Daredevil

Produktionsnotizen

Die Vorlage Der Marvel-Comic "Daredevil: The Man Without Fear" erschien erstmals 1964 auf dem Höhepunkt des Comic-Booms. Während dieses Zeitraums wurden auch andere Marvel-Heroen wie The Fantastic Four, The Incredible Hulk, Iron Man, The Mighty Thor, The X-Men und Spider-Man erschaffen. Seither hat sich Daredevil zu einem der beliebtesten Comic-Helden aller Zeiten entwickelt.

Daredevil ist Teil einer Welt von Figuren, die in einer besonders spannungsgeladenen und unsicheren Zeit, die unserer heutigen Situation ähnelt, kreiert wurden. Marvel gab diesen Superhelden menschliche Züge mit reale Probleme, mit denen sich die Leser identifizieren konnten. Insbesondere Daredevil hat menschliche Schwächen, er ist blind und er ist sterblich.

"All die Figuren, die ich erfand, hatten Handicaps," verdeutlicht Stan Lee im Gespräch über die legendäre Truppe von Superhelden, die er während einer rasanten dreijährigen Schaffensperiode ins Leben rief. Als Lee und Everett 1964 über ihre neueste Kreation nachdachten, fiel den legendären Comic-Erfindern auf, dass noch niemand bislang einen blinden Superhelden geschaffen hatte. Mit dieser Idee im Hinterkopf stellte Lee intensive Nachforschungen an und erfuhr, dass sich nach dem Verlust des Augenlichts oftmals andere Sinne weiterentwickeln, um die entstandene Lücke zu kompensieren. "Ich überlegte mir," erinnert sich Lee, "was geschähe, wenn diese Sinne sich in weit größerem Umfang verbessern würden als normal." Daredevil war geboren!

Während andere Marvel-Charaktere Strahlenkatastrophen erlitten hatten, die ihr Erscheinungsbild oder die Zusammensetzung ihres Körpers drastisch veränderten, blieb Daredevil weitgehend menschlich. Ein Störfall stattet ihn mit seinem charakteristischen "sechsten Sinn" aus, verändert ihn aber anderweitig nicht.

Nach diesem tragischen Unglück unternimmt Matt ein intensives Trainingsprogramm, um Körper, Geist und Sinne zu stählen. Er lernt, durch die von Schallwellen verursachten Vibrationen zu "sehen" - er kann selbst das Schlagen eines menschlichen Herzens hören - und besitzt außergewöhnliche Fähigkeiten im Bereich des Geschmacks- und Tastsinns. Frank Miller, legendärer Marvel-Autor und Zeichner formuliert es so: "Matt Murdock wird ständig überschwemmt von den Eindrücken der verschiedenen Bio-Rhythmen der Menschen. Davon, wie ihr Blut durch schlagende Herzen und selbst die winzigsten Gefäße pulsiert. Denn die Sehenden realisieren nur selten, dass jeder Herzschlag wie eine Signatur ist - wie anhand eines Fingerabdrucks kann man Individuen daran unter Millionen anderen erkennen." Diese Herzschläge entwickeln sich zu Matt Murdocks ständigen Begleitern.

Angetrieben durch den Mord an seinem Vater widmet Matt sein Leben der Gerechtigkeit. Selbst nach Abschluss des Jurastudiums bleibt er seinen Wurzeln in der New Yorker Hell's Kitchen treu. Mit seinem langjährigen Freund Franklin "Foggy" Nelson eröffnet er die Anwaltskanzlei Murdock & Nelson in einem ehemaligen Laden. Matt arbeitet als Jurist, doch die Aufmerksamkeit, die er dem Job widmet, entwickelt sich nachts zur Passion. Wenn Kriminelle das Gesetz brechen, wird aus Matt Daredevil, der mittels Selbstjustiz Gerechtigkeit in die Straßen von Hell's Kitchen bringt. Diese Zweischneidigkeit von Gut gegen Böse, Recht gegen Selbstjustiz charakterisiert das moralische Dilemma, mit dem Matt jeden Tag zu kämpfen hat.

Die Popularität von Daredevil hielt bis in die 70er Jahre an. Doch erst als Frank Miller 1980 die Geschicke des Comics in seine Hände nahm, entwickelte sich Daredevil zu einem der wichtigsten und erfolgreichsten Marvel-Heftchen. Miller versah die Figuren mit einer bislang in der Branche nie da gewesenen, düsteren, schonungslosen und realistischen Aura. Innerhalb der nächsten Jahre führte Miller außerdem wichtige Figuren wie Elektra, Matts Angebetete und zukünftige Gegnerin, in Daredevils Welt ein.

DAREDEVIL-Drehbuchautor und Regisseur Mark Steven Johnson nennt Millers Daredevil-Arbeiten aus den frühen 80er-Jahren als Inspiration für seinen Film.

In der Einleitung zur Bildergeschichte Daredevil: The Man Without Fear, die er anlässlich des 30. Geburtstags von Daredevil verfasste, verdeutlicht Miller einige der komplexen Wesenszüge, die Daredevil einen derart faszinierenden Charakter verleihen.

"Eigentlich ist er zum Ganoven geboren. Er besitzt das Wesen eines Schlingels, Unruhestifters und Tunichtguts. Als Lügner mußs er eine Maske tragen, um das denkwürdige Versprechen zu brechen, das er seinem Vater Tausende Male gab. Er verfügt über eine gefährliche Begabung und hat ein geradezu übermenschliches Gespür für Gewalt. Als Anwalt, der das Gesetz bricht, führt er gleichzeitig ein Leben als Einzelgänger und Sünder. Doch Matt Murdock ist weder Bösewicht noch Opfer. Besondere Stärke wurde ihm von seiner unbekannten Mutter und dem gescheiterten Vater vererbt. Etwas, das durch eine Tragödie hervorgerufen wurde, vom Gewissen angetrieben und durch seine Disziplin perfektioniert wird. Irgendeine Macht hält das blutrünstige Monster in ihm zurück und zwingt Daredevil, der Gerechtigkeit zu dienen - die meiste Zeit zumindest."

1998 schrieb Kevin Smith, der renommierte Autor und Regisseur der Filme CLERKS ("Clerks - Die Ladenhüter", 1994) und CHASING AMY ("Chasing Amy - Sex ist einfach - Liebe ist schwer ...", 1996) - und zugleich ein großer Comic-Fan - einen weiteren Daredevil-Band. Mit verstärkter Betonung religiöser und moralischer Themen versuchte Smith, einen Daredevil zu präsentieren "wie man ihn nie zuvor gesehen hat. Einen Helden, der erkennen mußs, dass ein Mann ohne Furcht zugleich ein Mann ohne Glauben ist... und man jemanden, der nicht gläubig ist, viel leichter beseitigen kann."

Ben Affleck, der schon mehrfach mit Smith zusammengearbeitet hatte und schon sein ganzes Leben lang zur Daredevil-Fangemeinde zählt, verfasste das Vorwort zum Comic Daredevil Visionaries, einer Zusammenstellung acht von Smith geschriebener Geschichten. "Matt Murdock verlor Elektra an seinen Gegner Bullseye, als ich erst zwölf Jahre alt war," schrieb Affleck. "Diese Saga, die mittlerweile als ?Frank Miller Daredevils' zur Legende wurden, berührte und bewegte mich. Und zwar auf eine Art und Weise, wie ich sie noch heute ungern eingestehe, nicht einmal mir selbst. Der Mann, dieser rotgekleidete Heilige, dem andauernd ein Martyrium bevorzustehen schien, faszinierte mich. Das war für mich die Einführung in das Feld persönlicher Zerrissenheit. In dieser Grauzone war ich mir unsicher, wo meine Sympathien lagen. Dennoch symbolisierte diese Welt einen fremden und zugleich wundervollen Ort, an dem wahre Liebe stets tragisch endete, Helden ihre dunklen Geheimnisse bargen, selbst die Bösewichte auf ungeschliffene Weise liebenswert waren und das Einzige, worauf man hoffen durfte, ein Hauch von Erlösung war."

Jahre später sollte sich Ben Affleck Daredevils rote Kapuze überziehen und im ersten Kinofilm über seine geliebten Bildergeschichten mitspielen. Auch eine weitere zentrale Persönlichkeit dieses Projekts, Autor und Regisseur Mark Steven Johnson, teilt Afflecks tiefe Bewunderung für diesen Helden und die Comics. Als Zehnjährigen konnte man ihn in seiner Heimatstadt in Minnesota oft vor dem Laden warten sehen, der seine Lieblings-Comics verkaufte. "Ich habe sie alle gelesen," erinnert sich Johnson.

Doch Daredevil beeindruckte Johnson am meisten. "Ich denke, es lag daran, dass er der Einzige mit einer offensichtlichen Behinderung war," erklärt er. "Außerdem fällt Daredevil zwischen all den anderen gezeichneten Helden dadurch auf, dass er ein echter Mensch war, der sich mit richtigen Problemen herumärgern mußste. Er besaß eben nicht die Stärke oder die Spinnweb-Drüsen eines Spider-Man, die Muskelkraft von The Hulk oder die Heilkräfte Wolverines. Daredevil war einfach ein Typ in einem Anzug. Wenn man ihn anschießt, stirbt er. Genau diese Menschlichkeit und seine Schwächen stellen auch die Quelle seines moralischen Dilemmas dar. Das erinnert mich an das Zitat ?Wer mit Monstern kämpft, mußs darauf achten, nicht selbst eines zu werden'. Gerade dies passiert auch Matt Murdock. Er realisiert, dass er sich langsam zu dem entwickelt, was er sich zu bekämpfen geschworen hatte."

Laut DAREDEVIL-Produzent Gary Foster war Johnson geradezu prädestiniert, den Film zu inszenieren. "Er kann sich in die Charaktere und die Welt, in der sie sich bewegen, einfach hineinfühlen. Er weiß bis ins letzte Detail, wie deren Kosmos aussehen und wirken soll. Er stellt in jedem Fall das kreative Potential hinter diesem Film." Kevin Smith, der öfter ans Set kam und auch einen Cameo-Auftritt absolviert, stimmt zu: "Mark bringt in das DAREDEVIL-Projekt eine absolute Leidenschaft mit ein. Er besitzt all die wichtigen Bücher darüber und die weniger wichtigen , wie zum Beispiel meines. Er wird die Fans mit Sicherheit nicht enttäuschen."

Foster, erfahrener Produzent von Blockbustern und Kritikerlieblingen wie SLEEPLESS IN SEATTLE ("Schlaflos in Seattle", 1993, Regie: Nora Ephron), TIN CUP ("Tin Cup", 1996, Regie: Ron Shelton) und THE SCORE ("The Score", 2001, Regie: Frank Oz) führt zusammen mit Johnson die Firma Horseshoe Bay Productions. Foster erinnert sich, von Johnson vor sechs Jahren einen Packen Daredevil-Hefte auf den Tisch geknallt bekommen zu haben. Johnson zwang ihn, den Comic-Verächter, die Bücher zu lesen und sie als Vorlage für eine große Filmproduktion zu betrachten.

Foster las die Daredevil-Bücher und fand sie selbst für einen Nicht-Fan wie ihn ansprechend und nachvollziehbar. "Die Figur bewältigt eine Menge Schwierigkeiten - neben ihrer Behinderung muß sie sich auch moralischen Konflikten stellen und den zwei Seiten ihrer Persönlichkeit," verdeutlicht Foster.

Als weiterer Produzent beteiligte sich Avi Arad, der in Comic-Kreisen den Ruf eines wandelnden Lexikons des Marvel-Universums genießt, am Projekt. Arad und Marvel Studios produzierten bereits die Comic-Adaptionen SPIDER-MAN ("Spider-Man", 2002, Regie: Sam Raimi), X-MEN ("X-Men - Der Film", 2000, Regie: Bryan Singer), BLADE ("Blade", 1998, Regie: Stephen Norrington) und THE HULK (2003, Regie: Ang Lee).

Der Produzent sieht in Daredevil beinahe eine Figur von Shakespearescher Dimension. "Daredevil ist im Marvel-Universum eine der erstaunlichsten Sagas über einen Nicht-Superhelden," verdeutlicht er. "Daredevil ist absolut einzigartig: Mit Fehlern behaftet und hasserfüllt - selbst seine große Liebe wünscht ihm den Tod."

Die Schauspieler und ihre Rollen Die Filmemacher von DAREDEVIL versammelten ein Ensemble vor der Kamera, das die erforderlichen emotionalen und körperlichen Voraussetzungen für die düstere, aufregende und humorvolle Welt von Matt Murdock und Daredevil mit an den Set brachte.

Oberste Priorität hatte natürlich die Besetzung der Rolle des Mannes ohne Furcht. Denn die Figur unterscheidet sich grundlegend von der anderer Comic-Charaktere. Die Finger des Helden ohne Augenlicht können die schwachen Eindrücke erfassen, die gedruckte Buchstaben auf Papier hinterlassen und ermöglichen ihm so, per Tastsinn zu lesen. Daredevil kann winzigste Veränderungen in der Temperatur oder dem Druck der Umgebungsluft wahrnehmen. Darüber hinaus kann er Individuen allein anhand ihres Geruchs unterscheiden, egal welche Anstrengungen diese unternehmen, ihren Körpergeruch zu überdecken. Er vermag Herzschläge über eine Distanz von sieben Metern zu vernehmen und so anhand Veränderungen des Herzrhythmus' erkennen, ob jemand lügt. Außerdem kann er die Menschen am Herzschlag unterscheiden.

Daredevil verfügt über die artistischen Fähigkeiten eines Zirkuskünstlers und die kämpferischen Eigenschaften eines Schwergewichts-Boxers. Obwohl er zahlreiche asiatische Kampfsportarten sowie die Technik des amerikanischen Faustkampfs studiert hat, verfügt er über einen unverwechselbaren Kampfstil. Er kombiniert Bewegungen und Schlagtechniken aus den verschiedensten Disziplinen.

Nachdem er Ben Afflecks Vorwort zu Kevin Smiths Bildergeschichte gelesen hatte, erkannte Johnson sofort die Eignung Afflecks für die Rolle des maskierten Rächers. "Ben hat nicht nur große schauspielerische Fähigkeiten, er ist genauso ein Comic-Fanatiker wie ich," lacht Johnson. "Darüber hinaus hat er den Vorteil, mit 1,92 Metern körperlich ziemlich eindrucksvoll gebaut zu sein. Ein Großteil der Story dreht sich um Glaubwürdigkeit, deshalb war es wichtig, einen Schauspieler zu finden, der auch so aussieht, als könne er jemanden spielen, der jede Nacht vollen Körpereinsatz bringt."

"Ben hat das nötige Handwerkszeug, die Körperkraft, das emotionale Einfühlungsvermögen sowie die Wachsamkeit, um sowohl Matt Murdock als auch Daredevil zu spielen," schwärmt Gary Foster. "Außerdem wirkt er in einer romantischen Hauptrolle völlig überzeugend. Nicht zuletzt kann er sich als lebenslanger Daredevil-Fan auch völlig in dessen Welt hineinversetzen."

Affleck gibt zu, dass DAREDEVIL für ihn weit mehr war, als nur ein typisches Rollenangebot unter vielen. Er fand es aufregend, solch einen wichtigen Teil seiner Kindheit in die Realität umgesetzt zu sehen. "Die Figur und die Comics übten eine beinahe magische, legendenhafte Anziehungskraft auf mich aus," verdeutlicht er. "Daredevil wirkt düster und hart, gleichzeitig aber auch sexy und romantisch. Für mich war es eine große Herausforderung, das zweidimensionale Medium Comic in eine real existierende, glaubwürdige und faszinierende Welt zu transformieren, ohne dabei das ursprüngliche Konzept zu verwässern."

Golden-Globe-Preisträgerin Jennifer Garner übernimmt die Rolle von Matts Angebeteter und gleichzeitig ärgster Feindin Elektra Natchios. Die Tochter des griechischen Wirtschaftsmoguls Nikolas Natchios ist eine todbringende femme fatale. Als unübertroffene Kampfsportlerin trägt Elektra den Meistertitel der legendären japanischen Ninja-Kunst. Darüber hinaus betreibt sie sowohl Leichtathletik und Gymnastik auf Olympia-Niveau. Ihre Lieblingswaffen: zwei dreispitzige Dolche, genannt 'sai'.

Die Filmemacher betrieben eine aufwändige Suche nach der geeigneten Schauspielerin für die Rolle der Elektra. Sie suchten jemanden mit genug Dynamik, um die privilegierte Tochter eines reichen Geschäftsmanns zu spielen, die sich aber im nächsten Augenblick in eine todbringende Kämpferin verwandeln konnte. "Eine Menge Leute schlugen sich förmlich um diese Rolle," erinnert sich Foster. "Wir schauten uns Kandidatinnen in Los Angeles, New York, Europa und Australien an. Wir wollten von Anfang Jennifer Garner vorsprechen lassen, doch wegen ihrer Fernseh-Engagements schaffte sie es nicht zu den Terminen. Plötzlich ermöglichten ihr Terminänderungen, sich mit uns zu treffen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits Hunderte von Schauspielerinnen gecastet, doch als sie vorsprach wussten wir: 'Dort steht unsere Elektra'".

"Jennifer hat die Fähigkeit, absolut süß und unschuldig auszusehen. Doch kaum wirft sie sich in Schale, wirkt sie sexy und exotisch," erzählt Mark Steven Johnson. "Wie ein Chamäleon besitzt sie die Fähigkeit, ihr Aussehen, den Kampfstil und den darstellerischen Ausdruck zu verändern. Genau danach haben wir für die Rolle der Elektra gesucht." Garner erarbeitete sich ihre Elektra hart, nicht zuletzt weil sie für die Kampfsportszenen trainieren mußste.

Lächelnd erzählt die Schauspielerin, dass bereits durch ihre TV-Rolle in "Alias" ihr "Kampfgeist" geweckt wurde und sie genau das auch an DAREDEVIL faszinierend fand. "Außerdem wollte ich Ben Affleck schlagen," scherzt sie. Neben der Hochspannungs-Action - und der Chance, mit ihrem Co-Star in den Ring zu steigen - interessierte Garner an DAREDEVIL besonders die romantischen und emotionalen Elemente, sowie die Zerrissenheit ihrer Figur. "Dieser Film besitzt ein Herz und einen emotionalen Kern, aus dem sich das ganze Geschehen entwickelt," erklärt sie. "Elektra ist gut und böse zugleich. Von Natur aus Pessimistin, kann sie aber durchaus optimistisch erscheinen. Sie wirkt wesentlich furchtloser und aggressiver als jede andere meiner früheren Rollen. Elektra sucht förmlich nach Auseinandersetzungen, anstatt nur auf die Abläufe um sie herum zu reagieren. Als starke, selbstbewusste und erotische Frau hat sie keine Angst davor, ihre sexuellen Reize einzusetzen, um andere Leute aus der Reserve zu locken."

Die Liebesgeschichte zwischen Matt und Elektra gehört zu den kompliziertesten Plots der gesamten Comic-Historie und stellt zugleich den zentralen Kern der Handlung dar. Die beiderseitige Hoffnung, ihrem Leben einen Sinn zu geben und die dunklen Seiten ihrer Persönlichkeiten zu bekämpfen, macht sie für einander weit interessanter, als es in traditionellen Beziehungen je der Fall wäre. "Matt und Elektra könnten kaum verschiedener sein," erklärt Avi Arad. "Elektra wuchs in äußerst privilegierten Verhältnissen auf. Sie besitzt alles, was Männer abschreckt. Plötzlich lernt sie diesen Blinden vom anderen Ende der gesellschaftlichen Leiter kennen - aus Hell's Kitchen. Letztendlich entwickelt sich ihre Liebe wie eine griechische Tragödie, denn sie versucht mit allen Mitteln, Daredevil zu töten. Natürlich realisiert sie nicht, dass Matt Murdock hinter der Maske steckt, der Mann, in den sie sich verliebt hat."

Elektras Leben wird durch das Auftauchen von Bullseye völlig aus den Fugen gerissen. Der Mörder mit der absoluten Zielsicherheit hat Elektras Vater als nächstes Opfer auserkoren. Zu Bullseyes charakteristischen Waffen zählen metallene Wurfsterne, genannt shuriken, doch er kann mit jedem anderen Objekt ebenso problemlos töten - sei es nun ein Bleistift, Spielkarten oder eine Büroklammer. Alle Dinge werden in den Händen des wahrscheinlich erfolgreichsten Attentäters der Welt zu tödlichen Waffen.

Colin Farrell ging völlig in seiner Rolle auf, die er mit einer unvergleichlichen Punk-Attitüde ausstattete. Es sei nicht viel Vorbereitung nötig gewesen, erklärt er. "Bullseye wird nicht durch die Grenzen der Realität eingeengt," verdeutlicht er. "Bullseye zu spielen hat mir deshalb so viel Spaß gemacht, weil ich jegliche Subtilität einfach an der Garderobe abgeben konnte," lacht Farrell. "Ich konnte so affektiert und durchgeknallt sein wie nur eben möglich. Noch nie zuvor habe ich so gearbeitet."

"Bullseyes Arbeitsgerät ist praktisch alles, was sich im selben Raum mit ihm befindet," erklärt Farrell. "Äußerst geschickt arbeitet er mit seinen Händen, egal ob es sich um einen Stift, eine Büroklammer oder ein Bierfilz handelt. Er kann dich aus vierzig Metern Entfernung einfach dadurch töten, dass er dich mit etwas bewirft. Außerdem trägt er diesen weiten, langen Mantel aus irgendeinem Reptilien-Material, den er als Fallschirm und Waffe benutzt. Doch den setzt er hauptsächlich zur Verteidigung ein." Für die ausgefallenen physischen Anforderungen der Rolle perfektionierte Farrell seine Fingerfertigkeit mit Zaubertricks und absolvierte eine Martial-Arts- und Kampf-Ausbildung.

Bullseyes aktueller Auftraggeber ist Wilson Fisk, genannt Kingpin, ein Selfmade-Millionär, dessen kriminelle Machenschaften Daredevil stets Probleme bereiten. Unter Einsatz seiner immensen Kraft und Körpergröße erreichte Kingpin den Erfolg seines Geschäfts, indem er sich nur auf eine Person verließ: sich selbst. Er regiert die Unterwelt der Ostküste mit eiserner Faust und zeigt keinerlei Toleranz gegenüber menschlichem Versage(r)n.

Aufgrund jahrelangen Trainings und Disziplin hat sich Kingpin zu einem exzellenten Nahkämpfer entwickelt. Diese kämpferischen Fähigkeiten, in Kombination mit einer für einen Mann seiner Größe ungewöhnlichen Leichtfüßigkeit, machen ihn zu einem mehr als ebenbürtigen Gegner für Daredevil. Im Comic erreicht Kingpin eine Körpergröße von etwas über zwei Metern und ein Gewicht von 204 Kilo. Wenn auch Michael Clarke Duncan mit 195,5 Zentimetern und 154 Kilo nicht ganz an dessen Maße heranreicht, freuten sich die Filmemacher doch immens darüber, den Oscar-nominierten Schauspieler mit an Bord zu haben. "Ich habe darauf bestanden, den bestmöglichen Darsteller für diese Rolle zu besetzen," erinnert sich Mark Steven Johnson. "Michael hat der Figur dann auch wirklich Leben eingehaucht."

Obwohl sicher einige über Duncans Besetzung verwundert sein werden, da Kingpin im Comic als Weißer dargestellt wird, wussten die Filmemacher, dass Duncan sämtliche Zweifel vom Tisch fegen würde. "Dem Geist dieser Rolle wird viel eher Rechnung getragen, wenn man die bestmögliche Besetzung dafür findet, als dass man sich von der Hautfarbe leiten lässt," verdeutlicht Johnson. "Ich bin mir sicher, dass selbst die hartgesottensten Comic-Fans zugeben werden, dass Michael einfach Kingpin ist."

Als Kind hatte Duncan die Daredevil-Bücher gelesen und daran besonders die Schauplätze in Hell's Kitchen geschätzt. "Wie die meisten anderen Superhelden auch, wuchs Daredevil nicht in einer netten Gegend auf," erzählt Duncan. "Er verbrachte seine Kindheit in einer Art Ghetto. Damit kann ich mich identifizieren, denn von dort komme ich auch. Ich habe täglich das durchstehen müssen, was er auch erlebt. Ich konnte einfach aus dem Fenster sehen oder die Straße runtergehen und die selben Dinge wie Daredevil oder Kingpin sehen."

Das Produzententeam bat den ohnehin schon immens mächtigen Duncan, für die Rolle des massiven, muskulösen Kingpin noch an Gewicht zuzulegen. Durch die Umsetzung eines strikten Konzepts aus Ernährung und Gewichtheben erreichte Duncan schließlich die für seine Rolle nötige Wuchtigkeit und Stärke. Der Darsteller erklärt, dass die unglaubliche Größe Kingpins ihn nicht in seinen kämpferischen Fähigkeiten hindere. "Man erwartet von ihm eigentlich nicht, ein großer Kämpfer zu sein. Seine Schnelligkeit, Reaktionsstärke und Beweglichkeit sind für einen Mann seiner Größe ziemlich ungewöhnlich. Deshalb wird Daredevil davon überrascht, dass Kingpin ihm an Schnelligkeit in nichts nachsteht. Genaugenommen kriegt Ben Affleck den Hintern ziemlich versohlt."

Kingpin, Bullseye und Elektra machen Daredevil das Leben ziemlich schwer. Deshalb liegt es an Matts bestem Freund und Mitinhaber der Anwaltskanzlei Murdock & Nelson, Franklin "Foggy" Nelson, für einige der fröhlicheren Momente des Films zu sorgen. Obwohl seit langen Jahren dessen intimer Vertrauter, hat Foggy von Matts geheimer Identität keine Ahnung. Ihre Freundschaft ist für Matt ein wichtiger Halt, eine Freundschaft in der auch der Humor nicht zu kurz kommt.

Jon Favreau, Hauptdarsteller vielbeachteter Independentfilme wie SWINGERS ("Swingers", 1996, Regie: Doug Liman) und MADE ("Made", 2001), den er auch selbst inszenierte, spielt die Rolle des Foggy. Er empfand eine gewisse Verantwortung darin, eine Figur zu spielen, mit der Millionen von Comic-Fans aufwuchsen. "Natürlich versucht man, den Geist der Comic-Figur zu bewahren, doch zur gleichen Zeit mußs man der Figur natürlich Leben einhauchen und sich selbst einbringen," bemerkt der Schauspieler. "Comic-Figuren tendieren zu einer gewissen Eindimensionalität, weswegen man bei der Verfilmung Leben in die Sache bringen mußs."

Favreau und Affleck gehören der selben Generation von Schauspielern und Filmemachern an, die sich durch Independent-Produktionen in der Szene einen Namen verschafften. Sie teilen auch eine gewisse Weltsicht und ähnliche Empfindungen. "Ich denke, durch die Besetzung von Ben und mir wurde ein Aspekt der Beziehung aus dem Comic eingefangen. Doch wir gaben den beiden eine noch größere Dimension," verdeutlicht Favreau. "Ben und ich lachen über ähnliche Dinge, und so spiegelt sich diese Chemie auf der Leinwand wider. Wir haben eine Menge Spaß miteinander."

Der gefeierte Charakterdarsteller Joe Pantoliano, erst kürzlich in einer Episodenhauptrolle der Serie "The Sopranos" im amerikanischen Fernsehen zu bewundern, übernimmt die Rolle des Ben Urich. Als verbissener Reporter der New York Post hat er es sich zum Ziel gesetzt, die Identität des berüchtigten Kingpin zu lüften. Doch seine Suche führt zu einer weitaus größeren Story: Daredevils Geheimnis.

Pantoliano beschreibt seine Figur als "... Reporter, der in der Wahrheit herumgräbt und die Lügen entlarvt." Je näher Urich der Wahrheit kommt, desto gefährlicher wird er den Hauptpersonen.

"Kingpin will nicht, dass Urich seine echte Identität erfährt," verdeutlicht Pantoliano. "Noch weniger möchte Daredevil sein Geheimnis gelüftet sehen, obwohl er eine ganze Menge Indizien hinterlässt. Urich realisiert, dass Daredevil das, was er tut, für die Menschen tut. Für die Unterprivilegierten seiner Umgebung. Er weiß das zu schätzen. Am Ende realisiert der Reporter, dass er mit der Veröffentlichung seiner Story einige Leute verletzen wird und steht vor einem großen moralischen Dilemma."

In einer weiteren Rolle ist David Keith als Jack 'The Devil' Murdock, Matts Vater, zu sehen. Der heruntergekommene Preisboxer verdient seine Brötchen als Schutzgeld-Eintreiber für einen örtlichen Kriminellen. "Das Schicksal Jacks verändert Matt Murdocks Leben," erklärt Keith. "Es ist die Triebfeder für sein Jurastudium und letztendlich auch der Grund dafür, dass er zur Selbstjustiz greift und zu Daredevil wird. Er ist verärgert darüber, dass sein Vater sterben mußste, weil er eigentlich ein guter Mensch war."

Die Produktion Die weltbesten Martial-Arts-Choreografen, Action-Spezialisten und Trainer versammelten sich am Set von DAREDEVIL, um einige der eindrucksvollsten je auf Zelluloid gebannten Actionszenen zu entwerfen und auszuführen.

Drei Monate vor Drehbeginn startete Ben Affleck als Vorbereitung für seinen Einsatz als Daredevil ein rigoroses Kampf- und Fitnesstraining. Zusammen mit Stunt-Koordinator Jeff Imada und dem legendären britischen Kampftrainer Dave Lea übte Affleck jeden Tag vor und während der Produktion eine Reihe verschiedener Kampf-Stile ein. "Der gesamte Trainingsplan stellte eine Neuheit für Ben dar," erzählt Lea. "Wir haben mit Dehnübungen angefangen, dann die Übungen mit den Händen trainiert und schließlich den Kampf mit Stöcken. Anschließend entwarfen wir eine Kombination aus Straßenkampf, der Art, wie in Gefängnissen gekämpft wird, Boxen und verschiedenen Kung-Fu-Stilen. Für Daredevil stellt jeder Kampf eine Neuheit dar. Er benutzt immer das, was er in dem Augenblick gebrauchen kann und steckt genauso oft ein, wie er austeilt. Daredevil kann gelenkig und graziös kämpfen, aber auch schnörkellos und schmutzig."

Der blinde Schauspieler Tom Sullivan, dessen legendäre Lebensgeschichte als Vorlage für den Fernsehfilm "If You Could See What I Hear" diente, unterstützte sowohl Ben Affleck als auch Scott Terra, der den Jungen Matt Murdock spielt, als Berater. "Mein Job war es, Ben Affleck zum besten Blinden auf der Welt zu machen," erinnert sich Sullivan. Sullivan arbeitete eng mit Affleck und Regisseur Mark Steven Johnson zusammen um eine ausgewogene Balance zwischen Matt Murdock als Anwalt und Matt als Daredevil zu konzeptionieren. "Wir versuchten, einen Zustand zu finden, in der Matt stets die Möglichkeit besitzt, zu Daredevil zu werden und gleichzeitig sein Geheimnis vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Als Matt mußste Ben daran denken, "blinder" zu wirken, als im Kostüm Daredevils." Sullivan, der sein Leben lang begeistert Sport getrieben hat und die US-Meisterschaften im Ringen gewann, beriet Affleck und seinen Trainer auch beim Nahkampftraining.

Der berühmte Kampfkunst-Spezialist Cheung Yan Yuen choreographierte mehrere der entscheidenden Actionszenen des Films. Yuen, der in seiner Heimat Hongkong eine Filmlegende ist und hierzulande vor allem für die Arbeit an CHARLIE'S ANGELS ("3 Engel für Charlie", 2000, Regie: McG) bekannt wurde, entstammt einer Dynastie von Kampfsport-Experten. Sein Bruder Wo-Ping Yuen choreographierte bereits die Actionszenen von CROUCHING TIGER, HIDDEN DRAGON ("Tiger & Dragon", 2000, Regie: Ang Lee) und THE MATRIX ("Matrix", 1999, Regie: Andy Wachowski, Larry Wachowski). Er gibt zu, anfänglich Bedenken in Bezug auf die Fähigkeiten der Hauptdarsteller Affleck, Garner und Farrell gehabt zu haben - vor allem ob sie dazu in der Lage waren, die Kampfszenen zu drehen, die er für sie entworfen hatte. "Ich war angenehm überrascht und erfreut über ihr Können," erzählt Yuen. Affleck, Garner und Farrell übernahmen sogar den Großteil ihrer Stunts selbst.

Auto- und Motorradverfolgungen sowie Schusswechsel fielen hingegen in den Aufgabenbereich des Stunt-Koordinators Jeff Imada. Das Stunt-Urgestein hat seine Fähigkeiten bereits bei über 100 Filmen bewiesen, darunter BLADE ("Blade", 1998; Regie: Stephen Norrington), FIGHT CLUB ("Fight Club", 1999, Regie: David Fincher) und BLADE RUNNER ("Blade Runner", 1982, Regie: Ridley Scott).

Trotz der aufwändigen Kampfszenen und Akrobatikeinlagen versuchten die Filmemacher, die Action realistisch zu halten. Denn Matt und Elektra sind schließlich keine Superhelden, sondern echte Menschen. Deshalb sollten ihre körperlichen Fähigkeiten auch glaubwürdig erscheinen. "Wir haben dafür gesorgt, dass alle unsere Figuren den Gesetzen der Schwerkraft folgen," erklärt Gary Foster. "Daredevil besitzt einen viel brutaleren Kampfstil mit mehr Körpereinsatz, als viele seiner Comic-Kollegen. Er ist der Typ, der beim Sprung von einem Gebäude an mehreren Feuerleitern hängen bleibt, um sich abzubremsen."

Bevor die Kameras jedoch überhaupt laufen konnten, mußste Produktionsdesigner Barry Chusid zusammen mit seinem aus Set-Designern, Konzeptions-Künstlern, Dekorateuren und Storyboard-Zeichnern bestehenden Team Daredevils Umfeld entwerfen. Darin sollten sowohl Daredevils Blindheit als auch die auffallende Farbenwahl der Kostüme Berücksichtigung finden.

Hell's Kitchen, das auf der Westseite Zentral-Manhattans zwischen 34. und 59. Straße bzw. zwischen der 8th Avenue und dem Hudson River gelegene Areal, beheimatet Matt Murdocks Wohnung und dessen Arbeitsstätte. Obwohl die heutige, relativ sichere Hell's Kitchen eine hippe Heimat für Künstler, Berühmtheiten und die New Yorker Bürgerschicht bietet, reflektiert dessen Abbild in DAREDEVIL jene Zeit, die dem Viertel seinen berüchtigten Ruf verlieh.

Matt Murdocks Apartment wurde in den fünften Stock eines historischen Gebäudes im Juwelier-Viertel von Los Angeles verlegt. Dem Apartment angeschlossen ist ein als Werkstätte genutzter Geheimraum, in dem Daredevil seinen charakteristischen Knüppel sowie das rote Kostüm herstellt. Im Apartment befinden sich außerdem eine Schlafkammer sowie ein nach oben hin geschlossener Wassertank, in dem sich Daredevil von der Reizüberflutung seiner Umgebung erholt.

Neben dem Eingang zu Matt Murdocks Apartment hängt ein riesiges Steinrelief, das Engel und Teufel im Kampfgetümmel zeigt - das steingewordene Gegenstück zum Gewissenskampf zwischen Matts guten und schlechten Seiten. Chusid entschied sich darüber hinaus dafür, alles in Matts Wohnung, von den stählernen Kleideretiketten bis hin zu seinen Küchenschränken, mit Blindenschrift zu versehen.

Einige von Chusids Entwürfen gingen Hand in Hand mit den Designs des Visual Effects Supervisors Rich Thorne, dessen Team große Teile von Hell's Kitchen am Computer wiederauferstehen ließ. Ein Hauptteil der Bemühungen der Effekte-Abteilung konzentrierte sich auf Daredevils einzigartige "Schattenwelt", die wie ein weiterentwickeltes Echolot funktioniert. Wie bei einem Echolot kann Daredevil dank seines hochpräzisen Gehörsinns Formen anhand der Art erkennen, wie Schallwellen von ihnen reflektiert werden. Doch seine Fähigkeiten gehen weit über konventionelle Schallortung hinaus - dreidimensionale Details werden von Daredevil weit besser "gesehen" als Menschen sie mit bloßem Auge erkennen könnten. Um dieser Schattenwelt eine größere Echtheit und Tiefe zu verleihen, werden Schallwellen in DAREDEVIL durch Schatten dargestellt, anstatt sie durch Lichtwellen zu symbolisieren.

Die Effekte-Spezialisten arbeiteten eng mit den Sound-Designern zusammen, die für DAREDEVIL ein kompliziertes und dynamisches System aus Geräuschen entwickelten. Dieser Mix soll dem Publikum dabei helfen, sich in Daredevils düstere, überempfindliche Welt der Geräusche einzufühlen. Die Filmemacher wollten den Kinogängern die selben Empfindungen ermöglichen wie dem rot-gekleideten Helden.

Die Hauptaufgaben des Sound Design- und Ton-Misch-Departments konzentrierten sich auf zwei Kampfszenen: das entscheidende Duell in einer weitläufigen Kathedrale sowie die turbulente Auseinandersetzung in Josie's Bar, einer Location, die jedem Daredevil-Leser vertraut sein dürfte. In der Kathedralen-Szene bewegt sich der Großteil der Action rund um eine riesige Orgel und deren Pfeifen, die schließlich sogar zu Waffen umfunktioniert werden. "Diese Örtlichkeit gab uns natürlich ideale Bedingungen, um mit dem Sound zu experimentieren," verdeutlicht Sound-Designer Steve Boddeker. "Wir durften sowohl mit Raum und Zeit, als auch mit den Geräuschen herumexperimentieren."

In der Bar-Sequenz werden Daredevils mächtige Wahrnehmungsfähigkeiten offenbar, die er sich für seine übermenschliche Kampfstärke zunutze macht. Er vermag buchstäblich Geschehnisse zu fühlen, bevor sie überhaupt passieren - etwa das Laden einer Waffe - selbst wenn er von einer überwältigenden Geräuschkulisse umgeben ist.

Revell verdeutlicht, dass er seinen Soundtrack vor allem auf die emotionalen Aspekte der Geschichte ausgerichtet hat, darunter die Romanze zwischen Matt und Elektra sowie Matts schwierige Kindheit, deren Auswirkungen sich bis in dessen Erwachsenendasein erstrecken. Mike Einziger, Lead-Gitarrist der Band Incubus, gab einige entscheidende Hilfestellungen für die Romantik- und Heldenmotive der Filmmusik.

Der dreifach Oscar-gekrönte Kostümdesigner James Acheson (THE LAST EMPEROR; "Der letzte Kaiser", 1986, Regie: Bernardo Bertolucci / DANGEROUS LIAISONS; "Gefährliche Liebschaften", 1989, Regie: Stephen Frears / RESTORATION; "Restoration - Zeit der Sinnlichkeit", 1995, Regie: Michael Hoffman) schloss sich nach der Arbeit an SPIDER-MAN dem DAREDEVIL-Team an. Zusammen mit der assoziierten Kostümdesignerin Lisa Tomczeszyn leitete er eine 40 Mann starke Abteilung.

"Nachdem ich mit Jim an SPIDER-MAN gearbeitet hatte, stellte ich den Kontakt zwischen ihm und Regency, bzw. Fox für DAREDEVIL her," erzählt Arad. "Als immens begabter Designer verfügt Jim über eine einzigartige Sicht auf diese Figuren."

In der Vorbereitungsphase für ihre Daredevil-Kostüme kam natürlich auch die Jahrzehnte alte Idee des Spandex-bekleideten Superhelden auf. Doch nach kurzer Überlegung wurden diese Ideen sofort verworfen, erinnerten diese Outfits doch zu sehr an Ballett-Uniformen oder Zirkus-Kostüme. "Wir wollten kein Spandex-Kostüm schneidern," verdeutlicht Gary Foster. "Wir achteten eher darauf, dass das Outfit den Ansprüchen entgegenkam und eine gewisse Schutzfunktion übernahm. Daredevil ist schließlich ein normal Sterblicher und kann diesen Schutz gut gebrauchen." Der gesamte Entwicklungsprozess des Daredevil-Anzugs dauerte beinahe acht Monate.

Das Endergebnis kombiniert Comic-Traditionen mit moderner Funktionalität und heutigem Geschmack. In den Zweiteiler wurden Arm- und Brustmuskeln integriert, die zusätzlichen Schutz geben, die dunkelrote Farbe verwandelt sich im Schatten in tiefstes Schwarz und die Maske besitzt vorgefertigte Gesichtszüge und individuell angepasste rote Gläser. Daredevils Waffengurt, in dem er seinen charakteristischen Knüppel aufbewahrt, wurde aus Kevlar handgefertigt und mit Leder und Militär-Schließen vollendet. Seine Stiefel ähneln mit ihren vielen Schnallen einer aerodynamischen Version der bekannten Motocross-Boots.

Tomczeszyn verdeutlicht, dass die Comic-Helden eine visuelle Poesie besäßen, deren Einzelheiten sie unverwechselbar machten - sei es nun eine Kapuze, ein Symbol oder eine Waffe. "Wir wollten diese Erkennungszeichen natürlich beibehalten und dennoch ein Outfit entwickeln, das unserer heutigen Straßenkleidung entspricht," erklärt sie. Auch an Bullseyes Kostüm nahmen die Designer einige Veränderungen im Vergleich zum Comic vor. Darin trägt der Auftragskiller das auf einer Spandex-Maske aufgedruckte Symbol eines Ochsenauges. Farrell hingegen zeigt das Ochsenauge als dreidimensionales Ornament auf der Stirn.

Um sich in Bullseye hineinzuversetzen, rasierte sich Farrell eine Glatze, legte sich zahlreiche Ohrringe an und piercte seine linke Augenbraue mit Stacheln. Die Designer wiederum entschieden sich für einen silbrig-blauen Krokodilledermantel, den sie aus geprägtem Leder und gemustertem Latex anfertigten und mit einer langen Schleppe versahen. Seine Hose schneiderten sie aus knittrigem Leder, das sie mit beinlangen Fransen verzierten. Auch Farrells eigene Tattoos wurden als wichtige Verzierungen in seine Ausstattung integriert.

Für die erotisch-schicke femme fatale Elektra Natchios stellten sich die Filmemacher eine europäisch wirkende Designer-Garderobe vor, die aber auch lässig-elegant sein sollte. Ihre Kostüme sollten darüber hinaus die Disziplin einer Kampfsport-Expertin widerspiegeln.

"Jim Acheson vollbrachte eine großartige Leistung, Elektras Kostüme so cool wie möglichwirken zu lassen," schwärmt Jennifer Garner. "All diese Superhelden-Outfits strahlen etwas äußerst hippes aus und unterscheiden sich radikal von den durchschnittlichen Strumpfhosen-Kostümen. Dazu zählt ohne Frage auch das Meine."

Obwohl die Fans der Daredevil-Comics Elektra nur mit ihrer charakteristischen langen, roten Schärpe kennen, versuchten die Filmemacher einen funktionelleren und dennoch gleichermaßen erotischen Look zu erreichen. Elektras "Killer"-Kostüm besteht aus einem "Kunstleder" genannten Material. Dabei wird Stretch-Vinyl geprägt, um Leder zu symbolisieren. Elektra trägt schwarz, als Zeichen der Trauer um ihren ermordeten Vater. Auf ihrer Kleidung sind die japanischen Schriftzeichen für Gerechtigkeit, Sieg und Stärke eingestickt. In den Anzug wurden Schwertscheiden eingearbeitet, in denen sie ihre sais aufbewahrt.

In Einklang mit seinem Aussehen in den Comics trägt Wilson Fisk, alias Kingpin, einen dreiteiligen Zweireiher, der an die Kleidung mächtiger Gangsterbosse in den alten Filmklassikern erinnert. Damit sie dem riesigen Michael Clark Duncan passte, wurde die gesamte Kingpin-Garderobe handgefertigt, von den Hemden, Anzügen und Schuhen bis hin zu den Manschettenknöpfen und der Krawattennadel.

Abschließende Gedanken Die Dreharbeiten zu DAREDEVIL stellten die Hauptdarsteller wie den Regisseur vor eine große Herausforderung und erwiesen sich als intensives und belohnendes Erlebnis, das beiden etwas bedeutete. Mark Steven Johnson, dessen Kindheit durch die Daredevil-Comics begleitet wurde, erlebte die Erfüllung eines langgehegten Traumes - Regie bei einem Spielfilm über seinen Helden zu führen.

Ben Affleck fühlte sich ebenfalls seit seinem zwölften Lebensjahr zu dieser Figur hingezogen und schien prädestiniert dazu, an dieser Produktion teilzuhaben. "Daredevil erschien mir stets ein wenig erwachsener und realer als andere Comic-Charaktere," verdeutlicht Affleck. "Die Story hat etwas düster-romantisches und gleichzeitig diese mystische Atmosphäre. Ich habe Daredevil nie vergessen und immer darauf gehofft, ihn einmal zu spielen."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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