Lampedusa

Ausführlicher Inhalt

Lampedusa, eine Fischerinsel zwischen Sizilien und dem nördlichen Afrika. Hier folgt das Leben eigenen Regeln, den Regeln der Tradition. Gelegentlich herrschen raue Sitten, aber jeder weiß, was er sich und der Dorfgemeinschaft schuldet. Die Erde ist karg und trocken, dafür entschädigt rund herum das Meer. Der Reichtum des Wassers bestimmt seit jeher den Zeit- und Arbeitsrhythmus der Insel. Die Männer fahren zur See, die Frauen säubern und verarbeiten Sardinen, die Kinder helfen mit.

Der dreizehnjährige Pasquale ist der Anführer einer unbändigen Jungenschar. Mit Schleudern und Fallen stellen die Halbwüchsigen Singvögeln nach. Sie lungern in verfallenen Bauruinen herum oder tauchen im Meer nach Seeigeln. Zur Abwechslung schlägt man sich mit rivalisierenden Banden, ein Vergnügen, das leicht umkippt in grausames Spiel. Wie die anderen verbringt Pasquale seine Abende auf der Via Roma, der Hauptstraße des Dorfs, und macht Mädchen an.

Pasquales einzig anerkannter Boss ist sein Vater, der Fischer Pietro, ein Mann mit Herz, aber harter Schale. Wenn es um die Familienehre geht, ist er durchaus bereit, das Hinterteil seines Sprösslings gnadenlos zu versohlen. Grazia, Pasquales Mutter, steht im Brennpunkt familiärer Zuneigung. Zugleich ist sie eine Quelle dauernder Sorgen. Sie steckt voller Lebenslust, doch bei jeder Art von Gewalt flippt sie aus, rebelliert mit Leib und Seele.

Sie singt melancholische Lieder von Patty Bravo, bricht Schamgrenzen und macht auch sonst, was ihr gefällt. Eifersüchtig beobachtet Pietro, wie sie nicht nur ihn, die heranwachsende Tochter Valeria, die beiden Söhne Pasquale und Filippo, sondern sogar die Hunde im Überschwang ihrer Gefühle verwöhnt.

Grazia liebt ihre Familie. Und die Familie liebt Grazia, auch wenn diese als Ehefrau und Mutter immer wieder peinliche Situationen und Gerede herauf beschwört. Sie ist anders als die anderen, unvorhersehbar in ihrem Verhalten, nicht verständlich für die Mentalität der Menschen am Ort.

"Sie ist zu glücklich, wenn sie gut drauf ist und zu traurig, wenn sie niedergeschlagen ist", meinen die Insulaner. In ihren Augen ist Grazia einfach krank, um nicht zu sagen verrückt. Als Grazia auch noch die Türen des Tierasyls öffnet, um die dort eingesperrten Hunde vor dem Tod zu retten, ist für das Dorf das Maß voll. Von den Hausdächern herunter knallen die Fischer die wilde Meute ab.

Der Druck der Gemeinschaft auf Pietro wächst, bis er schließlich einwilligt, seine Frau zu einer klinischen Behandlung nach Mailand zu schicken. Aber bevor es dazu kommt, nimmt Grazia Reißaus, verschwindet wie spurlos von der Erdoberfläche. Pasquale, ihr schlauer, mit allen Wassern gewaschener Sohn, hat auch dieses Mal Mittel und Wege gefunden, seine Mutter zu beschützen.

Es ist die Nacht von San Bartolo. Überall entlang der Strände bauen die Kinder von Lampedusa riesige Scheiterhaufen auf, um den Inselheiligen gebührend zu feiern. Im Licht der Feuer werden die Bewohner plötzlich draußen auf dem Meer einer merkwürdigen Erscheinung gewahr ...

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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