Leben oder so ähnlich

Produktionsnotizen

Karriere oder Liebe - Arbeit oder Familie? Welche Dinge zählen wirklich im Leben? Mit dieser Frage mußs sich Lanie Kerrigan auseinander setzen, nachdem ihr ein Obdachloser prophezeit, dass sie in genau sieben Tagen sterben wird. Die ehrgeizige, glamouröse Starreporterin des "That's Seattle Life" Morgenmagazins hat sich aus einer Arbeiterfamilie nach oben gekämpft und ist auf dem besten Weg, einen Topjob bei einem landesweiten Sender zu ergattern.

Sorgfältig hat Lanie die Karriere geplant und ihr Leben auf das passende Image als TV-Star ausgerichtet. Glück liegt für sie in ebenso trivialen wie materiellen Dingen, dazu gehört auch ihre oberflächliche Beziehung mit Baseballspieler Cal, dem Superstar der Seattle Marines. Jedenfalls gilt all das, bis Prophet Jack Lanie über ihr Schicksal aufklärt.

Produzent John Davis sprachen schon bei der ersten Lektüre die komischen und inspirierenden Elemente der Geschichte an. "Lanie war für mich eine starke Frau, die schließlich zu sich selbst findet. Die Wärme und der Humor der Story faszinierten mich ebenso wie die emotionale Reise, auf die sich Lanie im Verlauf der Geschichte begibt", erklärt Davis.

Lanies Stärke und Komplexität verlangten nach einer Darstellerin, die diese Eigenschaften verkörperte und zugleich das nötige Starpotenzial mitbrachte. Angelina Jolie war die Wunschbesetzung, und für Jolie war nach der Lektüre des Skripts sofort klar, "dass es eine wunderschöne Botschaft hat".

Intelligentes Märchen über den American Dream "Lanie ist sehr ehrgeizig und nimmt sich selbst wahnsinnig ernst. Sie ist in ihrem Streben nach Perfektion so ernsthaft, dass es schon fast wieder lustig ist", erklärt Jolie. "Als sie erfährt, dass sie sterben wird, flippt Lanie aus. Der Zusammenbruch zwingt sie, menschlicher zu werden - wie eine wunderhübsche Prinzessin, die im Dreck landet."

Der Film gab Angelina Jolie außerdem die Gelegenheit, eine komische Rolle zu spielen: "Deshalb war es eine Herausforderung, denn bei der Lektüre fand ich mich selbst viel zu ernst, um so eine Frau spielen zu können", erinnert sich Jolie schmunzelnd. "Dann fing ich an, mir zu überlegen, wie sie wohl aussehen und was sie tun würde, und dann ging mir die Geschichte nicht mehr aus dem Kopf."

Regisseur Stephen Herek wollte in seinem Film fröhliche und getragenere Momente nahtlos ineinander übergehen lassen. "Die Geschichte dreht sich um Verdammnis und Erlösung einer Seele", erklärt Herek. "Oft ist das, was wir in unserem Leben für wichtig halten, sehr oberflächlich. Wir erkennen erst später, dass es viel wichtiger ist, Frieden mit uns selbst zu schließen."

Wie bei ROCK STAR arbeitete Herek für LEBEN ODER SO ÄHNLICH mit seinem Produktionspartner Toby Jaffe zusammen. "Als wir das Drehbuch lasen, verliebten wir uns sofort in die Geschichte. Wir hielten es für ein lustiges und intelligentes Märchen über den American Dream", führt Jaffe aus. "Als Lanie erfährt, dass sie in einer Woche sterben wird, ist das Anlass für sie, ihr gesamtes Leben umzukrempeln. Sie bewertet auf eine komische Weise alle Dinge neu und findet schließlich zu dem Menschen zurück, der sie eigentlich ist."

Die Vorbilder für seine Protagonisten bezog Autor John Scott Shepherd aus Karriere-orientierten Workaholics, einschließlich Nachrichtensprechern und Anwälten mittelgroßer Städte in den USA. "Ich suchte nach ruhmessüchtigen, ehrgeizigen Profis, die ihr eigenes Leben für perfekt halten", erinnert sich der in Kansas-City aufgewachsene Shepherd. "Ich fragte mich, wonach diese Menschen suchen, was sie brauchen, um ihr Leben vollkommen zu finden. Und dann fragte ich mich natürlich, wie lange man an dieser glänzenden Fassade kratzen mußs, um den Kummer und die Zerrissenheit dieser Leute zu finden, denn das schienen alle mit sich herumzutragen."

Vielschichtige Beziehung statt traditioneller Romanze Shepherd und Koautorin Dana Stevens wollten weg von den Konstellationen einer "normalen" romantischen Komödie. Die meisten dieser Filme basieren darauf, dass eine der Figuren aktiv nach Liebe sucht. LEBEN ODER SO ÄHNLICH zeigt stattdessen eine Frau in der Krise und den Weg, auf den sie sich begeben mußs. Liebe ist die Belohnung für den Weg, den sie geht, nicht der Weg selbst.

Dana Stevens erklärt: "Lanie und Kameramann Pete verkörpern die Gegenpole der Diskussion über die wirklich wichtigen Dinge im Leben: Liebe, Karriere, Arbeit oder Familie? Es ist eine vielschichtigere Beziehung als in den meisten traditionellen Romanzen. Wenn man erfährt, dass einem nur noch eine Woche bleibt, fühlt man sich zunächst auf eine bestimmte Art und Weise auch befreit", findet Stevens. "Man kann alles tun, weil nichts mehr wirklich von Bedeutung ist. Auf der anderen Seite will man auch Verbindungen zu Menschen herstellen und noch Momente erleben, die man vielleicht nie mehr erleben wird."

LEBEN ODER SO ÄHNLICH integriert aber auch Aspekte einer klassischen romantischen Komödie. Hereks Inszenierung verwebt unkonventionelle Elemente mit dem Look der romantischen Komödienklassiker aus den Vierzigern und Fünfzigern. "Das Drehbuch beinhaltet zahlreiche rasante Wortgefechte, Schimpftiraden, die Lanie und Pete loslassen, und eine altmodische romantisch-komische Beziehung", erklärt der Regisseur.

Produzent Davis zollt ihm Bewunderung: "Seine Interpretation hat den Film noch verbessert, ihn komischer und dramatischer werden lassen. Eigentlich verlangt man genau das von einem Regisseur, dennoch passiert es nicht sehr oft. Aber wenn, dann bewirkt es jene Magie, die einen Film funktionieren lässt."

Herek und Regency versammelten eine eindrucksvolle Besetzung und einen ebensolchen Stab. Für Pete, mit dem Lanie seit einem misslungenen One-Night-Stand im Kleinkrieg liegt, suchte Herek einen geeigneten Gegenpart. Er suchte nicht nur nach einer Ergänzung für Lanie, sondern nach einem Schauspieler, der auch den zurückhaltenden romantischen Helden spielen konnte. In Edward Burns fand er jemanden, der die Lässigkeit eines altmodischen Filmstars verkörpert, aber auch moderne Coolness. Eben jene Mischung, die perfekt zu dem Part von Lanies großer Hassliebe passt.

Die beiden könnten gegensätzlicher nicht sein: Lanie sucht Berühmtheit und Erfolg, während Pete hochtrabende Pläne und einen erfolgreichen Job als Kameramann in New York freiwillig aufgegeben hat. Er ist zurück nach Seattle gezogen, um näher bei seiner Exfrau und seinem kleinen Sohn zu sein.

"Pete hat seine Karrierepläne aufgegeben", beschreibt Ed Burns seine Figur. "In der Vergangenheit versuchte er wahrscheinlich, der Beste auf seinem Gebiet zu sein. Aber jetzt hat er seine Prioritäten anders gesetzt, zum Beispiel will er ein guter Vater sein."

Ed Burns hatte nach dem College zufällig schon bei einer New Yorker Nachrichtensendung gearbeitet. "Ich fühlte mich von dem Drehbuch angezogen, weil mir die Welt der lokalen Nachrichten vertraut erschien", lacht er. "Außerdem bin ich ein Fan altmodischer romantischer Komödien und Stephen Herek spielt in diesem Film auf humorige Weise mit einem Genre, das in den letzten Jahren viel von seinem Witz verloren hatte."

Persönliche und berufliche Achterbahnfahrt Prophet Jack mag ein Obdachloser, Ex-Knacki oder ein echter Prophet sein. Für Lanie ist er die Stimme des Schicksals, die ihr mitteilt, dass sie nur noch eine Woche zu leben hat. Diese entscheidende Rolle wollte Stephen Herek mit Tony Shalhoub besetzen. Obwohl seine Vorhersagen zum bunten Bild von Seattles Downtown beitragen, mag Jack seinen Job nicht besonders gern.

"Er würde lieber die richtigen Lottozahlen voraussagen und der ganzen Situation entgehen, aber er hat keine Wahl", erläutert Darsteller Tony Shalhoub, "denn die Botschaften überkommen ihn rein zufällig." Er fügt hinzu: "Jack ist eine eher spirituelle Figur und ihn zu spielen hat mich selber beruhigt und zu Meditation angeregt, also war es gut."

Jacks Prophezeiung schickt Lanie auf eine persönliche und berufliche Achterbahnfahrt: Sie bekommt die Chance, in New York als Reporterin für "A. M. USA" anzufangen, und trifft dabei Deborah Connors, eine der einflussreichsten TV-Persönlichkeiten. Deborah ist Lanies berufliches Vorbild und sie übernimmt eine unerwartete Schlüsselrolle für ihren persönlichen Weg. Darstellerin Stockard Channing fand es reizvoll, einen solch charismatischen Charakter zu spielen.

Auch Melissa Errico, die Lanies Kollegin und Fitnessgenossin Andrea spielt, war sofort Feuer und Flamme. Die beiden treffen sich täglich beim Workout, aber ihre Freundschaft geht kaum über gemeinsames Kalorienzählen und den geteilten Traum von der Berühmtheit hinaus. "Andrea hält Lanie für perfekt. Beide rennen nicht nur gemeinsam im Fitnesstudio auf dem Laufband, sondern auch im Hamsterrad des Erfolgs."

Auch Lanies Beziehung zu ihrem Freund Cal geht kaum tiefer. Cal sieht seine Freundin nicht als komplexe Persönlichkeit. Für ihn ist sie vor allem die schöne, erfolgreiche und superschlanke Ergänzung seiner selbst. Mehr als die geteilten, oberflächlichen Interessen für Starruhm, gebleichte Zähne und den fotogensten Auftritt in hippen Restaurants interessiert ihn nicht an Lanie.

Atemberaubende Blondine mit 50er-Jahre-Sexappeal Angelina Jolie porträtiert in LEBEN ODER SO ÄHNLICH eine Frau, die die Welt und sich selbst durch die rosarote Brille sieht. Ihre teure Garderobe und die Accessoires spiegeln ihre perfektionistische Persönlichkeit wider. Als sie sich auf ihre emotionale Reise begibt, reflektiert ihr Stil auch die dramatischen Änderungen, denen sie sich zuerst widersetzt und später hingibt.

Kostümbildnerin Aggie Rogers (Oscarnominierung für DIE FARBE LILA) arbeitete mit Stephen Herek bereits an ROCK STAR und MR. HOLLAND'S OPUS zusammen. Sie kooperierte eng mit Jolie und deren langjährigen Hair-Stylisten Colin Jamison und ihrer Maskenbildnerin Janeen Schreyer. Sie verwandelte Jolie von einer Brünetten in eine atemberaubende Blondine mit der Garderobe und der Frisur einer 50er-Jahre-Sexbombe.

"Angelina machte von Anfang an klar, dass sie genau so aussehen wollte", erinnert sich Rodgers. "Auch ihre Entscheidung für die Kleidung von Dolce und Gabbana war hervorragend. Es sind wunderschöne Kostüme, aussagekräftige Farben und tolle Materialien, die perfekt zu ihr passen." Die langen Ärmel, taillierten Kostümjäckchen und engen Fifties-Röcke untermalen Jolies beneidenswerte Figur.

Die Dreharbeiten zu LEBEN ODER SO ÄHNLICH begannen in Seattle und wurden dann in Vancouver und New York City fortgesetzt. Eine der größten Herausforderungen an das Team war der Dreh in Seattles KOMO-TV-Studios, denn mit diesem Drehort sollte die Authentizität der fiktiven "That's Seattle Life"-Sendung sichergestellt werden. Von den mehr als dreißig Drehorten in Vancouver diente das Marine Building im Art-Deco-Stil als New Yorker Sitz von "A. M. USA". Dort hofft Lanie auf die Erfüllung ihrer beruflichen Träume als Reporterin einer landesweiten Sendung.

Lanies einwöchiger Trip durch Lachen, Selbsterkenntnis und Erlösung mag beeindruckend sein. Er erscheint harmlos im Vergleich zu der Ehre, die im wirklichen Leben ihrer Darstellerin zuteil wurde. Nach Ende der Dreharbeiten zu LEBEN ODER SO ÄHNLICH wurde Jolie zur Ehrenbotschafterin des Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen ernannt.

Schon während der Dreharbeiten zu LARA CROFT: TOMB RAIDER in Kambodscha hatten ihr ehemalige Flüchtlinge von der Tätigkeit des Kommissariats erzählt. Als Jolie dort um mehr Informationen bat, bot man ihr sofort den Titel an. Anstatt zu akzeptieren, unternahm sie auf eigene Kosten Reisen nach Afrika, Kambodscha und Pakistan, um Sozialarbeiter und Flüchtlinge vor Ort zu treffen. Erst danach nahm sie die Ernennung an.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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