Adaptionsfähigkeit der einzelnen Orchideenspezies. Es ist unglaublich, wozu Orchideen im Lauf der Jahre in der Lage sind. Sie können mutieren, um überleben zu können. Wenn man sich vorstellt, dass eine Blume die Form oder Farbe oder Streifen einer gewissen Bienenart annehmen kann, um diese Biene zur Bestäubung anzulocken - das ist verdammt unglaublich."

Über die Produktion Wie bei seiner Arbeit für Being John Malkovich (1999) entwarf Ausstatter KK Barrett Sets für ADAPTION, die reflektieren sollen, "was in den Köpfen der Figuren vorgeht, ihren emotionalen Zustand". Die Figur Charlie Kaufman lebt beispielsweise in einem übergroßen, kaum dekorierten Haus. "Die Umgebung beschreibt, wie sich Charlie fühlt, wie er die Dinge sieht", erklärt Barrett. "Er befindet sich die gesamte Zeit über in seinem literarischen Kopf und er schenkt der Einrichtung und ihrem Stil nur wenig Beachtung. Er ist kein übermäßig sozialer Mensch."

Obwohl sich die Story in Teilen in Florida abspielt, wurden fast alle Außenaufnahmen an der amerikanischen Westküste gedreht. Laroches Zuhause in Florida fand sich in Reseda im San Fernando Valley. "Florida ist wie Kalifornien eine relativ neue Welt", sagt Barrett. "Viele Gebäude wurden in den 50er und 60er Jahren errichtet, also ist die Architektur fast austauschbar. Das Haus, das wir fanden, sieht wirklich exakt so aus wie das Zuhause von Laroche. Wir mußsten nur einen Sonnenraum und ein Gewächshaus hinzufügen."

Bei der Dekoration des Inneren versuchte Barrett wieder, dem Gefühlszustand des Bewohners zu entsprechen. Laroches Haus ist voll gestopft mit Dingen, die Rückschlüsse auf seine fanatische Ader zulassen. Dazu gehören eine beeindruckende Schildkrötensammlung und pornografische Fotografien. "In seinem Haus lassen sich alle Phasen seiner Obsessionen ablesen."

Für Spike Jonze' Standards war der Dreh mit 53 Drehtagen ausgesprochen lang. "Die Geschichte ist so ausufernd und nonlinear, dass wir laufend die Locations wechseln mußsten und nur kleine Szenen drehen konnten", erklärt Jonze. "Wir haben selten mehr als ein paar Tage an ein und demselben Ort verbracht."

Am zeitintensivsten waren die Szenen zwischen Charlie Kaufman und seinem Bruder Donald, die ja beide von Nicolas Cage gespielt wurden. Sie umfassten den aufwendigen Einsatz von Greenscreens und anderen Kameratricks. Jonze arbeitete eng mit Kameramann Lance Acord zusammen, um diesen wichtigen Szenen die nötige visuelle Abwechslung und emotionale Tiefe zu verleihen. "Wir haben eigentlich alle gängigen Techniken eingesetzt, die man beim Dreh von Doubleszenen benutzen kann - geteilte Leinwände, Motion-Control, Greenscreen und so weiter. Für Nic und die Crew war diese Arbeit sehr aufreibend", sagt Jonze.

Und Cage fügt hinzu: "Ich spielte eine Szene als Charlie, in der Donald mit im Bild ist, der von einem Tennisball ersetzt wurde. Manchmal stellte sich auch Spike mit komplettem Make-up hin, um auszusehen wie ich, und ich spielte mit ihm. Ich verstehe nicht wirklich, wie das alles später gemacht wurde, aber es war sehr anstrengend. Ich möchte das nicht noch einmal durchmachen müssen", lacht er.

Produzent Edward Saxon beschreibt Jonze' Drehstil als Filmemachen, wie man es bei einer kleinen Independentproduktion machen würde, aber mit dem Feeling eines großen Films. "Spike kombiniert die religiöse Vorbereitung für einen Studiofilm mit der manischen, durchgedrehten Energie eines Independentfilms", erklärt Saxon. "Er macht von vielen Szenen Fotostoryboards und denkt jede einzelne Szene genau durch. Gleichzeitig ist er auf fast psychedelische Weise spontan und frei in seiner Herangehensweise. Diese Art von Energie bringt er jeden Tag mit an den Set. Das hilft den Schauspielern, sich frei und selbstbewusst zu fühlen. Und der Crew hilft es, ihre bestmögliche Arbeit abzuliefern und gleichzeitig Spaß dabei zu haben."

Jonze arbeitet seit mehr als einem Jahrzehnt regelmäßig mit der gleichen Crew. Er sagt: "Wir sind eine eng miteinander verbandelte Gruppe. Da gibt es keine strenge Aufteilung zwischen den einzelnen Abteilungen, wobei der Kameramann sein Ding durchzieht und die Kostümabteilung ihres. Jeder bringt ständig Ideen ein, auf eine ganz freie, homogene Weise. Das hebt die Arbeit auf eine völlig andere Ebene."

Orchideen-Delirium: Zeichen und Symptome "Die Wissenschaft kann in keinster Weise erklären, wie Menschen auf Orchideen reagieren. Orchideen scheinen Menschen in den Wahnsinn zu treiben. Wer sie liebt, der liebt sie leidenschaftlich ... Es sind die sinnlichsten Blumen der Welt." Susan Orlean, "The Orchid Thief"

"Orchideen-Delirium" ist der Name für ein weit verbreitetes Phänomen, das man auch "Blumen-Wahnsinn" oder "Blumenlust" nennt. Dieses Syndrom lässt sich bis ins Viktorianische Zeitalter zurückverfolgen. Wohlhabende Orchideenfanatiker in Europa, die besessen davon waren, immer noch ungewöhnlichere Orchideen zu finden, heuerten schwer bewaffnete Entdecker an, um sie in den exotischsten und unerforschtesten Landstrichen der Erde nach noch unbekannten Spezies der Blumenart suchen zu lassen. Auch heute noch treibt "Orchideen-Delirium" Männer und Frauen bei ihrer Suche nach den seltensten Formen der sinnlichen Blume regelrecht zu sexueller Raserei.

  • Der Handel mit Orchideen beläuft sich jährlich weltweit auf fast 10 Milliarden Euro.
  • Die Zahl der us-amerikanischen Orchideensammler wird auf 300.000 geschätzt.
  • Die American Orchid Society zählt 150.000 Mitglieder.
  • Über 6.000 Mitglieder gehören der Deutschen Orchideen-Gesellschaft (D.O.G.) an.
  • Es gibt mehr als 30.000 verschiedene Orchideensorten.
  • In Deutschland ist die Faltorchidee (Phalaenopsis) die meistverkaufte Topfpflanze.
Zu den frühen Symptomen von "Orchideen-Delirium" zählt der Wunsch, sich leidenschaftlich für etwas begeistern zu können, und ein Faible für die ungewöhnliche Schönheit, fremdartigen Formen und schrägen Farben der mehr als 30.000 verschiedenen Orchideenarten. Es beginnt mit der Entscheidung, einige Orchideen zu besitzen und ihre temperamentvolle Natur, ihre verblüffende Adaption an ihre Umgebung, ihre sublime Fragilität und ihre ungewöhnliche Sensibilität, die mehr als gewöhnliche Blumenpflege voraussetzt, kennen zu lernen. Dann kommt das Sammeln. An diesem Zeitpunkt wird das Syndrom einigermaßen ernst. Wer mit dem Sammeln beginnt, kann nur selten wieder damit aufhören. Obwohl diese Menschen nach wie vor ein scheinbar ganz normales Leben führen können, werden sie doch angetrieben von dem Bedürfnis, immer neue Orchideen zu besitzen. Es heißt, dass es ausreicht, die Orchideensammlung von Bekannten zu sehen, um das Fieber auszulösen.

Susan Orlean schreibt, dass die Obsession für Orchideen eine Sucht ist, die Alkohol und Drogen bei weitem übertrifft. In Eric Hansens Buch "Orchid Fever" sagt Orchideenzüchter Joe Kunisch: "Von Alkohol, Drogen, Frauen, Essen und Autos kommt man wieder los. Aber wenn man Orchideen verfällt, ist man fertig. Davon kommt man nicht mehr los. Nie mehr." Und Orlean schreibt: "Das Verlangen nach Orchideen ist ein Verlangen, das niemals völlig erfüllt wird, niemals erfüllt werden kann."

Eine kurze Geschichte der Adaption "ADAPTION ist eine höchst subjektive Autobiografie, wie Pirandellos ,Sechs Personen suchen einen Autor'." Robert McKee, Drehbuch-Guru

Bei mehr als 50 Prozent der gegenwärtig für die Leinwand oder das Fernsehen gedrehten Spielfilme handelt es sich um Adaptionen von bereits vorhandenem Material: Romane, Theaterstücke, Kurzgeschichten und Tatsachenjournalismus.

Zu Beginn der Filmgeschichte näherte sich diese Zahl 100 Prozent. Der erste, noch existierende amerikanische Spielfilm, ein Stummfilm von 1912, ist eine Adaption von Shakespeares "Richard III". 1915 adaptierte D. W. Griffith den kontroversen Roman "The Clansmen" und machte daraus den bahnbrechenden und nicht minder kontroversen Klassiker "The Birth of a Nation".

Heute werden zahllose Bücher verfilmt - und fast ebenso oft werden diese Filme dann wieder in Buchform veröffentlicht. ADAPTION transzendiert die klassische Adaption, indem ein Tatsachenroman über eine mythische Figur in ein fiktives Abenteuer umgeformt wird. Drehbuchautor Charlie Kaufman gibt den ewigen Kampf um die perfekte Adaption auf. Stattdessen adaptiert er die Welt, die seinem Drehbuch und seinen Passionen als Autor dienen soll.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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