No Man's Land

Über die Entstehung des Films

DANIS TANOVIC: "Ich erinnere mich an dieses seltsame Gefühl, das ich hatte, als der Krieg in Bosnien anfing, wenn ich z. B. schwarze Einschlagslöcher in Gebäuden sah oder richtige Krater auf den Feldern. Stellen Sie sich vor, jemand klebt ein Schwarz-Weiß-Foto auf ein Van-Gogh-Gemälde, und Sie verstehen vielleicht, was man fühlt, wenn man so etwas sieht. Diese Disharmonie war eine Art visueller Schock für mich, der mir das Gefühl von Bitterkeit und Machtlosigkeit gab.

Ich habe versucht, die Macht dieses Schocks in meinem Film zu reproduzieren. Auf der einen Seite ein sonniger Sommertag - wunderschöne Natur, starke Farben - und auf der anderen Seite menschliche Wesen und ihre abgründige Verrücktheit. Dieser lange heiße Sommertag reflektiert nun die Atmosphäre des gesamten Films an sich: Bewegungen sind träge, Gedanken sind schwer zu fassen, die Zeit läuft verlangsamt ab und die Spannung ist latent vorhanden, und wenn sie dann endlich hervorbricht, ist es wie ein Feuerwerk - plötzlich, laut und extrem schnell. Panorama-Aufnahmen der Landschaft werden völlig unerwartet mit Action-Sequenzengemixt. Das alles dauert nur einen Moment oder zwei und die Spannung ist wieder weg - versteckt wartet sie dann auf die nächste Gelegenheit, uns zu überraschen. Und die Zeit verlangsamt sich wieder.

Ich wollte, dass dieser Film voller Kontraste und Disharmonien ist. Aber zudem wollte ich zeigen, dass Disharmonie und Hass unnatürlich sind, dass sie keine Lösung bringen. Irgendwo habe ich gelesen, dass Liebe Harmonie in einen Konflikt bringen kann, ohne eine der beiden Seiten zu zerstören. Hass bewirkt das Gegenteil. Wenn Hass das Generalprinzip unserer Gesellschaften wäre, gäbe es keinerlei Opposition mehr in der Welt. Aber so wie Wasser und Feuer nebeneinander existieren, glaube ich, dass auch die Liebe die Welt dirigiert. Die Charaktere in dieser Geschichte ähneln sich alle. Sie sind einfache Leute, fast Anti-Helden, die in der Qual des Krieges gefangen sind. Ein Soldat auf einer Seite der Kriegsfront könnte genauso gut auf der anderen Seite stehen, nur sein Name wäre dann anders.

Ich versuche nicht, Verantwortung für die während des Bosnienkrieges begangenen Verbrechen abzustreiten. Ich weiß, dass es auf der einen Seite Opfer gab wie auch auf der anderen und Menschen, die Verbrechen begangen. Aber das Ziel meines Films ist nicht, anzuklagen oder mit dem Finger auf die zu zeigen, die falsch gehandelt haben. Er soll vielmehr eine Stimme gegen den Krieg, gegen jede Art von Krieg erheben. Dies ist meine Art, gegen die Gewalt zu stimmen."

NOÉ PRODUCTIONS: "Seit Jahren - oder genauer seit Milcho Manchevski "Before the Rain" - waren wir auf der Suche nach einem Projekt, das die Absurdität des Krieges im ehemaligen Jugoslawien sowie dessen Zukunft schildern könnte. Im September 1999 brachte uns der bosnische Regisseur Danis Tanovic ein Drehbuch in unsere Büros. Er rief nicht an, er insistierte nicht, wir wussten nichts von ihm außer, dass er aus Sarajevo kam und Film in Belgien studiert hatte. Wir lasen sein Drehbuch "No Man's Land" und waren sofort fasziniert.

Wir entschieden uns, den Film in Slowenien zu drehen. Als ehemalige jugoslawische Republik besitzt das Land alle notwendigen Elemente für die Konzeption des Films: Slowenien ähnelt Bosnien hinsichtlich der Geografie, die Techniker gehören zu den Besten Europas, es herrscht Frieden, und die Sprache, auch wenn sie nicht identisch ist, ist für die meisten Menschen aus den anderen ehemaligen jugoslawischen Republiken leicht verständlich.

Nun blieb uns nur noch die Aufgabe, geeignete Schauspieler zu finden. Die Wahl Sloweniens als Drehort half uns ungemein während des Castings: Alle drei Hauptakteure kamen entweder aus Slowenien oder aus dem benachbarten Kroatien. Bosnien war so nah, dass wir kleinere Szenen und einige Extras in Sarajevo aufnehmen konnten. Der Regisseur fuhr mehrmals nach Brüssel und wählte dort seine "französischen" Charaktere aus jungen Schauspielern des mitproduzierenden Landes aus. Die Wahl Katrin Cartlidges war irgendwie selbstverständlich, da sie nach einer unvergesslichen Erfahrung mit ihr bei "Before the Rain" mit allen Produzenten befreundet war. Auch Simon Callow wurde von den Produzenten gewählt, und Tanovic war sofort einverstanden."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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