The Hours - Von Ewigkeit zu Ewigkeit

Ausführlicher Inhalt

Richmond bei London 1923 Noch liegt Virginia Woolf (Nicole Kidman) im Bett, aber heute wird sie aufstehen und schreiben. Heute ist ein guter Tag, an dem der Autorin der Anfangssatz ihres Romans "Mrs. Dalloway" endlich gelingt. Seit sie wegen Virginias depressiven Neigungen London verlassen haben, sorgt sich Ehemann Leonard (Stephen Dillane) um so mehr um ihr Wohlergehen.

Aber für das Dasein der funktionierenden Vorstadtgattin, den angemessenen Umgang mit Dienstboten, ist Virginia nicht geschaffen. Barsch schickt sie das Dienstmädchen Nelly (Linda Bassett) nach London, um Ingwerstäbchen zum Tee zu holen, auch wenn sie viel lieber selbst in die Großstadt fahren würde.

Zum Nachmittagstee wird Virginias Schwester Vanessa (Miranda Richardson) samt Kindern um vier Uhr erwartet. Während Leonard an Korrekturfahnen eines Buches arbeitet, geht Virginia spazieren, sinniert über ihre Romanheldin und deren Selbstmord.

Vanessa erscheint früher und strapaziert Virginias Nervenkostüm mit ihrer schwesterlichen, spitzzüngigen Sorge. Virginias kleine Nichte findet einen toten Vogel im Garten und will wissen, was nach dem Tod passiert: "Wir kehren dorthin zurück, wo wir her kamen", entgegnet ihre Tante "und können uns nicht daran erinnern."

Die folgende Konversation der Geschwister gerät zum Fiasko, Virginia fühlt sich von Vanessa als gestört gebrandmarkt und rastete aus. Doch als die Schwester überstürzt und entrüstet abreist, bricht sie fast zusammen. Völlig aufgelöst verlässt Virginia das Haus. Sie macht sich auf den Weg zum Bahnhof, will nach London, jener Stadt, deren kreativen Input sie schmerzlich vermisst ? in der sie aber auch schon zwei Selbstmordversuche begangen hat.

Leonard bemerkt ihre Abwesenheit. Er ahnt wo seine Frau ist und stellt sie schließlich am Bahnhof ...

Los Angeles 1952 Laura Brown (Julianne Moore) tut so, als ob sie noch schlafen würde. Heute hat ihr Mann Dan (John C. Reilly) Geburtstag und sie sollte das Frühstück bereiten. Aber Laura liegt wie gelähmt, möchte lieber noch ein paar Seiten lesen in ihrer Lektüre "Mrs. Dalloway".

Als ihr Mann zur Arbeit gegangen ist, erklärt Laura ihrem kleinen Sohn Richie (Jack Rovello), dass sie Dan heute gemeinsam einen Kuchen backen werden, "weil man Daddy so seine Liebe zeigt". Was für eine Liebe ist das, zu der eine Frau sich verpflichtet fühlt, weil ihr Mann ein Kriegsheld ist?

Das Backwerk misslingt, zumindest nach den perfekten Hausfrauenkriterien von Nachbarin Kitty (Toni Collette), die plötzlich hereinplatzt. Die beiden Frauen führen ein absurdes Gespräch über die Liebe zu ihren Männern. Schließlich bröckelt Kittys Sonnenschein-Fassade und eine schwerkranke, von ihrem Mann damit allein gelassene Frau tritt zutage.

Laura verspricht Kitty, während ihres Klinikaufenthalts auf ihren Hund aufzupassen. Laura bringt den verstörten Richie später zu einer Bekannten, packt ihr Buch ein und mietet sich ? das allein schon ein ungeheuerlicher, beängstigender Akt der Freiheit ? ein Hotelzimmer für diesen Nachmittag, um ungestört lesen zu können.

Am Abend kehrt sie zum nichtsahnenden Dan zurück. Sie präsentiert ihm einen neuen, perfekten Kuchen, eine perfekte kleine Party und beschließt beim Zähneputzen, dieses Leben endgültig aufzugeben.

"... als wäre sie durch Alices Spiegel gegangen; als befänden sich das Foyer, das Treppenhaus und der Flur draußen in einer völlig anderen Welt, einer anderen Dimension." Michael Cunninghams "Die Stunden"

New York 2001 "Mrs. Dalloway sagte, sie wolle die Blumen selber kaufen ... Und dann, dachte Clarissa Dalloway, was für ein Morgen ? frisch, wie geschaffen für Kinder am Strand." Virginia Woolf, "Mrs. Dalloway"

Es wird eine große Party, die Clarissa Vaughan (Meryl Streep) für ihren alten Freund Richard (Ed Harris) ausrichtet. Endlich hat der begabte Dichter eine Auszeichnung für sein Werk erhalten. Und die Verleihung des Preises will Clarissa nutzen, um Richard die Gelegenheit zu geben, möglichst viele Weggefährten seines Lebens noch einmal zu sehen.

Richard leidet an AIDS im Endstadium und seine Monate sind gezählt. Auf dem Weg zu seiner Wohnung kauft Clarissa noch Blumen in ihrem Stammgeschäft. Wie immer begrüßt Richard sie mit "Mrs. Dalloway", jenem Spitznamen, den er ihr vor langen Jahren verliehen hatte.

Inzwischen verfällt der brillante Denker aufgrund der Krankheit nicht nur körperlich sondern kämpft auch mit Wahnvorstellungen und Blackouts. Sein beißender Zynismus ist jedoch noch wach und Clarissa reagiert schockiert, als Richard ihr eröffnet, dass er ohnehin nur noch lebe, um sie zufrieden zu stellen. Schließlich lenkt sie ein und kündigt an, ihn am Nachmittag für die Party abzuholen.

Zu Hause versucht Clarissas Lebensgefährtin Sally (Allison Janney) sie aufzumuntern, als die beiden die Tischordnung für das Fest planen. Aber es will ihr nicht recht gelingen. Als Sally weg ist, steht plötzlich Louis (Jeff Daniels) vor der Tür. An ihn hatte sie Richard damals verloren. Louis war Richards große Liebe, auch wenn die beiden inzwischen seit Jahren getrennt sind. Der höfliche Small Talk zwischen Louis und Clarissa landet denn auch schnell bei diesem verstörenden Thema.

Als Louis wieder weg ist, kreist auch zwischen Clarissa und ihrer Tochter Julia (Claire Danes) das Gespräch um Glück und Liebe. Schließlich erscheint "Mrs. Dalloway" wieder bei ihrem kranken Freund, um ihn abzuholen: Als sie die Wohnung betritt, sind alle Vorhänge heruntergerissen und Richard kauert auf einer Fensterbank. "Ich liebe Dich", gesteht er ihr und lässt sich aus dem Fenster fallen ...

"Wenn jemand mich hätte retten können, wärest Du es gewesen. Alles andere hat mich verlassen, außer dem sicheren Wissen um Deine Güte." Virginia Woolf, Abschiedsbrief

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