25 Stunden

Produktionsnotizen

Über den Film "Mir gefällt die Vorstellung, dass sich ein Film in einem Zeitraum von nur 24 Stunden abspielt", meint Regisseur Spike Lee. Nachdem er mit DO THE RIGHT THING ("Do the Right Thing", 1989) vor 13 Jahren schon einmal eine Geschichte erzählt hatte, die an einem einzigen Tag stattfindet, und eine Oscar®-Nominierung für sein Drehbuch erhalten hatte, wollte Lee diesen Ansatz noch einmal aufgreifen und in eine neue Richtung entwickeln.

Seinen Ursprung hat 25 STUNDEN in David Benioffs Roman "25th Hour", der 2001 veröffentlicht wurde und blendende Kritiken einheimsen konnte. Noch bevor das Buch auf den Markt gekommen war, hatten sich Industry Entertainment und Tobey Maguire die Filmrechte daran gesichert. Die Produzentin Julia Chasman und der ausführende Produzent Nick Wechsler waren begeistert von dem Material und gaben dem Erstlingsautor sogleich die Chance, selbst auch das Drehbuch zu verfassen. David Benioff sagt: "Ich fand, dass niemand die Story besser kennt als ich."

Die Tatsache, dass die Hauptfigur - ein überführter Drogendealer namens Monty Brogan, der im Film von Edward Norton gespielt wird - ein zwielichtiger Typ ist, störte Spike Lee nicht im Geringsten. "Ich wähle meine Filme nicht danach aus, wie sympathisch ihre Figuren sind", erklärt er. "Monty Brogan ist ein Drogendealer - die Menschen werden das abstoßend finden. Aber oft ist es so, dass unsympathische Figuren der Stoff sind, aus dem die besten Filme gemacht werden, weil sie die besten Geschichten zu erzählen haben. So wähle ich meine Projekte aus: Ich suche nach Geschichten, die mir interessant erscheinen."

"Man kann das Potenzial eines Films nicht daran abmessen, ob eine seiner Figuren Entscheidungen trifft, die man selbst im Leben niemals treffen würde. Wenn das so wäre, würde man ja nichts mehr darzustellen haben", bekräftigt Edward Norton Lees Sichtweise.

"Monty ist ein Drogendealer, aber er ist nicht unbedingt ein schlechter Mensch", berichtet Norton. "Er, seine Freunde und seine Familie haben ganz unterschiedliche und komplizierte Ansichten, was sie von seinen Entscheidungen im Leben halten. Das Drehbuch erschien mir, als wäre es mitten aus dem Leben gegriffen - und das findet man nur sehr selten." Die Möglichkeit, einen von den Figuren bestimmten Ensemblefilm zu drehen, gefiel Spike Lee. Denn in 25 STUNDEN geht es genauso um die Charaktere, die Monty Brogan umgeben: Seine Freunde und seine Familie sind ebenso wichtig wie er. "Ich habe mich nicht nur für die Denkweise von Monty interessiert, sondern auch dafür, was in den Köpfen der Leute um ihn herum vorgeht", sagt Lee. "Für sie ist es nicht minder hart, mit der Tatsache umzugehen, dass ein ihnen vertrauter Mensch nur noch 24 Stunden hat, bevor er eine langjährige Haftstrafe antreten mußs. Was sagt man zu ihm? Wie benimmt man sich in diesen 24 Stunden in seiner Gegenwart? Redet man darüber? Oder sagt man einfach nur: Füllen wir ihn ab und sorgen dafür, dass er eine möglichst gute Zeit hat?"

"Dies ist ein Film, der sich mit Themen befasst, die jedem im Publikum bekannt vorkommen werden", erläutert Norton. "Wir alle haben Freundschaften, die auf Dingen in der Vergangenheit basieren, aber im Lauf der Zeit an Gewicht verloren haben, weil man diese starke Verbindung von damals in der Gegenwart nicht mehr spürt. Manchmal setzt man sich mit Leuten hin, die man seit langer Zeit kennt, und denkt sich: ,Würde ich dich heute kennen lernen, würde ich mich nicht mehr mit dir anfreunden.' Es ist die Vergangenheit, es sind die gemeinsamen Erlebnisse, die einen aneinander binden. Das Drehbuch interessiert sich dafür, wie Freundschaften auseinander driften können, wie Freundschaften nur noch wegen der Vergangenheit existieren, obwohl längst Ressentiments bestehen, die man nie angesprochen hat, es geht darum, wie Menschen sich voneinander entfernen, ohne dass man es sich selbst eingesteht."

Barry Pepper, der Montys langjährigen Freund Slaughtery spielt, stimmt zu, dass es in dem Film um turbulente Beziehungen geht, hat aber den Eindruck, dass Liebe und nicht Hass der Grund für die hochkommenden Gefühle ist. "Das sind ganz grundsätzliche Emotionen, mit denen sich alle Freunde auseinander setzen müssen", meint der Schauspieler. "Da gibt es immer kleine Eifersüchteleien oder ein Verlangen danach, das zu haben, was der andere hat. Und das spielt sich auch in der Freundschaft von Monty und Slaughtery ab. Sicher, da gibt es turbulente Emotionen, aber ich würde sagen, dass Hass ein viel zu starkes Wort für das wäre, was sich zwischen ihnen abspielt. Liebe ist ein viel wichtigeres Thema in diesem Film, denn am Ende erkennen beide, dass sie sich lieben wie Brüder, auch wenn sie manche Entscheidungen verabscheuen, die der andere in seinem Leben getroffen hat, und sich wünschen, dass es wieder so sein könnte wie damals, als sie noch Kinder waren."

Über die Besetzung Mit Hilfe der Produzenten Tobey Maguire und Jon Kilik und des ausführenden Produzenten Nick Wechsler gelang es Spike Lee, für 25 STUNDEN eine Traumbesetzung mit einer Reihe preisgekrönter Schauspieler zu versammeln. Im Mittelpunkt des Films steht natürlich Edward Nortons Darstellung des Monty Brogan, jenes Mannes, der kurz davor steht, für die nächsten sieben Jahre im Gefängnis zu verschwinden. Norton zählt zu den angesehensten Schauspielern seiner Generation und wurde bereits zweimal für Oscars® nominiert: als bester Hauptdarsteller in AMERICAN HISTORY X ("American History X", 1998) und als bester Nebendarsteller in seinem Filmdebüt PRIMAL FEAR ("Zwielicht", 1996).

"Ed verfügt über eine gewaltige Bandbreite. Und die Figur des Monty verlangte nach einem Schauspieler, der sowohl street smart als auch sehr belesen ist. Jemand, der schwierig ist, der nett und gleichzeitig gefährlich ist. Es fällt einem nicht schwer, dabei schnell an Ed zu denken", meint Produzent Jon Kilik.

Norton gefiel das Projekt sofort: "Es geht um die Konsequenzen von moralischer Passivität, darum, dass man sich nicht genug damit auseinander setzt, ob man es sich erlaubt hat, in ethische Grauzonen abzudriften. Ich würde sagen, das ist eine Geschichte, die ihrem Publikum eine Warnung aussprechen will."

Die Gelegenheit, mit einem Regisseur wie Spike Lee arbeiten zu können, erleichterte Norton die Zusage für 25 STUNDEN gewaltig. "Wie die Hälfte aller guten Schauspieler, die ich kenne, habe ich seit Jahren gehofft, endlich einmal mit Spike arbeiten zu können", erzählt Norton. "Ich bin ihm so sehr auf die Nerven gegangen, wie ich glaubte, es mir erlauben zu können, und habe schon lange davon geträumt, von ihm inszeniert zu werden. Er ist seit seinen Anfängen als Regisseur einer meiner liebsten Filmemacher. Ich hätte wahrscheinlich ja gesagt, ohne das Drehbuch auch nur zu aufzuschlagen."

dass sich für Norton die Möglichkeit bot, eine derart komplexe Figur wie Monty Brogan zu spielen, war eine große Herausforderung. "Monty ist ein schwieriger Typ. Für einen Schauspieler ist das sehr aufregend. Monty ringt wirklich damit, was er getan hat, und mit der Schwierigkeit, selbst Verantwortung für seine Entscheidungen zu übernehmen, wo er doch am liebsten anderen Leuten die Schuld dafür in die Schuhe schiebt. Die Geschichte thematisiert seinen Weg an den Punkt, an dem er endlich Verantwortung für seine Taten zu übernehmen bereit ist", erklärt Norton.

Spike Lee sagt über seinen Hauptdarsteller: "Edward ist einer der smartesten Leute, die ich kenne. Und das bezieht sich nicht nur auf sein Schauspiel. Er arbeitet auch unglaublich hart. Alles, was er macht, geschieht immer nur im Dienst des Films."

Rosario Dawson hatte mit Spike Lee zuvor schon an HE GOT GAME ("Spike Lees Spiel des Lebens", 1998) gearbeitet. Seither hatten sie oft darüber gesprochen, wieder miteinander zu drehen. Nicht zuletzt deshalb lag die Entscheidung auf der Hand, Dawson in der Rolle von Montys langjähriger Freundin Naturelle zu besetzen. "Ich hatte die Arbeit mit Rosario sehr genossen. Und die Chemie zwischen ihr und Edward war von Anfang an außerordentlich", berichtet der Regisseur.

Dawson sieht Teile von sich selbst in Naturelle - einer jungen Frau, die wichtige Entscheidungen für ihr Leben treffen mußs. "Naturelle machte auf mich den Eindruck eines sehr komplexen, sehr smarten Mädchens, das sehr interessant ist. Gleichzeitig schiebt sie die wichtigen Entscheidungen für ihr Leben unentschlossen vor sich hin. Je älter ich werde, desto mehr wird mir bewusst, dass auch ich Entscheidungen und Wahrheiten aus dem Weg gehe. dass ich jung und unschuldig bleiben und einfach Spaß haben will, ohne Verantwortung für meine Handlungen übernehmen zu müssen. Erstmals in ihrem Leben mußs Naturelle innehalten, "Inventur machen", und einen Entschluss fällen, wie sie ihr Leben künftig führen will. Ich kann das nachvollziehen."

Wie ein Schatten liegt über der Beziehung von Naturelle und Monty der finstere Verdacht, dass sie ihn womöglich an die Polizei verpfiffen hat. Dieser Schatten des Zweifels gibt die Dynamik vor, mit der Dawson und Norton sich im Verlauf des Films auseinander setzen müssen. "Ihre Beziehung ist angespannt, aber sie reden nicht darüber. Sechs oder sieben Monate sind vergangen, aber er hat immer noch nichts zu ihr gesagt. Also versucht Naturelle für ihn da zu sein, den Übergang für ihn so einfach und schmerzlos wie möglich zu machen", sagt Dawson.

Norton war beeindruckt von Dawsons schauspielerischem Einsatz: "Sie hat ein natürliches Gespür für Understatement. Sie fühlt sich wohl mit Stille, was ich für den Schlüssel zum Filmschauspiel halte. Bei Schauspielerinnen ihres Alters findet man das nur sehr selten. Ich war sehr beeindruckt von Rosarios Leistung in HE GOT GAME und wollte unbedingt, dass sie den Part der Naturelle spielt."

Die zwei weiteren Hauptfiguren in 25 STUNDEN sind Jacob und Slaughtery, Montys beste Freunde aus Highschool-Tagen, deren Nähe er in den letzten Stunden, bevor er ins Gefängnis mußs, sucht. Spike Lee wählte Philip Seymour Hoffman für die Rolle des Jacob, eines Highschool-Lehrers, der hin- und hergerissen und moralisch abgestoßen davon ist, womöglich den Avancen einer seiner Schülerinnen zu erliegen.

Hoffman war fasziniert von der Vorstellung, auf der Leinwand etwas zu unternehmen, was er als Übergangsritus beschreibt: "Dieser Film beschreibt den Übergangsritus vom Jungen zum Mann. Das sieht man nicht zum ersten Mal auf der Leinwand. Aber wie dieses Thema hier behandelt wird, ist ziemlich kreativ und einzigartig. Was diese drei Freunde unternehmen müssen, um sich ihrem Leben zu stellen und einen Schritt nach vorn machen zu können, ist sehr bewegend."

Hoffman beschreibt Jacob als vielschichtigen Typen, der der eigenen Vergangenheit verhaftet ist: "Die Geschichte setzt sich mit ziemlich aufwühlenden, sehr unterschiedlichen menschlichen Themen auseinander. Es war sehr interessant, darauf eine Figur aufzubauen. Das Drehbuch und der Film selbst offenbaren, dass diesen Charakteren eine beachtliche Tiefe und Farbe eigen ist. Vielleicht möchte man gern mit dem Finger auf sie zeigen und ein Urteil über ihre Handlungen fällen, aber die Geschichte erlaubt es einem nicht, das zu tun."

"Wenn man Menschen sieht, die man mag, dann will man auch mit ihnen arbeiten", sagt Spike Lee. "Philip gehört zu den Leuten, mit denen ich unbedingt arbeiten wollte. Ich war geduldig, weil ich auf die richtige Rolle für ihn warten wollte."

Norton arbeitete mit Hoffman gerade an einem anderen Film, als Lee ihn nach seiner Meinung über den bulligen Schauspieler fragte. Norton war sofort begeistert. "Ich habe Philips Arbeit schon sehr lange bewundert", meint Norton. "Er ist einer der besten Schauspieler unserer Generation. Bei RED DRAGON ("Red Dragon", 2002) haben wir nicht viel miteinander zu tun gehabt. Also hatte ich unbedingt Lust, bei etwas Substanziellerem noch einmal etwas intensiver mit ihm zu arbeiten. Es stellte sich heraus, dass es gleich unser beider nächster Film sein sollte."

Für die Rolle des Slaughtery wählte Spike Lee den jungen Schauspieler Barry Pepper, der dem Regisseur in SAVING PRIVATE RYAN ("Der Soldat James Ryan", 1998) und mit seiner Darstellung des Baseballspielers Roger Maris in der HBO-Produktion "61*" aufgefallen war. Pepper beschreibt das ungewöhnliche Treffen mit dem Filmemacher: "Ich war in New York bei einem Pressejunket und erfuhr dort, dass Spike mich kennen lernen wollte. Er nahm mich mit in den Madison Square Garden, direkt in die erste Reihe, um den Knicks bei ihrem Spiel gegen die Raptors zuzusehen - und natürlich, um über 25 STUNDEN zu reden. So ein Treffen mit einem Regisseur hatte ich noch nie."

"Es war eine große Herausforderung für mich, denn einen Typen wie Slaughtery hatte ich noch nie gespielt. Spike war sich nicht sicher, ob ich das draufhätte", erinnert sich Pepper. "Er wollte, dass ich ihn überzeuge, eine derartige Figur zum Leben erwecken zu können. Ich erzählte ihm, dass das die Herausforderung war, auf die ich seit Jahren gewartet hatte: mich an einem Charakter zu versuchen, wie ich ihn noch niemals gespielt hatte. Ich glaube, dass ich ihm bei diesen ersten frühen Meetings gezeigt habe, dass ich diese Rolle unbedingt spielen wollte und dass 25 STUNDEN meine Nummer-eins-Priorität war. Dieser Einsatz hat ihn schließlich überzeugt."

Pepper beschreibt Slaughterys Werdegang als "eine unglaubliche Success-Story: ein Wall-Street-Hotshot von der falschen Seite der Straße. Anders als die typischen Wall-Street-Spielertypen ist er etwas rau an den Kanten. Aber ein Wall-Street-Spieler ist er dennoch. Wie für alle anderen ist Wall Street seine Kirche und Geld seine Religion."

Pepper empfand es als befreiend, Slaughtery spielen zu können: "Er ist so unglaublich anders als ich in meinem täglichen Leben. Ich bin Vater und Ehemann und führe ein ausgesprochen ruhiges Leben. Und Slaughtery gibt immer Vollgas, ist immer auf der Überholspur."

Edward Norton genoss es, Pepper bei der Arbeit zuzusehen: "Barry hat wirklich keinerlei Ähnlichkeiten mit der Figur, die er in 25 STUNDEN spielt. Es war lustig, ihn Wall Street besuchen zu sehen, wie er sich diese Welt der Trader und Finanzhaie zu Eigen machte. Er mußste die Aggressivität und den stets unter der Oberfläche schwelenden Zorn, der diese Jungs antreibt, in sich aufsaugen."

Montys Vater, ein pensionierter Feuerwehrmann, der einen Pub eröffnet hat, wird von dem erfahrenen Charakterdarsteller Brian Cox gespielt. Obwohl die Beziehung zwischen Vater und Sohn von Liebe geprägt ist, ist sie dennoch voller Komplikationen und von einer schwer greifbaren Ambivalenz. Lee sagt dazu: "Er macht sich Sorgen um seinen Sohn - wie es wohl jedem Vater gehen würde, dessen Sohn sich entscheidet, seinen Lebensunterhalt mit Drogenhandel zu verdienen. Was die Dinge noch komplizierter macht: Er hat Geld von seinem Sohn akzeptiert, um das Pub finanzieren zu können. Also hat auch er Blut an den Händen. Das ist eine sehr, sehr komplizierte Beziehung, eine sehr komplexe Vater-Sohn-Beziehung."

Die Oscar(r)-prämierte Schauspielerin Anna Paquin ist als Highschool-Schülerin Mary D'Annunzio zu sehen, auf die ihr Lehrer Jacob ein Auge geworfen hat. Paquin ließ sich die Chance nicht entgehen, mit Spike Lee zu arbeiten: "Spike hat einige der wichtigsten Filme aller Zeiten gedreht. Es fühlt sich einfach toll an, Teil von etwas zu sein, mit dem auch er zu tun hat. Ich mußste mich die ganze Zeit selbst daran erinnern: 'Das ist ein Spike-Lee-Film!'"

Paquin beschreibt Mary als "Mädchen, das etwas reifer ist, als es ihre 17 Jahre vermuten lassen. Sie setzt ihre Sexualität ein, wann immer sie kann, um Dinge von den Leuten zu bekommen, die sie unbedingt haben will. Mary ist ungemein manipulativ und hat ihren Spaß daran, dass sich ihr Englischlehrer, gespielt von Philip Seymour Hoffman, unbehaglich fühlt und sich winden mußs".

Hoffman sieht die Beziehung Jacobs mit seiner Schülerin als Bestätigung dafür, dass Jacob endlich erwachsen werden mußs: "Für Jacob ist das hochgradig verstörend. Er denkt, dass etwas mit ihm nicht in Ordnung ist. Und er fühlt sich endlich dazu angetrieben, den entscheidenden Schritt zum Erwachsensein zu unternehmen. Er mußs Verantwortung übernehmen und seine Jugend endlich hinter sich lassen."

Der ehemalige NFL-Spieler Tony Siragusa war gerade in einem Baumarkt, als er einen Anruf von Spike Lee erhielt, der wissen wollte, ob er nicht Lust habe, die Rolle des Kostya - ein ukrainischer Handlanger, der beauftragt wurde, ein Auge auf Monty zu werfen - zu übernehmen. Siragusa hatte zuvor noch nie als Schauspieler gearbeitet und hatte Sorge, dass er die in ihn gesteckten Erwartungen nicht erfüllen könne. Aber Lees Vertrauen in seine Fähigkeiten ließen ihn ausreichend Selbstvertrauen schöpfen.

"Ich wollte nicht alles kaputtmachen, denn Spike glaubte an mich", erzählt Siragusa. "Er sagte: 'Du bist ein Naturtalent - du mußst einfach nur aus dir rausgehen, dann kann nichts schief gehen.' Ich wollte ihn nicht enttäuschen, und ich glaube, das habe ich auch nicht getan."

Siragusa meint, dass seine Leistung auch Edward Norton zu verdanken ist, der ihm fortwährend Schauspieltipps gab: "Er hat sich rührend um mich bemüht. Er kommentierte meine Leistungen und half mir während des gesamten Drehs. Immer wieder sagte er mir: ,Sieh bloß nicht in die Kamera - das ist das A und O.' Am schwierigsten war es jedoch, sich bei jeder Wiederholung wieder exakt gleich zu bewegen, nicht zu vergessen, was man beim letzten Mal getan hatte. Denn wenn sie schneiden und zu einer anderen Einstellung wechseln, dann mußs man alles exakt noch einmal genau wie vorher machen. Das war ein harter Brocken für mich."

Über die Produktion Für Spike Lee ist das Filmemachen ein kollaborativer Prozess. "Ich mußs meiner Crew den gleichen Respekt zollen und für sie die gleiche Zeit aufwenden wie für meine Schauspieler", sagt der Regisseur. "Die Kameraführung, das Kostümdesign, die Ausstattung, die Musik, der Schnitt - alles ist gleich wichtig, alles ist ein Teil des Prozesses, den wir Filmemachen nennen."

Viele Schlüsselmitglieder der Crew - darunter Komponist Terence Blanchard, Kostümdesignerin Sandra Hernandez und Schnittmeister Barry Alexander Brown - folgen Lee von Projekt zu Projekt. Wenn ihr Terminplan eine Zusammenarbeit nicht zulässt, kann Lee stets auf die besten aufstrebenden Talente der Industrie vertrauen - wie bei 25 STUNDEN auf den mexikanischen Kameramann Rodrigo Prieto, der sich außerhalb seiner Heimat mit dem Oscar®-nominierten AMORES PERROS ("Amores Perros", 2000) einen Namen machte und in Hollywood schon bei den Filmen 8 MILE ("8 Mile", 2002) und FRIDA ("Frida", 2002) sein beachtliches Können unter Beweis stellen konnte.

Lee einigte sich mit Prieto auf einen Look, der gleichzeitig klassisch und fortschrittlich sein sollte: "Immer wenn ich mit einem Kameramann arbeite, möchte ich etwas Neues machen. Es war eine Freude, mit Rodrigo zu arbeiten. Er ist nicht übersättigt, deswegen war er offen für alle möglichen Vorschläge. Gleichzeitig hatte er Ideen, an die ich noch niemals gedacht hatte. Wir waren perfekt aufeinander abgestimmt. Ich glaube, das sieht man dem Film auch an." Lees einfühlsamer Einsatz von Musik zieht sich wie ein roter Faden durch all seine Filme.

Seit MO' BETTER BLUES ("Mo' Better Blues", 1990) ist Terence Blanchard sein hauptsächlicher musikalischer Mitstreiter. Lee sagt: "Wenn man Denzel Washington in MO' BETTER BLUES Trompete spielen hört, dann ist das Terence. Musik ist wichtig in 25 STUNDEN - so wichtig, wie Musik in meinen Filmen seit MO' BETTER BLUES nicht mehr war. Denn es gibt lange Passagen im Drehbuch, bei denen ich einfach wusste, dass die Musik das Drama der Handlung unterstützen mußste."

Blanchard nahm seinen Score in London mit 80 Musikern des Royal Philharmonic Orchestra und des London Symphonic Orchestra auf.

Die 24-Stunden-Zeitklammer des Films stellte die Kostümdesignerin Sandra Hernandez vor ganz besondere kreative Herausforderungen: "Bevor ich die Kostüme auswählte, fragte ich mich stets: ,Wie sehr liebst du dieses Kostüm?' Immerhin müssen die Schauspieler fast während des gesamten Films die gleichen Klamotten tragen." Die meiste Zeit haben die Kostüme monochrome Farben: Grau, Hellbraun, Schwarz, Blau. Erst in der visionären, in der Zukunft angesiedelten Fantasiesequenz ganz zum Schluss des Films erhielt die Designerin die Gelegenheit, spritzigere Farben einzusetzen, da hier eine alternative Möglichkeit dafür eröffnet wird, wie Montys Leben verlaufen könnte.

Lee gesteht seiner Castingchefin Aisha Coley, die mit dem Regisseur bereits ein paarmal gearbeitet hat, zu, dass sie "einen entscheidenden Anteil daran hat, dass der Film mit den besten Schauspielern, die man sich denken kann, besetzt werden konnte. Sie war es, die Anna vorgeschlagen hat - und die ist ganz fabelhaft. Da sieht man, wie wichtig ein guter Castingchef ist, denn für einen Regisseur ist es unmöglich, alle guten Schauspieler da draußen zu kennen".

Spike Lees New York Der Film wurde vor Ort in den fünf Vierteln von New York City gedreht - Brooklyn, Queens, Staten Island, der Bronx und Manhattan - und fing dabei eine Stadt ein, die wie Monty lernen mußs, mit einer schwierigen Situation umzugehen. "New York war immer schon eine wichtige Figur in meinen Filmen", sagt Spike Lee. "Das trifft auf diesen Film mehr denn je zu. Ich werde oft gefragt, worum es in 25 STUNDEN geht. Ich sage dann: ,Edward Norton spielt einen Drogendealer, der seine letzten 24 Stunden in Freiheit im New York post-9/11 verbringt.'"

Und er fügt hinzu: "Obwohl Roman und Drehbuch vor dem 11. September 2001 geschrieben worden sind, wussten wir, dass wir dieses Ereignis im Film ansprechen mußsten. Wir wären unverantwortliche Künstler gewesen, wenn wir den Film in New York City gedreht hätten und Menschen zeigen würden, die so tun, als hätte es den 11. September nie gegeben. Wir arbeiteten dieses Ereignis in das Drehbuch ein und setzten es als Element ein, das sich sowohl in der Kameraführung als auch in einigen Dialogen niederschlägt. Wenn man den Film sieht, dann soll man auch sehen, dass es ein Film ist, der nach dem 11. September gedreht wurde. Wir haben nicht die Mentalität, nicht darüber zu reden. Es ist passiert - und das soll auch vermerkt und verarbeitet werden."

"Da ist eine Szene, bei der man das gesamte Ground-Zero-Areal sehen kann. Ich konnte die gesamte Baustelle sehen. Bulldozer und Männer arbeiteten, alles war grell beleuchtet", erinnert sich Barry Pepper. "Das war ein unvergesslicher Anblick. Und es ist ein ziemlich bewegender Moment, mit dem sich das Publikum auseinander setzen mußs. Es ist ein Sinnbild für all das, womit wir uns gegenwärtig beschäftigen müssen."

Über den Regisseur Spike Lees Filme konnten im Lauf der Jahre viele Oscar®-Nominierungen, Kritikerlob und enthusiastische Reaktionen beim Kinopublikum sammeln. Um all das zu erreichen, verlässt sich der Regisseur auf den kreativen Input seiner Schauspieler und besteht auf einem umfangreichen Probenprozess, um sicherzugehen, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen.

"Ich glaube, dass jeder Schauspieler das Bewusstsein haben will, über Input zu verfügen - was sie sagen, soll Gewicht haben; der Regisseur soll stets ein offenes Ohr für sie haben", sagt Lee. "Ich nehme es nicht so peinlich genau mit Dialogen. Wenn ein Schauspieler etwas sagt, das besser klingt, oder er den Eindruck hat, er würde sich wohler fühlen, wenn er etwas anderes sagt, dann habe ich nichts dagegen. Mal sehen, ob es funktioniert - wenn nicht, kann man es immer noch anders machen."

"Es hängt immer davon ab", meint Philip Seymour Hoffman. "In manchen Fällen ist es wichtig, in einer Szene zu improvisieren; manchmal gefällt es mir, meine Rolle im Geschriebenen zu finden und das dann funktionieren zu lassen. Spike unterstützt beide Ansätze - er will einfach nur den Punkt finden, an dem eine Szene zum Leben erwacht. Er war darauf vorbereitet, zu drehen, was er zu drehen hatte, und die Sache am Laufen zu halten, also mußsten wir allzeit bereit sein. Das gefällt mir."

"Auf einer praktischen Ebene kann man sich als Schauspieler keinen besseren Regisseur als Spike vorstellen", erklärt Edward Norton. "Er ist so gut vorbereitet und bestimmt in seiner Art, er weiß genau, was er erreichen will. Das ist wichtig, denn dann steht man nicht herum und verplempert seine Zeit, während sich der Regisseur zu einem Plan durchringt oder unendlich viel Material verdreht, um im Schneideraum abgesichert zu sein. Er gibt einem viel Raum und die nötige Ermutigung, die man für eine Darstellung braucht. Er ist kein 'Mikromanager'. Und ich habe den Eindruck, dass seine Einschätzung einer Darstellung instinktiv ist - das kommt bei ihm aus dem Bauch heraus. Und seine Art, Filme zu machen, ist genauso ... sehr instinktiv ... wie ein großer Athlet, der Vertrauen in seine Fähigkeiten hat und zusieht, wie sich ein Spiel entwickelt. Ich weiß nicht einmal, für wie viele seiner Szenen er Storyboards herstellen lässt oder wie er seine Szenen vorbereitet. Ich glaube, all das geschieht instinktiv, weil er sich auf seine sichere Hand verlassen kann."

"Spike bringt so viel visuelle Dynamik in seine Arbeit ein. Ich hoffte sehr, dass wir einen Weg finden würden, wie man einige der etwas surrealeren Bilder des Buches im Film unterbringen könnte", fährt Norton fort. "Ich meine nicht Szenen per se, aber Ideen, wie sie im Buch angesprochen werden - so dass man sie dann in kinotaugliche Bilder verpacken kann. Montys Monolog vor dem Spiegel ist das beste Beispiel dafür. Nirgends sieht man den typischen Spike Lee mehr als in diesen Momenten."

"Spike ließ Ed und mich eine Woche vor Drehstart zusammenarbeiten", erzählt Barry Pepper. "Das war eine Woche ausgesprochen intensiver Proben. Wir gingen jede Nuance des Drehbuchs durch, jede Bewegung, jedes Thema, jede Idee, die wir entdeckten. Und alles wurde bis ins Kleinste ausgearbeitet."

"Ich gehöre nicht zu den geduldigsten Zeitgenossen auf diesem Planeten", sagt Hoffman. "Aber, Mann, Spike bewegt sich. Er arbeitet so hart. Er wusste immer genau, was zu tun war. Es kommt ja immer wieder vor, dass an einem Set das totale Chaos ausbricht. Aber Spike hat da so eine Art, die derartige Dinge von vornherein ausschließt."

Szenenfoto
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