Dem Himmel so fern

Produktionsnotizen

"Es mag schon etwas verblüffen, dass jemand heute, mitten in unserer Adrenalin getriebenen Zeit, ein 50er-Jahre Drama dreht und es ernsthaft und unironisch inszeniert. Denn die stärksten Melodramen haben keine Actionhelden und keine Bösewichte, in ihnen verletzen sich die Personen deshalb ungewollt gegenseitig, weil sie ihrem Verlangen folgen. Wenn man den Bildern einer scheinbar unschuldigen Zeit wie den Fünfzigern brisante Themen wie Rassismus und sexuelle Abweichungen hinzufügt, dann zeigt sich, wie brisant diese Themen heute geblieben sind, und wie viel wir in dem gegenwärtigen Klima unreflektierter Stabilität von dieser vergangenen Ära wiederfinden." (Todd Haynes)

Mit seinem Film interpretiert Autor und Regisseur Todd Haynes ein großes, fast vergessenes Hollywood Genre neu, das Melodrama. Dem Himmel so fern hat sich Filme des Regisseurs John M. Stahl (LEAVE HER TO HEAVEN, 1945, MAGNIFI-CENT OBSESSION, 1935, IMITATION OF LIFE, 1934) und ganz besonders die Werke von Douglas Sirk zum Vorbild genommen.

Wie viele der Meisterwerke des Genres, so spielt auch Dem Himmel so fern in einem Vorort, in dem die Wohlhabenden wohnen. Es ist eine Welt, in der sich das Bürgertum ohne Makel darstellen will. Dies findet in prächtigen Farben des Technicolor seinen angemessenen Ausdruck. Stil und Farbharmonie können jedoch die innere Leere und die Einsamkeit der Protagonisten nicht verbergen.

In ALL THAT HEAVEN ALLOWS (Was der Himmel erlaubt) spielt Jane Wyman eine Witwe, die sich in einen jungen Mann (Rock Hudson) verliebt, in THERE'S ALWAYS TOMOR-ROW (Es gibt immer ein Morgen) stellt Fred MacMurray einen Ehemann dar, der sich in seiner Familie nicht akzeptiert fühlt und der bei seiner ehemaligen Geliebten Trost sucht. In den Filmen des Genres flammen Liebe und andere Emotionen auf und werden bald von moralisierenden Freunden und Familienmitgliedern erstickt.

In Dem Himmel so fern wird Cathys beginnende Entwicklung von den geflüsterten Anspielungen und der wohligen Selbstzufriedenheit ihrer Umgebung im Keim erstickt.

"Ich habe mir die Tradition der mütterlichen Melodramen für meinen Film und seinen Stil zum Vorbild genommen", kommentiert Haynes. "Wir haben versucht, uns dem Look und der Kinosprache, die uns heute nicht mehr vertraut sind, anzunähern. Stil und Inhalt kann man in Dem Himmel so fern nicht von einander trennen. So ist es in den meisten Filmen, die ich schätze: Man kann sich bei ihnen nicht vorstellen, dass die Story auf andere Art erzählt werden könnte. Der Stil reflektiert die Gefühlslage der Geschichte. Stil hat aber auch einen distanzierenden Effekt. Diese Distanz war für mich jedoch kein Selbstzweck, ich wollte vielmehr ein Zusammenwirken von Emotionalität und stilistischer Konvention erreichen. In den besten Melodramen hat man das Gefühl, etwas Fernes zu beobachten, aber zur gleichen Zeit fühlt man sich doch unwillkürlich dort hineingezogen. Es geht in diesen Filmen um subtile soziale Interaktion, um sehr große und sehr kleine Dinge. Sie handeln von Liebe und Verzweiflung, von Enttäuschung und Verrat, also von Dingen, die wir alle kennen. Deshalb kann man sich nicht gegen den Sog wehren, die diese Filme ausüben. Genau das wollte ich auch mit Dem Himmel so fern erreichen."

Haynes wollte den ursprünglichen perfekten Hollywood-Look der 50er-Jahre wiedererschaffen. Dafür hat er ein Team aus brillanten Spezialisten zusammengestellt. Die Wichtigsten unter ihnen sind der Production Designer Mark Friedberg (THE ICE STORM, Der Eissturm), der Kamerakünstler Ed Lachman (ERIN BROCKOVICH) und die Kostümbildnerin Sandy Powell (die für ihre Arbeit an SHAKESPEARE IN LOVE schon einen Oscar gewonnen hatte), mit der Haynes auch schon an seinem Film VELVET GOLDMINE zusammengearbeitet hatte. Zusammen studierten die Kreativen in Haynes' Team die Filme der Zeit und ließen die makellose Perfektion ihrer Bildkompositionen, ihres Lichts, ihrer Sets und ihrer Kostüme zu neuem Leben erwachen.

Haynes weist darauf hin, dass "wir alle ein Gefühl von Überlegenheit gegenüber den Fünfzigern empfinden, weil die Erinnerung an diese Zeit auf eine Reihe von Klischees reduziert worden ist, die allesamt mit dem konservativen Amerika der Vororte zu tun haben. Erstaunlicherweise war Marilyn Monroe zu dieser Zeit auf der Höhe ihrer Berühmtheit, und Joan Baez hatte gerade ihr erstes Album veröffentlicht und galt sofort als Sensation. Diese beiden Beispiele zeigen, dass damals auch eine andere Weiblichkeit existierte als die, die wir meinen, wenn wir von den Fünfzigern sprechen. Widersprüche zu unserem gängigen Bild der Fünfziger gab es damals mehr als genug, und ich finde es sehr aufregend, einige dieser Erwartungen zu benutzen, um das Publikum damit zu verführen."

Das Thema des mütterlichen Opfers steht im Zentrum vieler der ganz großen Hollywood-Melodramen, von King Vidors STELLA DALLAS bis Douglas Sirks IMITATION OF LIFE (So lange es Menschen gibt). In Dem Himmel so fern können wir an Cathy (Julianne Moore) nachvollziehen, wie sehr Frauen dazu gezwungen waren, sich für ihre Familie zu verleugnen, während die Männer schließlich alles hinter sich lassen konnten und weiterzogen auf der Suche nach ihrem Glück.

"Es ist so traurig", sagt Haynes, "in dem Augenblick, in dem Cathy ihr Verlangen und ihre Hoffnung auf Befriedigung aufgibt, hat sie ihre eigene Stimme gefunden." "Es gibt heute immer noch sehr viele Menschen, die noch Schwierigkeiten haben, mit ihrer eigenen Sexualität umzugehen, obwohl unsere Welt die Möglichkeit dazu bietet", fügt Haynes hinzu. "Wir kämpfen auch heute noch mit Rassismus. Ethnische Herkunft und sexuelle Orientierung bieten immer noch in unserer Kultur tief verankerte Konfliktpotenziale."

Haynes: "Während die 50er-Jahre Melodramen in Stil und Look alles andere als realistisch sind, ist doch ihre emotionale Wahrheit erschreckend präzise. Sie sind hyperreal, deshalb nennen wir sie Melodramen."

"Douglas Sirks ALL THAT HEAVEN ALLOWS (1955) und Max Ophüls' THE RECKLESS MOMENT (Schweigegeld für Liebesbriefe) von 1949, dessen Geschichte kürzlich noch einmal verfilmt wurde (THE DEEP END, 2001, Trügerische Stille) waren Vorbilder für Dem Himmel so fern. In den Filmen der Fünfziger waren die Kinder ein Teil des Mutter-Jobs: Eine gute Mutter hielt ihre Kinder ruhig und sauber. Das kennt man auch aus beliebten TV-Serien FATHER KNOWS BEST (Vater ist der Beste), in denen die Mutter viel strenger ist als der Vater und wie besessen auf Sauberkeit und Benehmen ihrer Kleinen achtet. Natürlich hasst man sie dafür nicht, schließlich ist das ihr Job. Diese Eigenschaft sollen auch Cathys Charakter nicht in ein schlechtes Licht stellen", sagt Haynes.

"In vielen Sirk Filmen sind es die Kinder ? die größeren unter ihnen ?, die sich auf extreme Art zu Sprechern der repressiven Kultur machen. Rührseligkeit gegenüber den Abkömmlingen findet man in diesen Filmen nicht. Denn diese Filme hinterfragen die Familienstruktur. Sie fragen: Ist das Leben der Mutter in einer amerikanischen Familie tatsächlich eine gesegnete Existenz? Sind die Kinder wirklich die perfekten Sprösslinge?"

Julianne Moore, mit der Todd Haynes schon SAFE gemacht hatte, war die erste Wahl des Regisseurs für die Rolle der Cathy, der Frau, deren ganzes Leben zerbricht. Moore erinnert sich: "Todd hatte mir im Frühjahr 2000 das Drehbuch geschickt. Er meinte, dies sei der Film, an dem er gerade arbeite und den er mit mir machen wolle. Es war eigentlich ein ?final draft': Bei Todd weiß man ziemlich genau, was er will, wenn man sein Drehbuch gelesen hat. Ich wusste sofort, was er mit Dem Himmel so fern wollte."

Haynes beschreibt ihre Zusammenarbeit wie folgt: "Wir haben eine Art nonverbaler Beziehung. Wir diskutieren nicht, denn sie ist in der Lage, meine Ideen zu interpretieren. Der Funke sprang über, als sie das Buch zu SAFE las. Bei Julianne ist es wie bei den meisten Spitzenschauspielern: Die Arbeit des Regisseurs ist getan, wenn er sie für die Rolle gewonnen hat. Julianne fühlt sich von Rollen angezogen, bei denen es um Konflikte geht und die nicht auf die leichte Gefühlserregung der Zuschauer zielen. Sie weiß, wann sie sich zurückhalten mußs, denn sie hat erkannt, dass die Zuschauer die stärksten Erfahrungen machen, wenn sie dort, wo ein Schauspieler nicht alles zeigt, selbst Lücken füllen können."

Über die Geschlechter Julianne Moore sagt: "Die Person, die ich spiele, ist eine traditionelle Hausfrau der Fünfziger. Ich wollte, dass sie so ist wie diese klassischen Idealtypen aus den amerikanischen Filmen dieser Zeit ? und dann sieht man, wie ihr Leben von diesem idealen Muster abweicht."

"Dieser Film zeigt Bigotterie und Vorurteile, aber es ist Todds feministischster Film. Er zeigt, dass es sexuelle Abweichungen und kulturelle Unterschiede und ethnische Ungleichheit gibt, aber die wichtigste Ungleichheit steht von Geburt an fest: Das ist der Unterschied zwischen Jungen und Mädchen. Alles in Cathys Leben wird bestimmt von ihrem Frau-Sein. So viel auch die Männer in diesem Film durchmachen, sie sind in der Lage, weiterzumachen. Cathy ist diejenige, die zurückbleibt, weil sie eine Frau ist."

Moore glaubt, wie auch Haynes, dass die Geschichte des Films nicht veraltet ist, sondern etwas über unser Leben heute sagt. Sie erklärt: "Obwohl die Leute es nicht gern zugeben, ich glaube, dass wir unser Leben in der Öffentlichkeit leben. In Dem Himmel so fern sieht man, wie die Menschen in bestimmte soziale Situationen gezwungen werden und sich darin auf eine bestimmte Art benehmen müssen. Aber dann gibt es die privaten Momente, in denen sie etwas anderes offenbaren. Für einen Schauspieler ist es wunderbar, diese beiden Seiten, das Öffentliche und das Private, im gleichen Film zu spielen."

Über Sexualität Todd Haynes stellt fest: "Dem Himmel so fern weicht ab von den thematischen Möglichkeiten, an die sich Filme in den 50er-Jahren heranwagen durften. Vor den Sechzigern durften in amerikanischen Filmen Homosexuelle nur als komisch extravagante, auf jeden Fall aber lächerliche Nebenfiguren erscheinen."

Douglas Sirk engagierte einen wenig bekannten Vertragsschauspieler, Rock Hudson, für die Hauptrolle in MAGNIFICENT OBSESSION (Die wunderbare Macht). Der Film, der von dem offen schwulen Ross Hunter produziert worden war, wurde ein Hit und machte Hudson zum Star. Der Schauspieler drehte noch vier weitere Filme mit demselben Regisseur und demselben Produzenten. Haynes fügt hinzu: "Homosexualität war, wenn auch nur hinter den Kulissen, im Prozess des Filmens durchaus evident. Ebenso kann man argumentieren, dass Homosexualität in der Ästhetik vieler Regisseure von 'Frauen-Filmen' wie etwa George Cukor und Vincente Minnelli sichtbar war. Obwohl in der Themenwahl eingeschränkt, konnte eine schwule oder ?feminine' Ästhetik diese Filme durchdringen und bestimmen. Vielleicht bringt FAR FROM HEAVEN das, was im Stil verborgen immer schon da war, jetzt in den Inhalt der Erzählung."

In Dem Himmel so fern wird Cathys Ehemann Frank (Dennis Quaid) gezwungen, zu seiner Homosexualität zu stehen, nachdem Cathy zufällig seine Neigung entdeckt hat. Haynes sagt: "Damals hielt man Homosexualität für eine Krankheit. Sogar in aufgeklärten Kreisen hielt man diese Erklärung für die tolerante Art, das Phänomen zu betrachten. Doch als ich mich mit Homosexualität in dieser Zeit und ihrer medizinischen Behandlung beschäftigte, war ich überrascht: Wenn man an die Fünfziger denkt, erwartet man Schocktherapie und andere grässliche Behandlungen, weil man denkt, diese Zeit sei so repressiv gewesen. Tatsächlich gab es schon in den Vierzigern Ärzte, die in ihren Schriften darauf hingewiesen haben, dass Homosexualität keine Krankheit ist und dass man diese Orientierung nicht ändern kann.

Aber für jemand wie Frank gibt es kein Vorbild in seiner Umgebung. Deshalb stand ihm nur eine Handlungsmöglichkeit zur Verfügung: Er will es reparieren. Es mußs doch eine Möglichkeit geben, es zu flicken und dann heilen zu lassen oder eine Medizin dagegen zu nehmen, denkt er. Aber das funktioniert nicht."

Die Besetzung der Rolle des Frank mit Dennis Quaid, der im Laufe seiner Karriere immer die mühelos selbstverständliche Männlichkeit verkörpert hat, vergrößert das Problem des Vaters und Ehemanns, der die Wahrheit nicht länger vor sich und seiner Frau verbergen kann.

Quaid sagt: "Ich hatte einige von Todds Filmen gesehen. Er ist ein Künstler, der eine sehr interessante Sichtweise des Lebens entwirft. Als ich das Drehbuch las, dachte ich sofort, dass es gut für mich wäre, eine Rolle wie diese zu spielen, weil ich das noch nie gemacht hatte. Ich hatte auch noch nie im Film einen solchen Charakter in so einer Situation gesehen. Von außen betrachtet scheint es so, als habe Frank das perfekte Leben: Er hat eine Frau, zwei Kinder, und er ist ein erfolgreicher Top-Manager. Aber er hat Probleme mit seinem geheimen Leben, für das er sich schämt. Mir gefällt es, dass Todd nicht den leichten Weg geht und sich in Buch und Regie über diese Leute lustig macht: Das gibt dem Film eine emotionale Integrität. Er spielt in den Fünfzigern, einer Zeit, in der die Leute gern ihre Probleme unter den Teppich kehrten, hinter den hübschen Fassaden ihrer netten Häuser spielten sich alle denkbaren Dramen ab. Heute sind die Dinge offener, aber die Leute haben immer noch die gleichen Gefühle wie damals."

Haynes erklärt: "Dennis verstand den Konflikt, den Frank durchlebte, nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Mensch. Er hat einige sehr enge Freunde, so sagte er mir, die Ähnliches erlebt hatten."

Über die Szene, in der er einen Mann küsst, sagt Quaid: "Es geht um sehr Menschliches, um Liebe. Wie in jeder Liebesszene, die man im Film spielt, ist der härteste Teil das Rumstehen und das Warten auf den Auftritt."

Haynes bestätigt: "Dennis hatte kein Problem mit dieser Szene. Am Anfang spielte er die Szene eher muskulös. Ich erklärte, dass es einfacher aussehen sollte, romantisch und sanft. Das ist wohl etwas schwerer zu spielen, aber er hat es großartig gemacht."

Über Rassismus Dem Himmel so fern betrachtet auch die Beziehung zwischen Schwarzen und Weißen in den Vororten der Städte der 50er-Jahre. Dennis Haysbert spielt Raymond, den verwitweten Gärtner, von dem Cathy sich angezogen fühlt. Haysbert seinerseits fühlte sich sehr zu dem Film und seinem "emotionalen Inhalt" hingezogen. "Ich liebe meine Rolle, ich liebe auch die anderen Charaktere. Ich wollte immer schon mit Julianne Moore arbeiten, also sagte ich: 'Let's go.' " Das war leichter gesagt als getan, denn der Drehplan für Dem Himmel so fern überschnitt sich mit dem der TV-Serie "24", in der Dennis Haysbert gerade spielte. Der Schauspieler schaffte es, an beiden Projekten gleichzeitig zu arbeiten. Dazu mußste er zwischen der West- und der Ostküste pendeln.

Haysbert erlebte seinen Regisseur als einen "Mann, der genau weiß, was er will. Sofort fühlte ich mich geborgen." Haynes seinerseits fand, der Schauspieler sei ein "erstaunlich sanfter, reizender, kluger und bodenständiger Mann. Er ist so, wie man ihn im Film erlebt. Julianne arbeitete sehr gern mit ihm, und zwischen ihnen war es genau so, wie es im Drehbuch stand."

Haysbert sagt: "Raymond ist ein guter Mann in einer schlechten Zeit. Er und Cathy leben in einer Ära, in der sie nicht in das gängige Bild von Normalität hineinpassen. Sie sind in dieser Welt gefangen, und sie können nicht zusammen sein, weil Menschen, die ihnen nahe sind, dadurch verletzt würden. Deshalb opfern sie sich."

Die Beziehung zwischen Cathy und Raymond führt uns das Tabu der Ehe zwischen Schwarz und Weiß vor, das in der schwarzen wie in der weißen Gesellschaft galt. Wie die Melodramen aus dem Hollywood der Fünfziger, so spielt auch Dem Himmel so fern vor allem in der Welt der wohlhabenden Weißen. Haynes stellt fest, dass "es eine schwarze Nebenwelt in Hartford gibt, die wir nicht sehen. Wir erleben die ganze Geschichte durch das kleine Schlüsselloch, das Cathy Whitakers Perspektive darstellt.

Das ist wie in IMITATION OF LIFE: Lana Turner hat ihr ganzes Leben mit ihrem Dienstmädchen Juanita Moore zusammengelebt. Jetzt stirbt das 'Mädchen', und sie wünscht sich eine große Beerdigung, bei der all ihre Freunde anwesend sind. Lana Turner sagt: 'Annie, ich wusste gar nicht, dass du Freunde hast.' Und Juanita Moore antwortet: 'Nun, Miss Laura, Sie haben nie gefragt.' So erfahren wir, dass der Film etwas Großes ausgelassen hat: Nicht nur Lana Turner hat sich nie für das Leben ihres schwarzen 'Mädchens' interessiert, auch wir, die Zuschauer, haben nie gefragt. Der Dialog weist auf etwas hin, was nicht da ist, und zeigt uns, dass es da sein sollte. Das ist nicht unbedingt Lana Turners, sondern unser aller Problem."

"Es gibt eine Anspielung auf IMITATION OF LIFE in Dem Himmel so fern: Cathy fragt ihr Dienstmädchen Sybil (Viola Davis): ?Ihr habt doch sicher gute Wohlfahrtseinrichtungen?' Dann kommt die NAACP (National Association for the Advancementof Colored People), aber Cathy hat keine Zeit für sie. Trotz ihrer guten Absichten huscht sie an den richtigen Menschen mit ihren richtigen Leben vorbei, statt sich auf sie einzulassen."

Haysbert überlegt: "Auf diesen Film bin ich extrem stolz, mehr als auf meine anderen Filme. Für mich ist es besonders interessant und verstörend, diese Zeit darzustellen. Die Leute sehen an Raymond nur die Farbe seiner Haut. Während er seinem Gefühl folgt, bekommt er von allen Seiten Probleme, von den Schwarzen wie von den Weißen."

Haynes fügt hinzu: "Für Cathy stellt Raymond einen Weg dar, der aus ihrem Leben und Schicksal in die Befreiung führt. Raymond ist integer, aber er ist nicht makellos. Er glaubt zu sehr an die Möglichkeit einer Koexistenz von schwarzer und weißer Welt. Er ermutigt seine 11-jährige Tochter Sarah, mit der Welt der Weißen zu kommunizieren. Dafür werden sie beide bestraft."

Über Schauspieler Patricia Clarkson spielt Cathy Whitakers beste Freundin Eleanor Fine. Haynes: "Patty verleiht Eleanor Flair und Eleganz. Eleanor könnte wahrscheinlich mit den Dingen umgehen, über die Cathy nicht einmal sprechen möchte."

Clarkson sagt: "Wir kannten uns nicht, aber Todd kannte meine Arbeit. Das Drehbuch war wundervoll. Als ich hörte, wie Todd es umsetzen wollte, dachte ich: ?Das kann sehr spannend werden.' Eleanor sieht sich als eine Person, die sie in Wirklichkeit nicht ist, aber sie empfindet große Zuneigung zu ihrer besten Freundin. Eleanor gibt sich gern sophisticated. Sie ist verheiratet, aber hat keine Kinder. Sie hat ein freieres Leben als Cathy, aber leider ist sie doch irgendwie konventionell. Tatsächlich ist sie nicht so offen wie Cathy. Jeder in diesem Film verbirgt irgendwo ein Lebensgeheimnis. Man beginnt zu verstehen, wie schwer das Leben in dieser Zeit war."

Moore erzählt: "Ich sah mir vor Drehbeginn ein paar Sirk-Filme an, ALL THAT HEAVEN ALLOWS zum Beispiel, der eine wichtige Inspiration für unseren Film war. IMITATION OF LIFE habe ich so oft gesehen ... Dem Himmel so fern erfordert keine realistische Art zu spielen, aber das Gefühl mußste echt sein."

Clarkson erzählt: "An diesem Film waren so viele großartige Leute beteiligt. Für mich war dies aber vor allem die Gelegenheit, zum ersten Mal mit Julianne zu arbeiten: Ich bewundere ihre Arbeit sehr. Und ich liebe Todd: Er weiß genau, was er will. Was immer er sagt, das sitzt, und es verändert die Szene, um die es gerade geht, beträchtlich. Sein Enthusiasmus schafft eine gute Arbeitsatmosphäre. Für Schauspieler ist es sehr wichtig, sich selbst bei den düsteren Szenen wohl zu fühlen und zu wissen, dass freundliche Leute in der Nähe sind."

Quaid erzählt: "Mir hat die Arbeit mit Julianne viel Spaß gemacht. Wir beide arbeiten auf die gleiche Weise. Wir machen nicht dieses ?Method'-Zeug. Wir wollen, dass es über die Bühne geht. Julianne ist eine der Schauspielerinnen, mit denen die Arbeitszeit im Fluge vergeht."

Haynes lacht: "Die beiden gehören nicht zu der Sorte Schauspieler, die man nicht ansprechen darf, weil sie sonst aus ihrer Rolle fallen könnten. Sie verlangen keine besondere Schonung." Über seine Arbeitsweise sagt Quaid: "Ich habe das Drehbuch gelesen und darüber nachgedacht. Danach begebe ich mich in die Situation und warte, was passiert. Während der Dreharbeiten kommt ein Zeitpunkt, dann glaube ich, mehr über meine Rolle zu wissen als der Regisseur. Trotzdem bin ich ein Schauspieler, der von einem Regisseur geführt werden will: Ich arbeite gern mit starken Regisseuren, die klare Ideen und Ansichten haben. Todd ist so einer."

Haynes sagt über Quaids Darstellungsweise: "Dennis hat seine Darstellung an den Schauspielstil dieser Zeit angepasst: ein wenig überhöht, ein bisschen klarer und straffer, als es der heutige Naturalismus erfordern würde. Dies brachte er in seine Darstellung ein, ohne die emotionale Wahrheit zu opfern."

Über den Drehort Die sorgfältige Nachschöpfung des Herbstes von 1957 und des Winters von 1958 war eine Herausforderung, die größere und profiliertere Produktionen entmutigt hätten. Aber Todd Haynes und seine Crew waren bereit. Haynes gesteht: "Unsere Pläne waren extrem ehrgeizig, und wir mußsten einem harten Drehplan folgen. Aber wir hatten Spitzenleute. Das hat die Produktion gefestigt. Gute Laune machte mir auch unsere Crew, weil sie bunt zusammengesetzt war. Deshalb hatte man von Anfang an den Eindruck, an einer Kollaboration teilzunehmen."

Einige der wichtigsten Mitarbeiter, wie der Production Designer Mark Friedberg und der Kamerakünstler Ed Lachman, hatten noch nicht mit Haynes gearbeitet. Anders die Kostümbildnerin Sandy Powell, die für ihre Arbeit an Haynes' VELVET GOLDMINE eine Oscar-Nominierung erhalten hatte.

Production Designer Friedberg, den Haynes als "engagierten Künstler" beschreibt, hatte die Aufgabe "ein Design zu entwerfen, das aussehen sollte wie eine Studioproduktion der Fünfziger. Wir haben versucht, unsere Drehorte aussehen zu lassen wie Bühnenbilder und unsere Bühnen wie reale Drehorte", sagt er.

Dem Himmel so fern wurde nicht in Hartford, Connecticut, gedreht, wo die Geschichte spielt, sondern in und um New Jersey. Der Bayonne's Military Ocean Terminal bot genügend Platz für Büros und Bühnen-Aufbauten, den die Produktion dann nutzte. Der Terminal, der nur 10 Kilometer von Manhattan entfernt ist, wurde früher als Hauptquartier Ost der United States Army genutzt. Weitere Dreharbeiten fanden in Bloomfield, New Jersey und Manhattan statt.

"Todd war gut vorbereitet und hatte eine klare Vorstellung, wie die scheinbar perfekte Welt aussehen sollte, die er in seinem Film zeigen wollte. Wir zeichneten eine Landkarte von Hartford und stellten fest, dass wir vier verschiedene Straßen brauchten, um die ?Innenstadt' von Hartford filmen zu können", erinnert sich Friedberg. "Diese fanden wir in vier verschiedenen Städten. Wenn im Film jemand um die Ecke biegt, dann gehen sie in Wirklichkeit in einer anderen Ecke des Staates weiter."

Haynes ergänzt: "Wenn man einen historischen Film draußen filmt, dann ist das immer eine besonders schwierige Aufgabe wegen der Menge Immobilien, die man fotografiert. Man mußs sich um jede Fassade kümmern, und einige mußs man neu aufbauen. Das ist sehr teuer. Mark sagte immer 'Man bezahlt das per Quadratzentimeter.' Wenn man eine Ladenfront dreht, dann kostet ein einziger zusätzlicher Laden viel, viel mehr Geld. In Filmen, die in vergangenen Zeiten spielen, sind die Autos immer nur ohne den kleinsten Flecken. Das macht mich verrückt.

In Dem Himmel so fern sollten sie jedoch makellos sein, weil dies eine Hommage ans Hollywood-Studio-Kino werden sollte. Also haben wir die staubigen Straßen von New Jersey gefegt, die Häuserfronten gereinigt, die Markisen erneuert usw. Die Crew konnte es nicht glauben, wenn ich mal wieder aufsprang und eine kleine Bonbon-Schale oder einen Aschenbecher verrückte, bis diese ganz genau an der richtigen Stelle standen."

Friedberg kommentiert: "Für mich war das großartig: Todd verstand den Unterschied zwischen warmen und kalten Farben. Er sprach meine Sprache. Todd ist ein Regisseur, der weiß, worum es bei all den anderen Jobs am Set geht. Er weiß, was ein Maler macht, was ein Schreiner tut, und er kennt die Aufgabe des Tonmannes. Er ist wie ein Dirigent. Die Wörter, die Farben und die Musik erzählen seine Geschichte, und er sorgt dafür, dass es zu dem Gleichklang kommt."

Bei den Sequenzen, in denen Cathy und Frank ihren Neujahrsurlaub in Miami verbringen, wurden die Filmemacher besonders kreativ. "Wir mußsten Miami erschaffen, mit dem Restaurant-Terrassen, mit einer Latino-Band an einem sternenklaren Neujahrsabend. Einen passenden Drehort haben wir in den Rockaway gefunden, einem altem Beach Club, der einem Miami Schuppen nachempfunden war. Es mußste völlig glaubwürdig wirken. Es mußs schön sein, aber es darf nicht ins Auge springen, damit man nicht von der Geschichte abgelenkt wird. Wenn wir eine Menge Arbeit investieren, dann sieht es aus, als hätten wir gar nichts getan. Hätten wir nicht genug daran gearbeitet, dann hätte man es bemerkt, und das wäre der Geschichte nicht dienlich gewesen."

Die Sequenz, die in der Ausstellung moderner Kunst im Hartford Cultural Center spielt, verlangte zusätzliches Material, nämlich die ausgestellte Kunst. Friedberg sagt: "Wir haben alle Kunstwerke selbst gemacht, was uns großen Spaß bereitet hat. Todd hatte sehr genaue Vorstellungen, wie diese Bilder aussehen sollten. Also machten wir die verschiedenen abstrakten Maler der Fünfziger nach ? aber keine Gemälde, sondern Drucke."

Das Anwesen der Whitakers war "unsere größte gestalterische Herausforderung", sagt Friedberg. "Wie in vielen Melodramen der Fünfziger ist das Haus das Zentrum der Geschichte. Wir hatten uns entschlossen, das Haus ganz neu zu bauen. Erst wollte Todd ein Haus im Kolonial-Stil. Doch dann wurde uns klar, dass dies eine eingeengte Architektur ist. Die Whitakers aber sind ein Paar auf dem Höhepunkt ihres Erfolges. Sie würden wohl etwas Modernes bewohnen. Doch statt ein total modernes Haus zu entwerfen, haben wir konventionelle Elemente in ein modernes Setting hineingemischt. Es hat einen offenen Grundriss, und wir mußsten auch nach draußen sehen können, wo Raymond, der Gärtner, arbeitet."

Die Dekoration im Inneren wurde von Cathy, der Dame des Hauses, bestimmt. Friedberg weist darauf hin, dass sie "ihre Persönlichkeit reflektiert. Zu Beginn der Geschichte ist Cathy eine selbstsichere Frau, die wahrscheinlich einiges selbst hergerichtet hat oder zumindest daran beteiligt war. Sie ist nicht der Moderne verpflichtet, und sie ist keine Architektin. Sie liebt das Traditionelle, aber mit einem Sinn für die Feinheiten."

Kostüm-Konzepte "Meine Aufgaben waren die gleichen wie bei jedem Film", erklärt Kostümbildnerin Sandy Powell. "Man entwirft die Kostüme und den Look des Films und hilft damit, die Charaktere zu erschaffen." Powell hatte schon einmal mit Julianne Moore gearbeitet: Sie hatte für sie die Kostüme entworfen, die sie in dem Oscar nominierten THE END OF THE AFFAIR (Das Ende einer Affäre) trägt. "Deshalb", so führt die Designerin aus, "kannte ich die Proportionen ihres Körpers. Ich wusste natürlich auch, welches ihre Farben sind. Ich stellte sie mir mit roten Haaren vor, aber in diesem Film ist sie blond."

Moore kommentiert: "Wir hatten uns entschlossen, die blonde Perücke zu benutzten statt meiner eigenen Haarfarbe. Anfangs sah Todd Cathy mit meiner Haarfarbe. Aber ich sagte: 'So sah man das nicht in den amerikanischen Filmen der Zeit. Fast immer sind die Hauptdarstellerinnen darin blond.'"

Patricia Clarkson erzählt: "Ich färbte meine Haare für diesen Film. Ich trage ein oder zwei Kleidungsstücke, die aus der Zeit stammen, den Rest hat Sandy entworfen ? ein Fest für die Augen. Ich konnte kein großes Mittagessen zu mir nehmen ? alles lag ganz eng an. Das Haar, das Make-up, die Handschuhe ? meine Mutter wird ihre Freude an dem Film haben.

Einige der Hemden, die ich als Eleanor trage, erinnern an Lauren Bacall, mit sehr herbstlichen Farben. Die Augenbrauen und die falschen Wimpern sind total Fünfziger. Der Lippenstift, den ich in dem Film trage, heißt 'Cherries in the Snow', das ist ein Farbton, den es in dieser Zeit tatsächlich gab. Revlon produziert ihn auch noch, obwohl man ihn nicht im Laden kaufen kann. Make-up-Spezialisten können ihn aber bestellen."

Moore sagt: "Sandy ist enorm begabt, und sie bezieht sowohl das Rollenbild als auch das Thema des Films in ihre Überlegungen ein. Bei einer unserer ersten Anproben erzählte sie mir: 'Ich kann es kaum glauben, aber ich hatte ein Meeting mit Todd zum Thema Farben!'

Sie, Todd, Ed Lachman und Mark Friedberg haben den ganzen Film Szene für Szene durchgesprochen und über die Farben in jeder Szene diskutiert. Denn Farben spielen eine Rolle bei den Emotionen des Films. Verschiedene Farben repräsentieren verschiedene Charaktere, und die Stimmung des Films verändert sich mit dem Licht und der Farbe."

"Diese Meetings, bei denen es allein um Farbe ging, waren der reine Luxus", kommentiert Powell, "das hatte ich noch nie zuvor erlebt." Die meisten der Kostüme der Hauptdarsteller wurden für den Film von Powell und ihrem Team entworfen und angefertigt. Powell erklärt: "Wir suchten Original-Bekleidung aus dieser Zeit. Wir durchkämmten Läden und Märkte. Aber es ist schwer, so etwas in perfektem Zustand zu finden, schließlich sind diese Sachen heute schon ein paar Jahre alt."

Die Party-Szene bei den Whitakers, sagt Powell, ist "ein wichtiger Moment in dem Film, einer, in dem Cathy noch ein bisschen perfekter aussehen mußs. In dieser Szene ist sie noch besser angezogen als sonst, und zwar sehr sexy. Frank bemerkt da zum ersten Mal, dass andere Männer sie anschauen. Ihr Kleid ist nicht auf offene Art sexy, aber durch die Spitze zeigt es etwas mehr als sonst."

Powell erzählt, dass Cathys Schuhe angefertigt worden waren, um zu ihren Kleidern zu passen. "Der schöne Schal, den sie trägt und manchmal verliert, ist aus Chiffon. Er mußste ganz leicht wegfliegen können."

Für Todd Haynes hat Sandy Powell die Bekleidung der Siebziger (VELVET GOLDMINE) und der Fünfziger (Dem Himmel so fern) nachempfunden, für andere Filmemacher die Kostüme aus anderen Zeiten neu entworfen, und jedes Mal, so stellt Powell fest, "ist es eine neue lehrreiche Erfahrung. Jedes Mal lernt man etwas, was man über diese Epoche noch nicht wusste. Der interessanteste Teil dieser Arbeit ist jedoch die Zusammenarbeit mit den Schauspielerinnen und die Arbeit mit ihnen an ihren Rollen. Man trifft nur selten eine Schauspielerin, der es egal ist, was sie trägt."

Der "Sirk"-Touch Douglas Sirk (1900 ? 1987) "war ein in Deutschland geborener Intellektueller, der Brecht kannte und in den 20er- und 30er-Jahren am Theater arbeitete", erzählt Todd Haynes. Er war ein progressiver Radikaler, an den Maßstäben der Nazis gemessen. Seine Frau, von der er sich scheiden ließ, stand der Nazi-Partei sehr nah. Seine zweite Frau war Jüdin, deshalb flohen sie nach Amerika.

In Hollywood wurde er in den Fünfzigern von den Universal Studios engagiert. Seine Filme waren populär und geschätzt. Später studierte man sie als die Werke eines Auteurs. Die Filme wurden wegen ihres lebhaften Einsatzes von Technicolor bekannt, aber ihr wunderschönes Licht lässt kühn die Schatten des Film Noir einfließen. In seinen Filmen ging es um Frauen in ihrer häuslichen Umgebung, und es ging um den repressiven Charakter der Kultur des amerikanischen Bürgertums."

ALL THAT HEAVEN ALLOWS, erklärt Haynes weiter, "ist wohl mein Lieblingsfilm unter den Werken von Sirk. Es war eine Art Fortsetzung seines ersten großen Hits, MAGNIFICENT OBSESSION.

Für beide Filme hatte er die gleichen Hauptdarsteller engagiert: Jane Wyman, Rock Hudson, Agnes Moorehead. ALL THAT HEAVEN ALLOWS ist um einiges nüchterner als sein Vorgänger. Es geht darin um den Skandal, den die Beziehung zwischen einer älteren Frau und einem jüngeren Mann auslöst.

Rainer Werner Fassbinders ANGST ESSEN SEELE AUF ist so etwas wie ein Remake dieses Films. Fassbinder bewegte das Mitgefühl Sirks für die Charaktere seines Films. Fassbinder hatte geschrieben: "Bei Douglas Sirk, da denken die Frauen. Das ist mir bei keinem Regisseur aufgefallen. Bei keinem. Sonst reagieren Frauen immer, tun was, was Frauen eben tun, und hier, da denken sie. Das mußs man sehen. Es ist schön, eine Frau denken zu sehen. Das gibt Hoffnung." (Fassbinder "Filme befreien den Kopf", Fischer Verlag, 1984)

Haynes empfindet das ebenso. "Die Leute mögen sich über die klaren Farben oder über Rock Hudson lustig machen, aber die Darstellungen von Jane Wyman und den anderen Hauptdarstellerinnen geben den Filmen eine Basis, und bald ist man von ihnen berührt, trotz der melodramatischen Umstände."

Partnerschaften beim Filmemachen gestern und heute Douglas Sirks IMITATION OF LIFE (1959) war die zehnte Zusammenarbeit des Regisseurs mit dem Studio-Produzenten Ross Hunter. Mit diesem Film hatte die Partnerschaft einen Höhepunkt erreicht und auch ihr Ende, da der Regisseur danach die USA verließ. Sirk und Hunter hatten zusammen schon folgende Filme gemacht: INTERLUDE (1957, Der letzte Akkord); BATTLE HYMN (1957, Der Engel mit den blutigen Flügeln), THERE'S ALWAYS TOMORROW (1956, Es gibt immer ein Morgen), ALL THAT HEAVEN ALLOWS (1955, Was der Himmel erlaubt). CAPTAIN LIGHTFOOT (1955, Wenn die Ketten brechen), TAZA, SON OF COCHISE (1954, Taza, der Sohn des Cochise); MAGNI-FICENT OBSESSION (1954, Die wunderbare Macht); TAKE ME TO TOWN (1953, Eine abenteuerliche Frau); AND ALL I DESIRE (1953, All meine Sehnsucht).

Ungefähr vier Jahrzehnte später ist das Team, das hinter Dem Himmel so fern steht, auf dem Wege zu einer vergleichbar fruchtbaren Zusammenarbeit mit ebenfalls zahlreichen gemeinsamen Filmen. Dem Himmel so fern ist der vierte Spielfilm, den Independent-Produzentin Christine Vachon und Filmemacher Todd Haynes zusammen gemacht haben. Allerdings, so erinnert Vachon, hat das Paar schon in der Mitte der 80er-Jahre angefangen, miteinander zu arbeiten, nachdem die Produzentin Todds Kurzfilm SUPERSTAR: THE KAREN CARPENTER STORY gesehen hatte.

"Wir machten zusammen den Kurzfilm DOTTIE GETS SPANKED", erzählt Vachon. "Wir haben eine sehr gute Beziehung, die ist zwar ökonomisch nicht sehr ergiebig, aber dafür kreativ umso fruchtbarer." Die Produzentin erklärt, dass der Film ein Lieblingsprojekt des Paares war: "Todd hat vor ein paar Jahren begonnen zu erzählen, dass er ein Melodrama in der Tradition Douglas Sirks machen wolle ? in Technicolor. Wir nennen Filme wie IMITATION OF LIFE, ALL THAT HEAVEN ALLOWS, WRITTEN ON THE WIND 'Frauen Filme'. Das war dieses unglaubliche Pralinenschachtelkino. Trotzdem gelang es ihnen, sich mit Gegenständen auseinander zu setzen wie Rasse und Klasse, und das taten sie auf eine Art, die unglaublich subversiv war für diese Zeit und irgendwie auch immer noch subversiv ist."

Vachon erzählt weiter: "Ich arbeite so gern mit Todd zusammen, weil es so wenig Spannungen zwischen uns gibt. Leute glauben irrtümlich, die Beziehung zwischen Regisseuren und Produzenten sei vom Wesen her ein Kampf. Nach meiner Erfahrung führt eine gute Beziehung zwischen Produzent und Regisseur dazu, dass man sich gegenseitig bestärkt. Wir trauen einander so sehr, dass wir keine Auseinandersetzungen brauchen. Das soll nicht heißen, dass wir keine Meinungsverschiedenheiten haben, aber wir haben eine Verständigungsform gefunden, die recht lustig ist."

Vachon freute sich auch über die erneute Zusammenarbeit mit Julianne Moore: "Als ich zum ersten Mal mit Julianne bei SAFE arbeitete, da war sie eindeutig am Anfang einer großen Filmkarriere. Ein Star war sie da noch nicht. Heute ist sie jedoch ein großer Star, und es ist wunderbar, mit ihr wieder zusammenzuarbeiten."

Der Dem Himmel so fern-Effekt Dennis Haysbert sagt: "Ich wünsche mir, dass die Leute Dem Himmel so fern sehen und zurückblicken auf ihr Leben, bei dem sie dann verpasste Gelegenheiten sehen, und dann sollten sie beschließen, dass dies nicht mehr passiert. Wenn ich mich das nächste Mal verliebe, egal, in wen, egal, welche Farbe, Größe oder Religion die Person hat, werde ich meinem Gefühl folgen. Wenn jemand mit diesen Gedanken aus dem Kino kommt, dann haben wir Erfolg gehabt."

Dennis Quaid sagt: "Ich hoffe, die Leute erkennen sich selbst in den Personen von Dem Himmel so fern." Patricia Clarkson fügt hinzu: "Die Zuschauer werden in FAR FROM HEAVEN einen dieser großen, alten und schönen 50er-Jahre Movies sehen, und langsam werden sie dann erkennen, was unter der Oberfläche, im Privaten, existiert."

Julianne Moore meint: "Ich hoffe, dass die Zuschauer von Dem Himmel so fern emotional gefesselt werden."

Christine Vachon: "Es dürfte schwer sein, einen Todd Haynes Film zu finden, der die Leute nicht zu Gesprächen und Auseinandersetzungen animiert. Dem Himmel so fern wird das auch tun. Es ist eine unglaublich bewegende Geschichte."

Auf die Frage, welche Publikumsreaktion er sich wünscht, antwortet Todd Haynes: "Tränen, Tränen des Wiedererkennens. Ich wünsche mir, dass die überhöhte stilistische Erfahrung dazu führt, dass wir uns in dieser allzu menschlichen Geschichte wiederfinden."

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Dirk Jasper FilmLexikon

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