Der Fluch von Darkness Falls

Produktionsnotizen

Die Legende von Matilda Dixon Anfang des 19. Jahrhunderts gegründet, blickt das Städtchen Darkness Falls stolz auf seine Geschichte als betriebsamer Fischerort zurück. Doch dessen Vergangenheit ist nicht makellos. Die Zeit und der Wille haben die Erinnerung an die Ereignisse verblassen lassen. Ganz verschwunden ist sie jedoch nicht, denn die Legende von Matilda Dixon lebt.

Vor mehr als 150 Jahren wohnte eine alte Frau dieses Namens in einem kleinen Haus am Waldrand, nahe des alten Leuchtturms von Darkness Falls. Matilda und ihr verstorbener Gemahl gehörten zu den ersten Siedlern des Ortes, die alle Fischer waren und vom Walfang lebten. Bevor ihr Mann während des Fischens bei einem tragischen Unfall den Tod fand, war Matilda Teil der Gemeinschaft. Sie war kontaktfreudig und liebenswürdig, kümmerte sich um die Nachbarskinder, die sie gerne mit selbst gemachten Süßigkeiten verwöhnte.

Doch dann zog sie sich zurück und wurde zur Einsiedlerin. Dennoch besuchten sie die Kinder weiterhin, bekamen Kuchen und Plätzchen und bereiteten ihr große Freude. Als Gegenleistung gaben ihr die Kinder ihre gesammelten Milchzähne. Matilda sagte, diese würden sie an die Elfenbeinschnitzereien ihres Mannes erinnern, die er während des Walfangs anfertigte. So ergab es sich schließlich, dass man sie die "Zahnfee" nannte.

Doch es schien ein Fluch auf der armen Matilda zu liegen. Eines Nachts, während sie schlief, sprang das Feuer aus ihrem Herd auf ihr Haus über. Als die Leute aus dem Ort zur Hilfe kamen, war der Brand bereits gelöscht. Matilda weigerte sich, das Haus zu verlassen oder Hilfe anzunehmen. Von diesem Zeitpunkt an brach sie jeglichen Kontakt mit ihrer Umgebung ab. Dennoch legte sie manchmal kleine Geschenke, manchmal etwas Kleingeld auf die Stufen der Häuser, in denen Kinder wohnten.

Das Backen hatte sie seit dem Brand aufgegeben. Nur im Schutze der dunklen Nacht schlich Matilda durch die Straßen, ihr Gesicht hinter einer weißen Porzellanmaske versteckt. Sie hielt Ausschau nach Häusern, an deren Türen die Kinder ihre sorgsam in Taschentücher verpackten Milchzähne aufhängten. Die Bürger von Darkness Falls waren gerührt von ihren kleinen Nettigkeiten und hatten Mitleid, weil Matilda so viele Tragödien erleiden mußste.

All das änderte sich jedoch in einer Nacht des Grauens und fortan stand der Name Matilda Dixon für ein ganz unglaublich klingendes Verbrechen.

Es war ein Nachmittag im Jahre 1841, als zwei kleine Kinder ihren Eltern sagten, dass sie der "Zahnfee" einen Besuch abstatten wollten. Als sie jedoch nicht mehr nach Hause zurückkehrten, fiel sofort ein Verdacht auf Matilda. Der offizielle Suchtrupp verwandelte sich schnell in einen aufgebrachten Mob, der Rache verlangte. Mit Fackeln und einem Seil eilten sie den verschlungenen Weg zu Matildas Haus empor.

Matilda sperrte die Tür ab, doch der Mob bewarf das Haus mit Steinen und verlangte lautstark, dass sie sofort herauskommen solle. Verängstigt und verwirrt beteuerte sie ihre Unschuld. Doch vergebens. Ein halbes Dutzend Männer brachen die Tür auf und zerrten Matilda hinaus. Dabei warfen sie einen großen Krug um, aus dem Hunderte von Milchzähnen auf den Boden fielen.

Matilda bedeckte ihr Gesicht mit der Porzellanmaske und flehte um Gnade. Trotz ihrer Bitte, sie nicht anzustarren, rissen ihr zwei Männer die Maske vom Gesicht und zerschlugen sie auf dem Boden. Die Männer mußsten nach Luft holen, einigen wurde sogar übel, als sie sahen, was sich hinter der Maske verbarg. Das einst so sanfte Gesicht von Matilda war bis zur Unkenntlichkeit verbrannt und von Schmerz und Gram verzerrt. Keiner der Anwesenden konnte jemals diesen Anblick vergessen. Keiner sprach je wieder davon, nur in ihren Albträumen weinten und schrien sie vor Angst.

Matilda wurde gehängt - mußste bei ihrer Hinrichtung jedoch schreckliche Qualen erleiden, bevor sie hilflos starb. Als der letzte Lebenshauch aus ihr gewichen war, verbrannten sie ihren Körper. Um ihr Gewissen zu entlasten, einigten sie sich darauf, dass dem Recht mit dieser Tat genüge getan wurde.

Als sie zu dem verkohlten Körper aufblickten, hörten sie entfernte Schreie. Die restlichen Einwohner der Stadt rannten den gewundenen Pfad hinauf und waren wie vom Schlag getroffen, als sie den Körper der armen alten Dame erblickten. Die Menge teilte sich und gab den Blick auf die beiden vermissten Kinder frei, die sich einfach nur zu tief in den Wald gewagt hatten, den Weg nicht zurückfanden und eingeschlafen waren.

Die Bürger von Darkness Falls verharrten wie betäubt in der Stille. Die Schande war so groß, dass der Vorfall fortan von niemandem mehr erwähnt wurde. Dennoch konnte die Geschichte nicht verheimlicht werden, sie wurde von einer Generation zur nächsten weitererzählt, so dass die Ereignisse jener schicksalhaften Nacht im Jahre 1841 ebenso verzerrt und entstellt wurden wie der Körper der bemitleidenswerten Matilda Dixon, der am Ast einer alten Eiche baumelte, während ihr angebranntes Nachthemd im Wind flatterte.

Der Fluch von Darkness Falls ... Der Anfang der Legende DER FLUCH VON DARKNESS FALLS erzählt die Geschichte von Kyle Walsh (Chaney Kley), der in seine Heimatstadt zurückkehrt, um sich seiner erschütternden Vergangenheit zu stellen. Er mußs seine Jugendfreundin (Emma Caulfield) und ihren jüngeren Bruders Michael (Lee Cormie) vor dem Bösen retten, das die Stadt Darkness Falls seit mehr als 150 Jahren heimsucht.

"Der Film DER FLUCH VON DARKNESS FALLS handelt von einem Menschen, der sich im Dunkeln fürchtet, vordergründig zumindest", erklärt Produzent John Hegeman. "Doch Kyle erkennt ziemlich schnell, dass in der Dunkelheit tatsächlich etwas lauert, und dieses ,Etwas' versucht, ihn zu töten."

"Mit der Geschichte von DER FLUCH VON DARKNESS FALLS bringen wir zwei grundlegende Konzepte zusammen. Zum einen spielen wir mit der Angst vor der Dunkelheit, zum anderen wecken wir die Kindheitserinnerungen an die ?Zahnfee'", meint Regisseur Jonathan Liebesman. "Allerdings haben wir die Geschichte der ?Zahnfee' auf den Kopf gestellt. In unserem Film ist sie keine engelsgleiche Erscheinung mehr, sondern eine mörderische alte Hexe, die eine ganze Stadt terrorisiert."

Die "Zahnfee" Matilda Dixon ist eine vor langer Zeit verstorbene Einwohnerin des Städtchens Darkness Falls in Neuengland. Vor über 150 Jahren wurde sie unschuldig hingerichtet. Doch sie kehrt zurück, um Rache zu üben. "Sie tötet jeden, der ihr ins Gesicht blickt", erklärt Liebesman weiter, "und wer ihr, wie auch immer, entkommt, den verfolgt sie gnadenlos weiter."

Matilda ist ein Geschöpf der Finsternis und kann bei Licht nicht existieren. Sie schlägt im Schutz der Nacht zu, so dass niemand mit Sicherheit sagen kann, ob es sie wirklich gibt oder ob sie nur ein Produkt der eigenen Fantasie ist.

Die Spannung zwischen Realität und Einbildung nutzt Liebesman so gekonnt, dass sich dem Zuschauer regelrecht die Nackenhaare sträuben. Der Regisseur wollte sich nicht dem Trend aktueller Horrorfilme anpassen, die nur noch darauf aus sind, andere Filme des Genres zu parodieren, sondern, wie er es sagt, das Ganze "geradeheraus angehen". Liebesman weiter: "Wenn man alles zu stark aufbauscht, folgt dir das Publikum nicht mehr. Ich habe versucht, mit Stimmung und Atmosphäre die Oberfläche zu durchbrechen und die wahren Ängste der Leute zu treffen."

Produzent William Sherak stimmt dieser Haltung zu: "Wir wollten nicht einen von diesen üblichen Filmen drehen, in denen Teenager am laufenden Band abgemetzelt werden. Die Zuschauer sind einer solchen Handlung mittlerweile so weit voraus, dass sie sich in ihren Sitzen völlig entspannt zurücklehnen können. Bei unserem Film ist das anders. Er lässt einen bestimmt nicht ruhig im Kinosessel sitzen."

Die zentrale Figur ist Kyle, dessen Leben von Angst und traumatischen Erlebnissen überschattet ist. Für die Rolle suchte Liebesman jemanden, "dem man es ansieht, dass er gelebt hat. Wir brauchten jemanden mit den Eigenschaften eines jungen Clint Eastwood oder Mel Gibson." Der Regisseur weiter: "Ich wollte keinen Darsteller, der mit zu viel Ballast an die Rolle herangehen würde, oder den man mit seinen früheren Rollen in Verbindung gebracht hätte. Er sollte ein ganz normaler Typ sein, gleichzeitig aber das schauspielerische Talent besitzen, eine Figur mit charakterlichen Schwankungen glaubhaft darzustellen. Etwa so wie Gibson in Lethal Weapon (Zwei stahlharte Profis, 1987) oder Eastwood in Play Misty for Me (Sadistico, 1970), die es verstanden, die Zuschauer mitfühlen zu lassen."

Diese Anforderungen erfüllte Schauspieler Chaney Kley, der zuvor in Chicago auf der Bühne stand und mit DER FLUCH VON DARKNESS FALLS sein Leinwanddebüt gibt. "Durch seine starke Präsenz und seine Bodenständigkeit verleiht Chaney der Rolle eine ansatzweise gespaltene Persönlichkeit und bringt damit weitere Spannung in die Geschichte", erklärt Liebesman.

"Mein Ansatz war es, den inneren Konflikt der Figur herauszustellen", ergänzt Kley, "zwischen dem, was für ihn real erscheint, und dem, was er für Einbildung hält." Der Schauspieler weiter: "Kyle ist eine gequälte Seele. Er konnte in den vergangenen zwölf Jahren nicht viel Schlaf finden, weil er die meiste Zeit gegen seine inneren Dämonen ankämpfte. Seine Mitmenschen halten ihn für psychisch labil, und er ist sich tatsächlich unsicher, ob sie nicht vielleicht Recht haben könnten. Ironischerweise zeigt es sich dann, dass er im Vergleich zu allen anderen den gesündesten Verstand besitzt."

Das emotionale Zentrum des Films bildet die Figur der Caitlin. "Sie steht in der Geschichte für Wärme und Verwundbarkeit", erläutert Liebesman. Bei der Besetzung entschied er sich für Emma Caulfield, die einem großen Publikum durch ihre Rolle der Anya in der erfolgreichen Fernsehserie "Buffy, the Vampire Slayer" (Buffy - Im Bann der Dämonen") bekannt geworden ist. "In den dramatischen Szenen am Anfang setzt sich Emma zunächst mit der geistigen Verfassung ihres Bruders auseinander, doch gegen Ende des Films entwickelt sie sich zu einer richtigen Actionheldin."

Caitlin kümmert sich um ihren neunjährigen Bruder Michael, der von den gleichen Albträumen gequält wird wie einst Kyle und genau wie dieser unter Schlaflosigkeit leidet. "Caitlin ist eigentlich stark und belastbar, aber es dauert seine Zeit, bevor sie sich dessen bewusst wird", meint Emma Caulfield. "Sie umsorgt einerseits ihren Bruder, wendet sich anderseits an Kyle, um Beistand zu finden, auch wenn ihn alle anderen für gefährlich und verwirrt halten."

Die größte Herausforderung war die Besetzung der Rolle des Michael. "Wir benötigten eigentlich einen 45-jährigen Mann, der im Körper eines Neunjährigen steckt", so Liebesman. "Es mußste jemand sein, der weiß, was echte Qual bedeutet." Nach langer Suche traf der Regisseur in der Gegend von Melbourne, Australien, schließlich auf Lee Cormie, dem er zutraute, dieses erwachsene Kind spielen zu können.

"Lee ist ein unglaublicher Junge", erzählt Produzent Jason Shuman begeistert, "seine Augen leuchten wie Feuer, wenn er Angst verspürt."

Im Gegensatz zu Kyle weiß Michael, dass seine Furcht einen realen Hintergrund hat. "Die Ärzte glauben, er habe einfach nur Angst vor der Dunkelheit", so Cormie, "aber er hat die ?Zahnfee' tatsächlich gesehen. Er weiß alles über sie, auch, dass sie das Licht meidet. Aus diesem Grund will er nicht, dass das Licht ausgeschaltet wird."

Laut Liebesman ist Michael ein Katalysator für die Handlung: "Michael ist das Spiegelbild von Kyle. Als Kyle in seine Heimatstadt zurückkehrt und Michael von seinen höllischen Qualen befreien will, ist das für ihn auch der Versuch, in seinem Leben selbst Erlösung zu finden."

Für einen ganz anderen Hauptdarsteller war jedoch kein Casting erforderlich. "Die Dunkelheit in diesem Film dient nicht nur der Erzeugung von Stimmungen, sie ist der eigentliche Gegenspieler", so Liebesman, "und sie besitzt eine eigene Persönlichkeit."

Aus dieser Dunkelheit taucht schließlich Matilda Dixon auf, und wie alle bedeutenden Monster der Filmgeschichte, wie etwa Alien (Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt, 1979) oder Jaws (Der weiße Hai, 1975), sieht man auch Matilda nur als Schattengestalt - oder wenn es blitzt. "Ich wollte, dass man sie nicht allzu oft sieht, weil die Zuschauer sonst schnell die Angst verlieren würden. Irgendwann begreifen sie dann, wodurch ihre Angst ausgelöst wird", erklärt Liebesman.

"Wenn man den Zuschauern jedoch so wenig wie möglich zeigt, werden sie allein durch ihre Vorstellungskraft an den Rand des Wahnsinns getrieben. Soweit es möglich war, habe ich Matilda im Verborgenen gehalten, um zum Zeitpunkt der Abrechnung eine noch größere Erregung und anschließende Befriedigung erzeugen zu können."

Die Suche in der Dunkelheit: Über die Produktion von "Der Fluch von Darkness Falls" Regisseur Jonathan Liebesman war von dem Kontrast zwischen Licht und Dunkelheit schon immer fasziniert. Mit dem Thriller DER FLUCH VON DARKNESS FALLS konnte er nun endlich die verschiedenen Schattierungen zwischen Tageslicht und absoluter Dunkelheit ausschöpfen: "Das war für mich die Gelegenheit, mit Raum, Perspektiven und Schatten zu spielen."

Produzent William Sherak erklärt, dass viel Können und Fingerspitzengefühl nötig waren, um den Vorstellungen des Regisseurs gerecht zu werden: "Die Inszenierung der Dunkelheit war eine komplizierte Angelegenheit. Es reicht nicht, einfach nur schwarze Bilder zu zeigen, weil das Publikum sonst gar nichts mehr erkennen würde. Andererseits mußs es finster genug sein, damit der Unterschied zwischen Licht und Dunkelheit deutlich wird."

Um die Feinheiten der gewünschten Stimmungen und Bewegungen umzusetzen, holte sich Liebesman den erfahrenen Kameramann Dan Laustsen, der schon für die fesselnden Gruselszenen von Thrillern wie Mimic (1997), Nightwatch (Freeze - Operation Nachtwache, 1998) und Brotherhood of the Wolf (Der Pakt der Wölfe, 2001) verantwortlich zeichnete.

"Es ist ein sehr dunkler Film", erzählt Laustsen, "und wir haben nur eine einzige Sequenz, die im Hellen spielt." Für den Kameramann war es eine richtige Herausforderung, "denn man bewegt sich ständig auf sehr dünnem Eis. Ist die Szene zu hell, kann schnell Langeweile aufkommen. Also mußs man sich ganz nah an die absolute Dunkelheit heranwagen, ohne dass es dabei zu düster wird."

Laustsen setzte eine Beleuchtung mit starken Kontrasten ein, um eine Tiefe in die Dunkelheit zu bringen: "Wenn man so vorgeht, entstehen sehr eindringliche Schatten. Heutzutage werden diese im Film gewöhnlich erst in der Postproduktion bearbeitet und hinzugefügt. Wir haben die Schatten auf die gute alte Art direkt mit der Kamera aufgenommen."

Die bedächtigen, langsamen Kamerabewegungen in der Dunkelheit wurden mit Steadycam oder Handkamera gedreht, um eine düstere und beunruhigende Stimmung zu erzeugen. "Unser Film ist eindeutig von Filmen der siebziger Jahre beeinflusst", erklärt Liebesman. "Damals waren die Kamerabewegungen langsamer und die einzelnen Einstellungen länger. Dan Laustsen hat die Bilder für unseren Filmen mit der gleichen Sensibilität umgesetzt."

Auch Produktionsdesigner George Liddle arbeitete eng mit Laustsen und Liebesman zusammen. Auf dem Gebiet der Dunkelheit ist er bereits ein alter Hase. Er entwarf unter anderem das düstere Set für den Science-Fiction-Thriller Dark City (1998) von Alex Proyas. "George und ich unterhielten uns oft über die Herstellung von großen Sets mit riesigen Fenstern", erinnert sich Liebesman. "Wir wollten, dass alles überwältigend wirkt und die Figuren davon praktisch erschlagen werden. Manchmal können Sets aber so ausladend sein, dass sie nicht mehr vollständig ins Bild passen. Nur durch die Kamera, die sich durch das Setting bewegt, kann man es als Ganzes erfassen. Wir drehten auch oft durch Fenster und Glas, denn schließlich geht es in dem Film um eine Geister-Erscheinung, um ein Wesen, das im Schatten lebt."

"Außerdem wurden die Sets so gebaut, dass sie Schatten mit interessanten Umrissen werfen", fügt Liddle hinzu. "Ich habe mit verschiedenen Farben und Größen der Bauten experimentiert. Dunkle Farben verwendete ich, um Atmosphäre zu erzeugen, und die Sets sind so gestaltet, dass hinter jeder Ecke irgendjemand oder irgendetwas lauern könnte."

Für den spannenden Höhepunkt in DER FLUCH VON DARKNESS FALLS hat Liddle einen Leuchtturm Stück für Stück vollständig aufbauen lassen. Dabei handelte es sich nicht um irgendeinen Leuchtturm, sondern um die Nachbildung eines alten Bauwerks, wie es noch heute überall an der Küste Neuenglands zu finden ist. Obwohl der Film in einem kleinen Ort in Neuengland spielt, wurde er in Australien gedreht.

An einem Küstenort in der Nähe von Melbourne fand man die geeignete Kulisse für das altertümliche Dorf Darkness Falls. Nur die dortigen Leuchttürme passten nicht in das Konzept. "Wir mußsten also unseren eigenen Leuchtturm bauen", erzählt Liddle. "In seiner Struktur und Erscheinung mußste er den alten Steintürmen gleichen, wie sie im 19. Jahrhundert an der Küste Neuenglands entlang entstanden sind."

Der Leuchtturm wurde Stück für Stück hergestellt, zusammengesetzt und schließlich in einem Filmstudio aufgebaut. Liddle war jedoch gezwungen, den Turm so zu kreieren, dass im Inneren noch genügend Platz für die Filmcrew, die Darsteller und die sechs Puppenspieler, die für die Animation der Matilda zuständig waren, sein würde. "Gewöhnlich sind Leuchttürme im Inneren sehr eng. Unserer ist einfach ein wenig geräumiger ausgefallen", sagt er. "Ansonsten ist er bis hin zu den Innenausbauten eine exakte Kopie und liefert ein authentisches Bild. Dazu zählt auch die Wendeltreppe, die in den Raum mit dem Signalfeuer führt, wo der Kampf zwischen Gut und Böse den Höhepunkt des Films bildet.

Doch die beste Planung vom Regisseur bis hin zum Produktionsdesigner wäre vergebens, wenn das Monster nicht überzeugt. In diesem Fall handelt es sich um einen rachsüchtigen Geist, der am Ende des Films imposant in Szene gesetzt werden mußste. Für diese Aufgabe wandte sich Liebesman an einen Meister seines Fachs: Stan Winston, der schon aufsehenerregende Kreaturen wie die Alien-Queen aus Aliens (Aliens - Die Rückkehr, 1986) und den Tyrannosaurus Rex aus Jurassic Park (1993) erschuf und dafür sorgt, dass seine Monster nichts von ihrer Bedrohlichkeit verlieren, selbst wenn man weiß, dass es sich um animierte Puppen handelt.

"Die Matilda, die Stan angefertigt hat, sieht aus wie ein lebendiger Körper", staunt auch Jason Matthews, der für die Effekte der Kreatur im Film verantwortlich war. "Man kann ihr Gesicht naturgetreu bewegen. Augenbrauen und Wangen bewegen sich. Der Mund lässt sich öffnen, der Hals ist beweglich und sie kann mit den Achseln zucken. Ihre Hände lassen sich in alle gewünschten Positionen bringen. Sechs Puppenspieler sind nötig, um ihr Leben einzuhauchen. Dabei arbeiten diese wie ein Orchester, bei dem alle Musiker nahtlos zusammenwirken. Es ist aufregend, aber gleichzeitig auch ein bisschen furchteinflößend."

Jonathan Liebesman meint abschließend: "Das Großartige an Stan Winston ist, dass er stets die an ihn gestellten Erwartungen übertrifft. Als ich die Kreatur in seinem Studio zum ersten Mal sah, lief mir ein leichter Schauder über den Rücken. Als wir dann die erste Szene damit drehten, wurde die Puppe sofort lebendig. Es war wirklich unglaublich. Man hätte schwören können, dass etwas Menschliches in ihr steckt."

Stan Winston: Das wahre Genie Matilda Dixon, die "Zahnfee" aus DER FLUCH VON DARKNESS FALLS, ist nicht die erste weibliche Schreckfigur, die der Special-Effect-Guru Stan Winston für die Leinwand erschaffen hat. 1986 hauchte er der Alien-Königin aus Aliens (Aliens - Die Rückkehr) Leben ein und wurde dafür mit dem ersten seiner insgesamt vier Oscars® ausgezeichnet.

Fünf Jahre später gewann er mit dem Film Terminator 2: Judgment Day (Terminator 2 - Tag der Abrechnung, 1991) gleich zwei Oscars® - einen in der Kategorie "Bestes Make-up" und den anderen für die visuellen Effekte. Sein brillantes Konzept, einige der Dinosaurier in Steven Spielbergs Jurassic Park (1993) furchterregend, andere sanftmütig erscheinen zu lassen, brachte ihm schließlich seinen vierten Oscar® ein.

Bereits zu Beginn seiner Tätigkeit wurde Winston mit Preisen überhäuft. 1972 erhielt er einen Emmy für die Fernsehproduktion "Gargoyles". Die meisten Monster und Spezialeffekte für diesen Film arbeitete er noch am heimischen Esstisch aus. Einen zweiten Emmy teilte er sich mit seinem ebenbürtigen Kollegen Rick Baker für den Fernsehfilm "The Autobiography of Miss Jane Pittman" ("Die Geschichte der Jane Pittman, 1974), in dem sie die Schauspielerin Cicely Tyson von einem 19-jährigen Mädchen in eine 110-jährige Greisin verwandelten.

Nach seinem Kinodebüt mit The Bat People (The Bat People, die Blutsauger, 1974) ließ Winston seine Kunst in Filmen wie The Predator (1987), Aliens (Aliens - Die Rückkehr, 1986), The Terminator (Der Terminator, 1984), Terminator 2: Judgment Day (Terminator 2 - Tag der Abrechnung, 1991), Batman Returns (Batmans Rückkehr, 1992), Edward Scissorhands (Edward mit den Scherenhänden, 1990) und seinem Regiedebüt Pumpkinhead (Das Halloween Monster, 1988) einfließen.

1981 erhielt er für den Film Heartbeeps (Herzquietschen, 1981) seine erste Oscar®-Nominierung in der Kategorie "Bestes Make-up". Fünf Jahre später gewann er die begehrte Statue schließlich für die visuellen Effekte, die er für den Science-Fiction-Film Aliens (Aliens - Die Rückkehr, 1986) kreiert hatte. In dem darauf folgendem Jahr wurde er für Predator (1987) in der gleichen Kategorie erneut nominiert. Für das Make-up des Films Edward Scissorhands (Edward mit den Scherenhänden, 1990) ehrte man ihn ein weiteres Mal mit einer Nominierung.

Für Terminator 2: Judgment Day (Terminator 2 - Tag der Abrechnung, 1991) gewann Winston gleich zwei Oscars® für Make-up und visuelle Effekte. Das Make-up für den Film Batman Returns (Batmans Rückkehr, 1992) brachte ihm eine weitere Nominierung ein. Seine Meisterleistung auf dem Gebiet der visuellen Effekte für Jurassic Park (1993) wurde schließlich mit einem vierten Oscar® belohnt.

In der gleichen Kategorie wurde der Künstler zuletzt für The Lost World: Jurassic Park (Vergessene Welt - Jurassic Park, 1997) und A.I. - Artificial Intelligence (A.I. - Künstliche Intelligenz, 2001) mit einer Oscar®-Nominierung bedacht.

Seine Karriere begann Winston vor 34 Jahren allerdings als Schauspieler. "Seitdem habe ich stetig an meiner Zweitkarriere gearbeitet", scherzt er. "Bei genauer Betrachtung wird man feststellen, dass meine Tätigkeit darin besteht, Charaktere für Filme zu entwerfen. Ich dachte, ich würde das als Schauspieler tun, stattdessen habe ich Make-up, Puppen und animatronische Trickfiguren benutzt. Auch wenn die Digitaltechnik uns heute unbegrenzte Möglichkeiten bietet, bleibt der Kern für einen gut gemachten Film gleich: Man braucht eine überzeugende Geschichte und glänzende Darsteller, um ihn zum Leben erwecken zu können."

Ein Beispiel dafür ist Matilda Dixon aus DER FLUCH VON DARKNESS FALLS. Sie ist eine Figur, die so gespenstisch und gruselig wirkt, dass auch eine echte Schauspielerin diese Rolle nicht besser hätte spielen können. "Matilda ist der böse Geist einer Frau, die einst als gute ?Zahnfee' des Ortes geschätzt wurde", erzählt Winston. "Durch Narben wurde ihr Gesicht jedoch abscheulich entstellt. Nun ist sie in die Stadt zurückgekehrt, in der sie geschändet und ermordet wurde."

Mit Regisseur Jonathan Liebesman führte Winston viele Gespräche über das Aussehen der Figur, bis er sich entschloss, sie so richtig furchterregend zu gestalten. Er mußste jedes kleine Detail neu anfertigen. "Man mußs verstehen, dass Matilda eigentlich kein richtiges Monster ist, sondern ein Mensch, der durch seinen Rachewunsch zu einem Monster wurde", erläutert Winston. "Sie hat das Gesicht eines schrecklich entstellten Verbrennungsopfers. Ich erkannte, dass sie auf eine beunruhigende Weise echt wirken mußste, so echt, dass man sich dem entziehen will, weil es ein ungutes Gefühl erzeugt. Um das zu erreichen, mußsten wir bis unter die Haut gehen."

Nach einer sorgfältigen Recherche über Brandopfer fertigte Winston eine elektronisch steuerbare Figur von minutiöser Echtheit an, für die sechs Puppenspieler erforderlich waren. "Ihr Gesicht wurde per Funk ferngesteuert, ihr Nacken wurde durch Kabel gesteuert und die Bewegungen der Arme und des Körpers erfolgten über eine Gelenkstange", erklärt Winston.

Für längere Einstellungen war Matilda in einem Kostüm aus Filament gehüllt, so dass man den Eindruck hatte, als wäre sie in ständiger Bewegung und wie ein Geist schwerelos. Nur in manchen Szenen, in denen sie zuschnappt, haben wir eine echte Person eingesetzt. Doch die Figur wirkt in jeder Einstellung unglaublich lebendig.

Genau so hatte es Winston geplant: "Am wichtigsten ist dabei die Kunstfertigkeit. Egal, wie gut die Technik funktioniert, wenn etwas nicht echt aussieht, nimmt man es auch nicht als echt wahr. Die Art, wie Matilda Dixon kreiert wurde, ist einfach überragend."

Außer in DER FLUCH VON DARKNESS FALLS kommt das Publikum in diesem Jahr noch ein weiteres Mal in den Genuss von Winstons Kunst, wenn Terminator 3 - Rise of the Machines (Terminator 3 - Der Aufstand der Maschinen, 2003) im Sommer in die Kinos kommt. Zurzeit arbeitet er für Columbia Pictures an Tim Burtons neuem Film Big Fish. Über seine Firma Stan Winston Creatures entwickelt er kontinuierlich die Comic-Geschichten "Trakk" und "Realm of the Claw" und entwirft neue Figuren für das von ihm vermarktete Spielwarensortiment.

Unter dem Banner seiner Produktionsfirma Stan Winston Productions hat er gerade den Horrorfilm "Wrong Turn" (2003) fertig gestellt, in dem es um eine Gruppe von Teenagern geht, die in den Wäldern West Virginias gefangen ist und von durch Inzest degenerierten Bergbewohnern, die allesamt Kannibalen sind, terrorisiert wird. Als Nächstes steht der Halloween-Thriller Trick or Treat auf dem Plan. Stan Winston wird den Film nicht nur produzieren und Co-Regisseur sein, sondern auch vor der Kamera eine bedeutende Rolle spielen. Er lacht: "Mein offizielles Schauspieldebüt - 34 Jahre später."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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